Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter JOhannes der .ix. ein roemer nach theodoro babst erkorn hat die sachen des babsts Formosi alßpald in gentzigkeit vnd widerbringung gesetzt auff widerstand des merern tails des roemischen volcks. darauß entstuond ein solche auffruor das es schier zum krieg komen wer. dann er zohe gein rauennam versamlet daselbst .lxxiiii. bischoff vnd vernichtiget die hanndlung babsts Stephani vnd bestettiget die sachen Formosi mit ertaylung. das Stephanus vnordenlich gesetzt het. das die ihenen widerumb zeweyhen vnd zeordnen weren die Formosus zu der weyhe vnnd ordnung berueefft het. Soelchs kome auß dem das die bebst ab den fuoßstapffen sant Peters getretten weren. vnd der gemain cristenlich stand fawl. treg vnd versewmlich vorgeer oder regirer het. Diser Johannes starb im andern iar seins babstthumbs. vnd ließ nichts gedechtnus wirdigs dann allain das er ettliche schier außgeloescht zwittrachtigkeit herwiderumb vernewet. BEnedictus der vierdt auch ein roemer wardt von seiner gueetigkeit vnd muetigkeit wegen zu babst erkorn. der dann mit großem lob in solchen zerruedten sitten der bebst sein leben bestendigclich vnnd on gemercke oder mayle einicher verlewmung durch fueeret. Doch finden wir nichtz von ime beschehen das fast geolbt werden moecht. dann derselben zeit begegnet ein solcher vnfall das alle tugent in dem hawbt vnd auch in den glidern auß versewmlichkeit vnd laßheit der menschen verzeret was. Er starb seins babvthumbs im andern iar. LEo der fuenft ein babst (dess heymannd die gschihtbschreiber nit setzen) ward von cristofero seinem diener auß begirde zeherrschen gefangen vnd in den kerker geworffen. das dann on große aufruor vnd on vil menschen verderbnus nicht beschehen mocht. Also bekuemeret cristoferus den babstlichen stuol am .xl. tag des babstthumbs Leonis. Vnd als nw diser Leo sich der eren berawbet sahe vnnd zuuoran von eim diener dem er vil guottat bewisen het do starb er vnlang darnach von schmertzen seins gemueets. CRistoferus des vaterland vnd zunamen von seins vnadels wegen nit wissentlich ist hat nach dem außgeworffen Leone den babstthumb mit boesen kuensten vnd argen listen erlangt vond boeßlich wider verloren. dann er wardt in dem sibenden monat der wirdigkeit (gar billich) berawbt vnd in ein closter gestoßen vnd darnach von babst Sergio seinem nachkomen wider auß dem closter genomen vnd in einen offen kercker geworffen. vnd vnlang darnach ime zu groeßrer pein in einen harttern keker gedrungen. daselbst starb er zu letst ellendigclich vnd erbermdlich. MIchaelis des ertzengels erscheinung ist vor disen zeiten in apulia bey der statt Sypontum auff dem berg Gargano beschehen. darauff dann nachfolgend von solcher gedechtnus wegen ein statt mit eim tempel vnd andern schoenen gepewen aufgerichtet wardt. Daselbsthin noch bis hieher auß aller cristenlicher erden vil volcks mit grossem zulawff wallet. NAch disen zeitten sind fewrine fackeln am hymel vnd scheynend vnd vngewoenlicher weiß durcheinander lawffend stern gesehen worden. Vnlang darnach zohen die hungern in welsche land vnd beschahen groß schlachten zu beder seytten. 'EIn comet vngewoenlichs glantzs erschyne. darnach volget ein große gueß der wasser. vnd sunderlich in sachsen. SErgius der dritt ein roemer hat nach empfangnem babstthumb die lateranensischen sant Johansen kirchen. die deßmals pawfellig worden was widergepawet. vnd dieweil er nochmals ein diacon was do keret er fleiß an zeuerhindern dz Formosus nit babst werden solt. Demnach wardt er von formoso verfolgt. Als er aber babst wardt do zohe er in Galliam. vnnd keret darnach auß gunst vnnd gnad Lotharii widerumb in welsche land vnd fieng Cristoferum den verfolger des babstthumbs vnd leget ine in fangknus vnd vernichtiget die geschihten vnd handlungen Formosi also das not was die ihenen nochmals zu der weyhe zuzelassen. die formosus briesterlicher weyhe wirdig geachtet het. vnd zu einer rachsale ließ er seinen leichnam auß dem grab ziehen vnd ine als wer er lebendig enthawbten. vnd den leichnam in die Tyber werffen in gestalt als wer er der begrebnus vnd menschlicher ere nit wirdig. der werlt Blat CLXXIIII LVdwicus der dritt des kaisers Arnolphi sun volget seim vater im regiment nach. im iar des hayls .ixc.iii. vnd regiret .x. iar. vnd mocht doch nach dem das reich in zerstrewtem wesen stund zu der kaiserlichen bekroenung nit komen. Aber die franckreichischen setzten ine nach seinem vater zu eim koenig der frantzosen vnnd teuetschen vnder dem tittel des kaiserthumbs. vnnd wardt in dem stettlein Forchem zu koenig gemacht. vnd auff das er Lendebuldo dem die Lothringischen fuersten widerwertig waren widerstand thun moecht so wardt er zum reich des gantzen belgischen niderlands gefordert. darauff verheeret vnd verwueestet Lendebuldus Lothringen mit waffen vnd fewr. Aber er wardt zu letst von den grafen Stephano Gerardo vnd Manfredo erschlagen. Nach der menschwerdung christi .ixc.v. iar zohe Ludwicus der sun Bosonis des koenigs der roemischen gegent vnd burgundie in welsch land vnnd bracht es alles in seinen gewalt. schicket sein ritterschaft von ime vnd kome mit klainer anzal gein Beren. daselbst wardt er durch verretterey gefangen vnd seins gesihts berawbt. vnd Berengarius in das welsch koenigreich mit dem kaiserthumb eingesetzt. Aber ludwig der koenig teuetschs lands vnd bey den frantzosen vnd teuetschen ein kaiser starb on erben. In dem vnd in Lendebuldo seim bruder sol sich (als man sagt) das Carolinisch geschlecht geendet haben. vnnd also ist das kaiserthumb das das geschlecht des großen kaiser Karls hundert vnd .x. iar beseßen het auff die longobardischen gewendet worden. Nach absterben kaiser Ludwigs wardt Otto der hertzog zu sachsen gar ein hohberuembter betagter fuerst von menigclichen zum regimennt gefordert. aber er wolt sich auß vrsachen seins alters da mit nit beladen laßen. CVnradus der erst ein sun Cunradi. den graff Albrecht erschluog ward auß rat des benanten hertzog Otten mit aller frantzosischen verwilligung zu koenig erkorn. im iar des herren .ixx.xiii. Er ist zu der kaiserlichen bekroenung nit kome. noch auch von den walhen so er bey inen nicht geregirt hat vnder den kaisern gezelet. doch regiret er bey den teuetschen vnd gallischen .vii. iar. Im ersten iar seins reichs warden die hungern. die zu verwueestung des ertreichs außgerayset warn von den schwaben vnnd bayern bey dem rhein ernidergelegt. Darnach fluhe Arnolphus der hertzog zu bayern der dann koenig Cunraten widerwerttig was mit weib vnd kindern gein hungern daselbst blibe er bis koenig Cunrat starb. HEinricus der erst der demueetig genant ein hertzog zu sachßen hertzog otten sun regiret in dem orientischen franckreich. vnd empfieng in dem iar des herren .ixc.xx. in teuetschen landen das kaiserthumb. vnd herrschet .xviii. iar dieweil Carolus der koenig zu parys das nyder franckreich regiret. Er hat die hungern vnd beheim die dz sachsisch lannd vberzogen hetten mit schwerer irer nyderlag bestritten. Sein eegemahel hieß Mathildis. die wz ein durchleuechtige fraw wunderperlicher sueßigkeit. gnad vnd senftmueetigkeit. vnd mit glantz aller andrer tungent gezieret. Die gepare von dem sachsischen geschlecht Ottonem den großen. vnnd Heinrichen hertzogen zu bayern. Aber die schwester diss Heinrichs Baba genant gepare graff Albrechten. von dem hernach meldung beschiht. Diser Heinrich hat das heillig speer mit den nageln christi ihesu von Rudolpho dem koenig zu burgundia mit bedroungen erlangt. vnd ime auch ettliche schanckung. vnd einen tail des schwebischen lands deßhalb gegeben. vnnd dasselb sper seinen nachkomen zu einer zierde vnd beschuetzung des kaiserthumbs gelaßen. ZV den zeitten Ludwigs des dritten hat der edel Albrecht graff zu Francken hertzog otten zu sachßen enicklein Cunraten koenig Ludwigs sun erschlagen. demnach belegeret koenig ludwig denselben albrechten im schloß babenberg. der wardt auß betriegnus vnd arglistikeit hattonis des mayntzischen ertzbischofs zum kaiser gefueert vnd enthawbtet. Auß seinem pluot sol vrsprung gehabt haben der albrecht der darnach oesterreich an des roemisch kaiserthumb gebracht hat. HAtto ertzbischoff zu mayntz ist der. der graff albrechten von babenberg listigclich in den tod gegeben hat. Diser Hatto het auch auff koenig Cunrats anregung ein guldeins halßpannd laßen machen in fuersatz hertzog Heinrichen von sachßen. dem koenig Cunrat feind was da mit zefahen. Aber hertzog heinrich wardt gewarnet vnd der bischoff seins argen anschlags berawbt. vnnd vber drey tag darnach mit eim donrslag getoedt. von den teuefeln in einen fewrigen prunnen auff eim berg in Sicilia gestuertzt.
Das sechste Zeitalter. Johannes IX., ein Römer, nach Theodor zum Papst gewählt, hat die Angelegenheiten Papst Formosus' sogleich wiederhergestellt und in Ordnung gebracht, trotz des Widerstands des größeren Teils des römischen Volkes. Daraus entstand ein solcher Aufruhr, dass es beinahe zum Krieg gekommen wäre. Denn er zog nach Ravenna, versammelte dort 74 Bischöfe und annullierte die Handlungen Papst Stephans und bestätigte die Beschlüsse Formosus' mit der Anordnung, dass Stephanus unordentlich festgelegt hatte, dass diejenigen erneut zu weihen und zu ordinieren seien, die Formosus zur Weihe und Ordination berufen hatte. Solches rührte daher, dass die Päpste von den Fußstapfen des heiligen Petrus abgewichen waren und der allgemeine christliche Stand faule, träge und nachlässige Vorsteher oder Regenten hatte. Dieser Johannes starb im zweiten Jahr seines Pontifikats und hinterließ nichts Denkwürdiges, außer dass er einige beinahe ausgelöschte Zwietrachtigkeiten erneut entfachte. Benedikt IV., ebenfalls ein Römer, wurde wegen seiner Güte und Milde zum Papst gewählt, der dann mit großem Lob in solch zerrütteten Sitten der Päpste sein Leben beständig und ohne Anzeichen oder Makel irgendeiner Verleumdung führte. Doch finden wir nichts von ihm geschehen, das besonders gerühmt werden könnte, denn zu derselben Zeit ereignete sich ein solcher Unglücksfall, dass alle Tugend im Haupt und auch in den Gliedern durch Nachlässigkeit und Trägheit der Menschen aufgezehrt war. Er starb im zweiten Jahr seines Pontifikats. Leo V., ein Papst (dessen Herkunft die Geschichtsschreiber nicht angeben), wurde von Christophorus, seinem Diener, aus Herrschsucht gefangen genommen und in den Kerker geworfen, was dann nicht ohne großen Aufruhr und ohne viel Menschenverderben geschehen konnte. So bemächtigte sich Christophorus des päpstlichen Stuhls am 40. Tag des Pontifikats Leos. Und als nun dieser Leo sich der Ehre beraubt sah, und zuvor von einem Diener, dem er viele Wohltaten erwiesen hatte, da starb er unlängst danach aus Schmerz seines Gemütes. Christophorus, dessen Vaterland und Zuname wegen seines niederen Standes nicht bekannt ist, hat nach dem gestürzten Leo das Papsttum mit bösen Künsten und arglistigen Machenschaften erlangt und böslich wieder verloren, denn er wurde im siebten Monat der Würde (ganz zu Recht) beraubt und in ein Kloster gestoßen und danach von Papst Sergius, seinem Nachfolger, wieder aus dem Kloster genommen und in einen offenen Kerker geworfen und unlängst danach, ihm zu größerer Pein, in einen härteren Kerker gedrängt. Dort starb er zuletzt elendig und erbärmlich. Die Erscheinung des Erzengels Michael geschah vor diesen Zeiten in Apulien bei der Stadt Sipontum auf dem Berg Gargano. Daraufhin wurde nachfolgend wegen solcher Gedenkwürdigkeit eine Stadt mit einem Tempel und anderen schönen Gebäuden errichtet. Dorthin pilgern noch bis heute aus allen christlichen Ländern viele Menschen mit großem Zulauf. Nach diesen Zeiten wurden feurige Fackeln am Himmel und leuchtende und auf ungewöhnliche Weise durcheinanderlaufende Sterne gesehen. Unlängst danach zogen die Ungarn in die welschen Länder und es geschahen große Schlachten auf beiden Seiten. Ein Komet von ungewöhnlichem Glanz erschien. Danach folgte ein großes Hochwasser, und besonders in Sachsen. Sergius III., ein Römer, hat nach Empfang des Papsttums die Lateranensische Kirche des heiligen Johannes, die damals baufällig geworden war, wiederaufgebaut. Und während er noch Diakon war, bemühte er sich eifrig zu verhindern, dass Formosus nicht Papst werden sollte. Demnach wurde er von Formosus verfolgt. Als er aber Papst wurde, zog er nach Gallien und kehrte danach aus Gunst und Gnade Lothars wieder in die welschen Länder zurück und fing Christophorus, den Verfolger des Papsttums, und legte ihn in Gefangenschaft und annullierte die Taten und Handlungen Formosus' derart, dass es notwendig war, diejenigen nochmals zur Weihe zuzulassen, die Formosus der priesterlichen Weihe würdig erachtet hatte. Und zur Rache ließ er seinen Leichnam aus dem Grab ziehen und ihn, als wäre er lebendig, enthaupten und den Leichnam in den Tiber werfen, in der Art, als wäre er der Begräbnis und menschlicher Ehre nicht würdig. Der Welt, Blatt 174. Ludwig III., der Sohn Kaiser Arnulfs, folgte seinem Vater in der Regierung nach im Jahr des Heils 903 und regierte 10 Jahre und konnte doch, nachdem das Reich in zerrüttetem Zustand war, nicht zur kaiserlichen Krönung gelangen. Aber die Franken setzten ihn nach seinem Vater zu einem König der Franzosen und Deutschen unter dem Titel des Kaisertums ein und wurde in dem Städtchen Forchheim zum König gemacht. Und damit er Liutbald, dem die lothringischen Fürsten feindlich gesinnt waren, Widerstand leisten konnte, so wurde er zum Reich des gesamten belgischen Niederlands gefordert. Daraufhin verheerte und verwüstete Liutbald Lothringen mit Waffen und Feuer. Aber er wurde zuletzt von den Grafen Stephan, Gerard und Manfred erschlagen. Nach der Menschwerdung Christi im Jahr 905 zog Ludwig, der Sohn Bosos, des Königs der römischen Gegend und Burgunds, in die welschen Länder und brachte alles in seine Gewalt, schickte seine Ritterschaft von sich und kam mit kleiner Anzahl nach Berengar. Dort wurde er durch Verräterei gefangen und seines Augenlichts beraubt und Berengar in das welsche Königreich mit dem Kaisertum eingesetzt. Aber Ludwig, der König des deutschen Landes und bei den Franzosen und Deutschen ein Kaiser, starb ohne Erben. In ihm und in Liutbald, seinem Bruder, soll sich (wie man sagt) das karolingische Geschlecht geendet haben, und so ist das Kaisertum, das das Geschlecht des großen Kaisers Karl hundert und 10 Jahre besessen hatte, auf die Langobarden übergegangen. Nach dem Ableben Kaiser Ludwigs wurde Otto, der Herzog von Sachsen, ein sehr hochberühmter, betagter Fürst, von vielen zur Regierung aufgefordert, aber er wollte sich aus Altersgründen damit nicht belasten lassen. Konrad I., ein Sohn Konrads, den Graf Albrecht erschlug, wurde auf Rat des genannten Herzogs Otto mit aller fränkischen Zustimmung zum König gewählt im Jahr des Herrn 913. Er ist nicht zur kaiserlichen Krönung gelangt, noch wurde er von den Welschen, da er bei ihnen nicht regiert hat, unter den Kaisern gezählt, doch regierte er bei den Deutschen und Galliern 7 Jahre. Im ersten Jahr seines Reiches wurden die Ungarn, die zur Verwüstung des Landes ausgerückt waren, von den Schwaben und Bayern bei dem Rhein niedergemacht. Danach floh Arnulf, der Herzog von Bayern, der König Konrad feindlich gesinnt war, mit Weib und Kindern nach Ungarn; dort blieb er, bis König Konrad starb. Heinrich I., genannt der Demütige, ein Herzog von Sachsen, Sohn Herzog Ottos, regierte im östlichen Frankenreich und empfing im Jahr des Herrn 920 in deutschen Landen das Kaisertum und herrschte 18 Jahre, während Karl, der König zu Paris, das Niederfrankenreich regierte. Er hat die Ungarn und Böhmen, die das sächsische Land überzogen hatten, mit schwerer Niederlage bekämpft. Seine Ehegemahlin hieß Mathilde. Sie war eine durchlauchtige Frau.