Schedelsche Weltchronik · Blatt 135

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 135, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 135, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Ambrosius der bischoff zu Mayland was ein roemer von ratherlicher wirdigkeit gar ein hailig mann vnd vnder allen lerern seiner zeit der fuernemst vnd oeberst. nach absterben Auxencij wardt er auß eim haidnischen richter pald zu Mayland auß goetlichem willen auß allermenigclichem zu bischoff erwelet. alßpald getawft vnd geweihet. dann es wardt eins kinds stymm gehoeret sprechende. Diser Ambrosius ist wirdig ein bischoff zesein. vnd wardt also der. ix. bischoff zu Mayland. vnd als er nw ettliche buecher des cristenlichen glawbens halb dem kaiser Graciano vberantwurtet het vnd mit gepuerlicher ere erbietung empfangen wardt: do hat sich gantz Welschland pald zum rechten glawben wider gekeret. vnd alles Gallia herdißhalb des gepirgs gelegen den rechten glawben angenommen. Diser Ambrosius was solcher guetmuetigkeit. heiliger sitten. scharppfer sinreichigkeit vnd goetlicher kunst weyse das er nit allain in seim leben sunder nach seim tod welschland vnd alle umbkrais zu seiner erwirdigen angedechtnus gefueert hat. Als diser Ambrosius noch unsprechend kind in der wiegen schliffe do bedecket ime ein scharm der pynen sein antlitz gleich ob sie in einen pynstock vnd darauß flugen. zu bedeuedtnus das aus seinem mund hoenigsueße lere fließen wurdt als sich das darnach gar warlich erschaint hat an der großen sueßigkeit seiner lere vnd schrift der er dann merckliche zal zu befestigung des glawbens vnd der kirchen gemacht hat. dann er hat vnder den lateinischen schreibern wie ein pluom geschinen. Diser heilig bischoff starb am vierdten tag des monats Aprilis. Martinus der Turonensisch bischoff an heiligkeit vnd guetigkeit hohscheinper von der statt Sanbadie auß Pannonia geporn vnd in welschen land zu Papia erzogen hat mit seinem vater ein rittmaister vnder kaiser Constantio vnnd darnach vnder Juliano ritterschaft gepflegen wiewol vngern. Einßmals zu winter zeit begegnet im ein armer mensch mit dem taylet er sein klaid. darinn sahe er in der nacht darnach Christum geklaidet. da verließ er die ritterschaft vnd zohe zu Hilario dem picauiensischen bischoff. desselben zucht vnderwarff er sich vnnd pawet daselbst darnach ein closter von dem wardt er zu bischoff auffgenomen. sein leben was darnach mit solchen wunderwercken also beruembt das nach den apposteln ime keiner gegleichet wirdt. dann er verdienet zesein ein auffwecker dreyer todten. zu letst wandert er zu got im. lxxxi. iar seins alters. vnd im ersten iar des babsts Anastasu am. xi. tag. nouembris. Bey des begencknus was der heilig Ambrosius wunderperlich. vnd als er sein heiligkeit vnd tugent erlernet het do lobet vnd preyset er ine mit viel schoenen erlichen wortten Thedosius der kaiser machet zu diesen zeiten mit Athamarico der Gothier koenig ein puendtnus. do kom Athanaricus gein Constantinopel zu Theodosio den empfing er mit großer froelichkeit. als nw Athanaricus die gepew der statt vnd die menig des volcks zu dem hohzeitlichen tag also gezieret sahe vnd darnach in dem kaiserlichen hoff so vil vnd mancherlay dienst vnd ampt besichtiget. do sprach er. o zweifel ein irdischer got ist der kaiser. welcher wider ine ein hand auffzeheben gesendt wirdt der sol seins pluots schuldig sein Aber schier darnach kome ine ein seuechen an das er starb. den ließ der kaiser gar erlich zu der erden bestatten. vnd was selbst bey seiner begencknus. als nw der koenig der Gothier also gestorben was vnd dieselben Gothier die tugent vnd guetigkeit des kaisers Theodosij mercketen vnd ansahen do ergaben sie sich alle aintrechtigclich demselben roemischen kayser vnd an das roemische reich. Claudianus ein poet auß Hispania was diser zeit zu Florentz in werde gehalten vnd machet zway buecher treffenlicher lere vnd spruech. auch ein buech gepundens gedichts von lob vnd preiß des obgenannten kaisers Theodosij. Prudencius auch einpoet vnd cristenlich man werltlicher schrift hoherfarn vnnd wissend hat diser zeit geleuechtet. der dann etliche lobwirdige dinge in goetlichen sachen gemacht hat. als ein buoch von den martrern. Item von dem ursprung der suend. Item von der trifeltigkeit. Item auch ein buoch wider einen Simacus genant der die abgoetter beschirmet etc. Zu disen zeiten was Appollinaris ein bischof der statt Laodicee in Syria. ein man in der disputirung ernsthaftig. vnnd also scharpff das er getrost sprechen das von dem herren in der dispensatz der leib vnd nit die sel angenomen wer. Aber als er auß vrsachen geraitzt wardt saget er das er auch ein sel gehabt het. aber nit als sie vernueftig wer sunder als sie den leib lebendig machet. aber zu erfuellung vnd erstattung des vernueftigen teils sey das wortt gottes gewesen. Dieselb maynung wardt dauor von damaso vnd von petro dem alexandrinischen bischof vernichtigt vnd ausgeloescht. vnd von dannenheer haben die Appollinarischen ketzer iren ursprung vnd namen gehabt vnd empfangen der werlt Ieronimus der heiligst vnd hochberuembst lerer. der roemischen kirche cardinal vnnd briester was geporn auß der statt Stridonis. die von den Gothier verwueestet wardt. vnd ettwen an Dalmacia vnnd Pannonia gestoßen hat. Diser in aller werlt an lere vnnd kunst clar man hat bey Bethleeem der statt des lands Palestine wonent dieselben gegent erleuechtet. Wie er aber der kirchen gottes mit seinem leben vnd schrifften gefuedert hab das kan man nit genuog sagen dieweil sein allerhailigst leben aller menigclichem fuerscheinet. vnd sein schrifft vnd lere in großem weerde vnd eren sind. dann er was ein fast wolgesprech man vnd weßt vnnd kund vil schrift vnd gezuengs. do er gein Rom kome wardt er zu eim Cardinal vnd briester geweihet. Gregorius nazanzenus was sein maister zu vnderweysung in der heiligen schrift. darnach name er an sich die klaidung bewerter closterlewt oder aynsidler in der wueestnus in Syria. nach vier iaren kome er wider gein Bethleem. daselbst hat er mit tichtung vnd schreybung vil buecher der cristenlichen kirchen einen vnbeweglichen thurn wider dz vergifft geschoß der vnglawbigen auffgerichtet. Es ist vnmueglich alle ding von disem heiligen mann zebegreiffen. Eins mals vmb vesperzeit als sant Joronimus mit seinen bruedern in der lection saß do kom ein großer leob hinckende in das closter gegangen. die brueder erschracken so gieng sant Jeronimus im als eim gast entgegen. der zaiget ime seinen verwundten fueeß den hailet im sant iheronimus do wonet der leob vnder inen als ein haymisch thier. vnnd Jheronimus verschied zu Bethlemm. xcviij. iar alt. Paula ein roemische fraw wunderperlicher heiligkeit vnd sant Jheronimi in cristo tochter vnd iungerin ist in disem iar wie sant Martinius im. Ivi. iar irs alters am xxvij. tag Januarij zu Bethleem verschieden. ir wirdigkeit vnd abgeschieden wandel verlassung irs vaterlands vnd wandrung gein Jherusalem hat der heilig Jheronim’ in eim buechlein mit großem lob erhebt vnd darinn ir pilgramschaft an heilige stett. ir demuet vnnd massigkeit. ir guettatigkeit gein den armen. ir vnglewpliche gedult. wirtschafft glawben. bestendigkeit wider die ketzer. vnd iren seligen außgang. auch di versamlung der heiligen in irer begengknus beschriben. Sie sagten dise Paula sey der gepurt vnnd des geschlechts Agamenonis des konigs der Troyen zerstoeret hab. die einen hohberuembten man auß dem roemischen iulianischen geschlecht geporn gegeben worden sey. Pelagius ein closterman vnd fast boeser ketzer zohe von Rom in Engelland. vnnd vergiftet die selben inseln alle mit grawsamer irrung. dann er verkuendet das der mensch an die gnad gottes behalten werden moecht. vnd das ein iglicher mensch auß seinem verdienst vnd aigner tugent zu der gerechtigkeit geregirt wuedt. Er saget auch das die kindlein on erbsuend geporn wuerden. daruemb mueesten sie zu entledigung von der suendt nit getawft werden. Aber der heilig Augustinus mitsampt andern briestern setzet sich manlich wider disen ketzer. vnd machet darumb ein buoch von dem tawff der kider. So schryb sant Iheronimus auch ein buechlein wider denselben ketzer. Alexius ein roemer vnd ein wirdiger vnnd heiliger beichtiger ist am. xvi. tag des monats Julii zu rom in dem haws seins vaters Eufemiani genant der ein rattherr was vnbekannt vnder einer steyg nach vil erliddner gedult gestorben vnd auf zu got gefaren. Bey des wundergeschiht voller begengknus oder begrebnus waren die kaiser Archadius vnd Honori’. dann er het umb gottes willen ein außdermaßen schoene gesposen verlassen Iohannes crisostomus bischof zu Constantinopel ist diser zeit in cristo verschiden. der doch den cristenlichen wesen mit wortten ebenpild vnd lere fast fuerderlich vnd ersprißlich gewest ist der dann auch vmb beschirmung der warheit vnd gerechtigkeit von Eudoxia vnd Archadio vil beschwerde eridden hat. Cassianus auch ein clostermann ein Constantinopolitaner oder Scitha vnd ein diacon des vorgenanten Johannis crisostomi ward von im gein Massiliam gesendet. Daselbst hat er zway closter gemacht. vnnd alda vil mans vnd weibs person zu cloesterlichem wesen versamelt vnd vil vnd mancherlay buecher vnd schriften zu gaistlichem stand dienstlich gemacht vnnd hinder ime gelassen.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Ambrosius, der Bischof zu Mailand, war ein Römer von väterlicher Würdigkeit, gar ein heiliger Mann und unter allen Lehrern seiner Zeit der vornehmste und oberste. Nach dem Ableben des Auxentius wurde er aus einem heidnischen Richter bald in Mailand durch göttlichen Willen von jedermann zum Bischof erwählt, alsbald getauft und geweiht. Denn es wurde eines Kindes Stimme gehört, sprechend: „Dieser Ambrosius ist würdig, ein Bischof zu sein.“ Und so wurde er der neunte Bischof zu Mailand. Und als er nun etliche Bücher betreffend den christlichen Glauben dem Kaiser Gratian überantwortet hatte und mit gebührender Ehre und Ehrerbietung empfangen wurde, da hat sich ganz Welschland bald zum rechten Glauben zurückgekehrt und ganz Gallien diesseits der Alpen den rechten Glauben angenommen. Dieser Ambrosius war solcher Gutmütigkeit, heiliger Sitten, scharfer Sinnesart und göttlicher Kunstfertigkeit und Weisheit, dass er nicht allein in seinem Leben, sondern auch nach seinem Tod Welschland und alle umliegenden Gebiete zu seiner ehrwürdigen Erinnerung geführt hat. Als dieser Ambrosius noch ein unsprechendes Kind in der Wiege schlief, da bedeckte ihm ein Schwarm von Bienen sein Antlitz, gleich als ob sie in einem Bienenstock und daraus flögen, zum Zeichen, dass aus seinem Mund honigsüße Lehre fließen würde, als sich das darnach gar wahrlich gezeigt hat an der großen Süßigkeit seiner Lehre und Schrift, der er dann eine bemerkliche Zahl zur Befestigung des Glaubens und der Kirche gemacht hat, denn er hat unter den lateinischen Schreibern wie eine Blume geschienen. Dieser heilige Bischof starb am vierten Tag des Monats April. Martin von Tours, der Bischof, an Heiligkeit und Güte hochangesehen, aus der Stadt Sabaria in Pannonien geboren und im wälschen Land zu Pavia erzogen, hat mit seinem Vater, einem Rittmeister unter Kaiser Constantius und danach unter Julian, Ritterschaft gepflegt, wiewohl ungern. Einstmals zur Winterzeit begegnete ihm ein armer Mensch, mit dem teilte er sein Kleid; darin sah er in der Nacht danach Christus gekleidet. Da verließ er die Ritterschaft und zog zu Hilarius, dem Bischof von Poitiers. Dessen Zucht unterwarf er sich und baute daselbst danach ein Kloster, von dem wurde er zum Bischof aufgenommen. Sein Leben war danach mit solchen Wunderwerken also berühmt, dass nach den Aposteln ihm keiner gleichet wird, denn er verdiente, ein Auferwecker dreier Toter zu sein. Zuletzt wanderte er zu Gott im 81. Jahr seines Alters und im ersten Jahr des Papstes Anastasius am 11. Tag des November. Bei dessen Begräbnis war der heilige Ambrosius wunderbarlich. Und als er seine Heiligkeit und Tugend erfahren hatte, da lobte und pries er ihn mit vielen schönen, ehrenvollen Worten. Kaiser Theodosius schloss zu diesen Zeiten mit Athanarich, dem König der Goten, ein Bündnis. Da kam Athanarich nach Konstantinopel zu Theodosius; diesen empfing er mit großer Fröhlichkeit. Als nun Athanarich die Gebäude der Stadt und die Menge des Volkes zu dem festlichen Tag also geziert sah und danach in dem kaiserlichen Hof so viel und mancherlei Dienste und Ämter besichtigte, da sprach er: „O zweifelsohne ist der Kaiser ein irdischer Gott. Wer wider ihn eine Hand aufzuheben gesinnt ist, der soll seines Blutes schuldig sein.“ Aber schier danach kam ihn eine Seuche an, dass er starb. Den ließ der Kaiser gar ehrenvoll zur Erde bestatten und war selbst bei seiner Begräbnis. Als nun der König der Goten also gestorben war und dieselben Goten die Tugend und Güte des Kaisers Theodosius merkten und ansahen, da ergaben sie sich alle einträchtiglich demselben römischen Kaiser und dem römischen Reich. Claudian, ein Poet aus Hispanien, wurde dieser Zeit zu Florenz in Wert gehalten und machte zwei Bücher trefflicher Lehre und Sprüche, auch ein Buch gebundenen Gedichts von Lob und Preis des obgenannten Kaisers Theodosius. Prudentius, auch ein Poet und christlicher Mann, in weltlicher Schrift hocherfahren und wissend, hat dieser Zeit geleuchtet, der dann etliche lobwürdige Dinge in göttlichen Sachen gemacht hat, als ein Buch von den Märtyrern, Item vom Ursprung der Sünde, Item von der Dreifaltigkeit, Item auch ein Buch wider einen Symmachus genannt, der die Abgötter beschirmte etc. Zu diesen Zeiten war Apollinaris ein Bischof der Stadt Laodicea in Syrien, ein Mann in der Disputation ernsthaftig und also scharf, dass er getrost sprechen konnte, dass von dem Herrn in der dispensatio der Leib und nicht die Seele angenommen werde. Aber als er aus Ursachen gereizt wurde, sagte er, dass er auch eine Seele gehabt hätte, aber nicht als sie vernünftig wäre, sondern als sie den Leib lebendig machet; aber zur Erfüllung und Erstattung des vernünftigen Teils sei das Wort Gottes gewesen. Dieselbe Meinung wurde davor von Damasus und von Petrus, dem alexandrinischen Bischof, vernichtet und ausgelöscht. Und von dannen her haben die Apollinarischen Ketzer ihren Ursprung und Namen gehabt und empfangen der Welt. Hieronymus, der heiligste und hochberühmteste Lehrer, Kardinal und Priester der römischen Kirche, war geboren aus der Stadt Stridon, die von den Goten verwüstet wurde und etwa an Dalmatien und Pannonien stieß. Dieser in aller Welt an Lehre und Kunst klarer Mann hat bei Bethlehem, der Stadt des Landes Palästina, wohnend dieselbe Gegend erleuchtet. Wie er aber der Kirche Gottes mit seinem Leben und Schriften gefördert hat, das kann man nicht genug sagen, dieweil sein allerheiligstes Leben jedermann vorscheint und seine Schrift und Lehre in großem Wert und Ehren sind, denn er war ein sehr wortgewandter Mann und wusste und konnte viel Schrift und Zungen. Als er nach Rom kam, wurde er zu einem Kardinal und Priester geweiht. Gregor von Nazianz war sein Meister zur Unterweisung in der Heiligen Schrift. Danach nahm er an sich die Kleidung bewährter Klosterleute oder Einsiedler in der Wüste in Syrien. Nach vier Jahren kam er wieder nach Bethlehem. Daselbst hat er mit Dichtung und Schreibung vieler Bücher der christlichen Kirche einen unbeweglichen Turm wider das vergiftete Geschoss der Ungläubigen aufgerichtet. Es ist unmöglich, alle Dinge von diesem heiligen Mann zu begreifen. Einstmals um Vesperzeit, als der heilige Hieronymus mit seinen Brüdern in der Lektion saß, da kam ein großer Löwe hinkend in das Kloster gegangen. Die Brüder erschraken, so ging der heilige Hieronymus ihm als einem Gast entgegen. Der zeigte ihm seinen verwundeten Fuß, den heilte ihm der heilige Hieronymus; da wohnte der Löwe unter ihnen als ein heimisches Tier. Und Hieronymus verschied zu Bethlehem, 98 Jahre alt. Paula, eine römische Frau wunderbarer Heiligkeit und des heiligen Hieronymus in Christus Tochter und Jüngerin, ist in diesem Jahr, wie der heilige Martin, im 56. Jahr ihres Alters am 27. Tag des Januar zu Bethlehem verschieden. Ihre Würdigkeit und abgeschiedener Wandel, Verlassung ihres Vaterlandes und Wanderung nach Jerusalem hat der heilige Hieronymus in einem Büchlein mit großem Lob erhoben und darin ihre Pilgerschaft an heilige Stätten, ihre Demut und Mäßigkeit, ihre Guttätigkeit gegen die Armen, ihre unglaubliche Geduld, Wirtschaft, Glauben, Beständigkeit wider die Ketzer und ihren...

Anmerkungen

sechst alter
Frühneuhochdeutsch für 'sechstes Zeitalter'
Mayland
Mailand, Stadt in Italien
ratherlicher wirdigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'väterlicher Würde/Abstammung'
Auxencij
Auxentius, arianischer Bischof von Mailand (gest. 374)
allermenigclichem
Frühneuhochdeutsch für 'jedermann'
ix.
römisch für 9
Graciano
Gratian, römischer Kaiser (reg. 375–383)
Welschland
Historische Bezeichnung für romanischsprachige Gebiete, hier meist Italien
Gallia herdißhalb des gepirgs
Gallien diesseits der Alpen, d.h. Cisalpines Gallien oder Südfrankreich
kunst weyse
Frühneuhochdeutsch für 'Kunstfertigkeit, Weisheit'
umbkrais
Frühneuhochdeutsch für 'Umkreis, umliegende Gebiete'
unsprechend kind
Frühneuhochdeutsch für 'Kleinkind, das noch nicht sprechen kann'
scharm der pynen
Frühneuhochdeutsch für 'Bienenschwarm'
pynstock
Frühneuhochdeutsch für 'Bienenstock'
bedeuedtnus
Frühneuhochdeutsch für 'Bedeutung, Zeichen'
Turonensisch
von Tours, Stadt in Frankreich
hohscheinper
Frühneuhochdeutsch für 'hochberühmt, hochangesehen'
Sanbadie
Sabaria, antike Stadt in Pannonien (heute Szombathely, Ungarn)
Pannonia
Pannonien, römische Provinz
welschen land
Historische Bezeichnung für romanischsprachiges Land, hier Italien
Papia
Pavia, Stadt in Italien
rittmaister
Rittmeister, Kavallerieoffizier
Constantio
Constantius II., römischer Kaiser (reg. 337–361)
Juliano
Julian Apostata, römischer Kaiser (reg. 361–363)
Hilario dem picauiensischen bischoff
Hilarius von Poitiers, Bischof und Kirchenlehrer (ca. 315–367)
zucht
Frühneuhochdeutsch für 'Lehre, Disziplin'
auffwecker dreyer todten
Bezug auf ein Wunder des hl. Martin, der drei Tote auferweckt haben soll
lxxxi.
römisch für 81
Anastasu
Anastasius I., Papst (reg. 399–401)
xi.
römisch für 11
nouembris
Lateinisch für 'November'
begencknus
Frühneuhochdeutsch für 'Begräbnis, Gedenktag'
Thedosius
Theodosius I., römischer Kaiser (reg. 379–395)
Athamarico der Gothier koenig
Athanarich, König der Terwingen (Goten) (gest. 381)
Constantinopel
Konstantinopel, Hauptstadt des Oströmischen Reiches
gepew
Frühneuhochdeutsch für 'Gebäude'
menig
Frühneuhochdeutsch für 'Menge'
hohzeitlichen tag
Frühneuhochdeutsch für 'festlichen Tag'
o zweifel
Frühneuhochdeutsch für 'ohne Zweifel'
seuechen
Frühneuhochdeutsch für 'Seuche'
aintrechtigclich
Frühneuhochdeutsch für 'einträchtiglich, einmütig'
Claudianus
Claudian, römischer Dichter (ca. 370–404 n. Chr.)
Hispania
Hispanien, die Iberische Halbinsel
Florentz
Florenz, Stadt in Italien
gepundens gedichts
Frühneuhochdeutsch für 'gebundenes Gedicht, in Versform'
Prudencius
Prudentius, christlicher Dichter (348–ca. 413 n. Chr.)
Item
Lateinisch für 'Ebenso, Desgleichen'
trifeltigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Dreifaltigkeit'
Simacus
Quintus Aurelius Symmachus, römischer Senator und Redner, Verteidiger des Heidentums (ca. 340–402 n. Chr.)
Appollinaris
Apollinaris von Laodicea, Bischof und Theologe (ca. 310–390 n. Chr.)
Laodicee in Syria
Laodicea in Syrien, antike Stadt (heute Latakia)
disputirung
Frühneuhochdeutsch für 'Disputation, theologische Auseinandersetzung'
dispensatio
Lat. dispensatio – Heilsplan, göttliche Anordnung (hier im Kontext der Inkarnation, d.h. der Annahme menschlicher Natur durch Christus)
vernueftig
Frühneuhochdeutsch für 'vernünftig, rational'
damaso
Damasus I., Papst (reg. 366–384)
petro dem alexandrinischen bischof
Petrus II. von Alexandria, Bischof (reg. 373–380)
Appollinarischen ketzer
Apollinaristen, Anhänger der Lehre des Apollinaris, die die vollständige menschliche Seele Christi leugneten
Ieronimus
Hieronymus, Kirchenvater und Gelehrter (ca. 347–420 n. Chr.)
Stridonis
Stridon, antike Stadt, genaue Lage umstritten, vermutlich an der Grenze zwischen Dalmatien und Pannonien
Dalmacia
Dalmatien, römische Provinz
Bethleeem
Bethlehem, Stadt in Palästina
Palestine
Palästina, historische Region
gefüedert
Frühneuhochdeutsch für 'gefördert'
menigclichem
Frühneuhochdeutsch für 'jedermann'
wolgesprech
Frühneuhochdeutsch für 'wortgewandt, beredt'
gezuengs
Frühneuhochdeutsch für 'Zungen, Sprachen'
Gregorius nazanzenus
Gregor von Nazianz, Kirchenvater und Bischof (ca. 329–390 n. Chr.)
bewärter closterlewt
Frühneuhochdeutsch für 'bewährte Klosterleute, Mönche'
aynsidler
Frühneuhochdeutsch für 'Einsiedler'
tichtung vnd schreybung
Frühneuhochdeutsch für 'Dichtung und Schreibung, Verfassen von Texten'
vergifft geschoß
Frühneuhochdeutsch für 'vergiftetes Geschoss', Metapher für Irrlehren
vesperzeit
Vesperzeit, Abendgebet, Abendstunde
lection
Frühneuhochdeutsch für 'Lektion, Lesung'
haymisch thier
Frühneuhochdeutsch für 'heimisches Tier, Haustier'
xcviij.
römisch für 98
Paula
Paula von Rom, römische Adlige und Schülerin des Hieronymus (347–404 n. Chr.)
in cristo tochter vnd iungerin
Frühneuhochdeutsch für 'in Christus Tochter und Jüngerin', d.h. geistliche Tochter und Schülerin
Ivi.
römisch für 56
xxvij.
römisch für 27
Januarij
Lateinisch für 'Januar'
abgeschieden wandel
Frühneuhochdeutsch für 'abgeschiedener Lebenswandel, asketisches Leben'
pilgramschaft
Frühneuhochdeutsch für 'Pilgerschaft'
demuet vnnd massigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Demut und Mäßigkeit'
guettatigkeit gein den armen
Frühneuhochdeutsch für 'Guttätigkeit gegenüber den Armen'
vnglewpliche gedult
Frühneuhochdeutsch für 'unglaubliche Geduld'
wirtschafft glawben
Frühneuhochdeutsch für 'Wirtschaft, Glaube' (hier wohl im Sinne von 'Haushaltsführung' und 'Glaubenstreue')