Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Jar der werlt. vm. vc. xciij.Jar Christi. iiijc. xciiij. Anastasius der babst ein roemer nach Sirico vnder dem kaiser Graciano erkorn hat geordnet das die briester in einiche weyse nit sitzen. sunder genaigt vnd erwirdigclivh steen solten so das hailig ewangelium in der kirchen gottes gesungen oder gelesen wuerd. das auch die pilger am vnd allermaist die die vber meer wanderten zu clericken oder geweyhten nit aufgenomen werden solten. es wer denn dz sie fuenff bischoff handschrifft anzaigten. das beschahe (als die sagen) von der Manicheyschen ketzer wegen die des mals in Africa in großer achtung waren vnd zu zerstoerung des glawbens von den iren auch verss außsendeten. Er setzet auch das die ploeden vnd einer hand oder einichs glids manglenden in die zall der clericken oder geweyhten mit genomen solten werden. Als er nw ettwieuil briester diacon vnd bischof gemacht het starb er am. xxvij. tag Aprilis. saß drey iar. x. tag vnd feyret der stuol deßmals. xxi. tag. Innocencius der erst von gepurt ein Albanus zu den zeiten Theodosij des kaysers was ein heilig man. der vil guoter ding zu cristenlichem vnd gaistlichem wesen vnd stand gehoerende in geruosamkeit des roemischen reichs vnd auß guotwillichkeit des keisers betrachtet. vnd ordnet das man am sambstag’ fasten solt. darumb das christus an demselben tag in dem grab gelegen wer vnd sein iungere gefastet hetten. von den iuden vnd haiden vnd auch von den muenchen oder aynsideln setzet er ettlich regel. er wolt das ein kirch eins mals geweyhet nit mer geweyhet werden solt. er vertribe die Cathaphrigrschen ketzer auß der statt rom vnd verdammet Pelaguiz den muench oder aynsidler vnd Celestinus als ketzer. darumb das sie die freyen wilkuer der goettlichen gnad fuersetzten. vnd sprachen das zu erfuellung goettlicher gepote oder gehayße allain der wil gnuegsam wer. Diser babst setzet auch das zu allen hohzeitlichen tagen in den kirchen vor nießung des heiligen sacraments der frid den cristglawbigen menschen gegeben werden solt. Er saße. xv. iar. ij. monat. v. tag vnd starb vnd der stuol ruoet. xxij. tag. z ozimus der babst. ein kriechischer nach Innocencio was zu den zeiten Archadij vnd Honorij der kaiser gar ein heilig vnd frumm mann. der in vil betrueebnussen der goetlichen sachen nit vergessen. sunder gesetzt hat. dz die diaconi so man celebritet die lingken mit tuoch von flachs vnd woll geweben bedecken solten. Er verlyhe das amm heiligen oster obent die osterkertzen in den pfarren geweyhet werden moechten. er verpote den clericken oder geweyten an offen enden zetrincken. vnd das gtranck zeuerkawffen. doch moecht das in den wonungen der glawbigen wol beschehen. So solten die verkawften oder knecht mit zu clerick aufgenomen werden. Sie sagen diser zozimus hab Faustinum den bischoff vnd zwen briester der statt Rom in dz’ Carthayinensisch concili gesendet. das er zaiget das yndert nichtz öffenlich gehandelt solt werden on verwilligung der roemischen kirchen. Als er ein iar drey monat. xij. tag geseßen was do starb er vnnd feyret der stuol. xi. tag. Bonifacius der erst ein roemer was zu den zeiten Honorij. Als er zu babst erkorn wardt do entstuond under den gaistlichen ein zwittracht. dann Bonifacius wardt an einem end. vnd Eulalius an eim andern ort zu rom zu babst erwelet. vnd diss sol die vierdt zwayung der kirchen gewest seyn. Als solchs an den kaiser Honorium (der deßmals zu Maylannd was) gelanget. da warden sie bede auß Rom getriben. vnnd doch Bonifacius darnach im sibenden monat widergefordert vnnd allain babst zu Rom gesetzt. als er nw fridsamlich einkomen was do ordnet er vil stueck zu erberkeit des gaistlichen stands dienende. vnd sunderlich das nymant in seinem abwesen vor gericht in einich weiß angeclagt noch verdambt werden solt. Es solt auch ymant vor xxx. iarn seins alters nit briester geordnet werden. vnnd do er drey iar. acht monat. vij tag geseßen was do starb er. do berueften ettliche auß der briesterschaft Eulalium gein Rom. aber aindweders auß unwilligkeit oder auß verschmehung werltlicher ding verachtet er soclhe berueffung und starb ein iar nach Bonifacio. Gracianus Valentiniani des eltern sun hielt nach absterben Valentis sechs iar das kaiserthumb. wiewol er langst dauor mit Valente seinem vetter vnd Valentiniano seinem bruder geregiret het. Diser wz von seiner iugent aufm ritterschaft gestreng vnd darzu ein guot cristenlich man. dann dieweil er noch zuomal iung was vnd ein vnerschetzliche menig der feind die gegent der roemer vberzogen het do ruostet er sich auff getrawen in christo mit einer clainen. vnd den feinden vngleichen anzall der ritter wider die feind vnd vbet bey straßburg einen erschreckenlichen krieg mit vnglewplicher glueckhaftigkeit vnd erfluog im streyt on niderlag gar wenig roemer mer dann. xxxm. teutscher. das hat er gehabt auß rechter liebe des glawbens. Als Ambrosius zu bischoff erwelet wardt do keret sich alßpald alles Welschßlannd wider zum rechten glawben. do hieß er die zerbrochen cristenlichen kirchen widerauffrichten. Als nw diser Gracianus Traciam vnd Daciam von den Gothiern beseßen vnd auch den gemaynen roemischen stand in großer geferlichkeit sahe do fordert er Theodosium von Hispania vnd befalhe im. imm. xxxiij. iar seins alters mit allermenigclichs gunst bey Sirmium die herrschung des orients vnd Tracie. Diser hat allen seinen getrawen in die hilff christi setzende die machtigen grawsamen Scithier. Alanyer. Hunyer. Gothier kuenlich angegriffen vnnd mit viel großen streytten ernidergelegt. Dazwischen vbet Maximus in Britannia wueeterey vnnd zohe in Galliam vnnd erschluog Gracianum xxix. iar alt bey Lyon. Aber Gracianus was nit wenig gelert. wolgesprech. der speis und des schlafs massig vnd ein vberwinder der flaischgirigkeit. Aheodosius der elter ein Hispanier hielt allain nach absterben Graciani das kayserthumb des roemischen vmbkrais. xi. iar vnd ersluog den tyrannen Maximum. den moerder Graciani bey Aquilegia zu todt. das wardt demselben wueetrich durch Martinum den hailigen man vor verkuendet. Diser Theodosius hat durch goetlichen beystand vil tyrannen verdrucket. dann er was ein pflantzer beschirmer vnd merer des gemaynen nutzs. an sitten vnd leib dem Traiano gleich zusampt der ritterlichen zucht was er sinnreich vnd zu cristenlichen wesen andechtig. dann als er ainsmals zu Mayland in die kirchen geen wolt vnd ime von einer tat wegen verbotten wardt vngebeichtet nit in die kirchen zegeen do name er das also guetigclich auf das er den bischof Ambrosio dancket vnd bußtet. ime wardt vermehelt eine genant Flacilla auß der gepar er Archadius vnd Honorius vnd starb zu Mayland im. I. iar seins alters, vnd liesse seynen suenen das kayserthumb geruosamm und sein leichnam wardt gein Constantinopel gefueert. Archadius Theodosij des großen sun imm oriennt vnnd Honorius sein bruder imm nidergang herrschende regirenten das kaiserthumb gemayn. vnd Archadius lebet nach seins vaters todt. xij. iar. Nw waren sie als ir vater theodosius starb noch iung darumb ließ er inen drey machtig mann die den iungen vorsein solten. nemlich Ruffinum den orient. Stilconem den nidergang vnd Gildonem die gegent Affricam zeregiren. die warden darnach auß begirde zeherrschen also bewegt dz sie sich nach verachtung der iungen des reichs selbs vnderstunden. aber Gildo wardt von seyner grawsamkeit von Masceleger seim bruder vertriben. vnnd starb von gift oder schmertzen seins gemuets. aber als Masceleger auß vberhebung seins sygs weder gots noch der menschen verschonet do wardt er von der ritterschaft erschlagen. Ruffinus wardt von Archadio verdruckt. Stilco fueeget dem gemaynen nutz vil vbels. Aber als er zu lest von den Gothis ernidergelegt wardt vnnd hilff begeret do schiket der kaiser in vngnaden ettlich hawbtlewt die ersluegen Stilconem. Honorius was des vorgenanten Archadij bruder an sitten vnd cristenlichen wesen seim vater Theodosio enlich vnd gleich. als er nach angenomnen kaiserthumb die kreft des gemaynen roemischen stands zu taglichem abfall sahe komen do sendet er Constancium den gestrengen vnd streitpern man mit eim heer in Gallias vnd vermehelt im darnach mit allermenigclichs frolockung Gallam placidam sein schwester. auß der gepare Constantinus Valentinianum seinen sun der darnach das kaiserthumb handelt. darumb name er ine zu Rauenna in die mitherrschung des reichs. der doch voraußgang siben monat verschiede. Dazwischen wardt Placida' von iren bruder Honorio außgetriben vnd kom mit Honorio vnd Valentiniano iren suenen gein orient. do wardt sie von Theodosio erlich empfangen. Als aber Honorius mit dem iungern Theodosio sems bruders sun. xv. iar geregirt het do starb er zu Rom wardt daselbst begraben vnnd ließ keinen leibs erben.
Das sechste Zeitalter der Welt. 5593 Jahre. Im Jahre Christi 494. Anastasius, der Papst, ein Römer, nach Siricius unter Kaiser Gratian erwählt, hat angeordnet, dass die Priester in keiner Weise sitzen, sondern geneigt und ehrwürdig stehen sollten, wenn das heilige Evangelium in der Kirche Gottes gesungen oder gelesen wird; dass auch die Pilger, und allermeist jene, die über das Meer wanderten, nicht zu Klerikern oder Geweihten aufgenommen werden sollten, es sei denn, sie zeigten fünf Bischofsschreiben vor. Das geschah (wie man sagt) wegen der manichäischen Ketzer, die damals in Afrika in hohem Ansehen standen und zur Zerstörung des Glaubens von den Ihren auch Verse aussandten. Er setzte auch fest, dass die Gebrechlichen und jene, denen eine Hand oder ein Glied fehlte, nicht in die Zahl der Kleriker oder Geweihten aufgenommen werden sollten. Als er nun etliche Priester, Diakone und Bischöfe gemacht hatte, starb er am 27. Tag des April. Er saß drei Jahre, zehn Tage, und der Stuhl ruhte damals 21 Tage. Innocentius der Erste, von Geburt ein Albaner, war zu den Zeiten Theodosius' des Kaisers ein heiliger Mann, der viele gute Dinge, die zum christlichen und geistlichen Wesen und Stand gehörten, in der Ruhe des Römischen Reiches und aus Gutwilligkeit des Kaisers betrachtete. Und er ordnete an, dass man am Samstag fasten sollte, darum, weil Christus an demselben Tag im Grab gelegen war und seine Jünger gefastet hatten. Von den Juden und Heiden und auch von den Mönchen oder Einsiedlern setzte er etliche Regeln. Er wollte, dass eine einmal geweihte Kirche nicht mehr geweiht werden sollte. Er vertrieb die Kataphrygischen Ketzer aus der Stadt Rom und verdammte Pelagius, den Mönch oder Einsiedler, und Coelestinus als Ketzer, darum, weil sie die freie Willkür der göttlichen Gnade überschätzten und sprachen, dass zur Erfüllung göttlicher Gebote oder Geheiße allein der Wille genügsam wäre. Dieser Papst setzte auch fest, dass an allen hohen Feiertagen in den Kirchen vor dem Genuss des heiligen Sakraments der Friede den christgläubigen Menschen gegeben werden sollte. Er saß 15 Jahre, 2 Monate, 5 Tage und starb, und der Stuhl ruhte 22 Tage. Zosimus, der Papst, ein Grieche, nach Innocentius, war zu den Zeiten der Kaiser Arcadius und Honorius ein sehr heiliger und frommer Mann, der in vielen Betrübnissen die göttlichen Sachen nicht vergessen, sondern gesetzt hat, dass die Diakone, wenn man zelebriert, die linke Hand mit Tuch aus Flachs und Wolle gewebt bedecken sollten. Er verlieh, dass am heiligen Osterabend die Osterkerzen in den Pfarreien geweiht werden durften. Er verbot den Klerikern oder Geweihten, an öffentlichen Orten zu trinken und das Getränk zu verkaufen. Doch durfte das in den Wohnungen der Gläubigen wohl geschehen. So sollten die Sklaven oder Knechte nicht zu Klerikern aufgenommen werden. Man sagt, dieser Zosimus habe Faustinus, den Bischof, und zwei Priester der Stadt Rom in das Karthaginensische Konzil gesandt, damit er zeigte, dass nirgends nichts öffentlich gehandelt werden sollte ohne Einwilligung der römischen Kirche. Als er ein Jahr, drei Monate, zwölf Tage gesessen war, da starb er, und der Stuhl ruhte elf Tage. Bonifacius der Erste, ein Römer, war zu den Zeiten Honorius'. Als er zum Papst erwählt wurde, da entstand unter den Geistlichen ein Zwiespalt, denn Bonifacius wurde an einem Ort und Eulalius an einem anderen Ort in Rom zum Papst erwählt. Und dies soll die vierte Spaltung der Kirche gewesen sein. Als solches an Kaiser Honorius (der damals zu Mailand war) gelangte, da wurden sie beide aus Rom vertrieben. Und doch Bonifacius danach im siebten Monat wiedergefordert und allein als Papst in Rom eingesetzt. Als er nun friedlich eingekommen war, da ordnete er viele Bestimmungen an, die zur Ehrbarkeit des geistlichen Standes dienten, und besonders, dass niemand in seiner Abwesenheit vor Gericht in keiner Weise angeklagt noch verdammt werden sollte. Es sollte auch niemand vor 30 Jahren seines Alters zum Priester geweiht werden. Und als er drei Jahre, acht Monate, sieben Tage gesessen war, da starb er. Da beriefen etliche aus der Priesterschaft Eulalius nach Rom, aber entweder aus Unwilligkeit oder aus Verschmähung weltlicher Dinge verachtete er solche Berufung und starb ein Jahr nach Bonifacius. Gratian, der Sohn Valentinians des Älteren, hielt nach dem Absterben Valens' sechs Jahre das Kaisertum, obwohl er längst davor mit Valens, seinem Onkel, und Valentinian, seinem Bruder, regiert hatte. Dieser war von seiner Jugend auf in der Ritterschaft streng und dazu ein guter christlicher Mann. Denn während er noch damals jung war und eine unschätzbare Menge der Feinde die Gegend der Römer überzogen hatte, da rüstete er sich auf Vertrauen in Christus mit einer kleinen und den Feinden ungleichen Anzahl der Ritter gegen die Feinde und übte bei Straßburg einen erschrecklichen Krieg mit unglaublichem Erfolg und erschlug im Streit ohne Niederlage sehr weniger Römer mehr als 30.000 Deutsche. Das hatte er aus rechter Liebe des Glaubens. Als Ambrosius zum Bischof erwählt wurde, da kehrte sich alsbald alles Welschland wieder zum rechten Glauben. Da hieß er die zerbrochenen christlichen Kirchen wieder aufrichten. Als nun dieser Gratian Thrakien und Dakien von den Goten besetzt und auch den gemeinen römischen Stand in großer Gefährlichkeit sah, da forderte er Theodosius aus Hispanien und befahl ihm im 33. Jahr seines Alters mit jedermanns Gunst bei Sirmium die Herrschaft des Orients und Thrakiens. Dieser hat, all sein Vertrauen auf die Hilfe Christi setzend, die mächtigen, grausamen Skythen, Alanen, Hunnen, Goten kühn angegriffen und mit vielen großen Schlachten niedergeworfen. Dazwischen übte Maximus in Britannien Tyrannei und zog nach Gallien und erschlug Gratian, 29 Jahre alt, bei Lyon. Aber Gratian war sehr gelehrt, redegewandt, mäßig in Speise und Schlaf und ein Überwinder der Fleischeslust. Theodosius der Ältere, ein Hispanier, hielt allein nach dem Absterben Gratians das Kaisertum des römischen Reiches elf Jahre und erschlug den Tyrannen Maximus, den Mörder Gratians, bei Aquileia zu Tode. Das wurde demselben Wüterich durch Martin, den heiligen Mann, zuvor verkündet. Dieser Theodosius hat durch göttlichen Beistand viele Tyrannen unterdrückt, denn er war ein Pflanzer, Beschirmer und Mehrer des Gemeinwohls. An Sitten und Leib dem Trajan gleich, samt der militärischen Disziplin war er sinnreich und zum christlichen Wesen andächtig. Denn als er einstmals zu Mailand in die Kirche gehen wollte und ihm wegen einer Tat verboten wurde, ungebeichtet nicht in die Kirche zu gehen, da nahm er das so gütiglich auf, dass er dem Bischof Ambrosius dankte und büßte. Ihm wurde eine namens Aelia Flacilla vermählt, aus der er Arcadius und Honorius zeugte, und er starb zu Mailand im 60. Jahr seines Alters und hinterließ seinen Söhnen das Kaisertum friedlich, und sein Leichnam wurde nach Konstantinopel geführt. Arcadius, Theodosius' des Großen Sohn, im Orient, und Honorius, sein Bruder, im Westen herrschend, regierten das Kaisertum gemeinsam. Und Arcadius lebte nach seines Vaters Tod zwölf Jahre. Nun waren sie, als ihr Vater Theodosius starb, noch jung, darum ließ er ihnen