Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Diser zeit hat ein iud das pild eins crucifix gestochen dz dz pluot miltigclich herausz flosze vnn den iuden besprenget also dz man des iuden fuoszstapffen pluotig spuoret. die cristen die das sahen volgten dem gespor der pluotigen fuosztritt nach bis sie zu dem pluotfuoszigen pild komen. als sie das funden do verstaynten sie den iuden. IN dem sechsten iar des kaisers mauricij was ein soelche wasser guesz das man maynet dz die syntfluss noe vernewet wer. dann dise syntfluss was in der venediger. foriaul oder andern gegenten welschs lands also das sich die weg vnd straszen verluren. acker. wysen. doerffer vnnd ander menschliche wonung zu seegruoben warden vnd vil menschen vnn vih verduorben vnd ertrancken. Der fluss der etsch lieff deszmals also ausz das in sant Zenonis des martrers kirchen auszerhalb der mawrn der statt Bernn oder Verona gelegen das wasser bis zu den oebern fenster raichet. vnd solche wasserguesz beschahe amm.xvij.tag des monats octobris. Aber es warn solch hagel. thonr vnnd plytze die kawm zu sumder zeit geschehen muogen. So was auch die Tyber zu rom also grosz das das wasser dauon vber die mawrn hynein flisze vnd viel oertter darinn beschwemmet. do schwumme auch ein wundergroszer drack mit vil schlangen in dem rechten wasser gang vnnd furt des fluss der Tyber durch die statt ausz bis in das meer ab. Nach disen dingen kom alzpald ein schwere pestilentz. also das von unerschetzlichen menig gar wenig menschen vber bliben. Dise pestilentz berueret erstlich Pelagium den babst. nach desselben hynfart strecket sie sich ausz in das volck. In diser betruebnus wardt der heillig Gregorius zu babst erwelet. der ordn et ein letaney in sybnerlay form. dieweil man der eine hielt do starben.lxxx.menschen darundter. In solcher procesz warnn von san Gregorio syben choer geordnet. In den ersten warn alle pfafheit in dem andern alle ebbt mit iren muenchen. In dem dritten alle abbtissin mit ire versamlungen. In dem vierden alle iunge kinder. In dem fuenften alle layen. In dem sechsten alle wittiben. In dem sybenden alle eeweyber. AUgustinus Miletus vnd Iohannes vnnd ettliche andere closterlewt bewerts vnd erbers lebens warden diser zeit durch Gregorium den babst in engelland geschickt. von den die englischen erstlich die lere vnszers glawbens gentzlich empfangen. vnd bey denselben englischen dise heillige mann selige ende genomen haben. DEr vngeneet rock vnsers herrn Ihesu christi von der heilligen iunckfrawen maria gemacht. der einem ausz den rittern zu tayl wardt. In diser zeit nit verr von iherusalem in der statt Zaphat in einer mamorstaynin archen von Greogorio dem antiocenischen. Thoma dem Iherusalemischen vnd Iohanne dem constantinopolitanischen bischoffen gefunden. vnnd nach seiner erfindung in groszen wirden gehalten. vnd von ine gein Iheruselez gefueert vnn ein ein helffantpaynine archen gelegt worden. Man sagt als die stat constantinopel verloren worden sey do sey deser rock in den gewal der thuercken komen. HErmigildis ein koenig visegothorum des koenigs hyspaniarum vnd visegothorum sund wardt diser zeit von koenig Lemugildo seim vater in den kercker geworffen vnd vnlang darnach boeszlich getoedt. darum das er ausz des heilligen hispalenischen bischoffs Leandri predig vnn lere von der arrianischen irrung zu dem recht cristenlichen glawben bekeret wardt. dann als LEander disen Hermigildum bekeret het do verfolget sein vater Leandrum in mancherlay weyse vnnd toedtet Hermigildum seinen sun. Bey seinem leichnam warden darnach englisch gesang gehoert vnn prynnende ampeln gesehen. Darnach fiel der vater in kranckheit vnd berueeffet. Leandrum herwider vergebung seiner suend vnd beweister vngerechtigkeit begerende. vnnd er setzet Ricardum seinen andern sun zu eim koenig vnd verfueget ine einen rechten vnd waren cristen zewerden. der werlt Blat CL ARtharis flauius der koenig longobardorum. Als sie.x.iar. in ein koenig gewesen sind von inen zu koenig erwelt hat siben iar geregirt. Diser was des koenigs daphonis sun. den die longobardi Flauium zuonambten. vnd wiewol er also iungling zu koenig erhoeht wardt so hat er doch mit vbung vil tatten vnnd schihten groszlob verdient. also das ime alle longobardisch hertzogen den halbenteil irs gelts vberantwurteten. Er hat Pharam nit ein vndedle statt an dem fluss Abdue gepawt. vnd die statt Burellum amm gestad des wassers Padi gelegen belegert. bestritten vnd der erden eben geschlayft. vnn sich solcher vberwindung also vberhebt das er bis dan das sicculisch meer alle ding eroberet vnd vil welscher stett in seinem gewalt bracht. vnd auch den koenig von franckreich mit groszer menig der seinen vnd auch den teutschen ernidergelegt. vnd ausz welschem land veriagt. vnd darnach Francilionem den roemischen hertzogen ausz der comanischen innseln vertriben vnn groszmechtige reichtthuemer von dannen hingefueert. vnd dami also gericht Thendelindam Garibaldi des koenigs der bayern tochter. die aller cristenlichsten iunckfrawen zu der ee genomen hat. Nw was Chilpericus der koenig zu franckreich disem Arthari sere feind darumb vberzohe er Garibaldum seinen sweher vnfuersehenlich vnn vertribe ine ausz bayern. also flohe Garibaldus in welschs land zu seim tochterman vnd Artharis starb in dem iar darinn er gehayrat het. Theudelinda die Longobardisch koeniginwz des koenigs zu Bayeru tochter hohgeporn vnd durchleuechtigs pluots. vnd wiewol sie in anfang irs koenigclichen wesens iung. achtperer gestalt vnd mit vil reichthuemern begabt was so was sie doch an sitten. keueschheit vnd andechtiger vbung vil scheinperer. An die sant Gregorius durch ir tugent bewegt ettliche syttliche lere (als ettlich sagen geschriben hat. Diss was ein gar tapffere fraw vnd des cristlichen glawbens hohgefliszen vnder andern wercken der gueetigkeit hat sie gar ein loeblich closter in sant Columbans ere in der statt Bovio mit irer darkegung erpawt vnn vil ligender gueetter dar zu gegeben. Vnd auch sant Iohanns kirchen zu modoecia. dz. xm. schrit von Mayland ligt erpawt vnd auch mit vil guettern begabt. von dannenher haben alle longobardi ausz ebenpild diss weibs Iohannem den tawffer zu eim sundern patron auffgenomen. AGilulphus hat nach Artharim vber die Longobardos.xxi.iar geregnt. Als nw artharis mit tod vergangen was vnd sich die longobardi nach langem rat eins koenigs nicht vereynigen mochten, do warden sie dess zu rat. Welchen ausz den longobardischen hertzogen Theudelinda ir zu eim gemahel erwelet derselb solt von menigclichem zu eim koenig angenomen werden. Nw was Theudelinda ein weib groszer tugent vnd wol wirdig das ir wal vnd erkiesung bey den longobardiern hoh geachtet werden solt. Dem nach erwelet sic disen Agilulphum. der was ein taurinensischer hertzog vnd ein iunger wolgestalter streythaftiger man. Die ers sorg diss newen koenigs was die gefangen die Childebertus hyngefueert het zeerledigen. vnd von demselben koenig frids zebegeren. vnd nach erlangtem frid die hertzogen die arthari seim vorfarn widersetzig gewesen warnn zestrafen. Vnd Minulfum den hertzogen sant Iulians innseln erstlich zeertoedten. Alszpald Gandulfus der bergomensisch hertzog solchs erlernet do ergabe er sich in gnad vnn erwarb die. SO wardt auch Vlfari der hertzog zu Teruis in disen lewften gefangen vnden gepunden zu dem koenig gefueeret. do vnderstund er sich abermals die feind zeertoedten Als er nw zu frid koemen do fieng er wider die roemer einen krieg an vnd belegert Rom ein iar. vnd wiewol ein aufschlag solchs kriegs was yedoch zerbrache das Zotto der beneuentanisch hertzog. dann er hat das cassinensisch closter angegriffen. vn der abbt ist mitsambt den muenchen vnd klaidern vnd des ordens regelbuoch geflohen vnnd diss heillig closter von den groben barbarischen lewten berawbt vnd in den grund zerbrochen. vnd iss mag der fal diss allerberuembtisten closters sein gewesen. denn (also gregorius schreibt) der heillig vater benedictus fuergekuendet hat. sprechende. das er kawm bey got het muogen erlangen das ime ausz derselben statt ettlich selen verlihen wurden. Aber Bonitus nach sannt Benedict der vierdt abbt kome mit seinen bruedern gein Rom. Vnlang nach solcher begagner misztat starb Zoto vnd wardt Arrigis von dem koenig zu hertzogen gesetzt. Darnach haben die Longobardi ir heer fuer Padua gerueckt. die was von der zeit des wueettrichs Athile bis deszmals on zynnen. allain mit graben vnd anschuot umbfangen. vnnd inwenndig die gepew ausz materi vnnd prettern auffgericht. do warffen die longobardi nach vortail des winnds prinnend fackeln vnnd fewrpfeil in das hueltzen gepew hinein vnn verwueesteten die statt mit dem prannd. Diser Agilulphus wardt zu letst mit den longobardis durch fuerbett der cristenlichen koenigin von den abbgoettern zu christo bekeret. also das er die guetter der kirchen wider gabe vnd starb. Nach ime Adoaldum seinen sun noch ein kind mit seiner muoter Theudelinda ein nachkomen lassende.
Das sechste Zeitalter. Zu dieser Zeit stach ein Jude das Bild eines Kruzifixes, sodass das Blut reichlich herausfloss und den Juden besprengte, sodass man die blutigen Fußstapfen des Juden sah. Die Christen, die das sahen, folgten der Spur der blutigen Fußtritte nach, bis sie zu dem Bild kamen, von dem das Blut floss. Als sie es fanden, steinigten sie den Juden. Im sechsten Jahr des Kaisers Mauricius gab es eine solche Überschwemmung, dass man meinte, die Sintflut Noahs würde erneuert. Denn diese Sintflut war in der Region Venedig, im Friaul oder anderen Gegenden Italiens so gewaltig, dass sich die Wege und Straßen verloren. Äcker, Wiesen, Dörfer und andere menschliche Wohnstätten wurden zu Seen und viele Menschen und Vieh verdarben und ertranken. Der Fluss Etsch trat damals so über die Ufer, dass in der Kirche des heiligen Zeno des Märtyrers, außerhalb der Mauern der Stadt Verona gelegen, das Wasser bis zu den oberen Fenstern reichte. Und eine solche Überschwemmung geschah am 17. Tag des Monats Oktober. Aber es gab auch solchen Hagel, Donner und Blitze, die kaum zu anderer Zeit geschehen mögen. Auch der Tiber in Rom war so groß, dass das Wasser davon über die Mauern hineinfloss und viele Orte darin überschwemmte. Dort schwamm auch ein wundergroßer Drache mit vielen Schlangen im eigentlichen Wasserlauf und Fortgang des Flusses Tiber durch die Stadt hinaus bis ins Meer hinab. Nach diesen Dingen kam alsbald eine schwere Pest, sodass von einer unermesslichen Zahl nur sehr wenige Menschen übrig blieben. Diese Pest befiel zuerst Pelagius den Papst; nach dessen Hinscheiden breitete sie sich im Volk aus. In dieser Betrübnis wurde der heilige Gregor zum Papst erwählt, der eine Litanei in siebenfacher Form anordnete. Während man die eine hielt, starben 80 Menschen darunter. In solcher Prozession waren von Sankt Gregor sieben Chöre geordnet: Im ersten waren alle Priester, im zweiten alle Äbte mit ihren Mönchen, im dritten alle Äbtissinnen mit ihren Gemeinschaften, im vierten alle jungen Kinder, im fünften alle Laien, im sechsten alle Witwen, im siebten alle Ehefrauen. Augustinus, Mellitus und Johannes und etliche andere Klosterleute bewährten und ehrbaren Lebens wurden zu dieser Zeit durch Papst Gregor nach England geschickt. Von ihnen empfingen die Engländer zuerst die Lehre unseres Glaubens gänzlich, und bei denselben Engländern haben diese heiligen Männer ein seliges Ende genommen. Der ungenähte Rock unseres Herrn Jesus Christus, von der heiligen Jungfrau Maria gemacht, der einem der Ritter zuteilwurde, wurde zu dieser Zeit nicht fern von Jerusalem in der Stadt Safed in einem marmorsteinernen Kasten von Gregor dem antiochenischen, Thomas dem jerusalemischen und Johannes dem konstantinopolitanischen Bischof gefunden. Und nach seiner Erfindung wurde er in großen Ehren gehalten und von ihnen nach Jerusalem geführt und in einen elfenbeinernen Kasten gelegt. Man sagt, als die Stadt Konstantinopel verloren wurde, sei dieser Rock in die Gewalt der Türken gekommen. Hermenegild, ein König der Westgoten, Sohn des Königs von Hispanien und der Westgoten, wurde zu dieser Zeit von König Leovigild, seinem Vater, in den Kerker geworfen und unlängst danach böswillig getötet, darum, weil er aus der Predigt und Lehre des heiligen hispalensischen Bischofs Leander von der arianischen Irrlehre zum rechten christlichen Glauben bekehrt wurde. Denn als Leander diesen Hermenegild bekehrt hatte, verfolgte sein Vater Leander auf mancherlei Weise und tötete Hermenegild, seinen Sohn. Bei seinem Leichnam wurden danach Engelsgesang gehört und brennende Lampen gesehen. Danach fiel der Vater in Krankheit und bereute, Leander um Vergebung seiner Sünden und bewiesener Ungerechtigkeit bittend. Und er setzte Rekkared, seinen anderen Sohn, zum König und verfügte, dass er ein rechter und wahrer Christ werde. Der Welt Blatt 150. Authari Flavius, der König der Langobarden, der, nachdem sie 10 Jahre lang ohne König gewesen waren, von ihnen zum König erwählt wurde, hat sieben Jahre regiert. Dieser war der Sohn des Königs Cleph, den die Langobarden Flavius nannten. Und wiewohl er als Jüngling zum König erhoben wurde, so hat er doch mit der Übung vieler Taten und Schlachten großes Lob verdient, sodass ihm alle langobardischen Herzöge die Hälfte ihres Geldes abgaben. Er hat eine nicht unedle Stadt am Fluss Adda gebaut und die Stadt Buranello, am Gestade des Flusses Po gelegen, belagert, bekämpft und dem Erdboden gleichgemacht. Und er hat sich solcher Überwindung so überhoben, dass er bis zum Sizilischen Meer alle Dinge eroberte und viele italienische Städte in seine Gewalt brachte. Und auch den König von Frankreich mit großer Menge der Seinen und auch die Deutschen niedergemacht und aus Italien verjagt. Und danach Francilio, den römischen Herzog, von der Insel Comacina vertrieben und großmächtige Reichtümer von dannen weggeführt. Und damit hat er Theudelinde, Garibalds, des Königs der Bayern, Tochter, die allerchristlichste Jungfrau, zur Ehe genommen. Nun war Chilperich, der König von Frankreich, diesem Authari sehr feind; darum überzog er Garibald, seinen Schwiegervater, unversehens und vertrieb ihn aus Bayern. So floh Garibald nach Italien zu seinem Schwiegersohn, und Authari starb in dem Jahr, in dem er geheiratet hatte. Theudelinde, die langobardische Königin, des Königs von Bayern Tochter, hochgeboren und von durchlauchtigstem Blut. Und wiewohl sie am Anfang ihres königlichen Wesens jung, von achtbarer Gestalt und mit vielen Reichtümern begabt war, so war sie doch an Sitten, Keuschheit und andächtiger Übung viel hervorragender. An die der heilige Gregor, durch ihre Tugend bewegt, etliche sittliche Lehren (wie etliche sagen) geschrieben hat. Dies war eine sehr tapfere Frau und des christlichen Glaubens hochbeflissen. Unter anderen Werken der Güte hat sie ein sehr löbliches Kloster zu Ehren des heiligen Columban in der Stadt Bobbio mit ihrer Stiftung erbaut und viele liegende Güter dazu gegeben. Und auch die Kirche des heiligen Johannes in Monza, die 10.000 Schritte von Mailand liegt, erbaut und auch mit vielen Gütern begabt. Von daher haben alle Langobarden nach dem Vorbild dieses Weibes Johannes den Täufer zu einem besonderen Patron aufgenommen. Agilulf hat nach Authari über die Langobarden 21 Jahre regiert. Als nun Authari mit dem Tod vergangen war und sich die Langobarden nach langem Rat nicht auf einen König einigen konnten, da wurden sie sich dessen einig: Welchen der langobardischen Herzöge Theudelinde zu ihrem Gemahl erwählte, derselbe sollte von jedermann zum König angenommen werden. Nun war Theudelinde ein Weib großer Tugend und wohl würdig, dass ihre Wahl und Erwählung bei den Langobarden hoch geachtet werden sollte. Demnach erwählte sie diesen Agilulf, der ein turinischer Herzog und ein junger, wohlgestalteter, streitbarer Mann war. Die erste Sorge dieses neuen Königs war, die Gefangenen, die Childebert weggeführt hatte, zu befreien und von demselben König Frieden zu begehren. Und nach erlangtem Frieden die Herzöge, die Authari, seinem Vorgänger, widersetzlich gewesen waren, zu bestrafen. Und Minulf