Schedelsche Weltchronik · Blatt 162

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 162, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 162, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter EGidius ein kriechisch man zu athenis auß erberm geschlecht geporen ist diser zeit an kunst ebenpild vnd wunderzaichen beruembt vnd von iugent auf der schrift vnderricht gewesen. Nach absterben seiner eltern hat er christum einen erben seiner veterlichen gueeter gemacht. vnd zuuermeydung der geferlichkeit menschlichs lobs vnd ruoms sich zu dem gestad des meers haymlich gefueegt vnd in ein schiff steigende die vngestuemigkeit mit seinem gebette gestillet. vnd in die statt arelato komende zway iar bey sant cesareo dem bischoff derselben stat gewonet. vnd einen der drey iar dz fieber oder kalt gelidden het gesund gemacht. darnach zohe er haymlich in die aynsidelschaft vnd wonet langzeit bey verdunio dem heilligen mann vnd wendet die vnfruchtperkeit des erdtreichs mit seinen verdienstnussen. Vnd nachdem ir yeder an wunderzaichen leuechtet do zohe er zu vermeydung menschlichs lobs ferrer in die wueestnus hinein vnd erwelet ime in einem hoel mit eim pruennlein sein wonung. alda het er auß goettlicher fuersehung ein hynnde zu einer nererin die ime zu ettlichen stunden narung der milch raichet. Als des koenigs diener eins tags dise hynnde iagten do fluhe sie zu seinen fueßen. der hatte got sie ime vnuerletzt zebehalten. Einer auß den iegern schuße nach der hynde vnd traffe den heilligen man. als nw dise ding an koenig Carolum gelangten do name er ine mit allen eren auff. Der gienng wider in ein closter in der statt nemasa vnd erwecket den sun des fuersten. Zu letst auß offenbarung des herren verkuendet er seinen bruedern seinen tod got fuer ine zebitten. die gaben zeuegknus das sie die engel die sein sel empfiengen gehoert hetten. BOnifacius der erst ein ertzbischoff hat zu den zeitten der vorgenanten bebst gereichßnet. Der was ein closterman gar hohgelert vnd wolberedt. vnd kome seiner großmueetigkeit halben auß brittannia zu babst Gregorio dem andern. Als nw diss menschen tugent vnd heilligkeit erkant wardt do setzet ine Gregorius auff begerung pipini in dem stuol zu mayntz zu eim bischoff vnd schicket ine in teuetsch land das volck daselbst in der ewangelischen warheit zeerleuechten vnd des rechten glawbens zeunderweisen. das er dann getan vnd mit predigen vnd ebenpilden in thueringen. hessen. sachsen vnd francken seinen befelh redlich außgerichtet hat. Als er nw nach cristi gepurt .viic.xv. iar ein ertzbischof wardt do hat er mit wissen vnd gewalt des bebstlichen stuols vnd der fuersten zu franckreich zwen bischofliche stuol aufgericht. einen zu Wuertzburg. vnd den andern zu Aystet. daselbsthin ordnet er Willibaldum zu bischof vnd Burckhardum gein wuertzurg. Darnach zohe er in friesland von predigens wegen do wardt er gemartert als er .xxxvi. iar der kirchen vorgewesen was. ZV disen zeiten hat das Venedigisch hertzogthumb vrsprung genomen. vnd wardt von dem patriarchen allem volck vnd ritterschaft in der statt eraclea einer genant Paulus lucius eracleanus hertzog erkorn. der regiret als hertzog acht iar. Der machet von stund an mit den longobardischen ein puendnus vnd fliße sich die stat Venedig an macht vnd gewalt zeerweittern. CEsarius der arelatinisch bischoff vnd sant Wolframmus der zenonensisch bischoff. auch Albinus zu andegauo vnd Egidius zu rothomago bischoffe. Auch sant amatus der ertzbischoff in engelland haben an vil heilligkeit vnd der wercken geleuechtet. SAnt Kilian bischoff hat in dem orientischen franckreich diser zeit gereichßnet. Er was ein schott auß edeln eltern geporn. Als er nw in der schrift gelert wardt do versmehet er die werlt vnd gieng in ein closter vnd fueeret sein leben in aller gehorsam vnd messigkeit. Darnach wardt er zu briester geweyhet vnd zu pflegnus des closters erwelet. Auff das er aber der beschewlichkeit dest freyer gepflegen moecht so zohe er in brittanniam. galliam vnd teuetscheland vnd kome auß begirde der marteer kron gein Wuertzburg vnder die hayden. aber ee er an fieng zepredigen do zohe er vor gein rom vnd empfieng von conone dem babst das ambt des predigens vnnd wardt von ime zu bischoff geweyhet. also zohe er mit dem briester Colonato vnnd den dyacon Tomano wider gein Wuertzburg doselbst funde er den hertzogen Goßbertum. vnnd lernet teuetsch reden vnd fienge an zepredigen. also das der hertzog die abgoettin dyanam verließ. vnd sich schier mit dem gantzen land dem cristenlichen glawben vndertenig machet. vnd am heilligen ostertag ließ er sich tawffen. Nw het er ein weib Geilana genant die ettwen seins bruders gemahel gewesen was. do riete Kilianus dem hertzogen das er dieselben frawen solt faren lassen. demnach verfueeget sie das dise heillige mann ertoedt warden. Derselben moerder eyner ryße sich selbs mit seinen zenen. do wardt der ander vnsynnig vnd ertoedtet sich mit seim schwert. so wardt Geilana mit teuefeln beseßen vnd schrye. Gerechtigclich wirdt ich gepynigt die ich den heilligen mannen peyniger zugeschickt hab vnd nam mit großer quelung ein vnselig end. der werlt Blat CLXII SAnctus Willibaldus der heillig man ist von sant Richardo hertzogen zu schwaben vnd koenig zu engelland vnd auß Bunna der kewschisten frawen seiner gemaheln geporn. Vnd als er nw die statt iherusalem vnd das heillig land pilgrams weiß haymgesucht het. von dannen gein rom kome do wardt er von babst Gregorio dem dritten der ine von seiner innigkeit vnd bestendigkeit wegen des glawbens liebet. sancto Bonifacio dem ertzbischoff zu mayntz befolhen. vnd von sancto Bonifacio (der sein gesyppter frewndt wz) am .xxii. tag des monats iulii briester geweyhet. Vnnd in dem viic. vnd .xl. iar des hayls vnd seins alters im .xli. iar dem Eystettischen bischoffthumb fuergeordnet. Das dann sanctus Bonifacius von den gueetern durch Swigerum den grafen vmb gots willen gegeben auffgerichtet het. Er wardt auch des stuols zu mayntz cantzler vnd mit der freyheit begabet das er vnd sein nachkomen sich des cantzlerambts desselben stuols ewigclich geprauchen vnd in gemaynen versamlungen zur rechten hand des mayntzischen ertzbischofs die ersten statt haben solten. Er empfieng auch das erlich klaid rationale genant. dess sich die alten briester geprauchten. also das auch seinen nachkomen sich damit zebeklaiden gezymmen solt. Diser heillig man Willibaldus fieng an auff dem fluss altmuel genant in einer wueesten aynoede nach nidergehawen welden die statt Eystett zepawen. Daselb ist ein loblichs frawencloster sant Benedicten ordens vnd darinn der heilligen wundersamen iunckfrawen Walpurgis grab. die dann sant Willibalds schwester gewest ist. Darauß fleueßet heilliger safft der den krancken gesuntheit bringt. Diser zeit ist der hohwirdig bischoff Wilhelm auß dem edeln geschlecht reichenaw geborn in verwesung vnd besitzung diss Eystetischen bischofthumbs. das auch sunst das aureatensisch bistthumb nennet. Eystett

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Aegidius, ein griechischer Mann, in Athen aus ehrenhaftem Geschlecht geboren, war dieser Zeit an Kunstfertigkeit und Wunderzeichen berühmt und von Jugend auf in der Schrift unterrichtet gewesen. Nach dem Absterben seiner Eltern machte er Christus zum Erben seiner väterlichen Güter und, zur Vermeidung der Gefährlichkeit menschlichen Lobes und Ruhmes, sich heimlich zum Gestade des Meeres begeben. In ein Schiff steigend, stillte er die Ungestümigkeit mit seinem Gebet und, in die Stadt Arles kommend, zwei Jahre bei dem heiligen Caesarius, dem Bischof derselben Stadt, gewohnt. Und einen, der drei Jahre das Fieber oder den Schüttelfrost gelitten hatte, gesund gemacht. Danach zog er heimlich in die Einsiedelei und wohnte lange Zeit bei dem heiligen Mann Verduinus und wendete die Unfruchtbarkeit des Erdreichs mit seinen Verdiensten ab. Und nachdem jeder von ihnen an Wunderzeichen glänzte, da zog er zur Vermeidung menschlichen Lobes ferner in die Wüstenei hinein und erwählte sich in einer Höhle mit einem Brünnlein seine Wohnung. Allda hatte er aus göttlicher Vorsehung eine Hirschkuh als Ernährerin, die ihm zu etlichen Stunden Nahrung der Milch reichte. Als des Königs Diener eines Tages diese Hirschkuh jagten, da floh sie zu seinen Füßen. Er bat Gott, sie ihm unverletzt zu erhalten. Einer aus den Jägern schoss nach der Hirschkuh und traf den heiligen Mann. Als nun diese Dinge an König Karl gelangten, da nahm er ihn mit allen Ehren auf. Der ging wieder in ein Kloster in der Stadt Nîmes und erweckte den Sohn des Fürsten. Zuletzt, aus Offenbarung des Herrn, verkündete er seinen Brüdern seinen Tod, Gott für ihn zu bitten. Die gaben Zeugnis, dass sie die Engel, die seine Seele empfingen, gehört hatten. Bonifatius, der Erste, ein Erzbischof, hat zu den Zeiten der vorgenannten Päpste gewirkt. Der war ein Klostermann, gar hochgelehrt und wohlberedt, und kam seiner Großmütigkeit halber aus Britannien zu Papst Gregor dem Zweiten. Als nun dieses Menschen Tugend und Heiligkeit erkannt ward, da setzte ihn Gregor auf Begehren Pippins auf den Stuhl zu Mainz zu einem Bischof und schickte ihn in deutsches Land, das Volk daselbst in der evangelischen Wahrheit zu erleuchten und des rechten Glaubens zu unterweisen. Das er dann getan und mit Predigten und Vorbildern in Thüringen, Hessen, Sachsen und Franken seinen Befehl redlich ausgerichtet hat. Als er nun nach Christi Geburt 715 Jahre ein Erzbischof ward, da hat er mit Wissen und Gewalt des päpstlichen Stuhls und der Fürsten zu Frankreich zwei bischöfliche Stühle aufgerichtet: einen zu Würzburg und den anderen zu Eichstätt. Daselbsthin ordnete er Willibald zum Bischof und Burkhard nach Würzburg. Danach zog er nach Friesland von Predigens wegen, da ward er gemartert, als er 36 Jahre der Kirche vorgestanden war. Zu diesen Zeiten hat das Venezianische Herzogtum seinen Ursprung genommen und ward von dem Patriarchen, allem Volk und der Ritterschaft in der Stadt Heraclea einer namens Paulus Lucius Heracleanus zum Herzog erkoren, der regierte als Herzog acht Jahre. Der machte von Stund an mit den Langobarden ein Bündnis und befleißigte sich, die Stadt Venedig an Macht und Gewalt zu erweitern. Caesarius, der Bischof von Arles, und der heilige Wolfram, der Bischof von Sens, auch Albinus zu Angers und Aegidius zu Rouen, Bischöfe, auch der heilige Amatus, der Erzbischof in England, haben an viel Heiligkeit und Werken geleuchtet. Der heilige Kilian, Bischof, hat in dem östlichen Frankenreich dieser Zeit gewirkt. Er war ein Schotte, aus edlen Eltern geboren. Als er nun in der Schrift gelehrt ward, da verschmähte er die Welt und ging in ein Kloster und führte sein Leben in aller Gehorsam und Mäßigkeit. Danach ward er zum Priester geweiht und zur Pflege des Klosters erwählt. Auf dass er aber der Beschaulichkeit desto freier pflegen mochte, so zog er nach Britannien, Gallien und Teutschland und kam aus Begierde nach der Märtyrerkrone nach Würzburg unter die Heiden. Aber ehe er anfing zu predigen, da zog er zuvor nach Rom und empfing von Konon, dem Papst, das Amt des Predigens und ward von ihm zum Bischof geweiht. Also zog er mit dem Priester Kolonat und dem Diakon Totnan wieder nach Würzburg. Daselbst fand er den Herzog Gosbert und lernte Deutsch reden und fing an zu predigen, also dass der Herzog die Abgöttin Diana verließ und sich schier mit dem ganzen Land dem christlichen Glauben untertänig machte. Und am heiligen Ostertag ließ er sich taufen. Nun hatte er eine Frau namens Geilana, die ehemals seines Bruders Gemahlin gewesen war. Da riet Kilian dem Herzog, dass er dieselbe Frau sollte fahren lassen. Demnach verfügte sie, dass dieser heilige Mann getötet wurde. Derselben Mörder einer riss sich selbst mit seinen Zähnen, da ward der andere unsinnig und tötete sich mit seinem Schwert. So ward Geilana von Teufeln besessen und schrie: „Gerechterweise werde ich gepeinigt, die ich den heiligen Männern Peiniger zugeschickt habe“, und nahm mit großer Qual ein unseliges Ende. Der Welt Blatt 162. Der heilige Willibald, der heilige Mann, ist von dem heiligen Richard, Herzog zu Schwaben und König zu England, und aus Bunna, der keuschesten Frau, seiner Gemahlin, geboren. Und als er nun die Stadt Jerusalem und das Heilige Land pilgerweise heimgesucht hatte, von dannen nach Rom kam, da ward er von Papst Gregor dem Dritten, der ihn von seiner Innigkeit und Beständigkeit wegen des Glaubens liebte, dem heiligen Bonifatius, dem Erzbischof zu Mainz, befohlen. Und von dem heiligen Bonifatius (der sein verwandter Freund war) am 22. Tag des Monats Juli zum Priester geweiht. Und im 740. Jahr des Heils und seines Alters im 41. Jahr dem Eichstätter Bistum vorgeordnet. Das dann der heilige Bonifatius von den Gütern, die durch Swigerus den Grafen um Gottes willen gegeben wurden, aufgerichtet hatte. Er ward auch Kanzler des Stuhls zu Mainz und mit der Freiheit begabt, dass er und seine Nachkommen sich des Kanzleramtes desselben Stuhls ewiglich gebrauchen und in allgemeinen Versammlungen zur rechten Hand des Mainzer Erzbischofs den ersten Platz haben sollten. Er empfing auch das ehrenvolle Kleid, Rationale genannt, dessen sich die alten Priester gebrauchten, also dass auch seinen Nachkommen sich damit zu bekleiden geziemen sollte. Dieser heilige Mann Willibald fing an, auf dem Fluss Altmühl genannt, in einer wüsten Einöde, nach niedergehauenen Wäldern, die Stadt Eichstätt zu bauen. Daselbst ist ein lobenswertes Frauenkloster des heiligen Benediktinerordens und darin das Grab der heiligen, wundersamen Jungfrau Walpurgis, die dann des heiligen Willibalds Schwester gewesen ist. Daraus fließt heiliger Saft, der den Kranken Gesundheit bringt. Dieser Zeit ist der hochwürdige Bischof Wilhelm, aus dem edlen Geschlecht Reichenau geboren, in Verwaltung und Besitzung dieses Eichstätter Bistums, das auch sonst das Aureatensische Bistum nennt. Eichstätt.

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter (historische Periodisierung)
EGidius
Aegidius (Heiliger Ägidius), ein frühchristlicher Einsiedler und Abt
athenis
Athen, Stadt in Griechenland
erberm geschlecht
ehrenhaftes, angesehenes Geschlecht
ebenpild
Vorbild, Meister
wunderzaichen
Wunderzeichen, Wunder
iugent
Jugend
schrift vnderricht
in der Heiligen Schrift unterrichtet
veterlichen gueeter
väterliche Güter, Erbe
geferlichkeit menschlichs lobs vnd ruoms
Gefahr menschlichen Lobes und Ruhmes
gestad des meers
Meeresufer
vngestuemigkeit
Ungestümigkeit, Sturm (des Meeres)
arelato
Arelate (lat.), heute Arles, Stadt in Frankreich
sant cesareo
Heiliger Caesarius von Arles, Bischof (ca. 470–542)
kalt
Schüttelfrost (als Symptom des Fiebers)
aynsidelschaft
Einsiedelei
verdunio
Verduinus, ein Heiliger, über den wenig bekannt ist
verdienstnussen
Verdienste (im religiösen Sinne, durch Frömmigkeit und Gebet)
leuechtet
leuchtete, glänzte (im Sinne von 'sich auszeichnete')
wueestnus
Wüste, Wildnis
hoel
Höhle
pruennlein
Brünnlein, kleiner Brunnen
hynnde
Hirschkuh
nererin
Ernährerin
raichet
reichte
koenig Carolum
König Karl (vermutlich Karl Martell, fränkischer Hausmeier, ca. 688–741)
nemasa
Nemausus (lat.), heute Nîmes, Stadt in Frankreich
sun des fuersten
Sohn des Fürsten
sel
Seele
BOnifacius der erst
Bonifatius (ca. 675–754), der Apostel der Deutschen, nicht Papst Bonifatius I.
gereichßnet
gewirkt, sich ausgezeichnet
closterman
Klostermann, Mönch
hohgelert
hochgelehrt
wolberedt
wohlberedt, redegewandt
großmueetigkeit
Großmut, Großherzigkeit
brittannia
Britannien, Großbritannien
babst Gregorio dem andern
Papst Gregor II. (Amtszeit 715–731)
pipini
Pippin (vermutlich Pippin der Jüngere, fränkischer Hausmeier und König, 714–768)
stuol zu mayntz
Bischofsstuhl zu Mainz
teuetsch land
deutsches Land
ewangelischen warheit
evangelische Wahrheit
rechten glawbens
rechter Glaube, orthodoxer Glaube
ebenpilden
Vorbildern
thueringen
Thüringen, Region in Deutschland
hessen
Hessen, Region in Deutschland
sachsen
Sachsen, Region in Deutschland
francken
Franken, Region in Deutschland
befelh redlich außgerichtet
Befehl redlich, gewissenhaft ausgeführt
.viic.xv. iar
715 Jahre (römisch für 715)
bebsten stuols
päpstlichen Stuhls, des Papstes
fuersten zu franckreich
Fürsten von Frankreich
bischofliche stuol
Bischofsstuhl, Bistum
Wuertzburg
Würzburg, Stadt in Deutschland
Aystet
Eichstätt, Stadt in Deutschland
Willibaldum
Willibald (ca. 700–787), Heiliger, erster Bischof von Eichstätt
Burckhardum
Burkhard (gest. 755), Heiliger, erster Bischof von Würzburg
friesland
Friesland, Region in den heutigen Niederlanden und Deutschland
gemartert
gemartert, den Märtyrertod erlitten
der kirchen vorgewesen
der Kirche vorgestanden, als Bischof gedient
Venedigisch hertzogthumb
Venezianisches Herzogtum
vrsprung genomen
Ursprung genommen, entstanden
patriarchen
Patriarch (kirchlicher Würdenträger, hier von Grado)
ritterschaft
Ritterschaft
eraclea
Heraclea, antike Stadt in Italien, Vorläufer Venedigs
Paulus lucius eracleanus
Paulus Lucius Heracleanus (Paolo Lucio Anafesto), erster Doge von Venedig (Amtszeit 697–717)
longobardischen
Langobarden, germanischer Stamm, der in Italien herrschte
puendnus
Bündnis
fliße sich
bemühte sich, befleißigte sich
zeerweittern
zu erweitern
CEsarius der arelatinisch bischoff
Caesarius von Arles, Bischof
sant Wolframmus der zenonensisch bischoff
Heiliger Wolfram von Sens, Bischof (gest. ca. 700)
andegauo
Andegavum (lat.), heute Angers, Stadt in Frankreich
Egidius zu rothomago
Aegidius von Rouen (lat. Rothomagus), Bischof
sant amatus
Heiliger Amatus, Erzbischof (vermutlich Amatus von Sens oder Amatus von Remiremont)
engelland
England
geleuechtet
sich ausgezeichnet, geglänzt
SAnt Kilian
Heiliger Kilian (gest. ca. 689), irischer Missionar und Märtyrer in Würzburg
orientischen franckreich
östliches Frankenreich (Austrasien)
schott
Schotte, hier im Sinne von irischer Mönch
schrift gelert
in der Heiligen Schrift gelehrt
versmehet er die werlt
verachtete er die Welt (im Sinne von weltlichen Gütern und Ehren)
closter
Kloster
gehorsam vnd messigkeit
Gehorsam und Mäßigkeit
briester geweyhet
zum Priester geweiht
pflegnus des closters
Leitung des Klosters
beschewlichkeit
Beschaulichkeit, Kontemplation
brittanniam
Britannien
galliam
Gallien (heutiges Frankreich)
teuetscheland
Teutschland, Deutschland
begirde der marteer kron
Begierde nach der Märtyrerkrone
hayden
Heiden
rom
Rom, Stadt in Italien
conone dem babst
Papst Konon (Amtszeit 686–687)
ambt des predigens
Amt des Predigens, Predigeramt
bischoff geweyhet
zum Bischof geweiht
Colonato
Kolonat, Priester, Begleiter des Heiligen Kilian
Tomano
Totnan, Diakon, Begleiter des Heiligen Kilian
hertzogen Goßbertum
Herzog Gosbert (gest. ca. 689), Herzog der Franken in Würzburg
teuetsch reden
Deutsch reden
abgoettin dyanam
Abgöttin Diana (heidnische Göttin)
schier
fast, beinahe
cristenlichen glawben
christlicher Glaube
vndertenig machet
untertänig machte, sich unterwarf
heilligen ostertag
heiliger Ostertag
tawffen
taufen
Geilana
Geilana, Herzogin, Gemahlin Gosberts
ettwen
ehemals
seins bruders gemahel
seines Bruders Gemahlin
faren lassen
verlassen, sich trennen von
verfueeget sie
sie verfügte, sie veranlasste
ertoedt warden
getötet wurden
moerder
Mörder
ryße sich selbs mit seinen zenen
riss sich selbst mit seinen Zähnen (Selbstverstümmelung)
vnsynnig
wahnsinnig
seim schwert
seinem Schwert
teuefeln beseßen
von Teufeln besessen
schrye
schrie
Gerechtigclich
Gerechterweise, mit Recht
gepynigt
gepeinigt
peyniger zugeschickt
Peiniger zugeschickt, Folterer gesandt
quelung
Qual
vnselig end
unseliges Ende
Blat CLXII
Blatt 162 (römisch für 162)
SAnctus Willibaldus
Heiliger Willibald, Bischof von Eichstätt
sant Richardo hertzogen zu schwaben vnd koenig zu engelland
Heiliger Richard, oft als 'König der Angelsachsen' bezeichnet, Vater des Willibald (historisch umstritten, nicht Herzog von Schwaben)
Bunna der kewschisten frawen
Bunna, die keuscheste Frau, Mutter des Willibald
iherusalem
Jerusalem, Stadt
heillig land
Heiliges Land
pilgrams weiß haymgesucht
pilgerweise heimgesucht, als Pilger besucht
rom
Rom
babst Gregorio dem dritten
Papst Gregor III. (Amtszeit 731–741)
innigkeit vnd bestendigkeit des glawbens
Innigkeit und Beständigkeit des Glaubens
sancto Bonifacio dem ertzbischoff zu mayntz
Heiliger Bonifatius, Erzbischof von Mainz
gesyppter frewndt
verwandter Freund, Verwandter
.xxii. tag des monats iulii
22. Juli
briester geweyhet
zum Priester geweiht
.viic. vnd .xl. iar des hayls
740 n. Chr. (römisch für 740)
.xli. iar
41 Jahre (römisch für 41)
Eystettischen bischoffthumb
Eichstätter Bistum
fuergeordnet
vorgeordnet, als Bischof eingesetzt
Swigerum den grafen
Swigerus, Graf (vermutlich ein lokaler Adliger, der Güter stiftete)
stuols zu mayntz cantzler
Kanzler des Mainzer Bischofsstuhls
freyheit begabet
mit der Freiheit begabt
nachkomen
Nachkommen
cantzlerambts
Kanzleramtes
ewigclich geprauchen
ewiglich gebrauchen, auf ewig nutzen
gemaynen versamlungen
allgemeinen Versammlungen
rechten hand
rechten Hand
mayntzischen ertzbischofs
Mainzer Erzbischofs
erlich klaid rationale genant
ehrenvolles Gewand, Rationale genannt (ein liturgisches Gewand, das über dem Messgewand getragen wird)
geprauchten
gebrauchten
gezymmen solt
geziemen sollte, zustehen sollte
fluss altmuel
Fluss Altmühl
wueesten aynoede
wüsten Einöde
nidergehawen welden
niedergehauenen Wäldern
Eystett zepawen
Eichstätt zu bauen
loblichs frawencloster sant Benedicten ordens
lobenswertes Frauenkloster des heiligen Benediktinerordens
heilligen wundersamen iunckfrawen Walpurgis
Heilige, wundersame Jungfrau Walpurgis (Walburga, ca. 710–779), Äbtissin von Heidenheim, Schwester des Willibald
sant Willibalds schwester
Heiliger Willibalds Schwester
heilliger safft
heiliger Saft (Walpurgisöl, ein Öl, das aus dem Grab der hl. Walburga fließt und als wundertätig gilt)
krancken gesuntheit bringt
Kranken Gesundheit bringt
hohwirdig bischoff Wilhelm
hochwürdiger Bischof Wilhelm (Wilhelm von Reichenau, Bischof von Eichstätt 1464–1496)
edeln geschlecht reichenaw
edles Geschlecht Reichenau
verwesung vnd besitzung
Verwaltung und Besitzung
aureatensisch bistthumb
Aureatensisches Bistum (lat. 'Aureatensis', lateinischer Name für Eichstätt, möglicherweise bezogen auf 'Aura' = Gold oder 'Aureatum' = vergoldet)
Eystett
Eichstätt