Schedelsche Weltchronik · Blatt 142

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 142, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 142, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Ein groszer erdpidem sol diser zeit vier monat aneinander bey constantinopel gewesen sein. der hat aufgehoert auf vermanung eins kinds das man dreymal singen solt.heilliger.heilliger got. starcker und untoedlicher erbarm dich unser. dasselb wort wardt nachfolgend in dem calcedokischen concili gepoten in den kirchen zesprechen. Vil zaichen erschinen auch ainen himel. gein mitternacht sahe der himel fewrig. so warden plitzen stangen oder spiesz gesehen. der monde vertunnelt. und erschin ein comet bey tholosa. Diser zeit enstund die arg ketzerey die das calcedonisch concili anfachten acephalorum genant das nach lateinischen gezueng sovil ist als on hawbt in cheisto. allain ein ainige natur der einigen person verkuendende. In diser zeit sind als man sagt die gepayne Elizei gein alexandria gebracht. und ist die S. Michaels offenbarung leichnam barnabe des appostels mitsampt dem evangelio seiner handschrift gefunden wor Michaelis des ertzengels offenbarung ist und er dem hievorgemelten babst (den gelasio in apulia auff dem berg gargano amm.xxix.tag des monats septembris beschehen. und daselbst nachfolgend ein wunderschoenes gotzhaws gepawt worden und man sagt das an demselben end ierlich sovil volcks zusamen kom. das nit allein cristen menschen. sunder auch unglawbig umb anruoffung der fuerbitte des hailligen engels dasselbe gotzhawsz mit andacht besuchen. Epiphanius der papiensisch bischoff in goetlicher und menschlicher weiszheit ein fast kluog man ist diser zeit umb seiner redsprechheit und heilligkeit willen bey theodrico dem konig in goszem werde gehalten gewest. Germanus der altisidorensisch und lupus der trecharensisch bischof haben diser zeit.als ettlich schreiben mit irer lere und schrift den kirchen vil hilflichs beystands gethan. Genofeva die iunckfraw reichsznet zu pariss.die dann got ir iunckfrawschaft in beywesen germani gelobet. Boetius.anitibus.manilibus. severinus ein fast guot christenlich man.ratherrlicher erberkeit. ein hohberumbter richter unn philozophus. unn ein tochterman des hernach benanten simachi was diserzeit zu rom in hoher achtung. unn als aber diser als ein recht cristenlicher man mit den arrianischen ketzern auff vilfeltigs ersuchen nit gehellen wolt do wardt er ausz befelhnus theodrici nach seim sweher gem papiam zu straff in das ellend verschickt. und daselbst nachfolgend auff anregen der ketzer zu ewiger fangknus verurtailt. In solchem ellenden leben hat er zu ergetzlichkeit seins gemueets ettlich sayttenspil erfunden. unn als ein hohgelert man vil treffenlicher buecher und schriften gemacht. zu letst wardt er ausz bevelhnus theodrici des konigs nach langer quelung des kerckers und dem kaiserthumb iustini des eltern imm iar der gepurt des herrnn.vc.xx. zu papia von cristlichs glawbens wegen getoedt. und (als ettlich sagen) in das zalbuch der hailligen geschriben unn sant Severinus genant. Symachus der roemer auch ratherrlicher erberkeit ain wolredner unn philosophus diser zeit zu rom hochgeachtet. ward von dem konig theodorico von argkwons wegen begerter freyheit zu papia mit ellend verdambt. und ettlich zeit in sangknus gedrungen. darnach vomm ellend wider anhayms gefortert und zu letst mit marter zum tod gebracht. Diser halt mit seiner weiszheit und schrift den roemischen stanndt hoh erleuechtet. unn ein sandbriefbuch beschriben. darinn under andern dise mainung lawtet. Die natur frewt sich alweggleicher ding. Bulgentius ein affricus von gepurt ein bischoff zu rupa und hohgelehrter doctor hat diser zeit geplueet. der wardt in sardiniam mit andern cristen transimundo dem gem konig wandalorum von beschirmung wegen cristlichs glawbens in ellend verschickt. Er versawmet nichtz das zu dem waren cristen glawben gehoeret. so hat er vil und mancherlay schrift und buecher beschriben. Gennadius der bischof in kriechischer unnd lateinischer zungen erfarnn hat ein buch von den cristenlichen leren gesamelt. und darinn was eim yeden zum hail notturftig list ercleret. und mit seiner lere und sytten der cristlichen kirchen fast fruchtper erschinen. Hegesippus der hohgeler man hat auch mit seiner schrift der kirchen gottes nit wenig fuerdernus getan. und den closterlewten regel beschriben. und sant severinis des abbts leben zierlich beschriben. Faustus der bischof bey den galliern hat auch vil und mancherlay zierlich. und sunderlich ein buch wider die arrianischen ketzer gemacht. der werlt Blat CXLII Ravenna ist ein alte statt aber doch von dem ostrogotischen volck geauffet. Ettwen was es ein stattlen der sabinorum. Tiberius der kaiser hat dise statt mit mawrn die noch vorawgen sind umbfangen. nach anzaygung irer beschloszen pforten die gulden port genant. Als nw theodricus der konig gothorum dieselben gothos ausz tracia komende mit weibern und kindern und mit aller irer hab unnd gueettern beweget do haben sie zu letst den konig odoacrum in diser statt ravenna belegert. Nw verzohe dise belegerung die gothos lenger dann sie anfenglich gemaynnt hetten. unnd das kom ausz natur der gelegenheit desselben orts. Dann dise statt ligt an eim ort amm gestadt des meers. daher mag sie nicht leichtlich belegert werden. Deszgleichen auch nit leichtlich vomm lannd wartz hinein. da sie denn ausz dem fluss pado einn graben hat und mit ettlichen seen unn wasserpfuetschen eingezwengt wird. also das die gothi schier drey iar in solcher belegerung verzohen. und darnach auff einen vertrag die statt einnamen. und die statt fueroan gefuerdert und geauffet haben. So hat theodoricus ir konig ein herr alles welchen lands. dalmacien. hungern. teutschs lands. und nit eins kleinen teils gallie on zwayviertzig iar zu ravenna gewonnet. und daselbst vil hoher gepew an hewszern und kirchen auffgerichtet. Daselbst siht man desselben konigs gedechtnus werck von alamasuntha seiner tochter auszerhalb der zinnen gesetzt. Darinn ist ein closter sancte Marie gepawt und zu der symbeln oder rotunden genant. darumb das der hoh altar der kirchen und der chor mit. xx. closterpersonen in einer ordnung nach gewonheit singende von eim einigen gantzen rotunden stayn bedecket werden. Valentinianus der kaiser hat seiner tag vil. und. xxx. iar in seim kaiserthumb daselbst verzeret. die statt erweytert und irem bischoff zwolff andrer stett bischoff underworffen. Ettwn ist dise statt ein stuol der roemer exarchorum gewesen. Aber nwmaln dem Venedigischen rat undertenig. yetzo wird sie von vil volcks bewonet. Vor zeiten hat dise statt heillig und gelert mann gehabt. Nemlich appollinarem. vitalem. und sein suen gervasium unnd prothasium. Anch urcinum den artzt alle mit marter bekroenet. Item babst iohannem den.xvij. Petrum den foricornelischen bischoff. der dann vil heilliger schrift gar verstentlich erleuetert hat. Item cassiodorum den roemischen ratherrnn und beschreiber der sandbrieff der orstogotischen konig. der darnach ein closterman wardt. Item guilielmum den artzt. den petrus paulus vergerius als im den freuentlichsten und bekantisten menschen mit hohem lobe preyset. Item auch Johannem den hohgelerten grammaticum und zierredner. von dem leonhardus aretinus bezeuegt. das derselb der erst gewest durch den die lere unnd kunst der redsprechigkeit die yetzo also plueet nach vil zeiten widerumb in welche land gebracht worden sey. Ravenna

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Ein großes Erdbeben soll zu dieser Zeit vier Monate lang bei Konstantinopel gewesen sein. Es hörte auf auf die Ermahnung eines Kindes hin, das man dreimal singen sollte: „Heiliger, heiliger Gott, starker und unsterblicher, erbarm dich unser.“ Dasselbe Wort wurde nachfolgend im Konzil von Chalcedon geboten, in den Kirchen zu sprechen. Viele Zeichen erschienen auch am Himmel. Gegen Mitternacht sah der Himmel feurig aus. So wurden Blitzstangen oder Spieße gesehen. Der Mond verdunkelte sich, und ein Komet erschien bei Toulouse. Zu dieser Zeit entstand die schlimme Ketzerei, die das Konzil von Chalcedon angriff, genannt Acephalorum, was nach lateinischem Zungengebrauch so viel bedeutet wie „ohne Haupt in Christus“, allein eine einzige Natur der einzigen Person verkündend. In dieser Zeit sind, wie man sagt, die Gebeine des Elisäus nach Alexandria gebracht worden, und die Offenbarung des heiligen Michael, der Leichnam des Apostels Barnabas mitsamt dem Evangelium seiner Handschrift, wurde gefunden. Die Offenbarung des Erzengels Michael ist dem zuvor erwähnten Papst Gelasius in Apulien auf dem Berg Gargano am 29. Tag des Monats September geschehen, und daselbst wurde nachfolgend ein wunderschönes Gotteshaus gebaut, und man sagt, dass an demselben Ort jährlich so viel Volk zusammenkommt, dass nicht allein Christen, sondern auch Ungläubige zur Anrufung der Fürbitte des heiligen Engels dasselbe Gotteshaus mit Andacht besuchen. Epiphanius, der Bischof von Pavia, ein sehr kluger Mann in göttlicher und menschlicher Weisheit, wurde zu dieser Zeit um seiner Redegewandtheit und Heiligkeit willen bei Theoderich dem König in großem Wert gehalten. Germanus von Auxerre und Lupus von Troyes, Bischöfe, haben zu dieser Zeit, wie etliche schreiben, mit ihrer Lehre und Schrift den Kirchen viel hilfreichen Beistand geleistet. Genoveva, die Jungfrau, zeichnete sich in Paris aus, die dann Gott ihre Jungfräulichkeit in Anwesenheit des Germanus gelobt hatte. Boethius, Anicius Manlius Severinus, ein sehr guter christlicher Mann, von ratsherrlicher Ehrenhaftigkeit, ein hochberühmter Richter und Philosoph und ein Schwiegersohn des hernach benannten Symmachus, war zu dieser Zeit in Rom in hoher Achtung. Und als aber dieser als ein recht christlicher Mann mit den arianischen Ketzern auf vielfältiges Ersuchen nicht übereinstimmen wollte, da wurde er auf Befehl Theoderichs nach seinem Schwiegervater nach Pavia zur Strafe in die Verbannung geschickt. Und daselbst nachfolgend auf Anregen der Ketzer zu ewiger Gefangenschaft verurteilt. In solchem elenden Leben hat er zur Ergetzlichkeit seines Gemütes etliche Saitenspiele erfunden und als ein hochgelehrter Mann viele treffliche Bücher und Schriften gemacht. Zuletzt wurde er auf Befehl Theoderichs des Königs nach langer Quälung des Kerkers und unter dem Kaisertum Justins des Älteren im Jahr der Geburt des Herrn 520 in Pavia wegen christlichen Glaubens getötet und (wie etliche sagen) in das Verzeichnis der Heiligen geschrieben und Sankt Severinus genannt. Symmachus, der Römer, auch von ratsherrlicher Ehrenhaftigkeit, ein wohlredender und Philosoph, zu dieser Zeit in Rom hochgeachtet, wurde von dem König Theoderich aus Argwohn wegen begehrter Freiheit nach Pavia in die Verbannung verdammt und etliche Zeit in Gefangenschaft gedrängt. Danach vom Exil wieder heimgefordert und zuletzt mit Marter zum Tod gebracht. Dieser hat mit seiner Weisheit und Schrift den römischen Stand hoch erleuchtet und ein Sendschreibenbuch beschrieben, darin unter anderem diese Meinung lautet: „Die Natur freut sich stets gleicher Dinge.“ Fulgentius, ein Afrikaner von Geburt, ein Bischof zu Ruspe und hochgelehrter Doktor, hat zu dieser Zeit geblüht. Der wurde nach Sardinien mit anderen Christen von Thrasamund, dem König der Vandalen, wegen der Beschirmung des christlichen Glaubens in die Verbannung geschickt. Er versäumte nichts, das zu dem wahren christlichen Glauben gehört. So hat er viele und mancherlei Schriften und Bücher beschrieben. Gennadius, der Bischof, in griechischer und lateinischer Zunge erfahren, hat ein Buch von den christlichen Lehren gesammelt und darin, was einem jeden zum Heil notwendig ist, klar erklärt und mit seiner Lehre und seinen Sitten der christlichen Kirche sehr fruchtbar erschienen. Hegesippus, der hochgelehrte Mann, hat auch mit seiner Schrift der Kirche Gottes nicht wenig Förderung getan und den Klosterleuten Regeln beschrieben und das Leben des Abtes Sankt Severinus zierlich beschrieben. Faustus, der Bischof bei den Galliern, hat auch viel und mancherlei Zierliches und besonders ein Buch wider die arianischen Ketzer gemacht. Blatt 142 der Weltchronik. Ravenna ist eine alte Stadt, aber doch von dem ostrogotischen Volk erbaut. Einst war es ein Städtchen der Sabiner. Kaiser Tiberius hat diese Stadt mit Mauern, die noch vor Augen sind, umfangen, nach Anzeige ihrer verschlossenen Pforten, die „Goldene Pforte“ genannt. Als nun Theoderich, der König der Goten, dieselben Goten, aus Thrakien kommend, mit Weibern und Kindern und mit all ihrer Habe und Gütern bewegte, da haben sie zuletzt den König Odoaker in dieser Stadt Ravenna belagert. Nun verzögerte diese Belagerung die Goten länger, als sie anfänglich gemeint hatten, und das kam aus der Natur der Lage desselben Ortes. Denn diese Stadt liegt an einem Ort am Gestade des Meeres, daher mag sie nicht leichtlich belagert werden. Desgleichen auch nicht leichtlich vom Land her hinein, da sie denn aus dem Fluss Po einen Graben hat und mit etlichen Seen und Wasserpfützen eingezwängt wird, sodass die Goten schier drei Jahre in solcher Belagerung verweilten und danach auf einen Vertrag die Stadt einnahmen und die Stadt fortan gefördert und erbaut haben. So hat Theoderich, ihr König, ein Herr allen welchen Landes, Dalmatien, Ungarn, Deutschlands und nicht eines kleinen Teils Galliens, ohne zweiundvierzig Jahre zu Ravenna gewohnt und daselbst viele hohe Gebäude an Häusern und Kirchen aufgerichtet. Daselbst sieht man desselben Königs Gedächtniswerk von Amalasuntha, seiner Tochter, außerhalb der Zinnen gesetzt. Darin ist ein Kloster Sankt Mariä gebaut und zur „Symbeln“ oder „Rotunden“ genannt, darum, dass der Hochaltar der Kirchen und der Chor mit zwanzig Klosterpersonen in einer Ordnung nach Gewohnheit singend von einem einzigen ganzen runden Stein bedeckt werden. Kaiser Valentinian hat seiner Tage viele und dreißig Jahre in seinem Kaisertum daselbst verzehrt, die Stadt erweitert und ihrem Bischof zwölf anderer Städte Bischöfe unterworfen. Einst ist diese Stadt ein Stuhl der römischen Exarchen gewesen. Aber nunmehr dem venezianischen Rat untertänig. Jetzt wird sie von viel Volk bewohnt. Vor Zeiten hat diese Stadt heilige und gelehrte Männer gehabt, nämlich Apollinaris, Vitalis und seine Söhne Gervasius und Protasius, auch Ursinus den Arzt, alle mit Marter gekrönt. Item Papst Johannes XVII., Petrus, den Bischof von Forocornelio, der dann viele heilige Schriften gar verständlich erläutert hat. Item Cassiodorus, den römischen Ratsherrn und Schreiber der Sendschreiben der ostrogotischen Könige, der darnach ein Klostermann wurde. Item Wilhelm den Arzt, den Petrus Paulus Vergerius als ihm den freundlichsten und bekanntesten Menschen mit hohem Lob preist. Item auch Johannes.

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter (der Weltgeschichte nach der Chronik)
erdpidem
Erdbeben
constantinopel
Konstantinopel, heute Istanbul
heilliger.heilliger got. starcker und untoedlicher erbarm dich unser
Teil des Trisagion (Dreimalheilig), eines alten christlichen Hymnus: „Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger Unsterblicher, erbarme dich unser.“
calcedokischen concili
Konzil von Chalcedon (451 n. Chr.), ein ökumenisches Konzil der christlichen Kirche
zesprechen
zu sprechen
ain himel
am Himmel
gein mitternacht
gegen Mitternacht, im Norden
vertunnelt
verdunkelt, verfinstert
tholosa
Toulouse (Frankreich)
enstund
entstand
arg ketzerey
schlimme Ketzerei
anfachten
angriffen, bekämpften
acephalorum genant das nach lateinischen gezueng sovil ist als on hawbt in cheisto. allain ein ainige natur der einigen person verkuendende
lat. Acephali (wörtlich „Kopflose“), eine monophysitische Sekte, die die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon ablehnte und nur eine einzige Natur in Christus lehrte, im Gegensatz zu den zwei Naturen (göttlich und menschlich) der orthodoxen Lehre.
gepayne Elizei
Gebeine des Propheten Elisäus
alexandria
Alexandria (Ägypten)
S. Michaels offenbarung
Offenbarung des heiligen Michael
leichnam barnabe des appostels mitsampt dem evangelio seiner handschrift
Leichnam des Apostels Barnabas mitsamt dem Evangelium seiner Handschrift (Bezug auf die Auffindung des Barnabasevangeliums)
Michaelis des ertzengels offenbarung ist und er dem hievorgemelten babst (den gelasio in apulia auff dem berg gargano amm.xxix.tag des monats septembris beschehen
Die Offenbarung des Erzengels Michael, die dem zuvor erwähnten Papst Gelasius in Apulien auf dem Berg Gargano am 29. Tag des Monats September widerfuhr (Bezug auf die Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Monte Gargano, die zur Gründung des Michaelsheiligtums führte)
xxix.
römisch für 29
gotzhaws
Gotteshaus, Kirche
unglawbig
Ungläubige
Epiphanius der papiensisch bischoff
Epiphanius von Pavia (Bischof von Pavia, 438–496 n. Chr.)
redsprechheit
Redegewandtheit, Beredsamkeit
theodrico dem konig
Theoderich dem Großen (König der Ostgoten, 454–526 n. Chr.)
goszem werde gehalten gewest
in hohem Ansehen gehalten wurde
Germanus der altisidorensisch
Germanus von Auxerre (Bischof von Auxerre, ca. 378–448 n. Chr.)
lupus der trecharensisch bischof
Lupus von Troyes (Bischof von Troyes, ca. 383–478 n. Chr.)
Genofeva die iunckfraw reichsznet zu pariss
Genoveva von Paris (Heilige, ca. 422–502 n. Chr.), Schutzpatronin von Paris
Boetius.anitibus.manilibus. severinus
Anicius Manlius Severinus Boethius (römischer Philosoph und Staatsmann, ca. 480–524 n. Chr.)
ratherrlicher erberkeit
von ratsherrlicher Ehrenhaftigkeit, von senatorischem Rang
tochterman des hernach benanten simachi
Schwiegersohn des später genannten Symmachus
arrianischen ketzern
Arianische Ketzer (Anhänger des Arianismus, einer christologischen Lehre, die die Wesensgleichheit von Gott Vater und Gott Sohn leugnete)
nit gehellen wolt
nicht übereinstimmen wollte
nach seim sweher gem papiam zu straff in das ellend verschickt
nach seinem Schwiegervater nach Pavia zur Strafe in die Verbannung geschickt
ellend
Verbannung, Exil
ergetzlichkeit seins gemueets
zur Erquickung/Erheiterung seines Gemütes
sayttenspil erfunden
Saitenspiele (im Sinne von musikalischen Werken oder Instrumenten) erfunden
kaiserthumb iustini des eltern
Kaisertum Justins des Älteren (Justin I., oströmischer Kaiser, reg. 518–527 n. Chr.)
vc.xx.
römisch für 520
papia
Pavia (Italien)
zalbuch der hailligen
Verzeichnis der Heiligen, Heiligenkalender
sant Severinus genant
als Sankt Severinus genannt (Boethius wurde später als Märtyrer verehrt)
Symachus der roemer
Symmachus (Quintus Aurelius Memmius Symmachus, römischer Senator, ca. 440–525 n. Chr., Schwiegervater des Boethius)
wolredner
wohlredender Mann, Redner
argkwons wegen begerter freyheit
aus Argwohn wegen begehrter Freiheit (Verdacht auf Verschwörung gegen Theoderich)
sandbriefbuch
Sendschreibenbuch, Briefsammlung
Die natur frewt sich alweggleicher ding
lat. Similia similibus gaudent – Gleiches freut sich an Gleichem (ein philosophischer Grundsatz)
Bulgentius ein affricus von gepurt ein bischoff zu rupa
Fulgentius von Ruspe (Bischof von Ruspe in Nordafrika, ca. 462–533 n. Chr.)
sardiniam
Sardinien
transimundo dem gem konig wandalorum
Thrasamund (König der Vandalen, reg. 496–523 n. Chr.)
Gennadius der bischof in kriechischer unnd lateinischer zungen erfarnn
Gennadius von Marseille (Priester und Kirchenhistoriker, gest. ca. 496 n. Chr.)
was eim yeden zum hail notturftig list ercleret
was einem jeden zum Heil notwendig ist, klar erklärt
fruchtper erschinen
sehr fruchtbar erschienen, sehr nützlich gewesen
Hegesippus der hohgeler man
Hegesippus (christlicher Schriftsteller des 2. Jahrhunderts, hier möglicherweise eine Verwechslung oder Bezug auf einen anderen Hegesippus)
closterlewten regel beschriben
Klosterleuten Regeln beschrieben (möglicherweise die Benediktinerregel, obwohl Benedikt erst später lebte, oder eine andere frühe Klosterregel)
sant severinis des abbts leben zierlich beschriben
das Leben des Abtes Sankt Severin (Severin von Noricum, ca. 410–482 n. Chr.) zierlich beschrieben
Faustus der bischof bey den galliern
Faustus von Riez (Bischof von Riez in Gallien, ca. 408–490 n. Chr.)
werlt Blat CXLII
Weltchronik, Blatt 142 (Verweis auf die Seitenzahl der Schedelschen Weltchronik)
Ravenna
Ravenna (Italien)
ostrogotischen volck geauffet
vom ostrogotischen Volk erbaut/gefördert
sabino
Sabiner (altitalisches Volk)
Tiberius der kaiser
Kaiser Tiberius (römischer Kaiser, reg. 14–37 n. Chr.)
mawern die noch vorawgen sind umbfangen
Mauern, die noch sichtbar sind, umgeben
gulden port genant
die Goldene Pforte genannt
theodricus der konig gothorum
Theoderich der Große (König der Ostgoten)
gothos ausz tracia komende
Goten, aus Thrakien kommend
hab unnd gueettern beweget
Habe und Gütern bewegte (mit sich führte)
odoacrum
Odoaker (germanischer Heerführer, der 476 den letzten weströmischen Kaiser absetzte und König von Italien wurde, gest. 493 n. Chr.)
belegert
belagert
verzohe
verzögerte, dauerte
gestadt des meers
Küste des Meeres
vomm lannd wartz hinein
vom Land her hinein
fluss pado
Fluss Po
wasserpfuetschen
Wasserpfützen, Sümpfe
schier drey iar
fast drei Jahre
fueroan gefuerdert und geauffet haben
fortan gefördert und erbaut haben
welchen lands
welchen Landes (hier: aller Länder)
dalmacien
Dalmatien
hungern
Ungarn
teutschs lands
Deutschland
gallie
Gallien
on zwayviertzig iar
ohne zweiundvierzig Jahre (d.h. über 42 Jahre)
hoher gepew
hohe Gebäude
gedechtnus werck von alamasuntha seiner tochter auszerhalb der zinnen gesetzt
Gedächtniswerk (Mausoleum) von Amalasuntha (Tochter Theoderichs) außerhalb der Zinnen (der Stadtmauern) gesetzt (Bezug auf das Mausoleum Theoderichs in Ravenna)
symbeln oder rotunden
Symbol oder Rotunde (Bezug auf die Form des Mausoleums oder einer anderen Kirche)
xx.
römisch für 20
eim einigen gantzen rotunden stayn bedecket werden
von einem einzigen ganzen runden Stein bedeckt werden (Bezug auf die Kuppel des Mausoleums Theoderichs)
Valentinianus der kaiser
Kaiser Valentinian (möglicherweise Valentinian III., weströmischer Kaiser, reg. 425–455 n. Chr., oder eine Verwechslung)
xxx.
römisch für 30
stuol der roemer exarchorum
Sitz der römischen Exarchen (Exarchat von Ravenna, eine byzantinische Verwaltungseinheit in Italien)
nwmaln dem Venedigischen rat undertenig
nunmehr dem venezianischen Rat untertänig (Ravenna kam im 15. Jahrhundert unter venezianische Herrschaft)
appollinarem
Apollinaris (Heiliger Apollinaris von Ravenna, erster Bischof von Ravenna)
vitalem
Vitalis (Heiliger Vitalis von Ravenna, Märtyrer)
gervasium unnd prothasium
Gervasius und Protasius (Märtyrer, Söhne des Vitalis)
Anch urcinum den artzt
Auch Ursinus den Arzt
mit marter bekroenet
mit dem Märtyrertod gekrönt
babst iohannem den.xvij.
Papst Johannes XVII. (reg. 1003 n. Chr., hier eine chronologische Ungenauigkeit, da der Text das 6. Jahrhundert behandelt)
Petrum den foricornelischen bischoff
Petrus, den Bischof von Forocornelio (Imola)
cassiodorum den roemischen ratherrnn und beschreiber der sandbrieff der orstogotischen konig
Cassiodorus (Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus Senator, römischer Staatsmann und Schriftsteller, ca. 485–585 n. Chr., diente den ostgotischen Königen)
guilielmum den artzt
Wilhelm den Arzt
petrus paulus vergerius
Pietro Paolo Vergerio (italienischer Humanist und Reformator, 1498–1565 n. Chr., hier eine chronologische Ungenauigkeit, da er viel später lebte)
freuentlichsten und bekantisten menschen
freundlichsten und bekanntesten Menschen