Schedelsche Weltchronik · Blatt 128

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 128, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 128, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Do dise hieuorgeschriben kaiser verstunden das kaiser Constantinus bey aller menigclichem in großer achtung was do verschoneten sie der cristen ettliche zeit. yedoch sendet Maxencius rittere heymlich alle die cristen so ine begegneten zeertoedten. Er het auch zur schwartzen kunst solche begirde vnnd lust das er die schwangern cristenlichen weiber schneyden ließe von irer frucht wegen. derselben puluer geprauchet er zur schwartzen kunst Dergleichen vnsinnigkeit vnd grawsamkeit vbet Maximianus imm orient den maistern der schwartzen kunstner vnd lerern boeser kunst belonung setzende. dem vogl geschray vnd warsagung glawben gebende. vnd die cristen die solchs verachteten grawsamlicher dann ander verfolgende. Er gepote die alten tempel zeuernewen vnd nach gewonheit der alten die goettere zeeren. diser Maximianus wardt auß goetlicher rachsale an allen seinen glidern vnd ingewayd also zerplasen vnd veraytert das zwischen ime vnd eim fawln ass kein vnderscheid was. allenthalben krochen wuerm auß ime in solchem gestanck den nymant gedulden mocht vnd starb also in schweren seuechen ein grawsamer vnd wanckler mensch. dann yetzo handlet er wider die cristen vnd denn wz er irs teils. dz erhaischten sein verschuldungen. Als Maximinus von Galerio an statt Maximiani im oriennt zu herrschung geordnet wardt do geprauchet er sich wider die cristen auch dergleichen grawsamkeit mit verfolgung vnd ertoedtung der cristen. der ettlich hernach beschriben steen. 130px Cristina die hohloblich iunckfraw hat in der vorgemelten verfolgung Maximiani zu Tiro gelidden. sie was auß hohedeln eltern geporn vnd also schoen das vil mann ir zu vermehlung begerten. darumb setzten sie ir eltern in einen thurn darinn den goettern als ein iunckfraw zedienen. aber auß vnderweisung des hailigen gaists versmehet sie die abgoetter. als das an irn vater gelanget vnd er sie mit bedroung nit abwenden mocht do hieß er sie nackend abziehen vnnd slahen. in den kercker legen. darnach ire zarte glider zerreissen. do nam Cristina irs flaisches vnd warff dem vater dz in sein antlitz sprechende. Nyme hin wueetrich vnd yße dein geporns flaisch. der vater erzuernet vnd setzet sie in ein rad vnnd leget fewr vnd oele darundter. der flamm sprung herauß vnd toedtet tausent. vc. menschen. der vater schrib das der schwartzen kunst zu. vnd schaffet ir einen großen stayn an irn hals zepinden vnd sie bey nacht in das meer zestuertzen. die empfiengen die engel vnd cristus tawffet sie vnd sie kom wiber an das land. Zu letst nach mancherlay marter vnd abschneidung irer pruest schoße Julianus einen pfeil in ir hertz vnd einen in die seyten. also erlanget sie der martrer kron erlich in den himel steigende. 130px Menna ein Egyptischer ritter auß edeln eltern geporn hat diser zeit in der hawbtstatt des lands Phrigie gelidden. dann nach dem er dem himlischen konig in der aisidelschaft in haimlichem wandel ritterschaft gepflegen het do trate er herfuer in die werlt vnd bekennet kuenlich sich einen cristenlichen man sein. als Pirrhus der hertzog das hoeret sprach er zu ime. du solt den goettern opffern so wirdt dir vergeben alles dz du durch vnwissenhait gehandelt hast. aber do Menna dem herzogen seins begerns nit wilfaren wolt do hieß er ine mit adern vnd herten quelungen alsolang slahen bis die straß mit seinem pluot bemayligt wardt. darnach wardt er an eim schnelgalgen aufgehenckt mit fackln geprennt. nachfolgend herab genomen vnd an henden vnd fueßen gepunden durch eyßnin pfal gezogen. vnd zu letst nach verharrung in etlichen lob enthawbtet. vnd sein leichnam in ein fewr geworffen vnd doch von den cristen herauß genomen vnd erlich begraben. der wardt nachfolgend gein Constantinopel gefuert vnd in großer ere gehalten. 130px Julius der cristenlichst man hat diser zeit zu rom grawsame marter gelidden mitsambt der iunckfrawen Bastlissa. zu den was ein erbere menig der briester vnnd diener der kirchen von der grawsamen Verfolgung wegen geflohen. die vnd vil andere am. ix. tag ianuarij den todt gelidden haben Victor ein Maylandischer burger von iugent auff ein crist wardt diser zeit (als er vnder Maximino der reytterey pflag) als ein crist fuer ine gefuert vnd zu anbettung der abgoetter angesunnen. vnd auff verachtung derselben geslagen vnd doch auß goetlichen schirm des schmertzens vnentpfintlich gemacht. darnach mit siedenen pley begoßen vnd dauon vnuerletzt bleibende zu letst enthawbtet. Saturninus der briester vnd Sisinus der diacon war den zu Rom von veriehung wegen cristenlichs glawbens lang gekerckert. an eim schnelgalgen auffgehenckt mit kolben vnd scorpionen hart geslagen vnd zu letst enthawbtet. Susanna die hailigst iunckfraw auß Dalmacia von edeln eltern geporn vnnd ein freuendin des babsts Caij. hat vnder diser verfolgung zu Rom am. xi. tag Augusti durch enthawbtung vmb cristenlichs glawbens willen die marter erlidden vnnd der martrer kron erlangt. Blat CXXVIII der werlt 130px Catharina die durchleuechtigst hohberuembtst Egiptisch iunckfraw hat diser zeit (als ir histori zeerkennen gibt) gereichßnet vnd die marter erlidden nach Diocleciano vnder Maxencio. Dise allerheiligste iunckfraw was von hohgepornem pluot. ir vater hieß Lostus. der was ein konig in der statt Alexandria. vnd wiewol sie in iren iungen tagen irs varers berawbt wardt vnd von ime als eim konig große vaterliche erbschaft erlanget. so wirdt doch von ir geleßen das sie vnder den wolluesten der reichthuemer nit zu muessigkeit vnd weiplicher waichmuetigkeit geflißen. sunder mit solcher kunst treffenlicher ding begabet gewesen sey das sich zeuerwundern was das sie sich in so zarter iugent des kampffs der disputacion mit den hohweisisten der werlt vnderfieng. Dise goetlichste iunckfraw wardt von eim ainsidel des cristenlichen glawbens vnderwisen vnd ein gespons cristi. dieweil die Dioclecianisch verfolgung nochmals tobet. vnd der kaiser Maxencius zu Alexandria was. do siehe Katherina ettliche cristen waynen darumb das sie zu opfftung der abgoetter bedrangt warden. do tratte Katherina. xviij iar alt kuenlich vnder das angesiht Maxencij vnd straffet ine vmb die eyteln ere der goetter vnd vmb sein grawsamkeit. Maxencius hieße Karherinam in den pallast füeren vnd mit allem fleiß bewarn. als er sie aber nach dem opffer verhoeret vnd sich irer redsprechigkeit vnd weißheit verwunderet do schicket er fuenftzig werltweise mann zefordern. dieselben warden von ir vberwunden. imm glawben bestetitgt vnnd darumb verprennet. Maxencius hieß Karherinam in einen finstern kercker legen vnd. xij. tag huengern do erschine ir der engel des herrnn sprechende. du got angenams iunckfrawlein halt dich bestendigclich dann der herr ist mit dir. vil durch dich zu Cristo bekeret werden mit sigzaichen in die glori eingeen. Darnach hat sie den rittermaister Porphirium mit ijc. rittern. vnd auch des kaisers gemahel vnd vil andere zum glawben bekeret vnd vor ir hyn gein himel geschickt Ein rad mit schneidenden schwertern das ir zu marter was beraytet wardt pald zerprochen vnd vil volcks dauon verletzet. vnnd sie zu letst enthawbtet. An der stat irs leydens pate sie das alle die irer hilff empfinden solten. die die gedechtnus irs leidens begiengen. Nach irer enthawbtung floße milch auß irem leib. Ir heiligster leichnam wardt von den engeln auff den berg Synai. xx. tagrays von dannen getragen vnnd also erlich begraben. bey den iijc. x. iarn des herrnn amm. xxv. tag nouembris. 130px Sophronia wardt von Maxencio vmb verschertzung irer iunckfrawschaft geruegt vnd als sie die geuerlichkeit nit vermeiden mocht do ertoedtet sie sichselbs Lucreciam nachfolgende. Arnobius affricanus der hohberuembt philozophus vnnd wolerfarnn redner ist diser zeit (wiewol fast alt) in großer achtperkeit gehalten worden. Diser hat in Affrica die rethoricam geleret vnd wider die haiden vil buecher geschriben. Lucianus der wolgesprech man vnd ein briester der Nicomediensischen kirchen hat diser zeit nach beschreibung vil buecher vnd außgesandten schriften zu Helinopoli der statt Bithinie vmb Christo die marter gelidden Item Jacobus ein bischoff zu Nisibine in Persia hat diser zeit auch vil vnd mancherlay schriften wider die ketzer vnd fuer vnsern glawben und anders gemacht. 130px Lactancius firmianus ein fuertreffenlicher wolredner vnd philozophus des vorbenanten Arnobij iunger est diser zeit groß werds vnd namens gewest. dann als er zu Nicomedia die kunst des zierredens leret do wardt er von tugent vnnd groeße wegen seiner kunst von Diocleciano mit Flavio den grammatico gein Rom gefordert. do er ettlich zeit daselbst geleret het kom er auß mangel der schuler zu letster armuot. demnach fliße er sich buecher zeschreiben vnd zemachen. darinn er fast tuegclich was. dann er was nach den zeiten Ciceronis der ander in derselben kunst fuername. in seim letsten alter wardt er des kaisers Crispi des suns Constantini in Gallia lermaister. vnd er hat von mancherlay dingen vil loeblicher buecher vnnd an vil person mancherlay epistel vnd sandbrieff geschriben. 130px Eusebius der statt Cesaree palestine bischoff ein gedechtnus wirdiger man ist zu diser zeit nit allain von erfarung wegen vil ding sunder auch von wunderperlicher kunstreichigkeit wegen bey den hayden vnd auch bey den cristen vnder den werltweisen fur name vnd adellich geachtet worden. vnd wiewol diser Eusebius ettwen der Arrianischen ketzerey anhengig was. yedoch als er in das Nuruisch concili kome do wardt er von dem hailigen gaist also erleuechtet das er mit den vatern der kirchen in einhelligkait kom vnd fueoan bis in seinen tod heiligclich imm cristenlichen glawben lebet. Er wz in der heiligen schrift gar fleissig vnd der librarey heiliger schrift mit Phamphilo den martter gar ein emmssiger nachspeher. Diser Eusebius hat als ein hohgelert vnd wolerfarner man vil vnd mancherlay buecher geschriben vnd getichtet. vnd vnder andern. xx. buecher von dem leiden vnd leben der martrer aufgerichtet. vnd sunderlich hat er auch ein histori oder geschihtbuoch beschriben. von den heilig Jheronimus volendet hat. diser Eusebius was nach der bekerung des großen kaisers Constantini. demselben dieweil er lebet viel guotwilligkeit verwandt.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Als diese zuvor beschriebenen Kaiser verstanden, dass Kaiser Konstantin bei jedermann in großer Achtung stand, da verschonten sie die Christen einige Zeit. Jedoch sandte Maxentius heimlich Ritter aus, um alle Christen, die ihm begegneten, zu töten. Er hatte auch zur schwarzen Kunst solches Begehren und Lust, dass er die schwangeren christlichen Weiber aufschneiden ließ wegen ihrer Frucht. Dasselbe Pulver gebrauchte er zur schwarzen Kunst. Dergleichen Unsinnigkeit und Grausamkeit übte Maximian im Orient, den Meistern der schwarzen Künstler und Lehrern böser Kunst Belohnung setzend, dem Vogelschrei und der Wahrsagung Glauben gebend, und die Christen, die solches verachteten, grausamer als andere verfolgend. Er gebot, die alten Tempel zu erneuern und nach Gewohnheit der Alten die Götter zu ehren. Dieser Maximian wurde aus göttlicher Rachsucht an allen seinen Gliedern und Eingeweiden so zerplatzt und vereitert, dass zwischen ihm und einem faulen Aas kein Unterschied war. Allenthalben krochen Würmer aus ihm in solchem Gestank, den niemand dulden mochte, und er starb also in schweren Siechtümern, ein grausamer und wankelmütiger Mensch. Denn jetzt handelte er wider die Christen, und dann, was er ihrerseits tat, das erforderten seine Verschuldungen. Als Maximinus von Galerius anstatt Maximians im Orient zur Herrschaft geordnet wurde, da gebrauchte er sich wider die Christen auch dergleichen Grausamkeit mit Verfolgung und Tötung der Christen, derer etliche hernach beschrieben stehen. Christina, die hochlöbliche Jungfrau, hat in der vorgemeldeten Verfolgung Maximians in Tyros gelitten. Sie war aus hohedlen Eltern geboren und so schön, dass viele Männer sie zur Vermählung begehrten. Darum setzten ihre Eltern sie in einen Turm, darin den Göttern als eine Jungfrau zu dienen. Aber aus Unterweisung des Heiligen Geistes verschmähte sie die Abgötter. Als das an ihren Vater gelangte und er sie mit Bedrohung nicht abwenden mochte, da hieß er sie nackt ausziehen und schlagen, in den Kerker legen, darnach ihre zarten Glieder zerreißen. Da nahm Christina ihres Fleisches und warf es dem Vater ins Antlitz, sprechend: „Nimm hin, Wüterich, und iss dein geborenes Fleisch!“ Der Vater erzürnte und setzte sie in ein Rad und legte Feuer und Öl darunter. Die Flamme sprang heraus und tötete tausendfünfhundert Menschen. Der Vater schrieb das der schwarzen Kunst zu und veranlasste, ihr einen großen Stein an ihren Hals zu binden und sie bei Nacht in das Meer zu stürzen. Die Engel empfingen sie, und Christus taufte sie, und sie kam wieder an das Land. Zuletzt nach mancherlei Marter und Abschneidung ihrer Brüste schoss Julianus einen Pfeil in ihr Herz und einen in die Seiten. Also erlangte sie die Märtyrerkrone, ehrenvoll in den Himmel steigend. Menna, ein ägyptischer Ritter, aus edlen Eltern geboren, hat dieser Zeit in der Hauptstadt des Landes Phrygien gelitten. Denn nachdem er dem himmlischen König in der Einsiedelei in heimlichem Wandel Ritterschaft gepflegt hatte, da trat er hervor in die Welt und bekannte kühn, ein christlicher Mann zu sein. Als Pyrrhus, der Herzog, das hörte, sprach er zu ihm: „Du sollst den Göttern opfern, so wird dir vergeben alles, was du durch Unwissenheit gehandelt hast.“ Aber da Menna dem Herzog seines Begehrens nicht willfahren wollte, da hieß er ihn mit Peitschenhieben und harten Quälungen so lange schlagen, bis die Straße mit seinem Blut befleckt ward. Darnach ward er an einem Schnellgalgen aufgehängt, mit Fackeln gebrannt, nachfolgend herabgenommen und an Händen und Füßen gebunden durch eiserne Pfähle gezogen, und zuletzt nach Verharren in etlichem Lob enthauptet. Und sein Leichnam in ein Feuer geworfen und doch von den Christen herausgenommen und ehrenvoll begraben. Der ward nachfolgend gen Konstantinopel geführt und in großer Ehre gehalten. Julius, der christlichste Mann, hat dieser Zeit zu Rom grausame Marter gelitten mitsamt der Jungfrau Basilissa. Zu denen war eine ehrbare Menge der Priester und Diener der Kirche von der grausamen Verfolgung wegen geflohen. Die und viele andere am 9. Tag des Januars den Tod gelitten haben. Victor, ein Mailänder Bürger, von Jugend auf ein Christ, ward dieser Zeit (als er unter Maximinus der Reiterei pflegte) als ein Christ vor ihn geführt und zur Anbetung der Abgötter angesonnen. Und auf Verachtung derselben geschlagen und doch aus göttlichem Schirm des Schmerzens unempfindlich gemacht. Darnach mit siedendem Blei begossen und davon unverletzt bleibend, zuletzt enthauptet. Saturninus, der Priester, und Sisinus, der Diakon, waren dann zu Rom von Bekenntnis wegen christlichen Glaubens lang gekerkert. An einem Schnellgalgen aufgehängt, mit Kolben und Skorpionen hart geschlagen und zuletzt enthauptet. Susanna, die heiligste Jungfrau aus Dalmatien, von edlen Eltern geboren und eine Verwandte des Papstes Cajus, hat unter dieser Verfolgung zu Rom am 11. Tag des August durch Enthauptung um christlichen Glaubens willen die Marter erlitten und die Märtyrerkrone erlangt. Blatt 128 der Welt. Katharina, die durchleuchtigste, hochberühmteste ägyptische Jungfrau, hat dieser Zeit (wie ihre Historie zu erkennen gibt) gewirkt und die Marter erlitten nach Diokletian unter Maxentius. Diese allerheiligste Jungfrau war von hochgeborenem Blut. Ihr Vater hieß Lostus. Der war ein König in der Stadt Alexandria. Und wiewohl sie in ihren jungen Tagen ihres Vaters beraubt ward und von ihm als einem König große väterliche Erbschaft erlangte, so wird doch von ihr gelesen, dass sie unter den Wollüsten der Reichtümer nicht zu Müßigkeit und weiblicher Weichmütigkeit hingeflissen, sondern mit solcher Kunst trefflicher Dinge begabt gewesen sei, dass sich zu verwundern war, dass sie sich in so zarter Jugend des Kampfes der Disputation mit den hochweisesten der Welt unterfing. Diese göttlichste Jungfrau ward von einem Einsiedler des christlichen Glaubens unterwiesen und eine Braut Christi. Dieweil die diokletianische Verfolgung nochmals tobte und der Kaiser Maxentius zu Alexandria war, da sah Katharina etliche Christen weinen, darum dass sie zur Opferung der Abgötter bedrängt wurden. Da trat Katharina, 18 Jahre alt, kühn unter das Angesicht Maxentius' und strafte ihn um die eitle Ehre der Götter und um seine Grausamkeit. Maxentius hieß Katharina in den Palast führen und mit allem Fleiß bewahren. Als er sie aber nach dem Opfer verhörte und sich ihrer Redfertigkeit und Weisheit verwunderte, da schickte er fünfzig weltweise Männer zu fordern. Dieselben wurden von ihr überwunden, im Glauben bestätigt und darum verbrannt. Maxentius hieß Katharina in einen finsteren Kerker legen und zwölf Tage hungern. Da erschien ihr der Engel des Herrn, sprechend: „Du Gott angenehmes Jungfräulein, halt dich beständig, denn der Herr ist mit dir. Viele werden durch dich zu Christus bekehrt werden, mit Siegeszeichen in die Glorie eingehen.“ Darnach hat sie den Rittermeister Porphyrius mit zweihundert Rittern und auch des Kaisers Gemahlin und viele andere zum Glauben bekehrt und vor ihr hin gen Himmel geschickt. Ein Rad mit schneidenden Schwertern, das ihr zur Marter war bereitet, ward bald zerbrochen und viel Volks davon...

Anmerkungen

alter
Zeitalter
hieuorgeschriben
zuvor beschrieben
menigclichem
jedermann
Maxencius
Maxentius, römischer Kaiser (ca. 278–312 n. Chr.)
schwartzen kunst
Schwarze Magie, Nekromantie
puluer
Pulver, hier im Sinne von Zutaten für magische Rituale
Maximianus
Maximian, römischer Kaiser (ca. 250–310 n. Chr.)
orient
Orient, der östliche Teil des Römischen Reiches
vogl geschray
Vogelschreie, Omen, eine Form der Wahrsagung (Augurium)
goettere zeeren
Götter ehren
rachsale
Rachsucht, Rache
glidern
Gliedern, Körperteilen
ingewayd
Eingeweiden
zerplasen vnd veraytert
zerplatzt und vereitert
fawln ass
faules Aas
seuechen
Siechtümern, Krankheiten
wanckler
wankelmütig, unbeständig
wz er irs teils. dz erhaischten sein verschuldungen
was er ihrerseits [tat], das forderten seine Verschuldungen / seine Sünden
Maximinus
Maximinus Daia, römischer Kaiser (ca. 270–313 n. Chr.)
Galerio
Galerius, römischer Kaiser (ca. 260–311 n. Chr.)
Cristina
Heilige Christina von Tyros, Märtyrerin des 3. oder 4. Jahrhunderts
hohloblich
hochlöblich
Tiro
Tyros, antike phönizische Stadt (heute im Libanon)
vermehlung
Vermählung, Heirat
hailigen gaists
Heiligen Geistes
abgoetter
Abgötter, Götzen
bedroung
Bedrohung
kercker
Kerker, Gefängnis
flaisches
Fleisches
antlitz
Antlitz, Gesicht
wueetrich
Wüterich
yße dein geporns flaisch
iss dein geborenes Fleisch (Ausdruck der Verachtung und des Fluches)
vc.
römisch für 500 (tausent. vc. = 1500)
schaffet
schaffte, veranlasste
stayn
Stein
tawffet
taufte
wiber
wieder
pruest
Brüste
Julianus
Julianus, hier wohl der Name des Henkers oder eines römischen Beamten
martrer kron
Märtyrerkrone, Symbol des Martyriums
erlich
ehrenvoll
Menna
Heiliger Menas, ägyptischer Märtyrer des 3. oder 4. Jahrhunderts
Egyptischer
ägyptischer
hawbtstatt
Hauptstadt
Phrigie
Phrygien, antike Landschaft in Kleinasien
aisidelschaft
Einsiedelei
haimlichem wandel
heimlichem Wandel, verborgenem Leben
ritterschaft gepflegen
Ritterschaft gepflegt, hier im Sinne von Dienst geleistet (dem himmlischen König)
kuenlich
kühn
Pirrhus
Pyrrhus, hier wohl der Statthalter oder Herzog
hertzog
Herzog, hier im Sinne eines römischen Statthalters oder Heerführers
adern
Adern, hier im Sinne von Peitschenhieben, die Adern aufreißen
quelungen
Quälungen
pluot bemayligt
Blut befleckt
schnelgalgen
Schnellgalgen, eine Art Folterinstrument oder Galgen
geprennt
gebrannt
eyßnin pfal
eiserne Pfähle
verharrung in etlichen lob
Verharren in etlichem Lob, d.h. er blieb standhaft in seinem Glauben und wurde dafür gelobt
gein Constantinopel
gen Konstantinopel, nach Konstantinopel
Julius
Heiliger Julius, Märtyrer
rom
Rom
Bastlissa
Heilige Basilissa, Märtyrerin
erbere menig
ehrbare Menge
briester
Priester
ix.
römisch für 9
ianuarij
Januar
Victor
Heiliger Victor von Mailand, Märtyrer
Maylandischer
Mailänder
iugent auff
von Jugend auf
reytterey pflag
Reiterei pflegte, d.h. als Reiter diente
angesunnen
angesonnen, aufgefordert
schmertzens vnentpfintlich
des Schmerzens unempfindlich
siedenen pley
siedendem Blei
Saturninus
Heiliger Saturninus, Priester und Märtyrer
Sisinus
Heiliger Sisinus, Diakon und Märtyrer
diacon
Diakon
veriehung
Verleihung, hier im Sinne von Bekenntnis oder Verbreitung (des Glaubens)
kolben
Kolben, Keulen
scorpionen
Skorpionen, hier wohl eine Art Geißel mit Metallstücken oder Dornen
Susanna
Heilige Susanna, Märtyrerin
Dalmacia
Dalmatien, römische Provinz
freuendin
Freundin, Verwandte
babsts Caij
Papst Cajus (Gaius), Papst von 283 bis 296
xi.
römisch für 11
Augusti
August
Blat CXXVIII
Blatt 128
CXXVIII
römisch für 128
werlt
Welt, hier im Sinne der Weltchronik
Catharina
Heilige Katharina von Alexandria, Märtyrerin des 4. Jahrhunderts
durchleuechtigst
durchleuchtigste, sehr glänzend, berühmt
hohberuembtst
hochberühmteste
Egiptisch
ägyptisch
histori zeerkennen gibt
Historie zu erkennen gibt, ihre Geschichte berichtet
gereichßnet
gerechnet, hier im Sinne von gelebt, gewirkt
Diocleciano
Diokletian, römischer Kaiser (284–305 n. Chr.)
pluot
Blut
Lostus
Lostus, Vater der Heiligen Katharina (historisch nicht belegt, legendärer Name)
Alexandria
Alexandria, Stadt in Ägypten
varers berawbt
Vaters beraubt
wolluesten
Wollüsten, Vergnügungen
muessigkeit
Müßigkeit, Untätigkeit
weiplicher waichmuetigkeit geflißen
weiblicher Weichmütigkeit hingegeben
treffenlicher ding
trefflicher Dinge, ausgezeichneter Fähigkeiten
disputacion
Disputation, Streitgespräch
hohweisisten
hochweisesten
ainsidel
Einsiedel, Einsiedler
gespons cristi
Braut Christi (spiritueller Titel)
Dioclecianisch verfolgung
diokletianische Verfolgung, Christenverfolgung unter Diokletian
waynen
weinen
opfftung
Opferung
xviij
römisch für 18
angesiht
Angesicht, Blick
eyteln ere
eitle Ehre
pallast
Palast
redsprechigkeit
Redfertigkeit, Beredsamkeit
fuenftzig
50
werltweise mann
weltweise Männer, Philosophen, Gelehrte
xij.
römisch für 12
huengern
hungern
got angenams iunckfrawlein
Gott angenehmes Jungfräulein
bestendigclich
beständig
sigzaichen
Siegeszeichen
glori
Glorie, Herrlichkeit
rittermaister Porphirium
Rittermeister Porphyrius, hier ein römischer Offizier
ijc.
römisch für 200
gemahel
Gemahlin