Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter JOducus der heillig aynsidler was diser zeit an tugenten beruembt. vnd wiewol er des konigs von brittania sun was. yedoch verschmehet er konigcliche ere vnnd werltlich geprengk vnd gienge in die wuestnus. darinn er langzeit heilligclich lebet vnd ist darnach an vil wunderzaichen scheinende seligclich gestorben. EGeltrudis die konigin zu engelland ist deser zeit beruembt gewest. die was dreyen mannen verlobt vnd blibe dannoch iunckfraw. Ir leichnam wardt in dem aylften iar nach der begrebnus noch also vnuerwesen gefunden. Aurea die heilligst iunckfraw sant Eligii oder Loy des bischofs iungerin hat diser zeit zu paryß in zucht heilligkeit vnd sundrer geduldt gereichßnet. Sie was von edeln eltern geporn. Sant eligius hat sie von irer heilligkeit vnd kluogheit wegen vber drey hundert iunckfrawen gesetzt. FOrseus eins konigs von hibernia sun hat diser zeit mit sambt zwayen brudern nach verschmehung des geprengks seins konigreichs ain closterlich wesen angenomen. Der pawet ein closter vnd vnlang darnach als sein brueder geweyhet wurden do verschiede er seligclich. vber vier iar darnach wardt von den bischofen eligio vnd anßberto sein leichnam enoinicherlay zerfaulung erhebt. OSwaldus ein konig des volcks nordmannorum wardt im ersten iar des kaisers heracleonis von penda dem konig meciorum ertödtet. Der het voelcker virerlay gezuengs in seiner gehorsam. nemlich die pictauischen. scoetischen. brittannischen vnd engellendischen. Sein rechte hand damit er vil almuosens gegeben hat ist noch hewt bey tag mit dem arm hawt vnd geadere vnuerwesen vorawgen vnnd doch das vbrig des leibs gantz veraschert. welche hand zu bembaburch fuer ein wunderwerck gezaigt wurdt. GErtrudis die heillig starb im .xxi. iar des kaisers constantis vnd was ein tochter ytte der wittiweu des konigs pipini. die auß eingebung des hailligen Amandi ein closter pawet. dnd dise iunckfrawen Gertrudem ir tochter dar ein setzet. An dem tag irs sterbens erschine sie einer abbtissin zu Tryer die ir guote kuntschaft het vnnd verkuendet ir iren seligen abschaid. sie leuechtet in vil wunderwercken. LEodogarius der bischoff wardt zu den zeitten constantini des kaisers durch Ebronium den schalckhaftigsten mann (den Theodoricus der konig wider zu gnaden name) mit mancherlay peynigung gequelet. gehungert. gekerkert vnd nach außgrabung seiner awgen. nach zerschneidung seiner fersen. vnnd nach abschneydung seiner zungen vnnd lebbsen enthawbtet. Nach seinem tod leuechtet er an vil wunderzaichen. VIgilius der antisiodorensisch bischoff edler gepurt vnd an heiligkeit fuerscheinperer hat dasselb bistthumb .xxvi. iar werwesen. vnd daselbst vor der statt vnser lieben frawen kirchen mit eim closter vnd einem spital gepawt. Er wardt von seiner heilligkeit wegen als ein hasser der feynd der gerechtigkeit von eim genant Warachonus des konigs zu fradckreich ambtman in eim waldt ertoedtet. Derselb warachon’ wz ein nachkomen Ebronii der Leodegarium verfolget. Derselb Ebronius wardt gesehen dz ine die teufel gein hell truogen. Als aber vigilius durch die statt Senona anhaym gefueert wardt do zerbrachen die ketten der gefangnen vnd giengen frey auß den kerckern vnd brachten die ketten zu seiner vorgenanten kirchen. Blat CLV der werlt CEsarea die koenigin persarum ist diser zeit von irem koenigreich perfide vnwissend irs gemahels des koenigs mit kleiner anzal irer getrewen vnd gehaymen in sundrer klaidung von lieb wegen cristenlichs glawbens außgezogen vnd gein constantinopel kommen. nach cristi gepurt sechßhundert vnnd in dem drey vnd achtzigisten iar. die wardt von dem kaiser erlich empfangen. vnd vber ettlich tag darnach (als sie begeret) getawft vnd von der kaiserin auß dem tawff gehebt. Als solchs an den koenig persarum gelanget do schicket er eylends sein botschafter gein constantinopel sein weib von dem kaiser widerzefordern. do sprach der kaiser es steet in der koenigin wilkuer zebleyben oder anhayms zeziehen. Als die koenigin darumb gefragt ward do sprach sie. sy wolt nymmermer anhaym keren es neme dann der koenig den cristenlichen namen an sich. do kom der koenig alßpald mit viertzigtausent menschen gein constantinopel vnd wardt vom kaiser auß dem tawff gehebt vnd in dem recht cristenlichen glawben bestetigt vnd von dem kaiser mit vil gaben vnd schanckungen vereeret. vnd also keret er mit seiner gemahel der koenigin froelich wider haym in sein konigreich. ROtharis der longobardisch konig hat nach arioaldum seinem vorfarn .xve. iar geregirt. vnd wiewol er mir vil tugenten begabet was so was er doch mit der arrianischen mackel beflecket vnd zohe auch alle longobardos gehling darein. also das er in seinen stetten zwen bischoff einen cristenlichen vnd einen arrianischen. In ritterlichen vnd streits sachen was er fuertreffenlich vnd anschlegig das er ettruriam vnnd liguriam mit den meer gegenden bis gein massiliam in seinen gewalt bracht. Er was auch also sinnreich das er die gesetzt die er allain durch gedechtnus in geprauch vnnd vbung het in ein ordnung eins buochs bracht. dann die longobardi waren dauor on gesetz gewesen .lxxi. iar. Zu letst het theodor’ der kaiserlich verweser oder anwalt in welschem land einen streit mit disem rothare do verlore theodorus sibentausent mann vnd rotharis starb on suene. ROdoaldus regiret nach ime fuenff iar. dem wardt Theodalinde der koenigin tochter verheyrat. der doch in flaischgirigkeit also versencket was das er in eebruch eins weibs begriffen vnd von irem mann erstochen wardt. ARipertus der konig nach ime regiret .ix. iar vnd pawet zu papia ein schoens gotzhaws in der ere vnsers haylands vnd starb vnd ließ zwen suen. partheritem vnd gundibertum nachkomen am koenigreich. Zuo denselben zeitten hielten die longobardi mit den roemern vnd rauennern allenthalben frid. aber sie bewegten allerlay auffruor vnderainander. Als nw Grimoaldus der Beneuentanisch hertzog der longopardier verstund das die zwen obgenanten brueder zwaytrachtig waren do kom er mit großem volck gein papiam. daselbst veriaget er partheritem den iungen koenig auß der statt vnd vertribe gundibertum seinen bruoder auß mayland. Als aber solch zwytracht an Clodoueum den koenig zu franckreich gelanget do sendet er vil volcks in welsche land. die wurden von Grimoaldo hindersich getriben. Ettlich schreiben das sich die Longopardi in zukunft der Gallier in ein gerichte flucht gestellt vnd in irer wagenburg vnd heergeleger vil weins gelaßen vnd sich nit ferne von danne in ein heimlichs geleger verborgen hetten. do waren die gallier in der wagenburg des weins froelich. ersattiget vnd mit schlaf beschweret vnd also als das vih erschlagen worden. GRimmoaldus der zehend Longobardisch koenig regiret .ix. iar. In disem koenig sind vil scheinperer gabe des leibs vnd gemueets gewesen. dann er was an kluogheit vnd teten in handlungen nit allain anhayms. sunder auch außerhalb wolgeschikt vnd tueglich. Er het ein mittelmessige person. starcken leib. kales hawbt. langen part von sinnen vnd leib tatig vnd behend. Als er ime zu der adern am arm gelaßen vnd mit eim bogen ein tawben geschoßen het do. pluotet die adern an vnderlaß bis er starb. NAch absterben constantii des kaisers komen die sarraceni mit großer schiffung vnd bekuemmerten die statt Suracuse vnd die gantzen inseln vnd komen mit rawb wider gein alexandriam vnd brachten auch mit ine die gezierde der statt rom von dannen. die Constantius daselbsthin gefueert het. DAgobertus der kuonig zu franckreich ein man listiger sinnreichigkeit mit rat vnd tat schickerlich vnd behend starb vmb dise zeit. Deß sele auß den henden der teuefel erledigt wardt mit hilff dionisii vnd mauritii des marterers vnd martini des beichtigers. die er dann alweg als sein patronen vnnd fuersprecher in seinem leben geeret het. Er regiret .xxxiiii. iar vnd het ein ewige feintschafft mit den engellendischen. vnd thet durch beystand des kaisers eraclii alle iuden in seinem koenigreich tawffen.
Das sechste Zeitalter. Jodocus, der heilige Einsiedler, war zu dieser Zeit für seine Tugenden berühmt. Und obwohl er der Sohn des Königs von Britannien war, verschmähte er doch königliche Ehre und weltlichen Prunk und begab sich in die Wüste. Darin lebte er lange Zeit heilig und starb danach, durch viele Wunderzeichen glänzend, selig. Egeltrudis, die Königin von England, war zu dieser Zeit berühmt. Sie war drei Männern verlobt und blieb dennoch Jungfrau. Ihr Leichnam wurde im elften Jahr nach der Bestattung noch unversehrt gefunden. Aurea, die heiligste Jungfrau, Jüngerin des Bischofs Eligius oder Loy, zeichnete sich zu dieser Zeit in Paris durch Zucht, Heiligkeit und besondere Geduld aus. Sie war von edlen Eltern geboren. Der heilige Eligius hatte sie wegen ihrer Heiligkeit und Klugheit über dreihundert Jungfrauen gesetzt. Forseus, ein Sohn eines Königs von Hibernia, hatte zu dieser Zeit zusammen mit zwei Brüdern, nach Verschmähung des Prunks seines Königreichs, ein klösterliches Leben angenommen. Er baute ein Kloster, und nicht lange danach, als seine Brüder geweiht wurden, starb er selig. Über vier Jahre danach wurde sein Leichnam von den Bischöfen Eligius und Ansbertus ohne jegliche Verwesung erhoben. Oswald, ein König des Volkes der Nordmänner, wurde im ersten Jahr des Kaisers Herakleios von Penda, dem König der Mercians, getötet. Er hatte Völker viererlei Zungen in seiner Gehorsam, nämlich die pikten, schottischen, britannischen und englischen. Seine rechte Hand, mit der er viel Almosen gegeben hat, ist noch heute mit dem Arm, Haut und Adern unversehrt zu sehen, während der Rest des Leibes gänzlich verascht ist. Diese Hand wird zu Bamburgh als ein Wunderwerk gezeigt. Die heilige Gertrudis starb im 21. Jahr des Kaisers Constans und war eine Tochter Ittas, der Witwe des Königs Pippin, die auf Eingebung des heiligen Amandus ein Kloster baute und diese Jungfrau Gertrud, ihre Tochter, dort hineinsetzte. Am Tag ihres Sterbens erschien sie einer Äbtissin zu Trier, die ihr gut bekannt war, und verkündete ihr ihren seligen Abschied. Sie leuchtete in vielen Wunderwerken. Leodegar, der Bischof, wurde zu den Zeiten Konstantins des Kaisers durch Ebroin, den schalkhaftigsten Mann (den König Theoderich wieder zu Gnaden annahm), mit mancherlei Peinigung gequält, gehungert, gekerkert und nach Ausgrabung seiner Augen, nach Zerschneidung seiner Fersen und nach Abschneidung seiner Zungen und Lippen enthauptet. Nach seinem Tod leuchtete er in vielen Wunderzeichen. Vigilius, der Bischof von Auxerre, edler Geburt und an Heiligkeit hervorragend, hat dasselbe Bistum 26 Jahre verwaltet. Und daselbst vor der Stadt baute er eine Kirche Unserer Lieben Frau mit einem Kloster und einem Spital. Er wurde wegen seiner Heiligkeit, als Hasser der Feinde der Gerechtigkeit, von einem namens Warachonus, dem Amtmann des Königs zu Frankreich, in einem Wald getötet. Derselbe Warachonus war ein Nachkomme Ebroins, der Leodegar verfolgte. Derselbe Ebroin wurde gesehen, dass ihn die Teufel zur Hölle trugen. Als aber Vigilius durch die Stadt Sens heimgeführt wurde, da zerbrachen die Ketten der Gefangenen, und sie gingen frei aus den Kerkern und brachten die Ketten zu seiner vorgenannten Kirche. Blatt 155 der Weltchronik. Caesarea, die Königin der Perser, ist zu dieser Zeit aus ihrem Königreich, heimlich und unwissend ihres Gemahls, des Königs, mit einer kleinen Anzahl ihrer Getreuen und Vertrauten in besonderer Kleidung, aus Liebe zum christlichen Glauben ausgezogen und nach Konstantinopel gekommen, nach Christi Geburt sechshundert und im dreiundachtzigsten Jahr. Sie wurde von dem Kaiser ehrenvoll empfangen. Und über etliche Tage danach (wie sie begehrte) getauft und von der Kaiserin aus der Taufe gehoben. Als solches an den König der Perser gelangte, da schickte er eilends seine Botschafter nach Konstantinopel, um seine Frau von dem Kaiser zurückzufordern. Da sprach der Kaiser: Es steht in der Königin Willkür, zu bleiben oder heimzuziehen. Als die Königin darum gefragt wurde, da sprach sie: Sie wolle nimmermehr heimkehren, es sei denn, der König nehme den christlichen Namen an sich. Da kam der König alsbald mit vierzigtausend Menschen nach Konstantinopel und wurde vom Kaiser aus der Taufe gehoben und in dem rechten christlichen Glauben bestätigt und von dem Kaiser mit vielen Gaben und Schenkungen geehrt. Und so kehrte er mit seiner Gemahlin, der Königin, fröhlich wieder heim in sein Königreich. Rotharis, der langobardische König, hat nach Arioald, seinem Vorfahren, 15 Jahre regiert. Und obwohl er mit vielen Tugenden begabt war, so war er doch mit dem arianischen Makel befleckt und zog auch alle Langobarden jählings darein. So dass er in seinen Städten zwei Bischöfe hatte, einen christlichen und einen arianischen. In ritterlichen und Streitsachen war er vortrefflich und anschlagig, dass er Etrurien und Ligurien mit den Meergegenden bis nach Marseille in seinen Gewalt brachte. Er war auch so sinnreich, dass er die Gesetze, die er allein durch Gedächtnis in Gebrauch und Übung hatte, in eine Ordnung eines Buches brachte. Denn die Langobarden waren davor 71 Jahre ohne Gesetz gewesen. Zuletzt hatte Theodorus, der kaiserliche Verweser oder Anwalt im wälschen Land, einen Streit mit diesem Rotharis, da verlor Theodorus siebentausend Mann, und Rotharis starb ohne Sühne. Rodoald regierte nach ihm fünf Jahre. Ihm wurde Theodelinde, die Tochter der Königin, verheiratet. Der doch in Fleischesgierigkeit so versunken war, dass er im Ehebruch mit einer Frau begriffen und von ihrem Mann erstochen wurde. Aripert, der König, regierte nach ihm neun Jahre und baute zu Pavia ein schönes Gotteshaus zu Ehren unseres Heilands und starb und hinterließ zwei Söhne, Pertharit und Godepert, als Nachfolger im Königreich. Zu denselben Zeiten hielten die Langobarden mit den Römern und Ravennaern allenthalben Frieden, aber sie bewegten allerlei Aufruhr untereinander. Als nun Grimoald, der beneventanische Herzog der Langobarden, verstand, dass die zwei obgenannten Brüder zwieträchtig waren, da kam er mit großem Volk nach Pavia. Daselbst verjagte er Pertharit, den jungen König, aus der Stadt und vertrieb Godepert, seinen Bruder, aus Mailand. Als aber solche Zwietracht an Chlodwig, den König zu Frankreich, gelangte, da sandte er viel Volk ins wälsche Land. Diese wurden von Grimoald zurückgetrieben. Etliche schreiben, dass sich die Langobarden beim Herannahen der Gallier in eine gestellte Flucht begeben und in ihrer Wagenburg und ihrem Heerlager viel Wein gelassen und sich nicht fern davon in einem heimlichen Lager verborgen hätten. Da waren die Gallier in der Wagenburg des Weins fröhlich, gesättigt und mit Schlaf beschwert und so wie das Vieh erschlagen worden. Grimoald, der zehnte langobardische König, regierte neun Jahre. In diesem König waren viele scheinbare Gaben des Leibes und Gemütes gewesen. Denn er war an Klugheit und Taten in Handlungen nicht allein daheim, sondern auch außerhalb wohlgeschickt und tüchtig. Er hatte eine mittelmäßige Person, starken Leib, kahles Haupt, langen Bart, von Sinnen und Leib tätig und behend. Als er sich zur Ader am...