Schedelsche Weltchronik · Blatt 141

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 141, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 141, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Jar der werlt. vm. vic. lxx. Jar christi nijc. lxxi. Simplicius der babst was nach hilario dieweil Leo der ander und zenon die kaiser regirte. Diser heillig und gerecht man setzet das keiner unwilliger zu eim bischoff gefuerdert solt werden so solt auch kein clerick besitzung einicher pruend von eim layen nit erkennen. das dann nachfolgend durch ander bebst auch bestetigt ist. Er erkleret das der roemisch stuol der erst aller kirchen wer. Er tailet die statt den briestern in drey gegent. die erst was sant peters. die ander sant paulßen die dritt sant laurentzen. die vierd Johannis lateranensis. die fuenft sant marie maioris. Unnd als er nunettliche gotzhewszer geweihet und die roemischen kirchen nit allein mit ordnung undgesetze sunder auch mit begabung geausset het do starb er als er. xv. Iar ein monat siben tag geseszen was. Deszmals ruet der stuol. xxvi. tag. Felix der drit ein babst unnd ein roemer hat auch ettliche ketzer von irer irrung wegen durch versamelts concili verdambt. unnd in demselben concili gesetzt. das eim verclagten bey dem richter allweg umb antwurt willen zug und frist gegeben solt werden. Das auch die kirchen von den bischoffen geweiht werden solten Er pawet die kirchen sancti agapiti nit verr von sant laurentze des marterers kirchen Und als er nun ausz ordnung der heiligen schrift ettwieviel buester. diacon und bischof do starb er im .viij. iar. xi. monat. xvij. tag seins babstthumbs unnd der stuol feyret Mamertus ein bischoff darauf funft tag. Mamertus bischoff zu vienna wardt diser zeit von seiner heilligkeit und lere wegen in groszem werde gehalten. und als aber deszmals grosz erpidem in gallia waren und die wilden thier sein volck uberfieln und inen viel beschwerde zufuegten do machet er die letaney die man die mindern haiszt zu underschait die groeszern letaney die sant gregorius der grosz an sant marrie tag gemacht hat Remegius der remensisch bischoff ein heillig von hohgelert man ist zu diser zeit (als ettlich sagen) in leben gewesen. Der dann (als die historien setzen) Clodoveum den Konig zu Franckreich mit unzallichen Frantzosen getawst hat. Er hat als ein hohberuembter gelerter in der heiligenschrift vil nutzer beschreibung im alten und newen gesetz gemacht. Do er. lxx. iar in bischoflicher wirdigkeit erfuelt het hat er under andern wunderwercke seiner helligkeyt ein maydlein von dem tod erweckt und starb nach christi gepurt .iiijc. lxviij. iar am ersten tag des monats octobris Gelasius der babst aus affrica puertig was ein hellliig man. Wo er die ketzer manicheos in der statt ergriff do verurteilet er sie in das ellend und prennet ire buecher bey sant marie kirchen offenlich. Under andern setzet er das keiner der zway eeweyber gehabt her dann mit erlawbnus des babstlichen stuls zu heiligen weyhen gefuerdert. Desgleichen auch kein glidlamiger zu briester gemacht werden solt. Er hath vil schriften und buecher wider die ketzer gemacht. Viel kirchen zu rom geweyhet. Und auch angezaigt welche buecher fuer euefzer schriften gehalten solten werden und er starb als er geseszen wz vier iar acht monat. xvij. tag. der stuol ruoet deszmals .vij. tag Anastasius der ander ein roemer was zu den zeiten des kaisers anastasij babst. und wiewol er erstlich als ein guter cristenlicher man gehalten wardt so wardt er doch achatio verfueret. Do er sich heimlich understund ine zewiderrueffen. do empfremdet er die pfafheit schwerlich von ime. die sich von der gemainschaft des babsts entzohe. Das er auch on verwilligung der cristen mit plotino dem dyacon gemeinschaft het. Der dann dem irrthumb achatij nachfolget. Darumb sprechen ettliche er sey ausz goetlicher verhencknus gehling gestorben. Ettliche schreiben ime sey sein ingwayd im stuolgang empfallen. Diser Anastasius hat (als ettlich setzen) den kaiser anastasium verpannet darumb er achatio guestig was. Er saß ein iar. x. monat. xxiiij. tag unnd ruet der stuol deszmals vier tag. Blat CXLI der werlt ZEno der kaiser hat nach absterben leonis des ersten leonem den andren seien sun zum kaiserhumb beschieden. der dann auch unlang darnach mit groszer kranckheit beschwert vor seinem absterben seim vater zenom das kaiserthumb ge-laszen hat. der leo (von dem vorgeme ist) den sein vater Leo in den gewalt und herrschung des kaiserthumbs vorderet wardt durch seiner muter verfuegung in besorgnus des gewalts znenonis heimlich zu eim clerick gemacht. Als nw. zeno ernstlich begeret ime iren sun darzegeben do brachte sie ime einen andern der item sun gleich-gestalt was. derselb Leo lebet darnach in der pfafheit bis an die zeit des kaisers iustininiani. In demselben iar zohe das iung kaiserlein wider seinen oeheim mit heer in welchen landen den veriaget er unnd verfolgte das regiment des kaiserthumbs. uber ein iar darnach kome orestes der roemisch ratherr mit genserico dem kunig wan dalorum in puentuus. dieweil dise lewsse und handel bey den roemischen schwebten Do underfienge sich adovacer mit starcker meng von den hindersten gegenten panonie welche land zeueberziehen. und hett auch ettliche iar welche land und stett in seinem gewalt. Ausz dem fiel der iung kaiser in solchen schrecken dz er willigelich abstuend. als er kawm.xi.monat iifi gewesen was. Also verging das roemisch kaiserthumb zu rom mit diesem iungen kaiserlein von anfang der statt rom. jm.iijc.xxix.iar von der menschwerdung des herren.mxc.lxxv.iar. unnd zeno starb imm xvij.iar seins regiments zu Constantinopel. Anastasius ist nach absterben zenonis nach der menschwerdung christii. iiijc.xcij.iar in das kaiserthumb komen. Diser was ein zierde des roemischen kaiser-thumbs und hat den konig von franckreich clodoveus genant ausz ursachen das er dem volck visegothis (die die arainischen ketzerey hielten) ettlich stett entwendet. einen koestlichen rock zugeschickt. Aber er ward nachfolden ausz verlaytung achatis des constantinopolitanischen bischofs zu eim ketzer. Und wievil er durch babstli-che zu im gesandte botschaft zu abstand seiner ketzerei vilgeltigelich vermanet wardt so hat er doch solchs ausz freuelicher verachtung nit ausgenommen. das auch got an ime nit ungestraffet liesz. dann er wardt und.xxvij.iar seins kaiserthumbs mit eim thone plitzen erschlagen. Dieweil dise sachen und hende bey den roemischen vorawgen waren do erhuo sich ein newe aufruor. dann zwey voelcker, nemlich heculi und thuringi die an dem heer athile uberbliben waren. unnd an der thonaw woneten rayseten von den hindern gegenten der thonaw ausz und zogen in welschland. lieszen aquileiam zu der lingken hand und lendeten auff die caruismer. vinceriner und die burischen zu. Als solchs an den iungen kaiser gelanget do schicket er oresetem seinen vater den er zu eim rittermaister gemacht het dem Odoasser entgegen. Als er aber hiflosze wardt do fluhe er gen papiam. dem volget odoacer nach und belegert die statt gerungs umb. und erobret die mit sturm. auch die burger und roemische heer erschlagen und nit allain die statt zerruedet sunder auch die landschaft mit prand und mord verwuestet. Odoacer fieng auch orestem und fueret in gein placentiam und erstache ine in angesiht des heers. Ausz fochten solcher grawsamkeit erschracken die andern welschen voelcker also das ye eins nach dem andern sich ergabe. Also herrschet odoacer xiiij.iar in welschem land und regiret die stett nach seinem gefallen. zeno der zu Constantinopel regiret riette theodorico in welsche land zeziehen unnd die stett daselbst von den ungerechten enthaltern zeledigen. Demnach uberzohe theodoricus den odoacer aber sie vertruogen sich mit einander zeherrschen. doch weeret dise gesellschaft nit lang. dann ir yeder truog argkwohn zu den andern. Also fuerkom theodoricus odoacrum den lude er zu sich und erstache ine. Theodericus theodomiris des konigs ostrogothorum ausz arilena seinem zuweib gesponer sun hat iiit.xvi.iar des kaiser zenonis die herrschung uber ganz welschlannd gehabt. und allain mit den gothis darinn geherrscht. Sein herrschung was nit fast hart. Er liesze die stett sichselbst unnd ire burger regiren. unnd setzten den stuol seins reichs gein ravenna und wonet daselbst xxxvij.iar. Theodoricus in welschem lannd herrschende was des groben volcks der allerguoettigst. Und wiewol er seinen konigcliche stuol gein ravenna geordnet het so ziered er doch die statt rom mercklich mit aufrichtung und vernewung mancherlay gepew an kirchen und andern und zu bestetigung seins reichs hat er andeszledaz clodovei des konigs zu franckreich tochter zu der ehe genommen und sein schwester honorico dem konig des volcks wandalorum. unnd mahelt und doch unlang darnach wider clodveum seinen schweher gekrieget. dar umb das er alaricum seinen aydem erschlagen und etliche gegent seins reichs eingenomen het. Demnach bekrieget er die franzosen und ubet sunst vil ruomwurdiger sachen auszgenommen das er sich in seinen letsten zeiten mit geruechde der wuoeterichkeit beflecket do er Symachus und Boecium die ratherrn zu rom toedtet. Er hat trient die statt und gepirg mit mawm eingefangen. zu letst ward er mit dem schlag beruecet und starb.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter der Welt. 5870 Jahre der Welt, 471 Jahre Christi. Simplicius, der Papst, war nach Hilarius, während Leo der Zweite und Zenon die Kaiser regierten. Dieser heilige und gerechte Mann setzte fest, dass niemand widerwillig zu einem Bischof ernannt werden sollte, und auch kein Kleriker den Besitz irgendeiner Pfründe von einem Laien anerkennen sollte. Dies wurde später auch von anderen Päpsten bestätigt. Er erklärte, dass der römische Stuhl der erste aller Kirchen sei. Er teilte die Stadt den Priestern zu, [indem er ihnen] die erste [Kirche] als Sankt Peters, die zweite als Sankt Pauls, die dritte als Sankt Laurentius, die vierte als Johannes Lateranensis, die fünfte als Sankt Maria Maggiore zuwies. Und als er nun etliche Gotteshäuser geweiht und die römischen Kirchen nicht allein mit Ordnung und Gesetzen, sondern auch mit Schenkungen ausgestattet hatte, da starb er, nachdem er 15 Jahre, einen Monat und sieben Tage im Amt gewesen war. Damals ruhte der Stuhl 26 Tage. Felix der Dritte, ein Papst und ein Römer, hat auch etliche Ketzer wegen ihres Irrtums durch ein versammeltes Konzil verdammt. Und in demselben Konzil setzte er fest, dass einem Angeklagten beim Richter stets eine Frist zur Antwort gewährt werden sollte. Dass auch die Kirchen von den Bischöfen geweiht werden sollten. Er baute die Kirche Sancti Agapiti nicht fern von der Kirche Sankt Laurentius des Märtyrers. Und als er nun gemäß der Ordnung der Heiligen Schrift etliche Priester, Diakone und Bischöfe [geweiht hatte], da starb er im achten Jahr, elften Monat, siebzehnten Tag seines Papsttums, und der Stuhl ruhte daraufhin fünf Tage. Mamertus, Bischof zu Vienne, wurde dieser Zeit wegen seiner Heiligkeit und Lehre in großem Ansehen gehalten. Und als aber damals große Epidemien in Gallien waren und die wilden Tiere sein Volk überfielen und ihnen viel Beschwerde zufügten, da schuf er die Litanei, die man die mindere nennt, zum Unterschied von der größeren Litanei, die Sankt Gregor der Große am Sankt Marien-Tag gemacht hat. Remigius, der Bischof von Reims, ein heiliger und hochgelehrter Mann, ist zu dieser Zeit (wie etliche sagen) am Leben gewesen. Der dann (wie die Historien berichten) Chlodwig, den König von Frankreich, mit unzähligen Franken getauft hat. Er hat als ein hochberühmter Gelehrter in der Heiligen Schrift viele nützliche Schriften im Alten und Neuen Testament verfasst. Als er 70 Jahre in bischöflicher Würde erfüllt hatte, hat er unter anderen Wunderwerken seiner Heiligkeit ein Mädchen vom Tod erweckt und starb nach Christi Geburt 468 Jahre am ersten Tag des Monats Oktober. Gelasius, der Papst, aus Afrika gebürtig, war ein heiliger Mann. Wo er die Ketzer Manichäer in der Stadt ergriff, da verurteilte er sie ins Elend und verbrannte ihre Bücher öffentlich bei der Sankt Marien-Kirche. Unter anderem setzte er fest, dass niemand, der zwei Ehefrauen gehabt hatte, ohne Erlaubnis des päpstlichen Stuhls zu heiligen Weihen gefördert werden sollte. Desgleichen sollte auch kein Gliedmaßenlahmer zum Priester gemacht werden. Er hat viele Schriften und Bücher wider die Ketzer verfasst. Viele Kirchen in Rom geweiht. Und auch angezeigt, welche Bücher für apokryphe Schriften gehalten werden sollten, und er starb, nachdem er vier Jahre, acht Monate und 17 Tage im Amt gewesen war. Der Stuhl ruhte damals sieben Tage. Anastasius der Zweite, ein Römer, war zu den Zeiten des Kaisers Anastasius Papst. Und obwohl er anfänglich als ein guter christlicher Mann galt, so wurde er doch von Acacius verführt. Als er sich heimlich unterstand, ihn zurückzurufen, da entfremdete er die Priesterschaft schwerlich von sich, die sich von der Gemeinschaft des Papstes zurückzog. Dass er auch ohne Einwilligung der Christen mit Plotinus, dem Diakon, Gemeinschaft hatte. Der dann dem Irrtum des Acacius folgte. Darum sprechen etliche, er sei aus göttlicher Verhängnis plötzlich gestorben. Etliche schreiben, ihm sei sein Eingeweide beim Stuhlgang herausgefallen. Dieser Anastasius hat (wie etliche berichten) den Kaiser Anastasius verbannt, weil er Acacius gewogen war. Er saß ein Jahr, zehn Monate, 24 Tage, und der Stuhl ruhte damals vier Tage. Blatt 141 der Weltchronik. Kaiser Zenon hat nach dem Ableben Leos des Ersten seinen Sohn Leo den Zweiten zum Kaisertum bestimmt. Der dann auch unlängst danach, von großer Krankheit geplagt, vor seinem Ableben seinem Vater Zenon das Kaisertum überlassen hat. Jener Leo (von dem zuvor die Rede war), den sein Vater Leo in die Gewalt und Herrschaft des Kaisertums erhob, wurde durch die Verfügung seiner Mutter, aus Besorgnis vor der Gewalt Zenons, heimlich zu einem Kleriker gemacht. Als nun Zenon ernstlich begehrte, ihr ihren Sohn zu geben, da brachte sie ihm einen anderen, der jenem Sohn gleichgestaltet war. Derselbe Leo lebte danach in der Priesterschaft bis an die Zeit des Kaisers Justinian. In demselben Jahr zog das junge Kaiserlein wider seinen Oheim mit Heer in welche Länder; den vertrieb er und verfolgte die Regierung des Kaisertums. Über ein Jahr danach kam Orestes, der römische Ratsherr, mit Geiserich, dem König der Vandalen, in Pontus. Während diese Leute und Händel bei den Römern schwebten, da unternahm es Odoaker mit starker Menge aus den hintersten Gegenden Pannoniens, welche Länder zu überziehen. Und hatte auch etliche Jahre welche Länder und Städte in seinem Gewalt. Daraus fiel der junge Kaiser in solchen Schrecken, dass er willentlich abdankte, als er kaum 11 Monate und 4 Tage im Amt gewesen war. So verging das römische Kaisertum zu Rom mit diesem jungen Kaiserlein, vom Anfang der Stadt Rom im 1329. Jahr, von der Menschwerdung des Herrn 1075 Jahre. Und Zenon starb im 17. Jahr seines Regiments zu Konstantinopel. Anastasius ist nach dem Ableben Zenons, 492 Jahre nach der Menschwerdung Christi, in das Kaisertum gekommen. Dieser war eine Zierde des römischen Kaisertums und hat dem König von Frankreich, namens Chlodwig, aus Ursache, dass er dem Volk der Westgoten (die die arianische Ketzerei hielten) etliche Städte entwendete, einen köstlichen Rock zugeschickt. Aber er wurde nachfolgend aus Verleitung des Acacius, des konstantinopolitanischen Bischofs, zu einem Ketzer. Und wieviel er auch durch päpstliche, zu ihm gesandte Botschaft zum Abstand von seiner Ketzerei vielfältig ermahnt wurde, so hat er doch solches aus frevelhafter Verachtung nicht angenommen. Das auch Gott an ihm nicht ungestraft ließ, denn er wurde im 27. Jahr seines Kaisertums mit einem Donnerblitz erschlagen. Während diese Sachen und Händel bei den Römern vor Augen waren, da erhob sich eine neue Aufruhr. Denn zwei Völker, nämlich die Heruler und Thüringer, die von dem Heer Attilas übrig geblieben waren und an der Donau wohnten, reisten von den hinteren Gegenden der Donau aus und zogen nach Welschland. Sie ließen Aquileia zur linken Hand und landeten bei den Karnern, Venetern und den Burischen. Als solches an den jungen Kaiser gelangte, da schickte er Orestes, seinen Vater, den er zu einem Heermeister gemacht hatte, dem Odoaker entgegen. Als er aber hilflos wurde, da floh er nach Pavia. Dem folgte Odoaker nach und belagerte die Stadt ringsum und eroberte sie mit Sturm. Auch die Bürger und das römische Heer erschlagen und nicht allein die Stadt zerstört, sondern auch die Landschaft mit Brand und Mord verwüstet.

Anmerkungen

vm. vic. lxx. Jar
römisch für 5870 Jahre (Weltzeit)
nijc. lxxi. Jar
römisch für 471 Jahre (nach Christi Geburt)
Simplicius
Simplicius (Papst, 468–483)
hilario
Hilarius (Papst, 461–468)
Leo der ander
Leo II. (oströmischer Kaiser, 474)
zenon
Zenon (oströmischer Kaiser, 474–475 und 476–491)
bischoff
Bischof
clerick
Kleriker
pruend
Pfründe (Kirchenamt mit Einkommen)
layen
Laien
bebst
Päpste
roemisch stuol
römischer Stuhl (der Papst und sein Amt)
briestern
Priestern
sant peters
Sankt Peter (Petersdom in Rom)
sant paulßen
Sankt Paul (Sankt Paul vor den Mauern in Rom)
sant laurentzen
Sankt Laurentius (Sankt Laurentius vor den Mauern in Rom)
Johannis lateranensis
Johannes Lateranensis (Lateranbasilika, San Giovanni in Laterano in Rom)
sant marie maioris
Sankt Maria Maioris (Santa Maria Maggiore in Rom)
gotzhewszer
Gotteshäuser
undgesetze
und Gesetze
begabung
Schenkung, Ausstattung
geausset
ausgestattet
xv. Iar ein monat siben tag
15 Jahre, 1 Monat, 7 Tage
xxvi. tag
26 Tage
Felix der drit
Felix III. (Papst, 483–492)
roemer
Römer (Herkunft)
ketzer
Ketzer
irrung
Irrtum
concili
Konzil
verdambt
verdammt
verclagten
Angeklagten
zug und frist
Aufschub und Frist
sancti agapiti
Sancti Agapiti (Kirche des Heiligen Agapitus)
sant laurentze des marterers
Sankt Laurentius des Märtyrers
buester
Priester
diacon
Diakon
.viij. iar. xi. monat. xvij. tag
8 Jahre, 11 Monate, 17 Tage
funft tag
5 Tage
Mamertus
Mamertus von Vienne (Bischof von Vienne, 5. Jh.)
vienna
Vienne (Stadt in Gallien, heute Frankreich)
heilligkeit
Heiligkeit
lere
Lehre
erpidem
Epidemien
gallia
Gallien (historische Region)
letaney die man die mindern haiszt
die mindere Litanei (Rogationslitanei)
groeszern letaney die sant gregorius der grosz an sant marrie tag gemacht hat
die größere Litanei (Litaniae maiores), die Papst Gregor der Große am Fest Mariä Lichtmess (2. Februar) einführte
Remegius der remensisch bischoff
Remigius von Reims (Bischof von Reims, ca. 437–533)
remensisch
von Reims
hohgelert
hochgelehrt
historien
Historien, Geschichtswerke
Clodoveum den Konig zu Franckreich
Chlodwig I. (König der Franken, ca. 466–511)
unzallichen Frantzosen
unzählige Franken (nicht Franzosen im modernen Sinne)
getawst
getauft
hohberuembter gelerter
hochberühmter Gelehrter
heiligenschrift
Heilige Schrift
nutzer beschreibung
nützliche Schriften, Erläuterungen
alten und newen gesetz
Altes und Neues Testament
lxx. iar
70 Jahre
bischoflicher wirdigkeit
bischöfliche Würde
wunderwercke
Wunderwerke
maydlein
Mädchen
christi gepurt .iiijc. lxviij. iar
468 Jahre nach Christi Geburt (historisch inkorrekt für Remigius von Reims, der um 533 starb)
octobris
Oktober
Gelasius der babst
Gelasius I. (Papst, 492–496)
affrica puertig
aus Afrika gebürtig
hellliig
heilig
ketzer manicheos
Manichäer (Anhänger des Manichäismus, einer häretischen Glaubensgemeinschaft)
ellend
Exil, Verbannung
prennet
verbrannte
sant marie kirchen
Sankt Marien-Kirche
zway eeweyber
zwei Ehefrauen (im Sinne von zweimal verheiratet gewesen)
babstlichen stuls
päpstlicher Stuhl
heiligen weyhen
heilige Weihen
glidlamiger
Gliedmaßenlahmer, körperlich Behinderter
euefzer schriften
apokryphe Schriften (unechte, nicht anerkannte Schriften)
vier iar acht monat. xvij. tag
4 Jahre, 8 Monate, 17 Tage
.vij. tag
7 Tage
Anastasius der ander
Anastasius II. (Papst, 496–498)
kaisers anastasij
Kaiser Anastasius I. (oströmischer Kaiser, 491–518)
achatio
Acacius (Patriarch von Konstantinopel, † 489, exkommuniziert)
verfueret
verführt
pfafheit
Priesterschaft
gemainschaft des babsts
Gemeinschaft des Papstes
verwilligung der cristen
Einwilligung der Christen
plotino dem dyacon
Plotinus, dem Diakon (Anhänger des Acacius)
irrthumb achatij
Irrtum des Acacius
goetlicher verhencknus
göttliche Verhängnis
gehling
plötzlich
ingwayd im stuolgang empfallen
Eingeweide beim Stuhlgang herausgefallen (eine Legende über seinen Tod)
verpannet
verbannt
guestig
gewogen, wohlgesinnt
ein iar. x. monat. xxiiij. tag
1 Jahr, 10 Monate, 24 Tage
vier tag
4 Tage
Blat CXLI
Blatt 141 (römisch für 141)
ZEno der kaiser
Kaiser Zenon (oströmischer Kaiser, 474–475 und 476–491)
leonis des ersten
Leo I. (oströmischer Kaiser, 457–474)
leonem den andren
Leo II. (oströmischer Kaiser, 474)
kaiserhumb
Kaisertum
beschieden
bestimmt, eingesetzt
kranckheit beschwert
von Krankheit geplagt
vorgeme
zuvor genannt
vorderet
erhob, beförderte
verfuegung
Verfügung, Anordnung
besorgnus des gewalts znenonis
Besorgnis vor der Gewalt Zenons
clerick gemacht
zum Kleriker gemacht
begeret ime iren sun darzegeben
begehrte, ihr ihren Sohn zu geben (Zenon begehrte von ihr ihren Sohn)
gleich-gestalt
gleichgestaltet, ähnlich
kaisers iustininiani
Kaiser Justinian I. (oströmischer Kaiser, 527–565)
iung kaiserlein
junges Kaiserlein (Romulus Augustulus, letzter weströmischer Kaiser, 475–476)
oeheim
Oheim (Onkel, hier Julius Nepos, der de jure weströmische Kaiser bis 480)
veriaget
vertrieb
regiment des kaiserthumbs
Regierung des Kaisertums
orestes der roemisch ratherr
Orestes, der römische Ratsherr (historisch: magister militum, Vater des Romulus Augustulus)
genserico dem kunig wan dalorum
Geiserich, dem König der Vandalen (historisch: Geiserich starb 477, Orestes war um 475-476 aktiv; hier chronologische Ungenauigkeit der Quelle)
puentuus
Pontus (historische Region in Kleinasien)
lewsse
Leute
handel
Händel, Angelegenheiten
roemischen
Römern
schwebten
schwebten, im Gange waren
adovacer
Odoaker (germanischer Heerführer, setzte Romulus Augustulus 476 ab)
meng
Menge, Schar
hindersten gegenten panonie
hintersten Gegenden Pannoniens (historische Region)
zeueberziehen
zu überziehen, zu erobern
iung kaiser
junger Kaiser (Romulus Augustulus)
willigelich abstuend
willentlich abdankte
kawm.xi.monat iifi
kaum 11 Monate, 4 Tage (iifi = 4)
roemisch kaiserthumb zu rom
römisches Kaisertum in Rom
anfang der statt rom. jm.iijc.xxix.iar
1329 Jahre seit Gründung Roms (historisch inkorrekt, sollte ca. 1229 Jahre sein)
menschwerdung des herren.mxc.lxxv.iar
1075 Jahre nach der Menschwerdung des Herrn (historisch inkorrekt, das Ende des weströmischen Kaisertums war 476 n. Chr.)
xvij.iar seins regiments
17. Jahr seines Regiments
Constantinopel
Konstantinopel
Anastasius
Anastasius I. (oströmischer Kaiser, 491–518)
absterben zenonis
Ableben Zenons
menschwerdung christii. iiijc.xcij.iar
492 Jahre nach der Menschwerdung Christi
zierde des roemischen kaiser-thumbs
Zierde des römischen Kaisertums
konig von franckreich clodoveus genant
König von Frankreich, namens Chlodwig (Chlodwig I.)
volck visegothis
Volk der Westgoten (Visigoths)
arainischen ketzerey
arianische Ketzerei (Arianismus)
entwendet
entwendete, abnahm
koestlichen rock
kostbaren Rock (als Ehrengeschenk)
verlaytung achatis des constantinopolitanischen bischofs
Verleitung des Acacius, des konstantinopolitanischen Bischofs (Acacius war Patriarch, nicht Bischof im Sinne eines einzelnen Bistums; Anastasius I. war eher von Monophysiten beeinflusst)
constantinopolitanischen bischofs
konstantinopolitanischer Bischof (Patriarch von Konstantinopel)
babstli-che zu im gesandte botschaft
päpstliche, zu ihm gesandte Botschaft
abstand seiner ketzerei
Abstand von seiner Ketzerei
vilgeltigelich
vielfältig
freuelicher verachtung
frevelhafte Verachtung
ungestraffet
ungestraft
und.xxvij.iar seins kaiserthumbs
27. Jahr seines Kaisertums
thone plitzen erschlagen
von einem Donnerblitz erschlagen (Legende über den Tod Anastasius' I.)
sachen und hende
Sachen und Händel (Angelegenheiten)
vorawgen waren
vor Augen waren, geschahen
aufruor
Aufruhr
heculi
Heruler (germanischer Stamm)
thuringi
Thüringer (germanischer Stamm)
heer athile
Heer Attilas (Hunnenkönig)
thonaw
Donau
rayseten
reisten
welschland
Welschland (alter Name für Italien)
aquileiam
Aquileia (antike Stadt in Norditalien)
lingken hand
linken Hand
caruismer
Karner (Bewohner von Kärnten/Carnia)
vinceriner
Veneter (Bewohner Venetiens)
burischen
Burer (ein Stamm in Noricum)
rittermaister
Heermeister (lat. magister militum)
Odoasser
Odoaker (germanischer Heerführer)
hiflosze
hilflos
papiam
Pavia (Stadt in Italien)
gerungs umb
ringsum
sturm
Sturm (Angriff)
zerruedet
zerstört
prand und mord ver
Brand und Mord verwüstet (der Satz endet abrupt im Original, hier ergänzt)