Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Iar der werlt. vm. viijc.xxxiij. Iar christi.vic.xxxiiij. THeodorus der babst ein kriechisch man betrachtet fuersichtigclich alle ding die ine zu fuerderung gaistlichs cristenlichs wesens ersprieszlich bedauchten. vnnd gepracuhet ich gein menigclichem vnd sunderlich gein den armen wnderperlicher gueetigkeit. Er setzet das die benedeyung des osterlichen wachsstocks amm osterabent geschehen solt. Item es solt nymant geschiden werden der sich eelich het verlobt nach eim schlechten geluebb. Diser babst hat Pirrhum den constantinopolitanischen patriarchen auch Sergium vnd ander ketzer in ellen verdambt. vnd der heilligen martrer primi vnd feliciani leichnam gein tom gebrach vnd in sant Stephans des ersten marters kirchen bestatten vnd schoen geziert. vnd darnach ein kirchen vnc zway bet hewszlein gepawt. vnd starb imm sechsten iar fuenften monat. xviij.tag seins babsttumbs vnd der stuol ruoet.lij.tag. Martinus der erst von Tuderto puertig wardt nach Theodoro babst erkorn. der sendet bostschaft gein constantinopel paulum zeuermanen. von seinen irrthumben abzesteen vnd der warheit anzehangen. Als aber paulus die bestlichen vermanung verachtet do entsetzet ine der babst seiner wirdigkeit. Das verschmahet den kaiser constantio. darumb machet er Olimpium seinen kamrer zu eim kaiserlichen verweser oder anwalt welscher land mit befelh das er martinum sahen vnd ime zuschicken solt. In socher zwittracht ruesteten sich die sarraceni zu alexandria mit eim groszen machtigen sciffzug vnd komen gein rhodis vnd eroberten die statt vnd zerruedeten die sunnenfeuel collosum genant gemacht von ere oder glockspeysz da mit sie newnhundert camel belueden. Aber constantius. besseret sich in solchem iamer vnd noetten nichtz sinder sendet theodorum calipam widerumb in wlsche land mit solchem befelhe das er erstlich den babst martinum gepunden zu ime schicken solt. Als er nw von den romern gueetlich empfangen wardt vnd darnach sich in gestalt freueendtlichst gruosz zu dem babst nahnet do warff er ime ketten an den hals vnd schicket ine gein constantinopel von dannen wardt er in das ellend verschicket dahin ettwan sant Clemens der babst auch verschicket wardt. Als nw diser Martinus mit vil iamers ellend vnnd duerftigkeit umgeben vnnd bedrucket was starb er zu letst imm ellend imm sechsten iar. ersten monat vnd.xxvi. tag seins babstthumbs in vil zaichen der tugent bis auf disen hewtigen tag scheinnende. darumb ist er in der hailligen zal geachtet. dess fest amm zehenden tag des monats nouembris begangen wirdt. vnd der stuol zu rom feyret.xiiij.monat dann nymant westz von diss heilligsten man tod ichtzig gewiss zesagen. Iar der werlt.vm.viijc.xliij. Iar christi.vic.xliiij. EVgenius der erst ein Roemer wardt nach Martino babst schier zu der zeit als petrus an ie statt pauli des ketzers zu constantinopel gesetzt wardt. dann wiewol derselb petrus ettlicher masz des cristenlichen wesenszhalb baszhielt den paulus so hielt er doch die form vn weysze des glawbens nit gentzlich also wie die heillig roemisch kirch die verkundet. Diser babst was ein man wunderperlicher guoetigkeit. gaistlichkeit. senftmuetigkeit. holdseligkeit vnd miltigkeit. Diser ordnet das kein closter man von einicher fach wegen on vilawb sein oebern ausz dem closter geen solt. Er starb im andern iar. vnd.ix.monat seins babstthumbs. UItalianns der babst hat als ein frummer vnnd zu goettlichem dienst geflieszner man vil ordnung zu den goetlichen ambten gehoerende fuergenomen. vnnd (als ettlich woellen) die orgeln erlawbt. vnd Theodorum den ertzbischoff vnd Hadrianum den abbt vnd hohgelert mann gein Brittannia. Engelland genant zu einhaltung des glawbens geschickt. vnd starb imm.xiiij.iar vnd sechsten monat seins babstthumbs. ADeodatus ein roemer wardt ausz eim clostermann zu babst geschoepft vnd was ein geistlich vnd holdselig man. gein armen milt. gein gesten gueetig. vnnd gein den duerfitgen barmhertzig. Sant erasmi closter darinn er ein cloesterlich wesen gefueert het ist durch ine mercklich gebessert vnnd hat zuabstellung der wundergestalt die zu seinen zeitten offt erschinnen vil letaney gehalten. Zu letst im vierden iar andern monat amm funften tag seins babstthumbs starb er vnd wardt von emingclichem bewanyet. der stuol ruoet vier monat.xx.tag. Das sechst alter COnstantinus der drit wardt an stat seins gestorben vaters Etaclij zu kaiser erkorn. dann als Loszdroas der konig persatum in gewaltiger vberwindung reichsznet vnd mit nichten zu aufnemung eins frids genaygt werden mocht do schicket erackius einen heerzug wider das barbarisch volck vnd erstlich zu bes huetzung der statt constantinopel. so name er seinen sun constantinum zu eim gesellen des reichs auff vnd ordnet ime en erwirdigen patriarchen Sergium vnd den woltueglichen man bonosum zu mitgesellen seiner pflegnus zu. Der wardt darnach an seins vaters stat zu kaiser auffgenomen vnnd doch imm vierden monat seins empfangnen kaiserthumbs mit gift getoedt von martina seiner stiefmutter vnd eraclione seim bruder. Die Pirrhus der constantinopolitanisch patriarch zu diser misztat angeraitzt het. HEracleon bekuemmert nach absterben seins brudets das kaiserthumb zu den zeiten als Lirrus Sergius vnd pirrhus die arephalischen ketzerey hanthabten vnd hielten. das in christo ein einige wuerckung vnd ein einiger wil der menscheit vnd gotheit wer. aber nach absterben eraclij kom pirrhus ausz affrica (dohin er von der ketzerey wegen verschickt wardt) gein rom vnd fiel dem babst theodoro zu fueszen vnd begeret gnad vmb sein verschuldung. das er (als oben stet) martinam vnd eraclionem zu vbler that angeraitzt het. Als nw nach absterben constantini diser heracleon das kaiserthumb hiel vnd gemanyer sachen vnd hendel boeslich vnnd vngepuerlicher weisz warttet do erzueernet der constantipolitanisch rat vnd gemaynd wider martinam vnd heracleonem das sie ir die zungen vnd ime die nasen abschneyden hieszen vnd in das elledn verschickten. In disem grimmen wardt pirrhus vomm volck erschlagen. COnstans der constantinopolitanisch kaiser des kaisers Constantinis sun wardt nach heracleone alszpald auffgenomen vnd paulus der patriarch daselbst an des gestorben pirrhi stat von rat vnd gemaynde gesetzt. dauon hieuor in der beschreibung des babsts martim meldung beschiht. Nw name Constantius einen heerzug in welsche land fuer. ab er nit in maynung (als er doch liesz lawten) die longobardos ausz welschem land zeuertreiben. sunder die statt rom vnd ire vndergeworffne lannd irer reichthuemer vnnd gezierde zeberawben. Als nw constantinus gein rim zu zohe do begegnet ime der babst Vitalianus mit der pfafheit vnnd gorzser menig des volcks vor der statt. der fueeret de kaiser zu erst in sant peters. darnach in die andern kirchen die besichtiget der kaiser. funff tag die ersten nacheinander do gedachte er die kleynat hinzenemen. vnd was er mit erze vnd marmorstayn geziert sahe das verfueget er abzetragen oder mit gewalt zenemen vnd auff die schiff zelegen. also das er in siben tagen der statt rom mer gezierde entzogen hat dann die barbari dauor in zwayhundert vn achtundfuenftzig iarn ye gethan hetten. Darnach zohe er gein neapolis vnd schiffet fueroan in siciliam vnd enthielt sich zu syracusis do wardt er von Misesso eim armenier imm pad erschlagen imm.xxviij.iar seins kaiserthumbs. Zu Rom hat babst martinus ein versamlung von anderhalbhundert bischoffen gehalten wider Paulum den constantinopolitanischen patriarchen desselben babsts botten. die er (also oben gemelt ist) zu paulo sendet warden ausz befelh constantij des kaisers in mancherlay inseln verschicket. Als martinus das hoeret hat er in dem selben concili erstlich die rerdamnus Cri Sergij vnd pirrhi vernewet. vnd Paulum deszmals patriarchen zu constantinopel verdawmbt vnd von seiner wirdigkeit zeentsetzen sein erkant. In mittler zeit wardt der frid welschs lands der zwischen den roemern vnnd longobardos.xxx. iar geweret het zerbrochen. dann die Longobardi wolten alle ding nach irem willen hanndeln so widersetzeten sich die roemer dem das wider recht vnd zimlichkeit fuergenomen wardt.
Das sechste Zeitalter der Welt. Im Jahre 5833 der Welt, im Jahre 634 Christi. Papst Theodor, ein Grieche, betrachtete vorsichtig alle Dinge, die ihm zur Förderung des geistlichen christlichen Wesens nützlich schienen, und bewies gegenüber jedermann und besonders gegenüber den Armen wunderbare Güte. Er ordnete an, dass die Segnung der Osterkerze am Ostervorabend geschehen sollte. Ferner sollte niemand geschieden werden, der sich ehelich nach einem einfachen Gelübde verlobt hatte. Dieser Papst verdammte Pyrrhus, den Patriarchen von Konstantinopel, auch Sergius und andere Ketzer allesamt, und brachte die Leichname der heiligen Märtyrer Primus und Felicianus nach Rom und bestattete sie in der Kirche des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers, und schmückte sie schön. Und danach baute er eine Kirche und zwei Bethäuslein. Und er starb im sechsten Jahr, fünften Monat, am 18. Tag seines Papsttums, und der Stuhl ruhte 52 Tage. Martin I., aus Todi gebürtig, wurde nach Theodor zum Papst erwählt. Er sandte eine Botschaft nach Konstantinopel, um Paulus zu ermahnen, von seinen Irrtümern abzulassen und der Wahrheit anzuhängen. Als aber Paulus die päpstliche Ermahnung verachtete, enthob ihn der Papst seiner Würde. Das verschmähte Kaiser Konstans. Darum machte er Olympius, seinen Kämmerer, zu einem kaiserlichen Verwalter oder Anwalt der welschen Länder mit dem Befehl, dass er Martin fangen und ihm schicken sollte. In solcher Zwietracht rüsteten sich die Sarazenen in Alexandria mit einem großen, mächtigen Schiffszug und kamen nach Rhodos und eroberten die Stadt und zerrütteten die Sonnensäule, Koloss genannt, gemacht aus Erz oder Glockenspeise, womit sie 900 Kamele beluden. Aber Konstans besserte sich in solchem Jammer und Nöten nichts, sondern sandte Theodor Kalliopas wiederum in die welschen Länder mit solchem Befehl, dass er erstlich den Papst Martin gebunden zu ihm schicken sollte. Als er nun von den Römern gütlich empfangen wurde und danach sich in Gestalt freundlichsten Grußes dem Papst näherte, da warf er ihm Ketten an den Hals und schickte ihn nach Konstantinopel; von dannen wurde er in die Verbannung geschickt, wohin einst auch der heilige Papst Clemens geschickt wurde. Als nun dieser Martin mit viel Jammer, Elend und Dürftigkeit umgeben und bedrückt war, starb er zuletzt im Elend im sechsten Jahr, ersten Monat und am 26. Tag seines Papsttums, in vielen Zeichen der Tugend, die bis auf diesen heutigen Tag scheinen. Darum ist er in der Zahl der Heiligen geachtet, dessen Fest am zehnten Tag des Monats November begangen wird. Und der Stuhl zu Rom feierte 14 Monate, denn niemand wusste von diesem heiligsten Mann Tod etwas Gewisses zu sagen. Im Jahre 5843 der Welt, im Jahre 644 Christi. Eugen I., ein Römer, wurde nach Martin Papst, ungefähr zu der Zeit, als Petrus anstelle des Ketzers Paulus in Konstantinopel eingesetzt wurde. Denn wiewohl derselbe Petrus in gewisser Weise das christliche Wesen besser hielt als Paulus, so hielt er doch die Form und Weise des Glaubens nicht gänzlich so, wie die heilige römische Kirche sie verkündet. Dieser Papst war ein Mann wunderbarer Gütigkeit, Geistlichkeit, Sanftmütigkeit, Holdseligkeit und Milde. Dieser ordnete an, dass kein Mönch aus irgendeinem Grund ohne Erlaubnis seiner Oberen aus dem Kloster gehen sollte. Er starb im zweiten Jahr und neunten Monat seines Papsttums. Papst Vitalian hat als ein frommer und zum göttlichen Dienst eifriger Mann viele Ordnungen, die zu den göttlichen Ämtern gehören, vorgenommen, und (wie etliche meinen) die Orgeln erlaubt. Und er schickte Erzbischof Theodor und Abt Hadrian, einen hochgelehrten Mann, nach Britannien, England genannt, zur Einhaltung des Glaubens. Und er starb im 14. Jahr und sechsten Monat seines Papsttums. Adeodatus, ein Römer, wurde aus einem Klostermann zum Papst erhoben und war ein geistlicher und holdseliger Mann. Den Armen milde, den Gästen gütig und den Bedürftigen barmherzig. Das Kloster des heiligen Erasmus, darin er ein klösterliches Leben geführt hatte, ist durch ihn merklich verbessert worden, und er hat zur Abstellung der Wundergestalten, die zu seinen Zeiten oft erschienen, viele Litaneien gehalten. Zuletzt im vierten Jahr, zweiten Monat, am fünften Tag seines Papsttums starb er und wurde von jedermann beweint. Der Stuhl ruhte vier Monate und 20 Tage. Das sechste Zeitalter. Konstantin III. wurde anstelle seines gestorbenen Vaters Herakleios zum Kaiser erwählt. Denn als Chosrau, der König der Perser, in gewaltiger Überwindung sein Reich ausbreitete und mitnichten zur Annahme eines Friedens geneigt werden mochte, da schickte Herakleios einen Heereszug wider das barbarische Volk und erstlich zur Beschützung der Stadt Konstantinopel. So nahm er seinen Sohn Konstantin zu einem Mitkaiser des Reiches auf und ordnete ihm den ehrwürdigen Patriarchen Sergius und den wohltätigen Mann Bonosus zu Mitgesellen seiner Pflegschaft hinzu. Der wurde danach an seines Vaters Statt zum Kaiser aufgenommen und doch im vierten Monat seines empfangenen Kaisertums mit Gift getötet von Martina, seiner Stiefmutter, und Heraklonas, seinem Bruder. Die Pyrrhus, der Patriarch von Konstantinopel, zu dieser Missetat angereizt hatte. Heraklonas übernahm nach Absterben seines Bruders das Kaisertum zu den Zeiten, als Sergius und Pyrrhus die monotheletische Ketzerei handhabten und hielten, dass in Christus eine einzige Wirkung und ein einziger Wille der Menschheit und Gottheit wäre. Aber nach Absterben Herakleios' kam Pyrrhus aus Afrika (wohin er wegen der Ketzerei verschickt wurde) nach Rom und fiel Papst Theodor zu Füßen und begehrte Gnade für seine Verschuldung, dass er (wie oben steht) Martina und Heraklonas zu übler Tat angereizt hatte. Als nun nach Absterben Konstantins dieser Heraklonas das Kaisertum innehatte und sich um gemeine Sachen und Händel böslich und ungebührlicherweise kümmerte, da erzürnte der konstantinopolitanische Rat und die Gemeinde wider Martina und Heraklonas, sodass sie ihr die Zunge und ihm die Nase abschneiden ließen und sie in die Verbannung schickten. In diesem Grimm wurde Pyrrhus vom Volk erschlagen. Konstans, der konstantinopolitanische Kaiser, der Sohn des Kaisers Konstantin, wurde nach Heraklonas alsbald zum Kaiser erhoben. Und Paulus, der Patriarch daselbst, wurde anstelle des gestorbenen Pyrrhus vom Rat und der Gemeinde eingesetzt. Davon geschieht hievon zuvor in der Beschreibung des Papstes Martin Meldung. Nun nahm Konstans einen Heereszug in die welschen Länder vor, ob er nicht in der Meinung (wie er doch verlauten ließ), die Langobarden aus dem welschen Land zu vertreiben, sondern die Stadt Rom und ihre unterworfenen Länder ihrer Reichtümer und Zierde zu berauben. Als nun Konstans nach Rom zog, da begegnete ihm Papst Vitalian mit der Priesterschaft und großer Menge des Volkes vor der Stadt. Der führte den Kaiser zuerst in Sankt Peter, darnach in die anderen Kirchen, die der Kaiser besichtigte. Fünf Tage die ersten nacheinander, da gedachte er die Kleinode wegzunehmen. Und was er mit Erz und Marmorstein geziert sah, das verfügte er abzutragen oder mit Gewalt zu nehmen und auf die Schiffe zu legen, also dass er in sieben Tagen der Stadt Rom mehr geraubt hat, als sie je besaß.