Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Linea der bebst // Sergius der ander Jar der werlt .vim.xliii.Jar christi .viiic.xliiii. SEergius der ander ein roemer wardt nach Gregorio babst erkorn. vnd nachdem er dauor os porci (das ist) sewrueßel genant was. do wardt er gezwungen von vbellawts wegen seins namens einen andern namen Sergius anzenemen. von dannenher ist die gewonheit entstanden das die roemischen bischoff (wiewol nit alle) in annemung des babstthumbs ire namen verwandeln. Diser Sergius hat sich vnder dem bebsten Leone Stephano Eugenio vnd Gregorio seinen vorfaren in guetten sytten vnd lere also gehalten das er allain nach absterben gregorii des babstthumbs wirdig geachtet wardt. Nach empfangnem babstthumb keret er sich zu zierung der gotzhewser vnnd bessert sant Siluesters vnnd Martins kirchen. vil heilliger leichnam darein legende. Er pawet auch von grundauff neben derselben kirchen ein closter in sant peters vnd pauls ere zu stettigem gotzdienst. Vnnd die roemer die durch sein fuerbett auß der forcht tyrannischer grawsamkeit erledigt warden lobten disen heilligen babst als einen waren stathalter christi. vnd einen einigen vater des vaterlands. Zu letst starb er im dritten jar seins babstthumbs vnd der stuol ruoet deßmals zwen monat. xv. tag. Leo der vierdt LEo der vierdt ein roemer wardt nach Christi vnsers herren menschwerdung achthundert vnd in dem .xl. iar babst erkorn mit allermenigclichs verwilligung vnd wolgefallen. vnnd gar billich. dann er was in allem seinem leben in goettlichem dienst vnschuld. gueetigkeit. holdseligkeit. gnad. freymiltigkeit vnnd gaistlicher lere fuernemlich beruembt. Ettlich halten das got auß diss heilligsten mans gebetten die Sarracen mit schifbruch vnd ertrenckung als sie mit cristenlichem rawb anhayms kereten geschwaygt hab. Er ist auch solcher heilligkeit gewesen. das er einen vergifften wurm basiliscus genant mit seinem gebette auß sant lucien der junckfrawen schwynbogen oder gewelb in ein hoele tribe. der mit seinem atem vnd gift vil menschen verderbet. Er hat auch mit dem zaichen des creuetzs ein geferliche prunst zu rom erloeschet. vnnd vil alte nidergefalne gepew an der statt rom wider auffgerichtet. vnd. xv. thuern dar an gepawen. vnd der vier gekroenten martrer leichnam gefunden. Bey seinen zeiten zohen die sarracen mit großem schifheer vber die neapolitaner vnd roemer. Gegen den ruestet sich der babst vnd rayset bis gein hostia vnd rueeffet got flehlich an vnd thet das zaichen des creuetzs vber die seinen also das die feynd vberwunden vnd gejagt warden. Er starb im achten jar seins babstthumbs vnd der roemisch stuol feyret deßmals zwen monat vnd. xv. tag. Johannes der sibend JOhannes auß engelland erlanget mit boesen kuensten das babstthumb. dann wiewol sie ein weipliche person was so wanndert sie doch in gestalt vnnd geperde eins mannßpilds. vnd zohe noch also jung mit irem liebhaber eim gelerten mann gein Athenas. alda wardt sie der schrift also hohgelert das sie gein rom komende wenig ir gleiche in der heilligen schrift het. Nw erlanget sie mit lesen vnd scharpffem disputiren in scheyn eins mans vnder der verborgenheit irer weiplichkeit zu rom solche guotwilligkeit vnd glawbwirdigkeit das sie nach absterben Leonis an sein stat (als martinus spricht) mit allermenigclichs willen zu babst erkorn wardt. Aber sie wardt nachfolgend von eim irer diener geschwengert. vnnd als sie den leib ettwielang getragen het vnd eins tags in sant Johanßen lateranensischen kirchen geen wolt. do wardt sie zwischen der wunderburg vnd sandt Clementen mit ween befangen vnd gepare vnd starb an derselben statt. Ettlich schreiben wenn ein babst zu der benanten sant Johanßen kirchen geen woell. vnd an dasselb end do das beschehen sey kome. so vermeyde der babst denselben weg in verschmehlicher gedechtnus solcher geschihten. Zum andern wenn ein erwelter babst erstlich in sannt Peters. darzu geloecherten stuol gesetzt werdt so pflege der letst dyacon zu vermeyden der gleichen kuenftiger irrung dem babst seine manliche gepurt glyder durch denselben geloecherten stuol zeberueren. THeodolphus der Aurelianensisch bischoff von gepurt seins geschlechts. auch an kunst vnd lere ein fuernem man zu den vorgeschriben zeitten in achtung gehalten. wardt gein kaiser Ludwigen falschlich verclagt vnd gekerckert. Darinn machet er vil treffenlichs gedichts. vnd sunderlich das lobegesang Gloria laus et honor etc. das man am palmtag singet. Als nw der kaiser solch gesang einßmals am palm tag hoeret vnnd berichtet wardt. das solchs durch disen bischoff gemacht wer do wardt er erwaichet das er den frummen bischoff ledig ließ vnnd mit eren widerumb in sein bistthumb haymschicket. Linea der kaiser: Lotharius LOtharius des vorgenanten kaiser Ludwigs sun hat nach dem vater mit Ludwigen seinem sun (den er zu eim mitgenoßen des kaiserthumbs machet) xv. iar geregirt. vnd nach absterben seins vaters das roemisch kaiserthumb allain behabt. Aber Ludwig was noch kawm zu der begrebnus bestattet do ergrymmeten drey sein brueder. nemlich Lotharius Ludwicus vnd Carolus mit hitzigem neyd gegen einander von des welschen koenigreichs wegen vnd komen widereinander zu so großen kriegischen aufruoren das der gleichen nach dem cathelanischen streyt mit athila in gallia nit gewesen sind. dann ir yeder kome mit seiner groeßisten macht vnd kraft in das antisiodorensisch feld. Alda hetten sie einen streyt darinn des franckreichischen volcks mer denn vormals yndert erschlagen wardt. Aber wiewol Ludwig vnd Carll das feld behieltten so warden sie doch gleichwol wie Lotharius an iren kreften dermaßen gekrencket. das ir yeder sein gegent vor den feynden zebeschirmen vnuermueglich wardt. Auß demselben streit fluhe lotharius gein ach. daselbsthine verfolgten ine sein brueder. do entwiche er mit weib vnd kindern von dannen durch Lyon gein vienna vnd samlet widerumb ein heer do warden die brueder durch vil potschafter welscher. gallischer vnd teuetscher land vnd stett getriben zu verwilligung eins anstands. do fieng man an vom frid vnd taylung vaterlicher erbschaft zehandeln vnnd die drey brueder warden also vertragen das Carolus der kal genant die gegent seins vatterlichen reichs gegen mitternacht von dem brittannischen meer bis an den fluss mosa besitzen solt. So solt dem Ludwig werden alles teuetsch land bis an den rhein vnd was sein vater ihenßhalb des rheyns beseßen het. Aber lotharius solt haben den tittel des kaiserthumbs. auch rom. welschland. die narbonensischen prouintzien vnd das lotharingisch land das dann von demselben Lothario lothringen genant wirdt. Als nw die sachen also hingelegt warden do vbergabe Lotharius Ludwigen seinem sun das kaiserthumb vnnd gieng in ein closter. In derselben zeit starb der ander Ludwig sein bruder in seinem teuetschen reich. Vnd als er nw das reich vnder die suen geteylt het vnd alt worden was do ließ er den Ludwigen als einen kaiser vnd wandlet nit lang darnach das leben mit dem tod. Deßmals hat gallia wie welschland mit den sarracen empfunden. was großen vbels vnnd schadens inen die zwittracht des kaisers Lotharii vnd seiner brueder gebracht hat. dann das Normannisch volck zohe durch den fluss Ligeris in das land aquitaniam dasselb alles verwueestende. vnd in die inuseln heriam. vnd ettwieuil cloester verprennende. vnd hat fuerter durch galliam verre vnd weytte vmbschwayffende vil stett vnnd befestigung gepluendert. berawbt vnd verheeret. doch getorsten sie in den franckreichischen stetten nit lang verzug haben. sunder sie kereten wider in aquitaniam daselbst iren koenigclichen stuol setzende. Hagel Vndergroß hagelstayn (sagen sie) seyen diser zeit in gallia gefallen. die haben vil vihs vnd ettliche menschen erschlagen. in denselben hagelstaynen waren faste herrte korn wunderperlicher lenge. So geschahe in welschem land ein erdpidem. also das an ettlichen enden stett vnd berg einfieln. HEwschrecken in vnbegreiflicher zal sechs fluegel vnnd zwen zen herrter den die steyn habende. bedecketen als der schne das erdreich in gallia vnd verwueesteten alles das. das do gronet. Als sie aber zu letst in das meer vnnd wider herauß an die gestadt auff das erdreich geworffen warden do machten sie ein fawle fewchtigkeit die vergiftet den luft. darauß volget ein gemayner groser sterben. In dem andern iar des kaiserthumbs Lotharii erschyne ein comet. DIe affri rayseten diser zeit widerumb in welsche land. aber sie warden von den roemern bestritten. so zohen die sarracen in welsche land. berawbten die statt Anchonam mit prunst verwueestende. Adeulphus koenig Eamundus koenig ADeulphus der englisch koenig vnnd allercristenlichst man hat diser zeit erster das einig fuerstenthumb gantzs engellands behabt. siben iar geregirt. vnd auß sundrer inniger naygung zu gotßdienstlicher pflichtperkeit dieselben innseln dem roemischen stuol zinsper gemacht vnd geordnet das yedes haws yedee iars der kirchen vnd sannt peter eynen silberin pfenning zinsen solt. EAdmundus darnach koenig daselbst was an gotzdenstperkeit vnd heilligkeit beruembt vnd ein ernstlicher verfechter cristenlichs glawbens. vnd hat vil streyt wider die vnglawbigen Danos gefueert. vnnd zu letst der martrer kron empfangen. Nach seiner enthawbtung wardt sein hawbt von eim wilden wolff bewaret.
Linie der Päpste. Sergius der Zweite. Im Jahr der Welt 6843, im Jahr Christi 844. Sergius der Zweite, ein Römer, wurde nach Gregor zum Papst gewählt. Und nachdem er zuvor Os Porci (das ist: Schweinerüssel) genannt worden war, wurde er wegen des üblen Klangs seines Namens gezwungen, einen anderen Namen, Sergius, anzunehmen. Von daher entstand die Gewohnheit, dass die römischen Bischöfe (wenn auch nicht alle) bei der Annahme des Papsttums ihre Namen ändern. Dieser Sergius hatte sich unter den Päpsten Leo, Stephan, Eugen und Gregor, seinen Vorgängern, in guten Sitten und Lehre so bewährt, dass er allein nach dem Tod Gregors des Papsttums würdig erachtet wurde. Nach Empfang des Papsttums wandte er sich der Zierde der Gotteshäuser zu und besserte die Kirchen des heiligen Silvester und Martin aus, indem er viele heilige Leichname dort hineinlegte. Er baute auch von Grund auf neben denselben Kirchen ein Kloster zu Ehren des heiligen Petrus und Paulus für den ständigen Gottesdienst. Und die Römer, die durch seine Fürbitte aus der Furcht tyrannischer Grausamkeit befreit wurden, lobten diesen heiligen Papst als einen wahren Statthalter Christi und einen einzigen Vater des Vaterlandes. Zuletzt starb er im dritten Jahr seines Papsttums, und der Stuhl ruhte damals zwei Monate und fünfzehn Tage. Leo der Vierte. Leo der Vierte, ein Römer, wurde nach der Menschwerdung unseres Herrn Christus im achthundertvierzigsten Jahr zum Papst gewählt, mit jedermanns Zustimmung und Wohlgefallen, und das mit vollem Recht. Denn er war in seinem ganzen Leben im göttlichen Dienst vor allem berühmt für Unschuld, Güte, Holdseligkeit, Gnade, Freimütigkeit und geistliche Lehre. Etliche meinen, dass Gott auf die Gebete dieses heiligsten Mannes hin die Sarazenen mit Schiffbruch und Ertränkung zum Schweigen gebracht habe, als sie mit christlichem Raub heimkehrten. Er war auch von solcher Heiligkeit, dass er einen giftigen Wurm, Basilisk genannt, mit seinem Gebet aus dem Schweinebogen oder Gewölbe der Jungfrau Lucia in eine Höhle trieb, der mit seinem Atem und Gift viele Menschen verdarb. Er hat auch mit dem Zeichen des Kreuzes einen gefährlichen Brand in Rom gelöscht und viele alte, niedergefallene Gebäude in der Stadt Rom wieder aufgerichtet und fünfzehn Türme daran gebaut und die Leichname der vier gekrönten Märtyrer gefunden. Zu seinen Zeiten zogen die Sarazenen mit einem großen Schiffsheer über die Neapolitaner und Römer her. Gegen diese rüstete sich der Papst und reiste bis nach Ostia und rief Gott flehentlich an und tat das Zeichen des Kreuzes über die Seinen, sodass die Feinde überwunden und gejagt wurden. Er starb im achten Jahr seines Papsttums, und der römische Stuhl feierte damals zwei Monate und fünfzehn Tage. Johannes der Siebte. Johannes aus England erlangte mit bösen Künsten das Papsttum. Denn obwohl sie eine weibliche Person war, wanderte sie doch in Gestalt und Gebärde eines Mannes und zog noch so jung mit ihrem Liebhaber, einem gelehrten Mann, nach Athen. Dort wurde sie in der Schrift so hochgelehrt, dass sie, nach Rom kommend, wenige ihresgleichen in der Heiligen Schrift hatte. Nun erlangte sie mit Lesen und scharfem Disputieren im Schein eines Mannes unter der Verborgenheit ihrer Weiblichkeit in Rom solche Gutwilligkeit und Glaubwürdigkeit, dass sie nach dem Tod Leos an dessen Stelle (wie Martinus spricht) mit jedermanns Willen zum Papst gewählt wurde. Aber sie wurde nachfolgend von einem ihrer Diener geschwängert, und als sie den Leib eine Zeitlang getragen hatte und eines Tages in die Lateranensische Kirche des heiligen Johannes gehen wollte, da wurde sie zwischen der Wunderburg und Sankt Clemens von Wehen befallen und gebar und starb an derselben Stelle. Etliche schreiben, wenn ein Papst zu der genannten Kirche des heiligen Johannes gehen wolle und an dasselbe Ende komme, wo das geschehen sei, so meide der Papst denselben Weg in verschmählicher Gedächtnis solcher Geschichten. Zum anderen, wenn ein erwählter Papst erstmals in den durchlöcherten Stuhl des heiligen Petrus gesetzt wird, so pflege der letzte Diakon, um dergleichen künftiger Irrung zu vermeiden, dem Papst seine männlichen Geburtsglieder durch denselben durchlöcherten Stuhl zu berühren. Theodulphus, der Bischof von Orléans, von Geburt seines Geschlechts, auch an Kunst und Lehre ein vornehmer Mann, wurde zu den vorgeschriebenen Zeiten in Achtung gehalten, wurde gegen Kaiser Ludwig fälschlich verklagt und gekerkert. Darin machte er viele treffliche Gedichte, und besonders das Lobgesang Gloria laus et honor etc., das man am Palmsonntag singt. Als nun der Kaiser solch Gesang einmal am Palmsonntag hörte und berichtet wurde, dass solches durch diesen Bischof gemacht sei, da wurde er erweicht, dass er den frommen Bischof freiließ und mit Ehren wieder in sein Bistum heimschickte. Linie der Kaiser: Lothar. Lothar, der Sohn des vorgenannten Kaisers Ludwig, hat nach dem Vater mit Ludwig, seinem Sohn (den er zu einem Mitgenossen des Kaisertums machte), fünfzehn Jahre regiert und nach dem Tod seines Vaters das römische Kaisertum allein innegehabt. Aber Ludwig war noch kaum zur Begräbnis bestattet, da ergrimmten drei seiner Brüder, nämlich Lothar, Ludwig und Karl, mit hitzigem Neid gegeneinander wegen des wälschen Königreichs und kamen gegeneinander zu so großen kriegerischen Aufruhren, dass dergleichen nach dem katalaunischen Streit mit Attila in Gallien nicht gewesen sind. Denn jeder von ihnen kam mit seiner größten Macht und Kraft auf das Feld von Auxerre. Dort hatten sie einen Streit, in dem mehr vom fränkischen Volk erschlagen wurde als jemals zuvor. Aber obwohl Ludwig und Karl das Feld behielten, so wurden sie doch gleichwohl wie Lothar an ihren Kräften dermaßen geschwächt, dass jeder von ihnen seine Gegend vor den Feinden zu beschirmen unfähig wurde. Aus demselben Streit floh Lothar nach Aachen. Dorthin verfolgten ihn seine Brüder. Dort wich er mit Weib und Kindern von dannen durch Lyon nach Vienne und sammelte wiederum ein Heer. Da wurden die Brüder durch viele Botschafter welscher, gallischer und deutscher Länder und Städte zur Einwilligung eines Waffenstillstands getrieben. Da fing man an, vom Frieden und der Teilung väterlicher Erbschaft zu handeln, und die drei Brüder wurden also vertragen, dass Karl, der Kahle genannt, die Gegend seines väterlichen Reiches gegen Mitternacht vom britannischen Meer bis an den Fluss Maas besitzen sollte. So sollte Ludwig alles deutsche Land bis an den Rhein erhalten und was sein Vater jenseits des Rheins besessen hatte. Aber Lothar sollte den Titel des Kaisertums haben, auch Rom, Welschland, die narbonensischen Provinzen und das lothringische Land, das dann von demselben Lothar Lothringen genannt wird. Als nun die Sachen also beigelegt waren, da übergab Lothar Ludwig, seinem Sohn, das Kaisertum und ging in ein Kloster. In derselben Zeit starb der andere Ludwig, sein Bruder, in seinem deutschen Reich. Und als er nun das Reich unter die Söhne geteilt hatte und alt geworden war, da ließ er den Ludwig als einen Kaiser und wandelte nicht lang darnach das Leben mit dem Tod. Damals hat Gallien, wie Welschland, mit den Sarazenen empfunden, welch großes Übel und Schaden ihnen die Zwietracht