Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst: Zacharias Jar der werlt vm.ixc.xxxiij. Jar christi .vijc.xxxvij. ZAcharias ein kriechischer man wardt nach Gregorio babst erkorn. vnd wirdt vnder den allerbesten fuersten gezelet dann er was ein fast senftmueetig man. wunderperlicher sueßigkeit vnnd gnad mit aller tugent begabet. ein liebhaber der pfafheit vnd des volcks. Dann als er in anfang seins babstthumbs vil aufrueriger kriegischer zwitracht in welschem land funde do sendet er sein legaten vnd botschaft vmb frids willen zu Lintprandum dem Longopardischen koenig. der wider Trasmundum den spoletanischen hertzog krieget. aber do er durch die botschaft nichtz außrichten mocht do zohe er mit seiner roemischen pfafheit fuer die statt in sabiniam in willen den koenig persoenlich zeuermanen do sagt man das der koenig acht welch meyl von Narnia disem babst engegen komende vom pferd abgestygen vnd zu fuoßen disem heiligisten mann. bis in die stat rom nachgefolgt hab. der thet am tag darnach vnder dem ambt der heilligen mess ein treffenlich predig offenlich anzaigende was eim cristenlichen koenig zethun gepueret oder zymmet so er krieg oder frid het. Auß solcher vnderrichtung wardt der koenig also bewegt das er ime die sachen des kriegs alle befalhe vnd gueetlichs entschids vnd vertrags bey ime gewartet. Als nw Zacharias allenthalben frid hoeret. do hat er vil vnd mancherlay gepew an den roemischen gotzhewßern zu auffrichtung vnd enthaltung derselben fuergenomen vnd außgefueert. Den Venedigern verpote er bey der peen des verfluochs das sie die knecht mit dem zaichen christi gemercket den sarracenen vnd hayden nit verkawffen solten. als die kauflewt pflegen zethun. Er starb seins babstthumbs im zehenden jar vnd dritten monat. vnnd der stuol ruoet deßmals xii. tag. Stephanus der ander Jar der werlt vm.ixc.xliij. Jar christi .vijc.xliiij. STephanus der ander ein Roemer wardt zu babst erkorn. vnnd allermenigclichem also angeneme das er auff allermenigclichs achsel in die Constantinianischen kirchen getragen wardt. dann er was sunderlicher cristenlicher andacht. vnnd kluogheit. Ein liebhaber der pfafheit. Ein widergeber des almuosens. ein fleißiger prediger vnd schreiber cristenlicher lere. Ein vater der armen. vnd beschirmer der witwen vnd waysen. Der do (wiewol vergebenlich) fleiß ankeret Aistulphum den longopardischen koenig. der die roemischen gegent angriffe mit wortten vnd begabungen von seiner vbeltat abzewenden. Demnach vnderstuond er sich der dinghalben zu pipino dem koenig zu franckreich zeziehen. dem sendet Pipinus Carolum seinen sun den jungen (der darnach von seiner geuebten hendel wegen der groß genant wardt) in eren bis zu dem hundertsten stayn entgegen. Aber Pipinus styge bey dem dritten stayn von der statt rom ab von dem pferd vnd kueßet diss heilligen mans fueeß vnd laytet ine auff dem pferd bey seinem zawm bis in das roemisch pallacium. vnd diser babst salbet pipinum alßpald zu einem koenig vnd wendet das kaiserthumb von den kriechischen in franckreich Sunst nach vbung vil guoter werck starb er seins babstthumbs in dem fuenften jar. im ersten monat. der stuol feyret .xxxii. tag. Paulus der erst PAulus der erst ein roemer des obgenanten babsts Stephans bruder wardt nach ime babst ein gantz gueetiger vnd milter man. der dann in dem patriarchischen stand gaistlich sitten vnd lere wol erfaren het. Vnd in dem stuck was er ein nachfolger vnsers haylands das er nye ymant vbels vmb vbel thet. sunder die boeßen mit guotem vberwunde. vnd also ein gueetiger woltetiger man. das er bey nacht zuzeitten mit zwayen oder dreyen dyenern die siechbette der armen krancken besuchet. vnd einen yeden mit wortten vnd almuosen zu der gesuntheit troestet. gefangen erledigt vnd frembde schuld fuer die lewt bezalet. vnd wittwen vnd waysen beschirmet vnd mit almuosen auffenthielt. Diser hat mit versamelter pfafheit vnd alles roemischen volcks den leichnam sant Petronelle sant peters tochter von dem ende do der vorgelegen ist in sant Peters irs vaters kierchen bestattet. vnd starb seins babstthumbs in dem zehenden jar. vnd der stuol ruoet deßmals ein jar vnd ein monat. der werlt Blat CLXIII Linea der kaiser: Constantinus der fuenft COnstantinus der fuenft Leonis des kaisers sun regiret allain nach dem vater dz kaiserthumb .xxxiij. iar. der dann auch als ein nachfolger vetterlicher vngueetigkeit die gesetzt vnd ordnung der heilligen veter nach seinem vermuegen verfolget vnd sich alle zeit seins lebens in vbeltaten. schwartzkuenstlerey vnd vbermessigkeit vbet. vnd als er aber die heilligen pilde allenthalben abtilgt vnd Constantinum den bischoff der koenigclichen statt der sich wider sein boßheit setzet getoedt. vnd Nicetam seiner vbeltat mitschuldigen an die statt gesetzt het do schicket der babst sein botschaft gein constantinopel den kaiser zeuermanen die abgetilgten pilde widerauffzerichten oder der peen der verfluchung darumb zegewartten. Aber constantinus als ein verstockter verharret in verschmehung solcher bebstlicher vermanung vnd name auch Sabinum den bulgarischen koenig der des gleichen die pild vertilget zu gnaden den er doch dauor mit krieg verfolget. vnd ertoedtet auch vil closterlewt vnd werltliche cristenliche menschen von des rechten cristenlichen glawbens wegen auß rat Anastasii des ketzers vnd constantinopolitanischen patriarchen. Deßmals was daselbst ein solche pestilentz das ettliche hewßer gar außsturben. Anastasio dem ketzer brach das kott zum mund herauß vnd starb ellendigclich. So wardt constantinus mit der plag des wilden fewrs beruert. vnnd starb schreyende. Ich bin noch also lebendig in ein vnaußloeschlich fewr geantwurtet. Leo der vierdt LEo der vierdt constantini des fuenften sun hat imm iar des herren .viic.lxxvii. nach dem vater als kaiser fuenff iar geherrscht. dem het sein vater ob allen frawen die edelsten vnd schoensten Hyrene genant zu gemahel vertrewtet. Auß der gepare er eynen sun constantinum mit namen. Zu diss kaisers Leonis zeitten hat das kaiserthumb kawm namen gehabt. dann das barbarisch volck bekuemeret das kaiserthum im orient stettigclich. So hetten die roemer auß krieg vermuedet ir aufsehen auff die gallos oder franckreichischen. Vnd wiewol er mit heerßcraft in syriam rayset. yedoch als die feynd gegen ime komen do zohe er wider anhayms vnd ergabe sich zu mueßigkeit vnd versencket sich in vnzalliche laster vnd vnthat. Er het edelßgestein also lieb das er mit eynicher groeße derselben nicht mocht ersetigt werden. Demnach het er einßmals die koestlichen kron die in sant sophie sarch was auff sein hawbt gesetzt vnnd durch die statt getragen do entzundet sich auß goetlicher rachsale das edelgestayn in derselben kron vnd verprennet ine. das er mit eim tod schier gleich wie sein vater vergieng. Constantinus der .vi. vnd hyrene COnstantinus der sechst des vorgenanten Leonis sun auß hyrene regiret als kayser mit hyrene seiner muter .x. iar. Dise allerkluogst vnd gotßfoerchtig kaiserin von gestalt die schoenst regiret das kaiserthumb auffrichtigclich vnnd mit großer ruoe des volcks. vnd sie het den fleiß bey irem sun ine zeziehen das er den anherrlichen vnnd vaterlichen boeßen sytten (dar zu sie ine von natur genaigt verstuondt) nit nachfolgen solt Sie hielt ein concili mit dreyhundert vnd fuenftzig bischoffen. darinn stellet sie ab die ketzerey der ihenen die die erwirdigung der pild verachteten. Aber ir sun constantinus (in dem die angeporn vnrat vberhand name) mocht seiner muter fruemkeit. erberkeit. vnd guotsittigkeit nit lenger gedulden darumb entsetzet er sie von der pflegnus des kayserthumbs. Alßpald er nw erstlich als einiger in der herrschung sein angeporne boßheit vben kund do vnderstuond er sich grawsamer handlung. Vnder den was die eine. das er frewd suchet in verplendung vnnd awgen außgrabung der menschen. also das die von constantinopel gedachten das kaiserthumb ymmant andere zebefelhen. dann ime wardt eine maria genant vermehelt. die verdrunge er in ein closter vnd setzet einer mayd die koenigclichen kron auff. Auß solchen vntaten warden die constantinopolitanischen burger bewegt Hyrenem sein muter widereinzesetzen. Als das beschahe do fieng sie constantinum iren sun vnd stache ime die awgen auß vnd leget ine in ein kercker vnd sie regiret allain funff jar vnd machet ein puentnus mit karolo. Aystulphus koenig Aystulphus der Longobardisch koenig regiret acht iar vnd griffe die roemischen gegent an. den beweget der babst mit schanckungen vnnd flehungen zu frid auff etlich iar in maynung den zehalten. aber in kuertze darnach belegeret Aystulphus die statt rom vnd beschediget die landtschaft mit großer verwueestung vnd mit bedroung wo sie sich nit ergeben wolten so woelt er nach erobrung der statt sie alle hencken oder erwuergen. Vnd als aber der babst aystulphum noch fleißigclicher vermanet vnd doch nichtz erlangen mocht do ruoffet der babst pipinum den koenig zu franckreich vmb hilff an. do zwunge pipinus disen aystulphum das vorbeschehen geding dess frids zehalten. Nach vil geuebten kriegen starb er zu letst auff dem gejayde am schlag.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Zacharias. Im Jahr der Welt 5933, im Jahr Christi 737. Zacharias, ein griechischer Mann, wurde nach Gregor zum Papst gewählt und wird unter den allerbesten Fürsten gezählt, denn er war ein sehr sanftmütiger Mann, von wunderbarer Milde und Gnade, mit aller Tugend begabt, ein Liebhaber der Priesterschaft und des Volkes. Als er zu Beginn seines Pontifikats viel aufrührerische, kriegerische Zwietracht im welschen Land vorfand, sandte er seine Legaten und Botschaft um des Friedens willen zu Liutprand, dem Langobardenkönig, der gegen Thrasimund, den Herzog von Spoleto, Krieg führte. Da er aber durch die Botschaft nichts ausrichten konnte, zog er mit seiner römischen Priesterschaft vor die Stadt in Sabinien, in der Absicht, den König persönlich zu ermahnen. Man sagt, dass der König acht welsche Meilen von Narni diesem Papst entgegenkommend vom Pferd abgestiegen und diesem heiligsten Mann zu Fuß bis in die Stadt Rom nachgefolgt sei. Am Tag danach hielt er während des Amtes der heiligen Messe eine treffliche Predigt, öffentlich darlegend, was einem christlichen König zu tun gebührt oder ziemt, wenn er Krieg oder Frieden hat. Durch diese Unterweisung wurde der König so bewegt, dass er ihm alle Angelegenheiten des Krieges anvertraute und einen gütlichen Entscheid und Vertrag von ihm erwartete. Als Zacharias nun überall Frieden hörte, hat er viele und mancherlei Bauten an den römischen Gotteshäusern zur Errichtung und Erhaltung derselben unternommen und ausgeführt. Den Venezianern verbot er bei Strafe des Fluches, dass sie die Knechte, die mit dem Zeichen Christi gezeichnet waren, den Sarazenen und Heiden nicht verkaufen sollten, wie es die Kaufleute zu tun pflegten. Er starb im zehnten Jahr und dritten Monat seines Pontifikats, und der Stuhl ruhte damals zwölf Tage. Stephanus der Zweite. Im Jahr der Welt 5943, im Jahr Christi 744. Stephanus der Zweite, ein Römer, wurde zum Papst gewählt und war jedermann so angenehm, dass er auf jedermanns Schultern in die konstantinische Kirche getragen wurde, denn er war von besonderer christlicher Andacht und Klugheit. Ein Liebhaber der Priesterschaft, ein Spender des Almosens, ein fleißiger Prediger und Schreiber christlicher Lehre, ein Vater der Armen und Beschirmer der Witwen und Waisen. Der (obwohl vergeblich) sich bemühte, Aistulf, den Langobardenkönig, der die römischen Gebiete angriff, mit Worten und Gaben von seiner Übeltat abzuwenden. Danach unternahm er es, deswegen zu Pippin, dem König von Frankreich, zu ziehen. Pippin sandte ihm Karl, seinen jungen Sohn (der danach wegen seiner geübten Taten der Große genannt wurde), ehrenvoll bis zum hundertsten Stein entgegen. Aber Pippin stieg beim dritten Stein von der Stadt Rom vom Pferd ab und küsste die Füße dieses heiligen Mannes und leitete ihn auf dem Pferd an seinem Zaumzeug bis in den römischen Palast. Und dieser Papst salbte Pippin sogleich zum König und wendete das Kaisertum von den Griechen nach Frankreich. Sonst, nach der Ausübung vieler guter Werke, starb er im fünften Jahr, im ersten Monat seines Pontifikats. Der Stuhl feierte 32 Tage. Paulus der Erste. Paulus der Erste, ein Römer, der Bruder des oben genannten Papstes Stephan, wurde nach ihm Papst, ein ganz gütiger und milder Mann, der dann im patriarchischen Stand geistliche Sitten und Lehre wohl erfahren hatte. Und in diesem Punkt war er ein Nachfolger unseres Heilands, dass er nie jemandem Übles um Übles tat, sondern die Bösen mit Gutem überwand. Und er war ein so gütiger, wohltätiger Mann, dass er zuweilen bei Nacht mit zwei oder drei Dienern die Krankenbetten der armen Kranken besuchte und jeden mit Worten und Almosen zur Gesundheit tröstete, Gefangene befreite und fremde Schulden für die Leute bezahlte und Witwen und Waisen beschirmte und mit Almosen unterstützte. Dieser hat mit versammelter Priesterschaft und allem römischen Volk den Leichnam der heiligen Petronella, der Tochter des heiligen Petrus, von dem Ort, wo er gelegen hatte, in die Kirche ihres Vaters, des heiligen Petrus, bestattet. Und er starb im zehnten Jahr seines Pontifikats, und der Stuhl ruhte damals ein Jahr und einen Monat. Blatt 163 der Weltchronik. Linie der Kaiser: Konstantin der Fünfte. Konstantin der Fünfte, der Sohn Kaiser Leos, regierte allein nach dem Vater das Kaisertum 33 Jahre. Der dann auch als ein Nachfolger väterlicher Ungütigkeit die Gesetze und Ordnungen der heiligen Väter nach seinem Vermögen verfolgte und sich allezeit seines Lebens in Übeltaten, Schwarzkünstlerei und Übermäßigkeit übte. Und als er aber die heiligen Bilder überall abtilgte und Konstantin, den Bischof der königlichen Stadt, der sich gegen seine Bosheit setzte, tötete und Niketas, seinen Mitschuldigen an der Übeltat, an dessen Stelle gesetzt hatte, da schickte der Papst seine Botschaft nach Konstantinopel, um den Kaiser zu ermahnen, die abgetilgten Bilder wieder aufzurichten oder die Strafe der Verfluchung deswegen zu erwarten. Aber Konstantin, als ein Verstockter, verharrte in Verachtung solcher päpstlicher Ermahnung und nahm auch Sabin, den bulgarischen König, der desgleichen die Bilder vertilgte, zu Gnaden, den er doch zuvor mit Krieg verfolgt hatte. Und tötete auch viele Klosterleute und weltliche christliche Menschen wegen des rechten christlichen Glaubens auf Rat des Ketzers Anastasios und des konstantinopolitanischen Patriarchen. Damals war daselbst eine solche Pestilenz, dass etliche Häuser ganz ausstarben. Dem Ketzer Anastasios brach der Kot zum Mund heraus und er starb elendiglich. So wurde Konstantin von der Plage des wilden Feuers berührt und starb schreiend: „Ich bin noch lebendig in ein unauslöschliches Feuer überantwortet worden.“ Leo der Vierte. Leo der Vierte, der Sohn Konstantins des Fünften, hat im Jahr des Herrn 777 nach dem Vater als Kaiser fünf Jahre geherrscht. Ihm hatte sein Vater über allen Frauen die edelste und schönste, Irene genannt, zur Gemahlin anvertraut. Aus ihr zeugte er einen Sohn namens Konstantin. Zu Zeiten dieses Kaisers Leo hatte das Kaisertum kaum noch einen Namen, denn das barbarische Volk beunruhigte das Kaisertum im Orient ständig. So hatten die Römer, vom Krieg ermüdet, ihr Augenmerk auf die Gallier oder Franken gerichtet. Und obwohl er mit Heeresmacht nach Syrien reiste, zog er doch, als die Feinde gegen ihn kamen, wieder heim und ergab sich der Müßigkeit und versenkte sich in unzählige Laster und Untaten. Er hatte Edelsteine so lieb, dass er mit keiner Größe derselben gesättigt werden konnte. Danach hatte er einmal die köstliche Krone, die im Sarg der Hagia Sophia war, auf sein Haupt gesetzt und durch die Stadt getragen. Da entzündete sich aus göttlicher Rache das Edelgestein in derselben Krone und verbrannte ihn, sodass er mit einem Tod fast gleich wie sein Vater verging. Konstantin der Sechste und Irene. Konstantin der Sechste, der Sohn des vorgenannten Leo aus Irene, regierte als Kaiser mit Irene, seiner Mutter, zehn Jahre. Diese allerklügste und gottesfürchtigste Kaiserin, von Gestalt die schönste, regierte das Kaisertum aufrichtiglich und mit großer