Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter BAbenberg ist ein wolberuembte statt des franckenlands mit dem fluss rednitz getailt an eim guotten vnd fruchtpern ortt gelegen. Diser fluss der rednitz nymbt nit verre vnderhalb nurmberg den fluss begnitz genant in sich vnd gibt den bambergischen inwonern mancherlay lusts vnd nutzperkeit von fueegclicher vnd schicklicher schiffung wegen daselbst. von dannen fleueßet dise rednitz hinab in den fluss des Mayns. der dann nit wenig stett des franckenlands fuerfleueßet. Ob der statt auff eim hohen berg ist ein burg oder schloß von natur vnd mit kunst befestigt. Nw hett Luitolfus der hertzog zu sachßen einen sun genant otto der gepare heinrichen den demueetigen zugenambt (der darnach roemischer koenig vnd teuetschem land vor was) vnd ein tochter baba genant. von der dise statt babenberg den namen hat wiewol sie von ettlichen pfabenberg genennt wirdt. Dieselb Baba grefin zu babenberg gepare zwen suene Reynoldum (den hertzog Cunrat erschlug) vnnd Albrechten den edelsten grafen der francken des vorgenanten Otten hertzogen in sachßen vnnd thueringen enicklein. der den Cunraten den bruder koenig Ludwigs von erschlagung wegen seins bruders auch vom leben zum tod bracht vnd sich darumb in die benantten burg fueeget vnd ettwielanng des koenigs belegerung geduldet. Vnd nach dem aber die bestreyttung der burg fuer schwerlich geachtet wardt. so wardt zu arglistigkeit vnd betriegerey zuflucht genomen vnnd Hatto der bischoff zu Mayntz als ein diener solcher vbeltat gefunden. dann er zohe zu graff albrechten auff die burg vnd saget er woelt des kriegs ein entschaider sein vnd batte den grafen zum kaiser hinab in das heergeleger zekomen so woelt er ime frid geben oder ine vnbeschedigt widerumb in die burg fueren. dem glawbet graff albrecht vnd empfieng darauff geluebd vnd ayd von Hattone dem ertzbischoff vnd gieng mit ime fuer die burg. vnnd als sie aber kawm herauß komen waren do sprach Hatto. die sachen moechten sich villeicht bey dem kaiser lang verziehen darumb moecht ein nuetzer rat sein vor die speiß zenemen. dem grafen gefielen die wort des bischofs wol vnd gieng wider in die burg hinein vnd gab dem bischof das fruemal zeessen vnd begeret keiner andern sicherheit von ime. Als sie nw geessen hetten do zohe graff Albrecht mit dem bisschoff hin zu dem kaiser. daselbst wardt er alßpald gefangen vnnd zum tod verurteilt do vermanet der graff den bischoff seiner vertroestung vnd zusagung der sicherheit. der wenig gotzfoerchtig bischoff antwurtet vnd sprach das er seinen ver- der werlt Blat CLXXV trawen vnd zuosagen genuog getan. do er ine erstlich auß der burg vnd alßpald widerumb hynein zu dem frueemal vnbeschedigt gefueer hett. dann er het ime nicht versprochen ine zwaymal wider haym zefueeren. also ward der vnglueckhaftig Albrecht enthawbtet. Baß haben die roemer gehandelt die der gleichen listigkeit geprauchende einen auß den gefangen von Hanibale gein rom gesendt gepunden hinwider schickten. Die ligenden gueeter die graff Albrecht gehabt het gelangten darnach an das reich. So hatt kaiser Otto der dritt sant Heinrichen vil ligender guoeter gegeben. als in seiner freiheit geschriben steet. also lawtennde. Zu wissen sey allen cristglawbigen menschen das wir auff begerung vnd anrueeffung vnßerer liebsten muoter Adelheide vnßerm lieben enigklein hertzog Heinrichen zu bayern vnßer statt Babenberg genant mit allen darzu gehoerenden dingen auß vnßerm kaiserlichen gewalt vnd macht zu geprauch ewiger aigenschaft verlihen vnd festigclich vbergeben haben etc. Dise statt hat darnach sant kaiser Heinrich gar schoen gezieret vnd ein loebliche bischofliche kirchen vnd hof darinn gestiftet mitsampt seiner gemaheln der heilligen iunckfrawen Kunegunde. dann sie haben nichtz in irem leben vnderwegen gelaßen das sie zu der ere gottes dienstlich vnd fuerderlich geachtet haben. Sie haben auch nach irem absterben in derselben koenigclichen thumbkirchen in vil wunderzaichen geschynen. Daselbst ist auch Berengarius begraben. der das welsch koenigreich eroberet vnd von Ottone dem ersten gefangen vnd in teuetsch land gefueert wardt vnnd daselbst im ellend starb. Dise statt wirdt auch geziert mit gemainen gepewen vnnd gar schoenen heilligen gotzhewßern. Sannt Otto ir bischoff vnd ein appostel des lands zu pomern ist daselbst zu babenberg mitsambt sant Georgen fanne oder panyer. Sie glawben auch zwen auß den sechß krueegen daselbst sein in den von dem herren vnßerm hayland weyn auß wasser gemacht ist als die histori der euangelesten setzt. Auch das schwert da mit Petrus dem malcho sein or abgehawen hat. Das lob vnd die beschreibung diser statt hat Gotfredus von Viterbia der treffenlich gschihtbschreyber in schoenem artlichem gepundnem gedicht huebsch vnd aigentlich gemeldet vnd zeerkennen gegeben. Wer des vnderichtung haben woel der such es in dem lateinischen druck bey ende der beschreibunb diser statt babenberg. Babenberg |
Das sechste Zeitalter. Bamberg ist eine wohlberühmte Stadt des Frankenlandes, geteilt durch den Fluss Rednitz, an einem guten und fruchtbaren Ort gelegen. Dieser Fluss Rednitz nimmt nicht weit unterhalb Nürnbergs den Fluss Begnitz in sich auf und bietet den Bamberger Einwohnern mancherlei Freude und Nutzen aufgrund der bequemen und geeigneten Schifffahrt dort. Von dort fließt diese Rednitz hinab in den Fluss Main, der dann nicht wenige Städte des Frankenlandes durchfließt. Oberhalb der Stadt, auf einem hohen Berg, befindet sich eine Burg oder ein Schloss, von Natur aus und mit Kunst befestigt. Nun hatte Liudolf, der Herzog zu Sachsen, einen Sohn namens Otto, der Heinrich den Demütigen zeugte (welcher danach römischer König und Herrscher über das deutsche Land war), und eine Tochter namens Baba. Von ihr hat diese Stadt Bamberg ihren Namen, wiewohl sie von etlichen auch Pfabenberg genannt wird. Dieselbe Baba, Gräfin zu Bamberg, gebar zwei Söhne: Reynold (den Herzog Konrad erschlug) und Albrecht, den edelsten Grafen der Franken, einen Enkel des vorgenannten Herzogs Otto von Sachsen und Thüringen. Dieser brachte Konrad, den Bruder König Ludwigs, wegen der Ermordung seines Bruders ebenfalls vom Leben zum Tode und begab sich darum in die benannte Burg und duldete etliche Zeit die Belagerung des Königs. Und nachdem aber die Bestreitung der Burg als schwerlich erachtet wurde, so wurde zur Arglist und Betrügerei Zuflucht genommen, und Hatto, der Bischof zu Mainz, wurde als ein Diener solcher Übeltat gefunden. Denn er zog zu Graf Albrecht auf die Burg und sagte, er wolle des Krieges ein Entscheider sein, und bat den Grafen, zum Kaiser hinab ins Heerlager zu kommen, so wolle er ihm Frieden geben oder ihn unbeschädigt wieder in die Burg führen. Dem glaubte Graf Albrecht und empfing darauf Gelübde und Eid von Hatto, dem Erzbischof, und ging mit ihm vor die Burg. Und als sie aber kaum herausgekommen waren, da sprach Hatto: „Die Sachen könnten sich vielleicht beim Kaiser lange hinziehen, darum könnte es ein nützlicher Rat sein, zuvor die Speise einzunehmen.“ Dem Grafen gefielen die Worte des Bischofs wohl, und er ging wieder in die Burg hinein und gab dem Bischof das Frühmahl zu essen und begehrte keine andere Sicherheit von ihm. Als sie nun gegessen hatten, da zog Graf Albrecht mit dem Bischof hin zum Kaiser. Daselbst wurde er alsbald gefangen und zum Tode verurteilt. Da ermahnte der Graf den Bischof seiner Versicherung und Zusage der Sicherheit. Der wenig gottesfürchtige Bischof antwortete und sprach, dass er seinen Versprechen und Zusagen genug getan habe, da er ihn erstlich aus der Burg und alsbald wieder hinein zum Frühmahl unbeschädigt geführt hatte. Denn er hatte ihm nicht versprochen, ihn zweimal wieder heimzuführen. So wurde der unglückselige Albrecht enthauptet. Besser haben die Römer gehandelt, die einen der Gefangenen, die Hannibal nach Rom gesandt hatte und der eine ähnliche List gebrauchte, gefesselt zurückschickten. Die liegenden Güter, die Graf Albrecht gehabt hatte, gelangten danach an das Reich. So hat Kaiser Otto der Dritte dem heiligen Heinrich viele liegende Güter gegeben, wie in seiner Freibrief geschrieben steht, also lautend: „Zu wissen sei allen christgläubigen Menschen, dass wir auf Begehren und Anrufung unserer liebsten Mutter Adelheid unserem lieben Enkel, Herzog Heinrich zu Bayern, unsere Stadt namens Bamberg mit allen dazugehörenden Dingen aus unserer kaiserlichen Gewalt und Macht zum Gebrauch ewigen Eigentums verliehen und festiglich übergeben haben etc.“ Diese Stadt hat danach der heilige Kaiser Heinrich sehr schön geziert und eine lobenswerte bischöfliche Kirche und einen Hof darin gestiftet, mitsamt seiner Gemahlin, der heiligen Jungfrau Kunigunde. Denn sie haben nichts in ihrem Leben unterlassen, was sie zur Ehre Gottes als dienlich und förderlich erachtet haben. Sie haben auch nach ihrem Absterben in derselben königlichen Domkirche in vielen Wunderzeichen geschienen. Daselbst ist auch Berengar begraben, der das welsche Königreich eroberte und von Otto dem Ersten gefangen und in deutsches Land geführt wurde und daselbst im Elend starb. Diese Stadt wird auch geziert mit gemeinen Bauten und sehr schönen heiligen Gotteshäusern. Der heilige Otto, ihr Bischof und ein Apostel des Landes Pommern, ist daselbst zu Bamberg mitsamt der Fahne oder dem Banner des heiligen Georg. Sie glauben auch, dass zwei der sechs Krüge dort sind, in denen vom Herrn, unserem Heiland, Wein aus Wasser gemacht wurde, wie die Geschichte der Evangelisten berichtet. Auch das Schwert, womit Petrus dem Malchus sein Ohr abgehauen hat. Das Lob und die Beschreibung dieser Stadt hat Gottfried von Viterbo, der treffliche Geschichtsschreiber, in schönem, kunstvollem, gebundenem Gedicht hübsch und zutreffend gemeldet und zu erkennen gegeben. Wer darüber Unterrichtung haben will, der suche es im lateinischen Druck am Ende der Beschreibung dieser Stadt Bamberg.