Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Johannes der. xii. // Benedictus der fuenft // Leo der acht // Johannes der .xiii. // Benedictus der sechst Jar der werlt .vim.ic.liii.Jar cristi .ixc.liiii. Johannes der .xii. ein roemer hieß erstlich octauianus. Sein vater was ein mechtiger roemer. der bracht disen octauianum mit gewalt vnd listig anschleg in den bebstlichen stuol. aber er fueeret im babstlichen stand ein solchs leben mit iagen vnd frawen das nicht allain eim babst sunder einer igclichen sundern person verachtlich vnd verweyßlich gewesen wer. Es warden deßmals ierlich zwen ratherren auß der erberkeit vnd adel erkorn denen das gemayn regiment der statt befolhen was. vnd auch ein verweser auß den erbern gesatzt dem volck rechtens zegestatten vnd zeuerhelffen. vnd auß dem gemaynen volck zwoelff man. Vnd wiewol die statt rom mit schickerlicher ordnung zu der freyheit dienstlich vnd fuerderlich bewaret was. yedoch vnderstuond octauianus sich in solcher freyen statt gewalts zegeprauchen vnd ime bebstliche hoehe. der er nit wirdig was zuzeziehen. Zwen cardinel hetten dess verdrieß vnd schriben ottoni mit fleißiger bette die roemischen pfafheit vnd volck von den hennden Berengarii vnd diss babsts zeentledigen oder es wuerd der cristenlich glawb mitsambt dem roemischen kaiserthumb ernidergeen. Deßgleichen schriben auch ottoni vil ander welschs volcks. In mittler zeit gelanget die sach an den babst der erzuernet also das er derselben cardinel einen die nasen dem andern ein hand abhawen ließ. Nw kome otto gein rom vnnd empfieng von disem Johanne (wiwol ettlich sprechen von Leone) die kaiserlichen kron mitsambt dem tittel teuetschs lands vnd pannonie vnd vermanet den babst erstlich mit guoten wortten vnnd darnach mit bedroungen von seinem vnwesen abzelassen. do besorget sich iohannes vor dem kaiser vnd enthielt sich ein weil in den welden wie ein wilds thier. vnd vnlang nach seiner widerkunft starb er im. ix. iar dritten monat am fuenften tag seins babstthumbs BEnedictus der fuenft auch ein roemer wardt zu babst erkorn allermaist von den die dem vorgenantten Johanni verwandt waren. wiewol otto vormals den erwelten Leonem bestettigt hett. yedoch setzten die frefeln disen Benedictum in sant peters stuol. Als solchs an kaiser otten gelanget do gedacht er das nichtz mer mit worten vnd bedroungen zeschaffen wer vnd keret fleiß an die stett vnd gegent des roemischen gerichtßzwangs vnd felds einzenemen zeuerwueesten vnd zeuerheeren. darnach bedranget er die statt rom mit also schwerer belegerung das ein metz kleyen der selben zeitt. xxx. gulden gegolten hat. vnd die roemer also geengstigt warden das sie disen Benedictum dem kaiser ottoni gaben vnd Leonem auffnomen. Nach gezeuemter widerspennigkeit der roemer keret otto wider in teuetsche land. LEo der acht wardt vor Benedicto zu babst erkorn vnd von kaiser otten zu dem bebstlichen stuol bestettigt vnd doch von roemern außgetriben. Aber kaiser otto zwunge sie mit gewalt vnd waffen Leonem wider auffzenemen. Der hat alßpald zu straff der roemer vnbestenndigkeit allen gewalt einen babst zewelen von dem roemischen volck vnd pfafheit an den kaiser gewenndt hat. vnd starb nach seiner widereinsatzung im dritten monat. Johannes der. xiii. in roemer nach Leone babst erkorn wardt von Petro dem verweser der statt mit feindlichem hawbtneyd verfolget. vnnd auff sein geschefft von Jofredo dem campanischen grafen in sant Johanns kirchen gefangen vnd in die engelburg gefueert. ettlich tag alda in huot gehalten. vnd darnach in campaniam geschickt. Als aber Jofredus vnd sein ainiger sun von Johanne dem capuanischen fuersten erschlagen warden do kom diser Johannes wider anhayms gein rom. Als kaiser otto diss babsts iamer vername do zohe er gein rom vnd fienge den verweser vnd regenten daselbst. vnd Johannes starb im sibenden iar seins babstthumbs. BEnedictus der sechst auch ein roemer was ein nachkomen Jehannis im babstthumb vnd iamer. dann er wardt von eim mechtigen roemischen burger in die engelburg gedrungen vnd daselbst innen erwuergt. oder (als die andern halten) hungers getoedt im andern iar seins babstthumbs. Linea der kaiser // Otto der erst OTto der erst ein kaiser der teuetschen koenig Heinrichs erb vnd nachkomen seins koenigreichs ist im iar des hayls .ixc.lxii. als er in teuetschem land .xviii. iar geregirt het vom babst zu kaiser erklert. vnd dauor zu Ach von Hildiberto dem mayntzischen ertzbischoff erstlich gekroent worden. vnd hat das kaiserthumb. xii. iar geregirt. Diss was ein fast cristenlicher man vnd ein liebhaber vnd ernstlicher beschirmer der roemischen kirchen. Er zemet Boleslaum den beihmischen hertzog vnnd hat nach entledigtem koenig Ludwigen zu franckreich demselben koenigreich frid gegeben. Zu derselben zeit vnderstund sich Vgo der gross parisiensisch graff der die schwester Ottonis zu der ee het koenig Ludwigen zu franckreich widerumb feyndschaft zetragen. do zohe kaiser otto abermals in franckreich vnnd bracht Vgonen zu gehorsam vnder koenig Ludwigen. Der hertzog Gisilbertus der koenigs otten schwester zu der ee het zohe wider die frantzosen als ein feynd bis gein andernach. daselbst wardt er vberwunden vnd in der flucht im rheyn versennckt. So empfieng der koenig die gantzen nyderlendischen gegent in ergebung. Darnach hat koenig Ludwig ime die wittiben Gißberti zu derr ee vermehelet. Nw haben deßmals die hungern teuetsch land vberzogen vnd sich am fluss des lechs bey der statt Augspurg ernider gelaßen. vnnd wiewol diser kaiser otto auff anruoffung sant Vlrichs des heilligsten bischofs daselbst sich gegen den hungern ruostet vnd mit heereßkraft an sie setzet. vnd dieselben schluog vnd erniderleget so geschahe doch solchs nit on mercklich pluotuergiessung vnd nyderlage auch der seinen. dann in demselben streyt der dann ettwieuil tag weeret. vnnd allain bey nacht ansteen blib ist gefallen Conradus der tochterman des koenigs. vnnd der hertzog zu Wurms. so warden die hungern schier alle erschlagen vnd abgetilgt vnd der hungern vermuegen vnd macht deßmals also gekrenckt vnd außgeschoeppfft das sie sich darnach vil zeit anhayms haben mueeßen enthalten. Drey hungrisch koeniglein warden in demselben streyt gefangen vnd lebendig zu kaiser otten gefueert. vnnd durch die teuetschen zu schmah den hungern erhenckt. Als nw der preyß. lobe vnd ruom solcher sighaftiger vnd mechtiger bestreytung kaiser Otten wider die feynd des roemischen namens an die roemer vnnd walhen gelanget do rueefften sie disen kaiser otten an sie von der gewaltsame Berengarii. vnd alberti seins suns. auch andrer wueetrich zeentledigen. Also bekroenet diser kaiser otto seinen sun auß Alunda seiner gemahel geporn auch otto genant siben iar alt zu Ach zu einem koenig teuetscher land. Darnach zohe er mit grosser ere gein rom daselbst hat er die kaiserlichen kron von babst Johanne dem. xii. (wiewol ettlich setzen von babst Leone dem achten) empfangen. Babst Johannem zu besserung seins lebens vermanet. vnnd auff anrueeffung des volcks inen einen wirdigen babst anzezaigen Leonem. der auff des kaisers befelh erwelt ward zu babst bestettigt vnd nach stillung der roemischen sachen gein Spoletum gerayset vnd die kriechischen in apulia vnd calabria vberwuenden vnd das roemisch kaiserthumb an die teuetschen gebracht. Auch zu Gaßlar im sachßenland ein bergkwerck einer silbergruoben erfuonden. vnd die statt Magdeburg mit vil zierden begabtt. vnd zu einer bischoflichen hawbtstatt gemacht. vnd pfenning die in welschen landen vnd ottolini genant sind gemuentzt. vnd als ein gueetiger vnnd besunder mylter mensch vil loeblicher hendel vnd geschihten geuebet. vnd in seinem alter ottonem senen sun zu eim mitregirer des kaiserthumbs geordnet. Er starb vor alter vnd wardt sein leichnam gein Magdeburg gefueert vnd daselbst begragen in sant Mauricien kirchen. die er mit großem dargelegten kosten erpawet het. DIser zeit fiel ein stayn wunderperlicher groeße von hymel in großem wind vnd regen. vnnd an vil menschen klaidern erschynen pluotfarbe zaichen des creuetzs. DIe aylfft vnd zwoelfft zwayung beschahen zu den zeiten kaiser otten zwischen Johannem Leonem vnd Benedictum auß vrsachen vnd in gestalt als hieuor gemelt ist. left Die sunn lydde ein erschroeckenliche finsternus am freytag zur dritten stunnd als Addamaram der sarracenisch koenig von Radamiro dem aller cristenlichsten koenig gallicie im streyt vberwunden wardt. In welschem land erschyne ein wundergroßer comet fuerkuendende einen hunger. der darnach folget. So bracht koenig otto den leichnam sancti Innocencii gein Magdeburg. In dem. xxxii. iar ottonis wardt einer seiner grafen zu rom vom teuefel ergriffen inen mit zenen zuozereissen. vnd zu babst Johannem dem xiii. gefueert ime sant peters ketten vmb den hals zelegen. vnd als ime erstlich ein vnrechte kett angelegt ward vnd zu entledigung nit helffen wolt do wardt ime darnach die recht sant peters kett. da mit er gepunden was gewesen vmb seinen hals gelegt vnd geledigt. also das der teuefel außspuertzet vnd mit geschray hinfuere. do ergriffe Theodoricus der bischof zu Metz dieselben ketten vnd sprach. er wolt ee die hannd dann die ketten laßen. do betaydinget der kayser das der babst dem bischoff ein glide von derselben ketten geben solt.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Johannes XII., Benedikt V., Leo VIII., Johannes XIII., Benedikt VI. Im Jahr der Welt 5153, im Jahr Christi 954. Johannes XII., ein Römer, hieß ursprünglich Octavian. Sein Vater war ein mächtiger Römer, der diesen Octavian mit Gewalt und listigen Anschlägen auf den päpstlichen Stuhl brachte. Doch führte er im päpstlichen Stand ein solches Leben mit Jagden und Frauen, das nicht allein einem Papst, sondern jeder einzelnen Person verächtlich und verwerflich gewesen wäre. Es wurden damals jährlich zwei Ratsherren aus dem Bürgertum und Adel erwählt, denen die allgemeine Regierung der Stadt anvertraut war; und auch ein Verweser aus den Ehrenhaften eingesetzt, um dem Volk Recht zu gewähren und zu helfen; und aus dem gemeinen Volk zwölf Männer. Und obwohl die Stadt Rom mit schicklicher Ordnung zur Freiheit dienlich und förderlich bewahrt war, unternahm Octavian es doch, sich in solch freier Stadt der Gewalt zu bedienen und sich die päpstliche Höhe anzueignen, der er nicht würdig war. Zwei Kardinäle hatten dessen Verdruss und schrieben Otto mit eindringlicher Bitte, die römische Priesterschaft und das Volk von den Händen Berengars und dieses Papstes zu befreien, oder es würde der christliche Glaube mitsamt dem römischen Kaisertum untergehen. Desgleichen schrieben auch viele andere welsche Völker an Otto. In der Zwischenzeit gelangte die Sache an den Papst, der so erzürnte, dass er einem der Kardinäle die Nase, dem anderen eine Hand abhauen ließ. Nun kam Otto nach Rom und empfing von diesem Johannes (obwohl etliche sagen, von Leo) die kaiserliche Krone mitsamt dem Titel des deutschen Landes und Pannoniens und ermahnte den Papst erstlich mit guten Worten und darnach mit Drohungen, von seinem unwürdigen Verhalten abzulassen. Da fürchtete sich Johannes vor dem Kaiser und hielt sich eine Weile in den Wäldern wie ein wildes Tier auf. Und unlange nach seiner Wiederkunft starb er im neunten Jahr, dritten Monat, am fünften Tag seines Papsttums. Benedikt V., auch ein Römer, wurde zum Papst erkoren, allermeist von denen, die dem vorgenannten Johannes nahestanden. Obwohl Otto vormals den erwählten Leo bestätigt hatte, setzten die Frevler diesen Benedikt auf den Stuhl Petri. Als solches an Kaiser Otto gelangte, da dachte er, dass nichts mehr mit Worten und Drohungen auszurichten wäre, und wandte Fleiß daran, die Städte und Gegenden des römischen Gerichtsbezirks und Feldes einzunehmen, zu verwüsten und zu verheeren. Darnach bedrängte er die Stadt Rom mit einer so schweren Belagerung, dass ein Metzen Kleie zu derselben Zeit dreißig Gulden gekostet hat, und die Römer so geängstigt wurden, dass sie diesen Benedikt dem Kaiser Otto übergaben und Leo aufnahmen. Nach bezwungener Widerspenstigkeit der Römer kehrte Otto wieder ins deutsche Land zurück. Leo VIII. wurde vor Benedikt zum Papst erkoren und von Kaiser Otto auf den päpstlichen Stuhl bestätigt und doch von den Römern ausgetrieben. Aber Kaiser Otto zwang sie mit Gewalt und Waffen, Leo wieder aufzunehmen. Dieser hat alsbald zur Strafe der römischen Unbeständigkeit alle Gewalt, einen Papst zu wählen, vom römischen Volk und der Priesterschaft an den Kaiser gewandt. Und starb nach seiner Wiedereinsetzung im dritten Monat. Johannes XIII., ein Römer, nach Leo zum Papst erkoren, wurde von Petrus, dem Verwalter der Stadt, mit feindlichem Hauptneid verfolgt und auf dessen Betreiben von Jofrid, dem kampanischen Grafen, in der Kirche des heiligen Johannes gefangen und in die Engelsburg geführt, etliche Tage dort in Haft gehalten und darnach nach Kampanien geschickt. Als aber Jofrid und sein einziger Sohn von Johannes, dem Fürsten von Capua, erschlagen wurden, da kam dieser Johannes wieder heim nach Rom. Als Kaiser Otto dieses Papstes Jammer vernahm, da zog er nach Rom und fing den Verwalter und Regenten daselbst. Und Johannes starb im siebten Jahr seines Papsttums. Benedikt VI., auch ein Römer, war ein Nachfolger Johannes' im Papsttum und im Leid; denn er wurde von einem mächtigen römischen Bürger in die Engelsburg gedrängt und daselbst erwürgt oder (wie die anderen meinen) hungers getötet im zweiten Jahr seines Papsttums. Linie der Kaiser: Otto der Erste. Otto der Erste, ein Kaiser der Deutschen, Heinrichs Erbe und Nachkomme seines Königreichs, ist im Jahr des Heils 962, als er im deutschen Land 18 Jahre regiert hatte, vom Papst zum Kaiser erklärt worden. Und davor zu Aachen von Hildebert, dem Mainzer Erzbischof, zuerst gekrönt worden. Und hat das Kaisertum 12 Jahre regiert. Dies war ein sehr christlicher Mann und ein Liebhaber und ernsthafter Beschützer der römischen Kirche. Er zähmte Boleslaus, den böhmischen Herzog, und hat nach der Befreiung König Ludwigs in Frankreich demselben Königreich Frieden gegeben. Zu derselben Zeit unternahm es Hugo der Große, der Pariser Graf, der die Schwester Ottos zur Ehe hatte, König Ludwig in Frankreich wiederum Feindschaft zu tragen. Da zog Kaiser Otto abermals nach Frankreich und brachte Hugo zu Gehorsam unter König Ludwig. Der Herzog Giselbert, der des Königs Ottos Schwester zur Ehe hatte, zog wider die Franzosen als ein Feind bis nach Andernach. Daselbst wurde er überwunden und in der Flucht im Rhein versenkt. So empfing der König die ganzen niederländischen Gegenden in Unterwerfung. Darnach hat König Ludwig ihm die Witwe Giselberts zur Ehe vermählt. Nun haben damals die Ungarn das deutsche Land überzogen und sich am Fluss des Lechs bei der Stadt Augsburg niedergelassen. Und obwohl dieser Kaiser Otto auf Anrufung des heiligsten Bischofs Ulrich daselbst sich gegen die Ungarn rüstete und mit Heereskraft an sie setzte und dieselben schlug und niederlegte, so geschah solches doch nicht ohne merkliche Blutvergießung und Niederlage auch der Seinen. Denn in demselben Streit, der dann etliche Tage währte und allein bei Nacht stillstand, ist Konrad, der Schwiegersohn des Königs, und der Herzog zu Worms gefallen. So wurden die Ungarn schier alle erschlagen und ausgelöscht, und das Vermögen und die Macht der Ungarn damals so geschwächt und ausgeschöpft, dass sie sich darnach lange Zeit daheim haben müssen enthalten. Drei ungarische Königlein wurden in demselben Streit gefangen und lebendig zu Kaiser Otto geführt und durch die Deutschen zur Schmach der Ungarn erhängt. Als nun der Preis, Lob und Ruhm solcher sieghafter und mächtiger Bekämpfung Kaiser Ottos wider die Feinde des römischen Namens an die Römer und Walchen gelangte, da riefen sie diesen Kaiser Otto an, sie von der Gewaltsamkeit Berengars und Alberts, seines Sohnes, auch anderer Wüteriche zu befreien. Also krönte dieser Kaiser Otto seinen Sohn, aus Adelheid, seiner Gemahlin geboren, auch Otto genannt, sieben Jahre alt, zu Aachen zu einem König des deutschen Landes. Darnach zog er mit großer Ehre nach Rom. Daselbst hat er die kaiserliche Krone von Papst Johannes XII. (obwohl etliche setzen, von Papst Leo VIII.) empfangen, Papst Johannes zur Besserung seines Lebens ermahnt und auf Anrufung des Volkes hin, ihnen einen würdigen Papst zu zeigen.