Schedelsche Weltchronik · Blatt 178

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 178, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 178, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Taxis koenig zu hungern TAxis der hungerisch koenig. der die seinen die von den bayern. den er in welschen land regiren maynet vertriben waren rechen wolt. vberzohe welschs lannd mit eim schnellen heer. do fiel in die walhen ein solcher schreck das sie sich irer lesten außtilgung besorgten. do schicket Berengarius Albertum seinen sun zu ime. der erwaichet ine also das er .x. metzen silberiner pfenning name vnd welschs lands verschonet. DIe hungern zohen erstlich durch teuetsche land vnd darnach durch galliam alle ding verwueestende. Nachfolgend machten sie inen die Bulgaros zinsper. Darnach erschwemmeten die wassergueße des vngezewmten barbarischen volcks vber die maß vil lewt vnd land. Sie zohen auch durch foriaul in welschs land vnd verhereten vnd verwueesteten alle ding mit prannd vnd rawb. Albericus der marggraff der auß neyd vnd vndanckperkeit von rom getriben wardt forderet die hungern zu verdrueckung der roemischen statt. aber sie beruereten die roemischen grenitz nyndert. doch verwueesteten. verheereten vnd zerruedeten sie schier alles Ethrurisch land mit stiftung vnd vbung groß iamerß durch mord vnd prand vnd fueereten alle weiber vnd knaben die nit entfliehen kunden mit inen hin in hungern. darnach vnder kaiser otten dem ersten vbezohen sie teuetsch land. BEhmer land wardt vor disen zeitten zum glawben bekert. alda dann Borziwogius der letst haydnisch hertzog mitsambt Ludimilla seiner gemaheln von sant Methodio dem ertzbischoff zu merhern getawft wardt Nach cristi gepurt .ixc.v. iar. Man sagt von derselben Ludimilla das sie ein sohaillige fraw gewesen sey das sie wunderwerck gethan hab. Sie bede haben nach angenomner cristenlicher warheit den cristenlichen glawben vnder den behmen groeßlich gemeret vnd erweytert Spitigneus Vratislaus hertzogen zu Beheym SPitigneus ein sun Borziwogii des ersten cristenlichen hertzogs zu beheim behielt nach absterben seins vaters das hertzogthumb. aber er starb on menlich erben vnd ließ seim bruder Vratislao das fuerstenthumb. Nw gepare Drahomicia desselben Vratislai fraw ein kuens vnd zur boßheit beraits weib zwen suen bey irem mann. Nemlich Wentzeslaum vnd Boleslaum. den eltern befalhe sie irer schwiger Ludimille zeziehen. den andern neret sie. Ir yeder zohe die sytten seiner nererin nach ime. Wentzeslaus was gueetig vnnd aller tugent geflißen. aber Boleslaus ein abgoettrer vnd zu allen lastern genaigt. Nw ordnet der vater das Ludimilla bis die kinder zu iren vogtpern iaren koemen des regiments pflegen solt. das verschmahet Drahonice gar vbel vnd verfueget das Ludimilla ir schwiger in dem geschloß Thetin erwuergt wardt. do vnderstuond sie sich des eegiments vnd was gein menigclichem grawsam. auch irem sun Wentzeslao gehessig vnd begeret seinen bruder fuer ine hinfuerzeziehen. Sant Wentzeslaus Entzeslaus ein hertzog zu beheim des obgenanten Vratislai sun wardt von der heilligen frawen Ludimilla als obgemelt ist erzogen vnd bey ir der weyßheit vnd lernung goetlicher vnd heilliger schrift gar wol berichtet. Der ist (als sie sagen) fast massiger speiß vnd getrancks. vnd gerads zierlichs leibs gewesen. vnd hat sein iunckfrawschaft bis in sein end behalten. vnd weder tag noch nacht einigen gotzdienst oder ambt nit versawmbt vnd zu nacht mit ploßen fueeßen auff eyße vnd schne gegangen vnnd doch keins frosts empfunden. vnd auß gehayße des volcks bey leben seiner muoter das fuerstenthumb angenomen. Also erwuochß vnd erlawtet der namen vnd das lob wentzeslai vnder dem volck wunderperlich. Aber als vil er von andern mer gelibet warde so vil mer wardt er von bruder vnd muoter gehasset. Nw wardt ein wirtschaft vber ine beraytet vnd er dar zu berueefft. vnd wiewol er seinen tod vor verkuendet het yedoch versorget er sich nach cristenlichen sitten mit beichten vnd gieng in seins bruders haws vnnd wardt von seim bruder erschlagen. vnd auß getanen wunderzaichen vnder die heilligen martrer von der kirchen angenomen. Otto der erst koenig OTto koenig Heinrichs sun geporn auß Mathilda der tochter Theodorici des koenigs zu sachßen wz desselben seins vaters nachkomen am koenigreich. Diser otto hat vil großer hohberuembter sachen vnd henndel in dem teuetschen vnd franckreichischen koenigreichen geuebt. Vnd nach dem aber der preys vnd das geruechde seiner tugent bis in welsche land hinein erlawtet vnd babst agapitus vnnd vil des welschen adels ab dem tyrannischen wesen Berengarii vnd Alberti seins suns beschwerd vnd verdrieß hetten do rueefften sie disen koenig otten vmb hilff wider sie an. darauff zohe er wol mit fuenftzig tawsent weppnern durch foriaul in welsche land vnd entsetzet berengarium vom kaiserthumb vnd Albertum vom welschen koenigreich. vnd nam welschs land ein. vnd entlediget Alundam auß fangknus vnd vermehlet im die zu der ee. Von vrsprung vnd herkomen des kaiserthumbs vnd wie dasselb an die teuetschen nation gewendet worden ist. DAs kaiserthumb von den roemern. galliern vnd longobardiern genomen vnd durch den vorgenanten Ottonem yetzo empfangen ist alhie erstlich an die teuetschen nation gewendet vnd darinn bißhieher enthalten worden. Zu preys lob vnd erkantnus diser allerfuertreffenlichsten kaiserlichen wirdigkeit ist zemercken. Das die roemisch koenigclich macht (die mann das heillig kaiserthumb nennt) von menschlicher naturlicher vernunft (die ein anlayterin des besten lebens ist. vnd der allermenigclicher gehorsam sein muoß) iren vrsprung hernymbt. Dann als vnsere ersten eltern auß dem paradeys vnd gartten der wollustperkeit getriben warden. vnd die menschen auff den feldern vnd in den welden wie das vihe vmbschwaiffeten. do bedacht der mensch (den got vernunftig beschaffen hat) das der mensch dem menschen zu rechtfertigem leben hoherspreißlich sein moecht. Demnach welche menschen vormals in den welden (nach sytten der wilden thier) ir leben gefueert hetten die komen eyntweders auß anlernung der natur. oder auß willen gottes des maisters der gantzen natur zu samen. macheten geselschaft. paweten hewser vmbfiengen die stett mit mawrn. erfunden allerlay kunst vnd fueereten ein sueeß burgerlichs freuentlichs vnd nachpewrlichs wesen beyeinander. Aber gleicher weyß wie eim menschen von dem andern vil nutzperkeit entsteet. also entspringt auch eim vom andern mancherlay vnrats. vnd also fiengen die menschen an geselschafft zeuerletzen glawben vnd vertrawen zebrechen. frid zebetrueeben. aneinander heimlichen neyd zetragen. einer dem andern dz sein zenemen. vnd vom weg der tugent in die irrung der laster zetretten. Als nw die menig von den ihenen die mechtig vnd gewaltig waren verdrucket warden do bedachten sie zuflucht zehaben zu einem an tugent fuertreffenlichen mann. der die armen vor den reichen vnd gewaltigen beschirmet vnd menigclichen bey gleichheit. recht vnd billichkeit handhabet. Demnach warden von vil voelckern koenig erkorn vnd also die fuerstenthuemer gemanigfeltigt dieselb manigfeltigkeit der koenig vnd fuersten vrsachet vil zwittrachtigkeit vnd auffruor. dañ zu zeitten entzwayeten sie sich vmb grund vnd podem yezuzeiten vmb den gerichtzwangk. vnd so denn nymant was der die parteyen irer irrung entschiede. vnnd ye einer nit mynnder wolt geachtet sein denn der ander so griffen sie denn zum schwert vnd taylten ir sachen mit kriegen. vnnd also entloeßet sich die aller sueßist gemainschaft menschlicher geselschaft. Aber die gueetig fuersichtigkeit menschlicher natur die alweg zu den besten dingen genaigt ist hat besunnen alle ding. vnder ein einigs fuerstenthumb zebringen. dann sunst mag man einichen gemaynen frid nit haben. Von dannen her ist das assirisch kaiserthumb entsprungen. Deßgleichen auch das kriechisch fuerstenthumb mit kraft vnd glueck des grossen alexanders auß Europa bis in asiam vnd lybiam erweytert. vnd auch das carthaginensisch. So aber dieselben kaiserthumb inen nye die gantzen erdkrays vnderwerffen. noch auch einichen gemaynen frid machen haben muogen darumb ist eyntweders der menschlichen natur. oder aber got dem herren vnd regirer derselben natur gefellig gewest das roemisch kaiserthumb zeerwecken. Nw ward rom anfengclich von siben koenigen nacheinander. vnd nach abgang derselben ye von zwayen vnnd zwayen dar zu geordenten mannen. vnnd zu letst durch einen allain geregirt. vnd Julius der kaiser wz der erst anfenger solchs einigen regirens im kaiserthumb. dem het das volck allen gewalt vnd macht gegeben. vnd wiewol yezuzeiten zwen kaiser miteinander gewesen sind als Dioclecianus vnd Maximianus. zu zeitten auch mer. so ist doch das mer auß gewaltsamkeit dann auß recht beschehen. zu solcher kaiserlicher wirdigkeit kome yezuzeitten ymant auß wale des rats. zu zeitten auß berueeffung des volcks. beyweyln auß gunst der ritterschaft. zu zeitten auß verordnung eins kaisers. Vnd solch kaiserthumb ist zu zeiten durch walhen. hyspanier. affrier vnd dalmacier vnd auch durch die kriechischen. vnd ettwielang zu constantinopel in glori großer wirdigkeit geregirt worden. Aber als zu letst die kriechen gen rom also versewmlich waren dz sie die roemer mit mancherlay kriegßlewften beschweren ließen do berueeft das roemisch volck das dann allain mit seinem pluot solchs kaiserthumb gemacht het den großen Karl koenig zu franckreich den gepornen teuetschen. der ine zu hilff kome mit verwilligung des babsts zu eim roemischen kaiser. Von disem kaiser Karolo bis auff kaiser Ludwigen den sun Arnulphi hat das kaiserthumb in hundert vnd zehen iarn bey den galliern nit klaine zunemung gehabt. vnd darnach auff gie Lombardier gelangt. vnnd ist zu letst an die teuetschen. an hertzog Otten koenig Heinrich sun gewenndt worden. vnd von ime bis yetzo auff kaiser Friderichen den dritten vnd koenig Maximilianum seinen sun durch ordenliche wal herkomen. denen dann der hoehst gewalt in zeittlichen dingen auß dem himel herab befolhen ist. das sie die krieg gluecklich volfueern. den frid zieren. vnnd den stannd gemains nuotzs auffenthalten sollen. dar zu sich alle voelcker. alle nation. vnd alle koenig vnd fuersten disem kayserthumb mit willigem gemueet ergeben sollen.

Moderne Übersetzung

Taxis, der ungarische König, der seine Leute rächen wollte, die von den Bayern aus dem welschen Land, das er zu regieren gedachte, vertrieben worden waren, überzog das welsche Land mit einem schnellen Heer. Da fiel die Walachen ein solcher Schrecken an, dass sie ihre letzte Ausrottung befürchteten. Da schickte Berengar seinen Sohn Adalbert zu ihm. Dieser erweichte ihn so, dass er zehn Metzen silberner Pfennige nahm und das welsche Land verschonte. Die Ungarn zogen erst durch deutsche Lande und danach durch Gallien, alles verwüstend. Nachfolgend machten sie die Bulgaren zinspflichtig. Danach überschwemmten die Wassergüsse des ungezähmten barbarischen Volkes über die Maßen viele Leute und Länder. Sie zogen auch durch Friaul in das welsche Land und verheerten und verwüsteten alles mit Brand und Raub. Alberich, der Markgraf, der aus Neid und Undankbarkeit aus Rom vertrieben worden war, forderte die Ungarn zur Unterdrückung der römischen Stadt auf. Aber sie berührten die römischen Grenzen nirgends. Doch verwüsteten, verheerten und zerstörten sie fast ganz Etrurien mit der Verursachung und Ausübung großen Jammers durch Mord und Brand und führten alle Frauen und Knaben, die nicht entfliehen konnten, mit sich nach Ungarn. Danach, unter Kaiser Otto dem Ersten, überzogen sie deutsches Land. Böhmen wurde vor diesen Zeiten zum Glauben bekehrt. Dort wurde dann Bořivoj, der letzte heidnische Herzog, mitsamt Ludmilla, seiner Gemahlin, von dem heiligen Methodius, dem Erzbischof zu Mähren, getauft, nach Christi Geburt 905 Jahre. Man sagt von derselben Ludmilla, dass sie eine so heilige Frau gewesen sei, dass sie Wunderwerke getan habe. Sie beide haben nach angenommener christlicher Wahrheit den christlichen Glauben unter den Böhmen großartig gemehrt und erweitert. Spytihněv und Vratislav, Herzöge zu Böhmen. Spytihněv, ein Sohn Bořivojs, des ersten christlichen Herzogs zu Böhmen, behielt nach dem Ableben seines Vaters das Herzogtum. Aber er starb ohne männliche Erben und überließ seinem Bruder Vratislav das Fürstentum. Nun gebar Drahomíra, die Frau desselben Vratislavs, eine kühne und zur Bosheit bereite Frau, zwei Söhne bei ihrem Mann, nämlich Wenzel und Boleslav. Den älteren befahl sie ihrer Schwiegermutter Ludmilla zur Erziehung. Den anderen zog sie selbst auf. Jeder von ihnen nahm die Sitten seiner Erzieherin an. Wenzel war gütig und aller Tugend beflissen, aber Boleslav ein Abgötterer und zu allen Lastern geneigt. Nun ordnete der Vater an, dass Ludmilla das Regiment führen sollte, bis die Kinder zu ihren mündigen Jahren kämen. Das verschmähte Drahomíra sehr übel und veranlasste, dass Ludmilla, ihre Schwiegermutter, in dem Schloss Tetín erwürgt wurde. Da unterstand sie sich des Regiments und war gegen jedermann grausam, auch ihrem Sohn Wenzel war sie feindlich gesinnt und begehrte, seinen Bruder an seiner Stelle zu fördern. Der heilige Wenzel, ein Herzog zu Böhmen, der Sohn des obgenannten Vratislav, wurde von der heiligen Frau Ludmilla, wie oben erwähnt, erzogen und bei ihr in der Weisheit und Lehre göttlicher und heiliger Schrift sehr gut unterrichtet. Er ist (wie sie sagen) sehr mäßig in Speise und Trank und von geradem, zierlichem Leib gewesen und hat seine Jungfräulichkeit bis an sein Ende bewahrt und weder Tag noch Nacht irgendeinen Gottesdienst oder Amt versäumt und nachts mit bloßen Füßen auf Eis und Schnee gegangen und doch keinen Frost empfunden und auf Geheiß des Volkes, noch zu Lebzeiten seiner Mutter, das Fürstentum angenommen. So wuchs und erstrahlte der Name und das Lob Wenzels unter dem Volk wunderbar. Aber so viel mehr er von anderen geliebt wurde, so viel mehr wurde er von Bruder und Mutter gehasst. Nun wurde ein Festmahl für ihn bereitet und er dazu berufen. Und obwohl er seinen Tod vorher verkündet hatte, versorgte er sich doch nach christlichen Sitten mit Beichten und ging in seines Bruders Haus und wurde von seinem Bruder erschlagen und aufgrund vollbrachter Wunderzeichen von der Kirche unter die heiligen Märtyrer aufgenommen. Otto der Erste, König. Otto, König Heinrichs Sohn, geboren aus Mathilde, der Tochter Theoderichs, des Königs zu Sachsen, war der Nachfolger seines Vaters im Königreich. Dieser Otto hat viele große, hochberühmte Taten und Angelegenheiten in den deutschen und fränkischen Königreichen ausgeführt. Und nachdem aber der Preis und der Ruf seiner Tugend bis in das welsche Land hinein erstrahlte und Papst Agapitus und viel des welschen Adels über das tyrannische Wesen Berengars und Alberts, seines Sohnes, Beschwerden und Verdruss hatten, da riefen sie diesen König Otto um Hilfe gegen sie an. Darauf zog er wohl mit fünfzigtausend Bewaffneten durch Friaul in das welsche Land und enthob Berengar des Kaisertums und Adalbert des welschen Königreichs und nahm das welsche Land ein und befreite Adelheid aus der Gefangenschaft und vermählte sie ihm zur Ehe. Vom Ursprung und Herkommen des Kaisertums und wie dasselbe an die deutsche Nation gewendet worden ist. Das Kaisertum, von den Römern, Galliern und Langobarden genommen und durch den vorgenannten Otto jetzt empfangen, ist hier erstlich an die deutsche Nation gewendet und darin bis hierher enthalten worden. Zum Preis, Lob und zur Erkenntnis dieser allerhervorragendsten kaiserlichen Würdigkeit ist zu bemerken, dass die römisch-königliche Macht (die man das Heilige Kaisertum nennt) von menschlicher, natürlicher Vernunft (die eine Anleiterin des besten Lebens ist und der jedermann gehorsam sein muss) ihren Ursprung hernimmt. Denn als unsere ersten Eltern aus dem Paradies und Garten der Wollust getrieben wurden und die Menschen auf den Feldern und in den Wäldern wie das Vieh umherschweiften, da bedachte der Mensch (den Gott vernünftig geschaffen hat), dass der Mensch dem Menschen zu einem gerechten Leben höchst nützlich sein möchte. Demnach welche Menschen vormals in den Wäldern (nach Sitten der wilden Tiere) ihr Leben geführt hatten, die kamen entweder aus Anlernung der Natur oder aus Willen Gottes, des Meisters der ganzen Natur, zusammen, machten Gesellschaft, bauten Häuser, umfingen die Städte mit Mauern, erfanden allerlei Kunst und führten ein süßes, bürgerliches, freundliches und nachbarliches Wesen beieinander. Aber gleichermaßen wie einem Menschen von dem anderen viel Nützlichkeit entsteht, so entspringt auch einem vom anderen mancherlei Unheil. Und so fingen die Menschen an, Gesellschaft zu verletzen, Glauben und Vertrauen zu brechen, Frieden zu trüben, aneinander heimlichen Neid zu tragen, einer dem anderen das Seine zu nehmen und vom Weg der Tugend in die Irrung der Laster zu treten. Als nun die Menge von denjenigen, die mächtig und gewaltig waren, unterdrückt wurde, da bedachten sie, Zuflucht zu haben zu einem an Tugend hervorragenden Mann, der die Armen vor den Reichen und Gewaltigen beschirmte und jedermann bei Gleichheit, Recht und Billigkeit handhabte. Demnach wurden von vielen Völkern Könige erkoren und so die Fürstentümer vervielfältigt; dieselbe Mannigfaltigkeit der Könige und Fürsten verursachte viel Zwietracht und Aufruhr, denn zu Zeiten entzweiten sie sich um Grund und Boden, jetzt zu Zeiten um

Anmerkungen

Taxis
Ungarischer König (bezieht sich auf einen ungarischen Anführer oder König der damaligen Zeit, eventuell Taksony oder Árpád)
hungerisch
ungarisch
welschen land
Italien
walhen
Walachen (hier: Bewohner Italiens)
Berengarius
Berengar I., König von Italien und römischer Kaiser (reg. 888–924)
Albertum
Adalbert, Sohn Berengars I.
.x.
römisch für 10
metzen silberiner pfenning
Metzen (altes Hohlmaß, hier als Mengenangabe für Münzen) silberner Pfennige
galliam
Gallien (historische Bezeichnung für das Gebiet des heutigen Frankreich)
Bulgaros
Bulgaren
foriaul
Friaul (Region in Norditalien)
prannd vnd rawb
Brand und Raub
Albericus der marggraff
Alberich II. von Spoleto, Markgraf und Herrscher Roms (ca. 912–964)
roemischen statt
Rom
Ethrurisch land
Etrurien (historische Region in Italien, entspricht etwa der heutigen Toskana)
otten dem ersten
Otto I., der Große, römisch-deutscher Kaiser (reg. 936–973)
BEhmer land
Böhmen (historische Region, heute Teil Tschechiens)
Borziwogius
Bořivoj I., Herzog von Böhmen (reg. ca. 870–888/890)
Ludimilla
Ludmilla von Böhmen, Heilige, Gemahlin Bořivojs I. (ca. 860–921)
sant Methodio dem ertzbischoff zu merhern
Heiliger Methodius, Erzbischof von Mähren (ca. 815–885)
.ixc.v. iar
905 Jahre (nach Christi Geburt)
Spitigneus
Spytihněv I., Herzog von Böhmen (reg. ca. 894–915)
Vratislaus
Vratislav I., Herzog von Böhmen (reg. ca. 915–921)
Drahomicia
Drahomíra von Stodor, Herzogin von Böhmen, Gemahlin Vratislavs I. (gest. nach 935)
Wentzeslaum
Wenzel I., Herzog von Böhmen, Heiliger (ca. 907–935)
Boleslaum
Boleslav I., Herzog von Böhmen, der Grausame (reg. ca. 915–972)
vogtpern iaren
mündige Jahre, Volljährigkeit
geschloß Thetin
Burg Tetín (historische Burg in Böhmen)
wirtschaft
Festmahl, Gastmahl
OTto koenig Heinrichs sun
Otto I., Sohn Heinrichs I. (des Voglers)
Mathilda der tochter Theodorici des koenigs zu sachßen
Mathilde, Tochter Theoderichs, des Königs zu Sachsen. (Historisch korrekt: Mathilde war die Tochter des Grafen Dietrich von Ringelheim. Heinrich I. war Herzog von Sachsen, nicht König Theoderich.)
franckreichischen koenigreichen
Fränkische Königreiche (historische Bezeichnung für die Reiche der Franken, hier Ost- und Westfrankenreich)
babst agapitus
Papst Agapitus II. (reg. 946–955)
fuenftzig tawsent weppnern
50.000 Bewaffnete
kaiserthumb
Kaisertum
Alundam
Adelheid von Burgund, spätere Kaiserin, Gemahlin Ottos I. (931–999)
longobardiern
Langobarden (germanischer Volksstamm, der in Italien ein Reich gründete)
anlayterin
Anleiterin, Führerin
gartten der wollustperkeit
Garten der Wollust (Paradies)
hoherspreißlich
höchst nützlich, sehr förderlich
anlernung
Belehrung, Lehre
freuentlichs
freundliches
nachpewrlichs
nachbarliches
vnrats
Unheil, Schaden
zeuerletzen
zu verletzen
zebrechen
zu brechen
zebetrueeben
zu trüben
zetragen
zu tragen
zenemen
zu nehmen
zetretten
zu treten
gemanigfeltigt
vervielfältigt
zwittrachtigkeit
Zwietracht
auffruor
Aufruhr
grund vnd podem
Grund und Boden