Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter BOnifacius der ander ein roemer ist nach felix dieweil dre kaiser iustinianus regiret babst gewesen. unn (als etlich sagen) nit on gezengk vnn zwaynng erkorn worden dann dioscordus wardt an babsts felix stat erwelt. Aber die pfafheit in diser aufruor xxviij.tag bekuemmert wardt zu letst durch absterben dioscon dauon wider erledigt Diser bonifacius ordnet das nymant imeselbs einichen nachkomen in bischoflicher wirdigkeit erwelen solt. das dann darnach vil bebst bestettigt haben. Item er setzet das nach abgang eins babsts amm dritten tag wo es geschehen moecht ein ander gesetzt solt werden. Item er sunderet das volck von der pfafheit. so die goetlichen ambt gehandelt wurden. Er verpote auch das ein bischof weder in burgerlichen noch peynlichen sachen fuer einen werltlichen richter gefordert werden moe. Er starb als er zway iar zwen tag geseszen wz vnd der stuool ruoet deszmals zwen monat. Jar der werlt.vm. vijc. xxiij. Jar christi. vc. xxiiij IOhannes der ander ein roemer was ein babst bey kaiser iustiniani zeiten. der hat in anfang seins babstthumbs den bischof anthimuz vin abfals wegen in die arrianischen ketzerey verdambt. Der kaiser iustinianus in willen den roemischen stuol zeeren hat deszmals zwen bischof mit gaben gein rom gesendet son seinen wegen den roemischen babst damit zegrueszen. vnd dieselben gabe sant peters tempel zeopffern. Nemelich einen gildein kopf mit edelm gestain von sechs pfunden. Diser Iohannes (von dem die geschichtbeschreyber wenig setzen)starb als er.ij.iar. vnd.iiij.monat geseszen was vnd der stuol feyret sechs tag. AGapitus ein roemer wardt zu babst gemacht vnd von stundan von dem konig theodato zu dem kaiser iustiniano gesendet zestillen seinen zorn den er vber theodatum het darumb das er amalsiuntham des konigs athalarici muter zeverschiken vnnd zeertoedten het verfueget. Als aber agapitus vomm kaiser erlich empfangen wardt vnd fride erworben het do wardt er vomm kaiser angesunnen die euticianischen wone vnd maynung zebestettigen. do aber der heillig man sich des widersetzet do field der kaiser gein ime in bedroung. Do sprach agapitus ich hab mir gewuenscht zu dem allercristenlichsten kaiser iustiniano zekomen so hab ich dioclecianum gefunden der ein wissentlicher feint der cristen gewest ist. Ausz solcher freyer rede vnd goetlichem geschicke wardt iustininianus bewegt dz er den recht cristenlichen glawben anname vnd anthimum den constantinopolitanischen bischoff vnnd beschuetzer der euticianischen ketzerey auszgetribe vnnd einen andern recht cristenlichen man an sein stat setzet. den diser Agapitus weyhet. vnnd vnlanng darnach zu Constantinopel starb als er xi. monat.xix.tag geseszen was. Jar der werlt. vm. vijc. xxxiiij. Jar christi. vc. xxxiiij. SIlucrius ausz campania wardt ausz gehaisze oder gepote des konigs theodati zu babst geschoepft. wiewol solchs dauor nit ausz koniglichem sunder kaiserlichem gewalt beschahe. aber die bedroung des konigs fuertraffe die vernunft vnnd redlichen vrsach des gesetzs. dann er droet der pfafheit den tod ausz anwegung Vigilij des roemischen diacons vnd schatzmaisters gepote. Theodora die kaiserin siluerio den babst bey bedroung mennam den constantinopolitanischen bischoff zeuertreiben vnd anthimuz herwider zeberuoffen. des widersetzet er sich. do schub die kaiserin den herfuerer belizario den siluerium auszzestoszen vnd vigilium an sein stat zesetzen belizarius mit kriegs hendeln bekuemmert befalhe die sach anthomme seim weib. do bestellet vigilius ettlich zeuegen die beschuldigten siluerium das er die statt rom het woellen verraten. demnach wardt siluerius gezwungen sich des babstthumbs zeuerzeihen vnd ein closterlich leben anzenemen. Der wardt in ellend verschickt vnd starb nit on wone der heiligkeit als er ein iar.v.monat.xij.tag geseszen was. Vigilius der roemer wardt zu der zeit iustiniani zu babst erwelt.an den begeret die kaiserin theodora gein constantinopel zeziehen vnd anthemiuz wider einzesetzen. do er sich des wideret wardt er gein constantinopel gefuert vnd darumb also hart geschlagen das er schier gestorben wer vnd an eim strick durch die gantzen stat bis zu vesperzeit vmbegezogen. darnach in einen kercker gelegt vnnd ettwielang mit prot vnd wasser gehelligt. also gedultigclich das er alweg sprach sich noch ergers verschuldet haben wo er mit gepurlicher straff gepeinigt werden solt. Nachfolgend wardt er herwider berueft vnd starbt als er.xvij.iar.vi.monat.xxvi.tag geseszen wz Blat CXLV der werlt IVstinianus der schwester iustini sun. der roemischen kaiser der groeßist hat das kaiserlich fuerstenthumb erlangt. vnn alszpald nach empfahung kaiserlicher oberkeit sein gemueet zu widerbringung des stands gemayns nutzs gekert. vnnd das Roemisch kaiserthumb in gluocklicher zufelligkeit geregiret. vnnd nit allain kriegszhenndel gluecklich gefueert. sunder ist auch in sittlichen burgerlichen sachen vn gescheften wundertatig gewest. dann er hat durch belizarium den groszen man die persier kreftigclich ernidergelegt. Das volck wandalorum mit irem Konig Golifinero abgetilgt. vnn gantz affricam (die.xcvi.iar vomm roemischen reich entwenndt gewesen was) wider an das reich gebracht. vnd widerumb mit kreften des vorgenanten belizarij der gothier volck in welschem land vberwunden. vnd vitigem iren kuenig gefangen. vnnd das volck maurorum vnd iren konig attilaz mit wunderperlicher kreft vnd sterck niderworffen. vnd gleicherweisz auch andere voelcker mit krieg bewzungen. Diser kaiser hat auch in der stat constantinopel den herrn. der do ist die weiszheyt gotes des vater einen tempel gepawt vnnd den nach kriechischer sprach Agiam sophiam. das ist die heilligen weiszheit genennt. Dess gepew alle andre also vbertrift das an allen oertternn des ertreichs seins gleichen nit gefunden werden moecht. Diser kaiser was ein rechtglawbig man. in wercken rechtfertig. in gerichten vnn vrteiln auffrichtig darumb bekomen im alle sein ding zu guoten. Er hat als ein synnreich man mit rat vnn fleisz ettlicher treffenlicher hohgelerter mann dz grosz vnermessen meer der rechtbuecher. der vber.qm in zerruedter vndordnung zerstrewet warnn in ein klaine anzal buecher gebracht. vnnd vil miszhelliger gesetze in gleich lawt gezogen. Als er. xxxviij.iar geregirt het starb er zu constantinopel ein man groszer vnd goetlicher sinnreichigkeit. DAs funft concili zu Constantinopel gehalten ausz gescheft des babsts agapiti vnd des kaisers iustiniani vorlangst angefangen. hat sich zu der zeit vigilij des babsts. imm iar des hails. vc.xxxviij. geendet. wider theodorum. vnd alle ketzer. die do hielten das die allerseligst iunckfraw maria allain menschen vnnd nicht got vnn menschen geporn het. In demselben concili wardt gesetzt das die selig iunckfraw Maria ein muter gottes solt genant werden. das sie vnns mit irer geperung got geporn het. Alda warden.xiiij. capittel der verfluchung wider die lesterung theori vnd seiner gesellen beschriben. BElizarius ein man ratherlicher erberkeit. gestreng in waffen. ein fuerer des kriegs von dem kayser iustiniano mit groszer menig geordnet hat erstlich die persier die die roemischen gegent schwerlich beschedigten angegriffen vnd mit groszen streitten ernidergelegt. vnd ist mit willen des kaisers zu constantinopel triumphirende eingezogen. Diser Belizarius wardt von iustiniano dem kasier gein affricaz. die das volck wandalorum vil iar beseszen hetten mit eim heer geschickt. Der hat eylends mit den wandalischen einen streyt getan inen vil volcks nidergeworffen. iren konig Gelisinerum gefangen vnnd gein constantinopel gesendt. vnnd die statt carthago wider an das reich gebracht. Darnach wardt diser von vil streyten hohberuembt Belizarius von iustiniano wider den konig theodatum geschickt welsche land van der dienstperkeit der gothier zeerledigen. Dieweil nw Belizarius ettliche zeit in sicilia verzohe do starb der gothier konig theodatus. an desselben stat kome einer genant vitigis. wider denselben verfueeret belizarius den angefengten krieg. ausz sicilia in campaniam ziehende gein neapolis. die eroberet er mit gewalt. ertoedtet vil lewt keins alters. noch iugent noch weiplicher person verschonende. von dannen eylet er gein Rom da fluhen die Gothier die daselbst warnn bey nacht herausz vnnd lieszen die thor offen vnnd zohen eylent in die statt rauenna. Als aber belizarius maynet das der konig vitigis mit groszer heers craft fuer rom ziehen wurd do bewaret er alleweil die statt mit mawr schuettwer vnd graben in groszer eyle. Nw kom der konig vitigis wol mit hundert tausent menschen. Als aber belizarius die statt lenger dann iar vnd tag beschuetzt het do entschloss er sich mit vitige vnd seinem heer zeschlahen Aber vitigis wolt sein nit erharren sunder fluhe gein rauenna. dem eylet belizarius nach vnd fienge ine in der statt vnnd fueeret ine gein constantinopel im funften iar seiner zukunft in welsche lannd
Das sechste Zeitalter. Bonifatius der Zweite, ein Römer, war nach Felix Papst, während Kaiser Justinian regierte, und (wie einige sagen) nicht ohne Streit und Zwang gewählt worden, denn Dioscorus wurde anstelle von Papst Felix erwählt. Doch die Priesterschaft, in dieser Aufruhr achtundzwanzig Tage lang beunruhigt, wurde zuletzt durch das Absterben Dioscorus' davon wieder befreit. Dieser Bonifatius ordnete an, dass niemand sich selbst einen Nachfolger in bischöflicher Würde erwählen sollte, was dann danach viele Päpste bestätigt haben. Ebenso setzte er fest, dass nach dem Abgang eines Papstes am dritten Tag, wo es geschehen mochte, ein anderer eingesetzt werden sollte. Des Weiteren trennte er das Volk von der Priesterschaft, wenn die göttlichen Ämter abgehalten wurden. Er verbot auch, dass ein Bischof weder in bürgerlichen noch in peinlichen Sachen vor einen weltlichen Richter gefordert werden möge. Er starb, als er zwei Jahre und zwei Tage im Amt gewesen war, und der Stuhl ruhte damals zwei Monate. Jahr der Welt 5723. Jahr Christi 524. Johannes der Zweite, ein Römer, war ein Papst zu Zeiten Kaiser Justinians. Dieser hat zu Beginn seines Papsttums den Bischof Anthimus wegen Abfalls in die arianische Ketzerei verdammt. Kaiser Justinian, in dem Willen, den römischen Stuhl zu ehren, hat damals zwei Bischöfe mit Gaben nach Rom gesandt, um in seinem Namen den römischen Papst damit zu grüßen und dieselben Gaben dem Tempel des heiligen Petrus zu opfern, nämlich einen goldenen Kopf mit edlem Gestein von sechs Pfund. Dieser Johannes (von dem die Geschichtsschreiber wenig berichten) starb, als er zwei Jahre und vier Monate im Amt gewesen war, und der Stuhl ruhte sechs Tage. Agapitus, ein Römer, wurde zum Papst gemacht und sogleich vom König Theodahad zu Kaiser Justinian gesandt, um dessen Zorn zu stillen, den er über Theodahad hatte, weil dieser Amalasuntha, die Mutter des Königs Athalarich, hatte verschicken und töten lassen. Als aber Agapitus vom Kaiser ehrenvoll empfangen wurde und Frieden erworben hatte, da wurde er vom Kaiser aufgefordert, die eutychianischen Gewohnheiten und Meinungen zu bestätigen. Als sich aber der heilige Mann dem widersetzte, da fiel der Kaiser ihm gegenüber in Bedrohung. Da sprach Agapitus: „Ich habe mir gewünscht, zu dem allerchristlichsten Kaiser Justinian zu kommen, so habe ich Diokletian gefunden, der ein wissentlicher Feind der Christen gewesen ist.“ Aus solcher freier Rede und göttlichem Geschick wurde Justinian bewegt, dass er den recht christlichen Glauben annahm und Anthimus, den konstantinopolitanischen Bischof und Beschützer der eutychianischen Ketzerei, austrieb und einen anderen recht christlichen Mann an seine Stelle setzte, den dieser Agapitus weihte. Und unlängst danach starb er zu Konstantinopel, als er elf Monate und neunzehn Tage im Amt gewesen war. Jahr der Welt 5734. Jahr Christi 534. Silverius aus Kampanien wurde auf Geheiß oder Befehl des Königs Theodahad zum Papst erhoben, wiewohl solches zuvor nicht aus königlicher, sondern kaiserlicher Gewalt geschah. Aber die Bedrohung des Königs übertraf die Vernunft und die redlichen Gründe des Gesetzes, denn er drohte der Priesterschaft den Tod an, auf Anregung des Vigilius, des römischen Diakons und Schatzmeisters. Theodora, die Kaiserin, befahl Papst Silverius unter Drohungen, Menas, den konstantinopolitanischen Bischof, zu vertreiben und Anthimus wieder zurückzurufen. Dem widersetzte er sich. Da schob die Kaiserin den Heerführer Belisar vor, Silverius abzusetzen und Vigilius an seine Stelle zu setzen. Belisar, mit Kriegsangelegenheiten beschäftigt, befahl die Sache seiner Frau Antonina. Da bestellte Vigilius etliche Zeugen, die Silverius beschuldigten, dass er die Stadt Rom hätte verraten wollen. Demnach wurde Silverius gezwungen, sich des Papsttums zu entäußern und ein klösterliches Leben anzunehmen. Er wurde ins Exil geschickt und starb nicht ohne den Ruf der Heiligkeit, als er ein Jahr, fünf Monate und zwölf Tage im Amt gewesen war. Vigilius, der Römer, wurde zu der Zeit Justinians zum Papst erwählt. An ihn begehrte die Kaiserin Theodora, nach Konstantinopel zu ziehen und Anthimus wieder einzusetzen. Als er sich dem widersetzte, wurde er nach Konstantinopel geführt und darum so hart geschlagen, dass er beinahe gestorben wäre, und an einem Strick durch die ganze Stadt bis zur Vesperzeit umhergezogen. Danach in einen Kerker gelegt und etliche Zeit mit Brot und Wasser gepeinigt, so geduldig, dass er stets sprach, sich noch Schlimmeres verschuldet zu haben, wenn er mit gebührender Strafe gepeinigt werden sollte. Nachfolgend wurde er wieder berufen und starb, als er siebzehn Jahre, sechs Monate und sechsundzwanzig Tage im Amt gewesen war. Blatt 145 der Welt. Justinian, der Sohn der Schwester Justins, der größte römische Kaiser, hat das kaiserliche Fürstentum erlangt und alsbald nach Empfang der kaiserlichen Oberherrschaft sein Gemüt zur Wiederherstellung des Gemeinwohls gekehrt und das Römische Kaisertum in glücklicher Fügung regiert. Und nicht allein Kriegsangelegenheiten glücklich geführt, sondern ist auch in sittlichen, bürgerlichen Sachen und Geschäften wundertätig gewesen. Denn er hat durch Belisar, den großen Mann, die Perser kräftiglich niedergeworfen. Das Volk der Vandalen mit ihrem König Gelimer ausgerottet und ganz Afrika (das 96 Jahre vom römischen Reich entfremdet gewesen war) wieder an das Reich gebracht. Und wiederum mit Kräften des vorgenannten Belisar das Volk der Goten im welschen Land überwunden und Vitiges, ihren König, gefangen. Und das Volk der Mauren und ihren König Antalas mit wunderbarer Kraft und Stärke niedergeworfen und gleichermaßen auch andere Völker mit Krieg bezwungen. Dieser Kaiser hat auch in der Stadt Konstantinopel dem Herrn, der da ist die Weisheit Gottes des Vaters, einen Tempel gebaut und ihn nach griechischer Sprache Hagia Sophia, das ist die Heilige Weisheit, genannt. Dessen Bau alle anderen so übertrifft, dass an allen Orten der Erde seinesgleichen nicht gefunden werden möchte. Dieser Kaiser war ein rechtgläubiger Mann, in Werken gerecht, in Gerichten und Urteilen aufrichtig, darum gerieten ihm alle seine Dinge zum Guten. Er hat als ein sinnreicher Mann mit Rat und Fleiß etlicher trefflicher hochgelehrter Männer das große, unermessliche Meer der Rechtsbücher, die über 100.000 in zerrütteter Unordnung zerstreut waren, in eine kleine Anzahl Bücher gebracht und viele misshellige Gesetze in gleichem Wortlaut zusammengefasst. Als er 38 Jahre regiert hatte, starb er zu Konstantinopel, ein Mann großer und göttlicher Sinnreichigkeit. Das fünfte Konzil zu Konstantinopel, das auf Betreiben des Papstes Agapitus und des Kaisers Justinian vorlängst angefangen hatte, hat sich zur Zeit des Papstes Vigilius im Jahr des Heils 538 geendet, wider Theodor und alle Ketzer, die da hielten, dass die allerseligste Jungfrau Maria allein einen Menschen und nicht Gott und Menschen geboren hätte. In demselben Konzil wurde gesetzt, dass die selige Jungfrau Maria eine Mutter Gottes genannt werden sollte, dass sie uns mit ihrer Geburt Gott geboren hätte. Dort wurden 14 Kapitel der Verfluchung wider die Lästerung Theodors und seiner Gesellen beschrieben. Belisar, ein Mann ritterlicher Ehrbarkeit, gestreng in Waffen, ein Führer des Krieges von