Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
siehe auch Themenseite Magdeburg Das sechst alter MAgdeburg ist ein hawbtstatt in sachßen land an dem fluss der Elbe glegen. Derselb fluss entspringt in den bergen behmer land. vnd merhernland taylend. vnd lawft schier mitten durch die prouintzen auß. vnnd rynnet hin erstlich gein dem nidergang. darnach gein mitternacht. vnd alßdann durch enge gepirg vnd gehe tal schnelligclih in das sachsisch land fuer dise statt Magdeburg hyn vnd fuertter hynab in das meer. Vnd die roemer sind (als strabo schreibt) nye vber die Elb komen. Ettlich haben disen fluss der elb als ein ende der zil teuetschs lands vnd des sarmacischen lands gesetzt. Dise statt ein erberer ersamer stuol der kaiser vnnd bischoff ist in drey ryfier getaylt vnd mit zynnen. vorweren. ergkeren. thuernen vnd graben befestigt vnd bewaret. vnd mit großtetigen herrlichen hewßern. huebschen gaßen. vnd weytten schoenen tempeln gezieret. vnnd durch den großen kaiser Karl daselbst ein edels bistthumb geordnet. dann als er den longobardischen krieg volbracht vnd iren mechtigen koenig gefangen het. do setzet er ime fuer alßpald on verzug in Galliam widerzeziehen.denn der sechsisch krieg vrsachet ine wideranhayms zekomen. wann das sechsisch volck was gar mechtig vnnd schier aller teuetschen das streythaftigst. die ereten falsche goetter vnd hetten weder goettlichs noch menschlichs recht vor awgen. sunder sie haßeten die gleichheit. billichkeit vnßern gotßdienst vnnd glawben. vnd die gottes diener. Sie warn der franckreichischen nachpawrn mit den fueereten sie stettigclich krieg. derselben bestreyttung vnd obsygung was dem großen kaiser Karl als auß goettlicher schickung behalten. vnd kaiser Karl hat ye keinen groeßern schwerern vnd lengern krieg denn den sechsischen gefueert wol .xxxiii. iar. Zu letst warden die sachßen also gantz bestritten das sie sich vnnd das ir in den gewalt kaiser Karls ergaben. rechte gesetz auff sich namen. ire angeporne gewonheit vnd falsch goetter hinlegten vnd verließen. den cristenlichen glawben bekenneten vnd des alles laystbuergen setzeten. dann kaiser karl het in seinen kriegen den fuersatz vnd das ende vor awgen das er das gesetz des cristenlichen glawbens. souil an ime were erheben woelt. darumb als er das sechsisch land geraynigt het do richtet er darinn .x. bischoffthumb auf. Der erst bischoflich stuol von ime gestiftet ist die Osnaburgensisch kirch an dem fluss Hasa gelegen in sannt Peters ere. Die ander die Halberstatisch in sant Stephans ere. die vormals zu oesterwick gewesen ist. Die dritt die Myndensisch an dem fluss Wesara in dem gschloss Wesekini. Die vierd die Bremensisch in sant Peters ere auff der werlt Blat CLXXX der Wesera gelegen. Die fuenft die Badebornensisch in der seligsten iunckfrawen Marie ere. Die sechst Verdensisch an dem fluss alera. Die sibent die Monasteriensisch zu Muenster in sant Pauls ere. Die acht zu Hyldeßheim. die newndt die Hambergensisch. Die zehend bischoflich kirch ist der hohberuembt Magdeburgisch stuol in sannt Mauricien ere gestiftet an der Elb. Doch ist dieser stuol von Karolo dem großen erstlich aufgesetzt zu Styde auf der herrschaft der grauen von Swalenworch yetzo die von Lyppia genant. Darnach ist diser stuol gein Valerßlene. nachfolgend gein Vrese gewendet. vnnd zu letst durch kaiser otten den ersten nach der gepurt cristi .ixc.xxx. iar gein Magdeburg verwandelt. vnd durch sein hilff vnd fuerdernus zu der wirdigkeit des primatus in alemania erhoeht worden. Daselbst was santn Adelbertus der erst bischoff ein man aller tugennt vol. In diser statt Magdeburg ist ein fast zierliche kirch in sant Mauricien ere auß quaderstaynen erpawet. gar ein edels werck der kaiser otten. vnd darinn der leichnam sancti Florencii. Sie glawben das alda sey der sechs krueeg einer darinn nach sag der euangelischen historien der herr cristus vnßer hayland waßer zu wein gemacht hat. Den zaigt man dem volck vnd ist marmorstaynin vnd leicht vnd mag so vil weins dar ein als vil dess ein pferd tragen moecht. So sagen sie das ein andrer vnd klayner kruog zu Hildeßheym sey. Auch wirdt sant Mauricien panyer ierlich alda gezaigt. Die burger daselbst haben vnnd halten ein rechtbuoch der Sachsen spiegel genant inen von dem großen kaiser Karln bestettigt. Daselbst hin auch die nahend gelegnen voelcker zu entschidung irer sachen ir zuflucht haben. Daselbst ist ein schoens pild Rolandi kaiser Karls gesyppten freuends. der ein vberstarcker man was. vnnd nach großer mechtiger niderlag der feind als er sein heer auß hyspania in galliam herwiderfueerret von dem vasconischen volck in eim streyt erschlagen wardt. Vnd diser ist der Rolandus der (als man sagt) zu seinen zeitten an stercke des leibs vnnd groeße des gemueets andere mann weit vbertroffen hat. also das seine starcke werck vnnd vbung in aller werlt gepreyset. gelobt vnd hohberuembt werden. Magdeburg
Das sechste Zeitalter. Magdeburg ist eine Hauptstadt im Sachsenland, am Fluss der Elbe gelegen. Derselbe Fluss entspringt in den Bergen des Böhmischen Landes und teilt Mähren, und läuft fast mitten durch die Provinzen. Er rinnt zuerst gegen Westen, danach gegen Norden, und alsdann durch enge Gebirge und tiefe Täler schnell in das sächsische Land vor diese Stadt Magdeburg hin und weiter hinab in das Meer. Und die Römer sind (wie Strabo schreibt) nie über die Elbe gekommen. Etliche haben diesen Fluss der Elbe als ein Ende der Grenze des deutschen Landes und des sarmatischen Landes gesetzt. Diese Stadt, ein ehrwürdiger, ehrenwerter Sitz der Kaiser und Bischöfe, ist in drei Reviere geteilt und mit Zinnen, Vorwehren, Erkern, Türmen und Gräben befestigt und bewahrt, und mit großartigen, herrlichen Häusern, hübschen Gassen und weiten, schönen Tempeln geziert. Und durch den großen Kaiser Karl wurde daselbst ein edles Bistum geordnet. Denn als er den Langobardenkrieg vollbracht und ihren mächtigen König gefangen hatte, da setzte er sich sogleich ohne Verzug in Galliam zurückzuziehen. Doch der Sachsenkrieg veranlasste ihn, wieder heimzukommen. Denn das sächsische Volk war sehr mächtig und fast das streitbarste aller Deutschen. Sie ehrten falsche Götter und hatten weder göttliches noch menschliches Recht vor Augen, sondern sie hassten die Gleichheit, Billigkeit, unseren Gottesdienst und Glauben und die Gottesdiener. Sie waren die Nachbarn der Franken, mit denen sie ständig Krieg führten. Deren Bekämpfung und Besiegung war dem großen Kaiser Karl wie aus göttlicher Schickung vorbehalten. Und Kaiser Karl hat je keinen größeren, schwereren und längeren Krieg als den sächsischen geführt, wohl 33 Jahre. Zuletzt wurden die Sachsen so gänzlich bekämpft, dass sie sich und das Ihre in den Gewalt Kaiser Karls ergaben, rechte Gesetze annahmen, ihre angeborenen Gewohnheiten und falschen Götter ablegten und verließen, den christlichen Glauben bekannten und für all dies Bürgen setzten. Denn Kaiser Karl hatte in seinen Kriegen den Vorsatz und das Ziel vor Augen, dass er das Gesetz des christlichen Glaubens, soweit es an ihm lag, erheben wollte. Darum, als er das Sachsenland gereinigt hatte, da richtete er darin zehn Bistümer auf. Der erste bischöfliche Stuhl, von ihm gestiftet, ist die Osnabrücker Kirche am Fluss Hase gelegen, zu Ehren des heiligen Petrus. Die andere die Halberstädter zu Ehren des heiligen Stephan, die vormals zu Osterwieck gewesen ist. Die dritte die Mindener am Fluss Weser im Schloss Weseck. Die vierte die Bremer zu Ehren des heiligen Petrus, an der Weser gelegen. Die fünfte die Paderborner zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria. Die sechste die Verdensche am Fluss Aller. Die siebente die Münsterische zu Münster zu Ehren des heiligen Paulus. Die achte zu Hildesheim. Die neunte die Hamburger. Die zehnte bischöfliche Kirche ist der hochberühmte Magdeburger Stuhl zu Ehren des heiligen Mauritius, gestiftet an der Elbe. Doch ist dieser Stuhl von Karl dem Großen erstlich aufgesetzt zu Stiddien auf der Herrschaft der Grafen von Schwalenberg, jetzt die von Lippe genannt. Darnach ist dieser Stuhl nach Valerßlene, nachfolgend nach Vrese gewendet und zuletzt durch Kaiser Otto den Ersten im Jahre 930 nach Christi Geburt nach Magdeburg verlegt und durch seine Hilfe und Förderung zu der Würdigkeit des primatus in Alemania erhöht worden. Daselbst war der heilige Adalbert der erste Bischof, ein Mann voller aller Tugenden. In dieser Stadt Magdeburg ist eine fast zierliche Kirche zu Ehren des heiligen Mauritius aus Quadersteinen erbaut, gar ein edles Werk der Kaiser Otto. Und darin der Leichnam sancti Florencii. Sie glauben, dass allda einer der sechs Krüge sei, in dem nach der evangelischen Geschichte der Herr Christus, unser Heiland, Wasser zu Wein gemacht hat. Den zeigt man dem Volk, und er ist marmorsteinern und leicht, und es mag so viel Wein hinein, wie ein Pferd tragen könnte. So sagen sie, dass ein anderer und kleinerer Krug zu Hildesheim sei. Auch wird des heiligen Mauritius Banner jährlich dort gezeigt. Die Bürger daselbst haben und halten ein Rechtsbuch, der Sachsenspiegel genannt, ihnen von dem großen Kaiser Karl bestätigt. Daselbst haben auch die nahe gelegenen Völker zur Entscheidung ihrer Sachen ihre Zuflucht. Daselbst ist ein schönes Bild Rolands, Kaiser Karls verwandten Freundes, der ein überaus starker Mann war. Und nach großer, mächtiger Niederlage der Feinde, als er sein Heer aus Hispania in Galliam zurückführte, wurde er von dem vasconischen Volk in einem Streit erschlagen. Und dieser ist der Roland, der (wie man sagt) zu seinen Zeiten an Stärke des Leibes und Größe des Gemütes andere Männer weit übertroffen hat, sodass seine starken Werke und Taten in aller Welt gepriesen, gelobt und hochberühmt werden.