Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Lucius der ander LVcius wardt nach absterben Celestini zu babst erkorn. Er was von Bononia puertig vnd dauor ein cardinal. der dann nach angenomnem babstthumb nichtz versawmet das zu notturft dess heerzugs gein iherusalen wider die hayden gehoeret. dann alßpald die iemerlich nyderlag vnd vnmenschlich grawsamkeit die die haiden (als hieuor gemelt ist) gegen den cristen in der statt edissa geuebt hetten heraußen lautprecht wardt do vnderstund sich Bernhardus der heillig vnnd hohgelert man des schutzs vnd schirms cristenlichs glawbens vnd vermanet alle cristlich fuersten schriftlich vnd muentlich das sie das panyer des heyligen creuetzs wider die vnglawbigen annamen. aber dieweil der babst in diser handlung arbaytet do ward er durch die pestilentz hingenomen. imb .xij. monat seins babstthumbs. Eugenius der drittJar der werlt .vim.iijc.xliij.Jar cristi .jm.jc.xliiij. EVgenius der drit von Pisis puertig sant Anastasij abbt dauor zu eim muench von Bernhardo dem heilligsten mann erwelt wardt nach absterben Lucij in sant Cesarij kirchen von den vetern in großer hoffnung zu seiner heilligkeit dann zu seiner werltlewftigkeit zu babst erkorn. wiewol er darnach nit mynder an werltlicher kluogheit dann an guotheit tueglich erschyne. Als er aber verstund dz ime die roemer widerwertig sein wolten do zohe er bey nach auß vnd kome in das closter Farsum daselbsthin berueeffet er auß rome zu ime die cardinel vnd hoflewt vnnd wardt geweyhet vnd bestettigt. Als er nw darnach nit allain der roemer bedroung. sunder auch ire vbung vnd thaten verschmehet do machten die roemer frid mit dem babst. Nw verstund er nachfolgend das die roemer in arglistiger maynung mit ime frid auffgenomen hetten. dem nach fiel er vber die tyber auß vnd wardt von den roemern mit waffen vnd geschoss verfolget vnnd kom hin in franckreich. daselbst funde er sant Bernhart von dem lernet er wie vbel der cristen sachen in asia stuonde. do batten sie bede koenig Ludwigen zu franckreich das er das creuetz an sich name vnd mit eim heerzug gein Jherusalem raysete. Darnach im iar des herren tausent hundert .lij. kom eugenius wider gein rom vnd bracht wider in seinen gewalt ettwieuil stett die die tyrannen darzwischen bekuemert hetten. Zu letst starb er imb .ix. iar seins babstthumbs. Anastasius der vierdt ANastasius der vierdt ein roemer dauor ein abbt vnd cardinal hat nach empfangnem babstthumb einen schoenen koestlichen kelch sant Johanßen kirchen gegeben vnd kurtzer weil schoene hewßer bey marie rotunde gepawt. Er hett ime fuergenomen vil dings zu wirdigkeit vnd ere der kirchen vnd zu zierde der roemischen statt auffzerichten wo er gelebt solt haben. Es was diser zeit schier in gantzem Europa ein hunger vnd tewrung do raichet diser babst Anastasius heymlich vnd offenlich den armen duerftigen menschen vil almuosen. Er starb zu letst in dem ersten iar vierdten monat amb .xxiiij. tag seins babstthumbs vnnd wardt in sant Johanßen kirchen begraben. Richardus von sant Victor Richardus de sancto victore ein fuertreffenlicher hoh achtparer lerer vnd geregelter chorherr sancti victoris zu paris. ein scharpffer vnd vnzweyfellicher disputirer ist diser zeit zu Parys hohberuembt gewesen. der dann zu dem das er ein heilliger man wz sunst auß seiner synnreichen kuenstlichen weyßheit vil tappfferer lobwirdiger schriften vnd buecher den gelerten wolbekant gemacht hat. Malachias bischoff MAlachias in Hybernia erzogen. geleret vnnd von edeln mechtigen eltern geporn. wardt in der statt Ardinacha von eim Malachias genant der in einer zell der kirchen gott dienet. der weis eins rechten lebens vnderrichtet. vnnd darnach im .xxv. iar seins alters zu briester geweyhet vnd zu verwesung eins bischofs gesetzt. vnd darnach im .xxx. iar zu bischoff zu Conereht geweihet vnnd vnder dasselb vihisch volck gefueeret. die bracht er zu gar guotten sytten. Darnach wardt er zu eim ertzbischoff auffgenomen vnd in gantzem hybernia ein hawbtbischoff geordnet. vnd hat mit seiner lere vnnd wunderzaichen nit allain Hyberniam sunder auch scociam erleuechtet. darnach starb er im iar des herren. tawsent hundert. xlviii. Linea der kaiser // Cunrat der dritt CVnrat der dritt kaisers Heinrichs des fuenften enicklein von gepurt ein schwab. wardt nach absterben Lotharii des kaisers zu Coblentz gemainlich von den churfuersten zu roemischem koenig in beywesen Theodorici eins babstlichen legaten erkorn. vnnd darnach von demselben legaten zu Ach mit koenigclicher kron bekroenet. vnd regieret. xv. iar. Aber die sachsen vnd hertzog Heinrich zu bayern der hohfertig genant waren ime widerspennig. Darnach ward zu Babenberg ein fuerstlicher tag gehalten. vnd daselbst der koenig gegen den sachßen. vnd des kaisers Lotharii wittiben zu frid vnd gnaden bewegt. Aber hertzog Heinrich zu bayern wer gern Roeischer koenig gewest vnd enthielte das kaiser heilligthumb vnnd zierde zu Nuermberg in der burg. doch wardt er zu letst das heillig creuetz vnd das sper widerzegeben bedranngt. vnd auß erkantnus der fuersten vom koenig mit vier rittern in sachßen verschickt. daselbst starb er. Als nw diser koenig Cunrat allenthalben in teuetschen landen frid gestellt het do name er auß vermanung sant Bernharts mitsambt Ludwigen zu franckreich. Alphonso zu Hyspania vnd Heinrichen zu engelland koenigen vnd vil andern fuersten wider die sarracen das creuetz an sich. vnd zohe mit großer mechtiger heerßkraft gein Constantinopel zu. daselbst ward er von Emanuel dem kriechischen kaiser in betrieglicher weiß freuentlich empfangen vnnd vberredet pald fuer die statt Iconium zeziehen mit verhaissung alle dem heer notturftige ding zebestellen vnnd daselbsthin zeschicken. Vnd als nw dieselb wolbewaret vnd fest statt ettwielanng belegert wardt do kom ein großer seuchen vnnd sterben in das heer von dem prot mit kalck gemischt das inen die kriechen raichten. also das koenig Cunrat wider hindersich in Traciam weichen muoßt. vnd koenig Cunrat vnd koenig Ludwig schryben Balduino dem koenig zu Iherusalem hilff zu vnd entschlussen sich das heer fuer die statt Damascum zefueren vnnd komen gein Iherusalem. daselbsthin was ein babstlicher legat koenig Ludwigen lang nach gerayset. Vnd als nw dise drey cristenliche koenig sich fuer Damascum legeren wolten do namen sie auch den bebstlichen legaten mitsambt dem patriarchen zu Iherusalem vnd vil bischoff zu inen in den zug vnd heffteten das geleger mechtigclich fuer die statt. die die knecht Abrahams gepawt haben. vnd die an eim felldigen von natur trucken. aber von arbait kunst vnd fleiß fruchtpern ende ligt. dann in derselben gegent ist ein klains wasserfluoßlein darauß vil rynnen in die felder gelaytet werden vnd denselbigen erdpodem befeuechtigen vnd fast fruchtper machen. daselbsthin hett sich das heer nidergelaßen also das man den burgern in der statt solche wesserung leichtlich weeren mocht. Aber auß rat eins assirischen mans (dem dann Balduinus vil vertrawet) rugkten die cristen mit irer wagenburg vnd geleger an ein anders ort do mochten die Damascener dem heer die wesserung weren. also kome hunger vnd durst in das heer das es auffbrache. vnd koenig Cunrat vnd Ludwig ir heer wider in Europam fueerten vnnd anhayms zohen. In mittler zeit wardt Rogerius vom babst zu koenig erhoeht. der raytzet Guelfonem des benanten Heinrichs bruder wider koenig Cunraten zu krieg. aber Guelfo wardt bey dem gschloß Winßberg ernidergelegt. Zu letst starb koenig Cunrat vnempfangen kaiserlicher bekroenung zu babenberg im iar des herren tawsent hundert. liii. VOn disem Guelfone haben die Guelfi (als ettlich maynen) iren namen. der dann als ein betrueeber des frids in welschen landen vberhand genomen hat. Welche aber vnd auß was vrsachen ettlich Guelffi vnnd ettlich Gebellini gehaißen werden das wirdt hernach gemeldet. Koenig Ludwig zu franckreich LVdwig koenig zu franckreich koenig Ludwigs sun regiret. xlviii. iar. der was ein man groß gemueets vnd tugent. vnd zohe mit großer menig volcks im. xiiii. iar seins koenigreichs mitsambt dem roemischen koenig Cunraten wider die tuercken. Als er gein Iherusalem zunahnet da schicket ime der roeisch koenig den patriarchen daselbst entgegen. der wardt durch die statt vnd an erwirdege ende gefueeret. vnnd blibe nach dem abzug von Damasco schier ein gantz iar in dem koenigreich Iherusalem mitsambt seiner gemahel der koenigin. Zu lest zohe er mit den fuersten wider haym gein franckreich. ZV disen zeiten komen die orientalischen gegent der Lateinischen von tag zu tag in abfal vnd boeserung. die doch daruor allain allen feynden des cristenlichen glawbens ein forcht vnnd erschrecken warn. aber sie komen in solche verachtung das sich die feind nichts mer vor inen besorgten. vnd die macht vnd stercke der cristen vernichteten. Auß dem enntsprunge das Noradinus der hayden die Antiochischen gegent sich vnderstund zebekuemern vnd vnder sich zebringen.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste. Lucius der Zweite, der Fünfundfünfzigste, wurde nach dem Tod Celestins zum Papst gewählt. Er stammte aus Bologna und war zuvor Kardinal. Dieser versäumte nach der Annahme des Papsttums nichts, was zur Notwendigkeit des Kreuzzugs nach Jerusalem gegen die Heiden gehörte. Denn sobald die jämmerliche Niederlage und unmenschliche Grausamkeit, die die Heiden (wie zuvor erwähnt) gegen die Christen in der Stadt Edessa verübt hatten, öffentlich bekannt wurde, da unternahm es Bernhard, der heilige und hochgelehrte Mann, den christlichen Glauben zu schützen und zu verteidigen, und ermahnte alle christlichen Fürsten schriftlich und mündlich, das Banner des Heiligen Kreuzes gegen die Ungläubigen anzunehmen. Doch während der Papst in dieser Angelegenheit arbeitete, wurde er von der Pest dahingerafft, im zwölften Monat seines Papsttums. Eugenius der Dritte. Jahr der Welt 6343. Jahr Christi 1144. Eugenius der Dritte, aus Pisa gebürtig, zuvor Abt von Sankt Anastasius, von Bernhard, dem heiligsten Mann, zum Mönch erwählt, wurde nach dem Tod Lucius' in der Kirche Sankt Cäsarius von den Kardinälen in großer Hoffnung auf seine Heiligkeit, mehr noch als auf seine weltliche Klugheit, zum Papst gewählt, obgleich er danach nicht weniger an weltlicher Klugheit als an Güte tüchtig erschien. Als er aber verstand, dass die Römer ihm feindlich gesinnt sein würden, zog er bald darauf aus und kam in das Kloster Farsum. Dorthin berief er aus Rom die Kardinäle und Hofleute zu sich und wurde geweiht und bestätigt. Als er nun danach nicht allein die Bedrohung durch die Römer, sondern auch deren Praktiken und Taten verachtete, da schlossen die Römer Frieden mit dem Papst. Nun verstand er nachfolgend, dass die Römer in arglistiger Absicht mit ihm Frieden geschlossen hatten. Demzufolge floh er über den Tiber und wurde von den Römern mit Waffen und Geschossen verfolgt und kam nach Frankreich. Dort fand er Sankt Bernhard, von dem er erfuhr, wie schlecht es um die Angelegenheiten der Christen in Asien stand. Da baten sie beide König Ludwig von Frankreich, das Kreuz anzunehmen und mit einem Heerzug nach Jerusalem zu reisen. Danach, im Jahr des Herrn 1152, kam Eugenius wieder nach Rom und brachte etliche Städte, die die Tyrannen zwischenzeitlich besetzt hatten, wieder unter seine Gewalt. Zuletzt starb er im neunten Jahr seines Papsttums. Anastasius der Vierte. Anastasius der Vierte, ein Römer, zuvor Abt und Kardinal, hat nach Empfang des Papsttums der Kirche Sankt Johannes einen schönen, kostbaren Kelch gegeben und kurze Zeit später schöne Häuser bei Santa Maria Rotonda gebaut. Er hatte sich vorgenommen, vieles zur Würdigkeit und Ehre der Kirche und zur Zierde der römischen Stadt zu errichten, wenn er länger gelebt hätte. Es herrschte zu dieser Zeit fast in ganz Europa eine Hungersnot und Teuerung, da reichte dieser Papst Anastasius heimlich und öffentlich den armen, bedürftigen Menschen viele Almosen. Er starb zuletzt im ersten Jahr, im vierten Monat, am 24. Tag seines Papsttums und wurde in der Kirche Sankt Johannes begraben. Richard von Sankt Viktor. Richard von Sankt Viktor, ein vortrefflicher, hoch angesehener Lehrer und regulierter Chorherr von Sankt Viktor in Paris, ein scharfsinniger und unzweifelhafter Disputator war zu dieser Zeit in Paris hochberühmt gewesen. Der dann, abgesehen davon, dass er ein heiliger Mann war, sonst aus seiner sinnreichen, kunstvollen Weisheit viele tapfere, lobenswerte Schriften und Bücher den Gelehrten wohlbekannt gemacht hat. Bischof Malachias. Malachias, in Irland erzogen, gelehrt und von edlen, mächtigen Eltern geboren, wurde in der Stadt Armagh von einem Malachias, der in einer Zelle der Kirche Gott diente, in der Weise eines rechten Lebens unterrichtet. Und danach im 25. Jahr seines Alters zum Priester geweiht und zur Verwaltung eines Bischofsamtes eingesetzt. Und danach im 30. Jahr zum Bischof von Connor geweiht und unter dasselbe viehische Volk geführt. Die brachte er zu sehr guten Sitten. Danach wurde er zum Erzbischof erhoben und in ganz Irland zum Hauptbischof eingesetzt und hat mit seiner Lehre und Wundern nicht allein Irland, sondern auch Schottland erleuchtet. Danach starb er im Jahr des Herrn 1148. Linie der Kaiser. Konrad der Dritte. Konrad der Dritte, Kaiser Heinrichs des Fünften Enkel, von Geburt ein Schwabe, wurde nach dem Tod Kaiser Lothars in Koblenz gemeinhin von den Kurfürsten zum römischen König in Anwesenheit Theodorichs, eines päpstlichen Legaten, gewählt und danach von demselben Legaten in Aachen mit königlicher Krone gekrönt und regierte 15 Jahre. Aber die Sachsen und Herzog Heinrich von Bayern, genannt der Hochmütige, waren ihm widerspenstig. Danach wurde zu Bamberg ein Fürstentag abgehalten, und dort wurde der König gegenüber den Sachsen und der Witwe Kaiser Lothars zu Frieden und Gnaden bewegt. Aber Herzog Heinrich von Bayern wäre gern römischer König gewesen und hielt die kaiserlichen Insignien und Kleinodien zu Nürnberg in der Burg fest. Doch wurde er zuletzt gedrängt, das Heilige Kreuz und den Speer zurückzugeben und aufgrund des Urteils der Fürsten vom König mit vier Rittern nach Sachsen geschickt. Dort starb er. Als nun dieser König Konrad überall in den deutschen Landen Frieden gestiftet hatte, da nahm er auf Ermahnung Sankt Bernhards hin, zusammen mit Ludwig von Frankreich, Alfons von Spanien und Heinrich von England, Königen und vielen anderen Fürsten, das Kreuz gegen die Sarazenen an und zog mit großer, mächtiger Heereskraft nach Konstantinopel. Dort wurde er von Manuel, dem griechischen Kaiser, auf betrügerische Weise freundlich empfangen und überredet, bald vor die Stadt Ikonion zu ziehen, mit der Verheißung, alle dem Heer notwendigen Dinge zu bestellen und dorthin zu schicken. Und als nun dieselbe gut bewahrte und feste Stadt eine Weile belagert wurde, da kam eine große Seuche und Sterben in das Heer, verursacht durch das Brot, das mit Kalk gemischt war, das ihnen die Griechen reichten, sodass König Konrad wieder zurück nach Thrakien weichen musste. Und König Konrad und König Ludwig schrieben Balduin, dem König von Jerusalem, um Hilfe und beschlossen, das Heer vor die Stadt Damaskus zu führen und kamen nach Jerusalem. Dorthin war ein päpstlicher Legat König Ludwig lange nachgereist. Und als nun diese drei christlichen Könige sich vor Damaskus lagern wollten, da nahmen sie auch den päpstlichen Legaten zusammen mit dem Patriarchen von Jerusalem und vielen Bischöfen zu sich in den Zug und befestigten das Lager mächtig vor der Stadt, die die Knechte Abrahams gebaut haben und die an einem feldreichen, von Natur aus trockenen, aber durch Arbeit, Kunst und Fleiß fruchtbaren Ort liegt. Denn in derselben Gegend ist ein kleines Wasserflüsschen, aus dem viele Rinnen in die Felder geleitet werden und denselben Erdboden befeuchten und sehr fruchtbar machen. Dorthin hatte sich das Heer niedergelassen, sodass man den Bürgern in der Stadt eine solche Bewässerung leicht verwehren konnte. Aber auf Rat eines assyrischen Mannes (dem Balduin viel vertraute) rückten die Christen mit ihrer Wagenburg und ihrem Lager an einen anderen Ort, wo sie die...