Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter COnon auß tracia puertig in sicilia erzogen wardt zu babst erwelet. ein frummer man vnd solcher hoehe wol wirdig. dann als er die roemer Petrum den ertzbischoff. vnd die ritterschaft Theodorum den briester zu babst machen wolten do erweleten sie darnach auß goetlicher vermanung disen canonem ainhelligclich. dann er was an sitten. weißheit der schrift. gueetigkeit. geistlichkeit vnd gestalt der wirdigkeit ein beruembt loeblich man. Ettlich hießen ine einen englischen man von seins erwirdigen growen alters vnnd auch von seiner erbern person wegen. Er was ein man schlechts vnnd gantzs gemueets. sunderer beschaidenheit vnnd gerechtigkeit. vnnd mer dann menschlicher bestendigkeit vnd kluogheit. Aber er wardt pald nach angenomnem babstthumb mit schwachheit seins leibs beladen. Demnach raytzet pascalis der ertzbischoff vnd pfleger des bebstlichen schatzs auß begirde des babstthumbs Johannem den kaiserlichen verweser oder anwalt in Welschem lannd mit gelt ime nach absterben Cononis zu dem babstthumb zehelffen. do name der kaiserlich anwalt das gelt. er laystet aber nit was er verhieß. Conon starb im .xii. manat seins basthumbs. vnd der stuol feyret in den dritten monat. Jar der werlt .vm.viiic.xciii. Jar christi .vic.xciiii. SErgius der babst auß syria von anthiochia kom zu den zeiten des babsts Adeodati gein rom vnd wardt in die roemischen pfafheit gefordert vnd von wegen seiner schriftlichen weißheit vnd fleiß bey goettlichen dingen also erkant das er nach Conone zu babst erkorn wardt. doch nit an zwittracht. dann das roemisch volck begeret theodori des ertzbischofs. So nenneten ettlich auß anlayttung des kaiserlichen anwalts pascalem. Als sie aber von beden teyln in dem latranensischen pallatio zusamen komen do wurden die pfafheit vnd das volck vmb Sergio der wal ainhellig. Der wolt darnach in des kaisers Justiniani concili nit verwilligen. darinn gepote der kaiser denselben babst gepundeen zu ime zebringen. aber die welsch ritterschaft wolt solchs nit verrhenngen. Als er aber nach erlagtem frid sein gemueet zu besserung der kirchen wendet. vnd an sant peters kirchen merckliche vernewerung auffrichtet do funde er einen teil des heilligen creuetzs in einem erinen truehlein oder sarchlein. Diser babst hat geordnet in der prechung des heilligen fronleichnams zu dreymaln dz agnus dei etc. zesingen. Er starb im .xiiii. iar seins babstthumbs. vnd der stuol ruoet deßmals ein monat .xx. tag. JOhannes der sechst auß kriechischem land puertig wardt zu babst als theophilatius in welsche land zohe. vnnd hat an den roemischen gotzhewßern nit wenig besserung gethan. vnd auch als ein gueetiger man auß gemayner schatzkamer der kirchen vil gefangen erloeset. Er starb seins babstthumbs imb dritten iar amb dritten monat als ein martrer. als ettlich woellen. aber von wem er gemartert sey ist nit kundtper. JOhannes der sibend auch ein kriechischer man ist zu den zeiten babst worden als Justinianus wider gein constantinopel komend tiberium vnd leontium von dem er auß dem kaiserthumb geworffen was in angesiht des volcks ertoedten hieß. Diser Johannes was gar ein wolberedter vnd heilliger man vnd pawet in sannt Peters kirchen ein bethewßlein zu eren der muter gottes. do die wennde zur rechten vnnd lincken hand von erhebtem werck gemacht ettlicher heilliger veter antlitz zaigen. vnd er hat sunst mancherlay besserung vnd zierung an den gotzhewßern getan. Er starb seins babstthumbs im andern iar .vii. monat am .xvii. tag. der stuol feiret drey monat. SIsimus oder Sosimus auß syria puertig hat in seinem babstthumb nit lenger dann .xx. tag gelebt. Wiewol er nw der herren kranckheit an henden vnd fueßen het also das er weder geen noch selbs einich speiß nemen mocht. so ist er doch in handlung der roemischen statt vnd gemayner cristenheit sachen also sorgfeltig gewest das er vor. vnd in dem babstthumb nichtz vesawmet das eim frummen zethun gepueret dann er beraytet yetzo allen zeueg damit er die zinnen vnd alte verfallen tempel der statt in besserung brechte. Aber er wardt mit eyllendem tod begriffen. vnd des mals ruoet der babstlich stuol on einen vorgeer ein monat .xxviii. tag. der werlt Blat CLVIII IVstinianus der ander oder iunger und des vorgenanten constantini sun blib nach dem vater erstlich zehen iar imb kaiserthumb vnd was zu erst guot. kluog. fuersichtig vnd ein milter außgeber der almuosen. Diser sach halben hat er das constantinopolitanisch kaiserthumb fast gemeret vnd vil gesetz machende die goetlichen cristenlichen gaistlichkeit geeret. vnd als er .x. iar geherrschet het do bracht er affricam von dem gewalt der sarracen vnd machet mit inen zu land vnd auff dem meer frid. vnd gleicherweiß wie seins gestorben vaters fuergenomen newigkeit die lannd Affricam vnnd libiam verlore also warden auch dieselben prouintzen durch entstandne newigkeit vnder den sarracenen wider erobert. dann als Gizites der sarracenisch konig starb do kome baldalan an sein statt vnd do er hoeret das iustinianus das kaiserthumb mit verwilligung aller prouintzen eingenomen het do muotet er ine willigclich eins frids an. durch solche puendtnus gelangten affrica vnd libia wider an das kaiserthumb. vnnd ettlich schreiben das in derselben puendtnus bedingt worden wer das die sarracen dem roemischen kaiser zehen iar an einander iedes tags tawsent guldein pfenning vnnd einen knecht auß irem volck vnd darzu ein pferdt raichen solten. Dazwischen fienge iustinianus an: sich gein got vnd gein den menschen wunderlicher vnbestendigkeit zegebrauchen vnnd die sarracenos vnd bulgaros wider die puendtnus des aufgenomen frids anzegreiffen: aber er empfieng von inen mer vnrats dann er inen zufueeget. do keret er wider gein constantinopel daselbst wardt er von allen burgern gehasset darumb das er die grawsamkeit des verwesers der statt nit stillet. vnd auch ein concili gehabt het darinn ettliche stueck wider die cristenlichen gewonheit wesende fuergenomen warden die doch der babst Sergius nit bestetigen wolt. darumb der kaiser vber den babst erzuernet vnd ine gepunden zu ime fueeren hieß. das aber die welsch ritterschaft nit gestatten wolt. In disen lewften erhub sich Leoncius der constantinopolitanisch ratherr mit verwilligung gallinici des patriarchen daselbst wider den kaiser vnd raitzet das volck zu der waffen. zerbrache die kercker mit gewalt vnd ließ die gefangen ledig. fienge iustinianum vnd schnitte ime die nasen ab vnd verschicket ine in das ellend. LEontius oder (als die andern woellen) Leo der ander vnderstund sich nach außwerffung iustiniani des kaiserthumbs vnd regiret drey iar. Vnd als nw solch aufwegung des kaiserthumbs an Habdimelech den sarracenisch konig gelangten. do vnderfieng er sich affricam anzegreiffen. Wider den schicket Leontius Johannem einen hawbtman der ritterschaft mit eim heer der veriaget sie auß gantzem Affrica. Aber vnlang darnach als ein aufruor zwischen ine entstund do machten sie Tiberium einen constantinopolitanischen burger zu kaiser. der schiffet eyllends gein Constantinopel vnd fienge leontium vnd thet ime wie er iustiniano getan het ine in einen kercker legende. TIberius der drit hat nach dem gefangnen vnd eingekerckerten Leontio siben iar geregirt vnd was ein fast edler constantinopolitanischer burger vnnd wardt in einer auffruor (als hieuor gemeldet ist) zu kaiser erwelet vnd hat einen constantinopolitanischen burger philippus genannt in das ellend veschickt darumb das er gesagt het er het in eim trawm gesehen das ein adler ime sein hawbt beschattet het. Diser Tiberius wardt nachfolgend entsetzet als hernach folgt. IVstinianus ettwen kaiser auß beystand der bayern vnd bulgarorum wider gein constantinopel kerend hat sechs iar geregirt. dann als er bey anfang babst Johannis des sechsten in der statt cersona dahin er in elllend verschickt wardt ime fuergenomen het dem kaiserthumb widerumb nachzestellen do vnderstunden sich die burger die dem obgenanten tiberio verpflichtet warn iustinianum zefohen aber er kome heimlich doruon vnd fluhe zu den bayern. dem vertrewtet ir konig sein tochter. vor außgang eins iars wardt der konig von tiberio obgenant mit gelt also verkeret das er Justininianum seinen gast vnd tochterman dargeben wolt. dess wardt iustinianus gewarnet vnd fluhe zu dem konig bulgarorum dem befalhe er sich. durch des hilff wardt er mit gewappenter hand wider anhayms gefuert gein constantinopel. daselbst hieß er leontium vnd tiberium ertoedten vnd gallinicum den patriarchen seins gesyhts berawben vnd gein rom schicken. vnd als offt er sein abgeschnyttne nasen rayniget also offt hieß er einen seiner widersacher zu stuecklein zerhawen. Nachfolgend ist er mit Tiberio seinem sun in eim streyt ernidergelegen.
Das sechste Zeitalter. Konon, aus Thrakien gebürtig und in Sizilien erzogen, wurde zum Papst gewählt, ein frommer Mann und einer solchen Höhe wohl würdig. Denn als die Römer Petrus, den Erzbischof, und die Ritterschaft Theodor, den Priester, zum Papst machen wollten, da wählten sie danach aus göttlicher Ermahnung diesen Konon einstimmig. Denn er war an Sitten, Weisheit der Schrift, Gütigkeit, Geistlichkeit und Gestalt der Würdigkeit ein berühmter, lobenswerter Mann. Etliche nannten ihn einen englischen Mann wegen seines ehrwürdigen grauen Alters und auch wegen seiner ehrbaren Person. Er war ein Mann schlichten und ganzen Gemüts, besonderer Bescheidenheit und Gerechtigkeit, und mehr als menschlicher Beständigkeit und Klugheit. Aber er wurde bald nach der Annahme des Papsttums mit Schwachheit seines Leibes beladen. Danach reizte Paschalis, der Erzbischof und Pfleger des päpstlichen Schatzes, aus Begierde nach dem Papsttum Johannes, den kaiserlichen Verweser oder Anwalt im welschen Land, mit Geld, ihm nach dem Absterben Konons zum Papsttum zu verhelfen. Da nahm der kaiserliche Anwalt das Geld, er leistete aber nicht, was er verhieß. Konon starb im zwölften Monat seines Papsttums, und der Stuhl ruhte im dritten Monat. Jahr der Welt 5893. Jahr Christi 694. Sergius, der Papst, aus Syrien von Antiochia kommend, kam zu den Zeiten des Papstes Adeodatus nach Rom und wurde in die römische Priesterschaft aufgenommen und wegen seiner schriftlichen Weisheit und seines Fleißes bei göttlichen Dingen so anerkannt, dass er nach Konon zum Papst erwählt wurde, doch nicht ohne Zwietracht. Denn das römische Volk begehrte Theodor, den Erzbischof. So nannten etliche auf Anstiftung des kaiserlichen Anwalts Paschalis. Als sie aber von beiden Teilen im Lateranpalast zusammenkamen, da wurden die Priesterschaft und das Volk bezüglich der Wahl Sergios einstimmig. Dieser wollte danach dem Konzil des Kaisers Justinian nicht zustimmen. Darin gebot der Kaiser, denselben Papst gebunden zu ihm zu bringen, aber die welsche Ritterschaft wollte solches nicht zulassen. Als er aber nach erlangtem Frieden sein Gemüt zur Besserung der Kirche wandte und an Sankt Peters Kirche merkliche Erneuerungen aufrichtete, da fand er einen Teil des Heiligen Kreuzes in einem ehernen Truhelein oder Särglein. Dieser Papst hat angeordnet, bei der Brechung des heiligen Fronleichnams dreimal das Agnus Dei etc. zu singen. Er starb im vierzehnten Jahr seines Papsttums, und der Stuhl ruhte damals einen Monat und zwanzig Tage. Johannes der Sechste, aus griechischem Land gebürtig, wurde zum Papst, als Theophylaktus ins welsche Land zog und hat an den römischen Gotteshäusern nicht wenig Besserung getan und auch als ein gütiger Mann aus der gemeinsamen Schatzkammer der Kirche viele Gefangene erlöste. Er starb im dritten Jahr, im dritten Monat seines Papsttums als ein Märtyrer, wie etliche meinen, aber von wem er gemartert sei, ist nicht bekannt. Johannes der Siebte, auch ein griechischer Mann, ist zu den Zeiten Papst geworden, als Justinian, wieder nach Konstantinopel kommend, Tiberius und Leontius, von dem er aus dem Kaisertum geworfen worden war, im Angesicht des Volkes töten ließ. Dieser Johannes war gar ein wohlberedter und heiliger Mann und baute in Sankt Peters Kirche ein Bethäuslein zu Ehren der Mutter Gottes, wo die Wände zur rechten und linken Hand von erhabenem Werk gemacht, etlicher heiliger Väter Antlitz zeigen. Und er hat sonst mancherlei Besserung und Zierung an den Gotteshäusern getan. Er starb im zweiten Jahr, siebten Monat, am siebzehnten Tag seines Papsttums. Der Stuhl ruhte drei Monate. Sisimus oder Sosimus, aus Syrien gebürtig, hat in seinem Papsttum nicht länger als zwanzig Tage gelebt. Obwohl er nun die Herrenkrankheit an Händen und Füßen hatte, sodass er weder gehen noch selbst irgendeine Speise nehmen mochte, so ist er doch in der Handlung der römischen Stadt und der gemeinen Christenheitssachen so sorgfältig gewesen, dass er vor und in dem Papsttum nichts versäumte, das einem Frommen zu tun gebührt, denn er bereitete jetzt alles Zeug, damit er die Zinnen und alte verfallene Tempel der Stadt in Besserung brächte. Aber er wurde von eilendem Tod begriffen, und damals ruhte der päpstliche Stuhl ohne einen Nachfolger einen Monat und achtundzwanzig Tage. Blatt 158. Justinian der Zweite oder Jüngere und der Sohn des vorgenannten Konstantin blieb nach dem Vater erstlich zehn Jahre im Kaisertum und war zuerst gut, klug, fürsichtig und ein milder Ausgeber der Almosen. Dieser Sache halber hat er das konstantinopolitanische Kaisertum fast gemehrt und viele Gesetze machend die göttliche christliche Geistlichkeit geehrt. Und als er zehn Jahre geherrscht hatte, da brachte er Afrika vom Gewalt der Sarazenen und machte mit ihnen zu Land und auf dem Meer Frieden. Und gleichermaßen, wie seines gestorbenen Vaters vorgenommene Neuigkeit die Länder Afrika und Libyen verlor, so wurden auch dieselben Provinzen durch entstandene Neuigkeit unter den Sarazenen wieder erobert. Denn als Gizites, der sarazenische König, starb, da kam Abd al-Malik an seine Statt, und als er hörte, dass Justinian das Kaisertum mit Einwilligung aller Provinzen eingenommen hatte, da bot er ihm bereitwillig Frieden an. Durch solches Bündnis gelangten Afrika und Libyen wieder an das Kaisertum. Und etliche schreiben, dass in demselben Bündnis bedingt worden wäre, dass die Sarazenen dem römischen Kaiser zehn Jahre aneinander jeden Tags tausend Gulden Pfennig und einen Knecht aus ihrem Volk und dazu ein Pferd liefern sollten. Dazwischen fing Justinian an, sich gegen Gott und gegen die Menschen wunderlicher Unbeständigkeit zu gebrauchen und die Sarazenen und Bulgaren wider das Bündnis des aufgenommenen Friedens anzugreifen; aber er empfing von ihnen mehr Unheil, als er ihnen zufügte. Da kehrte er wieder nach Konstantinopel zurück; daselbst wurde er von allen Bürgern gehasst, darum dass er die Grausamkeit des Verwesers der Stadt nicht stillte. Und auch ein Konzil gehabt hatte, darin etliche Stücke, die wider die christlichen Gewohnheiten waren, vorgenommen wurden, die doch der Papst Sergius nicht bestätigen wollte. Darum der Kaiser über den Papst erzürnt und ihn gebunden zu ihm führen ließ, das aber die welsche Ritterschaft nicht gestatten wollte. In diesen Läuften erhob sich Leontius, der konstantinopolitanische Ratsherr, mit Einwilligung Gallinicus', des Patriarchen daselbst, wider den Kaiser und reizte das Volk zu den Waffen. Zerbrach die Kerker mit Gewalt und ließ die Gefangenen frei. Fing Justinian und schnitt ihm die Nase ab und verschickte ihn in das Exil. Leontius oder (wie die anderen wollen) Leo der Zweite unternahm sich nach der Absetzung Justinians des Kaisertums und regierte drei Jahre. Und als nun solch Aufwiegelung des Kaisertums an Abd al-Malik, den sarazenischen König, gelangte, da unternahm er sich, Afrika anzugreifen. Wider diesen schickte Leontius Johannes, einen Hauptmann der Ritterschaft, mit einem Heer, der verjagte sie aus ganzem Afrika. Aber unlängst danach, als ein Aufruhr zwischen ihnen entstand, da machten sie Tiberius, einen konstantinopolitanischen Bürger, zum Kaiser. Der schiffte eilends nach Konstantinopel und fing