Schedelsche Weltchronik · Blatt 151

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 151, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 151, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter DEuszdedit der babst ein roemer vnd gar gar ein guoter vater hat die pfafheit wunderperlicher weisz geliebet vnd gemeret. Sie sagen disen man solcher heilligkeit gewesen sein das er einen auszmerckigen menschen mit seim kuess vomm auszsatz vom stundan erledigt hab. Er hat gesetzt das der sun dess der ausz dem tawff gehebt ist die tochter die sein vater ausz dem tawff gehebt hat zu der ee nit nemen muog. Zu diss babsts zeitten hats got gegeben (als sein nam anzaigt) das sich vil schedlicher ding ereuegt haben. als erdpidem. vnd ein solche zu der auszsetzigkeit genaigte reuedigkeyt. oder schwuerigkeit das man die menschen vor vngestalt nicht erkennen mocht. Er starb imm dritten iar vnd amm dreyundzwentzigisten tags sein babstthumbs vnd wardt begraben in sant peters kirchen. vnd der bebstlich stuol stuond deszmals lere einem monat vnd.xvi.tag. SIsebutus ein koenig Visegothorum regiret.xxxvi.iar was zu erst ein hayden.wardt darnach ein cristen man. vnd bracht vil hispanischer stet. die an die roemer vmb geschlagen hetten wider an sich. vnd welche iuden er in seim koenigreich ergriffe die drannge er mit schwerer marter zu cristenlichem glawben auff beernn des kaisers Eraclij. den het man gewarnet sich vor den beschnittnen zehueeten. doch wardt er darnach nit von den iuden. sunder von den sarracenis. die sich auch beschneiden laszen bedrucket. Nw was diser koenig also ein gestrenger man das er alle hispanisch stett den roemern entwendet. Vnnd also endet sich der constantinopolitanischen kaiser heerschung in hispania. BOnifacius der fuenft ausz Campania empfieng den babstthumb zu der zeit als Eleutherius von Eracleo gein rom gesendt sich selbs zu eim koenig welschs lands schoeppfet. Diss wz ein gueetig milt man. sich gein menigclichem senftmueetigkeit vnd gnad geprauchende. der nichtz versawmbt das eim guoten hirtten wol anstund. vnd gepote das die. die zu den kirchen fluehen mit gewalt nit soltten von dannen gezogen werden. So soltten auch auch die ac coliti das pluot der martrer nit anrueren. vnd die heilligs verletzer moechten an allen en den verpannt werden etc. Er starb imm fueenften iar seins babstthumbs. HOnorius der erst auch ausz campania wardt deszmals zu zeit als Theudelinda starb. vnd dieweil er mit eueszern sachen nit bekuemert wardt. so hat er schier alle pfafheit mit lere vnd heilligen sytten vernewet. vnnd vil kirchen zu rom gebesseret vnd san peters kirchen mit eriner dachung bedeckt vnd sunst vil andere gotzhewser in rom auffgerichtet vnd gepawet. Diser heilli man starb seins babstthumbs im.xij.iar.xi. monat.ammxvij.tag.vnnd der stuol feyret deszmals ein iar. siben monat.xviij.tag. Iar der werlt.vm.viijc.xxiij. Iar Christi.vic.xxiiij. SEuerinus der erst ein roemer in des abgestorben babts stat erkorn wardt von Isacio dem oebersten regirer gantzs welschs lands zu babst bestettigt. dann deszmals wardt der pfafheit wale eins babsts fuer eytel geachtet wo die durch die kauser oder ire oebersten stathalter nit bestettigt wardt. Er was ein man sunderlicher gueetigkeit vnd andechtiger gaistlicher vbung. ein liebhaber der armen.gegen den ellenden duerftigen menschen troestlich vnd senftmueetig.gegen menigclichen erentreich vnd gnedig.in widerpawung vnnd besserung der gotzhewser scheynper. Er starb seins babstthumbs in dem ersten iar vnd andern monat. Iohannes der vierdt ausz dalmacia hath sich alszpald er babst wardt wunderperlicher gueeetigkeit gepraucht. vnd ausz den vber bliben schetzen die Isacisu hinder ime gelaszen het alle gefangen so vil mueglich wz erledigt. vnd nach agnomner babstlicher sorge alszpald gepotten. Ob sich ymant vnderstuende der kirchen gueeter ausz frefel anzegreiffen der solt das vierfeltig zewiderlegen gedrungen werden. Zu diss babsts zeitten hat sich Rhotaris der koenig longobardorum in die Arrianischen irrung genaygt vnd geduldet das zu denselben zeiten in allen stetten sein reichs zwen bischof gleichs gewalts warnn. der ein. ein cristenlicher. der ander ein arrianischer. Aber Iohannes vol guoter werck starb seins babstthumbs imm ersten iar.newnden monat am newnden tag. der werlt Blat CLI ERaclius ward zu eim merer des reichs aufgenomen vnd hat von sergio dem constantinopolitanischen patriarchen bekroent das orientisch kaiserthumb erpfangen vnd darauff eleutherium den constantinopolitaner kaiserlichen schlafkamrer gar einen wol erfarnen hawbtman kricglewffischer hendel vnd sachen in welsche land geschickt vnd ime volck vnd gelt gegeben da mit er die sachen welscher land bestettigen solt. Nw hat er das volck das er in nahend gelegnen landen asie vnd europe het vnd ime sein vater eraclianus ausz affrica schicket vnd teglich schicken mocht angerichtet vnd gesendet wider coszdram den koeenig persarum zu beschuetzung der roemischen gegent. wider desselben kongis gewaltsam. dann als derselb cosrdras mesopotamiam vnd palestinam verfolget het do raiset er auff iherusalem zu vnd eroberet sie. vnd zerruedet kirchen vnnd heillig stett. Wiewol er dem heilligen creuetz ettwas erwirdigkeit soll erbotten haben,. dann er hat (als ettlich geschihtbeschreiber setzen) einen tail den helena die muter constantini des groszen an der stat der creuetzigung cristi nidergelegt hat von dannen genomen vnd anhayms behalten in eim thron den er mit wunderperlichem werck von gold vnnd eldem gestain gezieret gepawen het. In dem sechsten iar seins kaiserthumbs haben die perse alles asiam gein mitten tag erobert vnd die waffen fuerdan auff egipten gewendet vnd auch alexandriam eingenommen vnd sich einweil daselbst enthalten bis das geschray kom das eraclianus des kaiseres vater in affrica ein grosz heer gesamelt het. aber in der selben zeit starb eraclianus. Als die perse solchs erfuorn do fiengen sie carthaginem. Zu derselben zeit versamelt eraclius ein grosz heer vnd bracht vil proumtzen von den persiern bejuemert wider in seinen gewalt. vnd erschluog den hertzogen der persier in eim sundern kampff vomm pferd zu tod. vnd bedrucket coszdram den konig der persier. aber seinen sun hat er gefangen tawffen lassen vnd in sein vaterlich konigreich widereingesetzt. So ist er in das land perfidem gezogen vnd hat den thurn coszdre vol der schetz berawbt vnd einen teil dauon den rittern gegeben vnd den andern tail zu wuderaufrichtung der tempel vnd gotzhewszer die coszdrasz zerruedet het verordnet. vnd ist mit siben helffanten grosze reichthuemer den feinden genomen gein iherusalem komen vnd hat das creuetz des herrn vormals von den persern hingetragen mit ime herwider gefuert vnd an sein vorige statt gelegt. vnnd die von der persis gefangen wider haym geschickt. Nw beschaf das imm.xij.iar des kaiserthumbs eraclij das er das creuetz des herrn gein iherusalem mit groszem geprengk bracht vnn als er nw komen was zu der pforten durch die man hinausz an die stat caluarie geet vnd die vorgeende schar hinausz gegangen was vnd er auch hinausz geen wolt do bestuond er vor der pforten vnd ine hielt doch nymant. doch sprach der patriarch der eraclio an der seyten hieng zu ime. Ihesus der maister der armuot vnd demueetigkeit hat das creuetz nicht also alda hinausz getratn als du mit purper vnd koestlichem geschmuock gezieret das creuetz nicht also alda hinausz getragtn als du mit purper vnd koestlichem geschmuock geziert das creuetz yetzo tregst. do demueetiget sich der kaiser vnd tet an schlechts klaid vnd gieng parfuosz do wz die pfort offen die ine vormals beschloszen gedaucht. vnd truog dz creuetz an die statt caluarie. Diser eraclius beruemet sich seiner vbung vnbeschaidenlich vnd fiel in mancherlay irrung der ketzerey vnd starb zu letst an der wasser sucht imm.xxx.iar seins kaiserthumbs. SIe sagen das in disen tagen feuer vomm himel gefallen vnnd ein grpszer regen pogen erschinen sey das die menschen mayneten das das end der werlt komen wer von der groszen grawsamen thonrsleg vnd plitze wegen. do kom ein vberschwere pestilentz hernach. die verzeret in den sumermonaten vil menschen. Man sahe einen guoten vnd einen boeszen engel ausz befelh des guoten engels an ein hawsz tet souil menschen vergiengen mit tod in demselben hawsz an dem tag darnach. Mancherlay wunderlicher vnd erschreckenlicher ding erschinen diser zeit in kriechischem land. die die kuenftigen vbeltat des verfuerers machomets fuerkuendeten. dann in eim einigen iar wardt ein lichter comet zu constantinopel gesehen. vnd ein vierfueszigs kind geporn. Auch warden in der inseln delon gesehen zway meerwunder menschlicher gestalt. So erschinen auch sunst vil der gleichen ding an mancherlay enden vnnd stetten.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Deusdedit, der Papst, ein Römer und ein sehr, sehr guter Vater, hat die Priesterschaft auf wunderbare Weise geliebt und gemehrt. Man sagt, dieser Mann sei von solcher Heiligkeit gewesen, dass er einen aussätzigen Menschen mit seinem Kuss auf der Stelle vom Aussatz befreit habe. Er hat festgelegt, dass der Sohn dessen, der aus der Taufe gehoben ist, die Tochter, die sein Vater aus der Taufe gehoben hat, nicht zur Ehe nehmen darf. Zu Zeiten dieses Papstes hat es Gott gegeben (wie sein Name anzeigt), dass sich viele schädliche Dinge ereignet haben, wie Erdbeben und eine solche zur Aussätzigkeit neigende Reudigkeit oder Schwärigkeit, dass man die Menschen vor Entstellung nicht erkennen konnte. Er starb im dritten Jahr und am dreiundzwanzigsten Tag seines Papsttums und wurde in der Peterskirche begraben. Und der päpstliche Stuhl stand damals einen Monat und 16 Tage leer. Sisebutus, ein König Visigothorum, regierte 36 Jahre. Er war zuerst ein Heide, wurde danach ein Christ und brachte viele hispanische Städte, die sich den Römern zugewandt hatten, wieder unter seine Herrschaft. Und welche Juden er in seinem Königreich ergriff, die drängte er mit schwerer Marter zum christlichen Glauben, auf Befehl des Kaisers Heraklius. Man hatte ihn gewarnt, sich vor den Beschnittenen zu hüten. Doch wurde er danach nicht von den Juden, sondern von den Sarazenen, die sich auch beschneiden ließen, bedrückt. Nun war dieser König ein so strenger Mann, dass er alle hispanischen Städte den Römern entriss. Und so endete die Herrschaft der konstantinopolitanischen Kaiser in Hispanien. Bonifatius der Fünfte aus Kampanien empfing das Papsttum zu der Zeit, als Eleutherius, von Heraklius nach Rom gesandt, sich selbst zum König des welschen Landes aufwarf. Dies war ein gütiger, milder Mann, der sich jedermann gegenüber Sanftmut und Gnade erwies, der nichts versäumte, was einem guten Hirten wohl anstand. Und gebot, dass diejenigen, die zu den Kirchen fliehen, nicht mit Gewalt von dort weggezogen werden sollten. So sollten auch die Acolyti das Blut der Märtyrer nicht anrühren. Und die Heiligtumsverletzer konnten an allen Orten verbannt werden etc. Er starb im fünften Jahr seines Papsttums. Honorius der Erste, auch aus Kampanien, wurde damals zu der Zeit [Papst], als Theudelinda starb. Und da er mit äußeren Sachen nicht bekümmert war, so hat er fast die gesamte Priesterschaft mit Lehre und heiligen Sitten erneuert. Und viele Kirchen in Rom verbessert und die Peterskirche mit einer eisernen Dachung bedeckt und sonst viele andere Gotteshäuser in Rom aufgerichtet und gebaut. Dieser heilige Mann starb in seinem zwölften Jahr, elften Monat, am siebzehnten Tag seines Papsttums. Und der Stuhl feierte damals ein Jahr, sieben Monate, 18 Tage. Jahr der Welt: 5823. Jahr Christi: 624. Severinus der Erste, ein Römer, wurde anstelle des verstorbenen Papstes erwählt und von Isacius, dem obersten Regenten des gesamten welschen Landes, als Papst bestätigt. Denn damals wurde die Wahl eines Papstes durch die Priesterschaft für nichtig erachtet, wenn sie nicht durch den Kaiser oder seine obersten Statthalter bestätigt wurde. Er war ein Mann von besonderer Güte und andächtiger geistlicher Übung, ein Liebhaber der Armen, den elenden, bedürftigen Menschen tröstlich und sanftmütig, jedermann gegenüber ehrenreich und gnädig, in der Wiederherstellung und Verbesserung der Gotteshäuser hervorragend. Er starb in seinem ersten Jahr und zweiten Monat seines Papsttums. Johannes der Vierte aus Dalmatien hat sich, sobald er Papst wurde, wunderbarer Güte bedient. Und aus den übrig gebliebenen Schätzen, die Isacius hinter ihm gelassen hatte, wurden alle Gefangenen, so viele wie möglich, befreit. Und nach übernommener päpstlicher Sorge sogleich geboten: Ob sich jemand unterstände, die Güter der Kirche aus Frevel anzugreifen, der sollte das Vierfache zurückzuerstatten gezwungen werden. Zu Zeiten dieses Papstes hat sich Rothari, der König Longobardorum, der arianischen Irrlehre zugeneigt und geduldet, dass zu denselben Zeiten in allen Städten seines Reiches zwei Bischöfe gleichen Gewalts waren: der eine ein christlicher, der andere ein arianischer. Aber Johannes, voll guter Werke, starb in seinem ersten Jahr, neunten Monat, am neunten Tag seines Papsttums. Blatt 151 der Weltchronik. Heraklius wurde als Mehrer des Reiches aufgenommen und hat vom konstantinopolitanischen Patriarchen Sergius gekrönt das orientalische Kaisertum empfangen und daraufhin Eleutherius, den konstantinopolitanischen kaiserlichen Schlafkammerherrn, einen sehr erfahrenen Hauptmann kriegerischer Händel und Sachen, in das welsche Land geschickt und ihm Volk und Geld gegeben, damit er die Angelegenheiten des welschen Landes regeln sollte. Nun hat er das Volk, das er in nahe gelegenen Ländern Asiens und Europas hatte und das ihm sein Vater Heraklianus aus Afrika schickte und täglich schicken konnte, ausgerüstet und gegen Chosrau, den König der Perser, gesandt zur Beschützung der römischen Gebiete, gegen die Gewalttätigkeit desselben Königs. Denn als derselbe Chosrau Mesopotamien und Palästina verwüstet hatte, da zog er auf Jerusalem zu und eroberte es und zerstörte Kirchen und heilige Stätten. Obwohl er dem Heiligen Kreuz etwas Ehrwürdigkeit erwiesen haben soll, denn er hat (wie einige Geschichtsschreiber berichten) einen Teil, den Helena, die Mutter Konstantins des Großen, an der Stätte der Kreuzigung Christi niedergelegt hatte, von dort genommen und zu Hause in einem Thron aufbewahrt, den er mit wunderbarem Werk aus Gold und Edelsteinen verziert gebaut hatte. Im sechsten Jahr seines Kaisertums haben die Perser ganz Asien gegen Mittag erobert und die Waffen fortan auf Ägypten gewendet und auch Alexandria eingenommen und sich eine Weile daselbst aufgehalten, bis die Nachricht kam, dass Heraklianus, des Kaisers Vater, in Afrika ein großes Heer gesammelt hatte. Aber in derselben Zeit starb Heraklianus. Als die Perser solches erfuhren, da nahmen sie Karthago ein. Zu derselben Zeit versammelte Heraklius ein großes Heer und brachte viele Provinzen, die von den Persern besetzt waren, wieder in seinen Gewalt. Und erschlug den Herzog der Perser in einem Einzelkampf vom Pferd zu Tode. Und bedrängte Chosrau, den König der Perser. Aber seinen Sohn hat er gefangen nehmen, taufen lassen und in sein väterliches Königreich wiedereingesetzt. So ist er in das Land Persien gezogen und hat den Turm Chosraus, voll der Schätze, beraubt und einen Teil davon den Rittern gegeben und den anderen Teil zur Wiederaufrichtung der Tempel und Gotteshäuser, die Chosrau zerstört hatte, bestimmt. Und ist mit sieben Elefanten und großen Reichtümern, die den Feinden abgenommen wurden, nach Jerusalem gekommen und hat das Kreuz des Herrn, vormals von den Persern weggetragen, mit sich wieder zurückgeführt und an seine vorige Stätte gelegt. Und die von den Persern Gefangenen wieder heim geschickt. Nun geschah es im zwölften Jahr des Kaisertums Heraklius, dass er das Kreuz des Herrn mit großem Gepränge nach Jerusalem brachte. Und als er nun zu dem Tor gekommen war, durch das man hinaus zur Stätte Golgatha geht, und die vorausgehende Schar hinausgegangen war und er auch hinausgehen wollte, da stand er vor dem Tor und niemand hielt ihn doch. Doch sprach der Patriarch, der Heraklius an der Seite hing, zu ihm:

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter (historische Periodisierung)
DEuszdedit
Deusdedit I. (Papst von 615–618)
babst
Papst
pfafheit
Priesterschaft
wunderperlicher weisz
auf wunderbare Weise
gemeret
gemehrt, vermehrt
auszmerckigen menschen
einen aussätzigen Menschen (auszmerckig = aussätzig, von 'Aussatz')
auszsatz
Aussatz (Lepra)
vom stundan erledigt
auf der Stelle geheilt/befreit
gesetzt
festgelegt, bestimmt
tawff gehebt
aus der Taufe gehoben (Pate/Patin sein)
ee nit nemen muog
nicht zur Ehe nehmen darf
als sein nam anzaigt
wie sein Name anzeigt (Deusdedit = Gott hat gegeben)
schedlicher ding ereuegt
schädliche Dinge ereignet
erdpidem
Erdbeben
auszsetzigkeit genaigte reuedigkeyt
zur Aussätzigkeit neigende Reudigkeit (Hautkrankheit)
schwuerigkeit
Schwärigkeit (Hautkrankheit, Geschwüre)
vngestalt
Entstellung
imm dritten iar
im dritten Jahr
dreyundzwentzigisten tags
am dreiundzwanzigsten Tag
sant peters kirchen
Peterskirche
bebstlich stuol
päpstlicher Stuhl (Papsttum)
deszmals lere
damals leer (vakant)
xvi.tag
16 Tage
SIsebutus
Sisebut (König der Westgoten, reg. 612–621)
Visegothorum
lat. Visigothorum – der Westgoten
xxxvi.iar
36 Jahre
hayden
Heide
cristen man
Christ
hispanischer stet
hispanische Städte
an die roemer vmb geschlagen hetten
sich den Römern zugewandt hatten
iuden
Juden
ergriffe
ergriff
drannge er mit schwerer marter
drängte er mit schwerer Marter
auff beernn
auf Befehl
Eraclij
Heraklius (byzantinischer Kaiser, reg. 610–641)
beschnittnen zehueeten
sich vor den Beschnittenen zu hüten (Juden, später auch Sarazenen)
sarracenis
Sarazenen (historische Bezeichnung für Araber/Muslime)
bedrucket
bedrückt, unterdrückt
gestrenger man
strenger Mann
entwendet
entrissen, entzogen
constantinopolitanischen kaiser heerschung
Herrschaft der konstantinopolitanischen (byzantinischen) Kaiser
hispania
Hispanien (Iberische Halbinsel)
BOnifacius der fuenft
Bonifatius V. (Papst von 619–625)
Campania
Kampanien (Region in Italien)
Eleutherius
Eleutherius (Exarch von Ravenna, der sich zum König Italiens aufwarf)
Eracleo
Heraklius (Kaiser)
gein rom gesendt
nach Rom gesandt
welschs lands schoeppfet
sich selbst zum König des welschen Landes (Italiens) aufwarf
wz
war
gueetig milt man
gütiger, milder Mann
gein menigclichem senftmueetigkeit vnd gnad geprauchende
jedermann gegenüber Sanftmut und Gnade erwies
nichtz versawmbt das eim guoten hirtten wol anstund
nichts versäumte, was einem guten Hirten wohl anstand
gepote
gebot
fluehen
fliehen (Asyl suchen)
ac coliti
lat. Acolyti – Akolythen (Ministranten, niedere Kleriker)
pluot der martrer
Blut der Märtyrer
heilligs verletzer
Heiligtumsverletzer
verpannt werden
verbannt werden
imm fueenften iar
im fünften Jahr
HOnorius der erst
Honorius I. (Papst von 625–638)
Theudelinda
Theudelinda (Königin der Langobarden, starb 627)
eueszern sachen nit bekuemert
mit äußeren (weltlichen) Sachen nicht bekümmert
schier alle pfafheit
fast die gesamte Priesterschaft
lere vnd heilligen sytten vernewet
mit Lehre und heiligen Sitten erneuert
gebesseret
verbessert
eriner dachung
eiserne Dachung
gotzhewser
Gotteshäuser
xij.iar
12. Jahr
xi. monat
11. Monat
xvij.tag
17. Tag
stuol feyret
der Stuhl (Papsttum) feierte (war vakant)
siben monat
7 Monate
xviij.tag
18 Tage
vm.viijc.xxiij
5823 (römisch für 5000 + 800 + 23)
vic.xxiiij
624 (römisch für 600 + 24)
SEverinus der erst
Severinus (Papst im Jahr 640)
abgestorben babts stat erkorn
anstelle des verstorbenen Papstes erwählt
Isacio
Isacius (Exarch von Ravenna)
oebersten regirer gantzs welschs lands
oberster Regent des gesamten welschen Landes (Italiens)
bestettigt
bestätigt
pfafheit wale eins babsts fuer eytel geachtet
die Wahl eines Papstes durch die Priesterschaft für nichtig erachtet
kauser
Kaiser
stathalter
Statthalter
sunderlicher gueetigkeit vnd andechtiger gaistlicher vbung
besonderer Güte und andächtiger geistlicher Übung
ellenden duerftigen menschen
elenden, bedürftigen Menschen
troestlich vnd senftmueetig
tröstlich und sanftmütig
erentreich vnd gnedig
ehrenreich und gnädig
widerpawung vnnd besserung der gotzhewser scheynper
in der Wiederherstellung und Verbesserung der Gotteshäuser hervorragend
ersten iar vnd andern monat
im ersten Jahr und zweiten Monat
Iohannes der vierdt
Johannes IV. (Papst von 640–642)
dalmacia
Dalmatien (Region an der Adria)
alszpald
sobald
wunderperlicher gueeetigkeit gepraucht
wunderbarer Güte bedient
vber bliben schetzen
übrig gebliebenen Schätzen
Isacisu
Isacius (Exarch von Ravenna)
so vil mueglich wz erledigt
so viele wie möglich befreit
agnomner babstlicher sorge
nach übernommener päpstlicher Sorge
alszpald gepotten
sogleich geboten
vnderstuende
unterstände, wagte
kirchen gueeter ausz frefel anzegreiffen
die Güter der Kirche aus Frevel anzugreifen
vierfeltig zewiderlegen gedrungen werden
das Vierfache zurückzuerstatten gezwungen werden
Rhotaris
Rothari (König der Langobarden, reg. 636–652)
longobardorum
lat. Longobardorum – der Langobarden
Arrianischen irrung genaygt
der arianischen Irrlehre zugeneigt
gleichs gewalts warnn
gleichen Gewalts waren (gleiche Autorität hatten)
cristenlicher
christlicher (katholischer)
arrianischer
arianischer (Anhänger des Arianismus)
imm ersten iar.newnden monat am newnden tag
im ersten Jahr, neunten Monat, am neunten Tag
Blat CLI
Blatt 151 (römisch für 151)
ERaclius
Heraklius (byzantinischer Kaiser, reg. 610–641)
merer des reichs
Mehrer des Reiches (Titel für einen Herrscher, der sein Reich vergrößert)
sergio dem constantinopolitanischen patriarchen
Sergius (Patriarch von Konstantinopel)
orientisch kaiserthumb erpfangen
das orientalische Kaisertum empfangen
eleutherium den constantinopolitaner kaiserlichen schlafkamrer
Eleutherius, den konstantinopolitanischen kaiserlichen Schlafkammerherrn (Kämmerer)
hawbtman kricglewffischer hendel vnd sachen
Hauptmann kriegerischer Händel und Sachen (erfahrener Militärführer)
welsche land
welsches Land (Italien)
bestettigen solt
regeln, ordnen sollte
eraclianus ausz affrica
Heraklianus aus Afrika (Heraklius der Ältere, Vater des Kaisers Heraklius)
coszdram den koeenig persarum
Chosrau II. (König der Perser, reg. 590–628)
beschuetzung der roemischen gegent
Beschützung der römischen Gebiete
gewaltsam
Gewalttätigkeit
cosrdras
Chosrau II.
mesopotamiam
Mesopotamien
palestinam
Palästina
verfolget
verfolgt, verwüstet
raiset er auff iherusalem zu
zog er auf Jerusalem zu
zerruedet kirchen vnnd heillig stett
zerstörte Kirchen und heilige Stätten
heilligen creuetz
Heiliges Kreuz (Reliquie)
erwirdigkeit erbotten
Ehrwürdigkeit erwiesen
ettlich geschihtbeschreiber setzen
einige Geschichtsschreiber berichten
helena die muter constantini des groszen
Helena (Mutter Konstantins des Großen)
stat der creuetzigung cristi
Stätte der Kreuzigung Christi
anhayms behalten
zu Hause aufbewahrt
wunderperlichem werck von gold vnnd eldem gestain gezieret gepawen
mit wunderbarem Werk aus Gold und Edelsteinen verziert gebaut
sechsten iar seins kaiserthumbs
im sechsten Jahr seines Kaisertums
perse
Perser
asiam gein mitten tag erobert
ganz Asien gegen Mittag (Süden) erobert
fuerdan auff egipten gewendet
fortan auf Ägypten gewendet
alexandriam eingenommen
Alexandria eingenommen
einweil daselbst enthalten
eine Weile daselbst aufgehalten
geschray kom
die Nachricht kam
fiengen sie carthaginem
nahmen sie Karthago ein
proumtzen von den persiern bejuemert
Provinzen, die von den Persern besetzt waren
hertzogen der persier
Herzog der Perser (hier wohl ein General)
sundern kampff vomm pferd zu tod
Einzelkampf vom Pferd zu Tode
bedrucket coszdram
bedrängte Chosrau
land perfidem
Land Persien
thurn coszdre vol der schetz berawbt
den Turm Chosraus, voll der Schätze, beraubt
wuderaufrichtung der tempel vnd gotzhewszer
Wiederaufrichtung der Tempel und Gotteshäuser
siben helffanten
sieben Elefanten
reichthuemer den feinden genomen
Reichtümer, die den Feinden abgenommen wurden
creuetz des herrn vormals von den persern hingetragen
Kreuz des Herrn, vormals von den Persern weggetragen
imm.xij.iar des kaiserthumbs eraclij
im zwölften Jahr des Kaisertums Heraklius
groszem geprengk
großem Gepränge (Prunk, Zeremonie)
stat caluarie
Stätte Golgatha (Calvariae)
vorgeende schar
vorausgehende Schar
bestuond er vor der pforten
stand er vor dem Tor
ine hielt doch nymant
und niemand hielt ihn doch
patriarch der eraclio an der seyten hieng
Patriarch, der Heraklius an der Seite hing (begleitete)