Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter right Leo der dritt wardt zu babst erkorn. der was ein hohgelert man vnd von iugent auff in kirchlicher gaistlicher zucht also erzogen vnd vnderwysen. das er wol wirdig was fuer andere erhebt zewerden. Er was ein keueseher. gantzmuetiger. zuechtiger. wolgesprecher man vnd ein solcher liebhaber gelerter lewt das er sie von allen oertern mit belonungen zu ime zohe. vnd sich in irer gemainschaft vnnd beywesen wunderperlicher weiß erluestiget. Er was zeleren. zepredigen. die krancken zebesuchen vnd almuosen zegeben hohgeflißen. Vnd nach dem er zwayer briester streflichs leben beredet het vnd sie ine darumb auß rachsule vbels beruechtigten wardt er auff ein zeit in einer letaney vnd procession auß listiger verwarttung derselben briester verzugkt. gefangen. seins babstlichen geschmuocks vnd auch seiner zungen vnnd gesihts berawbt. vnd in sant erasmus closter in huot gehalten, vnd ime doch (als bibliothecarius bezeuegt) die rede vnd das gesihte auß goettlicher gnade widergegeben, vnd dar nach durch beystand eins getrewen schlafkamrers in sant peters kirchen gefueert vnd darzu Vinisigius der spoletanisch hertzog vmb hilff angerueefft. Aber Leo enthieltt sich wenig tag alda. sunder zohe zu koenig Carolo in sachsen. vnd darnach auß vermanung desselben koenigs wider gein rom. dem gieng die roemisch pfafheit vnd volck verr entgegen. Nachfolgend kom auch left Carolus gein rom. daselbst wardt er mit grosser glori. ere vnd freued vomm babst vnd menigclichen empfangen. Vnlang darnach berueffet der koenig die pfafheit vnd das volck in sant peters kirchen. daselbst hielt der babst auff eim predigstuol das euangelium christi. vnnd schwuor darauff das er aller beschuldigter ding vnschuldig wer. vnnd solchs geschahe amm dreyzehenden tag des monats decembris nach cristi gepurt achthundert iar. vnd an dem heilligen weyhennacht tag darnach wardt von Leone den babst Carolus zu roemischem kaiser gekroent. vnd pipinum seinen sun zu eim koenig welschs lands gesalbet. zu letst hat diser leo ein weyts spital bey sannt Peter vom grunnd auff gepawet. vnnd starb im. xxi. iar seins babstthumbs. Comet erschine in dem iar darinn der vorgenant babst Leo starb. der dann (als ettlich maynen ein anzaigung solchs iamers was. Stephanus der vierdt ein roemer zohe in dem dritten moitat seins babstthumbs zu kaiser Lubwigen in galliam in die statt aureliam. Dem schicket er Thedolphum den bischoff daselbst mitsambt der pafheit erlich entgegen. Er empfienge ine auch selbs persenlich mit großer wirdigkeit vnd ereerbiettung. Diser Stepbanus was von edeln eltern geeporn vnd solcher schriftlicher weißheit vnnd gantzmueetigkeit das er von menigclichem heillig geachtet wardt. Vnd als sie sagen so hat er den benanten ludwig gesalbet vnd gekroenet vnd ist nach mancherlay hanndlungen. die sie von befridung welschs lands miteinander hetten wider gein rom gezogen. mit ime ein creuetz groß weerds vnd großer koestlichkeit daselbsthin bringende. die Ludwig von seinem guot sant Petern schencket. vnd diser heilligst Stephanus starb in dem sibenden monat seins babsttbumbs. Pascalis ein roemer wardt on einichen des kaisers gewalt zu babst erkorn. darumb alßpald er das babstthumb empfieng do schicket er zu kaiser Ludwigen sein bottschafter. die die schuld diser sachen auff die pfafheit vnd volck werffen solten als ob er von inen bezwungen worden weer das babsttbumb anzenemen. des was Ludwig begnuegig. vond sprach das dem volck vnnd der pfafheit irer oebernn satzung vnd ordnung zehalten weren. aber sie sollen sich hinfuero hueetten die maiestat zeuerletzen. Disen Pascalem setzet babst Stephanus dieweil er noch lebet von seyner tugent vnd lere wegen vber sant Stephans des martrers closter. vnnd er hat ettliche gepew der gotzhewßer auffgericht. erettliche vernewet. vnd ettlicher heilligen leichnam an erlichere ort bestattet. Vnd ist zu lest im fibenden iar. dritten monat am. xvij. tag seins babstthumbs gestorben. vnd der stuol ruoet deßmals vier tag. Blat CLXVIII der werlt right Carolus mit dem zuonamen der gross von seiner fuertreffenlichen verdienstnus. sunders glawbens vnd freyheit wegen ob allen cristen dann nach dem er seinem vetterlichen koenigreich nit allain in gallia. amm rein. amm meer vnnd in teuetschem lannd an der Thonaw vnd Sala dem fluss. auch aquitaniam. vasconiam vnd schier gantz hispaniam vnd in welschem land die longobardischen gegent mit macht vnd kraft zugefueegt. sunder auch sachsen land. das nit ein kleiner teil teuetscher nation ist. vnd bede pannoniam vnnd ihenßhalb der thonaw daciam. histriam. vnd das gantz liburnisch koenigreich. auch alle barbarische voelcker in teuetschem lannd zwischen der thonaw. dem meer vnd rheyn wonende. eins teyls mit waffen. vnnd eins teils mit guottat in seinen gewalt gebracht hat. so hat er ime mit solchen reichthuemern vnd mit also fuertreffenlich geuebten tathen disen namen vnd ruom. nit allain in gallia sunder durch alle werlt auß erkriegt. vnd in dem iar vnßers hails achthundert vnd eins. in dem fuenften iar Leonis des babsts (nach dem als constantinus der groß rom verließ vnd in den aufgang gein constantinopel zohe vnd das roemisch kaiserthumb. iijc. xxx. iar imm niderganng nach Augustulo feyret) hat diser Carolus mit seiner tugent vnd kraft das kaiserthumb wider in den nidergang gebracht. vnd den namen vnnd wirdigkeit eins kaisers mit willen vnd frolockung des roemischen volcks empfangen. vnd also. xiiij. iar als kaiser geherrschet. vnd darnach in gedechtnus seiner erlangten kaiserlichen wirdigkeit die statt Florentz (die ettwen zumm merern tail von den gothis zerruedet wardt) in iren vorigen stand gesetzt vnd allen adel durch die nahendgelegnen stettlein schloeßer vnd marckt zerstrewet wider in dieselben statt gefueert. mit newen zynnen eingefangen vnd mit gotzhewßern gezieret Diser Carolus was gerader person. prayter prust vnd achßeln grosser frischer awgen. ein wenig echebter nasen. vnnd wolgestaldts schoens munds. heller stymm vnd in allem seinem wandel vnd bewegnus des leibs erberer vnd tapfferer sitten vnnd geperde. langs parts. gesunder complex vnnd nach gallischem sitten zu iagung des willprets geflißen. vermainende ime solchs zu gesuntheit des leibs dienstlich zesein. Man sagt auch das er in baden vnd natuerlich warmen wassern viel ergetzlichkeit vnnd erluestigung gesucht. vnd deßhalb in der statt ach do des reichs vnd sein koenigclicher stuol was mit großer kost vnd darlegung ein kirchen der heilligen iunckfrawen Marie gepawt. vnd darein das schwais tuoch vnd der seligsten Marie hembd geschickt. Zusambt seinen koenigclichen tugenten wz er wolgesprech vnd redper vnd guoter kunst vnderrichtet vnd gelert. Er hett bey vil weibern schoene kinder. vnd sunder bey Hildegarde seinem gemahel. Carolum Pipinum Ludwicum. vnd mer toechter. Die suen befalhe er hohgelertten lewten sie schriftlicher kunst vnd weißheit zeunderrichten. Aber die toechter auff das sie von muessigkeit nit treg wuerden tet er des wolwercks gewonen. Als aber Carolus yetzo mit alter beladen vnd Pipinus sein sun der koenig welschs lands zu Mayland gestorben was do hat er Ludwigen seinen iungern sun zu eim koenig aquitanie vnd zu einem nachkomen des kaiserthumbs vnd Bernhardum sein einiklein zu einem koenig welschs lands geordnet. vnd ime befolhen das er demselben Ludwigen in allen dingen gehorsam erscheynen solt. Diser Carolus hat seinen nachkomen nit allain das frantzosisch koenigreich sunder auch den namen der kaiser bestenndigt. Als er zu iungst von Ach auß auff das waydwerck oder geiagde gezogen wz do kom er mit eim fieber vnd schmertzen der seytten wider haym. vnd starb imm. lxxij. iar seins alters. imm. xlvij. iar seins regiments. vnd in dem. viijc. vnd. xv. iar der gepurt christi. vnnd ligt zu Ach begraben. Drey iar vor seinem tod machet er ein testament vnd ordnung zegeben. zwen tayl den hawbtbischoffen zu stewr an die kirchen vnd zu hilff den armen, vnnd den drittayl seinen kindern vnd enicklein. nach gepuerlicher anzal ir yedes. Vnder andern schetzen waren vorhanden drey silberin tisch. vnd ein fast großer guldiner tisch, auff der einem was entworffen die gleichnus der statt constantinopel. den schicket er sant peters kirchen zu rom. Auff dem andern die gleichnus der statt rom. den vermaynet er der kirchen zu rauanna. Der dritt begriffe die beschreibung dess gantzen vmbkrays. Denselben vnd auch den gulden tisch ließer er seinen suenen. Diser zeit hat ein iud in Syria zu schmah den christen das pild christi mit einer lantzen durchstochen. vnd ist alßpald ymmerdar pluot herauß gefloßen. do erschracke der iud des wunderperlichen dings vnnd hielt ein gefeß fuer die wunden vnd fieng das pluot darein. von dem warden vil menschen gesund. vnd mer iuden zumm cristenlichen glawben bekert. Dasselb pluot wardt darnach gein mantua gebracht. daselbst ist es von manigfeltiger da bey beschehner wunderzaichen wegen in großem weerde vnd ruom gehalten. Als Carolus die ding hoeret do schribe er dem babst Leoni ine der ding zeberichten. demnach zohe babst leo gein Mantua beweret das pluot vnd kom zu carolo vnnd vnderrichtet ine erfarner warheit solcher wunderperlicher ding.
Das sechste Zeitalter beginnt. Leo der Dritte wurde zum Papst erwählt. Er war ein hochgelehrter Mann und von Jugend auf in kirchlicher, geistlicher Zucht so erzogen und unterwiesen, dass er wohl würdig war, vor anderen erhöht zu werden. Er war ein keuscher, gutmütiger, züchtiger, redegewandter Mann und ein solcher Liebhaber gelehrter Leute, dass er sie von allen Orten mit Belohnungen zu sich zog und sich in ihrer Gemeinschaft und Anwesenheit auf wunderbare Weise ergötzte. Er war sehr eifrig im Lehren, Predigen, die Kranken Besuchen und Almosen Geben. Und nachdem er das sträfliche Leben zweier Priester gerügt hatte und sie ihn darum aus Rachsucht übel verleumdeten, wurde er einst, während einer Litanei und Prozession, durch die listige Machenschaft derselben Priester entführt, gefangen, seines päpstlichen Schmucks und auch seiner Zunge und seines Gesichts beraubt und in das Kloster des Heiligen Erasmus in Gewahrsam gehalten. Doch (wie der Bibliothekar bezeugt) wurden ihm die Rede und das Gesicht aus göttlicher Gnade wiedergegeben, und danach wurde er durch Beistand eines getreuen Kämmerers in die Peterskirche geführt, und Vinigis, der Herzog von Spoleto, wurde um Hilfe angerufen. Aber Leo hielt sich nur wenige Tage dort auf; stattdessen zog er zu König Karl nach Sachsen und danach auf Ermahnung desselben Königs wieder nach Rom. Dem ging die römische Priesterschaft und das Volk weit entgegen. Nachfolgend kam auch Karl selbst nach Rom. Daselbst wurde er mit großer Glorie, Ehre und Freude vom Papst und jedermann empfangen. Nicht lange danach berief der König die Priesterschaft und das Volk in die Peterskirche. Daselbst hielt der Papst auf einem Predigtstuhl das Evangelium Christi und schwor darauf, dass er aller beschuldigten Dinge unschuldig sei. Und solches geschah am dreizehnten Tag des Monats Dezember im Jahre achthundert nach Christi Geburt. Und am heiligen Weihnachtstag danach wurde Karl von Papst Leo zum römischen Kaiser gekrönt und Pippin, sein Sohn, zum König des welschen Landes gesalbt. Zuletzt hat dieser Leo ein weites Spital bei Sankt Peter von Grund auf gebaut und starb im 21. Jahr seines Papsttums. Ein Komet erschien in dem Jahr, in dem der vorgenannte Papst Leo starb, der dann (wie etliche meinen) ein Anzeichen solchen Jammers war. Stephanus der Vierte, ein Römer, zog im dritten Monat seines Papsttums zu Kaiser Ludwig nach Gallien in die Stadt Aurelia. Dem schickte er Theodulf, den Bischof daselbst, mitsamt der Priesterschaft ehrenvoll entgegen. Er empfing ihn auch selbst persönlich mit großer Würdigkeit und Ehrerbietung. Dieser Stephanus war von edlen Eltern geboren und von solcher schriftlicher Weisheit und Gutmütigkeit, dass er von jedermann heilig geachtet wurde. Und wie sie sagen, so hat er den benannten Ludwig gesalbt und gekrönt und ist nach mancherlei Handlungen, die sie zur Befriedung des welschen Landes miteinander hatten, wieder nach Rom gezogen, mit sich ein Kreuz von großem Wert und großer Kostbarkeit dorthin bringend, das Ludwig von seinem Gut Sankt Peter schenkte. Und dieser heiligste Stephanus starb im siebten Monat seines Papsttums. Paschalis, ein Römer, wurde ohne irgendeine kaiserliche Gewalt zum Papst erwählt. Darum, sobald er das Papsttum empfing, schickte er zu Kaiser Ludwig seine Botschafter, die die Schuld dieser Sache auf die Priesterschaft und das Volk werfen sollten, als ob er von ihnen gezwungen worden wäre, das Papsttum anzunehmen. Dessen war Ludwig zufrieden und sprach, dass dem Volk und der Priesterschaft ihre obere Satzung und Ordnung zu halten wären, aber sie sollen sich hinfort hüten, die Majestät zu verletzen. Diesen Paschalis setzte Papst Stephanus, während er noch lebte, wegen seiner Tugend und Lehre über das Kloster des Heiligen Stephanus des Märtyrers. Und er hat etliche Gebäude der Gotteshäuser aufgerichtet, etliche erneuert und etlicher Heiligen Leichname an ehrenvollere Orte bestattet. Und ist zuletzt im siebten Jahr, dritten Monat, am 17. Tag seines Papsttums gestorben, und der Stuhl ruhte damals vier Tage. Blatt 168 der Weltchronik. Karl, mit dem Beinamen „der Große“, wegen seiner vortrefflichen Verdienste, besonderen Glaubens und Freiheit über allen Christen, denn nachdem er seinem väterlichen Königreich nicht allein in Gallien, am Rhein, am Meer und im deutschen Land an der Donau und dem Fluss Saale, auch Aquitanien, Vasconien und schier ganz Hispanien und im welschen Land die langobardischen Gebiete mit Macht und Kraft zugefügt, sondern auch Sachsenland, das nicht ein kleiner Teil deutscher Nation ist, und beide Pannonien und jenseits der Donau Dakien, Istrien und das ganze liburnische Königreich, auch alle barbarischen Völker im deutschen Land, die zwischen der Donau, dem Meer und dem Rhein wohnen, teils mit Waffen und teils mit Wohltaten in seinen Gewalt gebracht hat, so hat er sich mit solchen Reichtümern und mit so vortrefflich geübten Taten diesen Namen und Ruhm nicht allein in Gallien, sondern durch alle Welt erkämpft. Und im Jahr unseres Heils achthundert und eins, im fünften Jahr Leos des Papstes (nachdem Konstantin der Große Rom verließ und in den Osten nach Konstantinopel zog und das römische Kaisertum 330 Jahre im Westen nach Augustulus ruhte), hat dieser Karl mit seiner Tugend und Kraft das Kaisertum wieder in den Westen gebracht und den Namen und die Würdigkeit eines Kaisers mit Willen und Frohlocken des römischen Volkes empfangen. Und so herrschte er 14 Jahre als Kaiser. Und danach, in Gedenken seiner erlangten kaiserlichen Würdigkeit, setzte er die Stadt Florenz (die ehemals zum größeren Teil von den Goten zerstört wurde) in ihren vorigen Stand und führte allen Adel, der durch die nahegelegenen Städtlein, Schlösser und Märkte zerstreut war, wieder in dieselbe Stadt, umgab sie mit neuen Zinnen und zierte sie mit Gotteshäusern. Dieser Karl war von gerader Gestalt, breiter Brust und Achseln, großer, frischer Augen, einer etwas höckerigen Nase und wohlgestalteten, schönen Mundes, heller Stimme und in all seinem Wandel und Bewegung des Leibes ehrbarer und tapferer Sitten und Gebärde, langen Bartes, gesunder Konstitution und, nach gallischem Brauch, eifrig in der Jagd des Wildbrets, vermeinte er doch, ihm solches zur Gesundheit des Leibes dienlich zu sein. Man sagt auch, dass er in Bädern und natürlich warmen Wassern viel Ergötzlichkeit und Erlustigung suchte, und deshalb in der Stadt Aachen, wo des Reiches und sein königlicher Stuhl war, mit großen Kosten und Aufwendungen eine Kirche der Heiligen Jungfrau Maria gebaut und darein das Schweißtuch und das Hemd der seligsten Maria geschickt hat. Zusammen mit seinen königlichen Tugenden war er redegewandt und sprachfertig und in guter Kunst unterrichtet und gelehrt. Er hatte bei vielen Weibern schöne Kinder, und besonders bei Hildegard, seiner Gemahlin: Karl, Pippin, Ludwig und mehrere Töchter. Die Söhne befahl er hochgelehrten Leuten, sie in schriftlicher Kunst und Weisheit zu unterrichten. Aber die Töchter, auf dass sie von Müßigkeit nicht träge würden, gewöhnte er an das Wollwerk. Als aber Karl jetzt mit Alter beladen...