Schedelsche Weltchronik · Blatt 137

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 137, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 137, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Linea der bebst: Celestinus // Sixtus der drit // Leo der erst // Hilarius Celestinus der babst auß campania puertig was nach bonifacio zu den zeiten theodosii des juengern. Der hat auß fleiß vnd andacht zu dem goetlichen dienst etliche ordnung gesetzt die mit singen vnd lesen in dem ambt der mess gehalten werden solten anders dann vor seinen zeiten gewonheit gewesen was. Er gepote auch vnder anderm (als gracianus sagt das alle briester die geistlichen recht ordnung vnd satzung kuenden vnd wissen solten. Als er nw ettwieuil briester diacon vnd bischoff geweyhet het do starb er am .vi. tag aprilis vnd was .viii. iar .x. monat .xvii. geseßen. vnnd deßmalß feyret der stul .xxi. tag. Concili zu epheso Die drit gemain versamlung zu epheso beschahe vnder dem keiser theodosio dem iuengeren vnd vnder babst celestino. vnd vnder iuuenale dem Constantinopolitanischen bischoff. daselbst zu epheso komen zusamen .cc. bischof auch der vnguetig ketzer nestorius mit seinen anhengern vnd allen pelagianischen ketzern. die hielten das christus auß maria allain mensch vnd nit got geporn wer. vnd christo wer die gotheit auß verdienstnuessen gegeben worden. wider solchen ketzerlichen irthumb setzten sich Cyrillus der bischoff zu alexandria. vnd der babst Celestinus gar ernstlich. do ward beschloßen das die selig iunckfraw maria solt genannt werden theotochos. das ist ein muter des herrn vnd dise ketzer warden mit gemainem rat durch .xiii. gesetze derselben ketzer torheyt widerstrebende verurteilt vnnd als von dem rechten weg des glawbens irrende menschen verdambt. Sixtus der drit ein roemer erlanget die zeit des kaisers valentiniani. Als nw diser sixtus in das bastthumb komen was do wardt er von eim bassus genant vor gericht vmb ettliche verschuldung verclagt. aber sixtus bracht sein sach vor versamlung vnd in gegenwuertigket .lvii. bischoff also fuer das er von ine allen mit gemainem ainhelligem rat absoluiret vnd ledig erkant. vnd der schmaher bassus auß verwilligung valentiniani vnd placidie seiner muter in das ellend verschickt wardt vnd seine gueter warden nit dem gemainen pewtel sunder der kirchen zugeschriben. Sixtus pawet der iunckfrawen marie kirchen yetzo maria maior genant. die begabet er gar wol. vnd do er nw alles das sein eintweders an das gepew oder zierde der kirchen gewendet oder den armen gegeben het starb er als er acht iar .xix. tag geseßen was vnndt ruoet der stuol .xxii. tag. Leo der erst ein bast auß thuscia puertig wardt von seiner wirdigkeit vnnd fuernemer lere wegen der groß Leo genant vnd an wirdigkeit der erst gehalten. darumb das ime an redgesprechigkeit nymant gegleicht wardt. Demnach wardt er in dem calcedoniensischen concili auß hoher verwundrung vnd eintrachtigkeit aller bischof zu dreymaln heillig angeschryen. Er hat zu bestetigung vnd sterckung des glawbens vil geordnet vnnd als ein hohgelert man vil geistlicher satzung auch layenred vnd predig gemacht. vil gotßhewser vnd zierde aufgerichtet. vernewet. gebeßeret vnd gefuerdert. Er starb als er .xxi. iar. i. monat. xiii. tag geseßen was. der stuol ruet. viii. tag. Hilarius der babst von gepurt ein sardus hat aufgesetzt das die bebst ine hinfuer keinen nachkomen erwelen solten. vnd solche aufsatzung gehoert zu allen geistlichen stenden. Er hat drey epistel von dem cristenlichen glawben zu bestetigung dreyer concili. zu nicena. epheso vnd calcedonia gehalten geschriben. Drey bethewßlein vnd ein closter gepawt. vnd zwu librarey auffgerichtet. vnd als er nw sich in erparmung vnd zierung der gotßhewßer auch in vermanung. lere. casteyung vnd almusen gebung vnd allen andern wie eim frummen vorgeer zusteet wol geuebet het do starb er als er siben iar. iii. monat. x. tag geseßen was. so ruoet der stuol deßmals .x. tag. Linea der kaiser: Theodosius der iunger Theodosius der iunger was ein sun archadii des kaisers. vnd als er mit honorio xv. iar geherrschet het vnd honorius gestorben was do wardt diser theodosius zum kaiserthumb bestetigt. Aber einer iohannes genant verfolget auß fuerschub castini des rittermaisters das kaiserthumb dieweil theodosius im orient herrschet Als nw theodosius des absterbens honorii berichtet wardt do machet er valentinianum seiner muomen sun zu eim kaiser vnd schicket ine mit seiner muter das reich im nidergang einzenemen. Dieweil begeret iohannes affricam. die bonifacius innhet ze bekriegen. aber er wardt als zu beschirmung zeschwach. von den valentinanischen verdrucket. Diser theodosius ein allercristenlichster kaiser vnd holdseliger man empfieng vnd besaß das kaiserthumb in großer aufruor vnd betrueebung der romischen sachen. dann er verlore schier gantz affricam. die ime genseritus der konig wandalorum abdrunge. Er duldet in brittannia vil zerruedung. Demnach wardt valentinianus mit eintrachtiger verwilligung des gantzen welschen lands zu herrschung vnd regirung des roemischen kaiserthumbs bey rauenna erkorn. der dann die veynd des roemischen namens in welschem land geschwaiget. Als aber theodosius on die .xxi. iar die er mit honorio seim vetter regiret das kaiserthumb .xxvii. iar gehandelt het do starb er am pestilentz zu Constantinopel. Valentinianus Valentinianus ein gubernator vnd regirer des kaiserthumbs im nidergang machet mit gensericodem konig wandalorum fride vnd gabe ettliche oerter in affrica dem wandalischen volck ein darinn zewonen. Dieweil aber valentinianus gein constantinopel ziehende ime die tochter theodosii vermehlet do fiengen die wandali auß anlaytung genserici die statt carthago dieselben zerstoerende. Vnder solcher aufruor gedachte attila das kaiserthumb im nidergang anzegreiffen vnd zu vberfallen. Demnach sammelt er schnelligclich allenthalben groß volck vnnd zohe fuor an. Als Etius das verstund do schicket er sein botschaft eylends gein dolosam zu dem konig theodoricum sich miteinander zebefriden vnd mit gemainer darlegung vnd gleichem volck den krieg wider attilam zefueren. Auff der roemer vnd theodorici seyten waren helffer die alani. burgundier. franckreichischen. sachsen vnd schier alle voelcker des nidergangs. Do nw attila kom do hub sich in den cathalanischen feldern der streit. der weeret bis zu nacht vnd bliben von baiden tailn bey hundert vnd achtzigtausent menschen in dem selben streit tod. Vnd nach dem aber syg kraft vnd macht alweg neyd gepirt. darumb ertoedtet valentinianus den benanten Etium sich seiner glueckhaftigkeit besorgende. mit dem dann auch das kaiserthumb des nidergangs. vnd das hayl des gemaynen roemischen stands gefallen ist. Aber diser mord blib an Valentiniano nit vngerochen. dann im iar darnach als er .xxx. iar geherrschet het wardt er von trusila eim ritter des obgenanten etii erstochen. Marcianus Marcianus wardt nach erpawung der statt rom tausent.iic.iiii. iar zu kaiser im aufgang oder orient gesatzt. Diser was ein cristenlicher fuerst vnd den christen gar wolguenstig. Er vermehelet ime die schwester Theodosii. vnnd als attila starb sahe er in der selben nacht im trawm seinen bogen geprochen. Bey seiner herrschung was das kaiserthumb des nidergangs von dem orientischen schier zerteylt. Innerhalb diser zeit hat der roemisch stand alles teutsch land. daciam. sarmaciam vnd andere gegent vnd land an der thonaw vnd am reyn gelegen. Auch die hinder hispania. aquitania. vasconia. vnd ettlich gegent in gallia. vnd auch die vmb pariss gelegen verlorn. vnd seydher derselben land vnd gegent keine mer an das roemisch reich gelangt. Diser Marcianus starb zu constantinopel im .vii. iar seins kaiserthumbs. Leo Leo erlanget nach absterben marciani zu constantinopel die kaiserlichen wirdigkeit vnnd machet nachfolgend Leonem seinen sun zu eim mitregirer des kaiserthumbs. Diser was der erst kaiser zu Constantinopel auß kriechischem geschlecht. Bey des zeiten was mancherlay aufruor in dem roemischen reich. Also wardt im ersten iar leonis des kaisers einer maioranus genant auß rat Leonis bey rauenna durch das heer zu kaiser aufgenomen vnnd im dritten iar erschlagen. An desselben stat wardt durch die roemer einer Seuerianus genant. Vnd nach absterben desselben einer athemius gehaißen erkorn. Aber in mittler zeit blib leo zu constantinopel vngemueet nit. Zu letst starb leo einer kranckheit vnd ließ leonem einen nachkomen des reichs. Als er das orientisch kaiserthumb .xvii. iar geregiret het.

Moderne Übersetzung

Die Linie der Päpste: Celestinus, Sixtus der Dritte, Leo der Erste, Hilarius. Papst Celestinus, aus Kampanien gebürtig, folgte Bonifatius in den Zeiten Theodosius’ des Jüngeren. Er hat aus Fleiß und Andacht zum göttlichen Dienst einige Ordnungen festgelegt, die mit Gesang und Lesung im Amt der Messe gehalten werden sollten, anders als es vor seinen Zeiten Gewohnheit gewesen war. Er gebot auch unter anderem (wie Gratian sagt), dass alle Priester die geistlichen Rechtsordnungen und Satzungen kennen und wissen sollten. Als er nun etliche Priester, Diakone und Bischöfe geweiht hatte, starb er am sechsten Tag des Aprils und hatte acht Jahre, zehn Monate und siebzehn Tage regiert. Und damals ruhte der Stuhl einundzwanzig Tage. Konzil zu Ephesus: Die dritte allgemeine Versammlung zu Ephesus geschah unter Kaiser Theodosius dem Jüngeren und unter Papst Celestinus und unter Juvenal, dem konstantinopolitanischen Bischof. Dort zu Ephesus kamen zweihundert Bischöfe zusammen, auch der unselige Ketzer Nestorius mit seinen Anhängern und allen pelagianischen Ketzern. Diese hielten, dass Christus aus Maria allein als Mensch und nicht als Gott geboren sei und Christus die Gottheit aus Verdiensten gegeben worden wäre. Wider solchen ketzerischen Irrtum setzten sich Cyrillus, der Bischof zu Alexandria, und Papst Celestinus sehr ernstlich. Da wurde beschlossen, dass die selige Jungfrau Maria Theotokos genannt werden sollte, das ist eine Mutter des Herrn, und diese Ketzer wurden mit gemeinsamem Rat durch dreizehn Gesetze, die der Torheit derselben Ketzer widerstrebten, verurteilt und als vom rechten Weg des Glaubens irrende Menschen verdammt. Sixtus der Dritte, ein Römer, erlangte die Zeit des Kaisers Valentinian. Als nun dieser Sixtus in das Papsttum gekommen war, da wurde er von einem Bassus genannt wegen etlicher Verschuldungen vor Gericht verklagt. Aber Sixtus brachte seine Sache vor die Versammlung und in Gegenwart von siebenundfünfzig Bischöfen so vor, dass er von ihnen allen mit gemeinsamem, einhelligem Rat absolviert und für ledig erklärt wurde. Und der Verleumder Bassus wurde auf Verwilligung Valentinians und Placidias, seiner Mutter, in die Verbannung geschickt, und seine Güter wurden nicht dem allgemeinen Beutel, sondern der Kirche zugeschrieben. Sixtus baute die Kirche der Jungfrau Maria, jetzt Maria Maior genannt. Diese begabte er sehr gut. Und als er nun alles, was er besaß, entweder für den Bau oder die Zierde der Kirche verwendet oder den Armen gegeben hatte, starb er, nachdem er acht Jahre und neunzehn Tage regiert hatte, und der Stuhl ruhte zweiundzwanzig Tage. Leo der Erste, ein Papst aus Tuscia gebürtig, wurde wegen seiner Würdigkeit und vornehmen Lehre der große Leo genannt und an Würdigkeit als der Erste gehalten, darum, dass ihm an Redegeschicklichkeit niemand gleichkam. Demnach wurde er in dem Konzil von Chalcedon aus hoher Verwunderung und Eintrachtigkeit aller Bischöfe dreimal heilig angeschrien. Er hat zur Bestätigung und Stärkung des Glaubens viel geordnet und als ein hochgelehrter Mann viele geistliche Satzungen, auch Laienreden und Predigten gemacht, viele Gotteshäuser und Zierden aufgerichtet, erneuert, gebessert und gefördert. Er starb, nachdem er einundzwanzig Jahre, einen Monat und dreizehn Tage regiert hatte. Der Stuhl ruhte acht Tage. Hilarius, der Papst, von Geburt ein Sarde, hat aufgesetzt, dass die Päpste hinfort keinen Nachfolger erwählen sollten. Und solche Aufsetzung gehört zu allen geistlichen Ständen. Er hat drei Episteln vom christlichen Glauben zur Bestätigung dreier Konzilien, zu Nicäa, Ephesus und Chalcedon gehalten, geschrieben. Drei Bethäuser und ein Kloster gebaut und zwei Bibliotheken aufgerichtet. Und als er nun sich in Erbarmung und Zierung der Gotteshäuser, auch in Ermahnung, Lehre, Züchtigung und Almosen-Geben und allen anderen, wie es einem frommen Vorgänger zusteht, wohl geübt hatte, da starb er, nachdem er sieben Jahre, drei Monate und zehn Tage regiert hatte. So ruhte der Stuhl damals zehn Tage. Die Linie der Kaiser: Theodosius der Jüngere. Theodosius der Jüngere war ein Sohn Arcadius’, des Kaisers. Und als er mit Honorius fünfzehn Jahre geherrscht hatte und Honorius gestorben war, da wurde dieser Theodosius zum Kaisertum bestätigt. Aber ein Johannes genannt verfolgte aus Vorschub Castinus’, des Rittermeisters, das Kaisertum, dieweil Theodosius im Orient herrschte. Als nun Theodosius des Absterbens Honorius’ berichtet wurde, da machte er Valentinian, den Sohn seiner Muhme, zu einem Kaiser und schickte ihn mit seiner Mutter, das Reich im Niedergang einzunehmen. Dieweil begehrte Johannes Africa, die Bonifatius innehatte, zu bekriegen. Aber er wurde, als zu Beschirmung zu schwach, von den Valentinianischen unterdrückt. Dieser Theodosius, ein allerchristlichster Kaiser und holdseliger Mann, empfing und besaß das Kaisertum in großer Aufruhr und Betrübnis der römischen Sachen, denn er verlor schier ganz Africa, die ihm Genserich, der König der Vandalen, abdrang. Er duldet in Britannien viel Zerrüttung. Demnach wurde Valentinian mit einträchtiger Verwilligung des ganzen welschen Landes zur Herrschaft und Regierung des römischen Kaisertums bei Ravenna erkoren, der dann die Feinde des römischen Namens im welschen Land geschweigt. Als aber Theodosius ohne die einundzwanzig Jahre, die er mit Honorius, seinem Vetter, regierte, das Kaisertum siebenundzwanzig Jahre gehandelt hatte, da starb er an der Pest zu Konstantinopel. Valentinian. Valentinian, ein Gubernator und Regierer des Kaisertums im Niedergang, machte mit Genserich, dem König der Vandalen, Frieden und gab etliche Orte in Africa dem vandalischen Volk ein, darin zu wohnen. Dieweil aber Valentinian gen Konstantinopel ziehend ihm die Tochter Theodosius’ vermählte, da fingen die Vandalen aus Anleitung Genserichs die Stadt Karthago, dieselben zerstörend. Unter solcher Aufruhr gedachte Attila, das Kaisertum im Niedergang anzugreifen und zu überfallen. Demnach sammelte er schnelliglich allenthalben großes Volk und zog voran. Als Aëtius das verstand, da schickte er seine Botschaft eilends gen Tolosa zu dem König Theoderich, sich miteinander zu befrieden und mit gemeinsamer Darlegung und gleichem Volk den Krieg wider Attila zu führen. Auf der Römer und Theoderichs Seiten waren Helfer die Alanen, Burgunder, Franken, Sachsen und schier alle Völker des Niedergangs. Da nun Attila kam, da hub sich in den Katalaunischen Feldern der Streit. Der währte bis zu Nacht und blieben von beiden Teilen bei hundert und achtzigtausend Menschen in demselben Streit tot. Und nachdem aber Sieg, Kraft und Macht allweg Neid gebiert, darum ertötete Valentinian den benannten Aëtius, sich seiner Glückhaftigkeit besorgend, mit dem dann auch das Kaisertum des Niedergangs und das Heil des gemeinen römischen Standes gefallen ist. Aber dieser Mord blieb an Valentinian nicht ungerochen, denn im Jahr danach, als er dreißig Jahre geherrscht hatte, ward er von Trusila, einem Ritter des obgenannten Aëtius, erstochen. Marcian. Marcian ward nach Erbauung der Stadt Rom eintausendzweihundertvier Jahre zu Kaiser im Aufgang oder Orient gesetzt. Dieser war ein christlicher Fürst und den Christen sehr wohlgesinnt. Er vermählte ihm die Schwester Theodosius’. Und als Attila starb, sah er in derselben Nacht im Traum seinen Bogen zerbrochen. Bei seiner Herrschaft war das Kaisertum...

Anmerkungen

Linea der bebst
Die Linie der Päpste
Celestinus
Papst Coelestin I. (422–432)
Sixtus der drit
Papst Sixtus III. (432–440)
Leo der erst
Papst Leo I., der Große (440–461)
Hilarius
Papst Hilarius (461–468)
campania puertig
aus Kampanien gebürtig
bonifacio
Papst Bonifatius I. (418–422)
theodosii des juengern
Kaiser Theodosius II. (408–450)
goetlichen dienst
Gottesdienst
gracianus
Gratian, einflussreicher Kanonist des 12. Jahrhunderts, Verfasser des 'Decretum Gratiani'
kuenden vnd wissen solten
kennen und wissen sollten
.vi. tag aprilis
römisch für 6. Tag des Aprils
.viii. iar .x. monat .xvii. geseßen
römisch für 8 Jahre, 10 Monate, 17 Tage regiert
feyret der stul .xxi. tag
der päpstliche Stuhl (Sedisvakanz) ruhte 21 Tage
Concili zu epheso
Konzil von Ephesus (431)
gemain versamlung
allgemeine Versammlung, Konzil
iuuenale dem Constantinopolitanischen bischoff
Juvenal von Jerusalem, hier fälschlicherweise als Bischof von Konstantinopel bezeichnet. Der Bischof von Konstantinopel war Nestorius.
.cc. bischof
römisch für 200 Bischöfe
vnguetig ketzer nestorius
der unselige Ketzer Nestorius, Patriarch von Konstantinopel (verstorben um 451), Begründer des Nestorianismus
pelagianischen ketzern
Anhänger des Pelagianismus, einer christlichen Lehre, die die Erbsünde leugnet
Cyrillus der bischoff zu alexandria
Kyrill von Alexandria, Kirchenvater (verstorben 444)
theotochos
griechisch: Θεοτόκος (Theotókos) – Gottesgebärerin, Mutter Gottes
.xiii. gesetze
römisch für 13 Gesetze
valentinianiani
Kaiser Valentinian III. (425–455)
bastthumb
Papsttum
bassus genant
Bassus, ein römischer Senator, der Sixtus III. anklagte
verschuldung verclagt
wegen Verfehlungen angeklagt
.lvii. bischoff
römisch für 57 Bischöfe
absoluiret vnd ledig erkant
freigesprochen und für unschuldig befunden
schmaher bassus
der Verleumder Bassus
placidie seiner muter
Galla Placidia, Mutter Valentinians III.
in das ellend verschickt
in die Verbannung geschickt
gemainen pewtel
die Staatskasse, den Staatshaushalt
maria maior
Santa Maria Maggiore, eine der vier Papstbasiliken in Rom
begabet er gar wol
er stattete sie sehr gut aus, beschenkte sie reichlich
.acht iar .xix. tag geseßen
römisch für 8 Jahre, 19 Tage regiert
ruoet der stuol .xxii. tag
der päpstliche Stuhl ruhte 22 Tage
thuscia puertig
aus Tuscia (Toskana) gebürtig
redgesprechigkeit
Redegewandtheit, Beredsamkeit
calcedoniensischen concili
Konzil von Chalcedon (451)
dreymaln heillig angeschryen
dreimal als heilig ausgerufen, akklamiert
layenred vnd predig
Laienreden und Predigten
gotßhewser vnd zierde
Gotteshäuser und Zierden (Ausstattungen)
.xxi. iar. i. monat. xiii. tag geseßen
römisch für 21 Jahre, 1 Monat, 13 Tage regiert
der stuol ruet. viii. tag
der päpstliche Stuhl ruhte 8 Tage
sardus
Sarde, aus Sardinien stammend
aufgesetzt das die bebst ine hinfuer keinen nachkomen erwelen solten
erließ die Bestimmung, dass die Päpste fortan keinen Nachfolger selbst bestimmen sollten (sondern die Wahl dem Klerus und Volk überlassen)
epistel
Briefe
nicena
Konzil von Nicäa (325)
bethewßlein
kleine Bethäuser, Kapellen
zwu librarey
zwei Bibliotheken
erparmung vnd zierung der gotßhewßer
Barmherzigkeit und Ausschmückung der Gotteshäuser
casteyung vnd almusen gebung
Züchtigung (Selbstdisziplin) und Almosen-Geben
frummen vorgeer
frommen Vorgänger
.siben iar. iii. monat. x. tag geseßen
römisch für 7 Jahre, 3 Monate, 10 Tage regiert
so ruoet der stuol deßmals .x. tag
der päpstliche Stuhl ruhte damals 10 Tage
Linea der kaiser
Die Linie der Kaiser
Theodosius der iunger
Kaiser Theodosius II. (408–450)
archadii des kaisers
Kaiser Arcadius (395–408)
honorio
Kaiser Honorius (395–423)
xv. iar geherrschet
römisch für 15 Jahre geherrscht
fuerschub castini des rittermaisters
auf Betreiben des Heermeisters Castinus
im orient herrschet
im Oströmischen Reich herrschte
muomen sun
Neffe (Sohn der Tante)
reich im nidergang
Weströmisches Reich
affricam
die römische Provinz Africa
bonifacius innhet
Bonifatius (römischer Feldherr) innehatte
valentinanischen verdrucket
von den Truppen Valentinians unterdrückt
holdseliger man
gnädiger, wohlwollender Mann
romischen sachen
römischen Angelegenheiten
schier gantz affricam
nahezu ganz Africa
genseritus der konig wandalorum
Geiserich, König der Vandalen (verstorben 477)
abdrunge
abdrang, entriss
brittannia vil zerruedung
in Britannien viel Zerrüttung (Unruhen, Abfall)
eintrachtiger verwilligung des gantzen welschen lands
einträchtiger Zustimmung des gesamten 'welschen Landes' (hier: des weströmischen Reiches, insbesondere Italiens)
bey rauenna erkorn
bei Ravenna (damalige Hauptstadt des Weströmischen Reiches) erwählt
geschwaiget
zum Schweigen gebracht, besiegt
on die .xxi. iar die er mit honorio seim vetter regiret
römisch für ohne die 21 Jahre, die er mit Honorius, seinem Vetter, regierte
kaiserthumb .xxvii. iar gehandelt
römisch für das Kaisertum 27 Jahre lang geführt
am pestilentz zu Constantinopel
an der Pest in Konstantinopel
Valentinianus
Kaiser Valentinian III. (425–455)
gubernator vnd regirer des kaiserthumbs im nidergang
Statthalter und Regent des Kaisertums im Westen
ein darinn zewonen
um darin zu wohnen
gein constantinopel ziehende ime die tochter theodosii vermehlet
nach Konstantinopel ziehend ihm die Tochter Theodosius' (Eudoxia) vermählte
fiengen die wandali auß anlaytung genserici die statt carthago dieselben zerstoerende
begannen die Vandalen auf Anstiftung Geiserichs, die Stadt Karthago zu zerstören (Eroberung Karthagos 439)
attila
Attila, König der Hunnen (verstorben 453)
schnelligclich allenthalben
schnell überall
Etius
Aëtius, römischer Heermeister (verstorben 454)
gein dolosam zu dem konig theodoricum
nach Tolosa (Toulouse) zu König Theoderich (I., König der Westgoten, verstorben 451)
gemainer darlegung vnd gleichem volck
gemeinsamer Aufstellung und gleichem (gleich starkem) Heer
alani
Alanen, ein iranisches Reitervolk
burgundier
Burgunder, ein germanischer Stamm
franckreichischen
Franken, ein germanischer Stamm
sachsen
Sachsen, ein germanischer Stamm
schier alle voelcker des nidergangs
nahezu alle Völker des Westens (Weströmisches Reich)
cathalanischen feldern
Katalaunische Felder (Campus Mauriacus), Ort der Schlacht gegen Attila (451)
bey hundert vnd achtzigtausent menschen
ungefähr 180.000 Menschen
syg kraft vnd macht alweg neyd gepirt
Sieg, Kraft und Macht immer Neid gebären
glueckhaftigkeit besorgende
seine (Aëtius') Glückhaftigkeit (Erfolge) fürchtend
hayl des gemaynen roemischen stands gefallen ist
das Wohl des allgemeinen römischen Staates (Reiches) gefallen ist
trusila eim ritter des obgenanten etii
Trusila (wohl Tribonianus), einem Ritter des oben genannten Aëtius
Marcianus
Kaiser Marcian (450–457)
erpawung der statt rom tausent.iic.iiii. iar
römisch für 1204 Jahre nach Erbauung der Stadt Rom (1204 + 753 v. Chr. = 451 n. Chr.)
im aufgang oder orient gesatzt
als Kaiser im Aufgang oder Orient (Oströmischen Reich) eingesetzt
seinen bogen geprochen
seinen Bogen zerbrochen (Symbol für Attilas Tod und das Ende der Hunnengefahr)