Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter DAs drit aurelianisch concili wardt diser zeit ausz gescheft des konigs clodovei fuergenomen. Das soll sanctus mellanius gesamelt haben. So sollen auch in derselben stat vier andere concili versamelt gewesen seyen nach anzaigen des gastlichen rechtens den gelerten wiszende. ARturus der brittannischer konig hat diser zeit (als man sagt) das konigreich empfangen. Diser wz ein weitberuembt streithaftig und fast starcker man. der het das allerschoenst pantzer als eim solchen konig wol gezimet. unnd auff seinem hawbt einen guldein helm darinn ein dragk gegraben was. Er hiesze ime einen guldein schilt vorfueren darinn was das pild der gepererin gottes gemalet. das er sie alweg als ein fuersprecherin zu allen sachen in gedechtnus haben moecht. Auch ein lange und prayte lantzen die muost man wo er gieng mit ime tragen. Er soll auch ein schwert gehabt und gefueert haben mit dem er vierhundert und sechtzig man hab erschlagen in eim streit. Sie sagen diser sey gar ein guet cristenlich man und ein merer cristenlichs glawbens gewesen und habvil konigreich erkriegt unnd erobert. Zuletst als er in eim streyt vil feind ernidergelegt het do wardt auch er verwundet und in ein innsel gefueert unnd daselbst verzuckt das er nindert erschine. unnd man sagt von den brittanniern das sie desselben irs konigs widerkunft nochmaln bis auff dise zeit warten. CAssiodorus von ravenna ein hohgelert man ist diser zeit von seiner beruembten lere wegen in groszer achtung gewest. Er was erstlich ein roemischer rattherr. darnach ausz beruerung des heiligen gaists verliesz er die werlt und ergabe sich in ein closterlich leben. Aber dauor was er theodrici des konigs welscherland cantzler und schribe in desselben konigs namen vil sandbrieff an mancherlay person von wertlichen gescheften und hendeln. Er hat auch zu ubung der verstentnns den psalter vernemlich auszgelegt. und darnach von bebsten und kaisern und sunderlich vil von den konig theodato seinem zeitgeferten in einer cronica geschriben und sunst auch ein buch gemacht von der vernunft der sele und anders. PRistianus der hohgelert man unn philozophus von cesaria in kriechischer und lateinischer zungen hoher farnn hat zu diser zeit zu constantinopel gereichsznet. unnd als er ein fuerst allergelerter in der ersten freyen kunst grammatica genant gehalten wardt. Also hat er in derselben kunst vil nutzlicher bueechlein zu lere und underweisung der ihenen die das gezuenh des lateins zebegreiffen begeren und sunst ander treffenlich schrift gemacht ARator der heilligen roemischen kirchen cardinal unn gekroenter poet ist diser zeit in wundersamem ruom seiner kunst gewest und hat under andern wercken seiner sinnreichigkeit unnd craft die geschihten der appostell in gepundem getichte. unn anders meer zierlich beschriben. BRandanus der heillig abbt zu hibernia ist diser zeit von sunderer seiner heilligkeit und lere wegen in groszen werde gehalten. und ein vater dreyertawsent clostermann gewest. von dem vil wunderperlichs dings geschriben wirdt. SIdomus appollinaris wardt ausz eim verweser oder vogt zu eim bischoff. Er was nach wertlicher erberkeit fast edel und in schriftlicher lere ein wolgeuebter und erfarner man unnd hat vil schwerer sendbrieff gemacht. BRigida die heillig iunckfraw in schotten land von cristenlichen unn edeln eltern geporn hat zu der zeit des kaiserthumbs iustini des eltern an heilligkeit und wunderwercken geschinen. dann sie was von kintheit auff zu guoten tugentreichen dingen. unn sunderlich zu zuechtigkeit. geschemigkeit. nuechterheit und massigkeit gantz gefliszen. Sie wardt eins mals von irer muter auszgesend puttern und kueemilch zesameln. das raichet sie den armen. do ir mutter die puttern forderet fiel sie in ir gepete do het sie mer dann die andern ir mitarbeitterin. Als ire eltern sie verheyraten wolten do geloben sie got dem herren ir iunckfrewliche kron. Auff ein zeit der arent oder des schnitts vberschwemmet der regen dz ganzt land. allain in iren schnitt fiel nit ein tropf wassers. Sie hat wasser zu pier. stain zu saltz gemachet. Einen plind gepornen erleuechtet unn sunst vil ander wunderzaichen gewuercket. der werlt Blat CXLIIII BEnedictus der abbt ein walch unnd vater aller closterlewt hat zu diser zeit die zerstrewten closterlewt zusamen gesamelt und inen ausz erleuechtung des heilligen gaists ein ordenlichs leben gesetzt. Diser Benedictus ist geporn ausz edelm geschlecht in dem land der statt nursie. die dann an freyheit vnd zuuoran von disem heilligen Benedicto hohberuembt vnnd namhaftig ist. daselbst hat er sein leben in guotten sitten schickende sein gemueet zu keiner wollustperkeit gegeben. Darnach ward er gein rom zu der lernung freyer kunst vnd schrift gesendet. Als er aber mercket dz vil menschen in denselben koensten zuo verlaytung vnd irrthumb wanderten. do zohe er den fuoesz den er schier in die werlt gesetzt het pald herwider. also nach verachter lernung der schrift vnd nach verlassung vaterlichs hawsz. habe und guotter in begirde allain gott zegefallen wonet er ettliche zeit vnbekanter an wueesten aynoeden oertern. DIser Benedictus ein man gottes kom an ein ende.xlm.schrit von rom gelegen vnd enthielt sich in einer engen hoeln drey iar das weszt kein mensch dann allain ein muench genant romanus. daselbst fueeret er ein fast gestrengs vnd harts leben in mancherlay anfechtung. das alles blib von ime vnuerschwigen. Diser alallerheilligst man was vnder andern gaben seiner tugent mit eim weissagenden gaist erleuechtet ausz dem er vil kunftiger vnd verborgner ding offenbaret. Do totila der koenig ostrogothorum von diss mans tugent vnd craft hoeret sagen do wolt er sein heilligkeit erfarnn vnd tet knechtszklaider an vnd klaidet seinen knecht mit konigclichem klaid. Aber Benedictus erkennet ausz seiner weiszheit den konig in knechts klaydern vnd forderet denselben konig zu ime in das closter vnd verkundet ime wz ime kunftig was. vnd sprach du wirdst newn iar regiren vnd in dem zeheden sterben. darumb het ine der koenig in hoher erewirdigkeit. Benedictus hat auch sunst viel andere zaichen der heiligkeit bewisen. sunderlich mit eim glasz darein ime die brueder gift gemischt hetten. darueber machet er das zaichen des creuetzs vnd das glas zerbrach. Zu letst starb er seligclich im iar des hayls.vc.xxxvi. DEr orden sant Benedictem brueeder hat seinen ursprung gehabt nit verr von aquino abrucij der state auff dem berg cassino da ettwen die statt cassina gewesen was. vnnd darnach in der gantzen werlt das beruembtst closter cassinuz gepawt worden ist. Der heillig benedictus hat nach auffrichtung diss closters den closterlewten erster ein regel grund form vnd weisze zeleben gegeben. wiewol vil abgeschaidner lewt vor ime gewesen sind. Dann als diser heillig man lanzeit in der anyoede an tugenten vnd zaichen leuechtet do versamelten sich vil lewt von goetlichs diensts wegen zu ime. also das er fueran.xij closter pawet vnd mit cloesterlewten besetzet. Darnach samelet er vil iunger. mit deselben hillf erobret er schier die ganzten werlt. Ausz diss heilligen mans hohscheyn perm orden sind vil heilliger vnd hohgelerter mann entstanden. vnd wievol er dise regel erstlich den schwartzen closter lewten gegeben hat. so haben doch darnach ettlich ander die selben regel auch angenomen. Ausz diss allerhailigsten mans orden sollen hergefloszen sein.xxiiij.bebst.c.lxxxiij.cardinals.tawsent.iiijc.lxiiij.ertzbischoff vnd bischoff.xvm.vnn.lxx.treffenlich abbt.vnd (als babst iohannes der.xxij.schreibt)vm.vc.lv.canonisirter unn erhebter muench. SColastica sannt Benedicten schwester was von kintheit auff got ergeben. Ir bruder besuchet sie bede eins tags in gotes lob unn heilligem gekoese die zeit bis an die nacht verzogen hetten vnn er nach empfangner speisz wider zum closter wolte do bate ine sein schwester die heillig closterfraw lenger bey ir zebleiben vnd von frewden des himlischen lebens mit ir zereden. vnd do er sprach das er ausz der zell nit blieben wolt. do kom ausz erwerbung scolastice ein solcher regen vnn vngewitter das er mit seinen bruedern die fueesz ausz der lettigen erden nit ziehen mocht. Also rezereten sie die gantzen nacht vngeschlaffen mit heilligem gekoesze von geistlichem leben. An dem nachfolgenden tag zohe er heim in sein closter. Also nach dreyen tagen als er in seiner seine awgen aufhuob do sahe er seiner schwester sele vomm leib in gestalt einer tawben auff in die himel farnn.
Das sechste Zeitalter. Das dritte aurelianische Konzil wurde zu dieser Zeit auf Betreiben König Chlodwigs unternommen. Das soll der heilige Mellanius versammelt haben. Es sollen auch in derselben Stadt vier weitere Konzilien versammelt gewesen sein, wie es die Gelehrten aus den Aufzeichnungen des Kirchenrechts wissen. König Artus von Britannien hat zu dieser Zeit (wie man sagt) das Königreich empfangen. Dieser war ein weitberühmter, streitbarer und sehr starker Mann. Er hatte die schönste Rüstung, wie es einem solchen König wohl geziemte, und auf seinem Haupt einen goldenen Helm, in den ein Drache eingegraben war. Er ließ sich einen goldenen Schild vorantragen, auf dem das Bild der Gottesmutter gemalt war, damit er sie stets als Fürsprecherin in allen Angelegenheiten in Erinnerung haben möge. Auch eine lange und breite Lanze, die musste man, wo er ging, mit ihm tragen. Er soll auch ein Schwert gehabt und geführt haben, mit dem er vierhundertsechzig Mann in einem Kampf erschlagen haben soll. Man sagt, dieser sei ein sehr guter christlicher Mann und ein Förderer des christlichen Glaubens gewesen und habe viele Königreiche erkämpft und erobert. Zuletzt, als er in einem Kampf viele Feinde niedergemacht hatte, wurde auch er verwundet und auf eine Insel gebracht und dort entrückt, sodass er nirgends mehr erschien. Und man sagt von den Britanniern, dass sie die Wiederkehr ihres Königs noch bis auf diese Zeit erwarten. Cassiodorus von Ravenna, ein hochgelehrter Mann, war zu dieser Zeit wegen seiner berühmten Lehre in großer Achtung. Er war zuerst ein römischer Ratsherr. Danach verließ er, durch die Berührung des Heiligen Geistes, die Welt und ergab sich einem klösterlichen Leben. Doch zuvor war er Kanzler König Theoderichs von Welschland und schrieb im Namen desselben Königs viele Sendschreiben an mancherlei Personen über weltliche Geschäfte und Händel. Er hat auch zur Übung des Verständnisses den Psalter verständlich ausgelegt und danach über Päpste und Kaiser und besonders viel über König Theodahad, seinen Zeitgenossen, in einer Chronik geschrieben und sonst auch ein Buch über die Vernunft der Seele und anderes gemacht. Priscianus, der hochgelehrte Mann und Philosoph aus Caesarea, in griechischer und lateinischer Zunge hoch erfahren, hat zu dieser Zeit zu Konstantinopel gelehrt, und da er als ein Fürst aller Gelehrten in der ersten freien Kunst, genannt Grammatik, angesehen wurde, so hat er in derselben Kunst viele nützliche Büchlein zur Lehre und Unterweisung derer, die das Wesen des Lateins zu begreifen begehren, und sonst andere treffliche Schriften verfasst. Arator, Kardinal der heiligen römischen Kirche und gekrönter Poet, war zu dieser Zeit in wundersamem Ruhm seiner Kunst und hat unter anderen Werken seiner Sinnreichigkeit und Kraft die Geschichten der Apostel in gebundener Dichtung und anderes mehr zierlich beschrieben. Brandanus, der heilige Abt in Hibernia, wurde zu dieser Zeit wegen seiner besonderen Heiligkeit und Lehre in großer Ehre gehalten und war ein Vater von dreitausend Klostermännern, von dem viel Wunderbares geschrieben wird. Sidonius Apollinaris wurde aus einem Verwalter oder Vogt zu einem Bischof. Er war nach weltlicher Herkunft sehr edel und in schriftlicher Lehre ein wohlgeübter und erfahrener Mann und hat viele gewichtige Sendschreiben verfasst. Brigida, die heilige Jungfrau im Schottenland, von christlichen und edlen Eltern geboren, hat zur Zeit des Kaisertums Justins des Älteren an Heiligkeit und Wunderwerken geglänzt, denn sie war von Kindheit an zu guten, tugendreichen Dingen und besonders zu Züchtigkeit, Bescheidenheit, Nüchternheit und Mäßigkeit ganz beflissen. Sie wurde einmal von ihrer Mutter ausgesandt, Butter und Kuhmilch zu sammeln; das reichte sie den Armen. Als ihre Mutter die Butter forderte, verfiel sie ins Gebet, und da hatte sie mehr als ihre anderen Mitarbeiterinnen. Als ihre Eltern sie verheiraten wollten, da gelobte sie Gott dem Herrn ihre jungfräuliche Krone. Einst, zur Zeit der Ernte oder des Schnitts, überschwemmte der Regen das ganze Land; allein in ihrem Schnitt fiel kein Tropfen Wassers. Sie hat Wasser zu Bier, Stein zu Salz gemacht, einen blind Geborenen erleuchtet und sonst viele andere Wunderzeichen gewirkt. Der Welt Blatt 144. Benedikt, der Abt, ein Welscher und Vater aller Klosterleute, hat zu dieser Zeit die zerstreuten Klosterleute zusammen gesammelt und ihnen aus Erleuchtung des Heiligen Geistes ein ordentliches Leben gesetzt. Dieser Benedikt ist aus edlem Geschlecht im Land der Stadt Nursia geboren, die dann an Freiheit und zuvor von diesem heiligen Benedikt hochberühmt und namhaft ist. Daselbst hat er sein Leben in guten Sitten geführt, sein Gemüt keiner Wollust hingegeben. Danach wurde er nach Rom zur Erlernung freier Künste und Schriften gesandt. Als er aber merkte, dass viele Menschen in denselben Künsten zu Verleitung und Irrtum wanderten, da zog er den Fuß, den er beinahe in die Welt gesetzt hatte, bald wieder zurück. So wohnte er, nach verachteter Erlernung der Schrift und nach Verlassung väterlichen Hauses, Habe und Güter, in Begierde, allein Gott zu gefallen, einige Zeit unbekannt an wüsten, einsamen Orten. Dieser Benedikt, ein Mann Gottes, kam an einen Ort, vierzigtausend Schritte von Rom gelegen, und enthielt sich in einer engen Höhle drei Jahre; das wusste kein Mensch außer allein ein Mönch namens Romanus. Daselbst führte er ein sehr strenges und hartes Leben in mancherlei Anfechtung; das alles blieb von ihm nicht ungesagt. Dieser allerheiligste Mann war unter anderen Gaben seiner Tugend mit einem weissagenden Geist erleuchtet, aus dem er viele zukünftige und verborgene Dinge offenbarte. Als Totila, der König der Ostrogothen, von der Tugend und Kraft dieses Mannes sagen hörte, da wollte er seine Heiligkeit erfahren und zog Knechtskleider an und kleidete seinen Knecht mit königlichem Kleid. Aber Benedikt erkannte aus seiner Weisheit den König in Knechtskleidern und forderte denselben König zu sich ins Kloster und verkündete ihm, was ihm zukünftig war, und sprach: „Du wirst neun Jahre regieren und im zehnten sterben.“ Darum hielt ihn der König in hoher Ehrerbietung. Benedikt hat auch sonst viele andere Zeichen der Heiligkeit bewiesen, besonders mit einem Glas, darein ihm die Brüder Gift gemischt hatten. Darüber machte er das Zeichen des Kreuzes, und das Glas zerbrach. Zuletzt starb er seliglich im Jahr des Heils 536. Der Orden der Brüder des heiligen Benedikt hat seinen Ursprung nicht fern von Aquino in den Abruzzen, auf dem Berg Cassino, wo einst die Stadt Cassina gewesen war, und danach in der ganzen Welt das berühmteste Kloster Cassinum gebaut worden ist. Der heilige Benedikt hat nach Errichtung dieses Klosters den Klosterleuten zuerst eine Regel, Grundform und Weise zu leben gegeben, obwohl viele abgesonderte Leute vor ihm gewesen sind. Denn als dieser heilige Mann lange Zeit in der Einöde an Tugenden und Zeichen leuchtete, da versammelten sich viele Leute wegen des göttlichen Dienstes zu ihm, sodass er zwölf Klöster baute und mit Klosterleuten besetzte. Danach sammelte er viele Jünger. Mit derselben Hilfe eroberte er schi