Schedelsche Weltchronik · Blatt 183

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 183, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 183, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter RAcherius ein bischoff zu Bern. dauor ein closter man. fast hohgelert hat vil dings geschriben. vnd die ketzerey Antropormotitarum genant außgerwtet. dieselben ketzer hielten auß pewrischer aynfeltigkeit das got menschliche glyder het vnwißende der stym des herrn. das der heillig gaist ein vnleiphaftiger got ist. DVnstanus der cantuariensisch bischoff was diser zeyt an großen wunderzaichen vnd heilligkeit scheinper vnd hat vil cloester gestiftet. vnd am tag seins absterbens vonm engel gelernet die ?ntiffen. O rex gencium et dominator eorum. EThgarius ein engellendischer koenig hat nach Echelstanum seinem vater vber die engellendischen .ix. iar geregirt ein gar cristenlicher man. Von dem lißet man dz er vnder andern wercken seiner tugent schier yedes iars ein closter pawet. ADeobaldus der Vltraiectensich bischoff ist auch diser zeit an kunst vnd fruemmkeit des lebens beruembt gewest vnnd hat vil zu lob der iunckfrawen marie vnnd des heilligen creuetzs geschriben. THeodoricus bischoff zu Metz der sybend ein heillig man der hieß vil heiltumbs auß welschem land zu ime bringen. vnd ruoet zu letst mit heilligem ende. HAtto der ertzbischoff zu Mayntz vormals abbt zu fulden sol von den mewßen in dem rheyn gefreßen worden sein darumb das er ein große menig der armen in einem stadel oder schewern zur zeit der tewrung als woelt er sie mit almuosen begaben versameln vnd verprennen hieß. die mewse haben auch seinen namen ab den wenden genagen. ODo der cantuariensisch bischoff wz diser zeit in tugenten vnd heilligkeit geplueet. Nemlich Gwilhelmus. Richardus. Popo. Ostertus. Berno. IN dem land vasconia erschyne ein wundergestalts ding das het zway hawbt vom nabel vnd vbersich auffgespalten. het auch zwu pruest. vnnd wenn ir eins aße so schlieff das ander. HUgo der groß caputius zugenambt empfieng nach absterben koenig ludwigs zu franckreich. auß seim gescheft dasselb koenigreich. vnd regiret mitsambt seiner gemahel vier iar. Ettlich sprechen er sey ein graff oder hertzog zu Parys. vnd sein vater robertus ein tyrann vnd flaischhacker gewesen. Aber zu seinen zeitten ist franckreich nit also geauffet. als Pipinus vnd die andern koenig das inngehebt haben. dann ettwen hatt alle Gallia vber das gepirg gelegen. auch osterwalden. vnd ein groß tail teuetscher land zu franckreich gehoert. Aber als das kaiserthumb auff die sachßen gelanget so ist nit allein teuetsch land vnd schweitzerland. sunder auch ein grosser tail des nyderlands vnnd auch Burgundi an das kayserthumb gelangt. Blat CLXXXIII der werlt KAiserlicher gewalt vnd koenigcliche macht ist nicht allain auß kraft der natur zu gemaynem nutz eingelaytet. sunder auch durch den hayland vnßern herren ihesum christum gottes sun. Jn des hand alle reich der werlt sind mit wortten vnd wercken bestettigt. der dann zu der zeyt als aller vmbkrais beschriben wardt hat woellen geporn werden. vnd den zynse des kaisers augusti geduldet vnd fuer sich vnd fuer petro tribut zegeben geschaffet. vnd der auch gefragt ob zymlich wer dem kaiser zinss zeraichen. nach besichtigung der muentz gesprochen hat. Gebt dem kaiser was des kaisers ist vnd got was gottes ist. Darumb spricht der sellig ambrosius. Begeret der kaiser tribut oder zinss so sind wir ime des nit wider. grund vnd poden der kirchen als ecker vnd felld sollen das bezalen. So spricht der kaiser iustinianus das ime der kaiserlich gewalt von der hymlischen maiestatt gegeben sey. Dann gleicherweiß als in den gaistlichen dem roemischen babst alle patriarchen. primates vnd andere bischoff vnd prelaten vnderworffen sind. wiewol die kriechischen solchs zuzeiten widersprochen haben. vnd das trewloße geschlecht der hussen nochmals widerspricht. Also ist offenbar dem roemischen kaiser alle werltlichen vnderworffen sein. Darumb die hernach gesatzt figur zaigt an wie die kaiserlich wale als auff starck sewln gefestigt ist dann als die schwacheit des kaiserthumbs vnd die wannckelheit des gluecks betrachtet wardt. auff das denn der hoehst kaiserlich gewalt lenger bey den teuetschen blibe. vnd das der. der andere an tugent vnd wirdigkeit fuertreffe auch den andern vor sein solt. So hat babst Gregorius der fuenft ordnung vnd bestettigung mit willen kayser otten von wale eins kaisers. die bis hieher auff vnßer zeit gehalten ist fuergenomen. Also das allain den teuetschen gezymet einen fuersten zeerwelen. der dann ein roemischer koenig genant. vnd nach bestettigung des babsts ein kaiser vnd merer des reichs gehalten werden solt. Vnd wann aber nach innhalt vnd satzung der gaistlichen recht der kaiser in zeittlichen dingen die ihenen fuertrift die von ime zeittliche ding empfahen. vnnd nw alles volck vnd alle fuersten von dem kaiser als von eim herren der werlt zeittliche ding nemen. darumb sind sie ime zu vndertenigkeit vnd gehorsam billich verpflichtet. dann wiewol sich ettlich widersetzen dem roemischen kaiserthumb gehorsam zesein so ist doch nach der monarchey vnd einigem fuerstenthumb des kaisers augusti octauiani nymannt ye so gar vnsynnig vnd abmueetig worden das er sich vnder eim andern dann des roemischen koenigs tittel einen herren der werlt vnd fuersten des vmbkraiß der erden hett gethuerren nennen. Nw zu anzaigung des frefels der ihenen die do fuergeben das sie dem roemischen kaiserthumb nicht pflichtper. sunder dauor gefreyet seyen. wiewol denn irer widerspennigkeit eer mit waffen denn mit gesetzen zebegegnen wer. auff das sie sich auß dem rechten vnderworffen zesein erkenneten. auß dem sie sich gefreyt achteten. yedoch ist zemercken das alle die ihenen die sich vnder dem ioch des kaiserthumbs zesein lawgnen. sprechen das sie solchs erlangt haben eintweders auß freyheit oder mit redlichen gethatten vnd einicher tugent. Vnd so aber das roemisch kaiserthumb von got vber alle menschen in der werltlichkeit auffgerichtet vnd deßhalb kund vnd offenbars rechtens ist das demselben nymant einichen nachteil oder geuerde bringen mag. so ist vnlawgenper vnd wissentlich das solch freiheiten die den hoehsten gewalt hinnemen vnd abstellen vntueglich vnd kraftloße sind. dann auß solchem erwachsen vil zwitrachtigkeit. rawberey. todschleg vnd krieg so nymant ist der als der oeberst nach ordung des rechtens solchen kriegen maß setzen solt. Wo wir aber vnder einem einigen hawbt lebten. alle einer einigen gehorsam folgten. vnd einen einigen hoehsten fuersten in werltlichen dingen erkenneten so reichßnet allenthalben auff erden der frid vnd wir geprauchten vns guoter vnd sueßer eintrechtigkeit. Dess zu offenbarem zaichen so ist von anbegynne der werlt bis hieher nye einicher gemayner frid gewesen. denn zu der zeit do aller vmbkraiß der erden auff den einigen kaiser augustum in gestalt des himlischen reichs ein aufsehen het. Vnd wiewol solchs zu eren Christo vnßerm erloeßer. der vnßere menschliche gestalt an sich geklaydet hat deßmals beschehen ist. so sol doch genuogsam sein das der goettlich pawmeister der werlt disen weg des frids zehaben gezaigt hat. dieweil der vmbkrais vnder einem einigen fuersten geregirt wardt. Vnd wiewol wir nit lawgnen das auch andrer koenig vnd fuersten macht vnd gewalt groß sein muog so sagen wir doch dabey das sie alle vnder dem roemischen kayserthumb sind. vnnd also gefoelgig sein sollen. das sie die gehorsam die sie von iren vndertanen erfordern dem roemischen kayser irem herren laysten. DO das roemisch kaiserthumb an die teuetschen gewendet wardt do ist es zu sterckrer bestenndigkeit gestift vnd gefestigt worden auff wier sewln. als auff vier hertzogen. vier marggrafen. vier lantgrafen. vier burggrafen. vier grafen. vier panyerherren. vier freyen. vier ritter. vier stett. vier doerffer vnd auf vier pawrn nach anzaigung der nachfolgenden figur. Von satzung vnd verordnung der churfursten des romischen reichs.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Racherius, ein Bischof zu Bern, zuvor ein Klostermann, sehr hochgelehrt, hat vieles geschrieben und die Ketzerei, Anthropomorphiten genannt, ausgerottet. Dieselben Ketzer hielten aus bäuerlicher Einfältigkeit, dass Gott menschliche Glieder hätte, unwissend der Stimme des Herrn, dass der Heilige Geist ein unkörperlicher Gott ist. Dunstan, der Erzbischof von Canterbury, war dieser Zeit an großen Wunderzeichen und Heiligkeit berühmt und hat viele Klöster gestiftet. Und am Tag seines Absterbens lernte er vom Engel die Antiphon: O rex gentium et dominator eorum. Edgar, ein englischer König, hat nach Athelstan, seinem Vater, über die Engländer neun Jahre regiert, ein sehr christlicher Mann. Von dem liest man, dass er unter anderen Werken seiner Tugend fast jedes Jahr ein Kloster baute. Adeobaldus, der Bischof von Utrecht, war auch dieser Zeit an Kunst und Frömmigkeit des Lebens berühmt gewesen und hat viel zum Lob der Jungfrau Maria und des Heiligen Kreuzes geschrieben. Theoderich, der siebte Bischof zu Metz, ein heiliger Mann, der ließ viel Heiltümer aus welschem Land zu ihm bringen und ruhte zuletzt mit heiligem Ende. Hatto, der Erzbischof zu Mainz, vormals Abt zu Fulda, soll von den Mäusen im Rhein gefressen worden sein, darum, weil er eine große Menge der Armen in einem Stadel oder Scheuern zur Zeit der Teuerung, als wollte er sie mit Almosen beschenken, versammeln und verbrennen ließ. Die Mäuse haben auch seinen Namen von den Wänden genagt. Odo, der Erzbischof von Canterbury, blühte dieser Zeit in Tugenden und Heiligkeit. Nämlich Wilhelm, Richard, Popo, Ostertus, Berno. Im Land Vasconia erschien ein wundergestaltiges Ding, das zwei Häupter vom Nabel aufwärts gespalten hatte. Es hatte auch zwei Brüste, und wenn das eine aß, so schlief das andere. Hugo, der Capet genannt, empfing nach dem Absterben König Ludwigs in Frankreich aus seinem Geschlecht dasselbe Königreich und regierte mitsamt seiner Gemahlin vier Jahre. Etliche sprechen, er sei ein Graf oder Herzog zu Paris und sein Vater Robert ein Tyrann und Fleischer gewesen. Aber zu seinen Zeiten ist Frankreich nicht so ausgedehnt gewesen, wie Pippin und die anderen Könige es innegehabt haben. Denn ehedem hatte ganz Gallien über das Gebirge gelegen, auch Osterwalden, und ein großer Teil deutscher Länder zu Frankreich gehört. Aber als das Kaisertum auf die Sachsen gelangte, so ist nicht allein deutsches Land und die Schweiz, sondern auch ein großer Teil der Niederlande und auch Burgund an das Kaisertum gelangt. Blatt 183 der Welt. Kaiserliche Gewalt und königliche Macht ist nicht allein aus Kraft der Natur zum gemeinen Nutzen eingeleitet, sondern auch durch den Heiland, unseren Herrn Jesus Christus, Gottes Sohn. In dessen Hand alle Reiche der Welt mit Worten und Werken bestätigt sind, der dann zu der Zeit, als der ganze Erdkreis beschrieben wurde, geboren werden wollte und den Zins des Kaisers Augustus geduldet und für sich und für Petrus Tribut zu geben geschaffen hat. Und der auch, gefragt, ob es ziemlich wäre, dem Kaiser Zins zu reichen, nach Besichtigung der Münze gesprochen hat: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Darum spricht der selige Ambrosius: Begehrt der Kaiser Tribut oder Zins, so sind wir ihm dessen nicht wider. Grund und Boden der Kirchen, als Äcker und Felder, sollen das bezahlen. So spricht der Kaiser Justinian, dass ihm die kaiserliche Gewalt von der himmlischen Majestät gegeben sei. Denn gleichermaßen, wie in den geistlichen Dingen dem römischen Papst alle Patriarchen, Primaten und andere Bischöfe und Prälaten unterworfen sind – wiewohl die Griechen solches zuzeiten widersprochen haben und das treulose Geschlecht der Hussiten nochmals widerspricht –, so ist offenbar, dass dem römischen Kaiser alle weltlichen [Mächte] unterworfen sein sollen. Darum zeigt die hiernach gesetzte Figur an, wie die kaiserliche Wahl wie auf starken Säulen befestigt ist. Denn als die Schwachheit des Kaisertums und die Wankelmütigkeit des Glücks betrachtet wurde, auf dass dann die höchste kaiserliche Gewalt länger bei den Deutschen bliebe und dass der, der andere an Tugend und Würdigkeit übertreffe, auch den anderen vorstehen sollte. So hat Papst Gregor der Fünfte eine Ordnung und Bestätigung mit dem Willen Kaiser Ottos zur Wahl eines Kaisers vorgenommen, die bis hierher auf unsere Zeit gehalten ist. Also dass allein den Deutschen geziemt, einen Fürsten zu erwählen, der dann ein römischer König genannt und nach Bestätigung des Papstes ein Kaiser und Mehrer des Reiches gehalten werden sollte. Und wenn aber nach Inhalt und Satzung des geistlichen Rechts der Kaiser in zeitlichen Dingen diejenigen übertrifft, die von ihm zeitliche Dinge empfangen, und nun alles Volk und alle Fürsten von dem Kaiser als von einem Herrn der Welt zeitliche Dinge nehmen, darum sind sie ihm zu Untertänigkeit und Gehorsam billig verpflichtet. Denn wiewohl sich etliche widersetzen, dem römischen Kaisertum gehorsam zu sein, so ist doch nach der Monarchie und dem einzigen Fürstentum des Kaisers Augustus Octavianus niemand je so gar unsinnig und abwegig geworden, dass er sich unter einem anderen Titel als dem des römischen Königs einen Herrn der Welt und Fürsten des Erdkreises hätte getrauen nennen. Nun zur Anzeige des Frevels derer, die vorgeben, dass sie dem römischen Kaisertum nicht pflichtbar, sondern davor befreit seien. Wiewohl denn ihrer Widerspenstigkeit eher mit Waffen als mit Gesetzen zu begegnen wäre, auf dass sie sich aus dem Recht unterworfen zu sein erkannten, aus dem sie sich befreit achteten. Jedoch ist zu merken, dass alle diejenigen, die sich unter dem Joch des Kaisertums zu sein leugnen, sprechen, dass sie solches erlangt haben, entweder aus Freiheit oder mit redlichen Taten und irgendeiner Tugend. Und so aber das römische Kaisertum von Gott über alle Menschen in der Weltlichkeit aufgerichtet und deshalb kund und offenbaren Rechts ist, dass demselben niemand irgendeinen Nachteil oder Gefahr bringen mag, so ist unleugbar und wissentlich, dass solche Freiheiten, die die höchste Gewalt hinwegnehmen und aufheben, untauglich und kraftlos sind. Denn aus solchem erwachsen viel Zwietracht, Räuberei, Totschläge und Kriege, da niemand ist, der als der Oberste nach Ordnung des Rechts solchen Kriegen Maß setzen sollte. Wo wir aber unter einem einzigen Haupt lebten, alle einem einzigen Gehorsam folgten und einen einzigen höchsten Fürsten in weltlichen Dingen anerkannten, so regierte allenthalben auf Erden der Friede, und wir erfreuten uns guter und süßer Eintracht. Dessen zum offenbaren Zeichen ist von Anbeginn der Welt bis hierher nie ein einziger allgemeiner Friede gewesen, denn zu der Zeit, da der ganze Erdkreis auf den einzigen Kaiser Augustus in Gestalt des himmlischen Reiches ein Aufsehen hatte. Und wiewohl solches zu Ehren Christus, unserem Erlöser, der unsere menschliche Gestalt an sich gekleidet hat, damals geschehen ist, so soll doch genügsam sein, dass der göttliche Baumeister der Welt diesen Weg des Friedens gezeigt hat, dieweil der Erdkreis unter einem einzigen Fürsten regiert wurde.

Anmerkungen

Antropormotitarum
lat. Anthropomorphitae – Ketzerei, die Gott menschliche Gestalt zuschreibt
pewrischer aynfeltigkeit
historisches dt. für 'bäuerliche Einfältigkeit', hier im Sinne von 'einfältigem Glauben'
vnleiphaftiger
historisches dt. für 'unkörperlicher'
DVnstanus
Dunstan (ca. 909–988), Erzbischof von Canterbury, Heiliger
cantuariensisch
von Canterbury (Ort in England)
scheinper
historisches dt. für 'berühmt, offenbar'
?ntiffen
Antiphon (liturgischer Wechselgesang)
O rex gencium et dominator eorum
lat. 'O König der Völker und ihr Herrscher' (liturgischer Text)
EThgarius
Edgar der Friedfertige (ca. 943–975), König von England
Echelstanum
Athelstan (ca. 895–939), König von England, Vater Edgars
.ix.
römisch für 9
schier
historisches dt. für 'fast, beinahe'
ADeobaldus
Adalbold II. von Utrecht (gest. 1026), Bischof von Utrecht
Vltraiectensich
von Utrecht (Ort in den heutigen Niederlanden)
fruemmkeit
historisches dt. für 'Frömmigkeit'
THeodoricus
Theoderich I. (gest. 984), Bischof von Metz
sybend
historisches dt. für 'siebte'
heiltumbs
historisches dt. für 'Heiltümer, Reliquien'
welschem land
historisches dt. für 'romanischsprachiges Land', oft Frankreich oder Italien
HAtto
Hatto II. (gest. 970), Erzbischof von Mainz, bekannt aus der Legende vom Mäuseturm
Mayntz
Mainz (Ort in Deutschland)
fulden
Fulda (Ort in Deutschland)
mewßen
historisches dt. für 'Mäusen'
rheyn
Rhein (Fluss)
menig
historisches dt. für 'Menge'
stadel oder schewern
historisches dt. für 'Scheune oder Schuppen'
tewrung
historisches dt. für 'Teuerung, Hungersnot'
almuosen begaben
historisches dt. für 'mit Almosen beschenken'
wenden
historisches dt. für 'Wänden'
ODo
Odo von Canterbury (gest. 959), Erzbischof von Canterbury
geplueet
historisches dt. für 'blühte, glänzte'
Gwilhelmus
Wilhelm (historische Person)
Richardus
Richard (historische Person)
Popo
Popo (historische Person)
Ostertus
Ostertus (historische Person)
Berno
Berno (historische Person)
vasconia
Vasconia (historische Region, das Baskenland)
wundergestalts ding
historisches dt. für 'missgestaltetes Wesen, Wunderwesen'
hawbt
historisches dt. für 'Haupt, Kopf'
pruest
historisches dt. für 'Brüste'
HUgo der groß caputius zugenambt
Hugo Capet (ca. 938–996), König von Frankreich, Begründer der Kapetinger-Dynastie
koenig ludwigs
Ludwig V. (ca. 967–987), König von Westfranken
franckreich
Frankreich (Land)
gescheft
historisches dt. für 'Geschlecht, Familie'
gemahel
historisches dt. für 'Gemahlin'
Parys
Paris (Ort in Frankreich)
robertus
Robert I. (ca. 866–923), König von Westfranken, Vater Hugos des Großen
flaischhacker
historisches dt. für 'Fleischer'
geauffet
historisches dt. für 'ausgedehnt, vergrößert'
Pipinus
Pippin der Jüngere (714–768), König der Franken
Gallia vber das gepirg
Gallien jenseits der Alpen (Cisalpinisches Gallien) oder allgemein das römische Gallien (historische Region)
osterwalden
Osterwalden (historische Region, evtl. Ostfranken oder ein Teil davon)
teuetscher land
historisches dt. für 'deutsche Länder'
sachßen
Sachsen (historische Region, hier im Sinne der sächsischen Kaiser)
schweitzerland
Schweiz (Land)
nyderlands
Niederlande (Region)
Burgundi
Burgund (historische Region)
CLXXXIII
römisch für 183
hayland
historisches dt. für 'Heiland'
vmbkrais beschriben wardt
historisches dt. für 'der Erdkreis erfasst/registriert wurde' (Bezug zur römischen Volkszählung unter Augustus)
zynse
historisches dt. für 'Zins, Steuer'
kaisers augusti
Kaiser Augustus (63 v. Chr.–14 n. Chr.), erster römischer Kaiser
petro
Petrus (Apostel)
zymlich wer
historisches dt. für 'ziemlich wäre, angemessen wäre'
muentz
historisches dt. für 'Münze'
sellig ambrosius
Ambrosius von Mailand (ca. 339–397), Kirchenvater und Heiliger
nit wider
historisches dt. für 'nicht entgegen, nicht abgeneigt'
poden
historisches dt. für 'Boden'
kaiser iustinianus
Justinian I. (ca. 482–565), oströmischer Kaiser
gaistlichen
historisches dt. für 'geistlichen Dingen/Angelegenheiten'
roemischen babst
historisches dt. für 'römischen Papst'
primates
Primaten (Kirchenwürdenträger, Vorrang vor anderen Bischöfen)
kriechischen
historisches dt. für 'die Griechen' (Bezug zum Morgenländischen Schisma)
trewloße geschlecht der hussen
historisches dt. für 'das treulose Geschlecht der Hussiten' (abfällige Bezeichnung für die Anhänger von Jan Hus)
werltlichen
historisches dt. für 'weltlichen (Mächte/Herrscher)'
figur
historisches dt. für 'Abbildung' (vermutlich eine Illustration in der Chronik)
wale
historisches dt. für 'Wahl' (hier: Kaiserwahl)
sewln
historisches dt. für 'Säulen'
wannckelheit des gluecks
historisches dt. für 'Wankelmütigkeit des Glücks, Unbeständigkeit des Schicksals'
teuetschen
historisches dt. für 'Deutschen'
fuertreffe
historisches dt. für 'übertreffe'
vor sein solt
historisches dt. für 'vorstehen sollte, überlegen sein sollte'
babst Gregorius der fuenft
Papst Gregor V. (ca. 972–999)
kayser otten
Kaiser Otto III. (980–1002)
fuenft
historisches dt. für 'fünfte'
gezymet
historisches dt. für 'geziemt, zusteht'
merer des reichs
historischer Titel für den Kaiser: 'Mehrer des Reiches'
satzung
historisches dt. für 'Satzung, Bestimmung'
gaistlichen recht
historisches dt. für 'geistliches Recht, Kirchenrecht'
zeittlichen dingen
historisches dt. für 'weltlichen Dingen/Angelegenheiten'
billich
historisches dt. für 'billigerweise, zu Recht'
monarchey vnd einigem fuerstenthumb
historisches dt. für 'Monarchie und einzigem Fürstentum' (Bezug zur römischen Kaiserzeit)
kaisers augusti octauiani
Kaiser Augustus Octavianus (63 v. Chr.–14 n. Chr.), erster römischer Kaiser
vnsynnig vnd abmueetig
historisches dt. für 'unsinnig und abwegig, widersinnig'
vmbkraiß der erden
historisches dt. für 'Erdkreis'
frefels
historisches dt. für 'Frevels, Vergehens'
pflichtper
historisches dt. für 'pflichtbar, untertan'
gefreyet
historisches dt. für 'befreit'
widerspennigkeit
historisches dt. für 'Widerspenstigkeit, Widerstand'
ioch
historisches dt. für 'Joch' (im übertragenen Sinne: Herrschaft, Unterwerfung)
lawgnen
historisches dt. für 'leugnen'
redlichen gethatten
historisches dt. für 'redlichen Taten'
werltlichkeit
historisches dt. für 'Weltlichkeit, weltliche Herrschaft'
kund vnd offenbars rechtens
historisches dt. für 'kund und offenbaren Rechts, offenkundiges Recht'
geuerde
historisches dt. für 'Gefahr, Schaden'
vnlawgenper
historisches dt. für 'unleugbar'
hinnemen vnd abstellen
historisches dt. für 'hinwegnehmen und aufheben'
vntueglich vnd kraftloße
historisches dt. für 'untauglich und kraftlos'
zwitrachtigkeit
historisches dt. für 'Zwietracht'
rawberey
historisches dt. für 'Räuberei'
todsleg
historisches dt. für 'Totschläge'
oeberst
historisches dt. für 'Oberste, höchste Instanz'
hawbt
historisches dt. für 'Haupt, Oberhaupt'
reichßnet
historisches dt. für 'regierte, herrschte'
geprauchten vns
historisches dt. für 'gebrauchten uns, erfreuten uns'
eintrechtigkeit
historisches dt. für 'Eintracht'
anbegynne
historisches dt. für 'Anbeginn'
nye einicher
historisches dt. für 'nie ein einziger'
ein aufsehen het
historisches dt. für 'ein Aufsehen hatte, ausgerichtet war auf'
erloeßer
historisches dt. für 'Erlöser'
geklaydet
historisches dt. für 'gekleidet, angenommen'
genuogsam
historisches dt. für 'genügsam, ausreichend'
goettlich pawmeister der werlt
historisches dt. für 'göttlicher Baumeister der Welt' (Bezug auf Gott als Schöpfer)
gereg
historisches dt. für 'regiert' (Wortende im Original abgeschnitten)