Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Jar der werlt .vim.jc.lxxiij.Jar Cristi .ixc.lxxiiij. Linea der bebst // Donus der ander DOnus der ander ein roemer nach Benedicto ein babst was eim frumb auffrichtig vnd gantzmueetig man. Aber er hat in seim babstthumb nichtz sunders groß lobs wirdigs gehandelt. dann er starb im ersten iar seins babstthumbs. Bonifacius der sibend Bonifacius der sibend dess vaterland vnd zunamen von seins vnadels wegen verschwigen bleibt erlanget den babstthumb mit boesen listen. vnnd verlore auch denselben hinwiderumb boeßlich. dann er wardt auß verfolgung frummer burger gedrungen die statt rom zemeyden. darumb zohe er von dannen vnnd name die koestlichen klainat auß sant peters kirchen mit ime hin vnd fluhe gein constantinopel daselbst enthielt er sich so lang bis er auß den verkawften enttragnen heilligen klaynaten ein große summ gelts sammlet. mit demselben gelt maynet er ettlicge personen durch myet vnd gabe zebiegen vnd widerumb also in dem babstlichen stuol einzekomen. darinn teten ime ettlich frumm lewt widerstand. Vnnd nemlich ein cardinal den heiß er fahen vnnd seins gesichts berawben. Aber er starb vnnd endet sein leben in zwittrechtigkeit schentlich vnd saße nuor siben monat. Sant Vlrich bischoff SAnt Vlrich bischoff zu Augspurg auß dem edeln geschlecht der grafen von dilligen geporn. in sant gallen closter erzogen. der schrift vnd goetlicher ere erbietung vnderweist begeret in einen gaistlichen stand zekomen. aber er wardt von einer cleueßnerin vermanet solchs nicht zetun vnd verkuendet ine kuenftigclich einen bischoff zewerden. dar nach wardt er von seinen freuenden zu dem bischoff Adelberano getan. vnd zu letst zu eim bischoff nach dem willen gottes erkorn vnd keret sich mit gantzem fleiß auf goettliche beschewlichkeit vnd widererpawung der kirchen vnd vbet mit seinen tugenten vnd stettigem gepette wunderperliche ding. in dem hungrischen krieg sunderlich do kaiser otto sie erniderleget. In demselben streyt verlore sant Vlrich seinen bruder Diepoldum vnnd Regniboldum seiner schwester sun. Zu letst nach vil kronen der gedult starb er nach cristi gepurt. ixc.lxxiii. iar. vnnd seins alters in dem. lxxxiii. iar. vnd wardt von sant Wolffgang dem regenspurgischen bischoff zu Auspurg in sant Affra kirchen begraben vnd was an heilligkeit vnd wunderzaichen ein hohberuembt man. Benedictus der sibend BEnedctius der sibend ein roemer hat in eingang seins babstthumbs Gilbertum einen aufruorigen man vnd schwartzkunster in einer gehaltnen versamlung verdammet. vnd Arnulphum den bischoff der von Gilberto außgetriben wardt wider eingesetzt. vnnd darnach mit verwilligung kaiser Otten des alten Ottonem seinen sun mit Theophonia seiner gemahel zu rom gekroenet. Diser babst vermanet einen yegclichen bittende das sie in der wale eins roemischen kaisers den gemaynen cristenlichen nutz vnd stand versorgen solten. Er starb im. ix. iar seins babstthumbs. Johannes der. xiiii. JOhannes der .xiiii. auch ein roemer wardt im dritten monat nach angang seins babstthumbs von den roemern gefanngen in die Engelburg gefueert vnnd daselbst in gestanck. hunger vnd schwermueetigkeit so hart gehalten das er starb. Auß was vrsachen solchs beschehen sey ist nit aigentlich wissend. Johannes der. xv. Sant Cunrat bischoff Johannes der .xv. auch ein roemer hat sich nach empfangnem babstthumb wider die pfafheit in haß also grymmlich entzuendet das auch er billich von der pfafheit gehaßt wardt. dann er gab goettliche vnnd menschliche ding seinen gesypptten vnnd nahend gewandten. vngeachtet goettlicher ere vnd der wirdigkeit der roemischen kirchen. Dise irrung hat er seinen nachkomen also gelaßen das der bis hieher an vnßere zeit geraicht hat. Aber er starb im achten monat seins babstthumbs. SAnnt Cunrat der bischoff zu Costentz ist diser zeit an gaistlichkeit. heilligkeit. lere vnd andern tugenten hoh beruembt gewesen. Er was auß edeln eltern in teuetschen landen geporn vnd wardt der schrift berichtet erstlich von Nothingo dem bischoff zu Costentz ein verhoerer gaistlicher sachen. darnach ein probst erkorn. vnd nach absterben desselben bischoffs zu eim bischof von sant Vlrich vnd der pfafheit erwelet. Er hielt eins mals am ostertag das ambt der mess vnnd noße in vertrawen zu got ein spinnen die in den kelch gefallen was. die kroche darnach ob dem tisch wider auß seinem mund on verletzung. der werlt Blat CLXXXI Linea der kaiser // Otto der ander OTto der ander ein kaiser. den der groß kaiser Otto sein vater einen mitregirer des kaiserthumbs machet. vnd den mitsambt seiner gemahel theophonia der babst in sant Johanßen kirchen zu rom kroenet. hat im iar cristi. ixc.lxxv. allain zeregieren angefangen. ein guoter man vnd ernstlicher beschirmer der roemischen kirchen vnnd hat dem reich der kriechischen vor angenomnem kaiserthumb frid gegeben. vnnd Theophoniam Johannis des constantinopolitanischen kaisers schwester zu der ee genomen. Als er nw die kaiserlichen kron empfangen het vnd nach abgang seins vaters auß welschen landen wider in teuetsch lannd keret. do fande er hertzog Heinrichen zu bayern widerspennig. aber er machet ine pald gehorsam. Dieweil kaiser Otto mit disem krieg bekuemert was do zohe Lotharius der koenig zu franckreich mit großer heeres kraft in das lothringisch land das zu dem roemischen reich gehoeret. vnnd fueroan gein Ach vnd verwueestet die landschaft daselbst. do ruestet sich diser kaiser Otto mit heereßkraft auß bayern in Lothringen vnd fueroan in franckreich bis fuer gein parys ziehende vnnd zuendet die vorstatt daselbst an. Im widerweg empfieng er ettlicher maß schaden. Darnach zohe er mit großem heer in welsche lannd wider die kriechischen kaiser Basilium vnd constantinum. die Calabriam vnd ettlich gegent welschs lannds erobert hetten. Aber otto wardt vberwunden do kome er in der flucht auff ein schiff der meerrawber die fueereten ine vnbekannten in Siciliam. Als er aber daselbst bekannt wardt do verhieß er den von Sicilia vil gelts ine wider gein rom zefueeren. das erlangkt er von inen. Do er nw gein rom kom do thet er fleiß sein zerstrewtes heer wider zesameln. vnd nach dem er auß mangel des beystands seins heers wider die Roemer als vrsacher seiner erliddner nyderlag nichtz getorst fuernemen so keret er seinen zorn auff die Beneuentanier. derselben statt fienge er vnd zuendet die an. vnnd fueeret sant Bartholomes leichnam von dannen gein rom vnd starb alda vnd wardt mit großen eren begraben vnd ließ einen sun otto der dritt genant einen nachkomen des reichs vnd Adalisiam die tochter des marggrafen montis ferrati gemahel. Bruno ein bischof // Eduardus koenig // Ludwig koenig Odilo abbt // Alpharabius ein philozophus // Thebaldus ein graf BRuno bischoff zu Coelne des ersten kaisers otten bruder. ist von helligkeit wegen seins lebens in großen wirden gehabt gewest. der hat sant panthaleons closter zu coelne gestiftet vnd mit großer darlegung aufgerichtet. Durch diss heilligen bischofs fleiss sind die leichnam san Elisii vnd Patrocli mitsambt sant Peters stab von rom gein coelne gebracht worden. ODilo hat nach Maiolo dem heilligen Cluniacensischen abbt diser zeitt gereichßnet vnnd in tugenten geplueet vnd als ein abbt dasselb closter .lvi. iar heilligclich geregiert vnd in Burgundia den tag der gedechtnus aller gestorbnen nach aller heilligen tag erstlich erfunden vnd auffgesetzt. dz dann nachfolgend babst Johannes der .xvi. allen kirchen zehalten bestettigt hat. EDuardus der engellendisch koenig was deßmals in seiner regirung vnd auch an heillikeit scheinper. der darnach auß listigkeit vnd neyd seiner stiefmuoter erschlagen als ein martrer in vil wunderzaychen geschinen hat. ALpharabius auß arabia puertig ein treffenlicher philozophus hat diser zeit vil guoter schriften gemacht. LVdwig der vierd ein franckreichischer koenig vnnd der letst auß des großen Karls geschlecht hat nach Lothario vber die frantzosen geregirt. vnd Hugoni eim fast gestrengen ritterlichen man das reich. vnd Blancam sein gemahele auß der er keinen manß erben het nach seinem todt zewerden geschaft. dess geschlecht vnd nachkomen noch hewt beytag in franckreich herrscht. THebaldus der graff Canusii der Regiensischen statt was ein beruembt man an gemueet vnd wolgeuebten geschihten. dem dann von seiner verdienst wegen babst iohannes die statt ferrariam zebesitzen eingabe.
Das sechste Zeitalter der Welt, 5973 Jahre, Christi 974 Jahre. Linie der Päpste. Donus der Zweite. Donus der Zweite, ein Römer, war nach Benedikt ein Papst, ein frommer, aufrichtiger und gütiger Mann. Aber er hat in seinem Papsttum nichts besonders Lobenswertes getan, denn er starb im ersten Jahr seines Papsttums. Bonifatius der Siebte. Bonifatius der Siebte, dessen Herkunft und Nachname wegen seiner niederen Herkunft verschwiegen bleiben, erlangte das Papsttum mit bösen Listen und verlor es auch wieder auf böse Weise. Denn er wurde durch die Verfolgung frommer Bürger gezwungen, die Stadt Rom zu meiden. Darum zog er von dannen und nahm die kostbaren Kleinode aus der Peterskirche mit sich und floh nach Konstantinopel. Dort hielt er sich so lange auf, bis er aus den verkauften, entwendeten heiligen Kleinoden eine große Summe Geldes sammelte. Mit diesem Geld meinte er, etliche Personen durch Bestechung und Gaben zu beeinflussen und so wieder auf den päpstlichen Stuhl zu gelangen. Darin leisteten ihm etliche fromme Leute Widerstand. Und namentlich einen Kardinal ließ er fangen und seines Augenlichts berauben. Aber er starb und beendete sein Leben in Zwietracht schändlich und saß nur sieben Monate. Sankt Ulrich, Bischof. Sankt Ulrich, Bischof zu Augsburg, aus dem edlen Geschlecht der Grafen von Dillingen geboren, im Kloster Sankt Gallen erzogen, in der Schrift und der Ehrerbietung Gottes unterwiesen, begehrte er, in einen geistlichen Stand zu kommen. Aber er wurde von einer Klausnerin ermahnt, solches nicht zu tun, und sie verkündete ihm, künftig ein Bischof zu werden. Danach wurde er von seinen Freunden zu Bischof Adalbero gebracht und zuletzt nach dem Willen Gottes zum Bischof erwählt und widmete sich mit ganzem Fleiß der göttlichen Beschaulichkeit und dem Wiederaufbau der Kirchen und übte mit seinen Tugenden und stetigem Gebet wunderbare Dinge, besonders im Ungarnkrieg, als Kaiser Otto sie niederlegte. In demselben Streit verlor Sankt Ulrich seinen Bruder Diepold und Regnibold, den Sohn seiner Schwester. Zuletzt, nach vielen Kronen der Geduld, starb er nach Christi Geburt im Jahre 973 und in seinem 83. Lebensjahr und wurde von Sankt Wolfgang, dem Regensburger Bischof, zu Augsburg in der Kirche Sankt Afra begraben und war an Heiligkeit und Wunderzeichen ein hochberühmter Mann. Benedikt der Siebte. Benedikt der Siebte, ein Römer, hat zu Beginn seines Papsttums Gilbert, einen aufrührerischen Mann und Schwarzkünstler, in einer abgehaltenen Versammlung verdammt und Arnulf, den Bischof, der von Gilbert vertrieben worden war, wieder eingesetzt. Und danach mit Einwilligung Kaiser Ottos des Alten seinen Sohn Otto mit Theophania, seiner Gemahlin, zu Rom gekrönt. Dieser Papst ermahnte jeden Einzelnen bittend, dass sie bei der Wahl eines römischen Kaisers den allgemeinen christlichen Nutzen und Stand berücksichtigen sollten. Er starb im neunten Jahr seines Papsttums. Johannes der Vierzehnte. Johannes der Vierzehnte, auch ein Römer, wurde im dritten Monat nach Beginn seines Papsttums von den Römern gefangen, in die Engelsburg geführt und dort in Gestank, Hunger und Schwermütigkeit so hart gehalten, dass er starb. Aus welchen Ursachen solches geschehen sei, ist nicht eigentlich bekannt. Johannes der Fünfzehnte. Sankt Konrad, Bischof. Johannes der Fünfzehnte, auch ein Römer, hat sich nach Empfang des Papsttums gegen die Priesterschaft in Hass so grimmig entzündet, dass auch er billig von der Priesterschaft gehasst wurde. Denn er gab göttliche und menschliche Dinge seinen Verwandten und nahen Vertrauten, ungeachtet der göttlichen Ehre und der Würdigkeit der römischen Kirche. Diese Irrung hat er seinen Nachkommen so hinterlassen, dass sie bis hierher an unsere Zeit gereicht hat. Aber er starb im achten Monat seines Papsttums. Sankt Konrad, der Bischof zu Konstanz, ist dieser Zeit an Geistlichkeit, Heiligkeit, Lehre und anderen Tugenden hochberühmt gewesen. Er war aus edlen Eltern in deutschen Landen geboren und wurde in der Schrift unterrichtet, erstlich von Noting, dem Bischof zu Konstanz, ein Verhörer geistlicher Sachen. Danach ein Propst erkoren und nach dem Absterben desselben Bischofs zum Bischof von Sankt Ulrich und der Priesterschaft erwählt. Er hielt einmal am Ostertag das Amt der Messe und schluckte im Vertrauen auf Gott eine Spinne, die in den Kelch gefallen war. Diese kroch danach über dem Tisch wieder aus seinem Mund, ohne Verletzung. Der Welt Blatt 181. Linie der Kaiser. Otto der Zweite. Otto der Zweite, ein Kaiser, den der große Kaiser Otto, sein Vater, zu einem Mitregenten des Kaisertums machte und den samt seiner Gemahlin Theophania der Papst in der Kirche Sankt Johann zu Rom krönte, hat im Jahre Christi 975 allein zu regieren angefangen. Ein guter Mann und ernsthafter Beschirmer der römischen Kirche und hat dem Reich der Griechen vor der Annahme des Kaisertums Frieden gegeben und Theophania, die Schwester Johannes', des konstantinopolitanischen Kaisers, zur Ehe genommen. Als er nun die kaiserliche Krone empfangen hatte und nach dem Tod seines Vaters aus den welschen Landen wieder in deutsche Lande zurückkehrte, da fand er Herzog Heinrich von Bayern widerspenstig, aber er machte ihn bald gehorsam. Während Kaiser Otto mit diesem Krieg beschäftigt war, zog Lothar, der König von Frankreich, mit großer Heereskraft in das lothringische Land, das zum römischen Reich gehörte, und weiter nach Aachen und verwüstete die Landschaft dort. Da rüstete sich dieser Kaiser Otto mit Heereskraft aus Bayern nach Lothringen und weiter nach Frankreich, bis vor Paris ziehend, und zündete die Vorstadt dort an. Auf dem Rückweg erlitt er einigermaßen Schaden. Danach zog er mit großem Heer in welsche Lande gegen die griechischen Kaiser Basileios und Konstantin, die Kalabrien und etliche Gegenden des welschen Landes erobert hatten. Aber Otto wurde überwunden, da kam er in der Flucht auf ein Schiff der Seeräuber, die ihn, unerkannt, nach Sizilien führten. Als er aber dort bekannt wurde, da versprach er den von Sizilien viel Geld, ihn wieder nach Rom zu führen. Das erlangte er von ihnen. Als er nun nach Rom kam, da bemühte er sich, sein zerstreutes Heer wieder zu sammeln. Und nachdem er aus Mangel des Beistands seines Heeres gegen die Römer als Verursacher seiner erlittenen Niederlage nichts zu unternehmen wagte, so kehrte er seinen Zorn auf die Beneventaner. Deren Stadt nahm er ein und zündete sie an und führte Sankt Bartholomäus' Leichnam von dannen nach Rom und starb dort und wurde mit großen Ehren begraben und hinterließ einen Sohn, Otto den Dritten genannt, einen Nachfolger des Reiches, und Adelheid, die Tochter des Markgrafen von Montferrat, als Gemahlin. Bruno, ein Bischof // Eduard, König // Ludwig, König // Odilo, Abt // Alpharabius, ein Philosoph // Theobald, ein Graf. Bruno, Bischof zu Köln, des ersten Kaisers Otto Bruder, ist wegen der Helligkeit seines Lebens in großen Ehren gehalten worden. Der hat das Kloster Sankt Pantaleon zu Köln gestiftet und mit großer Ausstattung errichtet. Durch dieses heiligen Bischofs Fleiß sind die Leichname Sankt Eligius' und Patroclus' samt Sankt Peters Stab von Rom nach Köln gebracht worden.