Schedelsche Weltchronik · Blatt 126

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 126, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 126, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter left right Dorothea die glorwirdige iunckfraw in Cesarea der statt Capadocie wardt dieser zeit von cristo wegen ergriffen. an einem schnelgalgen aufgehebt. darnach mit feuesten hart geslagen vnd zu letst enthawbtet. in irem außgang belachet sie Theophilus sprechend. Ey du gespons christi libe schick rosen her von deins gesponsen paradis. also auß fuerbete. Dorothee erschine im ein kind tragende in eim koerlein drey oepffel vnd drey rosen Theophilo zebringen. der empfieng die pald in verwunderung dann es was ein kalte zeit in dem monat Februario vnnd er wardt bekert vnnd nach schwerer peynigung enthawbtet. Eleuetherius der durchleuechtig ritter wardt in diser verfolgung mit vil vnzallichen menschen zu Nicomedia gemartert. auß den ettlich enthawbtet. ettlich verprennet vnd ettlich in das meer gestuertzt warden. als diser Eleuetherius in allen glidern seins leichnams gepeynigt vnd ye vnnd ye kreftiger wardt do wardt er zu letst als gold mit fewr beweret vnd mit der martrer kron begabet am andern tag des monats octobris. Sergius vnd Bachus die edeln mann vnd fuername bey dem kaiser Maximiano warden in diser aufruor gein ime das sie cristen wern verclagt vnd darumb in den tempel Jouis gefuert. daselbst die agoetter anzebetten. do sie das nit thun wolten do warden sie irer ritterlichen klaider entploesset vnd Bachus mit rohem geadere pluetfluessig geslagen vnd bis zu zerreißung seins bauchs vnd lebern gedenet. vnd nach seim absterben sein leichnam durch die foegel vor den wilden thiern bewaret bis der begraben wardt Aber do Sergius sich auch nit abwencken wolt lassen do warden ime genagelt schuoh angezogen in den muost er vor eim wagen vil meyl lawffen. Zu letst ward er im cristenlichen glawben bestendig wesende enthawbtet. Die vier gekroenten. nemlich Seuerinus. Seuerianus Carpopherus vnd Victorinus wolten auff gepott Diocleciani dem abgot Asclepio nit opffern darumb warden sie mit pleyzaynen tod geslagen vnd ire leichnam den hunden an die gassen fuergeworffen. die sannt Sebastian mit dem babst Melchiade bey nacht begruobe. Fides die heilig iunckfraw wardt in der statt Ageno von dem richter Diciano mit liebkoserey vnd auch mit bedroung angemuotet den goettern der hayden zeopffern. do sie sich es wideret wardt sie auff ein erin rost außgedenet vnd mit darunter gestrewten kolen gepeynigt vnd so senft muetig in der marter gefunden dz sie damit vil lewt zu cristo bekeret. Do sanctus Caprasius (der sich auß forchten verborgen het) die marter diser iunckfrawen sahe. do bate er got sie zu einer vberwinderin zemachen. do sahe er ein schneeweiße tawben von himel steygen vnd diser iunckfrawen ein lichte kron von gold vnd edelm gestayn auff ir hawbt setzen vnd das fewer außleschen. darumb opfferet er sich einen cristen vnd wardt mitsambt Primo vnd Feliciano vnd diser iunckfrawen enthawbtet. Euphemia die edel iunckfraw wardt bey der statt Calcedona mit andern. lxx. ergriffen. vnd darumb dz sie den abgott Mars nit eren wolt mit allen geschlechten der pein geeingstigt vnd ymmerdar bestendigclich erfunden bis in den todt. Felix der bischoff in Apulia ist mit Adaucto Januario Fortunato vnd Septuno diser zeit als sie lang im kercker geheilligt warden durch gantz Affricam vnd Siciliam mit vil engstigung gefueert vnnd zu letst enthawbt worden. Felix ein andrer vnd Fortunatus gebruedere sind in diser verfolgung zu Aquileia an eim schnelgalgen auffgehenckt worden. die peiniger hielten prennend stayn disen zwayen martrer an ir seyten. die warden auß goetlicher kraft außgeloescht. darnach warden sie mit siedendem oele begoßen. Sie bliben aber vnuerletzt. Zu letst warden sie enthawbtet amm. xi. tag Junij. Blat CXXVI der werlt left right Margaretha die schoenst iunckfraw auß Antiiochia von haidnischen eltern geporn. einer nererin vberantwurt hat sich willigclich laßen tawffen. als sie nach absterben irer muter bey irer nererin der schaff warttet vnd. xv. iar alt vnd fast wol gestalt wz do wardt Olibrius in begirde zu ir entzuendet. aber do er erkennet das sie ein cristin wer leget er sie in den kercker vnd do sie sich die abgoetter anzebetten wider setzet wardt sie aufgehenckt mit ruoten iemerlich geslagen vnd ir flaisch mit eyßnin krewln zerrißen vnd wider in den kerker geworffen. alda erschine ir der tewfel in gestalt eins drackens als wolt er sie verschlicken aber sie machet ein zaichen des creuetz vnd er verschwunde. darnach hieße sie der richter enthawbten am. xij. tag Julij vnd sie bate fuer allermenigclich. auch fuer die verfolger vnd fuer die geperenden frawen. die sich ir in der geperung befelhen. Maximilianus auß der statt Ceyla von edeln vnd andachtigen eltern geporn ein hoherfarner vnd tugentreicher man wardt nach absterben sancti Quirini des Laureacensischen bischofs von allermenigclichem zu eim bischoff daselbst erwelet vnd zu der zeit Lari vnd Numeriani der zwayer kaiser. darumb das er die abgoetter nit eren wolt in den tempel martis gefueret vnd von den hoflewten gemartert. zu Ceyla außerhalb der mawr im iar christi. ijc. lxxxix. am. xij. tag octobris. dem der hertzog zu Bayrn gein Passaw gebracht hat da dann sein gedechtnus gehabt wird Blasius (der dann in aller heiligkeit vnd senftmueetigkeyt plueet) wardt von den cristen in Sebaste der statt Capodicie zu bischof erwelet. Diser Blasius gienge zu empfliehung der grawsamen verfolgung in ein hoele eins bergs da hin komen die wilden thier. die hailet er. so brachten ime die raben speys. do das der richter hoeret hieß er ine fuer sich bringen. Blasius thet vnderwegen zaichen. er wardt in einen kerker gelegt vnnd von verschmehung wegen der abgoetter an ein holtz aufgehenckt an seine leichnam mit eyßnin krewln gerissen. sieben cristen frawen huoben sein pluot auf. die warden enthawbt. deßgleichen auch Blasius mit zwayen klainen suenen. derselben weiber. Juliana die durchleuechtig iunckfraw von Como der statt Gallie hat diser zeit daselbst vil vnd mancherlay grawsamer marter vnd peynigung erlidden. vnd darnach offenlich mit dem teuefel gefochten. vnd ine ritterlich vberwunden. vnnd nachfolgend abermals vil marter geduldet vnd zu letst wardt sie enthawbtet. amm. xvi. tag februarij. Primus vnd Felicianus die roemer vnd gaistlich mann haben in diser verfolgung nach vil ertichter paynigung darumb das sie den abgoettern nit opffern wolten durch enthawbtung die kron der martrer erlangt am. ix. tag Junij. Pamphilus ein kriechischer briester vnd ein verwandter Eusebij cesariensis ein treffenlicher lerer der heiligen schrift ist diser zeit bey der statt Lesarea des lands Palestine gemartert worden am ersten tag des monats Junij. Quintinus ein Gallischer ritter hat von Maximiano dem kayser am letsten tag des monats octobris die marter erlidden vnnd sein leichnam ist darnach vber. lv. iar vnzerstoert gefunden worden auß englischer offenbarung. Ruffus der hhoberuembt roemisch ritter wardt von dem kaiser Diocleciano mitsambt allem seinen hawßgesind mit vil plagen beruert vnnd zu eim cristenlichen ritter gemacht. vnd wiewol vnzallich cristenlich lewt ertoedt worden sind. so sind doch die beruembsten vnd namhaftigsten bedacht vnnd hie bestuempt worden.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Dorothea, die glorwürdige Jungfrau in Cäsarea, der Stadt Kappadokiens, wurde dieser Zeit wegen Christus ergriffen, an einem Schnellgalgen aufgehängt, danach mit Fäusten hart geschlagen und zuletzt enthauptet. Bei ihrem Abschied belächelte sie Theophilus, sprechend: „Ach, du liebe Braut Christi, schick Rosen her von deines Bräutigams Paradies.“ Also erschien ihm auf Fürbitte Dorotheas ein Kind, das in einem Körbchen drei Äpfel und drei Rosen trug, um sie Theophilus zu bringen. Dieser empfing sie bald in Verwunderung, denn es war eine kalte Zeit im Monat Februar, und er wurde bekehrt und nach schwerer Peinigung enthauptet. Eleutherius, der durchlauchtigste Ritter, wurde in dieser Verfolgung mit vielen unzähligen Menschen zu Nikomedia gemartert, von denen etliche enthauptet, etliche verbrannt und etliche in das Meer gestürzt wurden. Als dieser Eleutherius in allen Gliedern seines Leibes gepeinigt und immer kräftiger wurde, da wurde er zuletzt als Gold mit Feuer bewährt und mit der Märtyrerkrone begabt am zweiten Tag des Monats Oktober. Sergius und Bacchus, die edlen Männer und Vornehmen beim Kaiser Maximian, wurden in dieser Aufruhr gegen ihn verklagt, dass sie Christen wären, und darum in den Tempel des Jupiter geführt, daselbst die Abgötter anzubeten. Da sie das nicht tun wollten, da wurden sie ihrer ritterlichen Kleider entblößt und Bacchus mit rohem Geäder blutflüssig geschlagen und bis zur Zerreißung seines Bauches und seiner Leber gedehnt. Und nach seinem Absterben wurde sein Leichnam durch die Vögel vor den wilden Tieren bewahrt, bis er begraben wurde. Aber da Sergius sich auch nicht abwenden lassen wollte, da wurden ihm genagelte Schuhe angezogen, in denen musste er vor einem Wagen viele Meilen laufen. Zuletzt wurde er, im christlichen Glauben beständig bleibend, enthauptet. Die vier Gekrönten, nämlich Severinus, Severianus, Carpophorus und Victorinus, wollten auf Gebot Diokletians dem Abgott Asclepius nicht opfern, darum wurden sie mit Bleizainen totgeschlagen und ihre Leichname den Hunden an die Gassen vorgeworfen. Die begrub Sankt Sebastian mit dem Papst Melchiades bei Nacht. Fides, die heilige Jungfrau, wurde in der Stadt Agen vom Richter Dicianus mit Liebkoserei und auch mit Bedrohung angemutet, den Göttern der Heiden zu opfern. Da sie sich dessen weigerte, wurde sie auf einen ehernen Rost ausgedehnt und mit darunter gestreuten Kohlen gepeinigt und so sanftmütig in der Marter gefunden, dass sie damit viele Leute zu Christus bekehrte. Als Sankt Caprasius (der sich aus Furcht verborgen hatte) die Marter dieser Jungfrau sah, da bat er Gott, sie zu einer Überwinderin zu machen. Da sah er eine schneeweiße Taube vom Himmel steigen und dieser Jungfrau eine lichte Krone von Gold und edlem Gestein auf ihr Haupt setzen und das Feuer auslöschen. Darum opferte er sich als Christ und wurde mitsamt Primus und Felicianus und dieser Jungfrau enthauptet. Euphemia, die edle Jungfrau, wurde bei der Stadt Chalkedon mit anderen siebzig ergriffen und darum, dass sie den Abgott Mars nicht ehren wollte, mit allen Geschlechtern der Pein geängstigt und immerdar beständiglich erfunden bis in den Tod. Felix, der Bischof in Apulien, ist mit Adauctus, Januarius, Fortunatus und Septimus dieser Zeit, als sie lange im Kerker geheiligt wurden, durch ganz Afrika und Sizilien mit viel Ängstigung geführt und zuletzt enthauptet worden. Felix, ein anderer, und Fortunatus, Gebrüder, sind in dieser Verfolgung zu Aquileia an einem Schnellgalgen aufgehängt worden. Die Peiniger hielten brennende Steine diesen zwei Märtyrern an ihre Seiten. Die wurden aus göttlicher Kraft ausgelöscht. Danach wurden sie mit siedendem Öl begossen. Sie blieben aber unverletzt. Zuletzt wurden sie enthauptet am elften Tag des Juni. Blatt CXXVI der Welt. Margaretha, die schönste Jungfrau aus Antiochia, von heidnischen Eltern geboren, einer Nährerin überantwortet, hat sich williglich taufen lassen. Als sie nach Absterben ihrer Mutter bei ihrer Nährerin der Schafe wartete und fünfzehn Jahre alt und fast wohlgestaltet war, da wurde Olibrius in Begierde zu ihr entzündet. Aber da er erkannte, dass sie eine Christin war, legte er sie in den Kerker, und da sie sich den Abgöttern anzubeten widersetzte, ward sie aufgehängt, mit Ruten jämmerlich geschlagen und ihr Fleisch mit eisernen Krallen zerrissen und wieder in den Kerker geworfen. Alda erschien ihr der Teufel in Gestalt eines Drachens, als wollte er sie verschlingen, aber sie machte ein Zeichen des Kreuzes und er verschwand. Danach hieß sie der Richter enthaupten am zwölften Tag des Juli, und sie bat für jedermann, auch für die Verfolger und für die gebärenden Frauen, die sich ihr in der Geburt befehlen. Maximilianus aus der Stadt Celeia, von edlen und andächtigen Eltern geboren, ein hocherfahrener und tugendreicher Mann, wurde nach Absterben Sankt Quirinus', des laureacensischen Bischofs, von jedermann zu einem Bischof daselbst erwählt und zu der Zeit Lari und Numerians, der zwei Kaiser. Darum, dass er die Abgötter nicht ehren wollte, in den Tempel des Mars geführt und von den Hofleuten gemartert zu Celeia außerhalb der Mauer im Jahr Christi 289 am zwölften Tag des Oktober, dem der Herzog zu Bayern gen Passau gebracht hat, da dann sein Gedächtnis gehalten wird. Blasius (der dann in aller Heiligkeit und Sanftmütigkeit blüht) wurde von den Christen in Sebaste, der Stadt Kappadokiens, zu Bischof erwählt. Dieser Blasius ging zur Entfliehung der grausamen Verfolgung in eine Höhle eines Berges, dahin kamen die wilden Tiere, die heilte er. So brachten ihm die Raben Speise. Da das der Richter hörte, hieß er ihn vor sich bringen. Blasius tat unterwegs Zeichen. Er ward in einen Kerker gelegt und von Verschmähung wegen der Abgötter an ein Holz aufgehängt, an seinem Leichnam mit eisernen Krallen gerissen. Sieben christliche Frauen hoben sein Blut auf. Die wurden enthauptet. Desgleichen auch Blasius mit zwei kleinen Söhnen derselben Weiber. Juliana, die durchlauchtigste Jungfrau von Como, der Stadt Galliens, hat dieser Zeit daselbst viel und mancherlei grausamer Marter und Peinigung erlitten und danach öffentlich mit dem Teufel gefochten und ihn ritterlich überwunden und nachfolgend abermals viel Marter geduldet und zuletzt ward sie enthauptet am sechzehnten Tag des Februar. Primus und Felicianus, die Römer und geistlichen Männer, haben in dieser Verfolgung nach viel erdichteter Peinigung, darum dass sie den Abgöttern nicht opfern wollten, durch Enthauptung die Krone der Märtyrer erlangt am neunten Tag des Juni. Pamphilus, ein griechischer Priester und ein Verwandter des Eusebius von Cäsarea, ein trefflicher Lehrer der Heiligen Schrift, ist dieser Zeit bei der Stadt Cäsarea des Landes Palästina gemartert worden am ersten Tag des Monats Juni. Quintinus, ein gallischer Ritter, hat von Maximian dem Kaiser am letzten Tag des Monats Oktober die Marter erlitten, und sein Leichnam ist danach über fünfundfünfzig Jahre unzerstört gefunden worden aus englischer Offenbarung. Ruffus, der hochberühmte römische Ritter, ward von dem Kaiser Diokletian mitsamt allem seinem Hausgesinde mit viel Plagen berührt und zu einem christlichen Ritter gemacht. Und wiewohl unzählig

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter (der Weltgeschichte, nach der Einteilung der Schedelschen Weltchronik)
left right
Vermutlich eine Seitenangabe oder ein Verweis auf die Anordnung des Textes auf der Seite, hier nicht relevant für die Übersetzung.
Dorothea
Heilige Dorothea von Cäsarea, Märtyrerin, Gedenktag 6. Februar.
Cesarea der statt Capadocie
Cäsarea in Kappadokien (heute Kayseri, Türkei).
schnelgalgen
Ein Galgen oder Marterpfahl, an dem schnell und grausam hingerichtet wurde.
feuesten
Fäusten.
enthawbtet
Enthauptet.
irem außgang
Bei ihrem Abschied/Tod.
belachet sie Theophilus
Sie belächelte Theophilus (im Sinne von 'spottete über ihn' oder 'sprach ihn an').
Ey du gespons christi libe
Ach, du liebe Braut Christi.
schick rosen her von deins gesponsen paradis
Schick Rosen her von deines Bräutigams Paradies.
auß fuerbete Dorothee
Auf Fürbitte Dorotheas.
koerlein
Körbchen.
oepffel
Äpfel.
zebringen
Zu bringen.
pald
Bald.
verwunderung
Verwunderung.
Februario
Februar.
bekert
Bekehrte.
peynigung
Peinigung, Folter.
Eleuetherius
Heiliger Eleutherius, Märtyrer, Gedenktag 2. Oktober.
durchleuechtig
Durchlauchtig, sehr berühmt, glänzend.
vnzallichen
Unzähligen.
Nicomedia
Nikomedia (heute Izmit, Türkei), eine wichtige Stadt im Römischen Reich.
gemartert
Gemartert.
ettlich
Etliche, einige.
verprennet
Verbrannt.
gestuertzt
Gestürzt.
glidern seins leichnams
Gliedern seines Leibes.
ye vnnd ye kreftiger
Immer und immer kräftiger.
beweret
Bewährt, geprüft.
begabet
Begabt, ausgezeichnet.
octobris
Oktober.
Sergius vnd Bachus
Heilige Sergius und Bacchus, Märtyrer, Gedenktag 7. Oktober.
fuername
Vornehme, hochgestellte Personen.
Maximiano
Kaiser Maximian (Marcus Aurelius Valerius Maximianus Herculius), römischer Kaiser 286-305 n. Chr.
aufruor gein ime
Aufruhr gegen ihn (im Sinne von 'Anklage gegen sie').
verclagt
Verklagt.
tempel Jouis
Tempel des Jupiter.
agoetter anzebetten
Die Abgötter anzubeten.
do sie das nit thun wolten
Als sie das nicht tun wollten.
irer ritterlichen klaider entploesset
Ihrer ritterlichen Kleider entblößt.
rohem geadere pluetfluessig geslagen
Mit rohen (ungegerbten) Riemen blutflüssig geschlagen.
gedenet
Gedehnt, gestreckt.
absterben
Absterben, Tod.
foegel
Vögel.
bewaret
Bewahrt.
begraben wardt
Begraben wurde.
abwencken wolt lassen
Abwenden lassen wollte.
genagelt schuoh
Mit Nägeln versehene Schuhe (Folterinstrument).
muost er vor eim wagen vil meyl lawffen
Musste er vor einem Wagen viele Meilen laufen.
bestendig wesende
Beständig bleibend.
Die vier gekroenten
Die Vier Gekrönten (Quattuor Coronati), Märtyrer, Gedenktag 8. November.
nemlich Seuerinus. Seuerianus Carpopherus vnd Victorinus
Nämlich Severinus, Severianus, Carpophorus und Victorinus.
gepott Diocleciani
Gebot Diokletians (Kaiser Diokletian, römischer Kaiser 284-305 n. Chr., bekannt für Christenverfolgungen).
abgot Asclepio
Abgott Asklepios (griechischer Gott der Heilkunst).
opffern
Opfern.
pleyzaynen
Bleizainen, Bleistangen oder Bleipeitschen (Folterinstrument).
ire leichnam den hunden an die gassen fuergeworffen
Ihre Leichname den Hunden auf die Gassen vorgeworfen.
sannt Sebastian
Heiliger Sebastian, Märtyrer, Gedenktag 20. Januar.
babst Melchiade
Papst Melchiades (Miltiades), Papst von 311-314 n. Chr., Gedenktag 10. Januar.
begruobe
Begrub.
Fides
Heilige Fides (Glaube), Märtyrerin, Gedenktag 6. Oktober.
Ageno
Agen (Stadt in Frankreich).
richter Diciano
Richter Dacianus (oft als Verfolger von Christen genannt).
liebkoserey
Liebkoserei, Schmeichelei.
bedroung
Bedrohung.
angemuotet
Angemutet, aufgefordert.
goettern der hayden
Göttern der Heiden.
wideret
Weigerte.
erin rost
Eherner Rost, bronzener Rost.
außgedenet
Ausgedehnt, gestreckt.
darunter gestrewten kolen
Darunter gestreuten Kohlen.
senft muetig
Sanftmütig.
dz sie damit vil lewt zu cristo bekeret
Dass sie damit viele Leute zu Christus bekehrte.
sanctus Caprasius
Heiliger Caprasius, Märtyrer, Gedenktag 20. Oktober.
forchten
Furcht.
vberwinderin
Überwinderin.
schneeweiße tawben
Schneeweiße Taube.
steygen
Steigen.
lichte kron
Leuchtende Krone.
edelm gestayn
Edlem Gestein, Edelsteinen.
hawbt
Haupt, Kopf.
ausleschen
Auslöschen.
opfferet er sich einen cristen
Opferte er sich als Christ (bekannte sich zum Christentum).
mitsambt Primo vnd Feliciano
Mitsamt Primus und Felicianus (Märtyrer, Gedenktag 9. Juni).
Euphemia
Heilige Euphemia, Märtyrerin, Gedenktag 16. September.
Calcedona
Chalkedon (heute Kadıköy, Türkei).
lxx.
Römisch für 70.
abgott Mars
Abgott Mars (römischer Kriegsgott).
geschlechten der pein
Arten der Pein, Folterarten.
geeingstigt
Geängstigt, gefoltert.
ymmerdar bestendigclich erfunden
Immerdar beständig gefunden.
Felix der bischoff in Apulia
Heiliger Felix, Bischof in Apulien (Region in Italien), Märtyrer, Gedenktag 24. Oktober.
Adaucto Januario Fortunato vnd Septuno
Adauctus, Januarius, Fortunatus und Septimus (Märtyrer).
geheilligt
Geheiligt (im Sinne von 'im Glauben gestärkt' oder 'als Heilige anerkannt').
gantz Affricam vnd Siciliam
Ganz Afrika und Sizilien.
engstigung
Ängstigung, Bedrängnis.
gebruedere
Gebrüder, Brüder.
Aquileia
Aquileia (Stadt in Italien).
prennend stayn
Brennende Steine.
goetlicher kraft außgeloescht
Göttlicher Kraft ausgelöscht.
siedendem oele begoßen
Siedendem Öl begossen.
vnuerletzt
Unverletzt.
xi. tag Junij
Elfter Tag des Juni.
Blat CXXVI der werlt
Blatt 126 der Welt (Seitenangabe der Weltchronik).
Margaretha die schoenst iunckfraw auß Antiiochia
Heilige Margaretha von Antiochia, Märtyrerin, Gedenktag 20. Juli.
haidnischen eltern geporn
Von heidnischen Eltern geboren.
einer nererin vberantwurt
Einer Nährerin überantwortet.
willigclich laßen tawffen
Williglich taufen lassen.
muter
Mutter.
warttet
Wartete, hütete.
xv. iar alt
Fünfzehn Jahre alt.
fast wol gestalt wz
Fast wohlgestaltet war.
Olibrius in begirde zu ir entzuendet
Olibrius (römischer Präfekt) in Begierde zu ihr entzündet.
erkent
Erkannte.
kercker
Kerker, Gefängnis.
wider setzet
Widersetzte.
ruoten iemerlich geslagen
Mit Ruten jämmerlich geschlagen.
ir flaisch mit eyßnin krewln zerrißen
Ihr Fleisch mit eisernen Krallen zerrissen.
alda
Alda, dort.
erschine ir der tewfel in gestalt eins drackens
Erschien ihr der Teufel in Gestalt eines Drachens.
verschlicken
Verschlingen.
zaichen des creuetz
Zeichen des Kreuzes.
verschwunde
Verschwand.
hieße sie der richter enthawbten
Hieß sie der Richter enthaupten.
xij. tag Julij
Zwölfter Tag des Juli.
fuer allermenigclich
Für jedermann.
fuer die verfolger
Für die Verfolger.
fuer die geperenden frawen
Für die gebärenden Frauen.
die sich ir in der geperung befelhen
Die sich ihr in der Geburt befehlen.
Maximilianus auß der statt Ceyla
Heiliger Maximilianus von Celeia (heute Celje, Slowenien), Märtyrer, Gedenktag 12. Oktober.
andachtigen eltern
Andächtigen Eltern.
hoherfarner vnd tugentreicher man
Hocherfahrener und tugendreicher Mann.
sancti Quirini des Laureacensischen bischofs
Sankt Quirinus, des Bischofs von Lauriacum (heute Lorch, Österreich).
allermenigclichem
Jedermann.
daselbst erwelet
Daselbst erwählt.
Lari vnd Numeriani der zwayer kaiser
Lari und Numerian (Kaiser Carus und sein Sohn Numerian, oder eine Verwechslung mit anderen Kaisern der Zeit, z.B. Carinus und Numerian, oder Diokletian und Maximian).
tempel martis
Tempel des Mars.
hoflewten
Hofleute.
im iar christi. ijc. lxxxix.
Im Jahr Christi 289.
dem der hertzog zu Bayrn gein Passaw gebracht hat da dann sein gedechtnus gehabt wird
Dessen (Leichnam) der Herzog von Bayern nach Passau gebracht hat, wo dann sein Gedächtnis gefeiert wird.
Blasius (der dann in aller heiligkeit vnd senftmueetigkeyt plueet)
Heiliger Blasius (der dann in aller Heiligkeit und Sanftmütigkeit blüht), Bischof und Märtyrer, Gedenktag 3. Februar.
Sebaste der statt Capodicie
Sebaste in Kappadokien (heute Sivas, Türkei).
zu empfliehung der grawsamen verfolgung
Zur Entfliehung der grausamen Verfolgung, um der Verfolgung zu entgehen.
hoele eins bergs
Höhle eines Berges.
da hin komen die wilden thier. die hailet er.
Dahin kamen die wilden Tiere, die heilte er.
brachten ime die raben speys
Brachten ihm die Raben Speise.
hieß er ine fuer sich bringen
Hieß er ihn vor sich bringen.
thet vnderwegen zaichen
Tat unterwegs Zeichen (Wunder).
verschmehung wegen der abgoetter
Wegen der Verschmähung der Abgötter.
an ein holtz aufgehenckt
An ein Holz aufgehängt.
eyßnin krewln gerissen
Mit eisernen Krallen gerissen.
huoben sein pluot auf
Hoben sein Blut auf.
deßgleichen auch Blasius mit zwayen klainen suenen derselben weiber
Desgleichen auch Blasius mit zwei kleinen Söhnen derselben Weiber.
Juliana die durchleuechtig iunckfraw von Como der statt Gallie
Heilige Juliana, die durchlauchtigste Jungfrau von Como, der Stadt Galliens (Como in Norditalien, damals Teil Gallia Cisalpina), Märtyrerin, Gedenktag 16. Februar.
mancherlay grawsamer marter vnd peynigung
Mancherlei grausamer Marter und Peinigung.
offenlich mit dem teuefel gefochten
Öffentlich mit dem Teufel gefochten.
ritterlich vberwunden
Ritterlich überwunden.
nachfolgend abermals vil marter geduldet
Nachfolgend abermals viel Marter geduldet.
xvi. tag februarij
Sechzehnter Tag des Februar.
Primus vnd Felicianus die roemer vnd gaistlich mann
Primus und Felicianus, die Römer und geistlichen Männer (Märtyrer, Gedenktag 9. Juni).
ertichter paynigung
Erdichteter Peinigung (im Sinne von 'ausgedachter, vielfältiger Folter').
kron der martrer erlangt
Krone der Märtyrer erlangt.
ix. tag Junij
Neunter Tag des Juni.
Pamphilus ein kriechischer briester vnd ein verwandter Eusebij cesariensis
Pamphilus, ein griechischer Priester und ein Verwandter des Eusebius von Cäsarea (Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea).
treffenlicher lerer der heiligen schrift
Trefflicher Lehrer der Heiligen Schrift.
Lesarea des lands Palestine
Cäsarea des Landes Palästina (Cäsarea Maritima).
ersten tag des monats Junij
Ersten Tag des Monats Juni.
Quintinus ein Gallischer ritter
Heiliger Quintinus, ein gallischer Ritter (Märtyrer, Gedenktag 31. Oktober).
Maximiano dem Kayser
Kaiser Maximian.
letsten tag des monats octobris
Letzten Tag des Monats Oktober.
vber. lv. iar vnzerstoert gefunden worden
Über 55 Jahre unzerstört gefunden worden.
englischer offenbarung
Englischer Offenbarung (durch einen Engel offenbarte Vision).
Ruffus der hhoberuembt roemisch ritter
Ruffus, der hochberühmte römische Ritter (möglicherweise Rufinus, ein Märtyrer).
Diocleciano
Kaiser Diokletian.
hawßgesind
Hausgesinde, Hausstand.
vil plagen beruert
Mit viel Plagen berührt, von vielen Plagen heimgesucht.
wiewol vnzallich
Obwohl unzählig (der Satz bricht hier ab).