Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Linea der bebst // Adrianus der vierd ADrianus der vierdt auß engelland puertig. Als er ein bischoff zu albana was vnd von babst Eugenio dem dritten als ein cardinal in das land Norweden gesendt wardt. vnd das volck daselbst zum cristenlichen glawben gebracht het. do wardt er nach absterben Anastasii zu babst erkorn vnd alßpald von den Roemern mit bette vnd mit bedroungen angesunnen eim roemischen rat die pflegnus vnd regirung der statt zelassen. vnd in sant iohanßen kirchen zeziehen vnd darinn zeweyhen. vnd nach dem er sich aber das zethun widersetzet es wuerde dann ein verfueerer Arnaldus genant vormals von Eugenio verpannt auß der statt getriben. do schluogen sie einen cardinal der zu dem babst geen wolt. darumb leget der babst singen vnd leßen ernyder. vnd solchs beschahe villeicht in der letsten fastwochen. also das das volck ein große andtung dar ab het. dem nach warden ettlich roemisch ratgeben abgesetzt. vnd der benannt verfueerer arnoldus außgetriben. vnd das oesterlich ambt durch den babst in sannt Johanns kirchen gehalten. vnnd Gwilhelmus der koenig Sicilie von entwendung wegen vil kirchlicher gueeter mit schwerer verfluchung beladen. vnd Friderich der erst von disem babst mit der kaiserlichen kron bekroenet. Diser babst ist der erst der sein wonung in der alten statt gehabt het. deßhalben dann dieselb statt pewlicher vnd wesenlicher wardt. Als er aber darnach auff der Roemer bitte vnnd anrueffen wider in die statt kome vnd abermals von den roemischen ratgeben angefochten wardt die statt zefreyen. do zohe ein gein arggnanum. daselbst starb et vnlang darnach in dem fuenften iar seins babstthumbs. Alexander der dritt ALexander der dritt von Senis puertig wardt nach absterben adriani durch bestymmung. xxii. cardinel zu babst erkorn. Vnnd wiewol er ordenlich erwelet wardt so hat er doch vil vnd mancherlay anstoeße vnd widerstands erlidden. vnd dess was ein anfang Octauianus ein roemer vnd cardinal. der ward auch zu babst aber allain von dreyen bestimbt vnd Victor genant. Derselb Victor schluog sich an den roemischen kaiser. So het alexander sein zuoflucht zu koenig Philippsen zu franckreich. vnd ein versammlung zu Claromonte. darinn verpannet er den kaiser vnd auch Octauianum. Demnach machet kaiser Friderich wider alexandrum drey ander bebst nacheinander. Aber die roemischen ratherren waren disem alexandro guenstig. darumb forderten sie ine auß franckreich gein rome. In mittler zeit empfiengen ettliche welsche voelcker den trost vnd hoffnung sichselbs zu freiheit zebringen vnd griffen gegen kaiser Friderichen zu der waffen vnd weere. do zohe der kaiser mit versammeltem heer in welsche land bis gein Rom. daselbst warden dem zornigen grimmigen kayser die thor vnnd pforten geoeffnet vnnd eingelassen. do besorget sich der babst vor dem kaiser also hat das er mit seinem gesinde bey nachtlicher weil auß rom gein beneuentum. vnd von dannen in seins kochs klaydern haymlich gein Venedig fluhe. Als man ine aber daselbst erfuore do wardt er mit gepuerlicher solemnitet empfangen vnnd der hertzog vnd das volck von ime gebenedeyet. Do nw der kayser berichtet wardt das der babst zu Venedig wer do schicket der kayser Ottonem seinen sun mit heereßkraft zu wasser fuer Venedig den babst herauß zefordern. Aber Sebastian der venedisch hertzog stellet sich gegen ime zu weer vnd vberwunde ine gefangen gein Venedig fueerende. also wardt zwischen dem babst vnd kaiser ein frid gemacht. vnd derselb frid des andern tags darnach von dem kaiser also angenomen das er alles das der kirchen zugehoeret ir volgen laßen solt. vnd der babst gepote dem kaiser offenlich vnder sant Marxen kirchen thuer das er sich auff die erden strecken vnd ablass vnd vergebung bitten solt do trate der babst dem kaiser auff seinen hals vnd sprach. Es steet geschriben. Ob der schlangen vnd ob dem basilisck wirdstu wandern vnd treten den leoben vnd dracken. do sprach der kaiser. Ich bin nit dir sunder Petro dess nachkomen du bist gehorsam. Also wardt die sach zwischen babst vnd kaiser befridet. vnnd der babst kome zum dritten mal gein rom vnnd hielt ein concili darinn er vil zu gemainem nutz der kirchen erspreißlichs ordnet. Zu letst starb er nach vil muee vnd arbait. im. xxi. iar seins babstthumbs. der werlt Blat CCIII Linea der kaiser // Friderich der erst FRiderich der erst barbarossa zugenambt von gepurt ein schwab ein sun hertzog Friderichs zu schwaben des bruders koenig Cunrats auß dem durchleuechtigsten geschlecht der Karln geporn ist in dem iar des herren tawsent hundert.liii. nach koenig Cunraten zu Franckfurt mit gemayner wale der churfuersten roemischer koenig erkorn worden. vnd regiret. xxxviii. iar. Als er nw erstlich alle zwittrachtigkeit in teuetschen landen zu frid vnd einigkeit gebracht het do zohe er mit großem heer in Lombardiam fuer die statt Terdonam. vnd nach erobrung derselben mit solcher eyle gein rom das sich der babst vor ime besorget vnnd mit den cardineln in die alten statt fluhe. Aber nach vil hin vnnd her geschickter botschaft kom koenig Friderich zu dem babst dem erpote er gepuerlich ere mit demueetiger geperde vnd sicheret ine vnd empfieng die kayserlichen kron von ime. dieselben weil hielten die roemer der stat thor oder pforten beschloßen. darnach vberfieln sie die teuetschen die heraußen mit großer heereßkraft lagen vnd blyben beder seyten vil lewt tode. vnd wiewol sich der kaiser darob erzuernet yedoch wardt er durch den babst wider gegueetigt. darnach zohe der kaiser widerumb in teuetsche lannd vnd ließ sich von seiner gemahel marggrafen Diepolds von Voburg tochtrr von syppschaft wegen des pluots schaiden. vnd vermehlet sich mit iunckfrawen Beatrix des grafen von Burgundi tochter zu der ee. Zu derselben zeyt machet er den hertzog zu beheim zu einem koenig. vnnd das oesterreichisch marggrafthumb zu einem hertzogthumb. Als aber babst Adrianus gestorben was do begunde der kaiser dem nachkomenden babst Alexandro zumal widerwertig zesein. also das er Cremam die reichen statt in Lombardia belegeret vnd dazwischen land vnd stett der roemischen kirchen zusteende angriffe. auch die statt Terdonam pluenderet. vnd Mayland der erden gleich schlayffet. vnd das volck daselbst zehen meyl von der statt zewonen bedrunge. vnnd darnach der statt Cremam vil beschwerde zufueeget. Nw gieng solchs andern welschen voelckern zu hertzen also das die von Bern Padua vnd Vincentz ein puentnus wider den kaiser macheten. Als die ding an den kaiser lanngten do berueeffet er seine teuetschen allenthalben zusamen vnd fueeret die mit hilff vnd beystand der von Papia vnd Cremona fuer Bern. Vnd nach dem sich aber der kaiser vor dem babstlichen gewalt besorget do hanndelt er mit babst alexandro listigclich. vnd als aber Otto sein sun zu Venedig gefangen gehalten wardt vnd Friderich vergebung vnd ablaß durch fleiß der Venediger (als hieuor steet) erlanget do begabet er Sebastianum den hertzog vnd sein nachkomen. vnd den rat zu Venedig mit vil zierden vnd freyheten. Do nw kaiser friderich zu letst vmb sein verhanndlung wider die kirchen gein dem babst außgesoenet was do hielt er in versamlung der fuersten einen tag zu Nuermberg. daselbst bestettiget er den frid. vnd schicket die frids brieff durch teuetsche land vnd name das creuetz an sich wider die vnglawbigen. vnnd mit aylff wagenburgen durch hungern. bulgarey vnd traciam gein Constantinopel zu. Von dannen hulffe ime ysaac der kriechisch kaiser gein Boßphorum. souil fleissigclicher als vil er sich langzeit vor seinem gewalt vnd mechtigkeit mer besorget het. also erobret er erstlich von den tuercken die statt Philomeniam vnd zohe fuerter fuer yconium. dieselben vnd auch die daran stoßenden gegent mit rawb vnd prand verwueestende. darnach rayset er fueroan in klein Armeniam. daselbst bracht er alle ding in seinen gewalt. also das sich Saladinus der tuerckisch kaiser weder vor noch nach nye mer seiner außtilgung besorgete. aber ein vnselige stund vnderzucket solche hoffnung der cristen. dann als er eins tags mit hitz vnd schwayß beladen wardt do ryte er vnerspehet vnd vnbesunnen in ein padlfließends wasser zuckentz wasser vnd ertranck. Diser kayser wz ein großtettig. kuenmueetig. mylt. gestreng vnd redgesprech man. vnd außerhalb der kirchen verfolgung in vil dingen also hohberuembt das nach dem großen kaiser Karln in großtettigkeit der geschihten kawm ime ein gleicher gefunden wirdt. Etzerey der Waldensier oder armen von Lyon hat diser zeit anfang gehabt von einem Lyonischen burger Waldo genant. Der was reich vnnd verließe seine gueeter den armen außtailende. vnnd vnderstund sich auß tewflischer verlaytung die euangelischen armuot gentzlich zehalten. vnd nach dem er aber ein vngelert man was so hieße er ime ettliche bueecher mit ettlichen spruechen der heilligen teuetsche oder in seiner sprach schreiben vnd vnderstund sich auß erplaßem gaist. wiewol der schrift vnuerstendig zepredigen. also sammlet er vil iungere vnd seet vil schedliches samens die prelaten vnd pfafheit verachtende. vnd als er aber nach vil vermanung in seiner verstockung verharret do wardt er als ein arger ketzer verpannet vnd auß seinem vaterland vertriben.
Linie der Päpste. Adrian IV. Adrian IV., gebürtig aus England. Als er Bischof von Albano war und von Papst Eugen III. als Kardinal in das Land Norwegen gesandt wurde und das Volk dort zum christlichen Glauben gebracht hatte, da wurde er nach dem Tod Anastasius' zum Papst gewählt und sogleich von den Römern mit Bitten und Drohungen bedrängt, einem römischen Rat die Pflege und Regierung der Stadt zu überlassen und in die Kirche des Heiligen Johannes einzuziehen und sich dort weihen zu lassen. Und nachdem er sich aber weigerte, dies zu tun, es sei denn, ein Verführer namens Arnaldus, vormals von Eugen gebannt, würde aus der Stadt vertrieben, da schlugen sie einen Kardinal, der zum Papst gehen wollte. Darum legte der Papst das Singen und Lesen nieder. Und solches geschah vielleicht in der letzten Fastenwoche, sodass das Volk eine große Andacht davon hatte. Danach wurden etliche römische Ratsherren abgesetzt und der genannte Verführer Arnoldus vertrieben. Und das Osteramt wurde durch den Papst in der Kirche des Heiligen Johannes gehalten. Und Wilhelm, der König von Sizilien, wurde wegen der Entwendung vieler kirchlicher Güter mit schwerer Verfluchung belegt. Und Friedrich I. wurde von diesem Papst mit der kaiserlichen Krone gekrönt. Dieser Papst ist der erste, der seine Wohnung in der alten Stadt gehabt hatte, weshalb dann dieselbe Stadt bewohnbarer und bedeutender wurde. Als er aber danach auf Bitten und Anrufen der Römer wieder in die Stadt kam und abermals von den römischen Ratsherren angefochten wurde, die Stadt zu befreien, da zog er nach Anagni. Dort starb er unlange danach im fünften Jahr seines Papsttums. Alexander III. Alexander III., gebürtig aus Siena, wurde nach dem Tod Hadrians durch die Bestimmung von 22 Kardinälen zum Papst gewählt. Und obwohl er ordentlich gewählt wurde, so hat er doch vielerlei Anstöße und Widerstände erlitten. Und dessen Anfang war Octavian, ein Römer und Kardinal. Der wurde auch zum Papst, aber allein von dreien bestimmt und Viktor genannt. Derselbe Viktor schloss sich dem römischen Kaiser an. Alexander aber suchte seine Zuflucht bei König Philipp von Frankreich und eine Versammlung zu Clermont. Darin verbannte er den Kaiser und auch Octavian. Demnach machte Kaiser Friedrich gegen Alexander drei andere Päpste nacheinander. Aber die römischen Ratsherren waren diesem Alexander günstig. Darum forderten sie ihn aus Frankreich nach Rom. In der Zwischenzeit empfingen etliche welsche Völker den Trost und die Hoffnung, sich selbst zur Freiheit zu bringen, und griffen gegen Kaiser Friedrich zu den Waffen und zur Wehr. Da zog der Kaiser mit versammeltem Heer in welsche Lande bis nach Rom. Dort wurden dem zornigen, grimmigen Kaiser die Tore und Pforten geöffnet und eingelassen. Da besorgte sich der Papst vor dem Kaiser, sodass er mit seinem Gesinde bei nächtlicher Weile aus Rom nach Benevent und von dannen in seines Kochs Kleidern heimlich nach Venedig floh. Als man ihn aber dort erfuhr, da wurde er mit gebührender Feierlichkeit empfangen und der Herzog und das Volk von ihm gesegnet. Als nun der Kaiser berichtet wurde, dass der Papst in Venedig sei, da schickte der Kaiser Otto, seinen Sohn, mit Heereskraft zu Wasser vor Venedig, um den Papst herauszufordern. Aber Sebastian, der venezianische Herzog, stellte sich ihm zur Wehr und überwand ihn, ihn gefangen nach Venedig führend. Also wurde zwischen dem Papst und Kaiser ein Friede gemacht. Und derselbe Friede wurde am anderen Tag danach von dem Kaiser so angenommen, dass er alles, was der Kirche zugehört, ihr zukommen lassen sollte. Und der Papst gebot dem Kaiser öffentlich unter der Tür der Sankt-Markus-Kirche, dass er sich auf die Erde strecken und Ablass und Vergebung bitten sollte. Da trat der Papst dem Kaiser auf seinen Hals und sprach: „Es steht geschrieben: Über die Schlangen und über den Basilisken wirst du wandeln und treten den Löwen und Drachen.“ Da sprach der Kaiser: „Ich bin nicht dir, sondern Petrus, dessen Nachkomme du bist, gehorsam.“ Also wurde die Sache zwischen Papst und Kaiser befriedet. Und der Papst kam zum dritten Mal nach Rom und hielt ein Konzil, darin er viel zum allgemeinen Nutzen der Kirche Ersprießliches ordnete. Zuletzt starb er nach viel Mühe und Arbeit im 21. Jahr seines Papsttums. Blatt 203 der Weltchronik. Linie der Kaiser. Friedrich I. Friedrich I., genannt Barbarossa, von Geburt ein Schwabe, ein Sohn Herzog Friedrichs von Schwaben, des Bruders König Konrads, aus dem durchlauchtigsten Geschlecht der Karolinger, ist im Jahr des Herrn 1153 geboren. Nach König Konrad in Frankfurt mit allgemeiner Wahl der Kurfürsten zum römischen König gewählt worden und regierte 38 Jahre. Als er nun erstlich alle Zwietracht in deutschen Landen zu Frieden und Einigkeit gebracht hatte, da zog er mit großem Heer in die Lombardei vor die Stadt Tortona. Und nach Eroberung derselben mit solcher Eile nach Rom, dass sich der Papst vor ihm besorgte und mit den Kardinälen in die alte Stadt floh. Aber nach viel hin und her geschickter Botschaft kam König Friedrich zu dem Papst, dem er gebührende Ehre mit demütiger Gebärde erwies und ihn sicherte und die kaiserliche Krone von ihm empfing. Währenddessen hielten die Römer die Tore oder Pforten der Stadt verschlossen. Danach überfielen sie die Deutschen, die draußen mit großer Heereskraft lagen, und auf beiden Seiten blieben viele Leute tot. Und obwohl sich der Kaiser darüber erzürnte, wurde er jedoch durch den Papst wieder besänftigt. Danach zog der Kaiser wiederum in deutsche Lande und ließ sich von seiner Gemahlin, der Markgrafentochter Diepolds von Vohburg, wegen Blutsverwandtschaft scheiden. Und vermählte sich mit Jungfrau Beatrix, der Tochter des Grafen von Burgund, zur Ehe. Zu derselben Zeit machte er den Herzog von Böhmen zu einem König und das österreichische Markgrafentum zu einem Herzogtum. Als aber Papst Hadrian gestorben war, da begann der Kaiser dem nachfolgenden Papst Alexander zumal widerwärtig zu sein, so dass er Crema, die reiche Stadt in der Lombardei, belagerte und dazwischen Land und Städte, die der römischen Kirche zustanden, angriff. Auch die Stadt Tortona plünderte und Mailand dem Erdboden gleichmachte und das Volk dort zehn Meilen von der Stadt zu wohnen bedrängte. Und danach der Stadt Crema viel Beschwerde zufügte. Nun ging solches anderen welschen Völkern zu Herzen, sodass die von Bergamo, Padua und Vicenza ein Bündnis wider den Kaiser machten. Als die Dinge an den Kaiser gelangten, da berief er seine Deutschen allenthalben zusammen und führte sie mit Hilfe und Beistand derer von Pavia und Cremona vor Bergamo. Und nachdem sich aber der Kaiser vor dem päpstlichen Gewalt besorgte, da handelte er mit Papst Alexander listiglich. Und als aber Otto, sein Sohn, in Venedig gefangen gehalten wurde und Friedrich Vergebung und Ablass durch Bemühung der Venezianer (wie hier zuvor steht) erlangte, da beschenkte er Sebastian, den Herzog und seine Nachkommen, und den Rat zu Venedig mit vielen Ehren und Freiheiten. Als nun Kaiser Friedrich zuletzt um seine Verhandlung w...