Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter ALboinus der.xi.konig longobardorum wardt mit allem seinem volck ausz pannonia in welsche land als in ein fruchtperere vnn weidreiche gegent zekomen von narsete gefordert vnn darauff bewegt dz er mit allen longobardis. mannen. weibern. iren kindern vnd vihe durch syrmium vnd foriaul in welsch land mit auszerklawbtem heer gerayset. die gantzen venediginischen gegent erstlich eingenomen. vnd darnach in Insubriam ziehende die statt mayland mit gewalt erobert vnd verheeret. papiam drey iar belegert vnd zu letst gewunen vnn sich fueroan gein verona gefueeget vnn daselbst einen stuol des gantzen koenigreichs auffgericht hat. In derselben statt het alboinus sein weib die konigin rosumundam. auch sein schatz vnd allen konigclichen hawszrat. Als nw diss volck in wunn vnd freueden schwebet vnn also nach seiner vnart solche freued in wirtschaft vnnd trunckheit mit zutrincken vermischet do truncke der konig einsmals auch in solchen wirtschaften ausz eim becher gemacht von der hirnschaln seins schwehers gamundi den er dauor in pannonia ertoedt het. Vnd al aber der konig des weins zeuil vnbeschaidenlich in sich geschoepft het also das er froelich. oder (aigetlich zereden) absinnig wardt do schicket er seiner gemahel der koenigin denselben becher vol guts weins. das empfieng die fraw so hoh zu hertzen das sie ir in derselben stund fuersetzet die belachung vnd hoenung irs vaters hinschaln mit irs mans todt zerechen. vnnd fieng den handel also an. Helmechildis em edler ritterlicher vnnd schoener iungling an dem koenigclichen hoff buolet ein iunckfrawen in der koenigin frawen zimmer. als die konigin solchs erfuere do verfueget sie das die iunckfraw dem iungling sein willens volget. das tet die koenigin darumb das sie hoffet der iungling wuerd ausz gewagter fuerwitzigkeit vnn gailhait seins gemueets zu vnbesunner tuerftigkeit kunftiger tat vnn der konigin anmuotung dest liederlicher bewegt werden. als sich dann das in der geschihte darnach erfunde. dann der iungling wardt heimlich in des konigs schlafkamer gefueert vnd toedtet den konig in hoffnung er solt (als ine die konigin vertroestet het) angeender konig werden. aber sie mochten das nit erlangen sunder wichen ausz forcht gein rauenna. vnd vnlang darnach ertoeteten sie sich selbst mit gift. LOnginus der kriechisch man erster oberster regiret welschs lands erarchus genant hat mit einem newen namen des regirens oder oberkeit in welschem lannd aufgebracht vnd sich zu rauenna enthalten. vnd in pflegnus welschs lands vnd der stett die in den gegenten des kaisers iustini mit rom vnd rauenna verharreten. erstlich ein solche weisz gehalten. dz einicher verweser.pfleger oder obrer nit landen vnn gegenten vor sein solt. sunder ein yede stat.marckt oder commun solt von iren obernn bewart vnd geregirt werden. vnd dieselben obrer hiesz er hertzogen. Also machet er rom andern welschen stetten gleich. sie allain in dem stueck erende das er den regirer deszmals der stat rom einen verweser.aber doch sein nachkomen hertzogen hiesz. vnd also ist darnach vil iar ein roemischs hertzogthum in namen gewesen vnd solche oberkeit hat bey hundert vnd.xxiiij.iarnn gewert. LEander der tolletanisch oder hispalensisch bischoff was ein heilliger vnd hohgelert man. Ausz des predig.lere.ebenpild vnd kluogheit alles volck visigothorum durch recaredum iren koenig von der arrianischen ketzerey bekert wardt. dann er hat vil schrift gemacht nit allain zu bestetigung vnsers recht cristenlichen glawebens. sunder auch zu vertilgung. verachtung vnd verschmahung der arrianischen irrung. die die wandali ausz aphrica in hispaniam von belizario vertriben gebracht hetten. Diser heillig man hat in seinem leben vnd imm end an vil wunderzaichen vnd wercken geleuechtet. darumb ist er vnder die zall der heilligen geschriben. vnd sein tag wird gehalten amm.xxvij.tag februarij. IOhannes der almusner vnd alexandrinisch bischoff hat diser zeit die orientischen kirchen souil mueglich wz in dem glawben enthalten. mit lesen.disputiren.s.hreiben vermanen.leren.wiewol er vil widersacher het. het auch grosze zaichen. viel almuosens vnd andere werck der gueetigkeit getan. Diss heilligen mans loeblichs vnd wunderperlichs leben hat Leontius der bischof neapolis der inseln ciprie gar schoen beschriben. IN disem aufruorigen vngestuomen wesen diser zeit wer es schier gar vmb den welschen namen geschehen wo die heilligen mann paulus patriarcha aquileynsis.vnd felix der bischof zu teruis welschem land nit zu hilff komen wernn. dann paulus flohe mit seiner briesterschaft vnd pfafheit vnd heilligen zierde ausz aquileya gein venedig so erwarb felix seiner kirchen guettern bey den konig alboino frid vnd sicherung. der werlt Blat CXLVIII FOrtunatus der tudertinisch bischoff ist in ausztreibung der boeszen gaist groszer gnad vnnd kraft gewest. also das der yezuzeiten von beseszen lewten vil schar der teufel auszgeiagt vnd vil menschen geledigt. auch ein schel.lichs schedlich pferd mit dem zaichen des creuetzes gesenftigt vnd einen plinden erleuechtet. man sagt das sein leichnam in der statt Tudertina nochhewt bey tag die tewfel ausztreib vnd die krancken gesund mach wie er lebendig getan hat Ein ander fortunatus ein hohgelert vnn wolsprechend man hat die gallier mit schriften vnnd exempeln zu nachgueetiger goetlichter ere angeschickt. vnd sigiberto irem konig ein buechlein wie er sein konigreich regirnn sol beschriben. Auch sant martins leben. GErmanus der bischoff zu pariss. ist (als ettlich schreyben) diser zeit gar ein heillig man gewest. Er hat die konig zu franckreich alweg imm ambt behalten. der maszen das ye einer den andern an andechtiger vbung. gueetigkeit genad vnnd holdseligkeit vbertreffen wolt. was guoter werck sie an disem bischoff sahen die vbeten sie auch. So grosze ding wuercken die exempel der guoten hirten. SAmson der dolensisch bischof hat in wundersamer heiligkeit geleuechtet. in seiner weihung kom ein tawb von himel die sasz ime auff sein hawbt so lanng bis er geweyht wardt. Amandus der traiectensisch bischoff in Vasconia (zu des zeitten das volck zumal grawsam was) hat sie mit seiner heiligkeit vnd lere zu grietigerm leben gezogen GRegorius der tironenisch ertzbischof imm achten iar des kaisers iustini geweyhet ist in allen dingen beruembt gewest vnd hat.xv.iar das ertzbistumb verwesen. Als gregorius der groz in den babstlichen stuol kom. so hat er als ein wolgelert man die geschiht der konig zu franckreich vnd anders beschriben. RAdegundis ein konigin zu franckreich. ausz der gegent thuringie puertig wardt nach vberwundnem irem vaterland rewplich hingefueert vnd vnder des konigs lotharij gewarsam erneret. nachfolgend eim irdischen fuersten vermahelt vnnd doch von dem himlischen konig nit abgesundert. sunder darnach durch medardum zu closterlichem leben dem hernn geweihet. Sie hat dem pictauensischen volck ausz mitwuerckung der gnaden gottes durch verordnung lotharij des konigs ein closter gepawt vnn als ein abbtissin darinn.mit einer grossen menig in aller massigkeit vnd wunderwercken gelebt vnd gar ein loeblichs seligs end genomen. imm ersten tag des monats augusti. GRegorius der grosz genant von wegen seiner heilligkeit vnd hoehe sunderer seiner sittlichen weiszheit.darinn er schier alle lerer futroffen hat ist ausz rattherrlichem edelm roemischen stammen geporn Aber wiewol er den hohsten gipfel naturlicher kunst vnd weiszheit in seiner iugent erraict. vnd auch vberflueszigen reichthuemb zeitlicher gueter hett so hat er doch alle ding verlaszen vnd gaistlichen stand auszerkorn. vnd doch auch verhinderung macnherly wertlicher gescheftige tragen. vnd zu letst nach absterben seins vaters sechs cloester in Sicilia gepawen. vnd das sibend in sant audreszen ere zu rom gezimmert. darinn er nach verachtung koestlichers gewands in schnoedem klaid gewonet hat. Er kostiget seinen leichnam mit solcher massigkeit vnd abbruch das er mit gekrencktem magen kawm leben mocht. vnd wardt von seyner fruemkeit vnn heilligkeit wegen in groszen werde gehalten. vnn hat zu constantinopel vnn auch zu rom den cristenlichen wesen zu guot vil treffenlicher schriften gemacht.
Das sechste Zeitalter. Alboin, der elfte König der Langobarden, wurde mit seinem ganzen Volk aus Pannonien in die welschen Länder, als in eine fruchtbarere und weidereichere Gegend, von Narses aufgefordert und daraufhin bewogen, dass er mit allen Langobarden, Männern, Weibern, ihren Kindern und Vieh durch Syrmium und Friaul in das welsche Land mit einem auserwählten Heer reiste. Die gesamten venezianischen Gegenden nahm er zuerst ein und danach, nach Insubrien ziehend, eroberte und verheerte er die Stadt Mailand mit Gewalt. Pavia belagerte er drei Jahre lang und gewann sie zuletzt, und fügte sich fortan nach Verona und hat dort einen Thron des ganzen Königreichs aufgerichtet. In derselben Stadt hatte Alboin sein Weib, die Königin Rosamunde, auch seinen Schatz und allen königlichen Hausrat. Als nun dieses Volk in Wonne und Freuden schwebte und so nach seiner Unart solche Freude in Gastfreundschaft und Trunkenheit mit Zutrinken vermischte, da trank der König einmal auch in solchen Gastmählern aus einem Becher, gemacht aus der Hirnschale seines Schwähers Gamund, den er zuvor in Pannonien getötet hatte. Und als aber der König des Weins zu viel unbesonnen in sich geschöpft hatte, sodass er fröhlich oder (eigentlich zu reden) wahnsinnig wurde, da schickte er seiner Gemahlin, der Königin, denselben Becher voll guten Weins. Das empfing die Frau so sehr zu Herzen, dass sie sich in derselben Stunde vornahm, die Verspottung und Verhöhnung der Hirnschale ihres Vaters mit dem Tod ihres Mannes zu rächen. Und sie fing die Sache also an: Helmechis, ein edler, ritterlicher und schöner Jüngling am königlichen Hof, buhlte um eine Jungfrau im Frauenzimmer der Königin. Als die Königin solches erfuhr, da verfügte sie, dass die Jungfrau dem Jüngling seinen Willen folgte. Das tat die Königin darum, weil sie hoffte, der Jüngling würde aus gewagter Fürwitzigkeit und Übermut seines Gemüts zu unbesonnenem Verlangen künftiger Tat und der Anmutung der Königin desto leichter bewegt werden. Wie sich dann das in der Geschichte danach erwies: Denn der Jüngling wurde heimlich in des Königs Schlafkammer geführt und tötete den König in der Hoffnung, er sollte (wie ihn die Königin vertröstet hatte) angehender König werden. Aber sie mochten das nicht erlangen, sondern wichen aus Furcht nach Ravenna. Und unlängst danach töteten sie sich selbst mit Gift. Longinus, der griechische Mann, erster oberster Regent des welschen Landes, genannt Exarch, hat mit einem neuen Namen des Regierens oder der Oberkeit im welschen Land aufgebracht und sich zu Ravenna aufgehalten. Und in der Pflege des welschen Landes und der Städte, die in den Gegenden des Kaisers Justin mit Rom und Ravenna verharrten, hat er erstlich eine solche Weise gehalten, dass kein einziger Verweser, Pfleger oder Oberer über Länder und Gegenden herrschen sollte. Sondern jede Stadt, jeder Markt oder jede Kommune sollte von ihren Oberen bewahrt und regiert werden. Und dieselben Oberen hieß er Herzöge. Also machte er Rom anderen welschen Städten gleich, sie allein in dem Stück ehrend, dass er den Regierer damals der Stadt Rom einen Verweser, aber doch seine Nachkommen Herzöge hieß. Und so ist danach viele Jahre ein römisches Herzogtum im Namen gewesen, und solche Oberkeit hat bei hundert und vierundzwanzig Jahren gewährt. Leander, der toletanische oder hispalensische Bischof, war ein heiliger und hochgelehrter Mann. Aus dessen Predigt, Lehre, Vorbild und Klugheit wurde das ganze Volk der Westgoten durch Rekkared, ihren König, von der arianischen Ketzerei bekehrt. Denn er hat viele Schriften gemacht, nicht allein zur Bestätigung unseres recht christlichen Glaubens, sondern auch zur Vertilgung, Verachtung und Verschmähung der arianischen Irrung, die die Vandalen aus Afrika nach Hispanien, von Belisar vertrieben, gebracht hatten. Dieser heilige Mann hat in seinem Leben und am Ende an vielen Wunderzeichen und Werken geleuchtet. Darum ist er unter die Zahl der Heiligen geschrieben, und sein Tag wird am siebenundzwanzigsten Tag des Februars gehalten. Johannes der Almosner und alexandrinische Bischof hat dieser Zeit die orientalischen Kirchen, so viel möglich war, im Glauben erhalten, mit Lesen, Disputieren, Schreiben, Ermahnen, Lehren, wiewohl er viele Widersacher hatte. Er hatte auch große Zeichen, viel Almosen und andere Werke der Güte getan. Dieses heiligen Mannes löbliches und wunderbares Leben hat Leontius, der Bischof von Neapolis auf der Insel Zypern, sehr schön beschrieben. In diesem aufrührerischen, ungestümen Wesen dieser Zeit wäre es schier ganz um den welschen Namen geschehen, wo die heiligen Männer Paulus, Patriarch von Aquileia, und Felix, der Bischof zu Treviso, dem welschen Land nicht zu Hilfe gekommen wären. Denn Paulus floh mit seiner Priesterschaft und seinem Klerus und heiligen Zierden aus Aquileia nach Venedig, so erwarb Felix für seine Kirchengüter bei König Alboin Frieden und Sicherung. Der Welt. Blatt 148. Fortunatus, der tudertinische Bischof, ist in der Austreibung der bösen Geister großer Gnade und Kraft gewesen. Also dass er zuzeiten von besessenen Leuten viele Scharen der Teufel ausgetrieben und viele Menschen befreit hat. Auch ein scheues, schädliches Pferd mit dem Zeichen des Kreuzes besänftigt und einen Blinden sehend gemacht. Man sagt, dass sein Leichnam in der Stadt Todi noch heute bei Tag die Teufel austreibt und die Kranken gesund macht, wie er es lebendig getan hat. Ein anderer Fortunatus, ein hochgelehrter und wohlredender Mann, hat die Gallier mit Schriften und Beispielen zu nachahmenswerter göttlicher Ehre angeleitet. Und Sigibert, ihrem König, ein Büchlein beschrieben, wie er sein Königreich regieren soll. Auch das Leben des heiligen Martin. Germanus, der Bischof zu Paris, ist (wie etliche schreiben) dieser Zeit ein sehr heiliger Mann gewesen. Er hat die Könige zu Frankreich stets im Amt gehalten, dermaßen, dass je einer den anderen an andächtiger Übung, Güte, Gnade und Holdseligkeit übertreffen wollte. Was für gute Werke sie an diesem Bischof sahen, die übten sie auch. So große Dinge wirken die Beispiele der guten Hirten. Samson, der dolensische Bischof, hat in wundersamer Heiligkeit geleuchtet. In seiner Weihung kam eine Taube vom Himmel, die saß ihm auf sein Haupt, so lange bis er geweiht wurde. Amandus, der traiectensische Bischof in Vasconia (zu dessen Zeiten das Volk zumal grausam war), hat sie mit seiner Heiligkeit und Lehre zu einem gütigeren Leben gezogen. Gregor, der tironensische Erzbischof, im achten Jahr des Kaisers Justin geweiht, ist in allen Dingen berühmt gewesen und hat fünfzehn Jahre das Erzbistum verwaltet. Als Gregor der Große auf den päpstlichen Stuhl kam, so hat er als ein hochgelehrter Mann die Geschichte der Könige zu Frankreich und anderes beschrieben. Radegundis, eine Königin zu Frankreich, aus der Gegend Thüringen gebürtig, wurde nach der Überwindung ihres Vaterlandes räuberisch hingeführt und unter des Königs Lothar Gewahrsam ernährt. Nachfolgend einem irdischen Fürsten vermählt und doch von dem himmlischen König nicht abgesondert, sondern danach durch Medardus zu klösterlichem Leben dem Herrn geweiht. Sie hat dem poitevinischen Volk, aus Mitwirkung der Gnaden Gottes durch Verordnung Lothars des Königs, ein Kloster gebaut und als Äbtissin darin mit einer großen Menge in aller Mäßigkeit gelebt.