Schedelsche Weltchronik · Blatt 171

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 171, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 171, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Linea der bebst: Benedictus der drit BEnedictus der drit ein roemer. von heilligkeit wegen seins lebens billich also Benedictus das ist ein benedeyter genant. dann er hielt sich vnder Gregorio vnd darnach also erberlich das er nach absterben Leonis sein nachkomen vnd von menigclichem als ein heilligs leuechtends gestirn von got auff die erden herabgesendt zu babst erkorn wardt. Aber er waynet vnd batte got vnd sein heilligen zu gezeuegen das er sich nicht wirdig achtet den babstlichen stuol zeuerwesen. Nach vnwilligclich empfangnem babstthumb hat er drey tag gefastet vnnd gebettet mit ynniger rueffung zu got ime zeuerleyhen heilligclich zeleben vnd die kirchen gentzlich zeregiren. Vnd wiewol ettliche auß anlaytung Rhodoaldi des portuensischen bischofs einen andern fuer disen Benedictum in das babstthumb fuerdern wolten. yedoch nach erkantnus irs irrthumbs begereten sie gnad vnd batten es disem heilligen mann ab. vnd betteten ine (als gewonheit ist) an. desselben gleichen teten auch kaiser Ludwigs botschafter zu bestettigung des babsts wale gein rom gesendet. dann er was ein mann solcher sanftmueetigkeit vnd solcher wirdigkeit von leib vnd gemueet das er in dem babstthumb vnd auch dauor menigclichem weerde. lieb vnd angeneme was. vnnd was er setzet das volbracht er selbs nit allain mit wortten sunder auch mit wercken. Er was alweg bey begengknus der gestorben briester. Er haymsuchet die krancken. Er neret die armen. er troestet die ellenden. er beschirmet wittiben vnd waysen emssigclich. mit solchen dingen fueeret er stettigclich sein leben vnd starb im andern jar seins babstthumbs. Nicolaus der erst Jar der werlt .vim.lxiii.Jar christi .viiic.lxiiii. NIcolaus der erst ein roemer ward von iugent auff wol vnd heilligclich erzogen erstlich von Sergio zu eim subdiacon vnd darnach von leone zu eim dyacon geweyhet. Der hat den leichnam Benedicti mit seinen henden nit on zeher zu der erden bestatet. Den haben sie nach vil wachen vnd betten abwesenden zu babst erkorn vnnd ine fliehenden vnd wider gefundnen in sant Johansen kirchen gefueert vnd wider seinen willen in sant peters stuol bebstlicher wirdigkeit gesetzt. Als er nw darnach in sant peters kirchen geweyhet vnd mit babstlicher kron bekroenet wardt. do hat er sich alleweil mit kaiser Ludwigen der deßmals entgegen was von sachen das babstthumb vnnd auch das kaiserthumb berueerende vnderredet. Zu disem babst hat darnach kaiser michael von constantinopel sein bottschafter mit gabe vnd schanckung gesendet. Diser babst hat auch in betrachtung der eren babstlicher wirdigkeit den rauennatischen ertzbischoff Johannsen. der sich auff fuerfordrung fuer den babstlichen stuol von fuergehaltner verhandlung wegen zekomen widersetzet seiner wirdigkeit berawbet. vnd doch darnach widerumb zu gnaden genomen. Den koenig des volcks bulgarorum mit aller seiner prouintz durch schriften vnd heilper vermanunge zu dem cristenlichen glawben bekeret vnd inen bischofe vnd briester gegeben. vnd zwischen kaiser Ludwigen vnd dem Beneuentanischen hertzog frid gemacht. Vnnd in beywesen vnnd mit bestettigung kaiser Ludwig vil satzung vnd ordnung begriffen. Zu letst starb er im newnden jar seins babstthumbs. Ettlich schreiben der stuol hab nach ime vil jar gefeyret. Hadrianus der ander HAdrianus der ander auch ein roemer was Sergio dem babst gar gehaym vnd dienstpar gewesen. gar ein frumm tugenthaftiger. myltter vnd gein den armen gabreicher man. vnd in disen vnd andern tugenten bey allermenigclichem in solchem großem weerde geachtet. also das man nachfolgend von erkiesung eins babsts redet. das menigclicher den eynigen Hadrianum welet vnd inen wider seinen willen in sant Johansen kirchen fueeret. Als kaiser Ludwig solchs hoeret do schicket er eylends sein botschafft gein Rom solche wale zebestettigen. Vnnd als nw diser Hadrianus in den geprauch des babstlichen ambts kome do betrachtet er fleißigclich alle die ding die zu goettlicher ere dienten einen yeden mit wortten. ebenpild vnd lere zu guotem vnd seligem leben vermanende. Auch die mit vrtail vnd gewaltsam verdruckten emssigclich beschirmende. vnd sich wider alle feynd der kirchen nach allem seinem vermuegen setzende. Vnd starb im fuenften jar seins babstthumbs. Linea der kaiser: Ludwig der ander LVdwig der ander hat nach absterben Lotharii seins vaters in dem achthundert vnd sechßundfuenftzigisten iar vnßers hails allain .xxi. iar das kaiserthumb geregirt. der dann ettwen von babst Sergio zu eim koenig gesalbet wardt. dann lotharius schicket ludwigen seinen sun mit großmechtigem heer in welsche land vnd ordnet ime zu drogonem den bischoff zu metz vnd ander gaistlich weyse vnd glawbwirdig mann sich derselben rattes vnd anweisung zegeprauchen. Aber nach dem diser Ludwig noch jung vnd auß vbermeessiger gluecklichkeit erplasen vnnd hohmueetig was wohin er denn rayset so verwueestet er alle ding vnderwegen mit moerden. rawben vnd prennen. als er sich aber gein rom zu nahnet vnd ime zu eren die roemer entgegen komen do leget er sein gallische grawsamkeit hin vnd fienge an gueetiger zewerden vnd ward vom babst zu eim welschen koenig gesalbet. vnd auch alßpald mit der kaiserlichen kron bekroenet. Zu seinen zeitten vberzuhen die sarraceni die beneuentanischen gegent dieselben verwueestende. wider die rueeffet kaiser Ludwig seinen bruder Lotharium vmb hilff an. der kome mit eim heer in welsche land vnd ward kranck vnd starb zu placencia. Als nw Carolus der koenig in gallia den tod lotharii hoeret do stellet er nach lothringen. Dasselb lothringisch land taylet kaiser ludwig mit Carolo seim vetter mit dem geding das kaiser ludwig mit seinem teil das pallacium vnd hoff zu Ach haben solt. left Zu den zeiten kaiser Ludwigs hat es (als die gschihtbschreiber setzen) bey der brixianischen statt drey tag vnd nacht pluot geregent. Tyberis der fluss hat in disem iar die statt rom also erfloeßet das man mit schiflein von einer gaßen zu der andern faren muoßt. vnd an ettlichen oertern also vbergoßen das man maynet es wer ein sintfluss vorhanden. In diser gueße warden vil hewßer vmbgestoßen. vil pawmen außgerißen vnd die sawmen außgeschwemt. Vnd solchs geschahe zu zwayen zeiten in einem jar zu Rom. Zu ergetzlichkeit solcher scheden sparet babst Nicolaus keinerlay guot tetigkeit gegen den seinen. BVlgaria die gegent ist in disen zeiten mit schriften vnd vermanungen des babsts Nicolai mitsambt irem koenig zum cristenlichen glawben bekert worden. Deßgleichen auch Sueropilus der koenig zu Dalmacia mitsambt seinem vndertanigen windischem volck. das von den beheimischen teuetschen vrsprung gehabt hat. Nw schiket der babst (als hieuor gemelt ist) ettlich bischoff vnd briester daselbsthinein. die nach vertreybung Photini des ketzers dasselb volck in dem glawben befestigen solten. dann derselb ketzer hielt alle bulgaros in eim irsal. aber ir koenig was ein man solcher volkomenheit vnd heilligkeit das er seinen eltern sun in das koenigreich setzet vnd einen cloesterlichen stand an sich name. Als aber darnach sein sun durch verfueerung die abgoetter eret. do name er das koenigreich von lieb wegen des glawbens widerumb an den sun von dem koenigreich entsetzet vnd nach außgestochnen awgen in einen kercker werffende. Nachfolgend vbergabe er das koenigreich seinem jungern sun vnnd name abermals ein cloesterlichs klaid an sich. aber vnlang nach absterben desselben wardt das bulgarisch volck von den constantinopolitanischen briestern also verlaytet das sie die lateinischen briester vertriben vnd die kriechischen aufnamen. das dann vil vbels zwischen den lateinischen vnd kriechischen erwecket hat. Diser zeit ist ein zertaylung des koenigreichs dalmacie beschehen. dann dalmacia die erst gegent des kriechischen lands hat vom aufgang macedoniam. vom nidergang hystriam. vom mittemtag das adriatisch meer vnnd von mitternacht pannoniam gehabt vnd in der newen taylung haben sie es von den feldern dalmacie bis in hystriam weyß Croaciam. vnd von den selben feldern bis gein dirarchium rot Croaciam. vnd gegen dem gepirg vom fluss dryno vber denselben fluss hin bis gein macedoniam Rasciam. vnd herdißhalb des fluss Boßnam gehaißen. vnd Rassia vnnd Bosna sind zwu gegent Croacie des koenigreichs. Bey disen zeitten haben die sarracen die innseln Candiam creta genant angegriffen vnd alle erobert vnd fueroan gegen welschen landen schiffende vil stett eingenomen. vnd ettliche darunter nach entweichung irer inwoner verprannt. Wischen kaiser Ludwigen vnd Andalisium dem Beneuentanischen hertzog hat diser zeit babst Nicolaus frid gemacht. dann Ludwig belegeret denselben hertzog von seiner widerspennigkeit wegen in der statt Beneuento so lang bis er zu widerlegung seiner scheden gelt empfieng vnd solche belegerung abstellet. ETtlich schreiben das sant Cyrillus sant clementen leichnam auß Chersona der statt deßmals gein Rom gebracht vnd daselbst in desselben sant Clementen kirchen bestattet hab. Vnd vnlang darnach sey cyrillus gestorben vnnd an demselben end begraben worden. ARioldus der koenig des volcks danorum ist (als sie sagen) deßmals mit weib vnd kindern zu Mayntz getawft worden. dem hat der kaiser Frießland gegeben.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Benedikt III. Benedikt III., ein Römer, wurde wegen der Heiligkeit seines Lebens zu Recht Benedikt genannt, das heißt ein Gesegneter. Denn er verhielt sich unter Gregor und danach so ehrbar, dass er nach dem Tod Leos, seines Nachfolgers, von jedermann als ein heiliges, leuchtendes Gestirn, von Gott auf die Erde herabgesandt, zum Papst erwählt wurde. Aber er weinte und bat Gott und seine Heiligen zu Zeugen, dass er sich nicht würdig achtete, den päpstlichen Stuhl zu verwalten. Nach widerwillig empfangenem Papsttum hat er drei Tage gefastet und gebetet mit inniger Anrufung zu Gott, ihm zu verleihen, heilig zu leben und die Kirche gänzlich zu regieren. Und wiewohl etliche, auf Anstiftung Rhodoalds, des portuensischen Bischofs, einen anderen vor diesem Benedikt für das Papsttum fördern wollten, so begehrten sie doch nach Erkenntnis ihres Irrtums Gnade und baten diesen heiligen Mann darum und beteten ihn (wie es Gewohnheit ist) an. Dasselbe taten auch Kaiser Ludwigs Botschafter, die zur Bestätigung der Papstwahl nach Rom gesandt wurden. Denn er war ein Mann solcher Sanftmütigkeit und solcher Würdigkeit an Leib und Gemüt, dass er im Papsttum und auch davor jedermann wert, lieb und angenehm war. Und was er setzte, das vollbrachte er selbst nicht allein mit Worten, sondern auch mit Werken. Er war stets bei der Begängnis der verstorbenen Priester. Er heimsuchte die Kranken. Er nährte die Armen. Er tröstete die Elenden. Er beschirmte Witwen und Waisen emsig. Mit solchen Dingen führte er ständig sein Leben und starb im zweiten Jahr seines Papsttums. Nikolaus I. Jahr der Welt 6063. Jahr Christi 864. Nikolaus I., ein Römer, wurde von Jugend auf wohl und heilig erzogen, erstlich von Sergius zum Subdiakon und darnach von Leo zum Diakon geweiht. Der hat den Leichnam Benedikts mit seinen Händen, nicht ohne Tränen, zur Erde bestattet. Den haben sie nach viel Wachen und Beten, in Abwesenheit, zum Papst erkoren und ihn, fliehend und wiedergefunden, in die Sankt-Johannes-Kirche geführt und wider seinen Willen auf den Sankt-Peters-Stuhl päpstlicher Würdigkeit gesetzt. Als er nun darnach in der Sankt-Peters-Kirche geweiht und mit päpstlicher Krone gekrönt wurde, da hat er sich alleweil mit Kaiser Ludwig, der damals entgegen war, über Sachen, die das Papsttum und auch das Kaisertum berührten, unterredet. Zu diesem Papst hat darnach Kaiser Michael von Konstantinopel seine Botschafter mit Gaben und Schenkungen gesendet. Dieser Papst hat auch, in Betrachtung der Ehren päpstlicher Würdigkeit, den ravennatischen Erzbischof Johannes, der sich auf Vorforderung vor den päpstlichen Stuhl von vorgehaltener Verhandlung wegen zu kommen widersetzte, seiner Würdigkeit beraubt und doch darnach wiederum zu Gnaden genommen. Den König des Volkes der Bulgaren mit aller seiner Provinz durch Schriften und heilsame Ermahnungen zum christlichen Glauben bekehrt und ihnen Bischöfe und Priester gegeben. Und zwischen Kaiser Ludwig und dem beneventanischen Herzog Frieden gemacht. Und in Beisein und mit Bestätigung Kaiser Ludwigs viele Satzungen und Ordnungen begriffen. Zuletzt starb er im neunten Jahr seines Papsttums. Etliche schreiben, der Stuhl habe nach ihm viele Jahre gefeiert. Hadrian II. Hadrian II., auch ein Römer, war Sergius dem Papst sehr geheim und dienstbar gewesen, ein sehr frommer, tugendhafter, milder und den Armen gegenüber freigiebiger Mann. Und in diesen und anderen Tugenden bei jedermann in solchem großem Wert geachtet, also dass man nachfolgend von der Erwählung eines Papstes redet, dass jedermann den einzigen Hadrian wählte und ihn wider seinen Willen in die Sankt-Johannes-Kirche führte. Als Kaiser Ludwig solches hörte, da schickte er eilends seine Botschaft nach Rom, solche Wahl zu bestätigen. Und als nun dieser Hadrianus in den Gebrauch des päpstlichen Amtes kam, da betrachtete er fleißig alle die Dinge, die zu göttlicher Ehre dienten, einen jeden mit Worten, Ebenbild und Lehre zu gutem und seligem Leben ermahnend. Auch die mit Urteil und gewaltsam Unterdrückten emsig beschirmend und sich wider alle Feinde der Kirche nach allem seinem Vermögen setzend. Und starb im fünften Jahr seines Papsttums. Linie der Kaiser: Ludwig II. Ludwig II. hat nach dem Absterben Lothars, seines Vaters, im achthundertsechsundfünfzigsten Jahr unseres Heils allein 21 Jahre das Kaisertum regiert. Der dann etwann von Papst Sergius zu einem König gesalbt wurde. Dann Lothar schickte Ludwig, seinen Sohn, mit großmächtigem Heer in welsche Lande und ordnete ihm zu Drogo, den Bischof zu Metz, und andere geistliche, weise und glaubwürdige Männer, sich derselben Rates und Anweisung zu gebrauchen. Aber nachdem dieser Ludwig noch jung und aus übermäßiger Glückseligkeit aufgeblasen und hochmütig war, wohin er denn reiste, so verwüstete er alle Dinge unterwegs mit Morden, Rauben und Brennen. Als er sich aber nach Rom näherte und ihm zu Ehren die Römer entgegenkamen, da legte er seine gallische Grausamkeit hin und fing an, gütiger zu werden und wurde vom Papst zu einem welschen König gesalbt und auch alsbald mit der kaiserlichen Krone gekrönt. Zu seinen Zeiten überzogen die Sarazenen die beneventanische Gegend, dieselben verwüstend. Wider die rief Kaiser Ludwig seinen Bruder Lothar um Hilfe an. Der kam mit einem Heer in welsche Lande und wurde krank und starb zu Piacenza. Als nun Karl, der König in Gallien, den Tod Lothars hörte, da stellte er nach Lothringen. Dasselbe lothringische Land teilte Kaiser Ludwig mit Karl, seinem Vetter, mit der Bedingung, dass Kaiser Ludwig mit seinem Teil das Palatium und den Hof zu Aachen haben sollte. Zu den Zeiten Kaiser Ludwigs hat es (als die Geschichtsschreiber setzen) bei der brixianischen Stadt drei Tage und Nächte Blut geregnet. Der Fluss Tiber hat in diesem Jahr die Stadt Rom so überflutet, dass man mit Schifflein von einer Gasse zur anderen fahren musste und an etlichen Orten so übergossen, dass man meinte, es wäre eine Sintflut vorhanden. In dieser Güsse wurden viele Häuser umgestoßen, viele Bäume ausgerissen und die Saaten ausgeschwemmt. Und solches geschah zu zwei Zeiten in einem Jahr zu Rom. Zur Ersetzung solcher Schäden sparte Papst Nikolaus keinerlei Güte gegen die Seinen. Bulgarien, die Gegend, ist in diesen Zeiten mit Schriften und Ermahnungen des Papstes Nikolaus mitsamt ihrem König zum christlichen Glauben bekehrt worden. Desgleichen auch Sueropilus, der König zu Dalmatien, mitsamt seinem untertänigen windischen Volk, das von den böhmischen Deutschen Ursprung gehabt hat. Nun schickte der Papst (wie hievor gemeldet ist) etliche Bischöfe und Priester dorthin, die nach Vertreibung Photios, des Ketzers, dasselbe Volk in dem Glauben befestigen sollten. Dann derselbe Ketzer hielt alle Bulgaren in einem Irrsal. Aber ihr König war ein Mann solcher Vollkommenheit und Heiligkeit, dass er seinen älteren Sohn in das Königreich setzte und einen klösterlichen Stand an sich nahm. Als aber darnach sein Sohn durch Verführung...

Anmerkungen

Linea der bebst
Linie der Päpste, Abschnittsüberschrift
Benedictus der drit
Benedikt III. (Papst von 855 bis 858)
roemer
Römer, Bewohner Roms
benedeyter
Gesegneter (von lat. benedictus)
Gregorio
Papst Gregor IV. (Papst von 827 bis 844), hier wohl im Sinne einer zeitlichen Einordnung oder eines Vorgängers/Zeitgenossen, obwohl Benedikt III. auf Leo IV. folgte. Könnte sich auf eine frühere Phase in Benedikts Leben beziehen.
Leonis
Papst Leo IV. (Papst von 847 bis 855)
menigclichem
jedermann
leuechtends gestirn
leuchtendes Gestirn
waynet
weinte
zeuegen
Zeugen
zeuerwesen
zu verwalten
vnwilligclich
widerwillig
inniger rueffung
inniger Anrufung
zeuerleyhen
zu verleihen
gentzlich zeregiren
gänzlich zu regieren
wiewol ettliche auß anlaytung Rhodoaldi des portuensischen bischofs
obwohl etliche auf Anstiftung Rhodoalds, des Bischofs von Porto (Portuensis ist der lateinische Name für Porto, eine Diözese bei Rom)
fuerdern wolten
fördern wollten, hier im Sinne von 'vorschlagen' oder 'unterstützen'
yedoch nach erkantnus irs irrthumbs begereten sie gnad vnd batten es disem heilligen mann ab
jedoch nach Erkenntnis ihres Irrtums begehrten sie Gnade und baten diesen heiligen Mann darum
betteten ine (als gewonheit ist) an
beteten ihn (wie es Gewohnheit ist) an, hier im Sinne von 'huldigten ihm'
kaiser Ludwigs botschafter
Botschafter Kaiser Ludwigs II.
wale gein rom gesendet
Wahl nach Rom gesendet
sanftmueetigkeit
Sanftmütigkeit
weerde. lieb vnd angeneme was
wert, lieb und angenehm war
was er setzet das volbracht er selbs nit allain mit wortten sunder auch mit wercken
was er festlegte, das vollbrachte er selbst nicht allein mit Worten, sondern auch mit Werken
begengknus der gestorben briester
Begängnis (Beisetzung, Totenfeier) der verstorbenen Priester
haymsuchet die krancken
heimsuchte die Kranken (besuchte sie)
neret die armen
ernährte die Armen
ellenden
Elenden, hier im Sinne von 'Unglücklichen', 'Bedürftigen'
emssigclich
emsig, fleißig
stettigclich
ständig
Jar der werlt .vim.lxiii.
Jahr der Welt 6063 (römisch für 6063)
Jar christi .viiic.lxiiii.
Jahr Christi 864 (römisch für 864)
NIcolaus der erst
Nikolaus I. (Papst von 858 bis 867)
iugent auff
Jugend auf
Sergio
Papst Sergius II. (Papst von 844 bis 847)
subdiacon
Subdiakon (niedere Weihestufe in der katholischen Kirche)
dyacon
Diakon (Weihestufe in der katholischen Kirche)
nit on zeher
nicht ohne Tränen
zu der erden bestatet
zur Erde bestattet
abwesenden
in Abwesenheit (der Gewählten, hier Nikolaus I.)
sant Johansen kirchen
Sankt-Johannes-Kirche, vermutlich Lateranbasilika (San Giovanni in Laterano)
sant peters stuol bebstlicher wirdigkeit
Sankt-Peters-Stuhl päpstlicher Würdigkeit, d.h. auf den Papstthron
alleweil
allezeit, immer
kaiser Ludwigen der deßmals entgegen was
Kaiser Ludwig II., der damals anwesend war oder sich in der Nähe befand
vnderredet
unterredete sich, sprach
kaiser michael von constantinopel
Kaiser Michael III. von Byzanz (reg. 842–867)
gabe vnd schanckung
Gaben und Schenkungen
rauennatischen ertzbischoff Johannsen
Johannes VIII., Erzbischof von Ravenna
der sich auff fuerfordrung fuer den babstlichen stuol von fuergehaltner verhandlung wegen zekomen widersetzet
der sich auf Vorladung vor den päpstlichen Stuhl wegen einer vorgehaltenen Verhandlung zu erscheinen widersetzte
seiner wirdigkeit berawbet
seiner Würdigkeit beraubt, d.h. seines Amtes enthoben
widerumb zu gnaden genomen
wieder zu Gnaden genommen
koenig des volcks bulgarorum
König des Volkes der Bulgaren, Boris I. (reg. 852–889)
prouintz
Provinz, hier im Sinne von 'Herrschaftsgebiet'
heilper vermanunge
heilsame Ermahnungen
Beneuentanischen hertzog
Herzog von Benevent, Adelchis von Benevent
begriffen
begriffen, hier im Sinne von 'festgelegt', 'erlassen'
gefeyret
gefeiert, hier im Sinne von 'unbesetzt geblieben', 'geruht'
HAdrianus der ander
Hadrian II. (Papst von 867 bis 872)
gar gehaym vnd dienstpar gewesen
sehr vertraut und dienstbar gewesen
frumm tugenthaftiger. myltter vnd gein den armen gabreicher man
frommer, tugendhafter, milder und den Armen gegenüber freigiebiger Mann
weerde geachtet
Wert geachtet
erkiesung eins babsts
Erwählung eines Papstes
den eynigen Hadrianum welet
den einzigen Hadrian wählte
eylends
eilends, schnell
botschafft gein Rom
Botschaft nach Rom
geprauch des babstlichen ambts
Gebrauch des päpstlichen Amtes
goettlicher ere dienten
göttlicher Ehre dienten
ebenpild
Ebenbild, hier im Sinne von 'Beispiel'
mit vrtail vnd gewaltsam verdruckten
mit Urteil (Gerichtsurteil) und gewaltsam Unterdrückten
seinem vermuegen setzende
seinem Vermögen (Kräften) entgegensetzend
Linea der kaiser
Linie der Kaiser, Abschnittsüberschrift
LVdwig der ander
Ludwig II. (Kaiser von 855 bis 875)
Lotharii seins vaters
Lothar I., sein Vater (Kaiser von 817 bis 855)
achthundert vnd sechßundfuenftzigisten iar vnßers hails
856. Jahr unseres Heils (Jahreszahl)
allain .xxi. iar
allein 21 Jahre (römisch für 21)
ettwen
einst, früher
welsche land
welsche Lande, hier: Italien
drogonem den bischoff zu metz
Drogo, Bischof von Metz (823–855), Onkel Ludwigs II.
gaistlich weyse vnd glawbwirdig mann
geistliche, weise und glaubwürdige Männer
sich derselben rattes vnd anweisung zegeprauchen
sich desselben Rates und Anweisung zu bedienen
noch jung vnd auß vbermeessiger gluecklichkeit erplasen vnnd hohmueetig was
noch jung und aus übermäßiger Glückseligkeit aufgeblasen und hochmütig war
wohin er denn rayset so verwueestet er alle ding vnderwegen mit moerden. rawben vnd prennen
wohin er denn reiste, so verwüstete er alle Dinge unterwegs mit Morden, Rauben und Brennen
gallische grawsamkeit
gallische Grausamkeit, hier im Sinne von 'fränkische' oder 'westliche' Grausamkeit, da Ludwig II. aus dem Frankenreich stammte
welschem koenig
welschem König, hier: König von Italien
alßpald
alsbald, sofort
sarraceni
Sarazenen, Bezeichnung für muslimische Völker im Mittelalter
beneuentanischen gegent
beneventanische Gegend, das Herzogtum Benevent in Süditalien
rueeffet
rief
Lotharium
Lothar II., Bruder Ludwigs II. und König von Lothringen (reg. 855–869)
placencia
Piacenza, Stadt in Norditalien
Carolus der koenig in gallia
Karl der Kahle, König von Westfranken (reg. 843–877), Vetter Ludwigs II.
stellet er nach lothringen
stellte er nach Lothringen, d.h. er strebte danach, Lothringen zu erwerben
lothringisch land
Lothringen, das Reich Lothars II.
seim vetter
seinem Vetter
geding
Bedingung
pallacium vnd hoff zu Ach
Palatium und Hof zu Aachen (Pfalz Aachen)
left
Hier ein Wortbruch oder eine Abkürzung, die im Kontext keinen Sinn ergibt. Vermutlich ein Übertragungsfehler oder eine unvollständige Zeile im Original.
gschihtbschreiber
Geschichtsschreiber
brixianischen statt
brixianischen Stadt, d.h. Brescia in Italien
pluot geregent
Blut geregnet
Tyberis der fluss
Tiber, der Fluss in Rom
erfloeßet
überflutet
schiflein
Schifflein, kleine Boote
gaßen
Gassen
vbergoßen
übergossen, hier: überflutet
sintfluss
Sintflut
gueße
Güsse, hier: Überschwemmung
umbgestoßen
umgestoßen
pawmen außgerißen
Bäume ausgerissen
sawmen außgeschwemt
Saaten ausgeschwemmt
ergetzlichkeit solcher scheden
Ersatz, Wiedergutmachung solcher Schäden
keinerlay guot tetigkeit
keinerlei Güte, Wohltätigkeit
BVlgaria die gegent
Bulgarien, die Gegend
mitsambt irem koenig
mitsamt ihrem König
Sueropilus der koenig zu Dalmacia
Sueropilus, der König zu Dalmatien, hier vermutlich eine Verwechslung oder eine alte Namensform für einen Herrscher in Dalmatien, möglicherweise Zdeslav von Kroatien oder ein anderer lokaler Fürst.
windischem volck
windischem Volk, hier: slawisches Volk
beheimischen teuetschen vrsprung gehabt hat
böhmischen Deutschen Ursprung gehabt hat, hier eine ungenaue ethnische Zuordnung, die Slawen wurden oft als 'Wenden' oder 'Windische' bezeichnet, und ihre Herkunft wurde manchmal mit benachbarten Völkern vermischt.
hieuor gemelt ist
hievor (zuvor) gemeldet ist
vertreybung Photini des ketzers
Vertreibung Photios', des Ketzers. Photios I. war Patriarch von Konstantinopel und eine Schlüsselfigur im Photianischen Schisma, einem Konflikt mit Rom.
befestigen solten
befestigen sollten, hier im Sinne von 'im Glauben stärken'
irsal
Irrsal, Irrtum
cloesterlichen stand an sich name
klösterlichen Stand an sich nahm, d.h. ins Kloster ging
verfueeru
Verführung (Wortbruch, der Satz ist unvollendet)