Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter 130px Siluester der babst ein roemer saß nach Melciade zu zeiten Constantini. diser wz ein goetlicher man. von angesyht englisch. klarer red. zierlichs leibs. heiliger werck. groß vnd tapffers rats. cristenlichs glawbenns. gedultigster hoffnung vnnd mit aller lieb begoßen. dem verlihe got ein solche gnad das er nit allain von den cristen sunder auch von den haiden in wunderperlicher naygung geliebet wardt. Als nw Constantinus getauft vnd der kirchen frid gegeben ward do hat er vil gesetze zu goetlichem dienst gehoerende fuergenomen. Erstlich das der cresem allain vomm bischoff gesegnet werde solt. so solt ein bischoff einen getawften zaichnen. vnd ein briester einen getawften in tods noetten mit den cresem salben. vnd kain lay einichen geweyhten in gericht fordern. auch kein geweyhter einich sach zu hoff handeln noch vor eim wertlichen richter einich sach sprechen. Ein briester der mess hielte solt weiß leyneins tuch geprauchen als dann der leichnam christi in eim weyßen leynen tuch begraben wardt. Diser heyligst babst hat vnder andern seinen geuebten wunderwercken die statt Rom auff ein zeit von der pestilentz eins drackens erloeßet. er starb seligclich vnd wardt zu rom begraben amm letsten tag decembris als er. xxiij. iar. x. monat. xi. tag gefeßen was. Marcus der babst ein roemer was nach Siluestro zu den zeiten Constantini. ein guter man vnd liebhaber cristenlichs glawbens. vnd hat gesetzt das der Hostiensisch bischoff von den der roemisch geweyht wirdt sich eins chormantels geprauchen. vnd an hailigen hohzeitlichen tagen alßpald nach dem ewangelium der glawb von der briesterschaft vnd vomm volck mit großer stymm gesungen werden solt. als denn dauor in dem Nicenischen concili ecklert was. Er pawet zu rom zwu kirchen. er saße in babstlichen stuol zway iar acht monat. xx. tag vnd der stuol feyret. xx. tag. Julius der babst ein roemer was zu den zeiten Constancij des kaisers ein man wund derperlicher heiligkeit vnnd lere. vnnd wardt (dieweil die Arrianisch ketzerey vberhand name) mit vil vnfuog bekuemert. vnd von Constante dem sun Constantini in das ellend verschickt. Nach. x. monaten keret er wider gein Rom. vnd straffet die orientischen vnnd sunderlich die Arrianischen bischoff die zu Anthiochia ein concili fuergenomen hetten das doch on macht oder gehaiße eins roemischen bischofs nicht beschehen mocht. Er pawet zu Rom zwuo kirchen vnd drey freythoef. Er setzet auch das ein briester nindert dann vor eim gastlichen richter sprechen solt. vnd welcher eynen richter argkwoenig het der moecht sich an den roemischen stuol beruoffen. vnnd das alle ding zu der kirchen gehoerende durch einen offenbarn schreiber oder prothonotarien solten beschiben werden. Er saße. xv. iar zwen monat sechs tag vnd feyret der stuol deßmals. xxv. tag. Liberius der babst auch ein roemer was zu den zeiten Constancij vnd Constantis. Zu dess zeiten als ein concili zu Mayland gehalten wardt sind alle die ihenen die Athanasio anhiengen in ellend verschickt worden. das als in der Arrianischen versamlung die orientischen briester als listig vnd gescheid menschen die briester des nydergangs als schlecht vnnd vngenyet lewt mit listigen behendigkeiten vberwuenden. dann sie lawgneten das Christus mit dem vater mitselbstentlich wer. do fachte solchs liberius offenlich an. vnd darumb das er Arhanasium auff des kaisers befelhe nit verurtailn wolt do wardt er von den Arrianischen ketzern in das ellend getriben vnd also drey iar außer rom. Die briester aber versamelten sich vnd satzten Felicem den briester gar einen frumen man an stat Liberij zu einem babst vnd suenderten die zwen briester Vrsacum vnd Valentem von der kirchen ab. vnd erlangten mit iren fuerbette das Constancius den babst Liberium widerumb auß dem ellend haymforderet vnd ine nach absetzung Felicis widerumb einsetzet. vnd wiewol der babst den arrianischen anhienge so zieret er doch die kirchen gottes gar fleißigclich. darnach starb er zu Rom vnd wardt begraben amm. xxiij. tag aprilis. Er saß sechs iar. Ettlich sagen xvi. iar. drey monat vier tag. vnd ruoet der stuol deßmals sechs tag. Blat CXXIX der werlt 130px Constantinus der groß auß nidrer ee ein sun Constancij wardt in Brittannia kaiser erkorn. vnd wiewol deßmals der gemayn roemisch stand von vier kaisern als Constantino Maxencio Licimo vnd maximiano gehandelt wardt. yedoch hat diser Constantinus als ein großmechtig man. der sich vnderstund alle ding die er ime fuernam zeuerstrecken. sein begirde nach dem fuerstenthumb der gantzen werlt gesetzt vnd die andern (als vor steet) vberwunden. Er was imm anfang seins kaiserthumbs den. besten vnd beym ende den mittelmassigen fuersten zeuergleichen mit vnzallichen kreften des gemueets vnd leibs begabet ritterliches ruoms hohbegirig vnd in kriegen gluecksalig der Gothier ein obsiger. syttlicher vnd freyer kunst geflissen vnd ein begerer der gerechtigkeit vnd lieb. in dem. iijc. vnd. xxxix. iar des herrnn haben die cristen menschen dauor von den tirannen verdrucket vnder disem kaiser angehebt erquickung zenemen. wer frids begeret der wardt des von ime geweret. mit gnaden vnnd seiner freymuetigkit erlnanget er allermenigclichs gunst vnd guetwillichkeit. er machet vil gesetz mit abschneydung der vberfluessgen vnd milterung der zeuil gestrengen. Diser großmechtigst kaiser wz auf fuersehung der ersamkeit des cristenlichen wesens also genaigt das er sich (so er in einen krieg zohe) keins andern panyers dann des zaichen des creuetzes geprauchet dz er dann (als er wider Marencium ein heerzug thet) an liechtem himel gesehen vnnd angepettet vnd die engel gehoeret hat sprechende. Constantine in disem zaichen wirst du vberwinden. das er dann gethan vnd alle tyrannen von dem roemischen vnd allem cristenlichen volck vertriben hat. Diser Constantinus ward von dem babst Siluester zu auffung vnd merung der kirchen gottes beraytter vnd schneller gemacht. dann er verlihe den babsten ein guldeins dyadem mir edelm gestayn vnderschiden. aber Siluester verachtet das als ein ding das dem gaistlichen hawbt nit gezimet vnnd was allain an einer weyssen hawben oder huot benuegig. Diser Constantinus wardt von Siluestro mitsambt Crispo seinem sun getawft. Zu letst als er wider die Parthos krieget starb er in eim dorff bey Nicomedia imm. xxxi. iar seins kaiserthumbs vnnd im. lxvi. iar seins alters. sein tod wardt verkuendet durch einen cometen der vngewoenlicher groeße etwielang schine Constantius hat nach absterben des vorgenanten großen Constantini seins vaters mit Constanino vnd Constante seinen bruedern das kaiserthumb erobert. vnd zu derselben zeit vnd sunst nye ist das roemisch wesen vnder vier herrschern gestanden. dann er ließ drey suen vnd Dalmaticum seins bruders sun. der seinem vetern an gueter schicklichkeit nit vngleich was. der wardt vnlang darnach mer auß verhengknus denn auß befelhe seins vetters Constancij von der ritterschaft ersragen. Constantinus wardt in eim krieg wider seinen bruder in vnberatlichem anfang des streits bey Aquilegia von den hawbtlewten Constancij erslagen. also gelanget die herrschung an die zwen. Constans erobert das kaiserthumb vnd wiewol das ettwielang gestreng vnd gerecht was. yedoch. nach dem er sich alßpald vnglueckhaftiger zufalligkeit vnnd boeßer freuend geprauchet do wardt er zu schwereren lastern gewendet. er wardt den landschaften vntraglich vnd der ritterschaft vnbehaglich. vnd durch zuschub Maxencij erslagen nit verne von Hispania in eim schloß Helene genannt im. xvij. iar seins kaserthumbs vnnd eim. xxx. iar seins alters. Nach ertoedtung Constantis hielt Maxencius welschland Affricam vnnd die Gallier inn. von dem het das kriechischland newe anstoeß do wardt Vetrauio auß verwilligung der ritterschaft zum kaiserthumb vnd beschirmung des kriechischen lands erkorn. Diss wz ein frumm vnd guot sittig betagt man vnd von lenge vnd glueckhaftigkeit wegen seiner ritterschaft allermenigclichem angename vnnd lieplich. aber er ward von Constantino (der zu rachsal seins bruders ertoedtung einen krieg erhuob) vomm reich abgesetzt. Nepocianus vrsachet zu Rom einen auflauff vnd maynet das kaiserthumb zuerlangen. aber er wardt zu straf seins vbels erslagen. so wardt Gallus zu kaiser im auffgang geordent. Maxencius endet sein leben zu Lyon im dritten iar vnd sibenden monat seins kaiserthumbs. darnach ward Gallus in den kriegen erslagen. der was ein grawsam man schnel zu der wueterey wo er nach seinen willen solt geherschet haben.
Das sechste Zeitalter. Silvester, der Papst, ein Römer, saß nach Melchiades zu Zeiten Konstantins. Dieser war ein göttlicher Mann, von engelhaftem Aussehen, klarer Rede, von zierlichem Körper, heiliger Werke, von großem und tapferem Rat, christlichen Glaubens, geduldigster Hoffnung und mit aller Liebe erfüllt. Ihm verlieh Gott eine solche Gnade, dass er nicht allein von den Christen, sondern auch von den Heiden in wunderbarer Zuneigung geliebt wurde. Als nun Konstantin getauft und der Kirche Frieden gegeben wurde, da hat er viele Gesetze, die zum göttlichen Dienst gehören, erlassen. Erstens, dass das Chrisam allein vom Bischof gesegnet werden sollte; so sollte ein Bischof einen Getauften zeichnen und ein Priester einen Getauften in Todesnöten mit dem Chrisam salben. Und kein Laie sollte irgendeinen Geweihten vor Gericht fordern, auch kein Geweihter irgendeine Sache vor Hof verhandeln noch vor einem weltlichen Richter irgendeine Sache sprechen. Ein Priester, der Messe hielt, sollte ein weißes Leinentuch gebrauchen, da ja der Leichnam Christi in einem weißen Leinentuch begraben wurde. Dieser heiligste Papst hat unter anderen seinen vollbrachten Wunderwerken die Stadt Rom auf eine Zeit von der Pestilenz eines Drachens erlöst. Er starb seliglich und wurde zu Rom begraben am letzten Tag des Dezembers, als er 23 Jahre, 10 Monate, 11 Tage gesessen war. Markus, der Papst, ein Römer, war nach Silvester zu den Zeiten Konstantins. Ein guter Mann und Liebhaber christlichen Glaubens. Und hat gesetzt, dass der Bischof von Ostia, von dem der römische [Papst] geweiht wird, sich eines Chormantels gebrauchen [sollte]. Und an heiligen, hochfestlichen Tagen sogleich nach dem Evangelium der Glaube von der Priesterschaft und vom Volk mit großer Stimme gesungen werden sollte, wie denn zuvor in dem Nicänischen Konzil erklärt war. Er baute zu Rom zwei Kirchen. Er saß auf dem päpstlichen Stuhl zwei Jahre, acht Monate, 20 Tage, und der Stuhl war 20 Tage vakant. Julius, der Papst, ein Römer, war zu den Zeiten des Kaisers Konstantius ein Mann von wunderbarer Heiligkeit und Lehre. Und wurde (weil die arianische Ketzerei überhandnahm) mit viel Unbill behelligt und von Konstans, dem Sohn Konstantins, ins Exil geschickt. Nach 10 Monaten kehrte er wieder nach Rom. Und strafte die orientalischen und besonders die arianischen Bischöfe, die zu Antiochia ein Konzil vorgenommen hatten, das doch ohne Macht oder Geheiß eines römischen Bischofs nicht geschehen mochte. Er baute zu Rom zwei Kirchen und drei Friedhöfe. Er setzte auch, dass ein Priester nirgendwo anders als vor einem geistlichen Richter sprechen sollte. Und wer einen Richter argwöhnisch hätte, der mochte sich an den römischen Stuhl berufen. Und dass alle Dinge, die zur Kirche gehören, durch einen öffentlichen Schreiber oder Prothonotar beschrieben werden sollten. Er saß 15 Jahre, zwei Monate, sechs Tage, und der Stuhl war damals 25 Tage vakant. Liberius, der Papst, auch ein Römer, war zu den Zeiten des Konstantius und Konstans. Zu dessen Zeiten, als ein Konzil zu Mailand gehalten wurde, sind alle diejenigen, die Athanasius anhingen, ins Exil geschickt worden. So wie in der arianischen Versammlung die orientalischen Priester als listige und geschickte Menschen die Priester des Abendlandes als schlichte und unerfahrene Leute mit listigen Behendigkeiten überwanden. Denn sie leugneten, dass Christus mit dem Vater wesensgleich wäre. Da focht Liberius solches offenlich an, und darum, weil er Athanasius auf des Kaisers Befehl nicht verurteilen wollte, da wurde er von den arianischen Ketzern ins Exil getrieben und so drei Jahre außer Rom. Die Priester aber versammelten sich und setzten Felix, den Priester, einen sehr frommen Mann, anstatt Liberius zu einem Papst ein und sonderten die zwei Priester Ursacius und Valens von der Kirche ab. Und erlangten mit ihren Fürbitten, dass Konstantius den Papst Liberius wiederum aus dem Exil heimforderte und ihn nach Absetzung des Felix wiederum einsetzte. Und obwohl der Papst den Arianern anhing, so zierte er doch die Kirchen Gottes sehr fleißiglich. Danach starb er zu Rom und wurde begraben am 23. Tag des Aprils. Er saß sechs Jahre. Etliche sagen 16 Jahre, drei Monate, vier Tage, und ruhte der Stuhl damals sechs Tage. Blatt 129 der Welt. Konstantin der Große, aus niederer Ehe ein Sohn des Konstantius, wurde in Britannien zum Kaiser erkoren. Und obwohl damals der gemeine römische Staat von vier Kaisern, nämlich Konstantin, Maxentius, Licinius und Maximian, regiert wurde, jedoch hat dieser Konstantin als ein großmächtiger Mann, der sich unterstand, alle Dinge, die er sich vornahm, zu vollbringen, sein Begehren nach dem Fürstentum der ganzen Welt gesetzt und die anderen (wie zuvor steht) überwunden. Er war im Anfang seines Kaisertums den besten und am Ende den mittelmäßigen Fürsten zu vergleichen, mit unzähligen Kräften des Gemüts und Leibes begabt, ritterlichen Ruhmes hochbegierig und in Kriegen glückselig, ein Sieger über die Goten. Den sittlichen und freien Künsten beflissen und ein Begehrer der Gerechtigkeit und Liebe. Im Jahre 339 des Herrn haben die christlichen Menschen, zuvor von den Tyrannen unterdrückt, unter diesem Kaiser angefangen, Erquickung zu nehmen. Wer Frieden begehrte, dem wurde dieser von ihm gewährt. Mit Gnaden und seiner Freimütigkeit erlangte er jedermanns Gunst und Gutwilligkeit. Er machte viele Gesetze mit Abschneidung der überflüssigen und Milderung der zu strengen. Dieser großmächtigste Kaiser war auf Fürsehung der Ehrsamkeit des christlichen Wesens also geneigt, dass er sich (so er in einen Krieg zog) keines anderen Banners als des Zeichens des Kreuzes gebrauchte, das er dann (als er wider Maxentius einen Heereszug tat) an lichtem Himmel gesehen und angebetet und die Engel gehört hat sprechend: „Konstantin, in diesem Zeichen wirst du überwinden.“ Das hat er dann getan und alle Tyrannen von dem römischen und allem christlichen Volk vertrieben. Dieser Konstantin wurde von dem Papst Silvester zur Eröffnung und Mehrung der Kirchen Gottes bereiter und schneller gemacht. Denn er verlieh dem Papst ein goldenes Diadem, mit edlem Gestein verziert. Aber Silvester verachtete das als ein Ding, das dem geistlichen Haupt nicht geziemt, und war allein an einer weißen Haube oder Hut genügsam. Dieser Konstantin wurde von Silvester mitsamt Crispus, seinem Sohn, getauft. Zuletzt, als er wider die Parther kriegte, starb er in einem Dorf bei Nikomedia im 31. Jahr seines Kaisertums und im 66. Jahr seines Alters. Sein Tod wurde verkündet durch einen Kometen, der von ungewöhnlicher Größe etwelang schien. Konstantius hat nach dem Ableben des vorgenannten großen Konstantin, seines Vaters, mit Konstantin [II.] und Konstans, seinen Brüdern, das Kaisertum erobert. Und zu derselben Zeit und sonst nie ist das römische Wesen unter vier Herrschern gestanden. Denn er hinterließ drei Söhne und Dalmatius, seines Bruders Sohn, der seinem Onkel an guter Tüchtigkeit nicht ungleich war. Der wurde unlängst danach mehr aus Verhängnis denn aus Befehl seines Onkels Konstantius von der Ritterschaft erschlagen. Konstantin [II.] wurde in einem Krieg wider seinen Bruder, im unbedachten Anfang des Streits bei Aquileia, von den Ha[ndlangern seines Bruders getötet].