Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Jar der werlt .vim.lxxiii.Jar christi .viiic.lxxiiii. JOhannes der acht ein Roemer hat nach angenomnem babstthumb Carolum der deßmals gein rom kome zu kaiser erklert. darnach wardt er in einer zwittrachtigkeit von den roemern in fangknus geworffen. vnd ime doch vnlang darnach durch etliche sein freuend wider darauß geholffen. vnnd er fluhe zu Ludwigen. balbus zugenambt in franckreich. wonet daselbst ein iar vnd salbet ine zu eim koenig. vnd stellet etlich irrung zwischen den gaistlichen entstanden ab. do zohe er von dannen vnd het in der statt Treca ein concili. in dem vil zum glawben gehoerende ding aufgesetzt warden. vnnd wardt dem flandrischen volck das deßmals erst auß der wildnus zu besserer zucht vnd gotßdienstnus komen was ein bischoff gegeben. Aber nach dem die sarracen deßmals welsche land vberfieln do wardt Johannes wider gein rom gefordert. vnd vertribe mit beystannd der cristenlichen fuersten einen großen teyl auß welschen land vnd auß Sicilia. Er ist in kriechischer vnd lateinischer zungen gelert gewesen. vnnd hat als ein hohgelert man vil schriften gemacht. auch kriechische zu latein gebracht. Er starb als er zehen iar babst gewesen was. MArtinus der ander auß gallia puertig. Ettliche nennen ine Marinum. Ist der (als ettlich schreiben) auß dess argklistigkeit babst Johannes hieuorgenant verfolgt. vnd in fangknus gelegt wardt. darumb er auch flihen muoßt. vnnd als er das babstthumb mit boesen listen erlanget het also starb er auch kuertzlich. nemlich im andern iar seins babstthumbs nichtz gedechtnus wirdigs handlende kuertze halben der zeit seins regirens. HAdrianus der dritt ein roemer was eins solchen gemueets vnd kuonheit das er im anfang seins babstthumbs dem roemischen rat vnd volck fuer hielt vnd saget dz zu erkiesung vnnd schoepffung eins babsts des kaiserlichen gewalts vnd bestettigung nit nott wer. vnd solche satzung sol erstlich von babst Nicolao dem ersten fuergenomen sein. Aber diser Hadrianus zu dem von seiner tugent vnd großmuetigkeit wegen die roemisch pfafheit vnd volck große hoffnung het starb im andern iar seins babstthumbs. STephanus der fuenft ein roemer hat den babstthumb empfanngen zu den zeiten als das volck normannorum mit anhang des volcks dacorum galliaz verwueesteten. Diser Stephanus ist alweg dieweil er lebet in vil bekuemernus vnnd betruebnus vnd anfechtung des normannischen. hunischen vnnd welschen volcks gewesen. aber wunderperliche ergetzlichkeit in solchen anfechtungen hat er empfangen von heilligkeit vil. beruembter mann zu seiner zeit wesende. vnd sunderlich Luitprandi des papiensischen dyacons. Valdridi des bairischen vnd Berardi des pictauiensischen bischofe. Auß derselben guottem leben vnd sytten hat deßmals der cristenlich glawb also gewachsen das vil cloester vnd kirchen mit großer zierung vnd kostung in beden gallischen landen gepawt warden. Aber Stephanus starb im sechsten iar seins babstthumbs vnd der stuol ruoet fuenff tag. DAs fuenft concili zu constantinopel wardt auf anregung babst Johannis des achten gehalten. der machet ein vereinigung der kriechischen mit den lateinischen in getrawen. maynung vnd hoffnung das solchs zu vertreybung der sarracen fueeglich vnnd dienstlich sein solt. in solchem concili varen .iiic. vnd .lxxxiii. veter. Wie nutzparlich das selb concili zu erklerung der artickel des cristenlichen glawbens gewesen sey das geben die buecher der gaistlichen recht zeerkennen. aber einicher vertrag zwischen den beden zungen ist nit gefunden der zu widerstand der sarracen ersproßen het. dann in demselben iar zohen die sarracen auß der innseln creta vnd verfolgten die oerter dalmacie vnd taylten sich zu wasser vnd land weyt auß vnd verheereten vnd verwueesteten lewt. stett vnd land. vnd belegerten die statt gradum. die retteten die venediger vnd veriagten die sarracen vber das oeber meer auß besorgende wo sie iren nachpawrn nit hilff tetten die feind moechten weyter greyffen. der werlt Blat CLXXII CArolus der ander der kal zugenambt hat in dem ersten iar Johannis des babsts zeherrschen angefangen vnd sechs iar geregirt. vnd fuenff iar aneinander mit den den Brittannischen einen krieg gefueert vnnd Homeueio dem Brittannischen hertzogen erstlich. vnd darnach Crispoio seinen sun bestritten vnd erschlagen. Brittanniam erobert vnd sich zu eim koenig der statt Lemonice salben laßen. vnd ist mit eim heer wider anhayms in franckreich gezogen. Bey den selben zeitten ist auch der ander sein bruder ein koenig in bayern vnd teuetschen landen zu franckfurt gestorben. Vnd wiewol das ankomen des kaiserthumbs an disen Carolum nicht aigentlich angezaigt wirdet. so ist doch offenbar bey alten gschihtbschreibern das sich diser Carolus des kaiserlichen namens angenomen. gein rom gefueegt vnd daselbst von babst Johanne dem achten die kaiserlichen kron empfangen vnd alßpald wider in franckreich gekeret. vnd nach gemachtem frid daselbst widerumb gein rom gerayset hat. In mittler zeit sammleten carolomannus vnd carolus sein oeheime ein heer auß allen gegenten teuetschs lands wider disen Carolum iren vetter in welsche land zefueeren. dargegen ruostet sich diser Carolus in willen vnd maynung seinen oeheimen iren einzuog in welsche land bey der statt Tryent zeweeren. aber als ine bey mantua ein kranckheit berueeret do wardt er durch einen iuden seinen artzt mit vergiftem getranck getoedtet. Diser Carolus der ander wz ein fast cristenlich vnd andechtig man. der do in vnd her vil beruembter cloester vnd kirchen gepawet. vnd goetliche ding zumal fast gemeret hat. CArolus der dritt grossus zugenambt hat .xii. iar geregirt. Nach der menschwerdung christi achthunder vnd in dem .lxxxi. iar. Diser was ein koenig gallie vnd Teuetscher lannd. vnnd zohe mit großer mercklicher heeres krafft in Welsche lannd vnnd name ganntz Longobardiam ein. Kom gein rom vnnd empfienng die kaiserlichen kron von babst Johanne. Vnlanng darnach rayset er mit heerßkraft wider die Normannos die do franckreich vnd Lothringen mit rawb vnd prannd verwueesteten. vnd nach erfarung kaiser Ludwigs absterbens die edeln statt Tryer belegert. vnd die landschaft darumb mit fewr verheeret. Demnach wardt diser carolus von den teuetschen vnd gallischen fuersten auß welschen landen gefordert sein veterlich reich von den normannos zeentschuetzen. darauff sammlet er auß den longobardern. bayern Sachßen Frießen Alemaniern vnd Thueringen ein heer wider die normannos. die bedrucket er in kurtzerweil also mechtigclich das Rothifredus ir koenig frids begeret vnd sich zu einem cristen man machen ließe vnd von dem kaiser auß dem tawff gehebt wardt. Ettlich schreiben das zu den zeyten babst Stephans des fuenften Carolus grossus als er yetzo .xii. iar geregirt het von den fordersten von wegen seins leibs tragkeit vnd seins gemueets langksamkeit seins gewalts entsetzt vnd Arnulphus an sein stat gesetzt worden wer. Im nachfolgenden iar starb Ludwig koenig Karls zu franckreich sun vnd ließ Carolomannum einen erben des koenigreichs. der dann vnlang darnach willprett iagende von eim wilden schwein verletzt mit tod vergienge. Darnach warden sie Carolo dem kaiser. der von dem carolinischen stammen allain vorhanden was vnderworffen. Ettlich sagen das Carolus in kranckeit zu solcher duerftigkeit zadel vnd mangel komen wer das er ein wenig rennt oder guelt von arnulpho danckperlich vnd vmb sunst empfangen het. ZV den zeitten kaiser Karls des kalen hat die grafschaft flandern iren vrsprung genomen. aber deßmals was dise grafschaft nit also reich vnd mechtig als sie yetzo ist. sunder wardt von den forstmaistern des koenigs zu franckreich geregirt. derselben einer hieß Audacrus. desselben sun Balduinus genant entfueeret dem benanten kayser Karl dem kalen sein tochter Judith. darumb wardt er verpannet vnd doch darnach wider außgesoenet. vnd der kaiser gabe balduino vnd iudith vund iren erben die grafschaft flandern ewigclich zebesitzen. Johannes scotus ein man durch scheinender subtiler vnnd goetlicher synnreichigkeit vnd hoenigsueeßes ansprechens vnd in goettlicher schrift fast hoherfarn was bey dem vorgenanten kaiser in großer achtung gehalten. vnd kome auß schottenland in franckreich vnd machet auff begere des kaisers das buoch Dyonisii von der iherarchey auß kriechischem zu latein. Darnach kom er in engelland daselbst stachen ime sein schuoler die awgen mit griffeln auß. ANastasius der roemischen kirchen librarey mayster. diser zeit in beden kriechischen vnd lateinischen zungen ein hohgelert man hat vil schriften auß einem gezuenge in das ander gebracht.
Das sechste Zeitalter der Welt. Im Jahre 873 nach der Erschaffung der Welt, im Jahre 874 nach Christus. Johannes der Achte, ein Römer, hat nach der Annahme des Papsttums Karl, der damals nach Rom gekommen war, zum Kaiser erklärt. Danach wurde er in einer Zwietracht von den Römern in Gefangenschaft geworfen. Und ihm wurde doch unlängst danach durch etliche seiner Freunde wieder daraus geholfen. Und er floh zu Ludwig, genannt Balbus, nach Frankreich, wohnte daselbst ein Jahr und salbte ihn zu einem König. Und er stellte etliche Irrungen ab, die zwischen den Geistlichen entstanden waren. Da zog er von dannen und hielt in der Stadt Treca ein Konzil, in dem viel zum Glauben gehörende Dinge aufgesetzt wurden. Und dem flandrischen Volk, das damals erst aus der Wildnis zu besserer Zucht und Gottesdienst gekommen war, wurde ein Bischof gegeben. Aber nachdem die Sarazenen damals welsche Länder überfielen, da wurde Johannes wieder nach Rom gefordert. Und er vertrieb mit Beistand der christlichen Fürsten einen großen Teil aus welschen Ländern und aus Sizilien. Er ist in griechischer und lateinischer Zunge gelehrt gewesen und hat als ein hochgelehrter Mann viele Schriften gemacht, auch griechische ins Lateinische gebracht. Er starb, als er zehn Jahre Papst gewesen war. Martin der Zweite, gebürtig aus Gallien. Etliche nennen ihn Marinus. Er ist der (wie etliche schreiben), aus dessen Arglist Papst Johannes, hier vorgenannt, verfolgt und in Gefangenschaft gelegt wurde, darum er auch fliehen musste. Und als er das Papsttum mit bösen Listen erlangt hatte, so starb er auch kürzlich, nämlich im zweiten Jahr seines Papsttums, nichts Gedächtniswürdiges handelnd, der Kürze der Zeit seines Regierens halber. Hadrian der Dritte, ein Römer, war eines solchen Gemüts und Kühnheit, dass er im Anfang seines Papsttums dem römischen Rat und Volk vorhielt und sagte, dass zur Erwählung und Schaffung eines Papstes des kaiserlichen Gewalts und Bestätigung nicht Not wäre. Und solche Satzung soll erstlich von Papst Nikolaus dem Ersten vorgenommen worden sein. Aber dieser Hadrian, zu dem von seiner Tugend und Großmütigkeit wegen die römische Priesterschaft und das Volk große Hoffnung hatte, starb im zweiten Jahr seines Papsttums. Stephan der Fünfte, ein Römer, hat das Papsttum empfangen zu den Zeiten, als das Volk der Normannen mit Anhang des Volkes der Daker Gallien verwüsteten. Dieser Stephan ist allweg, dieweil er lebte, in vielen Bekümmernissen und Betrübnissen und Anfechtungen des normannischen, hunnischen und welschen Volkes gewesen. Aber wunderbare Ergötzlichkeit in solchen Anfechtungen hat er empfangen von Heiligkeit vieler berühmter Männer, die zu seiner Zeit waren, und sonderlich Luitprand, des papiensischen Diakons, Waldrid, des bairischen, und Berard, des pictavischen Bischofs. Aus derselben gutem Leben und Sitten hat damals der christliche Glaube also gewachsen, dass viele Klöster und Kirchen mit großer Zier und Kost in beiden gallischen Ländern gebaut wurden. Aber Stephan starb im sechsten Jahr seines Papsttums, und der Stuhl ruhte fünf Tage. Das fünfte Konzil zu Konstantinopel wurde auf Anregung Papst Johannes des Achten gehalten, der eine Vereinigung der griechischen mit den lateinischen im Glauben, Meinung und Hoffnung machte, dass solches zur Vertreibung der Sarazenen füglich und dienstlich sein sollte. In solchem Konzil fuhren 383 Väter. Wie nutzbarlich das selbe Konzil zur Erklärung der Artikel des christlichen Glaubens gewesen sei, das geben die Bücher der geistlichen Rechte zu erkennen. Aber ein einiger Vertrag zwischen den beiden Zungen ist nicht gefunden, der zum Widerstand der Sarazenen ersprossen hätte. Dann in demselben Jahr zogen die Sarazenen aus der Insel Kreta und verfolgten die Orte Dalmatiens und teilten sich zu Wasser und Land weit aus und verheerten und verwüsteten Leute, Städte und Länder. Und sie belagerten die Stadt Grado. Die retteten die Venezianer und verjagten die Sarazenen über das obere Meer aus, besorgend, wo sie ihren Nachbarn nicht Hilfe täten, die Feinde möchten weiter greifen. Der Welt Blatt 172. Karl der Zweite, genannt der Kahle, hat im ersten Jahr Johannes des Papstes zu herrschen angefangen und sechs Jahre regiert. Und fünf Jahre aneinander mit den britannischen einen Krieg geführt und Homeueio, den britannischen Herzog, erstlich, und darnach Crispoio, seinen Sohn, bestritten und erschlagen. Britannien erobert und sich zu einem König der Stadt Lemonice salben lassen. Und ist mit einem Heer wieder heimwärts nach Frankreich gezogen. Bei denselben Zeiten ist auch der andere sein Bruder, ein König in Bayern und deutschen Ländern, zu Frankfurt gestorben. Und wiewohl das Ankommen des Kaisertums an diesen Karl nicht eigentlich angezeigt wird, so ist doch offenbar bei alten Geschichtsschreibern, dass sich dieser Karl des kaiserlichen Namens angenommen, nach Rom gefügt und daselbst von Papst Johannes dem Achten die kaiserliche Krone empfangen und alsbald wieder nach Frankreich gekehrt. Und nach gemachtem Frieden daselbst wiederum nach Rom gereist hat. In mittler Zeit sammelten Karlmann und Karl, seine Oheime, ein Heer aus allen Gegenden deutschen Landes wider diesen Karl, ihren Vetter, in welsche Länder zu führen. Dagegen rüstete sich dieser Karl in Willen und Meinung, seinen Oheimen ihren Einzug in welsche Länder bei der Stadt Trient zu wehren. Aber als ihn bei Mantua eine Krankheit berührte, da wurde er durch einen Juden, seinen Arzt, mit vergiftetem Getränk getötet. Dieser Karl der Zweite war ein fast christlicher und andächtiger Mann, der da in und her viele berühmte Klöster und Kirchen gebaut und göttliche Dinge zumal fast gemehrt hat. Karl der Dritte, genannt der Dicke, hat zwölf Jahre regiert. Nach der Menschwerdung Christi achthundert und im 81. Jahr. Dieser war ein König Galliens und deutscher Länder und zog mit großer, merklicher Heereskraft in welsche Länder und nahm ganz Longobardien ein. Kam nach Rom und empfing die kaiserliche Krone von Papst Johannes. Unlängst danach reiste er mit Heereskraft wider die Normannen, die da Frankreich und Lothringen mit Raub und Brand verwüsteten und nach Erfahrung Kaiser Ludwigs Absterbens die edle Stadt Trier belagerten und die Landschaft darum mit Feuer verheerten. Demnach wurde dieser Karl von den deutschen und gallischen Fürsten aus welschen Ländern gefordert, sein väterliches Reich von den Normannen zu entschützen. Darauf sammelte er aus den Langobarden, Bayern, Sachsen, Friesen, Alemannen und Thüringern ein Heer wider die Normannen. Die bedrückte er in kurzer Weile also mächtiglich, dass Rothifred, ihr König, Friedens begehrte und sich zu einem Christenmann machen ließ und von dem Kaiser aus der Taufe gehoben ward. Etliche schreiben, dass zu den Zeiten Papst Stephans des Fünften Karl der Dicke, als er jetzt zwölf Jahre regiert hatte, von den Vordersten wegen seiner Leibes Trägheit und seines Gemüts Langsamkeit seines Gewalts entsetzt und Arnulf an seine Statt gesetzt worden wäre. Im nachfolgenden Jahr starb Ludwig, König Karls zu Frankreich Sohn, und ließ Karlmann, einen Erben des Königreichs, der dann unlängst danach Wildpret jagend