Schedelsche Weltchronik · Blatt 120

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 120, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 120, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Die sechsten verfolgung nach Nerone hat Maximinus der kaiser weder die christen bewegt. vn sunderlich wider die clericken vnd briestere. vnnd nach dem er menigclichen mit toedtung verfolget so wardt er auch im dritten iar seins kaiserthumbs von Pupieno zu Aquileia misambt seinen suenen erslagen. vnd also seiner verfolgung mitsambt seinem leben ein entschafft gemacht. left Poncion der hailigst martrer hat die kaiser Philippos (als die geschihtbeschreiber sagen) zum glawben christi bekert. Er was eins roemischen rathern sun. sein vater hieß marcus sein muter Julia. die gieng schwanger in den tempel des iupiters. darinn der briester opfferende sein klaidung zerrisse vnd mit erschroeckenlicher stymm sprach. Diss weib tregt in irem leib den der disen tempel von grundauff vmbkeren wirdt. darumb keret sie trawrig wider zu haws vnd beschweret irnn leib dz dz kind in ir vergeen solt. doch gepare sie dz kind an alle mackel. vnd als sie sich vnderstuond das kind zeertoedten do sprach der vater. laß es leben wil Jupiter so wirdt er sichselbs an seinem feind rechen. do er nw hohgelert wardt vnd die christen den sant Poncianus vor was hoeret singen. vnßer got im himel hat alle ding gethan die er wolt Abgoet der haiden sind silber vnd gold etc. Do hat er die abgoeter verlassen. vnnd mit seinem vater von Ponciano den tawff empfangen. vnd nach absterben seins vaters vnd Ponciani. dem babst Fabiano alle sein habe vnnd gueter gegeben. den armen außzeteylen. Nw was er mit den zwayen Philippen den kaisern gefreuendt. vnd ietzo das tawsentst iar der statt Rom. do zaiget er ine das der war vnd groß got imm himel zeeren wer vnd vrsachet sie damit. das sie von Fabiano de tawff empfiengen vnd den tempel zerprachen. von dem nachfolgenden kaisern hat er nach erduldung mancherlay peynigung. doch von den wueetenden bern vnd vomm fewr imm sannd vnuersert bleibende. zu letst mit enthawbtung die marter volbracht. Hienach volgen die martrer die durch mcanherlay verfolgung gelidden haben. vnd darnach die namen der beruembtern Leontius martrer Flocellus ein kind Felicissimus martrer Romanus martrer Babundus martrer Cixilla iunckfraw ein tochter Decij vnnd martrerin Abacuck martrer Anderius ein iunger Policarpi Siminus martrer Nouatus mit.xx. Victor ritter vnnd Terrena sein weib Concordius ein subdiacon Valerius martrer Gayus martrer Philippus voyt zu Alexandria Triphonia Cesarius Simphorianus Castorius Columba Geminianus Philomon Januarius Festus Desiderius Sabinus Basilius mit siben andern Adrianus Simplicianus Die siben schlaffer Patroclus Simphorianus xlviij. martrer Leonilla Priscus iijc.xlij.martrer Quirinus Theodorus basilides Maurus Victorinus Victor martrer Nicoferus Claudianus Alexander Carpoferus Crisandus Gedeon Daria Marcellianus Marcus (sein weib Nicostratus vnnd zoe Tranquillus Cromacius Crescencia Theodora Albinus Felicianus Primus Faustinus Beatrix left Zu zeiten Decij des kaisers (als er nach mancherlay verfolgung der christen gein Ephesum komen wz) ließ er mitten in der statt einen tempel pawen vnd bedranget aller menigclichen bey der peen des tods den abgoettern zeopffern. do fiel so ein große forcht der pein in aller menigclichen. dz der sun des vaters. vnd ein freuendt des andern verlawgnet. In diser statt warn siben edeln die ersten vnd fuernemsten imm pallast. nemlich Maximinus Marcus Martinianus Dionisius Seraphion Johannes vnd Constantinus. die verachteten die abgoetter vnd verbargen sich fastende vnd bettende in irmm haws. Nw warden sie gegen Decio verraten do gaben sie ire vaterlich erbe den armen vnd giengen in den berg Celion in maynung sich daselbst bis zu ende der verfolgung zeuerbergen. auß den wartet er einer der andern vnd eroeffnet inen dem grimen decij vnd bracht ine prot zu. mit derselben speis warden sie gesterckt redten in wainen einander zu. also dz sie (als ggot wolt) entscliessen. do hieß decius das loch des hols verschopffen das sie hungers vnd dursts sterben solten. die warden darnach zu den zeiten Theodosij nochmals lebende gefunden als ettwen hernachfolgt. Blat CXX der werlt Die sibend verfolgung der christen nach Nerone ist an vil menschen an mancherlay enden beschehen durch Decium den kaiser. der dem kaiser Philippo (als er von Verona oder Bern auß dem krieg wider anhayms zohe) in gestalt ine zeeren entgegen kome vnd ine listigclich ertoedtet. vnd also das kaiserthumb an sich bracht. vnd gein Rom zohe das er gesehen wuerd das er auß lieb der goetter seinen herrn (darumb das er ein cristen man was) ertoedt het. vnd er beweget ein herte verfolgung wider die cristen vil vertoedtende. vnd sunderlich darundter den sun des vorgenanten kaiser Philippi mancherlay marter haben vnder decio gelidden wie hernachuolgt. left right Abdon vnd Senen roemische vndergesatzte koniglein. gar hohberuembte mann auß Lorduba der statt persier land pirtig sind in disen aufruerungen nach vil bekuemernus des kerckers mit ketten gepunden gein Rom gefueert vnd daselbst mit mancherlay geschlecht der pein lanng gequelet worden. dann als der kaiser Decius Babiloniam vnnd andere land vberwunden het do fueeret er die cristen menschen von mancherlay oertern in die benanten statt Corduban vnd toedtet sie mit mancherlay marter. derselben leichnam begruoben Abdon vnd Senen die cristenlichsten menner. Zu lest haben sie mit dem schwert die marter vollbracht. am. xxx. tag des monats iulij Agatha ein siculianische iunckfrau von gepurt edel vnd hoh beruembt ist diser zeit in Cathania der statt des lands Sicilie vmb Christus willen mit marter gekroenet worden. dann als Quincianus der verweser daselbst das geruochde vnd lob its adels schoene vnd reichthuemer hoeret vnd das sie ein diern cristi wer do hat er nach ir gegriffen vnd sie Affridosie der schoedisten frawen vberantwurt. die het siben zu der schnoedigkeyt ergeben toechter die vermaneten Agatham mit raten vnd bedroungen. xxx. tag das sie dem verweser seins willens werden solt. vnd als sie nw zu letst den abgoettern nit opffern wolt do wardt sie nach vil schlegen vnnd kerckern nach abschneydung irer pruest vnnd nach vmbweltzung auff glueende koln auß verurtailung Quinciani im kercker getoedt vnd mit der martrer kron am fueften tag des monats februarij begabt. vnd ir leichnam von den glawbigen mit wolriechenden krewtern gesalbet begraben. dabey leget ein engel ein tafel dar an stuond gegraben. Ein heiligs willigs gemueet. got die ere. vnd entledigung dem vaterland. left right Appolonia die heiligst gedechtnus wirdigst Alexandrisch iunckfraw langs alters hat in diser zeit von des cristenlichen namens wegen die bitterste marter erlidden. dann als sie den abgoetern nit opffern wolt da haben sie ir erstlich alle ir zene außgeschlagen vnd mit viel schlegen gepeinigt. Zu letst als sie ir droeten sie woelten sie lebendig prennen wo sie mit ine got nit lestern woelt. Aber da sie das fewer sahe do riße sie sich von den henden der vnguetigen vnd sprang selbs in das berayt fewer. also dz die handler der grawsamkeit erschracken das ein weib wardt gefunden schneller zum tod dann ein verfolger zu den pein. vnd verdient also die kron der martrer amm newden tag des monats februarij. vnnd wardt ir heiliger leichnam darnach in welschland gebracht. vnnd wirdt zu Derdona in der stat Lombardie in der thumbkirchen enthalten Serapion auß Alexandria pirtig ein fast heiliger man ward in demselben iar zu Alexandria vonn verfolgern gefangen mit grawsamen peinen gequelet also fast dz sich alle seins leibs glidfuege vor entloeseten. aber er wardt noch lebendige von des teuefels knechten von dem hoehsten seins hawß vber abgestuertzt vnd also ein cristenlicher martrer gemacht. Sein tag wird amm. xiiij. tag nouembris begangen. Justinus der briester hat auch mit victoria vmb christus willen die marter hobestendigclich erduldet. left right Meniacus ein Etrurischer hohachtper man hat zu Florentz in Ethrurier land am. xxv. tag octobris die marter erlidden. des heiligthumb von den burgern daselbst in grosser ere gehalten wirdt. Parentinus vnnd Laurentinus deselben lands sind in der stat Arecio mitsambt Nicostrata den diacon. vnd vil andre in diser aufruor vmb cristo gemartert Victoria die edel iunckfraw einen haiden vermehelt worden. diesich weder beschlaffen lassen noch den abgoettern opffern wolt ist zu rom vnder der Decianischen verfolgung nach vil wunderzaichen vnd heiliger werck. als sie den hernn vil iunckfrawen zubracht het auß bitte irs gesponsen mit dem schwert gericht worden. Sunst sind auch vil andere mit der marter bekroenet die in diser wueettenden verfolgung sich in den wueestungen vnd bergen verborgen haben. vnd von hunger durst. kelte. sichthumm. moerdern vnd wilden thiern in mancherlay gegenten der welt verzert worden sind.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Die sechste Verfolgung nach Nero hat Kaiser Maximinus gegen die Christen angestiftet, und zwar besonders gegen die Kleriker und Priester. Und nachdem er jedermann mit Tötung verfolgt hatte, wurde er auch im dritten Jahr seines Kaisertums von Pupienus in Aquileia mitsamt seinen Söhnen erschlagen. Und so wurde seiner Verfolgung mitsamt seinem Leben ein Ende gesetzt. Der heilige Märtyrer Pontian hat die Kaiser Philippus (wie die Geschichtsschreiber berichten) zum Glauben Christi bekehrt. Er war der Sohn eines römischen Ratsherrn. Sein Vater hieß Marcus, seine Mutter Julia. Sie ging schwanger in den Tempel des Jupiter. Darin zerriss der opfernde Priester sein Gewand und sprach mit erschrecklicher Stimme: „Dieses Weib trägt in ihrem Leib den, der diesen Tempel von Grund auf umkehren wird.“ Darum kehrte sie traurig nach Hause zurück und versuchte, ihren Leib zu beschweren, damit das Kind in ihr vergehen sollte. Doch gebar sie das Kind ohne Makel. Und als sie sich unterstand, das Kind zu töten, da sprach der Vater: „Lass es leben! Will Jupiter es, so wird er sich selbst an seinem Feind rächen.“ Als er nun hochgelehrt war und die Christen vor dem heiligen Pontian singen hörte: „Unser Gott im Himmel hat alle Dinge getan, die er wollte. Die Abgötter der Heiden sind Silber und Gold etc.“, da hat er die Abgötter verlassen und mit seinem Vater von Pontian die Taufe empfangen. Und nach dem Absterben seines Vaters und Pontians gab er Papst Fabianus all sein Hab und Gut, um es den Armen auszuteilen. Nun war er mit den zwei Kaisern Philippus befreundet, und es war gerade das tausendste Jahr der Stadt Rom. Da zeigte er ihnen, dass der wahre und große Gott im Himmel zu ehren sei, und veranlasste sie damit, dass sie von Fabianus die Taufe empfingen und den Tempel zerbrachen. Von dem nachfolgenden Kaiser hat er nach Erduldung mancherlei Peinigung, doch von den wütenden Bären und vom Feuer unversehrt bleibend, zuletzt mit Enthauptung die Marter vollbracht. Hiernach folgen die Märtyrer, die durch mancherlei Verfolgung gelitten haben, und darnach die Namen der Berühmten: Leontius, Märtyrer; Flocellus, ein Kind; Felicissimus, Märtyrer; Romanus, Märtyrer; Babundus, Märtyrer; Cixilla, Jungfrau, eine Tochter des Decius und Märtyrerin; Abacuck, Märtyrer; Anderius, ein Jünger des Polykarp; Siminus, Märtyrer; Novatus mit 20; Victor, Ritter, und Terrena, seine Ehefrau; Concordius, ein Subdiakon; Valerius, Märtyrer; Gaius, Märtyrer; Philippus, Vogt zu Alexandria; Triphonia, Cäsarius, Symphorianus, Castorius, Columba, Geminianus, Philomon, Januarius, Festus, Desiderius, Sabinus, Basilius mit sieben anderen, Adrianus, Simplicianus; Die Sieben Schläfer; Patroclus, Symphorianus, 48 Märtyrer; Leonilla, Priscus, 342 Märtyrer; Quirinus, Theodorus, Basilides, Maurus, Victorinus, Victor, Märtyrer; Nicephorus, Claudianus, Alexander, Carpophorus, Chrysanthus, Gideon, Daria, Marcellianus, Marcus, seine Ehefrau Nicostratus und Zoe, Tranquillus, Chromatius, Crescentia, Theodora, Albinus, Felicianus, Primus, Faustinus, Beatrix. Zu Zeiten Kaiser Decius’ (als er nach mancherlei Verfolgung der Christen nach Ephesus gekommen war) ließ er mitten in der Stadt einen Tempel bauen und bedrängte jedermann bei Todesstrafe, den Abgöttern zu opfern. Da fiel eine so große Furcht vor der Pein auf jedermann, dass der Sohn den Vater und ein Freund den anderen verleugnete. In dieser Stadt waren sieben Edle, die ersten und vornehmsten im Palast, nämlich Maximinus, Marcus, Martinianus, Dionysius, Seraphion, Johannes und Constantinus. Die verachteten die Abgötter und verbargen sich fastend und betend in ihrem Haus. Nun wurden sie Kaiser Decius verraten; da gaben sie ihr väterliches Erbe den Armen und gingen in den Berg Celion in der Absicht, sich daselbst bis zum Ende der Verfolgung zu verbergen. Einer von ihnen versorgte die anderen und offenbarte ihnen den Grimm des Decius und brachte ihnen Brot. Mit derselben Speise wurden sie gestärkt, redeten weinend einander zu, sodass sie (wie Gott wollte) einschliefen. Da ließ Decius das Loch der Höhle verschließen, damit sie Hungers und Durstes sterben sollten. Die wurden danach zu den Zeiten des Theodosius nochmals lebend gefunden, wie etwa hiernach folgt. Blatt 120 der Weltchronik. Die siebte Verfolgung der Christen nach Nero ist an vielen Menschen an mancherlei Orten durch Kaiser Decius geschehen. Der dem Kaiser Philippus (als er von Verona oder Bern aus dem Krieg wieder heimzog) in der Gestalt, ihm zu ehren, entgegenkam und ihn listiglich ertötete. Und so das Kaisertum an sich brachte und nach Rom zog, damit er gesehen würde, dass er aus Liebe zu den Göttern seinen Herrn (darum, weil er ein Christ war) getötet hatte. Und er bewegte eine harte Verfolgung wider die Christen, viele tötend. Und besonders darunter der Sohn des vorgenannten Kaisers Philippus. Mancherlei Marter haben unter Decius gelitten, wie hiernach folgt. Abdon und Sennen, römische untergebene Königlein, sehr hochberühmte Männer aus Corduba, der Stadt des Perserlandes, gebürtig, sind in diesen Aufruhren nach viel Bekümmernis des Kerkers mit Ketten gebunden nach Rom geführt und daselbst mit mancherlei Art der Pein lange gequält worden. Denn als Kaiser Decius Babylonien und andere Länder überwunden hatte, da führte er die Christen von mancherlei Orten in die benannte Stadt Corduba und tötete sie mit mancherlei Marter. Deren Leichname begruben Abdon und Sennen, die christlichsten Männer. Zuletzt haben sie mit dem Schwert die Marter vollbracht, am 30. Tag des Monats Juli. Agatha, eine sizilianische Jungfrau, von Geburt edel und hochberühmt, ist dieser Zeit in Catania, der Stadt des Landes Sizilien, um Christi willen mit Marter gekrönt worden. Denn als Quintianus, der Verweser daselbst, das Gerücht und Lob ihres Adels, ihrer Schönheit und Reichtümer hörte und dass sie eine Dienerin Christi sei, da hat er nach ihr gegriffen und sie Aphrodisia, der schändlichsten Frau, überantwortet. Die hatte sieben der Schändlichkeit ergebene Töchter, die ermahnten Agatha mit Ratschlägen und bedrängten sie 30 Tage, dass sie dem Verweser willfährig werden sollte. Und als sie nun zuletzt den Abgöttern nicht opfern wollte, da wurde sie nach vielen Schlägen und Kerkerhaft, nach Abschneidung ihrer Brüste und nach Umwälzung auf glühenden Kohlen, aus Verurteilung des Quintianus im Kerker getötet und mit der Märtyrerkrone am fünften Tag des Monats Februar begabt. Und ihr Leichnam wurde von den Gläubigen mit wohlriechenden Kräutern gesalbt begraben. Dabei legte ein Engel eine Tafel, darauf stand eingegraben: „Ein heiliges, williges Gemüt. Gott die Ehre. Und Entledigung dem Vaterland.“ Apollonia, die heiligste, des Gedächtnisses würdigste alexandrinische Jungfrau hohen Alters, hat in dieser Zeit um des christlichen Namens willen die bitterste Marter erlitten. Denn als sie den Abgöttern nicht opfern wollte, da haben sie ihr erstlich alle ihre Zähne ausgeschlagen und sie mit vielen Schlägen gepeinigt. Zuletzt, als sie ihr drohten, sie wollten sie lebendig verbrennen, wenn sie mit ihnen Gott nicht lästern wollte. Aber da sie das Feuer sah, da riss sie sich von den Händen der Ungütigen und sprang selbst in das bereitete Feuer, sodass die Händler der Grausamkeit erschraken, dass ein Weib...

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter (historische Periodisierung).
Maximinus
Maximinus Thrax, römischer Kaiser (235–238 n. Chr.).
Nerone
Nero, römischer Kaiser (54–68 n. Chr.).
bewegt
Hier im Sinne von „angestiftet“, „veranlasst“.
clericken vnd briestere
Kleriker und Priester.
menigclichen
Jedermann, alle Menschen.
toedtung
Tötung.
Pupieno
Pupienus, römischer Kaiser (238 n. Chr.).
Aquileia
Stadt in Norditalien.
misambt seinen suenen
Mitsamt seinen Söhnen.
entschafft
Ende, Abschluss.
Poncion
Pontian, Papst und Märtyrer (ca. 230–235 n. Chr.).
Philippos
Philippus Arabs, römischer Kaiser (244–249 n. Chr.), und sein Sohn Philippus II.
geschihtbeschreiber
Geschichtsschreiber.
rathern
Ratsherr.
iupiters
Jupiter, oberster Gott der römischen Mythologie.
klaidung zerrisse
Kleidung zerriss (als Zeichen des Entsetzens oder der Trauer).
von grundauff vmbkeren
Von Grund auf umkehren, zerstören.
beschweret irnn leib
Versuchte, ihren Leib zu beschweren, um eine Fehlgeburt herbeizuführen.
vergeen solt
Vergehen, sterben sollte.
an alle mackel
Ohne Makel, makellos.
vnderstuond
Unterstand sich, versuchte.
zeertoedten
Zu töten.
hohgelert
Hochgelehrt.
Abgoet der haiden sind silber vnd gold etc.
Zitat aus Psalm 115,4-8 (oder Psalm 135,15-18).
abgoeter
Abgötter, Götzen.
tawff empfangen
Die Taufe empfangen.
absterben
Tod.
babst Fabiano
Fabianus, Papst und Märtyrer (236–250 n. Chr.).
habe vnnd gueter
Hab und Gut, Besitz.
außzeteylen
Auszuteilen.
gefreuendt
Befreundet.
tawsentst iar der statt Rom
Das tausendste Jahr der Stadt Rom (248 n. Chr.), das mit den Ludi Saeculares gefeiert wurde.
zeeren wer
Zu ehren sei.
vrsachet sie damit
Veranlasste sie damit.
tempel zerprachen
Tempel zerbrachen (als Zeichen der Abkehr vom Heidentum).
erduldung mancherlay peynigung
Erduldung mancherlei Peinigung.
wueetenden bern
Wütenden Bären (im Kontext von Arenakämpfen).
imm sannd
Frühneuhochdeutsch für 'im Ganzen' oder 'im Sand' (im Kontext einer Arena). Hier im Sinne von 'unversehrt'.
enthawbtung die marter volbracht
Die Marter durch Enthauptung vollbracht.
Flocellus ein kind
Flocellus, ein Kind (Märtyrer).
Cixilla iunckfraw ein tochter Decij vnnd martrerin
Cixilla, Jungfrau, eine Tochter des Decius und Märtyrerin.
Abacuck martrer
Abacuck, Märtyrer.
Anderius ein iunger Policarpi
Anderius, ein Jünger des Polykarp (Polykarp von Smyrna, Bischof und Märtyrer).
.xx.
Römisch für 20.
ritter
Ritter.
weib
Ehefrau.
subdiacon
Subdiakon.
voyt zu Alexandria
Vogt (Statthalter) zu Alexandria.
Die siben schlaffer
Die Sieben Schläfer von Ephesus, eine Gruppe von Märtyrern, die der Legende nach in einer Höhle eingemauert wurden und Jahrhunderte später wiedererwachten.
xlviij.
Römisch für 48.
iijc.xlij.
Römisch für 342.
Nicoferus
Nicephorus.
Carpoferus
Carpophorus.
Crisandus
Chrysanthus.
Gedeon
Gideon.
Marcus (sein weib Nicostratus vnnd zoe)
Die Klammerung im Original ist ungewöhnlich. Es wird hier als 'Marcus, seine Ehefrau Nicostratus und Zoe' interpretiert, wobei Nicostratus und Zoe als separate Personen oder als Teil einer Gruppe von Märtyrern verstanden werden, die mit Marcus in Verbindung stehen.
Decij des kaisers
Kaiser Decius (249–251 n. Chr.).
Ephesum
Ephesus, antike Stadt in Kleinasien.
pawen
Bauen.
bedranget aller menigclichen
Bedrängte jedermann.
bey der peen des tods
Bei Todesstrafe.
zeopffern
Zu opfern.
forcht der pein
Furcht vor der Pein, Angst vor Folter und Tod.
verlawgnet
Verleugnete.
siben edeln
Sieben Edle (die Sieben Schläfer).
fuernemsten imm pallast
Vornehmsten im Palast.
Maximinus Marcus Martinianus Dionisius Seraphion Johannes vnd Constantinus
Die Namen der Sieben Schläfer von Ephesus.
fastende vnd bettende
Fastend und betend.
Celion
Berg Celion (wahrscheinlich der Berg Coelian in Ephesus, wo die Höhle der Sieben Schläfer vermutet wird).
in maynung
In der Absicht.
zeuerbergen
Zu verbergen.
eroeffnet inen dem grimen decij
Offenbarte ihnen den Grimm des Decius.
bracht ine prot zu
Brachte ihnen Brot.
in wainen einander zu
Weinend einander zu.
entscliessen
Einschliefen.
loch des hols verschopffen
Das Loch der Höhle verschließen.
hungers vnd dursts sterben
Hungers und Durstes sterben.
Theodosij
Theodosius II., oströmischer Kaiser (408–450 n. Chr.), unter dessen Herrschaft die Sieben Schläfer der Legende nach wiedererwachten.
Blat CXX der werlt
Blatt 120 der Weltchronik (Schedelsche Weltchronik).
CXX
Römisch für 120.
siben verfolgung
Siebte Verfolgung.
an vil menschen an mancherlay enden
An vielen Menschen an mancherlei Orten.
Verona oder Bern
Verona (Stadt in Italien) oder Bern (Stadt in der Schweiz).
anhayms zohe
Heimzog.
in gestalt ine zeeren entgegen kome
In der Gestalt, ihm zu ehren, entgegenkam.
listigclich ertoedtet
Listiglich (hinterhältig) ertötete.
an sich bracht
An sich brachte (die Herrschaft).
gein Rom zohe
Nach Rom zog.
darumb das er ein cristen man was
Darum, weil er ein Christ war.
beweget
Bewegte, initiierte.
vil vertoedtende
Viele tötend.
sun des vorgenanten kaiser Philippi
Der Sohn des vorgenannten Kaisers Philippus (Philippus II.).
Abdon vnd Senen
Abdon und Sennen, persische Märtyrer.
vndergesatzte koniglein
Untergebene Königlein, Vasallenkönige.
Lorduba der statt persier land pirtig
Corduba, eine Stadt im Perserland (wahrscheinlich Corduba in Mesopotamien, nicht das spanische Córdoba).
aufruerungen
Aufruhren, Unruhen.
bekuemernus des kerckers
Bekümmernis des Kerkers, Kerkerhaft.
gein Rom gefueert
Nach Rom geführt.
mancherlay geschlecht der pein
Mancherlei Art der Pein, verschiedene Arten der Folter.
lanng gequelet
Lange gequält.
Babiloniam
Babylonien, eine antike Region in Mesopotamien.
vberwunden het
Überwunden hatte, erobert hatte.
benanten statt Corduban
Die benannte Stadt Corduba.
derselben leichnam
Deren Leichname.
cristenlichsten menner
Christlichsten Männer.
.xxx.
Römisch für 30.
iulij
Juli.
Agatha
Agatha von Catania, sizilianische Märtyrerin.
siculianische iunckfrau
Sizilianische Jungfrau.
von gepurt edel vnd hoh beruembt
Von Geburt edel und hochberühmt.
Cathania
Catania, Stadt auf Sizilien.
Sicilie
Sizilien.
mit marter gekroenet
Mit der Märtyrerkrone gekrönt, als Märtyrerin gestorben.
Quincianus
Quintianus, römischer Statthalter auf Sizilien.
verweser
Verweser, Statthalter, Verwalter.
geruochde vnd lob its adels schoene vnd reichthuemer
Das Gerücht und Lob ihres Adels, ihrer Schönheit und Reichtümer.
diern cristi
Dienerin Christi.
Affridosie der schoedisten frawen
Aphrodisia, der schändlichsten Frau (eine Kupplerin oder Aufseherin).
siben zu der schnoedigkeyt ergeben toechter
Sieben der Schändlichkeit ergebene Töchter.
vermaneten Agatham mit raten vnd bedroungen
Ermahnten Agatha mit Ratschlägen und bedrängten sie.
seins willens werden solt
Seinem Willen willfährig werden sollte.
abschneydung irer pruest
Abschneidung ihrer Brüste (eine Foltermethode).
vmbweltzung auff glueende koln
Umwälzung auf glühenden Kohlen.
verurtailung Quinciani
Verurteilung des Quintianus.
fueften tag des monats februarij
Fünften Tag des Monats Februar.
wolriechenden krewtern gesalbet
Mit wohlriechenden Kräutern gesalbt.
tafel dar an stuond gegraben
Tafel, darauf stand eingegraben.
Ein heiligs willigs gemueet. got die ere. vnd entledigung dem vaterland.
Dies ist die deutsche Übersetzung des lateinischen Spruchs 'Mentem sanctam, spontaneam, honorem Deo et patriae liberationem' (Ein heiliger, williger Geist, Ehre sei Gott und Befreiung dem Vaterland).
Appolonia
Apollonia von Alexandria, Märtyrerin.
heiligst gedechtnus wirdigst
Heiligste, des Gedächtnisses würdigste.
Alexandrisch iunckfraw langs alters
Alexandrinische Jungfrau hohen Alters.
von des cristenlichen namens wegen
Um des christlichen Namens willen.
zene außgeschlagen
Zähne ausgeschlagen (eine Foltermethode).
lebendig prennen
Lebendig verbrennen.
got nit lestern woelt
Gott nicht lästern wollte.
fewer
Feuer.
vnguetigen
Die Ungütigen, die Grausamen.
berayt fewer
Das bereitete Feuer.
handler der grawsamkeit
Die Händler der Grausamkeit, die Grausamkeit Ausübenden.