Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter OFen ist ein hohberuembte namhaftige stat des konigreichs hungern vnd ein stuol der konig daselbst am gestadt der thonaw gelegen. dann hungern begreift ihenßhalb vnd herdißhalb der thonaw fast weyte land vnnd gegent. was von der thonaw gein dem orient ligt das ist ettwen pannonia gewesen. vom aufgang oder oriennt mesiam. vom nidergang das norgkaw. gein mitternacht die thonaw vnd gein mittemtag das kriechisch gepirg berueerende. was aber von der thonaw gein dem nidergang ligt das ist hungern vnd vormals ein teyl scithie gewesen. vnd hat gehabt zway volcker. nemlich gepidas an die teuetschen stossende vnnd dacos. Aber nit die. die yetzo daci haißen vnd die wir tennmarckisch nennen. welchs volcks konig gein dem teuetschen meer wartz zwischen schweden vnd sachßen. ein weittes aber doch ein seeigs konigreich besitzt. sunder die. die die ende vnd gegent inngehabt haben. die yetzo die transsiluani das ist die inn siben buergen besitzen nahend bey den walachen in gestalt eins zirckels mit bergen eingefangen. Jn disem teil des hungerlands die des volcks gepidarum gewest ist do ist noch ein lanndschaft. das sie scepusium fuer gepudium des ist zyps nennen. Nw ist hungern ein fruchtper land. Da ist ein wasser flueßlein in dem das eysen darein gesenckt zu kupffer wirdt. daselbst ist ein fruchttragende getraidreiche erden. gold vnd silber gruoben vnd guoter luft. also das diser erdpoden den fruchtpersten landen wol wer zeuergleichen wo er sich mit seiner vberfruchtperkeit selbs nit zerstoeret. Als nw die huni in scithia gemeret warden do samelten sie sich zusamen vnd machten hawbtlewt vnd zohen in die gegent des nidergangs vber die bessos vn weyssen cumanos. darnach vber die ruthenos vnd in das land der schwartzen cumanorum vnd komen bis an den fluss tyssa. Erstlich warden sie von martino longobardo der pannoniam gubernieret abgetriben. zu letst erlangten sie fridsamen beseße der pannonischen gegennt. Nach der gepurt des herrn. iar. dieweil athila der nach hungrischem gezuenge etzel genant ist vnd Buda sein bruder noch lebten do erhebten sie denselben athilam zu koniglicher wirdigkeit. der erwelet ime in der statt sicambria den koniglichen stuol vnd vnderstuond sich auß angeporner eregirigkeit andre land Blat CXXXIX der werlt vnd lewt zebekuemmern. vnd machet Bledam oder budam seinen bruder zu eim mitgenoßen seins regiments. vnnd setzet ine einen fuersten vber die vnderworffen gegent. Als nw athila mit seinem bruder Buda also herrschet vnnd vil land vnd lewt mit grawsamer tobheit verheeret vnd verderbet. vnd darnach ein weil zu sicambria wonet. do wardt sein bruder Buda gein ime versagt als ob er die zil vnd ende seins regiments vbertretten vnnd des konigreichs begeret het. Nw hett athila in seinem abschaid geschaft die benanten statt sicambriam nach ime athile zenennen. Aber buda hieß dise statt nach seinem namen budam. die wir nach vnserm teuetschen gezueng ofen nennen. darumb ertoedtet athila mit seinen henden seinen bruder buda vnd gepote ine in die thonaw zestuertzen vnd die statt athile zenennen. Aber die huni hielten das nit sunder hießen sie obudam. als dann die hungern dise statt bis in disen tag obudam haißen. Doch auß besorgknus des konigclichen gepots nennten die teuetschen diese statt auß forchten nach athila etzelpurg. Darnach hat athila funff iar in sicambria geruoet vnd sein aufseher vnd speher in mancherlay gegent geordnet. Vnd nachfolgend ist ofen zu glueckhaftigen zeiten ein hawbtstatt in hungern erpawen an eim solchchen ende das nichtzs festers noch wunsamers schier in gantzem hungerland gefunden werden moecht. Vor andern stetten derselben gegent ist dise statt an wolgezierten gemainen vnd sundern gepewen die beruembtst. vnd darumb mit koniglicher wirdigkeit gezieret. vnd von hohen zinnen vnd wunderwirdigem geschloss die allerschoenst., das selb geschloss mitsambt andern geschloeßern. vnd sunderlich missegradum. das ist plintburg. da dann die konigclich kron behalten wirdt ist durch konig Mathiasch von coruinis mit dicken mewrn vnd großen machtigen saln. vnd huepschen gepewen in wunderperlicher schonheit also geziret das es nw fuer alle alte gepew billich zeloben vnnd zepreysen ist.
Das sechste Zeitalter. Ofen ist eine hochberühmte, namhafte Stadt des Königreichs Ungarn und ein Königsstuhl daselbst, am Gestade der Donau gelegen. Denn Ungarn umfasst jenseits und diesseits der Donau sehr weite Länder und Gegenden. Was von der Donau gen Osten liegt, das ist ehemals Pannonien gewesen. Vom Aufgang oder Orient [liegt] Mesien, vom Niedergang das Noricum, gen Mitternacht die Donau und gen Mittag das griechische Gebirge berührend. Was aber von der Donau gen Westen liegt, das ist Ungarn und vormals ein Teil Skythiens gewesen. Und hat zwei Völker gehabt, nämlich die Gepiden, an die Deutschen stoßend, und die Daker. Aber nicht die, die jetzt Daker heißen und die wir Dänisch nennen, welches Volkes König gen dem Deutschen Meer wärts, zwischen Schweden und Sachsen, ein weites, aber doch ein seeiges Königreich besitzt, sondern die, die die Enden und Gegenden innegehabt haben, die jetzt die Transsilvaner, das ist die in Siebenbürgen, besitzen, nahe bei den Walachen, in Gestalt eines Zirkels mit Bergen eingefangen. In diesem Teil des Ungarnlandes, der des Volkes der Gepiden gewesen ist, da ist noch eine Landschaft, die sie Scepusium anstelle von Gepudium, das ist Zips, nennen. Nun ist Ungarn ein fruchtbares Land. Da ist ein Wasserflüsslein, in dem das Eisen, darein gesenkt, zu Kupfer wird. Daselbst ist eine fruchttragende, getreidereiche Erde, Gold- und Silbergruben und gute Luft, also dass dieser Erdboden den fruchtbarsten Ländern wohl zu vergleichen wäre, wo er sich mit seiner Überfruchtbarkeit selbst nicht zerstörte. Als nun die Hunnen in Skythien gemehrt wurden, da sammelten sie sich zusammen und machten Hauptleute und zogen in die Gegend des Niedergangs über die Bessos und weißen Kumanen, darnach über die Ruthenen und in das Land der schwarzen Kumanen und kamen bis an den Fluss Theiß. Erstlich wurden sie von Martin Longobard, der Pannonien regierte, abgetrieben. Zuletzt erlangten sie friedlichen Besitz der pannonischen Gegenden. Nach der Geburt des Herrn, im Jahre [434], dieweil Attila, der nach ungarischem Zungengebrauch Etzel genannt ist, und Buda, sein Bruder, noch lebten, da erhoben sie denselben Attila zu königlicher Würdigkeit. Der erwählte ihm in der Stadt Sicambria den königlichen Stuhl und unternahm es aus angeborener Ehrgeizigkeit, andere Länder, Blatt 139 der Welt und Leute zu bekümmern. Und machte Bleda oder Buda, seinen Bruder, zu einem Mitgenossen seines Regiments und setzte ihn einen Fürsten über die unterworfenen Gegenden. Als nun Attila mit seinem Bruder Buda also herrschte und viele Länder und Leute mit grausamer Tollheit verheerte und verderbte und darnach eine Weile zu Sicambria wohnte, da ward sein Bruder Buda gegen ihn versagt, als ob er die Ziele und Enden seines Regiments übertreten und des Königreichs begehrt hätte. Nun hätte Attila in seinem Abschied verfügt, die benannte Stadt Sicambria nach ihm, Attila, zu nennen. Aber Buda hieß diese Stadt nach seinem Namen Budam, die wir nach unserem deutschen Zungengebrauch Ofen nennen. Darum ertötete Attila mit seinen Händen seinen Bruder Buda und gebot, ihn in die Donau zu stürzen und die Stadt Attila zu nennen. Aber die Hunnen hielten das nicht, sondern hießen sie Obudam, als dann die Ungarn diese Stadt bis in diesen Tag Obudam heißen. Doch aus Besorgnis des königlichen Gebots nannten die Deutschen diese Stadt aus Furcht nach Attila Etzelburg. Darnach hat Attila fünf Jahre in Sicambria geruht und seine Aufseher und Späher in mancherlei Gegenden geordnet. Und nachfolgend ist Ofen zu glückhaften Zeiten eine Hauptstadt in Ungarn erbaut, an einem solchen Ende, dass nichts Festeres noch Wünschbareres schier im ganzen Ungarnland gefunden werden mochte. Vor anderen Städten derselben Gegend ist diese Stadt an wohlgezierten, gemeinen und besonderen Gebäuden die berühmteste und darum mit königlicher Würdigkeit geziert und von hohen Zinnen und wunderwürdigem Schloss die allerschönste. Dasselbe Schloss mitsamt anderen Schlössern, und sonderlich Missegradum, das ist Plintburg, da dann die königliche Krone behalten wird, ist durch König Matthias Corvinus mit dicken Mauern und großen, mächtigen Sälen und hübschen Gebäuden in wunderbarer Schönheit also geziert, dass es nun für alle alten Gebäude billig zu loben und zu preisen ist.