Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter DOnus ein roemer wardt zu babst zu der zeit als Grimoaldus der koenig longobardorum starb. Desselben iars waren groß mechtig regen vnd vil menschen von den plitzen angeweet vergiengen. vnd das getrayd vnd die fruecht auff den eckern verdorret vnd verschwelcket. Diser donus was an heilligkeit des lebens vnd an lere tueglich. Ettlich clostermann auß syria die mit den nestorianischen ketzern helleten hat er in eim boecianischen closter ergriffen vnd gestraft vnd in mancherlay cloester außgetailt. vnd auch die rauennischen kirchen die dauor von der roemischen kirchen abgeschiden was wider zu gehorsam des bastlichen stuls gebracht. vndan vil kirchen vnd gotzhewßern hilff stewr vnd bessernng gethan. vnd zu letst starb er imb funften iar funften monat amb zehenden tag seins babstthumbs vnd der stuol ruoet zwen monat .xvi. tag Jar der werlt .vm,viijc.lxiij.Jar christi .vic.lxiiij. AGatho ein sicculus wardt auß eim clostermann zu babst erkoren. vnnd was ein man solcher heilligkeit das er mit seinem kuss einen außmerckigen menschen von stundan erlediget vnnd rayniget. so was er also senftmueetig vnnd gueetig das er nye ymant von ime trawrig ließ komen. Mit willen vnnd gunst des kaisers. der ime an sitten nit vngleich was hat er von der monothelitischen ketzer wegen zu constantinopel ein concili gehalten. vnd doch damit bis auff widerkunft des kaisers constantini auß dem krieg verzogen. Alßpald aber constantinus anhayms kome vnnd die von ime bestritnen sarracenos dem roemischen kaiserthumb zolpflichtig vnd zinsper gemacht het. do sendet diser babst agatho einen bischoff vnd einen diacon gein constantinopel die warden von constantino gueetlich empfangen vnd lieplich vermanet das sie nach hinlegung geschaynter vnd verzickter spiegel rede gezengk vnnd zwittracht die zwuo kirchen ein einige kirchen macheten. Aber agatho (zu des zeiten nach finsternus der sunnen vnd monds ein schwere pestilentz regiret) starb seins babstthumbs in dem andern iar.vi.monat.am.xv.tag. LEo der ander auch ein Siculus vnnd hohgelerter man lateinischer vnnd kriechischer zungen. vnnd in der musica also geuebt vnnd kuendig das er die psalm gedoen machet vnd die ymnos zu besserer stymmung bracht. Er ordnet das in der meßhaltung der frid dem volck gegeben werden solt. So hat er das sechst constantinopolitanisch concili also angenomen das er die ihenen verfluchet die dasselb concili in beywesen constantini verdambt het. Item er erlawbet das man alle tag so es die notturft hiesch tawffen solt. Auch ordnet vnd setzet er das der. der zu einem ertzbistumb auffgenomen wer vmb den geprauch des palliums oder anderer ambt der kirchen nichts zalen solt. Wolt got das solcs noch hewtbeytag gehalten wurdt. so doch auß solcher bezalung tagliche vbel entspringen. Aber Leo der gueetig vnd milt man starb in dem zehenden monat seins babstthumbs vnd wardt als ein gemayner getrewer vater von menigclichem bewaynet. Jar der werlt .vm,viijc.lxxxiij.Jar christi .vic.lxxxiiij. BEnedictus der ander ein roemer vnnd babst hat von iugent auff christo ritterschaft gepflegen vnd sich der heilligen schrift also geflißen das er an lere. kunst vnd vbung in goettlichen dingen deßmalß in sundrer achtung gehalten was von wegen seiner holdseligkeit. gueetigkeit vnd gnad gein menigclichem. vnd sunderlich gein den armen. Auß heilligkeit diss menschen wardt constantinus also bewegt dz er ime ein bestettigung zuschicket dermaßen das fuerohin allermenigclich den der von der roemischen briesterschaft. volck vnd ritterschaft zu babst erwelet wurd als einen waren vicari vnnd stathalter christi glawben solt. Er beßeret vil kirchen vnnd starb seins babstthumbs in dem zehenden monat amb .xij. tag. JOhannes der fuenft ein syrier von antiochia wardt vmb die zeit als constantinus starb zu babst erkorn. ein man sunderlichs cristenlichs wesens. senftmueetigkeyt. vnd schriftlicher weißheit. vnd er wardt in sant saluatoris kirchen constantiniana genant mit allermenigclichs verwilligung erkorn. vnd in gestalt wie babst leo der ander von dreyen bischoffen. nemlich von dem hostiensischen. portnensischen vnd veliternischen. dieselben weiß dann die nachkomnen fueroan auch gehalten haben. Als er nw zu letst ein buechlein von der wrdigkeit des palliums gemacht het do starb er in dem ersten iar seins babstthumbs vnd deßmalß ruoet der babstlich stuol zwen monat xix. tag. Blat CLVII der werlt COnstantinus des kaisers constantij sun hat nach constante vnd mezentio das roemisch kaiserthumb empfangen vnd .xvij. iar geregiret. Diser constantinus (der dann dauor von seinem vater Constantio zu eim mitgesellen des kaiserthumbs aufgenomen wardt) fiele nach ertoedtung desselben seins vaters (als hieuor steet) in großen schrecken vnd handlet alle ding also forchsamlich das er das kaiserthumb wo sich einicher gewalt wider ine erewget het moecht verlorn haben. Er was darnach ein cristenlicher. tapferer vnd gar tugentreicher man. der nach empfangnem kaiserthumb Eraclium vnd tiberium sein brueder in gemaynsam des kaiserthumbs zu ime name. Wiewol ettlich schreiben das er dieselben sein brueder (auff das sie nit nach dem reich stelleten) der nasen berawbt hab. Darnach hat er die kirchen die zu den zeitten eraclij von den ketzern zerruedet warden wider aufgerichtet. vnd dannoch auch andere kirchen gepawet. So hat er auch als ein streythaftig vnd der waffen geuebt man des roemischen reichs feinde die sarracenos mit krieg ernidergelegt vnnd in dem zehenden iar seins kaiserthumbs dieselben sarracenos mit eylender obsigung also bestritten das sie gelobten dem kaiserthumb zinsper vnd steueerpflichtig zesein. vnd also befridet er sich mit inen vnd keret wider gein constantinopel vnd zu vereinigung der kriechen mit der roemischen kirchen hat er das sechst concili zu constantinopel auf bete agathonis des babsts gesammelt. vnd do er nw guoter werck vol was do starb er zu constantinopel vnd ließ iustinianum seinen sun einen nachkomen amb kaiserthumb. DIe sechsten gemain versamlung zu constantinopel hieß kaiser constantinus halten. Daselbst waren zwen legaten agatonis des babsts. Nemlich Johannes der portuensisch bischoff vnd Johannes ein diacon der roemischen kirchen. So komen auß gepote des kaisers daselbsthin. ijc.lxxxix. bischoff. Alda wardt von den sachen die monothelitischen ketzer antreffende gehandelt. die wider die cristenlichen warheit hielten das allain ein einicher wil in christo wer. Vnd vrsacher diser ding waren zwen bischoff. Georgius zu constantinopel vnd macharius zu antiochia. Vnd wiwol sich Georgius nach fuerhaltung vernuenftiger sachen leichtlich ab seiner irrung fueeren ließ so verharret doch macharius als ein vestockt man in seiner widerspennigkeit darumb wardt er nit allain seiner bischoflichen wirdigkeit entsetzet. sunder mitsambt den gestorben ketzern sergio pyrrho vnd iren anhengern derselben irrung dem tewfel gegeben. vnd zu letst mit ettlichen iren verwandten gein rom verschickt. vnd Theophanius der abbt an desselben macharij statt zu bischoff gesetzet. Nw zu dancksagung got dem herren dz er bede kirchen ein einiche gemacht het do hielt der obgenant portuensisch bischoff amb achten tag der ostern vor dem kaiser vnd patriarchen vnd vor dem constantinopolitanischen volck in der kirchen sancte sophie das abt der heilligen meß lateinisch vnd allermenigclich die do gegenwertig waren erkenneten das solcs die recht vnnd heillig weiß mess zehalten wer. In disem concili wardt nach maynung der heilligen cristenlichen lerer beschlossen zwu natur vnd wurckung in christo sein vnd nit ein einige nach der monethilitischen ketzer irrung. DIser zeit schine ein comet drey monat aneinander. der zaiget an großen nachfolgenden iamer. dann es komen groß regen vnnd thonrsleg. der gleichen vormals vngesehen. die element stellten sich als ob sie zu außtilgung der statt rom vnnd welschs lannds zusamen gesworen hetten. vil vihs starb dauon den menschen große beschedigung entstuond. vil mann warden von den plitzen angeweet vnd starben vil getraydtgewechs verdorret vnd verswelket auff dem velde. also das zemeß als arbays ponen linsen vnnd der gleichen dem volck ein große ergetzlichkeyt was. vnd wo dieselben kornlein vomb winnd vnd regen außgeschlagen einen krawtigen wasen errachten so komen sie zu zeitigung. NAch der sunnen vnd des monds finsternus kom ein fast schwere pestilentz die verwueestet vnd veroeddet die statt papiam. also das die burger daselbst auff die hoehe der berg zohen vnd in der statt stawden vnnd krawt wuchsen.
Das sechste Zeitalter. Donus, ein Römer, wurde zum Papst gewählt zu der Zeit, als Grimoald, der König der Langobarden, starb. In demselben Jahr gab es große, mächtige Regenfälle, und viele Menschen kamen durch Blitzeinschläge um. Das Getreide und die Früchte auf den Äckern verdorrten und verschwelkten. Dieser Donus war in der Heiligkeit seines Lebens und in seiner Lehre tüchtig. Etliche Klostermänner aus Syrien, die mit den nestorianischen Ketzern hielten, hat er in einem boetianischen Kloster ergriffen und bestraft und auf mancherlei Klöster verteilt. Und auch die ravennatischen Kirchen, die zuvor von der römischen Kirche abgeschnitten waren, brachte er wieder zum Gehorsam des päpstlichen Stuhls. Und an vielen Kirchen und Gotteshäusern leistete er Hilfe, Unterstützung und Verbesserung. Und zuletzt starb er im fünften Jahr, im fünften Monat, am zehnten Tag seines Papsttums, und der Stuhl ruhte zwei Monate und sechzehn Tage. Im Jahr der Welt 5863, im Jahr Christi 664. Agatho, ein Sizilianer, wurde aus einem Klostermann zum Papst erwählt und war ein Mann solcher Heiligkeit, dass er mit seinem Kuss einen aussätzigen Menschen auf der Stelle heilte und reinigte. Er war so sanftmütig und gütig, dass er niemals jemanden traurig von sich gehen ließ. Mit dem Willen und der Gunst des Kaisers, der ihm an Sitten nicht ungleich war, hielt er wegen der monotheletischen Ketzer ein Konzil in Konstantinopel ab, verzögerte es aber bis zur Rückkehr des Kaisers Constantinus aus dem Krieg. Sobald Constantinus aber heimkam und die von ihm bekämpften Sarazenen dem römischen Kaisertum zollpflichtig und zinsbar gemacht hatte, da sandte dieser Papst Agatho einen Bischof und einen Diakon nach Konstantinopel. Diese wurden von Constantinus gütlich empfangen und lieblich ermahnt, dass sie nach Ablegung scheinbarer und verzwickter Spiegelrede, Gezänk und Zwietracht die zwei Kirchen zu einer einzigen Kirche machten. Aber Agatho (zu dessen Zeiten nach Finsternis der Sonne und des Mondes eine schwere Pestilenz regierte) starb in dem zweiten Jahr, im sechsten Monat, am fünfzehnten Tag seines Papsttums. Leo der Zweite, auch ein Sizilianer und hochgelehrter Mann lateinischer und griechischer Zunge, und in der Musik so geübt und kundig, dass er die Psalmen vertonte und die Hymnen zu besserer Stimmung brachte. Er ordnete an, dass in der Messhaltung der Friede dem Volk gegeben werden sollte. So hat er das sechste konstantinopolitanische Konzil angenommen, indem er diejenigen verfluchte, die dasselbe Konzil in Anwesenheit Constantinus' verdammt hatten. Item, er erlaubte, dass man alle Tage taufen sollte, wenn es die Notwendigkeit erforderte. Auch ordnete und setzte er fest, dass derjenige, der zu einem Erzbistum aufgenommen würde, für den Gebrauch des Palliums oder anderer Ämter der Kirche nichts zahlen sollte. Wollte Gott, dass solches noch heutzutage gehalten würde, wo doch aus solcher Bezahlung tägliche Übel entspringen. Aber Leo, der gütige und milde Mann, starb in dem zehnten Monat seines Papsttums und wurde als ein gemeinsamer, treuer Vater von jedermann beweint. Im Jahr der Welt 5883, im Jahr Christi 684. Benedikt der Zweite, ein Römer und Papst, hat von Jugend auf Christus Ritterschaft gepflegt und sich der Heiligen Schrift so befleißigt, dass er an Lehre, Kunst und Übung in göttlichen Dingen damals in besonderer Achtung gehalten wurde wegen seiner Holdseligkeit, Gütigkeit und Gnade gegenüber jedermann, und besonders gegenüber den Armen. Aus der Heiligkeit dieses Menschen wurde Constantinus so bewegt, dass er ihm eine Bestätigung zuschickte, dermaßen, dass fortan jedermann den, der von der römischen Priesterschaft, dem Volk und der Ritterschaft zum Papst erwählt würde, als einen wahren Vikar und Statthalter Christi glauben sollte. Er besserte viele Kirchen und starb in dem zehnten Monat, am zwölften Tag seines Papsttums. Johannes der Fünfte, ein Syrer aus Antiochia, wurde um die Zeit, als Constantinus starb, zum Papst erwählt. Ein Mann von besonderem christlichen Wesen, Sanftmütigkeit und schriftlicher Weisheit. Und er wurde in der Kirche Sankt Salvator, Constantinian genannt, mit jedermanns Zustimmung erwählt, und in der Weise, wie Papst Leo der Zweite, von drei Bischöfen, nämlich von dem ostiensischen, portuensischen und veliternischen. Dieselbe Weise haben dann die Nachkommen fortan auch beibehalten. Als er nun zuletzt ein Büchlein von der Würdigkeit des Palliums gemacht hatte, da starb er in dem ersten Jahr seines Papsttums, und damals ruhte der päpstliche Stuhl zwei Monate und neunzehn Tage. Blatt 157. Im Jahr der Welt. Constantinus, der Sohn des Kaisers Constantius, hat nach Constans und Mezentius das römische Kaisertum empfangen und siebzehn Jahre regiert. Dieser Constantinus (der dann zuvor von seinem Vater Constantius zu einem Mitgesellen des Kaisertums aufgenommen wurde) fiel nach der Tötung desselben seines Vaters (wie hiervor steht) in großen Schrecken und handelte alle Dinge so furchtsam, dass er das Kaisertum, wo sich irgendeine Gewalt wider ihn erhoben hätte, hätte verlieren können. Er war darnach ein christlicher, tapferer und sehr tugendreicher Mann, der nach empfangenem Kaisertum Heraclius und Tiberius, seine Brüder, in die Gemeinschaft des Kaisertums zu sich nahm. Wiewohl etliche schreiben, dass er dieselben seine Brüder (auf dass sie nicht nach dem Reich strebten) der Nasen beraubt habe. Darnach hat er die Kirchen, die zu den Zeiten Heraclius' von den Ketzern zerrüttet wurden, wieder aufgerichtet und dannoch auch andere Kirchen gebaut. So hat er auch als ein streitbarer und der Waffen geübter Mann die Feinde des römischen Reiches, die Sarazenen, mit Krieg niedergeworfen und in dem zehnten Jahr seines Kaisertums dieselben Sarazenen mit eilender Obsiegung so bekämpft, dass sie gelobten, dem Kaisertum zinsbar und steuerpflichtig zu sein. Und so befriedete er sich mit ihnen und kehrte wieder nach Konstantinopel zurück. Und zur Vereinigung der Griechen mit der römischen Kirche hat er das sechste Konzil zu Konstantinopel auf Bitte Agathos des Papstes versammelt. Und da er nun voller guter Werke war, da starb er zu Konstantinopel und hinterließ Justinian, seinen Sohn, als Nachfolger im Kaisertum. Die sechste allgemeine Versammlung zu Konstantinopel hieß Kaiser Constantinus halten. Daselbst waren zwei Legaten Agathos des Papstes, nämlich Johannes, der portuensische Bischof, und Johannes, ein Diakon der römischen Kirche. So kamen auf Gebot des Kaisers dorthin 289 Bischöfe. Alda wurde von den Sachen, die die monotheletischen Ketzer betrafen, gehandelt, die wider die christliche Wahrheit hielten, dass allein ein einziger Wille in Christus wäre. Und Urheber dieser Dinge waren zwei Bischöfe: Georgius zu Konstantinopel und Macharius zu Antiochia. Und wiewohl sich Georgius nach Vorhaltung vernünftiger Sachen leichtlich von seiner Irrung führen ließ, so verharrte doch Macharius als ein verstockter Mann in seiner Widerspenstigkeit. Darum wurde er nicht allein seiner bischöflichen Würdigkeit entsetzt, sondern mitsamt den gestorbenen Ketzern Sergius, Pyrrhus und ihren Anhängern derselben Irrung dem Teufel gegeben und zuletzt mit etlichen ihrer Verwandten nach Rom verschickt. Und Theophanius, der Abt, an desselben Macharius' statt zum Bischof gesetzt. Nun zu