Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Jar der werlt. vm. vic. lxx. Jar christi nijc. lxxi. Simplicius der babst was nach hilario dieweil Leo der ander und zenon die kaiser regirte. Diser heillig und gerecht man setzet das keiner unwilliger zu eim bischoff gefuerdert solt werden so solt auch kein clerick besitzung einicher pruend von eim layen nit erkennen. das dann nachfolgend durch ander bebst auch bestetigt ist. Er erkleret das der roemisch stuol der erst aller kirchen wer. Er tailet die statt den briestern in drey gegent. die erst was sant peters. die ander sant paulßen die dritt sant laurentzen. die vierd Johannis lateranensis. die fuenft sant marie maioris. Unnd als er nunettliche gotzhewszer geweihet und die roemischen kirchen nit allein mit ordnung undgesetze sunder auch mit begabung geausset het do starb er als er. xv. Iar ein monat siben tag geseszen was. Deszmals ruet der stuol. xxvi. tag. Felix der drit ein babst unnd ein roemer hat auch ettliche ketzer von irer irrung wegen durch versamelts concili verdambt. unnd in demselben concili gesetzt. das eim verclagten bey dem richter allweg umb antwurt willen zug und frist gegeben solt werden. Das auch die kirchen von den bischoffen geweiht werden solten Er pawet die kirchen sancti agapiti nit verr von sant laurentze des marterers kirchen Und als er nun ausz ordnung der heiligen schrift ettwieviel buester. diacon und bischof do starb er im .viij. iar. xi. monat. xvij. tag seins babstthumbs unnd der stuol feyret Mamertus ein bischoff darauf funft tag. Mamertus bischoff zu vienna wardt diser zeit von seiner heilligkeit und lere wegen in groszem werde gehalten. und als aber deszmals grosz erpidem in gallia waren und die wilden thier sein volck uberfieln und inen viel beschwerde zufuegten do machet er die letaney die man die mindern haiszt zu underschait die groeszern letaney die sant gregorius der grosz an sant marrie tag gemacht hat Remegius der remensisch bischoff ein heillig von hohgelert man ist zu diser zeit (als ettlich sagen) in leben gewesen. Der dann (als die historien setzen) Clodoveum den Konig zu Franckreich mit unzallichen Frantzosen getawst hat. Er hat als ein hohberuembter gelerter in der heiligenschrift vil nutzer beschreibung im alten und newen gesetz gemacht. Do er. lxx. iar in bischoflicher wirdigkeit erfuelt het hat er under andern wunderwercke seiner helligkeyt ein maydlein von dem tod erweckt und starb nach christi gepurt .iiijc. lxviij. iar am ersten tag des monats octobris Gelasius der babst aus affrica puertig was ein hellliig man. Wo er die ketzer manicheos in der statt ergriff do verurteilet er sie in das ellend und prennet ire buecher bey sant marie kirchen offenlich. Under andern setzet er das keiner der zway eeweyber gehabt her dann mit erlawbnus des babstlichen stuls zu heiligen weyhen gefuerdert. Desgleichen auch kein glidlamiger zu briester gemacht werden solt. Er hath vil schriften und buecher wider die ketzer gemacht. Viel kirchen zu rom geweyhet. Und auch angezaigt welche buecher fuer euefzer schriften gehalten solten werden und er starb als er geseszen wz vier iar acht monat. xvij. tag. der stuol ruoet deszmals .vij. tag Anastasius der ander ein roemer was zu den zeiten des kaisers anastasij babst. und wiewol er erstlich als ein guter cristenlicher man gehalten wardt so wardt er doch achatio verfueret. Do er sich heimlich understund ine zewiderrueffen. do empfremdet er die pfafheit schwerlich von ime. die sich von der gemainschaft des babsts entzohe. Das er auch on verwilligung der cristen mit plotino dem dyacon gemeinschaft het. Der dann dem irrthumb achatij nachfolget. Darumb sprechen ettliche er sey ausz goetlicher verhencknus gehling gestorben. Ettliche schreiben ime sey sein ingwayd im stuolgang empfallen. Diser Anastasius hat (als ettlich setzen) den kaiser anastasium verpannet darumb er achatio guestig was. Er saß ein iar. x. monat. xxiiij. tag unnd ruet der stuol deszmals vier tag. Blat CXLI der werlt ZEno der kaiser hat nach absterben leonis des ersten leonem den andren seien sun zum kaiserhumb beschieden. der dann auch unlang darnach mit groszer kranckheit beschwert vor seinem absterben seim vater zenom das kaiserthumb ge-laszen hat. der leo (von dem vorgeme ist) den sein vater Leo in den gewalt und herrschung des kaiserthumbs vorderet wardt durch seiner muter verfuegung in besorgnus des gewalts znenonis heimlich zu eim clerick gemacht. Als nw. zeno ernstlich begeret ime iren sun darzegeben do brachte sie ime einen andern der item sun gleich-gestalt was. derselb Leo lebet darnach in der pfafheit bis an die zeit des kaisers iustininiani. In demselben iar zohe das iung kaiserlein wider seinen oeheim mit heer in welchen landen den veriaget er unnd verfolgte das regiment des kaiserthumbs. uber ein iar darnach kome orestes der roemisch ratherr mit genserico dem kunig wan dalorum in puentuus. dieweil dise lewsse und handel bey den roemischen schwebten Do underfienge sich adovacer mit starcker meng von den hindersten gegenten panonie welche land zeueberziehen. und hett auch ettliche iar welche land und stett in seinem gewalt. Ausz dem fiel der iung kaiser in solchen schrecken dz er willigelich abstuend. als er kawm.xi.monat iifi gewesen was. Also verging das roemisch kaiserthumb zu rom mit diesem iungen kaiserlein von anfang der statt rom. jm.iijc.xxix.iar von der menschwerdung des herren.mxc.lxxv.iar. unnd zeno starb imm xvij.iar seins regiments zu Constantinopel. Anastasius ist nach absterben zenonis nach der menschwerdung christii. iiijc.xcij.iar in das kaiserthumb komen. Diser was ein zierde des roemischen kaiser-thumbs und hat den konig von franckreich clodoveus genant ausz ursachen das er dem volck visegothis (die die arainischen ketzerey hielten) ettlich stett entwendet. einen koestlichen rock zugeschickt. Aber er ward nachfolden ausz verlaytung achatis des constantinopolitanischen bischofs zu eim ketzer. Und wievil er durch babstli-che zu im gesandte botschaft zu abstand seiner ketzerei vilgeltigelich vermanet wardt so hat er doch solchs ausz freuelicher verachtung nit ausgenommen. das auch got an ime nit ungestraffet liesz. dann er wardt und.xxvij.iar seins kaiserthumbs mit eim thone plitzen erschlagen. Dieweil dise sachen und hende bey den roemischen vorawgen waren do erhuo sich ein newe aufruor. dann zwey voelcker, nemlich heculi und thuringi die an dem heer athile uberbliben waren. unnd an der thonaw woneten rayseten von den hindern gegenten der thonaw ausz und zogen in welschland. lieszen aquileiam zu der lingken hand und lendeten auff die caruismer. vinceriner und die burischen zu. Als solchs an den iungen kaiser gelanget do schicket er oresetem seinen vater den er zu eim rittermaister gemacht het dem Odoasser entgegen. Als er aber hiflosze wardt do fluhe er gen papiam. dem volget odoacer nach und belegert die statt gerungs umb. und erobret die mit sturm. auch die burger und roemische heer erschlagen und nit allain die statt zerruedet sunder auch die landschaft mit prand und mord verwuestet. Odoacer fieng auch orestem und fueret in gein placentiam und erstache ine in angesiht des heers. Ausz fochten solcher grawsamkeit erschracken die andern welschen voelcker also das ye eins nach dem andern sich ergabe. Also herrschet odoacer xiiij.iar in welschem land und regiret die stett nach seinem gefallen. zeno der zu Constantinopel regiret riette theodorico in welsche land zeziehen unnd die stett daselbst von den ungerechten enthaltern zeledigen. Demnach uberzohe theodoricus den odoacer aber sie vertruogen sich mit einander zeherrschen. doch weeret dise gesellschaft nit lang. dann ir yeder truog argkwohn zu den andern. Also fuerkom theodoricus odoacrum den lude er zu sich und erstache ine. Theodericus theodomiris des konigs ostrogothorum ausz arilena seinem zuweib gesponer sun hat iiit.xvi.iar des kaiser zenonis die herrschung uber ganz welschlannd gehabt. und allain mit den gothis darinn geherrscht. Sein herrschung was nit fast hart. Er liesze die stett sichselbst unnd ire burger regiren. unnd setzten den stuol seins reichs gein ravenna und wonet daselbst xxxvij.iar. Theodoricus in welschem lannd herrschende was des groben volcks der allerguoettigst. Und wiewol er seinen konigcliche stuol gein ravenna geordnet het so ziered er doch die statt rom mercklich mit aufrichtung und vernewung mancherlay gepew an kirchen und andern und zu bestetigung seins reichs hat er andeszledaz clodovei des konigs zu franckreich tochter zu der ehe genommen und sein schwester honorico dem konig des volcks wandalorum. unnd mahelt und doch unlang darnach wider clodveum seinen schweher gekrieget. dar umb das er alaricum seinen aydem erschlagen und etliche gegent seins reichs eingenomen het. Demnach bekrieget er die franzosen und ubet sunst vil ruomwurdiger sachen auszgenommen das er sich in seinen letsten zeiten mit geruechde der wuoeterichkeit beflecket do er Symachus und Boecium die ratherrn zu rom toedtet. Er hat trient die statt und gepirg mit mawm eingefangen. zu letst ward er mit dem schlag beruecet und starb.
Das sechste Zeitalter der Welt. 5870 Jahre der Welt, 471 Jahre Christi. Simplicius, der Papst, war nach Hilarius, während Leo der Zweite und Zenon die Kaiser regierten. Dieser heilige und gerechte Mann setzte fest, dass niemand widerwillig zu einem Bischof ernannt werden sollte, und auch kein Kleriker den Besitz irgendeiner Pfründe von einem Laien anerkennen sollte. Dies wurde später auch von anderen Päpsten bestätigt. Er erklärte, dass der römische Stuhl der erste aller Kirchen sei. Er teilte die Stadt den Priestern zu, [indem er ihnen] die erste [Kirche] als Sankt Peters, die zweite als Sankt Pauls, die dritte als Sankt Laurentius, die vierte als Johannes Lateranensis, die fünfte als Sankt Maria Maggiore zuwies. Und als er nun etliche Gotteshäuser geweiht und die römischen Kirchen nicht allein mit Ordnung und Gesetzen, sondern auch mit Schenkungen ausgestattet hatte, da starb er, nachdem er 15 Jahre, einen Monat und sieben Tage im Amt gewesen war. Damals ruhte der Stuhl 26 Tage. Felix der Dritte, ein Papst und ein Römer, hat auch etliche Ketzer wegen ihres Irrtums durch ein versammeltes Konzil verdammt. Und in demselben Konzil setzte er fest, dass einem Angeklagten beim Richter stets eine Frist zur Antwort gewährt werden sollte. Dass auch die Kirchen von den Bischöfen geweiht werden sollten. Er baute die Kirche Sancti Agapiti nicht fern von der Kirche Sankt Laurentius des Märtyrers. Und als er nun gemäß der Ordnung der Heiligen Schrift etliche Priester, Diakone und Bischöfe [geweiht hatte], da starb er im achten Jahr, elften Monat, siebzehnten Tag seines Papsttums, und der Stuhl ruhte daraufhin fünf Tage. Mamertus, Bischof zu Vienne, wurde dieser Zeit wegen seiner Heiligkeit und Lehre in großem Ansehen gehalten. Und als aber damals große Epidemien in Gallien waren und die wilden Tiere sein Volk überfielen und ihnen viel Beschwerde zufügten, da schuf er die Litanei, die man die mindere nennt, zum Unterschied von der größeren Litanei, die Sankt Gregor der Große am Sankt Marien-Tag gemacht hat. Remigius, der Bischof von Reims, ein heiliger und hochgelehrter Mann, ist zu dieser Zeit (wie etliche sagen) am Leben gewesen. Der dann (wie die Historien berichten) Chlodwig, den König von Frankreich, mit unzähligen Franken getauft hat. Er hat als ein hochberühmter Gelehrter in der Heiligen Schrift viele nützliche Schriften im Alten und Neuen Testament verfasst. Als er 70 Jahre in bischöflicher Würde erfüllt hatte, hat er unter anderen Wunderwerken seiner Heiligkeit ein Mädchen vom Tod erweckt und starb nach Christi Geburt 468 Jahre am ersten Tag des Monats Oktober. Gelasius, der Papst, aus Afrika gebürtig, war ein heiliger Mann. Wo er die Ketzer Manichäer in der Stadt ergriff, da verurteilte er sie ins Elend und verbrannte ihre Bücher öffentlich bei der Sankt Marien-Kirche. Unter anderem setzte er fest, dass niemand, der zwei Ehefrauen gehabt hatte, ohne Erlaubnis des päpstlichen Stuhls zu heiligen Weihen gefördert werden sollte. Desgleichen sollte auch kein Gliedmaßenlahmer zum Priester gemacht werden. Er hat viele Schriften und Bücher wider die Ketzer verfasst. Viele Kirchen in Rom geweiht. Und auch angezeigt, welche Bücher für apokryphe Schriften gehalten werden sollten, und er starb, nachdem er vier Jahre, acht Monate und 17 Tage im Amt gewesen war. Der Stuhl ruhte damals sieben Tage. Anastasius der Zweite, ein Römer, war zu den Zeiten des Kaisers Anastasius Papst. Und obwohl er anfänglich als ein guter christlicher Mann galt, so wurde er doch von Acacius verführt. Als er sich heimlich unterstand, ihn zurückzurufen, da entfremdete er die Priesterschaft schwerlich von sich, die sich von der Gemeinschaft des Papstes zurückzog. Dass er auch ohne Einwilligung der Christen mit Plotinus, dem Diakon, Gemeinschaft hatte. Der dann dem Irrtum des Acacius folgte. Darum sprechen etliche, er sei aus göttlicher Verhängnis plötzlich gestorben. Etliche schreiben, ihm sei sein Eingeweide beim Stuhlgang herausgefallen. Dieser Anastasius hat (wie etliche berichten) den Kaiser Anastasius verbannt, weil er Acacius gewogen war. Er saß ein Jahr, zehn Monate, 24 Tage, und der Stuhl ruhte damals vier Tage. Blatt 141 der Weltchronik. Kaiser Zenon hat nach dem Ableben Leos des Ersten seinen Sohn Leo den Zweiten zum Kaisertum bestimmt. Der dann auch unlängst danach, von großer Krankheit geplagt, vor seinem Ableben seinem Vater Zenon das Kaisertum überlassen hat. Jener Leo (von dem zuvor die Rede war), den sein Vater Leo in die Gewalt und Herrschaft des Kaisertums erhob, wurde durch die Verfügung seiner Mutter, aus Besorgnis vor der Gewalt Zenons, heimlich zu einem Kleriker gemacht. Als nun Zenon ernstlich begehrte, ihr ihren Sohn zu geben, da brachte sie ihm einen anderen, der jenem Sohn gleichgestaltet war. Derselbe Leo lebte danach in der Priesterschaft bis an die Zeit des Kaisers Justinian. In demselben Jahr zog das junge Kaiserlein wider seinen Oheim mit Heer in welche Länder; den vertrieb er und verfolgte die Regierung des Kaisertums. Über ein Jahr danach kam Orestes, der römische Ratsherr, mit Geiserich, dem König der Vandalen, in Pontus. Während diese Leute und Händel bei den Römern schwebten, da unternahm es Odoaker mit starker Menge aus den hintersten Gegenden Pannoniens, welche Länder zu überziehen. Und hatte auch etliche Jahre welche Länder und Städte in seinem Gewalt. Daraus fiel der junge Kaiser in solchen Schrecken, dass er willentlich abdankte, als er kaum 11 Monate und 4 Tage im Amt gewesen war. So verging das römische Kaisertum zu Rom mit diesem jungen Kaiserlein, vom Anfang der Stadt Rom im 1329. Jahr, von der Menschwerdung des Herrn 1075 Jahre. Und Zenon starb im 17. Jahr seines Regiments zu Konstantinopel. Anastasius ist nach dem Ableben Zenons, 492 Jahre nach der Menschwerdung Christi, in das Kaisertum gekommen. Dieser war eine Zierde des römischen Kaisertums und hat dem König von Frankreich, namens Chlodwig, aus Ursache, dass er dem Volk der Westgoten (die die arianische Ketzerei hielten) etliche Städte entwendete, einen köstlichen Rock zugeschickt. Aber er wurde nachfolgend aus Verleitung des Acacius, des konstantinopolitanischen Bischofs, zu einem Ketzer. Und wieviel er auch durch päpstliche, zu ihm gesandte Botschaft zum Abstand von seiner Ketzerei vielfältig ermahnt wurde, so hat er doch solches aus frevelhafter Verachtung nicht angenommen. Das auch Gott an ihm nicht ungestraft ließ, denn er wurde im 27. Jahr seines Kaisertums mit einem Donnerblitz erschlagen. Während diese Sachen und Händel bei den Römern vor Augen waren, da erhob sich eine neue Aufruhr. Denn zwei Völker, nämlich die Heruler und Thüringer, die von dem Heer Attilas übrig geblieben waren und an der Donau wohnten, reisten von den hinteren Gegenden der Donau aus und zogen nach Welschland. Sie ließen Aquileia zur linken Hand und landeten bei den Karnern, Venetern und den Burischen. Als solches an den jungen Kaiser gelangte, da schickte er Orestes, seinen Vater, den er zu einem Heermeister gemacht hatte, dem Odoaker entgegen. Als er aber hilflos wurde, da floh er nach Pavia. Dem folgte Odoaker nach und belagerte die Stadt ringsum und eroberte sie mit Sturm. Auch die Bürger und das römische Heer erschlagen und nicht allein die Stadt zerstört, sondern auch die Landschaft mit Brand und Mord verwüstet.