Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter EGidius ein kriechisch man zu athenis auß erberm geschlecht geporen ist diser zeit an kunst ebenpild vnd wunderzaichen beruembt vnd von iugent auf der schrift vnderricht gewesen. Nach absterben seiner eltern hat er christum einen erben seiner veterlichen gueeter gemacht. vnd zuuermeydung der geferlichkeit menschlichs lobs vnd ruoms sich zu dem gestad des meers haymlich gefueegt vnd in ein schiff steigende die vngestuemigkeit mit seinem gebette gestillet. vnd in die statt arelato komende zway iar bey sant cesareo dem bischoff derselben stat gewonet. vnd einen der drey iar dz fieber oder kalt gelidden het gesund gemacht. darnach zohe er haymlich in die aynsidelschaft vnd wonet langzeit bey verdunio dem heilligen mann vnd wendet die vnfruchtperkeit des erdtreichs mit seinen verdienstnussen. Vnd nachdem ir yeder an wunderzaichen leuechtet do zohe er zu vermeydung menschlichs lobs ferrer in die wueestnus hinein vnd erwelet ime in einem hoel mit eim pruennlein sein wonung. alda het er auß goettlicher fuersehung ein hynnde zu einer nererin die ime zu ettlichen stunden narung der milch raichet. Als des koenigs diener eins tags dise hynnde iagten do fluhe sie zu seinen fueßen. der hatte got sie ime vnuerletzt zebehalten. Einer auß den iegern schuße nach der hynde vnd traffe den heilligen man. als nw dise ding an koenig Carolum gelangten do name er ine mit allen eren auff. Der gienng wider in ein closter in der statt nemasa vnd erwecket den sun des fuersten. Zu letst auß offenbarung des herren verkuendet er seinen bruedern seinen tod got fuer ine zebitten. die gaben zeuegknus das sie die engel die sein sel empfiengen gehoert hetten. BOnifacius der erst ein ertzbischoff hat zu den zeitten der vorgenanten bebst gereichßnet. Der was ein closterman gar hohgelert vnd wolberedt. vnd kome seiner großmueetigkeit halben auß brittannia zu babst Gregorio dem andern. Als nw diss menschen tugent vnd heilligkeit erkant wardt do setzet ine Gregorius auff begerung pipini in dem stuol zu mayntz zu eim bischoff vnd schicket ine in teuetsch land das volck daselbst in der ewangelischen warheit zeerleuechten vnd des rechten glawbens zeunderweisen. das er dann getan vnd mit predigen vnd ebenpilden in thueringen. hessen. sachsen vnd francken seinen befelh redlich außgerichtet hat. Als er nw nach cristi gepurt .viic.xv. iar ein ertzbischof wardt do hat er mit wissen vnd gewalt des bebstlichen stuols vnd der fuersten zu franckreich zwen bischofliche stuol aufgericht. einen zu Wuertzburg. vnd den andern zu Aystet. daselbsthin ordnet er Willibaldum zu bischof vnd Burckhardum gein wuertzurg. Darnach zohe er in friesland von predigens wegen do wardt er gemartert als er .xxxvi. iar der kirchen vorgewesen was. ZV disen zeiten hat das Venedigisch hertzogthumb vrsprung genomen. vnd wardt von dem patriarchen allem volck vnd ritterschaft in der statt eraclea einer genant Paulus lucius eracleanus hertzog erkorn. der regiret als hertzog acht iar. Der machet von stund an mit den longobardischen ein puendnus vnd fliße sich die stat Venedig an macht vnd gewalt zeerweittern. CEsarius der arelatinisch bischoff vnd sant Wolframmus der zenonensisch bischoff. auch Albinus zu andegauo vnd Egidius zu rothomago bischoffe. Auch sant amatus der ertzbischoff in engelland haben an vil heilligkeit vnd der wercken geleuechtet. SAnt Kilian bischoff hat in dem orientischen franckreich diser zeit gereichßnet. Er was ein schott auß edeln eltern geporn. Als er nw in der schrift gelert wardt do versmehet er die werlt vnd gieng in ein closter vnd fueeret sein leben in aller gehorsam vnd messigkeit. Darnach wardt er zu briester geweyhet vnd zu pflegnus des closters erwelet. Auff das er aber der beschewlichkeit dest freyer gepflegen moecht so zohe er in brittanniam. galliam vnd teuetscheland vnd kome auß begirde der marteer kron gein Wuertzburg vnder die hayden. aber ee er an fieng zepredigen do zohe er vor gein rom vnd empfieng von conone dem babst das ambt des predigens vnnd wardt von ime zu bischoff geweyhet. also zohe er mit dem briester Colonato vnnd den dyacon Tomano wider gein Wuertzburg doselbst funde er den hertzogen Goßbertum. vnnd lernet teuetsch reden vnd fienge an zepredigen. also das der hertzog die abgoettin dyanam verließ. vnd sich schier mit dem gantzen land dem cristenlichen glawben vndertenig machet. vnd am heilligen ostertag ließ er sich tawffen. Nw het er ein weib Geilana genant die ettwen seins bruders gemahel gewesen was. do riete Kilianus dem hertzogen das er dieselben frawen solt faren lassen. demnach verfueeget sie das dise heillige mann ertoedt warden. Derselben moerder eyner ryße sich selbs mit seinen zenen. do wardt der ander vnsynnig vnd ertoedtet sich mit seim schwert. so wardt Geilana mit teuefeln beseßen vnd schrye. Gerechtigclich wirdt ich gepynigt die ich den heilligen mannen peyniger zugeschickt hab vnd nam mit großer quelung ein vnselig end. der werlt Blat CLXII SAnctus Willibaldus der heillig man ist von sant Richardo hertzogen zu schwaben vnd koenig zu engelland vnd auß Bunna der kewschisten frawen seiner gemaheln geporn. Vnd als er nw die statt iherusalem vnd das heillig land pilgrams weiß haymgesucht het. von dannen gein rom kome do wardt er von babst Gregorio dem dritten der ine von seiner innigkeit vnd bestendigkeit wegen des glawbens liebet. sancto Bonifacio dem ertzbischoff zu mayntz befolhen. vnd von sancto Bonifacio (der sein gesyppter frewndt wz) am .xxii. tag des monats iulii briester geweyhet. Vnnd in dem viic. vnd .xl. iar des hayls vnd seins alters im .xli. iar dem Eystettischen bischoffthumb fuergeordnet. Das dann sanctus Bonifacius von den gueetern durch Swigerum den grafen vmb gots willen gegeben auffgerichtet het. Er wardt auch des stuols zu mayntz cantzler vnd mit der freyheit begabet das er vnd sein nachkomen sich des cantzlerambts desselben stuols ewigclich geprauchen vnd in gemaynen versamlungen zur rechten hand des mayntzischen ertzbischofs die ersten statt haben solten. Er empfieng auch das erlich klaid rationale genant. dess sich die alten briester geprauchten. also das auch seinen nachkomen sich damit zebeklaiden gezymmen solt. Diser heillig man Willibaldus fieng an auff dem fluss altmuel genant in einer wueesten aynoede nach nidergehawen welden die statt Eystett zepawen. Daselb ist ein loblichs frawencloster sant Benedicten ordens vnd darinn der heilligen wundersamen iunckfrawen Walpurgis grab. die dann sant Willibalds schwester gewest ist. Darauß fleueßet heilliger safft der den krancken gesuntheit bringt. Diser zeit ist der hohwirdig bischoff Wilhelm auß dem edeln geschlecht reichenaw geborn in verwesung vnd besitzung diss Eystetischen bischofthumbs. das auch sunst das aureatensisch bistthumb nennet. Eystett
Das sechste Zeitalter. Aegidius, ein griechischer Mann, in Athen aus ehrenhaftem Geschlecht geboren, war dieser Zeit an Kunstfertigkeit und Wunderzeichen berühmt und von Jugend auf in der Schrift unterrichtet gewesen. Nach dem Absterben seiner Eltern machte er Christus zum Erben seiner väterlichen Güter und, zur Vermeidung der Gefährlichkeit menschlichen Lobes und Ruhmes, sich heimlich zum Gestade des Meeres begeben. In ein Schiff steigend, stillte er die Ungestümigkeit mit seinem Gebet und, in die Stadt Arles kommend, zwei Jahre bei dem heiligen Caesarius, dem Bischof derselben Stadt, gewohnt. Und einen, der drei Jahre das Fieber oder den Schüttelfrost gelitten hatte, gesund gemacht. Danach zog er heimlich in die Einsiedelei und wohnte lange Zeit bei dem heiligen Mann Verduinus und wendete die Unfruchtbarkeit des Erdreichs mit seinen Verdiensten ab. Und nachdem jeder von ihnen an Wunderzeichen glänzte, da zog er zur Vermeidung menschlichen Lobes ferner in die Wüstenei hinein und erwählte sich in einer Höhle mit einem Brünnlein seine Wohnung. Allda hatte er aus göttlicher Vorsehung eine Hirschkuh als Ernährerin, die ihm zu etlichen Stunden Nahrung der Milch reichte. Als des Königs Diener eines Tages diese Hirschkuh jagten, da floh sie zu seinen Füßen. Er bat Gott, sie ihm unverletzt zu erhalten. Einer aus den Jägern schoss nach der Hirschkuh und traf den heiligen Mann. Als nun diese Dinge an König Karl gelangten, da nahm er ihn mit allen Ehren auf. Der ging wieder in ein Kloster in der Stadt Nîmes und erweckte den Sohn des Fürsten. Zuletzt, aus Offenbarung des Herrn, verkündete er seinen Brüdern seinen Tod, Gott für ihn zu bitten. Die gaben Zeugnis, dass sie die Engel, die seine Seele empfingen, gehört hatten. Bonifatius, der Erste, ein Erzbischof, hat zu den Zeiten der vorgenannten Päpste gewirkt. Der war ein Klostermann, gar hochgelehrt und wohlberedt, und kam seiner Großmütigkeit halber aus Britannien zu Papst Gregor dem Zweiten. Als nun dieses Menschen Tugend und Heiligkeit erkannt ward, da setzte ihn Gregor auf Begehren Pippins auf den Stuhl zu Mainz zu einem Bischof und schickte ihn in deutsches Land, das Volk daselbst in der evangelischen Wahrheit zu erleuchten und des rechten Glaubens zu unterweisen. Das er dann getan und mit Predigten und Vorbildern in Thüringen, Hessen, Sachsen und Franken seinen Befehl redlich ausgerichtet hat. Als er nun nach Christi Geburt 715 Jahre ein Erzbischof ward, da hat er mit Wissen und Gewalt des päpstlichen Stuhls und der Fürsten zu Frankreich zwei bischöfliche Stühle aufgerichtet: einen zu Würzburg und den anderen zu Eichstätt. Daselbsthin ordnete er Willibald zum Bischof und Burkhard nach Würzburg. Danach zog er nach Friesland von Predigens wegen, da ward er gemartert, als er 36 Jahre der Kirche vorgestanden war. Zu diesen Zeiten hat das Venezianische Herzogtum seinen Ursprung genommen und ward von dem Patriarchen, allem Volk und der Ritterschaft in der Stadt Heraclea einer namens Paulus Lucius Heracleanus zum Herzog erkoren, der regierte als Herzog acht Jahre. Der machte von Stund an mit den Langobarden ein Bündnis und befleißigte sich, die Stadt Venedig an Macht und Gewalt zu erweitern. Caesarius, der Bischof von Arles, und der heilige Wolfram, der Bischof von Sens, auch Albinus zu Angers und Aegidius zu Rouen, Bischöfe, auch der heilige Amatus, der Erzbischof in England, haben an viel Heiligkeit und Werken geleuchtet. Der heilige Kilian, Bischof, hat in dem östlichen Frankenreich dieser Zeit gewirkt. Er war ein Schotte, aus edlen Eltern geboren. Als er nun in der Schrift gelehrt ward, da verschmähte er die Welt und ging in ein Kloster und führte sein Leben in aller Gehorsam und Mäßigkeit. Danach ward er zum Priester geweiht und zur Pflege des Klosters erwählt. Auf dass er aber der Beschaulichkeit desto freier pflegen mochte, so zog er nach Britannien, Gallien und Teutschland und kam aus Begierde nach der Märtyrerkrone nach Würzburg unter die Heiden. Aber ehe er anfing zu predigen, da zog er zuvor nach Rom und empfing von Konon, dem Papst, das Amt des Predigens und ward von ihm zum Bischof geweiht. Also zog er mit dem Priester Kolonat und dem Diakon Totnan wieder nach Würzburg. Daselbst fand er den Herzog Gosbert und lernte Deutsch reden und fing an zu predigen, also dass der Herzog die Abgöttin Diana verließ und sich schier mit dem ganzen Land dem christlichen Glauben untertänig machte. Und am heiligen Ostertag ließ er sich taufen. Nun hatte er eine Frau namens Geilana, die ehemals seines Bruders Gemahlin gewesen war. Da riet Kilian dem Herzog, dass er dieselbe Frau sollte fahren lassen. Demnach verfügte sie, dass dieser heilige Mann getötet wurde. Derselben Mörder einer riss sich selbst mit seinen Zähnen, da ward der andere unsinnig und tötete sich mit seinem Schwert. So ward Geilana von Teufeln besessen und schrie: „Gerechterweise werde ich gepeinigt, die ich den heiligen Männern Peiniger zugeschickt habe“, und nahm mit großer Qual ein unseliges Ende. Der Welt Blatt 162. Der heilige Willibald, der heilige Mann, ist von dem heiligen Richard, Herzog zu Schwaben und König zu England, und aus Bunna, der keuschesten Frau, seiner Gemahlin, geboren. Und als er nun die Stadt Jerusalem und das Heilige Land pilgerweise heimgesucht hatte, von dannen nach Rom kam, da ward er von Papst Gregor dem Dritten, der ihn von seiner Innigkeit und Beständigkeit wegen des Glaubens liebte, dem heiligen Bonifatius, dem Erzbischof zu Mainz, befohlen. Und von dem heiligen Bonifatius (der sein verwandter Freund war) am 22. Tag des Monats Juli zum Priester geweiht. Und im 740. Jahr des Heils und seines Alters im 41. Jahr dem Eichstätter Bistum vorgeordnet. Das dann der heilige Bonifatius von den Gütern, die durch Swigerus den Grafen um Gottes willen gegeben wurden, aufgerichtet hatte. Er ward auch Kanzler des Stuhls zu Mainz und mit der Freiheit begabt, dass er und seine Nachkommen sich des Kanzleramtes desselben Stuhls ewiglich gebrauchen und in allgemeinen Versammlungen zur rechten Hand des Mainzer Erzbischofs den ersten Platz haben sollten. Er empfing auch das ehrenvolle Kleid, Rationale genannt, dessen sich die alten Priester gebrauchten, also dass auch seinen Nachkommen sich damit zu bekleiden geziemen sollte. Dieser heilige Mann Willibald fing an, auf dem Fluss Altmühl genannt, in einer wüsten Einöde, nach niedergehauenen Wäldern, die Stadt Eichstätt zu bauen. Daselbst ist ein lobenswertes Frauenkloster des heiligen Benediktinerordens und darin das Grab der heiligen, wundersamen Jungfrau Walpurgis, die dann des heiligen Willibalds Schwester gewesen ist. Daraus fließt heiliger Saft, der den Kranken Gesundheit bringt. Dieser Zeit ist der hochwürdige Bischof Wilhelm, aus dem edlen Geschlecht Reichenau geboren, in Verwaltung und Besitzung dieses Eichstätter Bistums, das auch sonst das Aureatensische Bistum nennt. Eichstätt.