Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst: Eugenius der ander Jar der werlt .vim.xxiii.Jar Christi .viiic.xxiiii. EVgenius der ander ein roemer wardt nach pascalis zu babst erkorn. Zu dess zeitten ist die acht zwayung zwischen disem Eugenio vnd einem Zinzinus genant gewesen. Aber Eugenius von leib ein wirdige erbere person. vnd von gemueet ein fuertreffenlich man hat von seiner holdseligkeit vnd redsprechigkeit wegen fuergezogen. Der het zu sammlung des getrayds solchen fleiß das das getraydt nyndert wolfayler dann zu rom verkawft wardt. So beschirmet er die sachen der witiben vnd waysen. also das er von menigclichem billich ein vater der armen genant wurd Als er vier jar geseßen was do starb er vnd wardt von yederman bewaynet. Etlich schreiben er sey von seinen mißguennern der awgen berawbt worden vnnd also mit marter bekroenet. Valentinus VAlentinus ist auch ein roemer vnd babst gewesen. der bey pascali vnd Eugenio seinen obgenanten vorfarn vnd heilligen mannen zucht vnd weiß guots vnd heilligs lebens von jugent auff bis in tapffers alter gelernet het. vnnd nit geflißen was auff spil. schimpff vnnd wollustperkeit als die jungen thun. sunder er name die lere vnd regel loblichs lebens auß schrift der alten vnd auß ebenpild der heilligen bebst. Vnd nach dem er eins solchen heilligen. tugentlichen. gueetigen vnd mylten lebens was so wardt er zu der babstlichen hoehe als derselben wol wirdig erkorn. aber er starb am .xl. tag seins babstthumbs villeicht auß verschuldung der menschen die deßmals lebten. Gregorius der vierdt Jar der werlt .vim.xxxiii.Jar Christi .viiic.xxxiiii. GRegorius der vierdt ein roemer vnnd briester des tittels sancti Marci. edler gepurt. beruembter heilligkeit. fuernem schriftlicher weißheit. lere vnnd redsprechigkeit. was ein man solcher beschaidenheit das er nach beschehner wale der roemischen pfafheyt vnd volcks das bebstlich ambt vor vnd ee er von kaiser Ludwigs bottschaftern die deßhalb gein rom zu erkundigung solcher wale gesendet waren darzu bestettigt wardt. Vnnd kaiser Ludwig schicket daselbsthin nit auß hohfart sunder zu hanndhabung der gerechtigkeit des kaiserthumbs. Diser Gregorius hat auß bette kaiser Ludwigs die feyer aller heilligen am ersten tag des monats nouembris zebegeen auffgesetzt. Dieselben feyer haben die franckreichischen vnd teuetschen erstlich zehalten angefangen. Nach vil geuebten guoten wercken starb diser Gregorius im .xvi. jar seins babstthumbs vnd wardt in sant Peters kirchen begraben. vnd der stuol ruoet .xv. tag. Pipinus koenig PIpinus kaiser Karls eltrer sun regiret in welschem lannd als ein koenig .xiii. iar. vnd was ein hohberuembt man dem vater in einicher tugent nit vngleich. den sendet sein vater wider die hungern. die bracht er mit streyt zu gehorsam. Deßgleichen auch die beneuentanischen. die des babsts anstoßende lanndschaft schwerlich bedrangten. Disen Pipinum schicket auch der vater wider die venediger. Der verfolget eracleum vnd equilium. darumb zohe vil adels gein venedig. Als er nw dise ding vnd sunst vil andrer streit redlich volbracht het do kome er gein Mayland. daselbst endet er sein leben mit vil ruoms im frid. Bernhardus koenig BErnhardus des großen kaiser karls enicklein wardt nach Pipino von demselben kaiser Karl welscher koenig erkleret vnd regiret .ix iar. vnnd wiewol ime kaiser Karl gepotten het Ludwigen seinem sun vnd nachkomen in allen dingen gehorsam zesein. yedoch wolt er nach absterben kaiser Karls disem gepot nit gefoelgig sein auß verlaytung ettlicher welscher bischoff vnd zwittrachtigen burgern. dem nach empfiel im der gewalt vnd bezwunge stett vnd lewt ime zeschweren. Als solchs an den kaiser gelanget do vrteylet er ine als einen verletzer der majestat vnd einen feynd. vnd zohe mit versameltem heer auß gallia. teuetschem land vnd bayern in welschland do warden die vom adel die daran schuld hetten erwuergt vnd Bernhardus enthawbtet. vnd die bischoffe irer wirden entsetzet vnd in cloester verschicket. der werlt Blat CLXIX Linea der kaiser: Ludwicus der erst LVdwig der erst der gueetig zugenambt hat nach absterben kaiser Carls des großen seins vaters dz kaiserthumb nach der gepurt christi .viiic.xv. iar empfangen vnd mit Lothario seinem sun .xxv. iar geregirt. Disem Ludwig wardt seins vaters tod zu wynter zeit in aquitania verkundet. do zohe er wider gein ach vnd hoeret erstlich die bottschafter die seinem vater nachgerayset waren. darnach handlet er mit versamlter landschaft von den sachen das kaiserthumb vnd das frantzosisch koenigreich beruerende. Kayser Leonis von constantinopel botschaft was auch deßmals daselbst vnd warden die puentnussen vernewet. Diser kaiser Ludwig hat seinen ersten mitsambt dem koenig Bernhardo heerzug wider das volk Danorum fuergenomen. Aber nach dem das meer zu schwerer wintterzeit gefrore do warden der kaiser vnd der koenig an irem fuernemen dermaß gehindert das sie schier in mitlem weg zu Padebrunn in sachßen das heer den wyntter enthielten. Daselbsthin wardt dem kaiser verkuendet das die fuernembsten zu rom den babst Leonem zetoedten zusamen geschworen hetten. do schicket der kaiser den koenig in welsche land mit befelhnus zeuerhueetten das dem welschen koenigreich nit vermyndrung oder abbruch beschehe. Als koenig Bernhardus in welscheland kome do fiel er in schwere kranckheit vnd stillet die roemischen sachen durch Gerardum den grafen. Darnach zohe babst Stephanus der vierd in franckreich vnnd bekroenet disen Luddwigen zu kaiser. Als er nw in das kaiserthumb kom do hat er wider die Vasconier Brittannier Engellendischen vnnd auch wider die sarracen vil schwerer krieg gefueert. vnd dieselben voelcker damit zugehorsam. vndertenigkeit vnd befridung gebracht. Vnd auch mit gewappenter hand Heroldum nach erniderlegung vnnd bestreyttung der ihenen die ine auß seinem vetterlichen koenigreich dacie vertriben hetten widereingesetzt. Vnnd nach vil solcher wolgeuebter henndel vnd sachen hat diser kaiser Ludwig in der statt Ach einen tag gehalten. vnd nach befridung kirchlicher sachen Lotharium seinen erstgepornen sun zu eim mitregirer des kaiserthumbs erkleret. So warden Pipinus der ander sun zu aquitania. vnd Ludwig der drit zu bayern koenig bestymbt vnd beruofft. Vnder disen lewften begunde Bernhardus der koenig welscher land auß verlaytung ettlicher welscher herren dem kaiser widerspennig zesein. der wardt aber darumb gestraft vnd enthawbtet als hieuor gemelt ist. Darnach wardt dem kaiser verkuendet das in brittannia auffruor worden weren. aber als er sich dieselben zestillen ruestet vnd daselbsthin kome do funde er alle ding fridsam. In mittler zeit verschied sein gemahel Ermelgart mit tod. auß der er drey suen geporn hett. Nachfolgend setzet er seinen sun Lotharium an des gestorben koenigs Bernharts stat zu eim koenig welscher land. der wardt von babst pascali vnd dem roemischen volck gein rom gefordert vnd daselbst vom babst erstlich zu eim koenig gesalbet vnd bekroenet vnd darnach ein kaiser berueefft. Diser kaiser ludwig ein senftmueetig man hat sich gegen dem babstlichen stuol also gehalten das vier bebst die in zeitten seins kaiserthumbs. xxvii. iar nacheinander saßen seins beystands vnd hilff nye mangelten. Diser ludwig wardt darnach von lothario seinem sun gefengklich eingeschloßen vnd doch nachfolgend wider erledigt vnd in das kaiserthumb gesetzt. Zu letst starben der kriechisch kaiser michel erstlich. vnd kurtz darnach babst gregorius. vnd diser kaiser ludwig schier in einem monat. MAuri das volck also genant komen diser zeit in schiffung gein Siciliam vnd verwueesteten vil dings. do schiffeten di venediger auch hynein. alßpald aber die vnglawbigen die schiffsegeln von verren sahen do kereten sie wider in affricam. Diser zeit wardt der leichnam sant Marxen des euangelisten von ettlichen kawflewten auß alexandria gein venedig gebracht durch einen listigen anschlag. dann die briester legten auß verhaißung der kawflewt das serchlein darinn der leichnam lag an ein angezaigtes ende in einem korb. do decketen die kawfmanßknecht den mit krawt vnd schweynnim flaisch zu vnd truogen den vber den marckt. vnd do die zolfordrer ir gerechtigkeit davon als von einer kawfmans ware zehaben suchten vnnd schweynnin flaisch alda vnder dem krawt funden do suchten sie auß grawen den sie ab demselben flaiscvh haben nit weyter. also kom der leichnam in ein schiff vnd fueroan gein Venedig. Rabanus ertzbischoff Strabus Rabanus ein closterman vnd teuetscher abbt zu Fulden vnnd darnach ertzbischoff zu Mayntz. der heilligen schriffu vnnd der poetrey ein hohgelert man hat diser zeyt auß groeße seiner synnreichigkeit vil treffenlicher schrifft vnd bueecher gemacht. STrabo auch ein closterman des benanten rabani iunger ist diser zeyt nit mynder dann derselb sein maister gewest. vnnd hat auch vil schoener schrifft gemacht vnnd begriffen.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Eugenius der Zweite. Jahr der Welt 6023. Jahr Christi 824. Eugenius der Zweite, ein Römer, wurde nach Paschalis zum Papst erwählt. Zu dessen Zeiten gab es die achte Zwietracht zwischen diesem Eugenius und einem namens Cencinus. Aber Eugenius, von Gestalt eine würdige, ehrenwerte Person und von Gemüt ein vortrefflicher Mann, wurde wegen seiner Anmut und Redegewandtheit geschätzt. Er zeigte bei der Beschaffung des Getreides solchen Fleiß, dass das Getreide nirgends billiger als in Rom verkauft wurde. Er schützte auch die Angelegenheiten der Witwen und Waisen, sodass er von jedermann zu Recht ein Vater der Armen genannt wurde. Als er vier Jahre im Amt war, starb er und wurde von jedermann beweint. Etliche schreiben, er sei von seinen Missgönnern der Augen beraubt und so mit dem Martyrium gekrönt worden. Valentinus. Valentinus war auch ein Römer und Papst. Er hatte bei Paschalis und Eugenius, seinen oben genannten Vorgängern und heiligen Männern, Zucht und Art eines guten und heiligen Lebens von Jugend an bis ins tapfere Alter gelernt. Er war nicht auf Spiel, Spott und Wollust bedacht, wie es die jungen Leute tun, sondern er nahm die Lehre und Regel eines lobenswerten Lebens aus den Schriften der Alten und aus dem Vorbild der heiligen Päpste. Und nachdem er ein solch heiliges, tugendhaftes, gütiges und mildes Leben führte, wurde er zur päpstlichen Würde erwählt, da er dieser wohl würdig war. Aber er starb am 40. Tag seines Papsttums, vielleicht aufgrund der Verschuldung der Menschen, die damals lebten. Gregorius der Vierte. Jahr der Welt 6033. Jahr Christi 834. Gregorius der Vierte, ein Römer und Priester des Titels Sankt Markus, von edler Geburt, berühmter Heiligkeit, vornehmer schriftlicher Weisheit, Lehre und Redegewandtheit, war ein Mann solcher Bescheidenheit, dass er das päpstliche Amt nach der geschehenen Wahl durch die römische Geistlichkeit und das Volk nicht antrat, bevor er von Kaiser Ludwigs Botschaftern, die deshalb nach Rom zur Erkundigung dieser Wahl gesendet waren, dazu bestätigt wurde. Und Kaiser Ludwig schickte sie dorthin nicht aus Hochmut, sondern zur Handhabung der Gerechtigkeit des Kaisertums. Dieser Gregorius hat auf Bitten Kaiser Ludwigs die Feier Allerheiligen am ersten Tag des Monats November zu begehen festgesetzt. Dieselbe Feier haben die fränkischen und deutschen Völker zuerst zu halten angefangen. Nach vielen geübten guten Werken starb dieser Gregorius im 16. Jahr seines Papsttums und wurde in Sankt Peters Kirche begraben. Und der Stuhl ruhte 15 Tage. König Pippin. Pippin, Kaiser Karls ältester Sohn, regierte im welschen Land als König 13 Jahre. Und er war ein hochberühmter Mann, dem Vater in keiner Tugend ungleich. Ihn sandte sein Vater gegen die Ungarn; die brachte er mit Kampf zum Gehorsam. Desgleichen auch die Beneventaner, die das dem Papst angrenzende Gebiet schwer bedrängten. Diesen Pippin schickte der Vater auch gegen die Venezianer. Er verfolgte Heraclea und Equilium, darum zog viel Adel nach Venedig. Als er nun diese Dinge und sonst viele andere Kämpfe ehrenhaft vollbracht hatte, kam er nach Mailand. Daselbst beendete er sein Leben mit viel Ruhm im Frieden. König Bernhard. Bernhard, des großen Kaiser Karls Enkel, wurde nach Pippin von demselben Kaiser Karl zum welschen König erklärt und regierte 9 Jahre. Und wiewohl ihm Kaiser Karl geboten hatte, Ludwig, seinem Sohn und Nachfolger, in allen Dingen gehorsam zu sein, wollte er doch nach dem Ableben Kaiser Karls diesem Gebot nicht gefolgsam sein, auf Anstiftung etlicher welscher Bischöfe und zwieträchtiger Bürger. Danach ergriff er die Macht und zwang Städte und Leute, ihm zu schwören. Als solches an den Kaiser gelangte, urteilte er über ihn als einen Verletzer der Majestät und einen Feind. Und zog mit versammeltem Heer aus Gallien, deutschem Land und Bayern nach Welschland. Dort wurden die vom Adel, die daran Schuld hatten, erwürgt und Bernhard enthauptet. Und die Bischöfe wurden ihrer Würden entsetzt und in Klöster verschickt. Blatt 169 der Weltchronik. Linie der Kaiser: Ludwig der Erste. Ludwig der Erste, der Gütige genannt, hat nach dem Ableben Kaiser Karls des Großen, seines Vaters, das Kaisertum im Jahr 815 nach der Geburt Christi empfangen und mit Lothar, seinem Sohn, 25 Jahre regiert. Diesem Ludwig wurde seines Vaters Tod zur Winterzeit in Aquitanien verkündet. Da zog er wieder nach Aachen und hörte erstlich die Botschafter, die seinem Vater nachgereist waren. Darnach handelte er mit versammelter Landmannschaft von den Angelegenheiten, die das Kaisertum und das fränkische Königreich betrafen. Kaiser Leos von Konstantinopel Botschaft war auch damals daselbst, und die Bündnisse wurden erneuert. Dieser Kaiser Ludwig hat seinen ersten Heereszug zusammen mit König Bernhard gegen das Volk der Dänen unternommen. Aber nachdem das Meer zur strengen Winterzeit gefroren war, wurden der Kaiser und der König an ihrem Vorhaben dermaßen gehindert, dass sie fast auf halbem Weg bei Paderborn in Sachsen das Heer den Winter über hielten. Daselbst wurde dem Kaiser verkündet, dass die vornehmsten in Rom geschworen hatten, Papst Leo zu töten. Da schickte der Kaiser den König ins welsche Land mit dem Befehl zu verhüten, dass dem welschen Königreich nicht Verminderung oder Abbruch geschehe. Als König Bernhard ins welsche Land kam, fiel er in schwere Krankheit und beruhigte die römischen Angelegenheiten durch Gerard den Grafen. Darnach zog Papst Stephan der Vierte nach Frankreich und krönte diesen Ludwig zum Kaiser. Als er nun ins Kaisertum kam, hat er gegen die Vasconen, Bretonen, Engländer und auch gegen die Sarazenen viele schwere Kriege geführt. Und dieselben Völker damit zu Gehorsam, Untertänigkeit und Befriedung gebracht. Und auch mit bewaffneter Hand Herold nach Niederwerfung und Bekämpfung derer, die ihn aus seinem väterlichen Königreich Dacia vertrieben hatten, wieder eingesetzt. Und nach vielen solcher gut geführten Geschäfte und Angelegenheiten hat dieser Kaiser Ludwig in der Stadt Aachen einen Reichstag gehalten. Und nach Befriedung kirchlicher Angelegenheiten Lothar, seinen erstgeborenen Sohn, zu einem Mitregenten des Kaisertums erklärt. So wurden Pippin, der zweite Sohn, zum König von Aquitanien, und Ludwig, der dritte, zum König von Bayern bestimmt und berufen. Unter diesen Ereignissen begann Bernhard, der König des welschen Landes, auf Anstiftung etlicher welscher Herren, dem Kaiser widerspenstig zu sein. Der wurde aber darum gestraft und enthauptet, wie hiervor gemeldet ist. Darnach wurde dem Kaiser verkündet, dass in Britannien Aufruhr ausgebrochen wären. Aber als er sich rüstete, dieselben zu stillen, und dorthin kam, fand er alle Dinge friedlich. In mittlerer Zeit verstarb seine Gemahlin Irmingard, aus der er drei Söhne geboren hatte. Nachfolgend setzte er seinen Sohn Lothar an die Stelle des verstorbenen Königs Bernhard zu einem König des welschen Landes. Der wurde von Papst Paschalis und dem römischen Volk nach Rom gefordert und daselbst vom Papst erstlich zu einem König gesalbt und gekrönt und darnach zum Kaiser berufen. Dieser Kaiser Ludwig, ein sanftmütiger Mann, hat sich gegen den päpstlichen...