Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Constantinus der ander Jar der werlt .vm.ixc.lxiij.Jar christi .vijc.lxiiij. COnstantinus der ander ein roemer wardt babst nach paulo in der maßen. Thoton der nepusinisch hertzog der den longobardischen anhienge wonet zu rom vnd forderet auß tuerstigkeit vil volcks von Nepeso gein rom. vnnd stercket sich mit desselben volcks waffen also das sie disen constantinum mit gunst ettlicher durch gab vnd verheißung verkerter freund zu babst schoepfften. Ein andrer philippicus genant wardt auch von ettlichen zu babst bestymbt. aber doch pald mit gewappenter hand sich des babstthumbs zeentschlahen gedrungen. So wardt Gregorius der prenestinisch bischoff gezwungen disen constantinum (der noch ein lay was) vonstundan zeweihen vnd bischoffen zesalben. Desselben hennd verdorreten von solcher weyhung wegen also wunderlich das er die zum mund nit bewegen mocht. Als aber constantinus den babstthumb ein jar verstocktlich geuebet het do wardt er von dem Roemischen volck auß dem babstlichen stuol geworffen vnd stephanus der dritt ordenlich zu babst erwelet. darnach durch ine ein concili in laterano versammelt. constantinus seiner awgen berawbt in ein closter verschloßen vnd schnoedigclich außgeworffen. Ettlich zelen ine nicht vnder den bebsten. Stephanus der dritt Jar der werlt .vm.ixc.lxxiii.Jar christi .viic.lxxiiii. STephanus der dritt auß Sicilia puertig ist in das babstthumb gangen in dem iar des herren .viic.lxviii. vnd was ein gelert vnd wolerfarner man. vnd in handlung. sunderlich gaistlicher sachen gar gestrenng vnd bestenndig vnd von aller roemischen pfafheit vnd volck als ein warer wegweiser vnd babst gegrueeßet. Der keret sein gemueet zu rechfertigung der sitten vnd versammlet die pfafheit. sunderlich auß gallia vnd welschem land in der lateranensischen kirchen zu rom. daselbst hetten sie von verordnungen der kirchlichen sachen vil vnderred miteinander vnnd entsetzeten den vorgenanten constantinum mit widerrueffung vnd abstellung seiner gesetze vnd ward mit gemainer verwilligung ir aller geordnet. das einich laye der nicht ordenlich geweihet wer sich nit vndersteen solt dem babstthumb nachzestellen noch den zebekuemern bey straff der verfluochung. Auch solten alle die ding die constantinus in heilligen dingen gehanndelt het vntueglich vnd kraftloß sein. außgenomen den tawf vnd cresem. Nach beschluß diser ding aller wardt am tag darnach ein loeblich procession got zu danckperkeit gehalten. darinn giengen der babst vnd menigclicher parfuoß auß der Lateranensischen kirchen gein sant peter mit großer andacht vnd gotßdienstperkeit. Diser allerfleißigst hirt. warer nachkomen petri vnd nachfolger christi starb seins babstthumbs im vierden jar. fuenften monat. am .xxvii. tag. der stuol ruoet deßmals .ix. tag. Hadrianus der erst HAdrianus der erst ein roemer was auß edeln eltern geporn vnd in seinem babstthumb des adels der tugent ein fleißiger nachfolger. also dz er auß groeße seins gemueets von seiner rete. lere vnd heilligkeit wegen eim igclichen babst gegleicht werden mocht. Es was sein erwelung noch kawm offenbar worden. do entlediget er die gefangen von affrica. vnd forderet die in das ellend verschickten wideranhayms. Als soelchs an den longobardischen koenig Desiderium gelanget do trachtet er ime freuendschaft vnd puentnus bey disem babst zemachen vnd sendet darumb sein botschaft zu ime. Derselben botschaft gab er die antwurt. Wiewol er mit menigclichem vnnd zuuoran mit dem longopardischen volck frid zehaben begeret so moecht er doch nit glawben geben den wortten desiderii irs koenigs. der Stephano dem babst die gelobten puentnus also offt verbrochen hett. Demnach rueffet der babst koenig Carolum vmb hilff an. derselb Carolus belegeret Desiderium. vnd die longobardos zu papia. vnd befalhe die belegerung Bernhardo seinem vetter vnd zohe gein rom vnd eret disen Hadrianum mit dem kuß seiner fueß vnnd verpflichteten sich zu ewiger freuendschaft miteinander. Vnd als nw babst Hadrianus auß den kriegs forchten zu sicherheit kome do keret er sein gemueet zu zierde der gotzhewßer vnd gepewen der statt rom. Zu letst starb er in dem. xxiii. jar seins babstthumbs. der welrt Blat CLXVI Linea der kaiser: Nicephorus NIcephorus der kaiser hat nach der kaiserin Hyrene .ix. iar geherrscht vnnd dieselben hyrene listigclich gefangen. in die innseln leßbon verschicket. Vnnd er selbs auch nach angenomnem kaiserthumb frid mit Carolo gemacht. Vnd man list das in desselben puentnussen nemlich bedingt worden wer. das die statt Venedig. die bede kaiser erete sich irer gesetze geprauchen moecht. vnd in krieg oder frid keins teils sein solt. Als nw die botschafter die form vnd verschreibung solchs frids koenig Carolo in teuetschem land bey saltzburg deßmals wesende zuogebracht hetten do sendet er sie gein rom alle gehanndelte ding dem babst fuerzebringen. In demselben jar. das do was das erst des kaiserthumbs Nicephori hat Aron admirhas dreimalhuuderttausent sarracen in die asianischen prouintzen dem constantinopolitanischen kaiserthumb vnderworffen eyngefueert. Von desselben zukunft kom der kaiser in ein solchen schregken das er von ine frids schentlich begeret. vnd den erlanget mit geding. ime fuer die vmbeschedigung des kaiserthumbs tausent guldein. vnd fuer behaltung seins hawbts dreytausent guldein jerlich zu zinss zebezalen. Aber vnlang darnach erkleret nicephorus auß vnberatenheit seinen sun Scauracium zu eim mit regirer des kaiserthumbs. der als ein junger von von dem schnoeden geding seins vaters abweichende vil beschedigung vnd vnfuogs an mancherlay enden von den sarracen empfieng. Nicephorus hat in dem krieg wider die bulgaros vil obsigung gehabt. Aber vor vnd ee er zu dem frid mit der botschaft Caroli zu constantinopel zebestettigen widerkeren mocht. do wardt er in dem streyt den er mit dem Bulgarischen koenig in obern Mesia het vberwunden vnd erschlagen. Vnd Scauracius sein sun in demselben streyt verwundet also das er gein constantinopel kerende das kaiserthumb empfienge. Den setzet Michael sein schwesterman in dem dritten monat seins kaiserthumbs ab vnd wardt sein nachkomen. Michael MIchael der constantinopolitanisch kaiser hat nach Scauracio seinem schwager zway iar geregirt vnd was ein gueetiger man vnd folger der heilligen gesetz. vnd ime nichts begirigers dann den frid von Nicephoro angefenngt mit koenig Carls botschaftern die vil monat zu constantinopel geharret hetten zebestettigen. Das geding desselben frids erzelen die gschihtbschreiber mit kurtzen wortten. Also das Michael den auffgang mit constantinopel. vnnd Carolus den nidergang mit rom haben solt Vnd kaiser Michael het carolum also vorawgen das er sein botschafter mit koenig carls botschaft gein Ach in die statt gestalt des frids anzesagen. Als sie daselbsthin komen do erlangten sie von carolo alles das sie begereten. Vnd wiewol diser Michael etwielang wider die Bulgaros krieget vnd obsyget so wardt er doch letst vberwunden vnd gejagt. also das er sein heer vnd auch sein gemueet vnd hertz verlore. vnd thet sich von dem kaiserthumb. gieng in ein closter vnd lebet alda in fleißigem gotzdienst bis in sein ende. Zu des zeitten het das kaiserthumb kawm einen namen. dann im auffgang herrscheten die barbari. so hetten die roemer yetzo mit krieg vermueedet ir aufsehen in galliam. Darumb geschiht hernach gar wenig meldung von den Constantinopolitanischen oder kriechischen kaisern. sunder von dem grossen carolo vnd seinen nachkomen. Die sybend versamlung Hyrene die muter Constantini hielt das ander concili zu Nicea mit .iiic. bischoffen. Alda ward gesetzt das die ihenen die do sagten das die heilligen pilde abzetilgen weren mit ewigem fluch beheftet werden solten. Vnd wardt auch bestettigt das der heillig gaist vom vater vnd sun außgieng. HAdrianus der babst hat auch nach erobertem fridmit den longobardischen die sybenden versamlung von iiic.l. bischoffen gehabt. Darinn wardt die Felicianisch ketzerey von abtilgung der pild hingelegt. vnd auch den layen gepotten sich keinerlay weiß in die wale eins roemischen babsts zeschlahen. Das auch die ereloßen zu briesterlichen stannd nit gefuerdert werden solten. So solten sich auch die clerici in frembde werltliche gericht nit ziehen laßen.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste. Konstantin der Zweite. Jahr der Welt 5963. Jahr Christi 764. Konstantin der Zweite, ein Römer, wurde nach Paulus auf folgende Weise Papst: Toto, der Herzog von Nepi, der den Langobarden anhing, wohnte in Rom und forderte aus Kühnheit viel Volk von Nepi nach Rom. Er stärkte sich mit den Waffen dieses Volkes, sodass sie diesen Konstantin mit der Gunst einiger, durch Gaben und Versprechungen verdorbener Freunde, zum Papst erhoben. Ein anderer, Philippicus genannt, wurde auch von einigen zum Papst bestimmt, aber doch bald mit bewaffneter Hand gezwungen, sich des Papsttums zu entschlagen. So wurde Gregor, der Bischof von Praeneste, gezwungen, diesen Konstantin (der noch ein Laie war) sogleich zu weihen und zum Bischof zu salben. Dessen Hände verdorrten wegen dieser Weihe so wunderlich, dass er sie nicht zum Mund bewegen konnte. Als aber Konstantin das Papsttum ein Jahr lang hartnäckig ausgeübt hatte, wurde er vom römischen Volk vom päpstlichen Stuhl geworfen und Stephan der Dritte ordnungsgemäß zum Papst gewählt. Danach wurde durch ihn ein Konzil im Lateran versammelt. Konstantin, seiner Augen beraubt, in ein Kloster eingeschlossen und schändlich ausgewiesen. Einige zählen ihn nicht unter den Päpsten. Stephan der Dritte. Jahr der Welt 5973. Jahr Christi 774. Stephan der Dritte, aus Sizilien gebürtig, trat im Jahre des Herrn 768 in das Papsttum ein und war ein gelehrter und erfahrener Mann, und in der Handhabung, besonders geistlicher Sachen, sehr streng und beständig, und wurde von der gesamten römischen Priesterschaft und dem Volk als wahrer Wegweiser und Papst gegrüßt. Er richtete seinen Sinn auf die Rechtfertigung der Sitten und versammelte die Priesterschaft, besonders aus Gallien und dem Welschland, in der Lateranensischen Kirche zu Rom. Dort hatten sie viele Besprechungen miteinander über die kirchlichen Verordnungen und setzten den vorgenannten Konstantin ab, indem sie seine Gesetze widerriefen und aufhoben. Und es wurde mit allgemeiner Zustimmung aller von ihnen angeordnet, dass kein Laie, der nicht ordnungsgemäß geweiht wäre, sich unterstehen sollte, dem Papsttum nachzustellen oder es zu beunruhigen, bei Strafe der Verfluchung. Auch sollten alle Dinge, die Konstantin in heiligen Angelegenheiten gehandhabt hatte, ungültig und kraftlos sein, ausgenommen die Taufe und das Chrisam. Nach dem Abschluss all dieser Dinge wurde am Tag danach eine lobenswerte Prozession zur Danksagung an Gott abgehalten. Darin gingen der Papst und jedermann barfuß von der Lateranensischen Kirche nach Sankt Peter mit großer Andacht und Gottesdienstlichkeit. Dieser allerfleißigste Hirte, wahrer Nachkomme Petri und Nachfolger Christi, starb im vierten Jahr, fünften Monat, am 27. Tag seines Papsttums. Der Stuhl ruhte damals 9 Tage. Hadrian der Erste. Hadrian der Erste, ein Römer, war aus edlen Eltern geboren und in seinem Papsttum ein fleißiger Nachfolger des Adels der Tugend, sodass er aufgrund der Größe seines Gemüts, seines Rates, seiner Lehre und Heiligkeit jedem Papst gleichgestellt werden konnte. Kaum war seine Wahl bekannt geworden, da entließ er die Gefangenen aus Afrika und forderte die ins Exil Verschickten zurück nach Hause. Als dies dem langobardischen König Desiderius bekannt wurde, trachtete er danach, Freundschaft und Bündnis mit diesem Papst zu schließen, und sandte deshalb seine Botschaft zu ihm. Dieser Botschaft gab er die Antwort: Obwohl er mit jedermann und zuvorderst mit dem langobardischen Volk Frieden zu haben begehrte, so konnte er doch den Worten Desiderius', ihres Königs, nicht Glauben schenken, der dem Papst Stephan die gelobten Bündnisse so oft gebrochen hatte. Demnach rief der Papst König Karl um Hilfe an. Dieser Karl belagerte Desiderius und die Langobarden bei Pavia und befahl die Belagerung Bernhard, seinem Vetter, und zog nach Rom und ehrte diesen Hadrian mit dem Kuss seiner Füße und verpflichteten sich zu ewiger Freundschaft miteinander. Und als nun Papst Hadrian aus den Kriegsängsten in Sicherheit gekommen war, wandte er seinen Sinn der Zierde der Gotteshäuser und Gebäude der Stadt Rom zu. Zuletzt starb er im 23. Jahr seines Papsttums. Seite 166 der Weltchronik. Linie der Kaiser: Nicephorus. Kaiser Nicephorus hat nach der Kaiserin Irene 9 Jahre geherrscht und dieselbe Irene listiglich gefangen, auf die Insel Lesbos verschickt. Und er selbst machte auch nach der Annahme des Kaisertums Frieden mit Karl. Und man liest, dass in diesem Bündnis namentlich bedingt worden war, dass die Stadt Venedig, die beide Kaiser ehrte, sich ihrer Gesetze bedienen durfte und in Krieg oder Frieden keiner Partei angehören sollte. Als nun die Botschafter die Form und schriftliche Vereinbarung solchen Friedens König Karl, der sich damals im deutschen Land bei Salzburg aufhielt, zugebracht hatten, da sandte er sie nach Rom, um alle verhandelten Dinge dem Papst vorzubringen. In demselben Jahr, das das erste des Kaisertums Nicephorus' war, hat Aron, der Amir, dreihunderttausend Sarazenen in die asiatischen Provinzen, die dem konstantinopolitanischen Kaisertum unterworfen waren, eingeführt. Von dessen Ankunft kam der Kaiser in einen solchen Schrecken, dass er von ihnen schändlich Frieden begehrte und diesen mit der Bedingung erlangte, ihnen für die Unversehrtheit des Kaisertums tausend Gulden und für die Erhaltung seines Hauptes dreitausend Gulden jährlich als Zins zu zahlen. Aber unlängst danach erklärte Nicephorus aus Unberatenheit seinen Sohn Stauracius zu einem Mitregenten des Kaisertums, der als junger Mann, von dem schändlichen Abkommen seines Vaters abweichend, viel Beschädigung und Unfug an mancherlei Orten von den Sarazenen empfing. Nicephorus hat in dem Krieg wider die Bulgaren viele Siege gehabt. Aber bevor er nach Konstantinopel zurückkehren konnte, um den Frieden mit der Botschaft Karls zu bestätigen, da wurde er in dem Streit, den er mit dem bulgarischen König in Obermesien hatte, überwunden und erschlagen. Und Stauracius, sein Sohn, wurde in demselben Streit verwundet, sodass er, nach Konstantinopel zurückkehrend, das Kaisertum empfing. Ihn setzte Michael, sein Schwager, im dritten Monat seines Kaisertums ab und wurde sein Nachfolger. Michael. Michael, der konstantinopolitanische Kaiser, hat nach Stauracius, seinem Schwager, zwei Jahre regiert und war ein gütiger Mann und Befolger der heiligen Gesetze, und ihm war nichts begehrenswerter, als den von Nicephorus begonnenen Frieden mit König Karls Botschaftern, die viele Monate in Konstantinopel gewartet hatten, zu bestätigen. Die Bedingungen dieses Friedens erzählen die Geschichtsschreiber mit kurzen Worten: Nämlich, dass Michael den Osten mit Konstantinopel und Karl den Westen mit Rom haben sollte. Und Kaiser Michael hatte Karl so sehr vor Augen, dass er seine Botschafter mit König Karls Botschaft nach Aachen in die Stadt sandte, um den Frieden anzusagen. Als sie dorthin kamen, erlangten sie von Karl alles, was sie begehrten. Und obwohl dieser Michael etliche Zeit gegen die Bulgaren kriegte und siegte, so wurde er doch zuletzt überwunden und gejagt, sodass er sein Heer und auch sein Gemüt und Herz verlor.