Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst: Formosus Jar der werlt .vim.xciii.Jar christi .viiic.xciiii. FOrmusus wardt nach Stephano babst erkorn. Er was ein portuensischer bischof. dasselb bischofthumb verließ er von ernstlichkeit wegen iohannis des babsts vnd fluhe in galliam. Als er aber wider gein rom zekomen beueeft wardt vnd solchs verachtet do wardt er in den pan gethan vnnd gein rom komende seiner wirdigkeit entsetzet. wertliche klaider mitsambt wertlichen sytten anziehende. Ettlich maynen das ime solchs begegent sey darumb das er ein vrsacher vnd mitwissender der fenngknus babsts Johannis gewesen wer. Auß diser schmah wardt er also bewegt das er von rom ziehende einen ayd schwuor das er hinfuero nymmer mer weder gein Rom noch auff sein bistthumb komen woelt. aber babst martinus absoluiret ine vom ayd vnd setzet ine widerumb in sein vorige wirdigkeit. Zu letst starb er im. v. iar seins babstthumbs vnd ruoet der stuol deßmalß zwen tag. Bonifacius der sechst DEr librarey maister sant Johanßen kirchen zu rom hat die gschihten durch. xxi bebst in .lx. iar geuebt. gar aigentlich beschriben mit bestimmung vnd benennung irer eltern. irs vaterlands vnnd der zeit irer regirung. dann wiewol die andern gschihtbschreiber auch von geuebten geschihten ettliche vnd zu zeitten eytele vnd vberflueßige meldung thun so haben sie doch wenig vom roemischen reich vnd den roemischen bebsten erklerende anzaigung beschriben. Aber ich waiß nit auß was zufal es begegent ist das mitsampt der kaiserlichen redlichkeit vnnd bestenndigkeit auch die bebstlich kraft vnd gentzigkeit zu abfall vnd vermynnderung gelanget. Diss was ein vnselige zeit. so doch (als Plato spricht) die burger vnnd das volck also sein sollen als die fuersten sind. Sunderlich seind die hernachbenantten acht bebst kurtze zeitt geseßen. vnd mit mancherlay anstoeßen vnd zwittrachtigkeiten bewegt worden. dann Stephanus bestettiget die handlung johannis vnnd verdammet Formosum. vnd hieß seinen todten leichnam. von dem er zwen finger schaffet abzeschneyden in das wasser der tyber werffen. So vernichtiget hinwiderumb Theodorus die handlung Stephani vnd bestettiget das das Formosus gehandelt het. Die nachfolgenden bebst handelten wenig lobwirdiger ding. Stephanus der sechst BOnifacius der sechst auß tuscia puertig wardt nach absterben Formosi zu babst erkorn. Wielang er aber als babst gelebt hab ist ein große mißhellung vnder den gschihtbeschreibern. aber der merer tail schreibt das er allain. xxvi. tag in dem babstthumb gelebt hab. Romanus STephanus der sechst ein roemer ein bischoff zu Agnano wardt zu babst erkorn vnd verfolget den namen des babsts Formosi. also das er von stundan seine gesetz vnd erkantnus widerrueeffet vnd sein hadlung abstellet. vnd sie sagen das diser Stephanus also wider Formosum getobet het das er nach gehaltem concili den leichnam Formosi auß dem grab ziehen. babstlicher klaidung berawben. mit werltlichem klaid bedecken vnd als einen layen begraben. vnd nach abschneydung zwayer finger die zu der weyhung oder segnung gepraucht werden. damit er die widerkunft in sein hayment vnnd sein briesterschaft verschworn het dieselben in die Tyber werffen hieß. Er starb im ersten iar vnd andern monat seins babstthumbs. ROmanus ein roemer hat nach Stephano das babstthumb nit mit gabe. sunder wie sant Peter erlangt. vnd doch alßpald die gesetze vnd handlung des babsts Stephani vernichtigt vnd abgelaynt. dann diser bebst meynung vnd kraft alle was die wie ye ir einer des andern ere vnd wirdigkeit vertilgen vnnd außrewten moecht. Er starb im dritten monat. Theodorus der ander THeodorus der ander auch ein roemer vnd babst widerbestettiget die hanndlungen Formosi. Sunst von kuertze wegen der zeit beschiht kain gedechtnus von ime dann er starb am. xx. tag seins babstthumbs. NOrmannia ein teil zu franckreich gehoerende. darinn das volck normanni genant newlich zum glawben bekert wonet hat von demselben volck den namen empfangen. Ettlich sagen sie seyen auß Norweden in Galliam komen vnd von Carolo durch streyt zum glawben gedrungen vnd ine ein gegent in gallia die noch hewtbeytag Normannia genant wirdt eingegeben worden. doch mit geding das sie etwieuil koenigen in franckreich zinsper gewesen sind. der werlt Blat CLXXIII Linea der kaiser: Arnolphus ARnolphus der sibennd franckreichisch kaiser wardt nach Carolo dem großen nach der gepurt cristi achthundert vnd in dem ainvndnewntzigisten iar an die statt Karoli des dritten erkorn vnd herrschet als kaiser .xii. iar. vnd nach dem er ein koenig teuetschs lands was do wardt er durch den babst formosum der von seinen verfolgern vergeweltigt wardt ine zebeschirmen in welsche land gefordert. vnd im ersten eingang hat er die statt bergamum gefangen vnd iren grafen gehenckt. vnnd fuerter gein rom ziehende den babst Formosum wider in sein vorige wirdikeit eingesetzt. vnd von ime die kaiserlichen kron empfangen vnd zohe wider in franckreich. Diser kayser hat die von mayntz gestrenngklich bestritten. vnd die normannos die mitsambt dem volck danorum .xl. jar galliam mit großer beschedigung verfolgten mit großen schlachten gezemet. vnd darnach das orientalisch franckreich das man das teuetsch koenigreich nennt. als bayern. schwaben. sachsen. thueringen. friesen vnd lothringen geregirt. aber Oddo des hertzogen zu sachsen sun het von kaiser Arnolphs wegen franckreich innen. so het er Cendebuldo seinem sun auß einem beyweyb geporn lothringen eingegeben. Aber nachfolgend wardt er auß zeuilgluecklichem zustand hohmueetig vnd stoltz gein menigclichem. vnd sunderlich gegen den gaistlichen. doch zu straff desselben bekrochen die hawbtwuerm vnd maden seinen leichnam also das ime kein ertzney darwider gehelffen mocht. vnd starb in demselben qual zu Otting in bayern. In disem Arnolpho hat sich der adel vnnd hoehe des roemischen kaiserthumbs bey dem franckreichischen volck geendet das sie bey hundert iarn inngehabt hetten. HVni das volck auß scithia waren in verschinen tagen mit großem mechtigem gewalt von haymand außgezogen vnd ließen sich nit nider vor vnd ee sie zu iren pluotgesyppten den hungern in pannonia wonende komen. vnd warden also gewaltig das sieb die hungern außtriben. Dassel volck was in erster zukunft daselbsthin also gesyttet das es rohs vnd zu zeitten menschen flaisch aße. Also nach wenig iaren irer zukunft als Arnolphus in franckreich zu kaiser gekorn wardt do vnderstunden sich die longobardischen eyntweders auß hoffnung des beystands der hungern wider Arnolphum. oder auß trost des vbelstands vnd zwittrechtigen wesens welscher land die roemischen zeuerachten. klain zeschetzen ine widerwerttig zesein. vnd offenliche fehd vnnd feindschaft zetragen. Als aber die roemer vnd ander walhen verstunden das sie von dem kaiser der sunst mit newen zwittrachten in franckreich bekuemert was kein hilff wider die longobardischen haben mochten do erkieseten sie Berengarium den hertzogen in foriaul auß rom puertigen zu eim kaiser. In mittler zeit vberzohen die Huni die teuetschen vnd auch die gallischen vnd haben in dem ersten heerzug vnder den teuetschen vil menschen eintweders erschlagen oder gefangen. kirchen. gotzhewßer. vnd anders gepluendert vnd berawbt vnd mit waffen vnd fewr zerbrochen vnd verwueestet. Deß gleichen haben sie auch in gallischen landen großen mercklichen rawbe genomen. vil habe vnnd guots an silber. gold. edelm gestayn vnd koestlichen klaynaten hingefueert. vnd vil schoener vnd luestiger gepew zerruedet vnd eingeworffen. Das giginacisch vnd cluniacisch closter Berno ein abbt Rudolphus ein koenig Gwillidinus der gueetig zugnambt ein hertzog zu aquitania vnd graf zu aluernia ist diser zeit an glawben. wandel. sytten. gotzdienstperkeit vnd lere in fast hoher achtung gewesen. der het keinen manlichen erben darumb pawet er in burgundia auff seinem vaterlichen grund vnd podem das cluniacensisch closter. vnd setzet Bernonem den hohgelerten man zu verwesung als einen abbt darein. dasselb closter mit großen guelten. rennten vnd zinsen versehende. BErno ein abbt des yetzgenanten closters auß burgundia puertig von edelm grafen geschlecht geporn wardt diser zeit von seiner heilligkeit vnd treffenlichen lere wegen wunderperlich gelobt. RVdolphus wardt zu eim koenig der burgundier gesetzt. dasselb reich weeret lannge zeit. Sunderoldus der ertzbischoff zu mayntz wardt von den normannis zu mayntz gemartert. Remigius der Antisiodorensisch bischoff ist diser zeit in außlegung goettlicher vnd menschlicher schriften beruembt gewesen.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Formosus. Jahr der Welt 4893, Jahr Christi 894. Formosus wurde nach Stephanus zum Papst gewählt. Er war ein Bischof von Porto. Er verließ dieses Bistum wegen der Strenge Papst Johannes’ und floh nach Gallien. Als ihm aber befohlen wurde, nach Rom zurückzukehren, und er dies missachtete, wurde er in den Bann getan und, als er nach Rom kam, seiner Würde enthoben, indem er weltliche Kleider samt weltlichen Sitten anzog. Etliche meinen, dass ihm dies widerfuhr, weil er ein Urheber und Mitwissender der Gefangenschaft Papst Johannes’ gewesen sei. Aus dieser Schmach wurde er so bewegt, dass er, von Rom ziehend, einen Eid schwor, dass er hinfort niemals mehr weder nach Rom noch auf sein Bistum kommen wolle. Aber Papst Martinus entband ihn vom Eid und setzte ihn wiederum in seine vorige Würde ein. Zuletzt starb er im 5. Jahr seines Papsttums, und der Stuhl ruhte damals zwei Tage. Bonifatius VI. Der Bibliothekar der Kirche des Heiligen Johannes in Rom hat die Geschichten von 21 Päpsten in 60 Jahren sehr genau beschrieben, mit Bestimmung und Benennung ihrer Eltern, ihres Vaterlandes und der Zeit ihrer Regierung. Denn wiewohl die anderen Geschichtsschreiber auch von vollbrachten Geschehnissen etliche und zuzeiten eitle und überflüssige Meldung tun, so haben sie doch wenig vom Römischen Reich und den Römischen Päpsten erklärende Angaben beschrieben. Aber ich weiß nicht, aus welchem Zufall es geschah, dass mitsamt der kaiserlichen Redlichkeit und Beständigkeit auch die päpstliche Kraft und Ganzheit zu Verfall und Verminderung gelangte. Dies war eine unselige Zeit, so doch (wie Plato spricht) die Bürger und das Volk so sein sollen, wie die Fürsten sind. Insbesondere sind die hiernach benannten acht Päpste kurze Zeit gesessen und mit mancherlei Anstößen und Zwietrachtigkeiten bewegt worden. Denn Stephanus bestätigte die Handlung des Johannes und verdammte Formosus und hieß seinen toten Leichnam, von dem er zwei Finger abschneiden ließ, in das Wasser des Tibers werfen. So annullierte wiederum Theodorus die Handlung Stephani und bestätigte, was Formosus gehandelt hatte. Die nachfolgenden Päpste handelten wenig lobenswerter Dinge. Stephan VI. Bonifatius VI., aus der Toskana gebürtig, wurde nach dem Absterben Formosus’ zum Papst gewählt. Wie lange er aber als Papst gelebt habe, ist eine große Meinungsverschiedenheit unter den Geschichtsschreibern, aber der größere Teil schreibt, dass er allein 26 Tage in dem Papsttum gelebt habe. Romanus. Stephan VI., ein Römer, ein Bischof zu Anagni, wurde zum Papst gewählt und verfolgte das Andenken des Papstes Formosus, sodass er sogleich seine Gesetze und Dekrete widerrief und sein Vorgehen einstellte. Und sie sagen, dass dieser Stephanus also wider Formosus getobt hatte, dass er nach abgehaltenem Konzil den Leichnam Formosus’ aus dem Grab ziehen, päpstlicher Kleidung berauben, mit weltlichem Kleid bedecken und als einen Laien begraben ließ; und nach Abschneidung zweier Finger, die zu der Weihe oder Segnung gebraucht werden, womit er die Rückkehr in sein Heimatland und seine Priesterschaft geschworen hatte, dieselben in den Tiber werfen hieß. Er starb im ersten Jahr und zweiten Monat seines Papsttums. Romanus, ein Römer, hat nach Stephanus das Papsttum nicht durch Bestechung, sondern wie der Heilige Petrus erlangt und doch alsbald die Gesetze und Handlungen des Papstes Stephanus vernichtet und abgelehnt. Denn die Meinung und Kraft dieser Päpste war nur darauf gerichtet, wie jeder die Ehre und Würde des anderen vernichten und ausrotten könnte. Er starb im dritten Monat. Theodorus II. Theodorus II., auch ein Römer und Papst, wiederbestätigte die Handlungen Formosus’. Sonst geschieht wegen der Kürze der Zeit keine Erinnerung von ihm, denn er starb am 20. Tag seines Papsttums. Die Normandie, ein zu Frankreich gehörender Teil, in dem das Volk, Normannen genannt, das kürzlich zum Glauben bekehrt wurde, wohnt, hat von demselben Volk den Namen empfangen. Etliche sagen, sie seien aus Norwegen nach Gallien gekommen und von Karl durch Streit zum Glauben gedrängt worden, und ihnen sei eine Gegend in Gallien, die noch heutzutage Normandie genannt wird, eingegeben worden, doch unter der Bedingung, dass sie einigen Königen in Frankreich tributpflichtig gewesen sind. Blatt 173 der Weltchronik. Linie der Kaiser: Arnulf. Arnulf, der siebte fränkische Kaiser, wurde nach Karl dem Großen, im Jahr 891 nach Christi Geburt, an die Statt Karls III. gewählt und herrschte als Kaiser 12 Jahre. Und nachdem er ein König des deutschen Landes war, wurde er durch den Papst Formosus, der von seinen Verfolgern bedrängt wurde, gefordert, ihn in den italienischen Ländern zu beschirmen. Und beim ersten Einzug hat er die Stadt Bergamo gefangen und ihren Grafen gehängt. Und weiter, nach Rom ziehend, setzte er den Papst Formosus wieder in seine vorige Würde ein und empfing von ihm die kaiserliche Krone und zog wieder nach Frankreich. Dieser Kaiser hat die von Mainz streng bekämpft und die Normannen, die mitsamt dem Volk der Dänen 40 Jahre Gallien mit großer Verwüstung verfolgten, mit großen Schlachten gezähmt. Und darnach regierte er das Ostfrankenreich, das man das deutsche Königreich nennt, wie Bayern, Schwaben, Sachsen, Thüringen, Friesen und Lothringen. Aber Otto, der Sohn des Herzogs zu Sachsen, hatte Frankreich (das Ostfrankenreich) inne im Namen Kaiser Arnulfs. So hatte er Zwentibold, seinem Sohn, der von einer Beischläferin geboren war, Lothringen eingegeben. Aber nachfolgend wurde er aus zu glücklichem Zustand hochmütig und stolz gegenüber jedermann und insbesondere gegen die Geistlichen. Doch zur Strafe desselben bekrochen Hauptwürmer und Maden seinen Leichnam, sodass ihm keine Arznei dagegen helfen mochte, und er starb in demselben Qual zu Ötting in Bayern. In diesem Arnulf hat sich der Adel und Glanz des Römischen Kaisertums bei dem fränkischen Volk, das sie etwa hundert Jahre innegehabt hatten, geendet. Die Hunnen, das Volk aus Skythien, waren in vergangenen Tagen mit großem, mächtigem Gewalt von ihrer Heimat ausgezogen und ließen sich nicht nieder, bevor sie zu ihren Blutverwandten, den Ungarn in Pannonien wohnend, kamen. Und sie wurden also gewaltig, dass sie die Ungarn austrieben. Dasselbe Volk war bei seiner ersten Ankunft daselbst so gesittet, dass es rohes und zuzeiten Menschenfleisch aß. Also nach wenigen Jahren ihrer Ankunft, als Arnulf in Frankreich zum Kaiser gewählt wurde, da unternahmen es die Langobarden, entweder aus Hoffnung auf den Beistand der Ungarn wider Arnulf, oder ermutigt durch den Übelstand und das zwieträchtige Wesen der italienischen Länder, die Römer zu verachten, ihn gering zu schätzen, ihm widerwärtig zu sein und offene Fehde und Feindschaft zu tragen. Als aber die Römer und andere Italiener verstanden, dass sie von dem Kaiser, der sonst mit neuen Zwietrachtigkeiten in Frankreich bekümmert war, keine Hilfe wider die Langobarden haben mochten, da erwählten sie Berengar, den Herzog in Friaul, aus Rom gebürtig, zu einem Kaiser. In mittlerer Zeit überzogen die Hunnen die Deutschen und auch die Gallier und ha...