Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Anastasius der dritt // Lanoo // Johannes der .x. // Leo der sechst // Stephanus der sibend ANastasius der dritt ein roemer ist nach Sergio babst gewesen vnder dem Landulphus der beneuentanisch fuerst in apulia wider die kirchen mit schwerem streyt kempfet vnd obsyget. Diser babst lebet gar beschaydenlich vnd volkomenlich im babstthumb vnd het nichtz streflichs in ime. Ein solchs lob find man von ime das er keinen babst vor ime gewesen vbels nach geredt hab vnd er starb im andern iar seyns babstthumbs. LAndo der babst ein roemer ist eins solchen vnberuembten tunckeln lebens gewesen das ettliche ine vnder den bebsten nit zelen. vnd allermayst Vincentius der gschihbschreiber. aber anders halten Martinus vnnd Gotfredus. Die schreiben das Lando mit seinem gewalt vnd gepote vnderkomen hab das Berengarius vnd Rudolphus der sun Gwidonis sich vndereinander nicht bekriegten. Vnd diser Landus starb im sechsten iar am. xxi. tag seins babstthumbs. Der Cluniacensisch orden Oddo DEr cluniacensisch orden hat nach der gepurt cristi .ixc.xiii. iar vnder sant benedicten regel von Oddone dem abbt vnd fast heilligen man anfang genomen. dann als berno der abbt yetzo sterben solt do setzet er disen oddonem zu eim abbt des cluniacensischen closters mit dem geding das die clunacensisch kirch der gigmacensischen kirchen ierlich. xii. pfennig bezalen solt. vnd nach dem die moench von sant benedicten aufsatzungen vnd regeln schier abgenaygt waren do lebet diser oddo also heilligclich in cloesterlicher zucht bey inen das sie als die halb todten durch anzuendung diss menschens heilligkeit widerumb zu der inpruenstigkeit der andacht bewegt warden. vnd also die loeblich einstiftung des heiligen vaters benedicti wider anfienge zeleben. Diser oddo ward erstlich von remigio dem antisiodorensischen bischof in der musica vnd dialetica vnderwisen. vnnd schrib die histori von sancto Martino. JOhannes der zehend ein roemer trat in dz babstthumb nach cristi gepurt .ixc.ix. iar. Er wz dauor ein bischof zu Rauenna gewesen vnd in einer auffruor des volcks auß demselben bistumb geworffen worden. aber er was in seinem babstthumb mer zu ritterlichen sachen dann zu gaistlichen vbungen genaigt. Nw bedorft die kirch eins solchen babsts der dann mitsambt albericio dem ethrurischen margrafen wider die sarracen die manche ort in welschem land bekuemerten gefochten vnd sie vberwunden vnd auß den roemischen gegenten vertriben hat. Do zohe diser babst in gestalt eins triumphs gein rom ein. dar durch erwecket er einen haß in albericio. vnnd als er aber denselben albericium auß der statt rom getriben het do forderet albericius die hungern in welsche land. die stiften mer iamers in welschem land denn die sarracen. Diser Johannes wardt von der ritterschaft Gwidonis gefangen vnd mit einem kyße ersteckt im. xiii. iar seins babstthumbs. vnd wiewol ein andrer Johannes an die stat kom yedoch nach dem er den stuol mit gewalt bekuemert wardt er gar pald abgestoßen vnd darumb nit wirdig der babstlichen zal. Leo der .vi. auch ein roemer wardt gepuerlicher weiß ein babst erkorn. vnd wiewol er als ein guoter frummer man sich vnderstuond ein loeblich weßen zefueern. erweckte zwittrechtigkeit zestillen. frid zemachen. der feind aufzehalten etc. so starb er doch seins babbstthumbs im sybenden monat. Stephanus der .vii. auch ein roemer ist zu der zeit babst worden als die hungern alemaniam vnd sachßen land verheereten. vnd von heinrichen dem koenig teuetschs lands bey der statt merßburg mit großer schlacht ernidergeleget. diss babst leben wz vol der senftmuetigkeit vnd gaistlichkeit. vnd starb seins babstthumbs im andern iar ersten monat am .xii. tag. der werlt Blat CLXXVI Welsch könig: Berengarius der erst BErengarius der erst ein foriaulischer hertzog auß rom von koenigclichem longobardischem stammen geporn vnd in kriegs sachen vnnd ritterlichen henndeln hoherfarn hat ime erster nach vberwindung des vorgenanten Ludwigs das kaiserthumb in welschem land erobert vnd vier iar geregirt. aber in seiner wale warn die walhen nit alle ayntrechtig dann ettlich kieseten Gwidonem den spoletanischen hertzogen zu eim koenig welscher land. Nw erhuoben sich vnder den new erkornen fuersten in welschen landen solche aufruor das sie zu streyt komen. vnd in den ersten angriffen beschediget Gwido den Berengarium. aber berengarius ein großmueetig vnd ritterlicher ding wolwissend man behielt in kuertze das feld also das sich Gwido in seinem hertzogthumb enthalten muoßt. Deßgleichen tet er auch Ambrosio dem bergomensischen grafen. Nach absterben vnd ertoedtung der beder krieget berengarius wider die roemer. Zu disen zeitten ist zwischen den teuetschen walhen vnd frantzosen vmb besitzung des kaiserthumbs ein große zwittrachtigkeit gewesen darauß gar schwer krieg entstunden vnd on große verderbung vil lannd vnnd lewt nit gestillet warden. doch vnderstuonden sich die roemer vnd walhen den namen des kaiserthumbs in irer prouintz zebehalten. darumb sagen ettlich das diser berengarius von dem babst Landone zu kayser gekroenet worden sey. Hugo HVgo der arelatensisch graff hat nach Berengario in welschem lannd .x. iar geherrscht vnd wardt von den walhen erkorn wider Rudolphum den burgundier der den Berengarium seins reichs berawbt het. den trate Rudolphus an gezenck ab vnd zohe gein burgundi. Nw truog diser Hugo auß warnung die ime Rudolphus gethan het gegen den ihenen die ine erkorn hetten mißtrewigen argkwon. dem nach befalhe er einem auß seinen hawbtlewten den handel des heers. die andern verschiket er in das ellend. Nw wardt Arnoldus der hertzog zu bayern durch die verschickten vnd andern anhaymischen walhen also angeraytzt das er wider Hugonem mit eim wolberaytem heer in welsche land kome. gegen dem ruestet sich Hugo vnd vberwunde ine vnd starb vnlang darnach. Berengarius der ander BErengarius der ander regiret darnach siben iar. Diser verhenget den hungern das sie in etruriam zohen vnd nach verwueestung der stet darinn. einen großen mechtigen rawb daruon brachten. vnd wiewol darnach mit verwilligung berengarii bedacht wardt wie das welsch kaiserthumb widerbracht werden moecht. yedoch vnderstunden sich die welschen tyrannen die sich vor dem gewalt vnnd mechtigkeit Berengarii besorgten solchs zeuerhindern vnd forderten Rudolffum den burgundischen koenig in welsche land zeziehen. der kome vnd vertribe Berengarium vnnd regiret daselbst drey iar. Aber es blib an den walhen nit lang vngerochen. dann die hungern zu den Berengarius geflohen was komen mit Salardo irem heerfueerer in welsche land vnd verwueesteten alles das sie vnderwegen funden vnd belegerten vnd eroberten papiam alle ding mit waffen vnd fewr verzerende. Zu letst starb diser berengarius bey hungern. oder (als ettlich gschihtbschreiber setzen) bey den bayern. Berengarius der dritt BErengarius der dritt des ersten Berengarii enicklein kom in welsche land vnd erlannget imb iar des herren .ixc.xxxv. die herrschung daselbst. wie ein groß heer er mit ime daselbsthin gebracht hab oder mit welchs volcks hilff oder beystand er hynein komen sey das schreibt ir keiner. aber das ist wissentlich das er zu den zeitten babsts Stephani des sibenden in welsch land ist komen. In mittler zeit haben die sarraceni vmb den berg garganum wonende die in apulia vnnd in calabria mit newer aufruor vberzogen. die stat beneuentum belegert. erobert. berawbt vnd angezuend. Vnnd auff das aber die roemischen gegent von inen nit angegriffen wuerden so sammelten die roemer vnd walhen in eylender aufruor ein anzal volcks. daruber ordneten sie Gwidonem den grafen zu einem heerfuerer oder hawbtman. mit denen zohe er gegen den feinden. vnd machet sie widerwendig. Diser berengarius machet frid vnnd puentnus mit den hungern. also das die hungern ire wueetende tobheit der sie sich ettwieuil iar wider die walhen gepraucht hetten gegen andern voelckern vbeten. Ettlich schreiben das diser Berengarius acht iar geregirt hab.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Anastasius der Dritte, Lando, Johannes der Zehnte, Leo der Sechste, Stephanus der Siebte. Anastasius der Dritte, ein Römer, war nach Sergius Papst. Unter ihm kämpfte Landulf, der beneventanische Fürst in Apulien, mit schwerem Streit gegen die Kirche und siegte. Dieser Papst lebte sehr bescheiden und vollkommen im Papsttum und hatte nichts Tadelnswertes an sich. Ein solches Lob findet man von ihm, dass er keinem Papst vor ihm Übles nachgesagt habe, und er starb im zweiten Jahr seines Papsttums. Papst Lando, ein Römer, war von so unberühmtem, dunklem Leben, dass etliche ihn nicht unter die Päpste zählen, und allermeist Vincentius, der Geschichtsschreiber. Aber anders halten Martinus und Gotfredus. Sie schreiben, dass Lando mit seiner Gewalt und seinem Gebot erreicht habe, dass Berengar und Rudolf, der Sohn Guidonis, sich nicht untereinander bekriegten. Und dieser Lando starb im sechsten Jahr, am einundzwanzigsten Tag seines Papsttums. Der Cluniazensische Orden. Oddo. Der Cluniazensische Orden hat nach der Geburt Christi im Jahr 913 unter der Regel des heiligen Benedikt von Oddo, dem Abt und fast heiligen Mann, seinen Anfang genommen. Denn als Abt Berno nun sterben sollte, setzte er diesen Oddo als Abt des Cluniazensischen Klosters ein, mit der Bedingung, dass die Cluniazensische Kirche der Gigniacensischen Kirche jährlich zwölf Pfennig bezahlen sollte. Und nachdem die Mönche von den Aufsätzen und Regeln des heiligen Benedikt fast abgeneigt waren, lebte dieser Oddo so heilig in klösterlicher Zucht bei ihnen, dass sie, wie die halbtoten, durch die Entzündung der Heiligkeit dieses Menschen wiederum zur Inbrunst der Andacht bewegt wurden, und so die löbliche Stiftung des heiligen Vaters Benedikt wieder zu leben anfing. Dieser Oddo wurde erstlich von Remigius, dem Bischof von Auxerre, in der Musik und Dialektik unterwiesen und schrieb die Historie von Sancto Martino. Johannes der Zehnte, ein Römer, trat nach Christi Geburt im Jahr 909 in das Papsttum ein. Er war zuvor Bischof zu Ravenna gewesen und in einer Aufruhr des Volkes aus demselben Bistum geworfen worden. Aber er war in seinem Papsttum mehr zu ritterlichen Sachen als zu geistlichen Übungen geneigt. Nun bedurfte die Kirche eines solchen Papstes, der dann mitsamt Alberich, dem etrurischen Markgrafen, gegen die Sarazenen, die viele Orte im welschen Land bedrängten, gefochten und sie überwunden und aus den römischen Gegenden vertrieben hat. Da zog dieser Papst in Gestalt eines Triumphs nach Rom ein. Dadurch erweckte er einen Hass in Alberich. Und als er aber denselben Alberich aus der Stadt Rom getrieben hatte, da forderte Alberich die Ungarn in das welsche Land. Die stifteten mehr Jammer im welschen Land als die Sarazenen. Dieser Johannes wurde von der Ritterschaft Guidonis gefangen und mit einem Kissen erstickt im dreizehnten Jahr seines Papsttums. Und wiewohl ein anderer Johannes an die Statt kam, jedoch, nachdem er den Stuhl mit Gewalt bedrängt hatte, wurde er gar bald abgestoßen und darum nicht würdig der päpstlichen Zählung. Leo der Sechste, auch ein Römer, wurde gebührenderweise zum Papst erwählt. Und wiewohl er sich als ein guter, frommer Mann unterstand, ein löbliches Wesen zu führen, Zwieträchtigkeit zu stillen, Frieden zu machen, die Feinde aufzuhalten etc., so starb er doch im siebten Monat seines Papsttums. Stephanus der Siebte, auch ein Römer, ist zu der Zeit Papst geworden, als die Ungarn Alemannien und Sachsenland verheerten und von Heinrich, dem König Teutschlands, bei der Stadt Merseburg mit großer Schlacht niedergemacht. Dieses Papstes Leben war voll der Sanftmütigkeit und Geistlichkeit. Und starb im zweiten Jahr, ersten Monat, am zwölften Tag seines Papsttums. Der Welt. Blatt 176. Welsche Könige: Berengar der Erste. Berengar der Erste, ein friaulischer Herzog, aus Rom von königlich-langobardischem Stamm geboren und in Kriegssachen und ritterlichen Händeln hocherfahren, hat sich zuerst nach Überwindung des vorgenannten Ludwigs das Kaisertum im welschen Land erobert und vier Jahre regiert. Aber in seiner Wahl waren die Welschen nicht alle einträchtig, denn etliche wählten Guido, den spoletanischen Herzog, zu einem König des welschen Landes. Nun erhoben sich unter den neu erkorenen Fürsten in welschen Ländern solche Aufruhre, dass sie zum Streit kamen. Und in den ersten Angriffen beschädigte Guido den Berengar. Aber Berengar, ein großmütiger und ritterliche Dinge wohlwissender Mann, behielt in Kürze das Feld, sodass sich Guido in seinem Herzogtum enthalten musste. Desgleichen tat er auch Ambrosius, dem bergamaskischen Grafen. Nach dem Absterben und der Tötung der beiden kriegte Berengar wider die Römer. Zu diesen Zeiten ist zwischen den teutschen Welschen und Franzosen um die Besitzung des Kaisertums eine große Zwieträchtigkeit gewesen, daraus gar schwere Kriege entstanden und ohne große Verderbung viel Land und Leute nicht gestillt wurden. Doch unterstanden sich die Römer und Welschen, den Namen des Kaisertums in ihrer Provinz zu behalten. Darum sagen etliche, dass dieser Berengar von Papst Lando zum Kaiser gekrönt worden sei. Hugo. Hugo, der arelatensische Graf, hat nach Berengar im welschen Land zehn Jahre geherrscht und wurde von den Welschen erwählt wider Rudolf den Burgunder, der den Berengar seines Reiches beraubt hatte. Den trat Rudolf an Gezänk ab und zog gen Burgund. Nun trug dieser Hugo aus Warnung, die ihm Rudolf getan hatte, gegen diejenigen, die ihn erwählt hatten, misstrauischen Argwohn. Demnach befahl er einem aus seinen Hauptleuten den Handel des Heeres. Die anderen verschickte er in das Elend. Nun wurde Arnulf, der Herzog zu Bayern, durch die Verschickten und anderen einheimischen Welschen also angereizt, dass er wider Hugo mit einem wohlbereiteten Heer in das welsche Land kam. Gegen den rüstete sich Hugo und überwand ihn und starb unlängst darnach. Berengar der Zweite. Berengar der Zweite regierte darnach sieben Jahre. Dieser verhängte den Ungarn, dass sie in Etrurien zogen und nach Verwüstung der Städte darin einen großen, mächtigen Raub davonbrachten. Und wiewohl darnach mit Einwilligung Berengars bedacht wurde, wie das welsche Kaisertum wiedergebracht werden möchte, jedoch unterstanden sich die welschen Tyrannen, die sich vor der Gewalt und Mächtigkeit Berengars besorgten, solches zu verhindern und forderten Rudolf, den burgundischen König, in das welsche Land zu ziehen. Der kam und vertrieb Berengar und regierte daselbst drei Jahre. Aber es blieb an den Welschen nicht lange ungerochen. Denn die Ungarn, zu denen Berengar geflohen war, kamen mit Salard, ihrem Heerführer, in das welsche Land und verwüsteten alles, was sie unterwegs fanden, und belagerten und eroberten Pavia, alle Dinge mit Waffen und Feuer verzehrend. Zuletzt starb dieser Berengar bei den Ungarn, oder (wie etliche Geschichtsschreiber setzen) bei den Bayern. Berengar der Dritte. Berengar der Dritte, des ersten Berengars Enkel, kam in das welsche Land und erlangte im Jahr des Herrn 935 die Herrschaft daselbst, wie ein großes Heer er mit ihm dorthin gebracht h[atte].