Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Johannes der .xi. Jar der werlt .vim.jc.xxxiij.Jar christi .ixc.xxxiiij. Johannes der .xi. ein roemer ist zu der zeit in das babstthumb getretten als ein pluotiger prunn zu Genua miltigclich gefloßen ist zu anzaigung kuenftigs iamers. dann Genua wardt von den sarracenen auß affrica komende gefangen vnd zerruedet. so zohen die hungern in welsche land weyt vnd prayd alle ding verheerende vnd verwueestende. Diser iohannes starb imb vierden iar .x. monat. amb .xv. tag seins babstthumbs. Leo der sibend LEo der sibend auch ein roemer wardt zu zeitten Hugonis vnd Lotharii in welschen landen regirende zu babst erkorn vnd was ein nachlassiger man. vnnd hat nichtz gedechtnus wirdigs gehandelt vnd starb im dritten iar seins babstthumbs. DIeweil Johannes der .xi. als vor steet im babstthumb im .ixc.xxxv. iar des herren in dem babstlichen regiment saß do komen die sarraceni auß Affrica (als vorgemelt ist) mit großem mechtigen schifheer vnnd verwueesteten alle oertter am meer des ethrurischen lands vnnd eroberten die statt Genuam vnnd vbten daselbst vil grawsamer iemerlicher that. vnd schluogen das weerlich volck zu tod vnd fueereten die zeittigen knaben in den schiffen hinweg. Wiewol ettlich schreiben dz die in kuertze auß affrica wider anhayms gesendt seyen. ALs babst leo der .vii. erkorn wardt do schrib Gwilhelmus heinrichen teuetschs lands einen koenig vnd kaiser tod sein. dess nachkomen im reich vnd kaiserlichen tittel wer Otto wie hernach meldung beschiht. Stephanus der acht STephanus der acht ein teuetscher wardt nach empfangnem babstthumb von den roemern also feyntlich verfolget das er nichts gedechtnus wirdigs schaffen mocht. vnd (als Martinus setzt) wardt in solcher varfolgung gelemet vnd fueeret sein leben ettwielang schnoedigclich also das er sich schemet mit solchen wunden fuer die lewt zegeen. Nw ruestet sich koenig hugo solche schmah vnd freuel zerechen. aber er starb in derselben aufruestung. dess nachkomen wardt Lotharius sein sun der thet von den dingen kain meldung villeicht darumb das er ein freuend des roemischen volcks was. oder das er kuortz regiret. dann er lebet zway iar nach seinem vatter. aber diser Stephanus starb seins babstthumbs im dritten iar vierden monat am .xii. tag. Sant Bipertus BIpertus oder Vgibertus ein edler fuerst des Lothringischen lands an heilligkeitt vnd andern tugenten beruembt wardt diser zeit von seiner scheinpern wunderzaichen wegen in der heilligen zall geschriben. Der hat vnder andern seinen tugentlichen wercken in seinem leben das Gemaltensisch closter in Franckreich auff sein aigne kostung vnd darlegung mit großmechtigen gepewen in kurtzer weil erpawen. IN disem iar (als vorsteet) ist ein pluotiger prunn nach besag der gschihtbschreiber gezeuegnus in der statt genua an eim end fontanella genant einen gantzen tag miltigclich gefloßen. der dann den burgern daselbst ein anzaigung kuenftigs iamers was. der inen (als hieoben gemeldet ist) von den sarracenen auß affrica schiffende begegnet. Martinus der dritt MArtinus der dritt ein roemer was ein auß der maßen senftmueetig vnnd gueetig man. vnd darinn wol ein nachfolger babsts Stephani des sibenden. dann als er in den babstthumb kome do entschluog er sich aller kriegischer henndel vnd warttet gaistlicher vnd gotzdienstlicher gescheft vnd sachen. doch was die gegent Europe nit an kriegische auffruor. dann als Otto in welsche land ziehen wolt do beschahen auß widerstand vnd gegenwere Lotharii beder seytten große moerdt vnd pluot vergissen doch vermanet sie babst martinus von iren waffen abzesteen so doch allenthalben tewrung vnnd manngel aller ding vor awgen weren. Er starb in vierden iar seins babstthumbs. Agapitus der ander AGapitus der ander auch ein roemer wardt (dieweil die kriegisch aufruor in welschem land was) zu babst erkorn. Diser was ein starckmueetig man. Der hat Ottonem den koenig teuetschs lands wider Berengarium den kaiser welschs lannds nach erkantnus seiner hohfart auffgefordert. Durch desselben hilff vnd beystannd wurden die krieg vnd zwittracht zwischen dem babst vnd berengario. der wider das recht vnd billichkeit alle ding an sich ziehen wolt hingelegt vnd abgelaynt. Diser was gar ein vnschuldiger man vnd gemayns cristenlichs stands vnd nuotzs ein fuernamer liebhaber. vnd starb im .x. iar seins babstthumbs. der werlt Blat CLXXVII welsch koenig // Lotharius LOtharius der ander des vorgenantten Hugonis sun empfieng nach absterben seins vaters das reich vnd regiret zway iar. dann nach dem berengarius der dritt vil außlendischs volcks versammlet vnd sich da mit gegen welschen lannden wendet vnd das geschray in welsche land hinein gelanget do erzaigeten sich vil widerspenniger gemueet in vil gegenten welschs lands. vnnd als aber Hugo verstuond das er solchs mit macht oder gewalt nciht vnderkomen mocht do gedacht er die sachen mit rat zewenden. demnach schicket er sein potschafter zum feind vnd machet mit ime ein solche puentnus. das Lotharius sein sun vnd Berengarius als koenige welschs lands in gleichem rechten aller ding pflegen solten. Solche gesellische regirung weeret allain nach dem namen ettliche iar. Aber Berengarius ein scharpffmueetig man verachtet Lotharium. der sich dann mitsambt seiner gemaheln Alunda zu papia enthielt. vnd solche gewaltsamkeit vnd verachtung geduldet. da zwischen starb Hugo. Aber Lotharius ein freuend der roemer vnderstuond sich eins hartten kriegs wider Otthonem heinrichs sun. dann als Ottho gein rom ziehen wolt do verhindert ine Lotharius daran. darauß volgten groß schlachten vnd pluotuergiessen. Rudolphus RUdolphus der bey Verona oder Bern den Berengarium vberwunde was ein hertzog zu burgundi. der dauor Hugoni dem arelatensischen grafen in welschem land gewichen het vnd darnach ein koenig zu franckreich wardt regiret zway iar. Mangel vnd seltsamkeit der gschihtbschreiber diser zeit ist ein vrsach dess dz man nicht waißt was Berengarius oder Lotharius gehandelt haben. oder ob drey oder vier berengarii gewesen seyen. demnach ob tunckle meldung von inen beschiht dess sol sich nymant verwundern. dann die gschihtbschreiber sind also irrig das ettlich auß inen setzen. das der erst Berengarius vier. vnd der ander. xii. iar geherrscht hab vnd die zeit Lotharii vnd berengarii erstrecken sie auff .xiii. iar. also das fuenf welsch kaiser mitsambt den koenigen vnd tyrannen (als ptolomeus lucensis schreibt) allain in xxxii. iarn in welschem land gewesen seyen. vnd wiewol nicht vil gschihtbschreiber die zeit der bemelten kayser. koenig vnnd tyrannen vnderschiedlich zeerkennen geben muogen so ist doch kund vnd offenbar das von dem anfang der herrschung berengarii des ersten bis auff Ottonis des ersten rechten teuetschen kaisers bekroenung von babst Johanne dem .xii. beschehen bey fuenfftzig iaren verschynnen sind. vnd das derselb otto den Berengarium der erstlich in lombardia regiret darnach in das ellennd verschicket hat. Berengarius der vierdt BErengarius der vierdt (den ettlich fuer den dritten setzen) hat sich nach absterben Lotharii des kaiserthumbs vnderstanden vnnd mit Alberto seinem sun .xi. iar geherrscht. der was ein achtparer. redlicher treffenlicher man. dann als Heinricus hertzog zu bayern die hungern in welschen landen ernidergelegt vnnd die reichsten welschen gegent zwischen aquilegiam vnd papiam gepluendert vnd verheeret het do ruestet sich berengarius eylends mit eim heer gegen ime. Als solchs hertzog Heinrich erfuore do keret er sich von dannen vnd zohe in oesterreich. darnach eroberet Berengarius alles welschs land vnd setzet ime selbs den namen eins kaisers vnd nennet seinen sun albertum einen koenig welschs lands. vnd nach dem er aber vber seine vndertanen beschwerlich vnd gewaltsamlich herrschet. vnnd Alundam seinen gemahel in fangknus gelegt het do beruefften die walhen durch den babst Agapitum den ottonem zu eim koenig in welsche land. der kom vnd betrueebet sie in dem welschen koenigreich vnd vermehlet ime Alundam. Albertus sein sun ALbertus des benanten Berengarii sun zu rauenna wesende beschweret die venedigischen kawflewt mit vil vnfuogs. dann er het an einem ende bey einer statt die meerschiffung innen darauff gestattet er der rawberey. Als aber solchs die venediger nit lennger gedulden mochten noch wolten. do vbereylten die venediger auff ein zeit dieselben statt mit schiffung vnd fiengen die burger darinn vnd namen sie zu pflicht vnd ayd solcher rawberey hinfuero nit meer zegestatten. Darnach zohe otto wider berengarium in welsche land. den bestritte er vnd bracht ine in seinen gewalt. vnnd verschicket alßpald einen gein Constantinopel vnd den andern in teuetsche land in das ellend. darinn starben sie bede.
Das sechste Zeitalter. Die Reihe der Päpste. Johannes der Elfte. Im Jahr der Welt 6933, im Jahr Christi 934. Johannes der Elfte, ein Römer, trat zu dieser Zeit in das Papsttum ein, als ein blutiger Brunnen in Genua reichlich floss, als Zeichen künftigen Jammers. Denn Genua wurde von den aus Afrika kommenden Sarazenen eingenommen und verwüstet. Zugleich zogen die Ungarn weit und breit in die italienischen Länder, alles verheerend und verwüstend. Dieser Johannes starb im vierten Jahr, im zehnten Monat, am fünfzehnten Tag seines Papsttums. Leo der Siebte. Leo der Siebte, ebenfalls ein Römer, wurde zu Zeiten Hugos und Lothars, die in den italienischen Ländern regierten, zum Papst erwählt und war ein nachlässiger Mann. Er hat nichts Denkwürdiges getan und starb im dritten Jahr seines Papsttums. Während Johannes der Elfte, wie oben steht, im Papsttum im Jahr des Herrn 935 im päpstlichen Regiment saß, kamen die Sarazenen aus Afrika (wie bereits erwähnt) mit einem großen, mächtigen Schiffsheer und verwüsteten alle Orte am Meer des etrurischen Landes und eroberten die Stadt Genua und verübten dort viele grausame, jämmerliche Taten. Sie schlugen das wehrhafte Volk zu Tode und führten die kräftigen Knaben auf den Schiffen weg. Obwohl einige schreiben, dass diese in Kürze aus Afrika wieder heimwärts gesandt wurden. Als Papst Leo der Siebte erwählt wurde, schrieb Wilhelm, dass Heinrich, König und Kaiser des deutschen Landes, tot sei. Dessen Nachfolger im Reich und kaiserlichen Titel werde Otto sein, wie hiernach Erwähnung geschieht. Stephan der Achte. Stephan der Achte, ein Deutscher, wurde nach Empfang des Papsttums von den Römern so feindlich verfolgt, dass er nichts Denkwürdiges schaffen konnte. Und (wie Martinus berichtet) wurde er in solcher Verfolgung gelähmt und führte sein Leben eine Zeit lang schändlich, sodass er sich schämte, mit solchen Wunden vor die Leute zu treten. Nun rüstete sich König Hugo, solche Schmach und Frevel zu rächen. Aber er starb in derselben Aufrüstung. Dessen Nachfolger wurde Lothar, sein Sohn, der von diesen Dingen keine Erwähnung machte, vielleicht darum, weil er ein Freund des römischen Volkes war, oder weil er kurz regierte. Denn er lebte zwei Jahre nach seinem Vater. Aber dieser Stephan starb im dritten Jahr, vierten Monat, am zwölften Tag seines Papsttums. Sankt Wipertus. Wipertus oder Wigbertus, ein edler Fürst des lothringischen Landes, berühmt für Heiligkeit und andere Tugenden, wurde zu dieser Zeit wegen seiner offensichtlichen Wunderzeichen in die Zahl der Heiligen aufgenommen. Er hat unter anderem in seinem Leben das Kloster Gembloux in Frankreich auf eigene Kosten und mit eigener Leistung mit großmächtigen Bauten in kurzer Zeit erbaut. In diesem Jahr (wie oben steht) ist ein blutiger Brunnen nach Aussage der Geschichtsschreiber in der Stadt Genua an einem Ort namens Fontanella einen ganzen Tag lang reichlich geflossen. Dieser war dann den Bürgern daselbst ein Zeichen künftigen Jammers, der ihnen (wie hier oben gemeldet ist) von den aus Afrika segelnden Sarazenen begegnete. Martinus der Dritte. Martinus der Dritte, ein Römer, war ein überaus sanftmütiger und gütiger Mann. Und darin wohl ein Nachfolger Papst Stephans des Siebten. Denn als er in das Papsttum kam, enthielt er sich aller kriegerischen Händel und widmete sich geistlichen und gottesdienstlichen Geschäften und Sachen. Doch war die Gegend Europas nicht ohne kriegerische Aufruhr. Denn als Otto in die italienischen Länder ziehen wollte, geschahen durch den Widerstand und die Gegenwehr Lothars auf beiden Seiten große Morde und Blutvergießen. Doch ermahnte sie Papst Martinus, von ihren Waffen abzustehen, da doch allenthalben Teuerung und Mangel aller Dinge vor Augen waren. Er starb im vierten Jahr seines Papsttums. Agapitus der Zweite. Agapitus der Zweite, ebenfalls ein Römer, wurde (während die kriegerische Aufruhr im italienischen Land war) zum Papst erwählt. Dieser war ein starkmütiger Mann. Er hat Otto, den König des deutschen Landes, gegen Berengar, den Kaiser des italienischen Landes, nach Erkenntnis seiner Hochfahrt aufgefordert. Durch dessen Hilfe und Beistand wurden die Kriege und Zwietracht zwischen dem Papst und Berengar, der wider Recht und Billigkeit alle Dinge an sich ziehen wollte, beigelegt und abgewendet. Dieser war ein ganz unschuldiger Mann und ein vornehmer Liebhaber des gemeinen christlichen Standes und Nutzens. Und starb im zehnten Jahr seines Papsttums. Seite 177 der Weltchronik. Italienischer König. Lothar der Zweite, der Sohn des vorgenannten Hugos, empfing nach dem Ableben seines Vaters das Reich und regierte zwei Jahre. Denn nachdem Berengar der Dritte viel ausländisches Volk versammelt und sich damit gegen die italienischen Länder wandte und das Geschrei in die italienischen Länder gelangte, zeigten sich viele widerspenstige Gemüter in vielen Gegenden des italienischen Landes. Und als aber Hugo verstand, dass er solches mit Macht oder Gewalt nicht unterbinden konnte, da gedachte er, die Sachen mit Rat zu wenden. Demnach schickte er seine Botschafter zum Feind und machte mit ihm ein solches Bündnis, dass Lothar, sein Sohn, und Berengar als Könige des italienischen Landes in gleichem Recht aller Dinge pflegen sollten. Solche gemeinschaftliche Regierung währte nur dem Namen nach etliche Jahre. Aber Berengar, ein scharfsinniger Mann, verachtete Lothar, der sich dann mitsamt seiner Gemahlin Alunda in Pavia aufhielt und solche Gewaltsamkeit und Verachtung duldete. Dazwischen starb Hugo. Aber Lothar, ein Freund der Römer, unternahm einen harten Krieg wider Otto, Heinrichs Sohn. Denn als Otto nach Rom ziehen wollte, hinderte ihn Lothar daran. Daraus folgten große Schlachten und Blutvergießen. Rudolph. Rudolph, der bei Verona oder Bern den Berengar überwand, war ein Herzog von Burgund. Der zuvor Hugo, dem Grafen von Arles im italienischen Land, gewichen war und darnach ein König von Frankreich wurde, regierte zwei Jahre. Mangel und Seltenheit der Geschichtsschreiber dieser Zeit ist eine Ursache dessen, dass man nicht weiß, was Berengar oder Lothar getan haben, oder ob drei oder vier Berengare gewesen seien. Demnach, ob dunkle Meldung von ihnen geschieht, dessen soll sich niemand verwundern. Denn die Geschichtsschreiber sind so irrtümlich, dass etliche aus ihnen setzen, dass der erste Berengar vier und der zweite zwölf Jahre geherrscht habe und die Zeit Lothars und Berengars erstrecken sie auf dreizehn Jahre. Also dass fünf italienische Kaiser mitsamt den Königen und Tyrannen (wie Ptolemäus Lucensis schreibt) allein in 32 Jahren im italienischen Land gewesen seien. Und wiewohl nicht viele Geschichtsschreiber die Zeit der bemeldeten Kaiser, Könige und Tyrannen unterschiedlich zu erkennen geben mögen, so ist doch kund und offenbar, dass von dem Anfang der Herrschaft Berengars des Ersten bis auf Ottos des Ersten, des rechten deutschen Kaisers, Krönung, von Papst Johannes dem Zwölften geschehen, bei fünfzig Jahren vergangen sind. Und dass derselbe Otto den Berengar, der erstlich in Lombardei regierte, darnach in das Elend verschickt hat. Berengar der Vierte. Berengar der Vierte (den etliche für den Dritten halten) hat sich nach