Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
DIser zeit ist das concili zu aquileia zweifellich gewest ob es dz fuenft concili dauor zu constantinopel gehalten annemen woelt so lang bis es mit heilperr vermanung des babsts zu annemung desselben bewegt wardt. dann dasselb fuenft concili wardt gehalten zu den zeiten babsts iulii vnd kaisers iustiniani wider theodorum vnd alle ketzer die do hielten das maria allain einen menschen vnd nit got vnd menschen geporen het. darumb wardt in dem selben concili gesetzt das die heillig maria ein muter gottes genent solt werden. dann sie nit allain einen menschen sunder warlich got vnd menschen geporen hat. Theodorus der engellendisch bischoff hohgelert vnd frumm mann hat diser zeit in engelland gereichßnet. vnd vil treffenlicher schriften gemacht. vnnd sunderlich ein buech mit was buoß ein yede sund abgewaschen werden sol. Sant Theodorus der augustudinensisch bischoff schyne diser zeit auch. LAmpertus der heilligst man hat diser zeit zu Luettich die marter gelidden darumb das er pipinum den hertzogen redstraffet vmb den mißbrauch Alpiadis der zufrawen neben seinem eelichen weib. Wiewol ettlich sagen das der bruder derselben alpiadis solchs vbel selbs geuobt hab vnnd nachfolgend von den hawbtwuermen gefressen worden sey. Diser Lampertus auß reichen vnnd edeln eltern geporn vnnd von iugent auff der schrift vnderrichtet wardt von seiner heiligkeit wegen von menigclichen also geliebet das er nach Theodardo seinem maister zu eim bischoff zu Vrtrich auffgenomen wardt. Als nw Childericus der ine gefuerdert het erschlagen wardt do haben ine boeße lewt seiner eren berawbt vnd pharamundum an sein stat gesetzt. do gieng lampertus mit zwayen kindern in ein closter darinn er siben iar ein loblich wesen fueret. Aber pharamundus ward darnach außgetriben vnd lampertus widereingesetzt vnd maniger mensch von ime mit lere vnd ebenpildt zu got bekeret. Vnd als er ainß mal creutzweis in seinem gebet lage do wardt er von boßhaftigen lewten zu Luettich ertoedt vnd haimlich auff eim schiff zu der bischofflichen kirchen gefueert vnd von der feind wegen pald begraben. Aber sand Chumbertus sein nachkomen hat auß himlischer vermanung sant lamprechts leichnam von vtrich gein luettich mit großer glori der wunderzaichen gefueert. BEda en engellender briester vnd closterman des zunamens erwirdig genannt vnd lateinischer vnd kriechischer zungen nit wenig erfarn. hat im iar des herren vic.xcii. fuer das cristenlich wesen nit wenig gearbeitet. In dem .xxx. iar seins alters ward er zu briester geweihet. vnd wiewol er in eim eueßersten winckel der werlt geporn ist. so hat er doch die gantzen erden durchschinen. darumb dz er zeleren vnnd zepredigen bis in sein alter oder zeschrieben nit abgelaßen hat. also das er .lvix. iar zeleren vnnd buecher zemachen nye sewmlich gefunden worden ist. vnd vmb seiner tapfferheit vnd ersamen wesens willen ist er der erwirdig zugenambt worden. Er hat als ein hohgelert man vil guts nuetzlichs cristenlichs dings geschriben. vnd ist in dem .lxxxii. iar seins alters vol guter werck gestorben. Strabo vnnd Haymo die hohgelerten mann sind sein brueder gewesen. SAnt Benedicten leichnam sol diser zeit ab dem cassinischen berg verstolens hingenomen vnd in galliam gefueert worden sein. PIpinus der hertzog zu oesterreich oder osterwalden vnderstund sich des konigreichs zu franckreich. von dem hat sich der berumbt namen korolorum bey den franckreichischen angehebt. dann als er verstund das Bertarius ein vngeborner oder nit geadelter man (des sich theodericus der konig zu franckreich fast geprauchet) von allermenigclichen gehasset wardt do sammelt er ein groß mechtig heer vnd zohe in galliam vnnd machet theodericum vnnd bertarium die ime entgegen komen fluechtig Bertarius entpfluhe. do name theodericus disen Pipinum als einen obsiger mit ime anhayms vnd machet ine zu eim regirer. Als nw die sachen im konigreich gestillet warden do setzet pipinus einen seiner gesipten freuend in die pfleg vnd zohe wider anhayms do regire. er noch siben iar. der werlt Blat CLIX FErraria die beruembt edel statt an dem alten fluss pado gelegen. ist erstlich (als die historien sagen) bey dem sibenhundersten iar des herren von smaragdo dem oebersten kaiserlichen anwalt welschs lands mit mawrn vnnd zinnen vmbfangen vnd geziert worden. Die vrsach irs namens ist die das von alter her der rauennatischen kirchen gewonheit gewest ist das die ertzbischoff diser statt drey stett irer kirchen zugehoerende von dryen namen der metall nennten. Als aureolum die statt vom gold. vnd argentam vom silber. vnd ferrariam vom eysen. Als aber dise statt vom anfang irer erpawung auff der rauennischen vnd auch der roemer seytten wider die longobardischen beharret het ist sie nachfolgend als dieselben von carolo vberwunden warden nach vbergab der roemischen kirchen beschehen in irer gehorsam bliben. Darnach zu den zeitten als die teuetschen kaiser anfiengen der kirchen zewiderstreben hat sich dise statt eins wanckln vnstetten wesens beder seytten gehalten. Aber in dem .xic. iar des hails hat Mathildis die grafin ir mit hilff der venediger vnd rauennischen dise stat von kaiser heinrich dem dritten. der kirchen feind bekuemmert vnderworffen. vnd darnach in dem hundert vnd .xxxi. iar (als die estensischen margrafen an freuentschaften vnd reichthuemern großmachtig zu ferraria waren) ein ferrariensischer man Salinguerra genant durch anregung vnd hilff kaiser friderichs im rotenpart die statt erobert vnd .xix. iar darinn geherrschet. der wardt in dem .xiic. vnd .xl. iar des hails durch babst innocentium den vierden mit hilff vnd beystand der venediger vertriben. vnd vnlang darnach vnderstuonden sich die estensischen marggrafen dise stat inen vndertanig zemachen. Als aber darnach in dem .lxviii. iar vnder babst clemente dem fuenften Azo der estensisch marggraff daselbst beatricem des neapolitanischen koenigs gemahel zu eim weib name do wardt er von Frisco seinem sun von der stiefmuter wegen in den kercker geworffen vnd der sun erobret Ferrariam mit hilff der venediger. vnd als er nw mercket das die ferrarier sich der kirchen vnderwerffen wolten do zuendet er auß rachsal die halben stat an. von solcher boßheit wegen vertriben die burger denselben friscum vnd ergaben sich an die venediger in hoffnung von inen getrewlich beschirmt vnd beschuetzt zewerden. Do warden die marggrafen außgetriben vnd die venediger erobreten dise statt durch ergebung der burger daselbst. vnnd wolten auch der nit abtretten. wiewol babst Clemens der fuenft die statt venedig verpannet. dauon alle ire gueeter in gallia vnd brittannia zertrennet wurden. vnd sie hetten auch den babstlichen gepotten nit gehorsam gelaistet wo sie durch einen bastlichen legaten mit beystand der florentiner vnd konig karls mit gewaltiger gewappenter hand nit betruebet worden weren. Vnnd ferraria ist darnach alweg vnder der regirung des estensischen geschlechts in gehorsam der kirchen gewest. mit dem geding das sie ierlich .xm. guldein pfennig der roemischen kirchen bezalen solten. So haben sie auch ettlich vertrag mit den venedigern. Daselbst ist vnder babst eugenio dem vierden ein concili gehalten. Auch ist alda ein hohe schuol. auß der vil hohgelerter lewt entsproßen sind. Ferraria
Zu dieser Zeit war das Konzil zu Aquileia zweifelhaft, ob es das fünfte Konzil, das zuvor in Konstantinopel gehalten wurde, annehmen wollte, so lange, bis es durch heilsame Ermahnung des Papstes zur Annahme desselben bewegt wurde. Denn dasselbe fünfte Konzil wurde zu den Zeiten Papst Julii und Kaiser Justiniani gegen Theodorus und alle Ketzer gehalten, die da hielten, dass Maria allein einen Menschen und nicht Gott und Menschen geboren hätte. Darum wurde in demselben Konzil gesetzt, dass die heilige Maria eine Mutter Gottes genannt werden sollte, denn sie hat nicht allein einen Menschen, sondern wahrlich Gott und Menschen geboren. Theodorus, der englische Bischof, hochgelehrt und frommer Mann, hat zu dieser Zeit in England gewirkt und viele treffliche Schriften gemacht, und besonders ein Buch darüber, mit welcher Buße jede Sünde abgewaschen werden soll. Sankt Theodorus, der augustinensische Bischof, schien zu dieser Zeit auch. Lambertus, der heiligste Mann, hat zu dieser Zeit zu Lüttich die Marter erlitten, darum, weil er Pippin, den Herzog, wegen des Missbrauchs der Alpiadis, der Beischläferin neben seinem ehelichen Weib, tadelte. Wiewohl etliche sagen, dass der Bruder derselben Alpiadis solches Übel selbst geübt habe und nachfolgend von den Hauptwürmern gefressen worden sei. Dieser Lambertus, aus reichen und edlen Eltern geboren und von Jugend auf in der Schrift unterrichtet, wurde wegen seiner Heiligkeit von jedermann so geliebt, dass er nach Theodardus, seinem Meister, zu einem Bischof zu Utrecht aufgenommen wurde. Als nun Childerich, der ihn gefördert hatte, erschlagen wurde, da haben ihn böse Leute seiner Ehren beraubt und Pharamund an seine Statt gesetzt. Da ging Lambertus mit zwei Kindern in ein Kloster, darin er sieben Jahre ein lobenswertes Leben führte. Aber Pharamund wurde darnach ausgetrieben und Lambertus wiedereingesetzt, und mancher Mensch wurde von ihm mit Lehre und Ebenbild zu Gott bekehrt. Und als er einmal kreuzweise in seinem Gebet lag, da wurde er von boshaften Leuten zu Lüttich ermordet und heimlich auf einem Schiff zu der bischöflichen Kirche geführt und von der Feinde wegen bald begraben. Aber Sankt Hubertus, sein Nachkomme, hat aus himmlischer Ermahnung Sankt Lamberts Leichnam von Utrecht nach Lüttich mit großer Glorie der Wunderzeichen geführt. Beda, ein englischer Priester und Klostermann, des Zunamens ehrwürdig genannt und lateinischer und griechischer Zungen nicht wenig erfahren, hat im Jahr des Herrn 792 für das christliche Wesen nicht wenig gearbeitet. In dem 30. Jahr seines Alters ward er zum Priester geweiht, und wiewohl er in einem äußersten Winkel der Welt geboren ist, so hat er doch die ganze Erde durchschienen, darum, dass er zu lehren und zu predigen bis in sein Alter oder zu schreiben nicht abgelassen hat, also dass er 59 Jahre zu lehren und Bücher zu machen nie säumlich gefunden worden ist, und um seiner Tapferkeit und ehrsamen Wesens willen ist er der Ehrwürdige zugenannt worden. Er hat als ein hochgelehrter Mann viel Gutes, Nützliches, Christliches geschrieben und ist in dem 82. Jahr seines Alters, voll guter Werke, gestorben. Strabo und Haymo, die hochgelehrten Männer, sind seine Brüder gewesen. Sankt Benedikts Leichnam soll zu dieser Zeit ab dem Cassinischen Berg gestohlen und in Gallien geführt worden sein. Pippin, der Herzog zu Österreich oder Osterwalden, unterstand sich des Königreichs zu Frankreich. Von dem hat sich der berühmte Name Karolinger bei den Franzosen angehoben. Denn als er verstand, dass Bertarius, ein Ungeborener oder nicht geadelter Mann (dessen sich Theoderich, der König zu Frankreich, fast gebrauchte), von jedermann gehasst ward, da sammelte er ein großes, mächtiges Heer und zog in Gallien und machte Theoderich und Bertarius, die ihm entgegenkamen, flüchtig. Bertarius entfloh. Da nahm Theoderich diesen Pippin als einen Obsieger mit ihm heim und machte ihn zu einem Regierer. Als nun die Sachen im Königreich gestillt waren, da setzte Pippin einen seiner gesippten Freunde in die Pflege und zog wieder heim, wo er noch sieben Jahre regierte. Blatt 159 der Weltchronik. Ferrara, die berühmte, edle Stadt, an dem alten Fluss Po gelegen, ist erstlich (wie die Historien sagen) bei dem 700. Jahr des Herrn von Smaragdus, dem obersten kaiserlichen Anwalt welschlands, mit Mauern und Zinnen umfangen und geziert worden. Die Ursache ihres Namens ist die, dass von alters her der ravennatischen Kirche Gewohnheit gewesen ist, dass die Erzbischöfe dieser Stadt drei Städte ihrer Kirche zugehörend von drei Namen der Metalle nannten: als Aureolum die Stadt vom Gold, und Argentam vom Silber, und Ferrariam vom Eisen. Als aber diese Stadt vom Anfang ihrer Erbauung auf der ravennischen und auch der Römer Seite wider die Langobarden beharrt hatte, ist sie nachfolgend, als dieselben von Karl überwunden wurden, nach Übergabe der römischen Kirche geschehen, in ihrer Gehorsam geblieben. Darnach zu den Zeiten, als die deutschen Kaiser anfingen, der Kirche zu widerstreben, hat sich diese Stadt eines wankelmütigen, unsteten Wesens beider Seiten gehalten. Aber in dem 1100. Jahr des Heils hat Mathildis, die Gräfin, ihr mit Hilfe der Venezianer und Ravenner diese Stadt von Kaiser Heinrich dem Dritten, der Kirchenfeind, bekümmert unterworfen. Und darnach in dem 1231. Jahr (als die estensischen Markgrafen an Freundschaften und Reichtümern großmächtig zu Ferrara waren) ein ferrarischer Mann, Salinguerra genannt, durch Anregung und Hilfe Kaiser Friedrichs im Rotenbart die Stadt erobert und 19 Jahre darin geherrscht. Der ward in dem 1240. Jahr des Heils durch Papst Innozenz den Vierten mit Hilfe und Beistand der Venezianer vertrieben. Und unlängst darnach unterstanden sich die estensischen Markgrafen, diese Stadt ihnen untertanig zu machen. Als aber darnach in dem 1268. Jahr unter Papst Clemens dem Fünften Azo, der estensische Markgraf, daselbst Beatrix, des neapolitanischen Königs Gemahlin, zu einem Weib nahm, da ward er von Frisco, seinem Sohn, von der Stiefmutter wegen in den Kerker geworfen, und der Sohn eroberte Ferrara mit Hilfe der Venezianer. Und als er nun merkte, dass die Ferrarer sich der Kirche unterwerfen wollten, da zündete er aus Rachsucht die halbe Stadt an. Von solcher Bosheit wegen vertrieben die Bürger denselben Frisco und ergaben sich an die Venezianer in Hoffnung, von ihnen getreulich beschirmt und beschützt zu werden. Da wurden die Markgrafen ausgetrieben und die Venezianer eroberten diese Stadt durch Ergebung der Bürger daselbst und wollten auch der nicht abtreten, wiewohl Papst Clemens der Fünfte die Stadt Venedig verbannte, davon alle ihre Güter in Gallien und Britannien zertrennt wurden. Und sie hätten auch den päpstlichen Geboten nicht Gehorsam geleistet, wo sie durch einen päpstlichen Legaten mit Beistand der Florentiner und König Karls mit gewaltiger gewappneter Hand nicht betrübt worden wären. Und Ferrara ist darnach allezeit unter der Regierung des estensischen Geschlechts in Gehorsam der Kirche gewesen, mit dem Beding, dass sie jährlich 10.000 Gulden der römischen Kirche bezahlen sollten. So haben sie auch