Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter right Marcellinus der babst was ein roemer vnd zu den zeiten Diocleciani vnd Maximiani nach babst Gaio. Diser babst ward em sechsten iar seins babsthumbs in der Dioclecianischen verfolgung gefangen vnd mit bedroung auß forcht zu anbettung frembder goetter beweget. aber vnlang darnach schluog er in sichselbs versamelt ein concili von hundert. lxxx. bischoffen in Sinuessa der statt Campa nie daselbsthin kome er in gepulfertem vnd harinem klaid vnd begeret eine vmb sein vnbestendigkeit gepuerliche straff aufzelegen. aber nimant wardt in den gantzen concili gefunden der ine verdammet. sunder allermeingclich sprach dz Petrus schier in solcher gestalt gesuendet vnd mit bewaynen die peen der suend getragen het. Marcellinus keret wider gein Rom vnd redstraffet Dioclecianum zoernigclich. der ine den goettern der hayden zeopffern angetriben het. do wardt Marcellinus mit sambt Concili von. jc. lxxx. bischoffen in Sinuessa der statt Campanie Claudio cyrino. Antonino den cristenlichen mannen auß gehaiße Diocleciani zu der marter gefuert. vnder wegen vermanet er Marcellum den briester das er den gepoten Diocleciani zuuoran in sachen den glawben antreffende nit gehorsam sein. noch auch seinen leichnam begraben solt dann sein leichnam wer der begrebnus nit wirdig. darumb dz er des hailannds der wetlt verlawgnet het. Aber ir aller leichnam warden nach xxxvi. tagen begraben. Er saße. ix. iar. ij. monat. xvi. tag vnd der stuol feiret. xxv. tag. Marcellus der babst ein roemer ist von Constancio vnd Galerio den kaisern bis auff Maxemcium komen. der hat geordnet das nymant ein gemain concili halten moecht on sundern gewalt des bebstlichen stuls. er hat. xxv. tittel oder ort in der statt Rom geordnet als bisthuemer zu der tauff vnd notturft der ihenen die auß den haiden taglich zum glawben komen. Er ordnet auch sundere end zu begrebnus der martrer. Als Maxencius verstund das die erber fraw Lucina die kirchen zu einer erbin irer gueter gesetzt het. do verschicket er sie ein zeit zornig. Maxencius vnderstund sich auch disen marcellum gefangnen zebenoetigen des babstlichen bisthumbs vnd cristenlichs namens abzesteen. aber do marcellus sich des wideret do wardt er durch maxencium gefendet des vihs zehueeten. daselbst er dann auch sein gepete vnd fasten nit vnderwegen ließ. vnd wiewol er von den briestern erledigt wardt. so wardt er doch von maxemcio abermals an ein vbelschmekends ort gethan daselbst er vomm gestanck starb. als er. v. iar. vi. monat. xxi. tag geseßen was. vnd der roemischs stuol feiret nach seinem tod. xx. tag. Eusebius der babst ein kriech empfieng den babsthumb dieweil Constantinus vnd maxencius die kaiser regireten. Diser setzet das die layen sich nit vndersteen solten iren bischof in gericht zefordern. Vnder seinen babsthum wardt das creuetz des herren am dritten tag des monats may gefunden. Diser babst name die ketzer allain mit aufgelegter hand wider zu versoenung. er saß. vi. iar ein monat iij. tag. Wiewol ettlich geschihtbeschreiber seiner iar halb schritig sind. der bastlich stuol ruoet deßmals einen tag. Melciades der babst von gepurt ein Apher was zu den zeiten Maxencij Licinij vnd maximini an hailigkeitt vnd kunst ein fuernamer man. der ordnet das nymant auß einichem argkwon vnd vor warhaftiger beweisung verdammet oder verurtailet werden solt. vnd das man auch nit solt fasten am suntag vnd donrstag dann die haiden hielten dise tag als heilig. Er hat auch der opfferung halben vil gesetzet. das die manicheysch ketzerey in der statt Rom deßmals sere vberhand name. Nach disen dingen wardt diser babst auß gehaiß maximini des kaisers mit marter bekroent. Des gleichen auch Petrus der Alexandrinisch bischof vnd Lucianus von Antiochia ein roemischer briester vnd mer andere. Diser melciades ist geseßen vier iar siben monat. newn tag vnd der babstlich stuol ist deßmals. rvij. tag in feyer gestanden. Blat CXXVII der werlt right Constantius vnnd Galerius haben nach abstand Diocleciani vnd Maximiani vomm kaiserthumb das regiment empfangen. vnd die gegent vnd prouintz vnder ineselbs getailt. alfo das Galerio das kriechiseh land Asia vnd der aufgang worden vnd Constantius allain an Gallia vnnd Hispania benuogig gewest ist. wiewol ime auch welschland amm lose gefallen was. Diser Constantinus was ein außpuendig man fuertreffenlicher sittlichkeit. zu reichthuemern der land vnd lewt geflissen. zu samlung gemains schatzs nit fast begirig. vnd sprach das besser wer die gemaynen reichthuemer vnd gueter durch sunder person zegeprauchen dann in einen behalter zeuerschließen. Er was also massiger geltgirigkeit. wenn er yezuzeiten mit vil personen ein wirtschaft haben solt so muest man von haws zu haws stewr vnd handraichung darzu thun. Diser Constantius was den Galliern nit allain lieplich sunder auch erwirdig. sunderlich darumb dus sie durch sein herrschung der argkwonigen kluogheit Diocleciani. vnd der pluotgirigen getuerftigkeit Maximiani empflohen waren. Constantius was Claudij des andern enicklein. dem wardt Theodora die stieftochter Maximiani vermehelt. auß der gepare er sechs suen vnd schiede sich von ir vnd name im Helenam des konigs von Engelland gefangne tochter vnd starb in Britannia im. xiij. iar seins fuerstenthumbs vnd wardt von seiner senftmuetigkeit vnnd miltigkeit wegen vnder die goetter gezellet. Galerius in ritterlicher vbung ein fuertreffenlicher man hat zwen regirer geschoepft nemlich Marimianum vnd Seuerum. dem ersten befalhe er den aufgang. dem andern welschland. so wonet er in kriechischen land vnd er behielt selbs solichs ort innen band er empfunde das die Barbarischen feind der roemer daselbsthin raysen wolten Aber Maximianus in hoffnung das kaiserthumb wider zeerobern das er vormals vnwilligclich verloren het. kom auß der aynoede Lucanie gein Rom vnnd vermanet auch Dioclecianum durch schriften das er den hingelegten gewalt wider an sich name. des wideret er sich. Wider dise aufruor ward Seuerus von Galerio gein Rom mit eim heer geschickt. der belegeret Rom. aber er wardt durch veruntreueung der ritter die mit Maxencio verstentnus hetten hinderkomen vnd fliehende zu letst zu Rauenna erslagen. vnd Maximianus wer auch schier von seim sun Maxencio erslagen worden. aber er zohe in Galliam zu Constantinum seim tochterman geparende als wer er von seim sun vertriben. vnd vnderstund sich auß ertrachter vrsach Constantinum zeertoedten. als nw die Frantzosen vnd teuetschen geslagen vnd ire konig gefangen warden. vnd die argklistigkeit durch Faustam des Maximiani tochter iren gemahel eroffnet wardt do flohe Maximianus gein Massilia. alda lidde er zu letst die straff seiner vbeltat. Licinius der kaiser auß Dacia oder Tennmarck pirtig wardt von seiner fuertreffenlichkeit wegen in ritterlicher vbung vnnd auß alter kuntschaft Galerij von den selben Galerio zu eim teil des kaiserthumb ausgenomen. aber Constantinus der großmechtig man der herrschung der gantzen werlt begirig beweget einen krieg wider Licinium vnd bestritte ine erstlich in Pannonia. zum andern bey Libalias vnd eroberet Dardaniam Mesiam Macedoniam vnd vnzallich land. vnd Licinius ward zu letst mit streit zu wasser vnd land vberwunden vnd darnach erslagen. nach den xv. iar seiner herrschung vnd nach dem. lx. seins alters. Er was ein geitzig vnnd vnkeuesch mensch vnd ein feind der kunst. die hieß er auß vnmassiger vnkundenheit ein gift vnd offenbarn seuechen. Maxencius wardt zu Rom (als Constantinus nach absterben seins vaters Constancij in Brittannia zu kaiser erkorn wardt) ein kaiser genannt. dann die des rats zu Rom nenneten Maxencium des Maximiani sun. der nit vert von Rom in eim offen dorff wonet als einen merer des reichs. Diser was gar ein grawsam man vnd grimmiger verfolger der cristen vnd auch ein liebhaber der schrift. vnder andern wercken seiner grawsamkeit het er großen lust in der schwartzen kunst. In dem. v. iar des kaiserthumbs Constantini beweget er einen krieg wider Maxencium ersluog ime vil volcks vnd vberwunde ine zu letst zu Rom. vnd wiewol diser Maxencius zu betrieglichkeit seiner feind zu Rom vber die Tiber ein fellprugken gemacht het. ye doch gieng er auff ein zeit in vergessenheit seiner argklistigkeit vor schmertzen vber die selben prugken. fiel in die Tiber vnd ertrancke mit großer anzal seiner diener.
Das sechste Zeitalter. Marcellinus, der Papst, war ein Römer und lebte zu den Zeiten Diocletians und Maximians, nach Papst Gaius. Dieser Papst wurde im sechsten Jahr seines Pontifikats in der diokletianischen Verfolgung gefangen genommen und durch Drohungen aus Furcht zur Anbetung fremder Götter bewegt. Doch nicht lange danach berief er, in sich gekehrt, ein Konzil von 180 Bischöfen in Sinuessa, der Stadt Kampaniens. Dorthin kam er in Bußgewand und Haarkleid und begehrte, eine seiner Unbeständigkeit gebührende Strafe auferlegt zu bekommen. Doch niemand wurde in dem ganzen Konzil gefunden, der ihn verurteilte, sondern jedermann sprach, dass Petrus beinahe in solcher Gestalt gesündigt und mit Beweinen die Pein der Sünde getragen hätte. Marcellinus kehrte wieder nach Rom und tadelte Diocletian zorniglich, der ihn angetrieben hatte, den Göttern der Heiden zu opfern. Da wurde Marcellinus samt dem Konzil von 180 Bischöfen in Sinuessa, der Stadt Kampaniens, mit Claudius Cyrinus und Antoninus, den christlichen Männern, auf Geheiß Diocletians zur Marter geführt. Unterwegs ermahnte er Marcellus, den Priester, dass er den Geboten Diocletians, zumal in Glaubenssachen, nicht gehorsam sein, noch auch seinen Leichnam begraben sollte, da sein Leichnam der Begräbnis nicht würdig sei, weil er den Heiland der Welt verleugnet hatte. Aber ihrer aller Leichname wurden nach 36 Tagen begraben. Er saß 9 Jahre, 2 Monate, 16 Tage, und der Stuhl feierte 25 Tage. Marcellus, der Papst, ein Römer, erlebte die Herrschaft der Kaiser Constantius und Galerius bis hin zu Maxentius. Dieser ordnete an, dass niemand ein allgemeines Konzil halten möge ohne besondere Gewalt des päpstlichen Stuhls. Er ordnete 25 Titelkirchen oder Orte in der Stadt Rom als Bistümer zur Taufe und Notdurft derer an, die täglich aus den Heiden zum Glauben kamen. Er ordnete auch besondere Stätten zur Begräbnis der Märtyrer an. Als Maxentius verstand, dass die ehrbare Frau Lucina die Kirche zu einer Erbin ihrer Güter gesetzt hatte, da verbannte er sie eine Zeit lang zornig. Maxentius unternahm es auch, diesen gefangenen Marcellus zu nötigen, vom päpstlichen Bistum und christlichen Namen abzutreten. Aber da Marcellus sich dessen widersetzte, da wurde er durch Maxentius dazu verurteilt, das Vieh zu hüten. Daselbst ließ er dann auch seine Gebete und Fasten nicht unterwegen. Und wiewohl er von den Priestern befreit wurde, so wurde er doch von Maxentius abermals an einen übelriechenden Ort gebracht, daselbst er vom Gestank starb, als er 5 Jahre, 6 Monate, 21 Tage gesessen war. Und der römische Stuhl feierte nach seinem Tod 20 Tage. Eusebius, der Papst, ein Grieche, empfing das Papsttum, dieweil Constantinus und Maxentius die Kaiser regierten. Dieser setzte fest, dass die Laien sich nicht unterstehen sollten, ihren Bischof vor Gericht zu fordern. Unter seinem Pontifikat wurde das Kreuz des Herrn am dritten Tag des Monats Mai gefunden. Dieser Papst nahm die Ketzer allein mit aufgelegter Hand wieder zur Versöhnung auf. Er saß 6 Jahre, einen Monat, 3 Tage. Wiewohl etliche Geschichtsschreiber seiner Jahre halber streitig sind, ruhte der päpstliche Stuhl damals einen Tag. Miltiades, der Papst, von Geburt ein Afrikaner, war zu den Zeiten Maxentius', Licinius' und Maximins an Heiligkeit und Wissen ein vornehmer Mann. Dieser ordnete an, dass niemand aus irgendeinem Argwohn und vor wahrhaftiger Beweisführung verdammt oder verurteilt werden sollte. Und dass man auch nicht fasten sollte am Sonntag und Donnerstag, denn die Heiden hielten diese Tage als heilig. Er hat auch der Opferung halber viel festgesetzt, da die manichäische Ketzerei in der Stadt Rom damals sehr überhandnahm. Nach diesen Dingen wurde dieser Papst auf Geheiß Maximins, des Kaisers, mit Marter gekrönt. Desgleichen auch Petrus, der alexandrinische Bischof, und Lucianus von Antiochia, ein römischer Priester, und mehr andere. Dieser Miltiades ist gesessen 4 Jahre, 7 Monate, 9 Tage, und der päpstliche Stuhl ist damals 17 Tage in Feier gestanden. Blatt 127 der Weltchronik. Constantius und Galerius haben nach der Abdankung Diocletians und Maximians vom Kaisertum die Regierung empfangen und die Gegenden und Provinzen unter sich geteilt, also dass Galerius das griechische Land, Asia und der Aufgang wurden, und Constantius allein mit Gallien und Hispanien genügsam gewesen ist, wiewohl ihm auch Welschland am Los gefallen war. Dieser Constantius war ein außergewöhnlicher Mann von vortrefflicher Sittlichkeit, den Reichtümern der Länder und Leute zugeneigt, zur Sammlung gemeinsamen Schatzes nicht sehr begierig. Und sprach, dass es besser wäre, die gemeinen Reichtümer und Güter durch einzelne Personen zu gebrauchen, als in einem Behälter zu verschließen. Er war also von mäßiger Geldgierigkeit. Wenn er zuweilen mit vielen Personen ein Gastmahl haben sollte, so musste man von Haus zu Haus Steuer und Handreichung dazutun. Dieser Constantius war den Galliern nicht allein beliebt, sondern auch ehrwürdig, besonders darum, dass sie durch seine Herrschaft der argwöhnischen Klugheit Diocletians und der blutgierigen Dürftigkeit Maximians entflohen waren. Constantius war Claudius' des Zweiten Enkel. Diesem wurde Theodora, die Stieftochter Maximians, vermählt. Aus ihr gebar er sechs Söhne und schied sich von ihr und nahm sich Helena, die gefangene Tochter des Königs von England. Und starb in Britannien im 13. Jahr seines Fürstentums und wurde von seiner Sanftmütigkeit und Milde wegen unter die Götter gezählt. Galerius, in ritterlicher Übung ein vortrefflicher Mann, hat zwei Regenten geschaffen, nämlich Maximinus und Severus. Dem ersten befahl er den Aufgang, dem anderen Welschland. So wohnte er im griechischen Land und er behielt selbst solchen Ort inne, da er empfand, dass die barbarischen Feinde der Römer dorthin reisen wollten. Aber Maximianus, in Hoffnung, das Kaisertum wieder zu erobern, das er vormals unwillentlich verloren hatte, kam aus der Einöde Lukanien nach Rom und ermahnte auch Diocletian durch Schriften, dass er die niedergelegte Gewalt wieder an sich nähme. Dessen widersetzte er sich. Wider diese Aufruhr wurde Severus von Galerius nach Rom mit einem Heer geschickt. Dieser belagerte Rom, aber er wurde durch Verrat der Ritter, die mit Maxentius Einverständnis hatten, hintergangen und fliehend zuletzt zu Ravenna erschlagen. Und Maximianus wäre auch beinahe von seinem Sohn Maxentius erschlagen worden, aber er zog nach Gallien zu Constantinus, seinem Schwiegersohn, gebärend, als wäre er von seinem Sohn vertrieben. Und unternahm es, aus erdachter Ursache Constantinus zu ertöten. Als nun die Franken und Alamannen geschlagen und ihre Könige gefangen wurden, und die Arglist durch Fausta, die Tochter Maximians, ihrem Gemahl eröffnet wurde, da floh Maximianus nach Massilia. Alda litt er zuletzt die Strafe seiner Übeltat. Licinius, der Kaiser, aus Dakien oder Dänemark gebürtig, wurde von seiner Vortrefflichkeit wegen in ritterlicher Übung und aus alter Freundschaft Galerius' von demselben Galerius zu einem Teil des Kaisertums auserwählt. Aber Constantinus, der großmächtige Mann, der der Herrschaft der ganzen Welt begierig war, bewegte einen Krieg wider Licinius und bestritt ihn erstlich in Pannonien, zum anderen bei Lib...