Schedelsche Weltchronik · Blatt 167

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 167, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 167, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

DIser zeit sol ein guldine tafel zu constantinopel in eins menschen grab gefunden worden sein. daran was geschriben Christus wirdt geporn werden auß der iunckfrawen maria vnd ich glawb in ine. vnder constantino vnd Hyrene o sunn du wirdst mich widerumb sehen. Desiderius ein koenig DEsiderius der letst longobardisch koenig hat nach absterben aystulphi des koenigs xviii. iar geregirt. vnd ist erstlich ein koenig des lands ethrurie gewesen. Als er nw den abgang aistulphi gehoert het do sammlet er allenthalben vil volcks das longobardisch koenigreich anzegreiffen. vnd auff das das er dasselb erlangen moecht so verhieß er wider rachesum der muenchs klaider angenomen het dem babst vnnd roemern große ding damit zohe er sie in seinen willen vnd erlanget also das koenigreich fridlich. Zu derselben zeit begunde die craft vnd tugent der longobardischen von irer lustperkeit wegen abzenemen. vnd als aber Desiderius von der forcht vnd besorgknus aller widersacher erledigt wardt do keret er sich ab von dem zusagen vnd verheißung dem babst vnnd den roemern gethan vnd vnderstuonde sich inen vil vnbillichkeit vnd beschwerde zeerzaigen. dem nach ruoffet babst Zacharias koenig Carolum den großen an Desiderium zeuermanen von seinem vnbillichen fuernemen gein den babst abzesteen. Also wardt Desiderius durch koenig Carls potschaft ersucht dem babst die vnrechtlich abgedrungne ding wider zegeben do sammleten sie zu beder seytten heer. Aber carolus vberzohe Desiderium. der ime entgegen kome an zwayen orten vnd bracht ine in die flucht vnd verheeret alle ding weyt vnd prayt. do fluhe Desiderius gein papia vnd schicket weib vnd kinder gein verona oder Bern. Vnd als nw die spoletinischen Reatinischen vnd longobardischen alle die in denselben gegenten woneten den jamer desiderii vernamen do zohen sie gein rom vnd befalhen sich vnd alles das ir dem roemischen bischoff. Deßgleichen auch ettlich ander stett vnnd gemaynde tetten. Nw ließ Carolus seinen vetter Bernhardum in der belegerung der statt papie vnd zohe mit eim tayl des heers gein Bern. aber Aldegisius der sun des koenigs Desiderii wiche von dannen vnd fluhe zu dem constantinopolitanischen kaiser. Karolus empfieng schier alle stett welschs lannds ihenßhalb des gepirgs in sein ergebung vnnd kome gein rome. von dannen zohe er wider fuer papiam. die erobert er durch ergebung. vnnd fueeret desiderium in franckreich. vnnd verschicket ine gein Luettich. oder als andere setzen gein Lyon. vnd also endet sich das longobardisch koenigreich in dem jar vnsers hails. viic.lxxiiii. das het vnder. xxii. koenigen bey. iic.xxxii. jarn geweret. Paulus dyacon PAulus der longobardisch gschihtbschreiber vnd ein diacon des aquilegiensischen patriarchats was seim koenig desiderio von seiner schriftlichen weißheit vnd synnreichigkeit zumal lieb vnd wardt von carolo in galliam gefueert vnd mit freyung begnadet vnd ettwielang von ime in großem weerde gehalten. Als aber Carolus darnach merket das paulus entledigung desiderii suchet do verschicket er ine in die innseln Diomedis. von dannen empfluhe er vnd beschribe auß bitte der tochter vnd gemahel desiderii alle geschihten von dem kaiser juliano bis an die zeit kaisers justiniani des ersten. Darnach kome er in das cassinensisch closter darinn verzeret er sein vbrige tag bis in seinen todt in andechtigem gotßdienst vnd hat sunst vil guter cristenlicher ding beschriben. ysuardus ein closterman ISuardus der closterman auß gallia puertig in aller schriftlicher weißheit hoherfaren hat diser zeit gereichßnet. da er hat auß befelhnus karoli des großen alle hanndlung werck vnd geschihten der heilligen in schoener beschreibung zusamen gebracht vnd in ein buch gezogen vnd martirilogium genennt. vnd gefunden das alle tag mer dann dreyhundert fest zusamen lawffen. Alcuninus Alcuinus auch auß gallia puertig ein anweyser vnd lermayster Caroli des großen in kriechischer vnnd lateinischer zungen hohgelert vnd auch aller philozophei. vnnd lerer der heilligen schrift seiner zeit ein fuerst ist diser zeit von koenig Carolo vorgenant derselben dinghalben in großem weerde vnd achtperkeit gehalten worden. dann er leret carolum in ettlichen freyen kuensten. So hat er auch von bette wegen Bonifacii des ertzbischofs zu mayntz gebette der mess vnnd andere ding zu goetlichem kirchlichem dienst gehoerende (die auß zerruedung der gothier verlorn waren) gantz herwider gemacht. So hat von seiner bitte wegen der benant Carolus die hohenschul auß rom gein Parys gewendet. die auch von athenis daselbsthin gebracht gewesen was Diser alcuinus hat auch sant Martins closter zu thurone auß zugabe caroli zeregiren empfangen. dann alle die bruedere darinn wollustperlich lebende warden in einer nacht von eim engel vnselligclich vmbbracht. Sunst hat er auch vil guts dings als ein hohgelerter beschriben. Koenig Karl der groß CArolus der franckreichisch koenig (der darnach von groeße wegen seiner geuebten thate der groß zugenambt wardt) hat nach absterben seins vaters pipini .xlvi. jar geregirt. dann pipinus regiret dauor .xv. jar. vnd ließ Carolum vnd Carolomannum die taylten das koenigreich gleich. Aber als vnlang darnach carolomannus mit tod verschide. do vberantwurtteten die frantzosen seinen tail Karolo seinem bruder. Diser Carolus ist (als man sagt) zu ingelheym vier meyl von mayntz gelegen geporn. alßpald nw pipinus gestorben was do fienge carolus wider die aquitanischen einen krieg an vnd keret darnach mit obsygung wider anhayms. Darnach wardt Carolus von dem babst vmb hilff vnd beystand wider Disiderium den longobardischen koenig angerueft. darauff zohe Carolus mit großer heerßkraft vber desiderium. Desiderius ruestet sich auch mit grosser macht entgegen vnd komen bede heer zu streyt. aber longobardi lagen ernyder vnd wenndeten sich in die flucht. Desiderius entwiche mit wenig weppnern gein papiam den verfolget carolus mit seinem heer daselbsthin. Zu letst wardt desiderius mit weib vnnd kindern gefangen. Allererst richtet sich welsch land auß hoher guottat Caroli widerauff. Als nw diser longobardisch krieg volendet wardt do forderet der anhenngig sechsisch krieg Carolum wider anhayms. der dann zway jar von seinen hawbtlewtten linndigclich gefueert wardt. Nw waren die sachßen ein fast streytper groß volck. die ereten falsche goetter vnd fueereten mit den frantzosen stettigclich krieg. vnd wiewol sie offt in streytten vberwunden warden vnd vertrag auffnamen vnd laystpuergen setzten so hat doch bey den franckreichischen ye keiner einiche voellige obsygung vnd gezemung irer vntrew muogen erraichen bis auff disen Carolum. Der ruestet sich mit eim großen mechtigen heer vnd bestymmet einen tag daran yeder man am rhein zusammen komen solt. vnd die franckreicher ruesteten mit großer froelichkeit. da wardt der sechsisch krieg also vernewet das keiner groeßer. schwerer noch lennger krieg vor bey ine ye gewesen was. dann es ist wissentlich das derselb krieg bey .xxxiii. jaren weeret. Zu letst warden die sachsen also hart bekrieget das sie sich vnd alles das ir in den gewalt caroli ergaben vnd ir alt sytten vnd falsche goetter verlaßen vnd den cristenlichen glawben verihehen muosten. Als aber auch zu denselben zeiten die barbarischen voelcker hispaniam mit schwerer dienstperkeit bedruckt hielten do keret Carolus sein gemueet zu entledigung hispanie vnd zohe gein den feynden zu. alßpald ergaben sich ettlich stett. so eroberet er ettliche widerspennig stett mit gewalt. also kome schier alles hispania in den gewalt der franckreichischen. Darzwischen machet Taxilo der bayrisch hertzog sein nahend gelegne nachpawrschaft wider die franckreichischen auffwegig. aber er ergabe sich auch vnd setzet laystpuergen. Vnd als nw das koenigreich caroli vnd alle sach der frantzosen in großem ruom vnd reichthuemern stuond do setzet ime carolus fuer wider die hunos die seinen feynden hilff vnnd beystand gethan hetten einen krieg anzefahen. Vnd Carolus hat keinen krieg gefueert darinn mer menschen vmbbracht worden sind. dann ein große mechtige menig der hunier vnd schier die alleredelsten warden erschlagen. vnd die frantzosen fueereten einen vbergroßen weerde an gold vnd silber mit inen anhaymbs. Rolandus ROlandus ein pfaltzgraff vnnd enicklein Caroli was an stercke ein fuertreffenlich man vnschatzlicher kraft vnnd groeße. dess starcktettigkeit durch alle werlt beruembt wirdt. Als carolus sein heer wider in galliam fueeret do fiele er bey dem pirenischen gepirg in heymliche verwarttung des vasconischen volcks. vnd wiewol in gethanem streyt der feynnd vil erschlagen warden. so sind doch darinn auch ernidegelegen Anßhelmus vnd Egibardus die oebersten hawbtlewt dess heers. vnd diser Rolandus wiewol ettlich sagen das er durstßhalben gestorben sey. Taxillo hertzog zu bayern Aldegisius TAxillo der hertzog zu Bayern hat diser zeit (als man sagt) auß anraitzung seins weibs sein nachpawrschaft bewegt vnd mit den hunis oder hunigern puentnus gemacht dann sein weib was desiderii des longobardischen koenigs tochter. die auß vnmuot irs vaters vngluecks den man tag vnd nacht vermanet seinen sweher auß seinem jamer vnd ellend zeerledigen. dann nymant on ine mocht iren vater zu freyheit bringen. Mit soelchen taydingen beweget sie ine das er ein heer zuo ruestet. do kome Carolus pald gein bayern zu dess erschrack taxilo also vbel das er sich ergabe vnd laystpuergen setzet. Nemlich Theonem seinen sun vnd ander vil außerleßen juengling. ALdegisius der sun desiderii der vor bestreyttung der statt papie in kriechische lannd fluhe ist diser zeit durch hilff vil kriechischer lewt mit großem gewalt sein vaterlichs reich wider zeerfordern in welsche land komen. Aber er wardt von den frantzosen vberwunden vnd gefangen vnd mit souil peinnigung gequelet das er sein ellends leben in der marter endet.

Moderne Übersetzung

Zu dieser Zeit soll eine goldene Tafel in Konstantinopel in einem menschlichen Grab gefunden worden sein. Darauf stand geschrieben: „Christus wird aus der Jungfrau Maria geboren werden, und ich glaube an ihn. Unter Constantinus und Irene, oh Sohn, wirst du mich wiedersehen.“ Desiderius, ein König. Desiderius, der letzte langobardische König, hat nach dem Tod König Aistulfs 18 Jahre regiert und war ursprünglich ein König des Landes Etrurien gewesen. Als er nun den Abgang Aistulfs gehört hatte, da sammelte er überall viel Volk, um das langobardische Königreich anzugreifen. Und damit er dasselbe erlangen mochte, so verhieß er dem Papst und den Römern große Dinge gegen Rachis, der Mönchskleider angenommen hatte. Damit zog er sie auf seine Seite und erlangte so das Königreich friedlich. Zu derselben Zeit begann die Kraft und Tugend der Langobarden wegen ihrer Genusssucht abzunehmen. Und als Desiderius aber von der Furcht und Besorgnis aller Widersacher befreit war, da kehrte er sich ab von den dem Papst und den Römern gemachten Zusagen und Versprechen und unternahm es, ihnen viel Unbilligkeit und Beschwerde zu erweisen. Danach rief Papst Zacharias König Karl den Großen an, Desiderius zu ermahnen, von seinem unbilligen Vorhaben gegen den Papst abzustehen. So wurde Desiderius durch König Karls Botschaft ersucht, dem Papst die unrechtlich abgedrungenen Dinge zurückzugeben. Da sammelten sie auf beiden Seiten Heere. Aber Karl überzog Desiderius, der ihm an zwei Orten entgegenkam, und brachte ihn in die Flucht und verheerte alles weit und breit. Da floh Desiderius nach Pavia und schickte Weib und Kinder nach Verona oder Bern. Und als nun die Spoletiner, Reatiner und Langobarden, alle die in denselben Gegenden wohnten, das Elend Desiderius' vernahmen, da zogen sie nach Rom und befahlen sich und alles, was ihr war, dem römischen Bischof. Desgleichen taten auch etliche andere Städte und Gemeinden. Nun ließ Karl seinen Vetter Bernhard in der Belagerung der Stadt Pavia und zog mit einem Teil des Heeres nach Bern. Aber Adelchis, der Sohn des Königs Desiderius, wich von dannen und floh zum konstantinopolitanischen Kaiser. Karl empfing fast alle Städte welschen Landes jenseits des Gebirges in seine Ergebenheit und kam nach Rom. Von dannen zog er wieder vor Pavia, die er durch Ergebung eroberte, und führte Desiderius nach Frankreich und verschickte ihn nach Lüttich, oder wie andere setzen, nach Lyon. Und so endete das langobardische Königreich im Jahr unseres Heils 774, das unter 22 Königen etwa 232 Jahre gewährt hatte. Paulus Diaconus. Paulus, der langobardische Geschichtsschreiber und ein Diakon des aquileiensischen Patriarchats, war seinem König Desiderius wegen seiner schriftlichen Weisheit und Sinnreichigkeit überaus lieb und wurde von Karl nach Gallien geführt und mit Freistellung begnadet und etliche Zeit von ihm in großem Ansehen gehalten. Als aber Karl danach merkte, dass Paulus die Befreiung Desiderius' suchte, da verschickte er ihn auf die Inseln Diomedes. Von dannen entfloh er und beschrieb auf Bitte der Tochter und Gemahlin Desiderius' alle Geschichten von Kaiser Julian bis an die Zeit Kaiser Justinians des Ersten. Danach kam er in das cassinensische Kloster, darin verzehrte er seine übrigen Tage bis in seinen Tod in andächtigem Gottesdienst und hat sonst viel Gutes christlicher Dinge beschrieben. Isuardus, ein Klostermann. Isuardus, der Klostermann, aus Gallien gebürtig, in aller schriftlichen Weisheit hocherfahren, hat zu dieser Zeit gewirkt, da er auf Befehl Karls des Großen alle Handlungen, Werke und Geschichten der Heiligen in schöner Beschreibung zusammengebracht und in ein Buch gezogen und Martyrologium genannt hat. Und er fand, dass alle Tage mehr als dreihundert Feste zusammenlaufen. Alcuin. Alcuin, auch aus Gallien gebürtig, ein Anweiser und Lehrmeister Karls des Großen, in griechischer und lateinischer Zunge hochgelehrt und auch in aller Philosophie, und Lehrer der Heiligen Schrift, seiner Zeit ein Fürst, ist zu dieser Zeit von König Karl, vorgenannt, derselben Dinge halber in großem Ansehen und Achtbarkeit gehalten worden, denn er lehrte Karl in etlichen freien Künsten. So hat er auch auf Bitte Bonifatius', des Erzbischofs zu Mainz, Gebete der Messe und andere Dinge, die zum göttlichen kirchlichen Dienst gehören (die durch die Zerrüttung der Goten verloren waren), gänzlich wiederhergestellt. So hat auf seine Bitte hin der benannte Karl die Hochschule von Rom nach Paris gewendet, die auch von Athen dorthin gebracht gewesen war. Dieser Alcuin hat auch Sankt Martins Kloster zu Tours auf Zusage Karls zu regieren empfangen, denn alle die Brüder, die darin wollüstiglich lebten, wurden in einer Nacht von einem Engel unseliglich umgebracht. Sonst hat er auch viel Gutes als ein Hochgelehrter beschrieben. König Karl der Große. Karl, der fränkische König (der danach wegen der Größe seiner vollbrachten Taten der Große zugenannt wurde), hat nach dem Tod seines Vaters Pippin 46 Jahre regiert, denn Pippin regierte davor 15 Jahre und hinterließ Karl und Karlmann, die das Königreich gleich teilten. Aber als unlängst danach Karlmann mit dem Tod verschied, da überantworteten die Franken seinen Teil Karl, seinem Bruder. Dieser Karl ist (wie man sagt) zu Ingelheim, vier Meilen von Mainz gelegen, geboren. Sobald nun Pippin gestorben war, da fing Karl gegen die Aquitanier einen Krieg an und kehrte danach mit Obsiegung wieder heim. Danach wurde Karl von dem Papst um Hilfe und Beistand gegen Desiderius, den langobardischen König, angerufen. Daraufhin zog Karl mit großer Heereskraft über Desiderius. Desiderius rüstete sich auch mit großer Macht entgegen, und beide Heere kamen zum Streit. Aber die Langobarden lagen darnieder und wandten sich in die Flucht. Desiderius entwich mit wenigen Kriegern nach Pavia, den verfolgte Karl mit seinem Heer dorthin. Zuletzt wurde Desiderius mit Weib und Kindern gefangen. Allererst richtete sich welsches Land aus hoher Wohltat Karls wieder auf. Als nun dieser langobardische Krieg vollendet war, da forderte der anhängige sächsische Krieg Karl wieder heim. Der wurde dann zwei Jahre von seinen Hauptleuten lindiglich geführt. Nun waren die Sachsen ein fast streitbares, großes Volk, die falsche Götter ehrten und mit den Franken ständig Krieg führten. Und wiewohl sie oft in Schlachten überwunden wurden und Verträge aufnahmen und Geiseln setzten, so hat doch bei den Franken je keiner eine völlige Obsiegung und Zähmung ihrer Untreue erreichen mögen bis auf diesen Karl. Der rüstete sich mit einem großen, mächtigen Heer und bestimmte einen Tag, an dem jeder Mann am Rhein zusammenkommen sollte. Und die Franken rüsteten mit großer Fröhlichkeit. Da wurde der sächsische Krieg also erneuert, dass keiner größer, schwerer noch länger Krieg zuvor bei ihnen je gewesen war, denn es ist wissentlich, dass derselbe Krieg etwa 33 Jahre währte. Zuletzt wurden die Sachsen so hart bekriegt, dass sie sich und alles, was ihr war, in die...

Anmerkungen

constantinopel
Konstantinopel (heute Istanbul)
constantino
Constantinus (Kaiser Konstantin VI.)
Hyrene
Irene (Kaiserin Irene von Athen)
Desiderius
Desiderius (letzter König der Langobarden, reg. 757–774)
longobardisch
langobardisch (Volksstamm)
aystulphi
Aistulf (König der Langobarden, reg. 749–756)
xviii. iar
römisch für 18 Jahre
ethrurie
Etrurien (historische Region in Italien)
Rachesum
Rachis (König der Langobarden, später Mönch). Die Formulierung 'wider Rachesum' bedeutet wörtlich 'gegen Rachis'. Es ist unklar, warum Desiderius zu diesem Zeitpunkt etwas gegen den bereits als Mönch lebenden Rachis versprechen sollte; möglicherweise bezog es sich auf die Verhinderung einer Rückkehr zur Macht oder auf die Sicherung von Gebieten, die Rachis zuvor beansprucht hatte.
lustperkeit
Lustbarkeit (hier im Sinne von Genusssucht, Verweichlichung)
babst Zacharias
Papst Zacharias (Papst von 741 bis 752). Historisch ungenau, da Desiderius von 757 bis 774 regierte. Die Anrufung Karls des Großen erfolgte durch Papst Stephan III. oder Hadrian I.
Carolum den großen
Karl den Großen (König der Franken, später Kaiser)
papia
Pavia (Stadt in Italien)
verona
Verona (Stadt in Italien)
Bern
Bern (Stadt in der Schweiz). Die Nennung Berns als Zufluchtsort ist historisch ungewöhnlich und könnte eine Verwechslung oder eine alternative Überlieferung darstellen.
spoletinischen
Spoletiner (Bewohner des Herzogtums Spoleto)
Reatinischen
Reatiner (Bewohner der Stadt Rieti oder des Umlands)
jamer
Jammer (Elend, Not)
Bernhardum
Bernhard (Vetter Karls des Großen; die genaue Identifikation ist in diesem Kontext nicht eindeutig belegt.)
Aldegisius
Adelchis (Sohn Desiderius')
constantinopolitanischen kaiser
Konstantinopolitanischer Kaiser (Byzantinischer Kaiser)
welschs lannds ihenßhalb des gepirgs
Welsches Land jenseits des Gebirges (Italien, südlich der Alpen)
Luettich
Lüttich (Stadt in Belgien)
Lyon
Lyon (Stadt in Frankreich)
viic.lxxiiii.
römisch für 774
xxii. koenigen
römisch für 22 Königen
iic.xxxii. jarn
römisch für 232 Jahren
Paulus dyacon
Paulus Diaconus (langobardischer Geschichtsschreiber)
aquilegiensischen patriarchats
Aquileiensischen Patriarchats (Kirchenprovinz mit Sitz in Aquileia)
galliam
Gallien (historische Region, entspricht etwa dem heutigen Frankreich)
freyung
Freistellung (Begnadigung, Schutz)
weerde
Wert (Ansehen, Achtung)
entledigung
Entledigung (Befreiung)
innseln Diomedis
Inseln Diomedes (Diomedische Inseln, heute Tremiti-Inseln in der Adria)
kaiser juliano
Kaiser Julian (Julian Apostata, römischer Kaiser)
kaisers justiniani des ersten
Kaiser Justinian des Ersten (Justinian I., byzantinischer Kaiser)
cassinensisch closter
Cassinensisches Kloster (Kloster Montecassino)
ysuardus
Isuardus (möglicherweise Usuardus, ein Mönch und Hagiograph des 9. Jahrhunderts)
gereichßnet
gerechnet (hier im Sinne von 'gewirkt', 'gelebt', 'sich ausgezeichnet')
martirilogium
Martyrologium (Verzeichnis von Märtyrern und Heiligenfesten)
Alcuninus
Alcuin (Gelehrter und Berater Karls des Großen)
anweyser
Anweiser (Lehrer, Mentor)
philozophei
Philosophie
fuerst
Fürst (hier im Sinne von 'herausragende Persönlichkeit', 'Meister')
freyen kuensten
Freien Künsten (Artes liberales)
Bonifacii des ertzbischofs zu mayntz
Bonifatius, des Erzbischofs zu Mainz (Heiliger Bonifatius, Apostel der Deutschen, Erzbischof von Mainz. Die Nennung im Zusammenhang mit Alcuin ist anachronistisch, da Bonifatius 754 starb und Alcuin erst später in Karls Diensten stand. Es könnte sich um eine spätere Zuschreibung oder einen anderen Bonifatius handeln.)
zerruedung der gothier
Zerrüttung der Goten (Zerstörung oder Verfall durch die Goten)
hohenschul auß rom gein Parys gewendet
Hochschule von Rom nach Paris gewendet (Bezug auf die karolingische Bildungsreform und die Gründung der Hofschule in Aachen, die als Vorläufer von Universitäten gilt. Die Übertragung von Rom nach Paris ist eine Vereinfachung oder Legende.)
athenis
Athen (Stadt in Griechenland)
sant Martins closter zu thurone
Sankt Martins Kloster zu Tours (Abtei Marmoutier bei Tours)
wollustperlich
wollüstiglich (luxuriös, genussvoll, hier negativ konnotiert)
vnselligclich
unseliglich (unglücklich, hier im Sinne von 'auf unheilvolle Weise')
pipini
Pippin (Pippin der Jüngere, Vater Karls des Großen)
xlvi. jar
römisch für 46 Jahre
xv. jar
römisch für 15 Jahre
Carolomannum
Karlmann (Bruder Karls des Großen)
frantzosen
Franken (historischer Volksstamm)
ingelheym
Ingelheim (Ingelheim am Rhein)
meyl
Meile (historisches Längenmaß, ca. 7,5 km)
mayntz
Mainz (Stadt in Deutschland)
aquitanischen
Aquitanier (Bewohner Aquitaniens, einer Region in Frankreich)
obsygung
Obsiegung (Sieg)
heerßkraft
Heereskraft (Heeresmacht)
ernyder
darnieder (niedergeschlagen, besiegt)
weppnern
Waffen (hier im Sinne von 'bewaffneten Männern', 'Kriegern')
welsch land
Welsches Land (Italien)
guottat
Wohltat
anhenngig
anhängig (noch nicht abgeschlossen, bevorstehend)
sechsisch krieg
Sächsischer Krieg (Sachsenkriege Karls des Großen)
linndigclich
lindiglich (milde, schonend, hier im Sinne von 'nicht mit voller Härte' oder 'indirekt')
streytper
streitbar (kriegerisch)
ereten
ehrten (verehrten)
laystpuergen
Leistbürge (Geisel, Bürge)
gezemung
Zähmung (Unterwerfung)
xxxiii. jaren
römisch für 33 Jahren
in de
Der Satz bricht hier ab.