Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Orden der aynsidler sant Augustins left GWilielmus der heillig man ettwen hertzog zu aquitania vnd graff zu pictauia ist im iar des herren tawsent hundert lvii. in gallia an tugenten vnd wunderzaichen scheinper gewest. der von iugent auff von sant bernhart geleret wardt vnd ime den todt fuer awgen setzet. der werlt geprengk verachtet vnd in ein große wueestnus gienge. vnd daselbst vnder sant augustins regel als ein volkomner diener cristi lebet. vnd do er nw in den gaistlichen stand kome ye hoeher er denn in den eren was gewesen ye tieffer er sich demueetiget. vnd gleicher weiß als er dauor gepantzert wider die feind gefochten het. also wolt er in gott gekeret in eim pantzer an ploßen leib gelegt mit stettigem beten. wachen vnd fasten seinen leichnam peynnigen. darumb nicht allain vil werltlich person. sunder auch etliche brueedere diss ordens vnd andere komen zu ime als zu eim vater vnd aufrichter diss ordens Als aber diser heillig man sahe das der orden der cistercienser in klainer zeit also fast zugenomen het vnd sein orden so gar in abfall vnd wueestnus komen was das schier kein anzaigung enicher gaistlichkeit darinn mer erschyne. do richtet er sein gemueet solchen seinen orden widerzeerquicken vnd brachte den mit mercklicher menig gaistlicher person in kurtzer zeit zu auffung also dz man ine einen pawere des ordens. vnd die personen desselben nach ime gwilielmitas nennet bis an die zeit babst innocentii des vierden do warden sie auß den wueestnussen in die stett gefordert. vnd nach hinlegung diss namens von demselben babst vnd seinen nachkomen sant augustins ainsidler genant. Diser Gwilielmus hat auß zugabe anastasii vnnd adriani der bebst nach der aynsidelschaft erstlich in den stetten zewonen angefangen vnd das erst closter zu Parys vnder dem tittel des petelns erpawt. right right Johannes mesue ein artzt Johannes ein bischoff DRey sunnen sind diser zeit in dem monat septembris in dem nidergang beyeinander gesehen worden. vnd vber zwuo stund gienge die mittler sunn nach verschwindung der andern zu rast. Deßgleichen sinnd auch in den nechsten iarn darnach drey monde erschynen. vnd in dem mittlern ein creuetz zaichen. Dise gesihte warden von ettlichen außgelegt das sie zwitrachtigkeyt der cardinel in erwelung des babsts. vnd der churfuersten in wale eins roemischen koenigs bedeueteten als dann wider babst alexandrum (als hieuor gemeldt ist) vier bebst erkorn waren. deßhalben wz ein schwere zwayung. die weeret. xvii. iar. So waren diser zeit solche erdpidem. vnd sunderlich in syria vnd sicilia das sich land lewt vnnd stett erschuetteren vnd verfielen. JOhannes mesue ein artzt auß koenigclichem geschlecht damascenorum puertig ist zu disen zeiten in hailung vnd ertzneyung der seuechen vnd kranckheit hohberuembt gewest. vnnd hat auß wissen der kunst der ertzney ettliche nuetzliche buecher von allerlay ertzneyen vnd von irer natur. art. aigenschaft vnd vbung geschriben. vnd wiewol er auch ein buch von haylung vnd ertzneyung der seuechen zebeschreiben vnd am hawbt angefangen het. yedoch als er bis an das hertz komen was do starb er. JOhannes der carnotensisch bischoff. vnd sant Thoman dem cantuariensischen bischoff gar gehaym an schriftlicher wissenheit. lere vnd außsprechlichkeit hohberuembt hat diser zeit in achtung vnd wirden wesende ettliche schoen schriften gemacht vnd vnder andern des benanten sant Thomas leben emssigclich beschriben. Hartman ein bischoff HArtmannus bischoff zu Brixen in dem Passawischen land geporn entzohe sich in anbegynn seiner iugent von der werlt vnd kome zu den geregelten chorherren sant Niclaßen zu Passaw. allda wuchße er auff in heilligem leben an guoten sytten vnnd lernung. Bischoff Cunrat zu Saltzburg setzet ine zu verwesung des closters daselbst. darnach empfienge er auff begerung margraff Leuepolds zu oesterreich an der Thonaw ein newe pflantzung zeregieren. Als er aber pald probst ward do peyniget er sein leichnamlein mit vil fasten. wachen vnd andern quelungen herttigclich vnd vbet sich gern in wercken der demueetigkeit. also nach absterben Reinberti des bischoffs zu Brixen wardt er mit gemayner wale der pfafheit zu bischoff daselbst erwelt. alda volbracht er sein leben in aller heilligkeit vnd wunderzaichen vnd enteueßert sich aller werltlicher vnd flaischlicher wollustperkeit vnd ergabe sich gantzen in gebette vnnd beschewlichkeit. vnd lebet also in hoehster massigkeit vnd wundergestrengem wesen. vnnd het vnder seinem klaid ein hareins hembd an. Er wardt von kaiser Friderichen fast geliebt vnd als ein vater vnd beichtiger alweg von ime geeret. vnd darumb des kaisers zorn gein babst alexandro durch ine gesenftigt. Zu derselben zeit leuechteten zway oelzweydlein in der kirchen gottes. Eberhart der ertzbischoff zu Saltzburg. vnd diser sant hartman bischoff zu Brixen. der alle sein zeit mit wachen vnd betten. mit beschewligkeit oder mit lesen verzeret. vnd gepott des hails gabe. vnd krieg richtet. vnnd starb zu letst vol tag in einem wasser bade zu wintter zeit. vnd was nach seinem seligen abschaid auß der werlt an vil wunderzaichen scheinper. vnd suenderlich ist er ein getrewer nothelffer den schwangern frawen die in irer geperung sein hilff auß verdienst bey got anrueeffen. Almericus der sechst koenig zu Iherusalem ALmericus der sechst koenig zu Iherusalem hat nach absterben Balduini des dritten seins bruders. xii. iar geregirt. vnd was ein gestrenng vnd vil gedechtnus wirdiger man. der dann mit den hayden vil vnd offt gefochten vnd derselben vil erschlagen hat. vnd hat Alexandriam die hawbtstatt in egypten (die Tiracumus Saladini des tuerckischen koenigs verweser dem egyptischen Soldano mit betriegerey entzogen het) mit hartter belegerung bedrangt. also das die von Alexandria (die sich den cristen in keinen weg vnderwerffen wolten) sich an disen koenig Almerico ließen mit geding das sie durch ine widerumb in des Soldans gewalt gelangen solten. Dem nach empfienge diser Almericus ein mercklich groß gelt von dem Soldan vnd ließe ime alexandriam folgen. Als aber almericus verstund das der Soldan in denselben dingen betrieglichkeit suchet do belegeret er als ein großmueetig man die mechtigen statt Alkeyro. vnd empfieng doch darnach auß verlaytung eins falschen ratgeben von dem Soldan abermals gelt vnd zohe ab. Anßhelmus bischoff Sant Albertus ALbertus ein beruembter ritter wardt nach erlichem fechten mit marter bekroenet. ANßhelmus der Beluacenssch bischoff ist diser zeyt nach heilligem leben vnd guotten sytten gestorben. bey des grabe warden ettliche lampen wunderperlich angezuendt außgenomen eine darein ein wuochrer oele getan het Elisabeth ein closterfraw in sachßen Philips koenig zu franckreich PHilippus koenig zu franckreich des vorigen koenig ludwigs sun regiret. xliiii. iar. der zohe (als er hoeret das Jherusalem widerumb verlorn wer) mit vil cristenlichen fuersten in syriam. als er nu mitsambt Richardo dem Englischen koenig fuer Ptolomaidam komen. vnd darnach her widerumb gein Jherusalem ziehen wolten do begunden sie bede vmb das koenigreich Jherusalem miteinander zezancken. doch name sich Philippus einer kranckheit an vnd zohe haym vnd ließ Richardum hinder ime vnd verzeret sein vbrigs leben in heilliger vbung. ELizabeth ein heillige closterfraw leuechtet in sachßen land an wunderzaichen vnd hat auß englischer offenbarung wunderperliche gesiht beschriben. sunderlich ein buch der weg des herren genant.
Der Orden der Einsiedler des heiligen Augustinus. Wilhelm, der heilige Mann, einst Herzog von Aquitanien und Graf von Poitiers, war im Jahr des Herrn 1157 in Gallien durch Tugenden und Wunderzeichen berühmt. Er wurde von Jugend auf vom heiligen Bernhard gelehrt und setzte sich den Tod vor Augen. Er verachtete das Treiben der Welt und zog sich in eine große Wüste zurück. Dort lebte er unter der Regel des heiligen Augustinus als ein vollkommener Diener Christi. Und als er nun in den geistlichen Stand kam, je höher er in Ehren gestanden hatte, desto tiefer demütigte er sich. Und gleichermaßen, wie er zuvor gepanzert gegen die Feinde gekämpft hatte, so wollte er, Gott zugewandt, in einem Panzer auf bloßem Leib liegend, mit ständigem Beten, Wachen und Fasten seinen Leib peinigen. Darum kamen nicht nur viele weltliche Personen, sondern auch etliche Brüder dieses Ordens und andere zu ihm wie zu einem Vater und Erneuerer dieses Ordens. Als aber dieser heilige Mann sah, dass der Orden der Zisterzienser in kurzer Zeit so stark zugenommen hatte und sein Orden so sehr in Verfall und Einsamkeit geraten war, dass kaum noch ein Anzeichen irgendeiner Geistlichkeit darin erschien, da richtete er seinen Sinn darauf, seinen Orden wiederzubeleben, und brachte ihn mit einer bemerkenswerten Menge geistlicher Personen in kurzer Zeit zu neuem Aufschwung, sodass man ihn einen Erbauer des Ordens nannte und die Personen desselben nach ihm Guilielmitas nannte, bis zur Zeit Papst Innozenz' des Vierten, da wurden sie aus den Wüsten in die Städte gerufen. Und nach Ablegung dieses Namens wurden sie von demselben Papst und seinen Nachfolgern Einsiedler des heiligen Augustinus genannt. Dieser Wilhelm hat auf Anordnung der Päpste Anastasius und Hadrian nach der Einsiedelei zuerst in den Städten zu wohnen begonnen und das erste Kloster in Paris unter dem Titel des Bettelns erbaut. Johannes Mesue, ein Arzt. Johannes, ein Bischof. Drei Sonnen sind zu dieser Zeit im Monat September im Westen beieinander gesehen worden. Und über zwei Stunden ging die mittlere Sonne nach Verschwinden der anderen zur Ruhe. Desgleichen sind auch in den nächsten Jahren danach drei Monde erschienen, und im mittleren ein Kreuzzeichen. Diese Gesichte wurden von etlichen so ausgelegt, dass sie Zwietracht der Kardinäle bei der Wahl des Papstes und der Kurfürsten bei der Wahl eines römischen Königs bedeuteten, da dann gegen Papst Alexander (wie zuvor gemeldet ist) vier Päpste gewählt waren. Deshalb war eine schwere Spaltung, die 17 Jahre währte. So waren zu dieser Zeit solche Erdbeben, und besonders in Syrien und Sizilien, dass sich Land, Leute und Städte erschütterten und verfielen. Johannes Mesue, ein Arzt königlichen Geschlechts, gebürtig aus Damaskus, war zu diesen Zeiten in der Heilung und Behandlung von Seuchen und Krankheiten hochberühmt. Und hat aus Wissen der Kunst der Arznei etliche nützliche Bücher über allerlei Arzneien und über ihre Natur, Art, Eigenschaft und Anwendung geschrieben. Und obwohl er auch ein Buch über Heilung und Behandlung der Seuchen zu beschreiben und am Anfang begonnen hatte, starb er doch, als er bis zum Herzen gekommen war. Johannes, der Bischof von Chartres, und dem heiligen Thomas, dem Erzbischof von Canterbury, sehr vertraut, hochberühmt an schriftlicher Gelehrsamkeit, Lehre und Ausdrucksfähigkeit, hat zu dieser Zeit, in Achtung und Würden stehend, etliche schöne Schriften verfasst und unter anderem das Leben des genannten heiligen Thomas eifrig beschrieben. Hartmann, ein Bischof. Hartmann, Bischof zu Brixen, im Passauer Land geboren, entzog sich im Anbeginn seiner Jugend der Welt und kam zu den regulierten Chorherren des heiligen Nikolaus zu Passau. Dort wuchs er auf in heiligem Leben, an guten Sitten und Gelehrsamkeit. Bischof Konrad zu Salzburg setzte ihn zur Verwaltung des Klosters daselbst ein. Danach empfing er auf Begehren Markgraf Leopolds von Österreich an der Donau eine neue Gründung zu regieren. Als er aber bald Propst wurde, da peinigte er seinen kleinen Leib mit viel Fasten, Wachen und anderen Qualen hartnäckig und übte sich gern in Werken der Demut. So wurde er nach dem Absterben Reinberts, des Bischofs zu Brixen, mit allgemeiner Wahl der Priesterschaft zum Bischof daselbst erwählt. Dort vollbrachte er sein Leben in aller Heiligkeit und Wunderzeichen und entäußerte sich aller weltlicher und fleischlicher Wollust und ergab sich ganz dem Gebet und der Beschaulichkeit. Und lebte so in höchster Mäßigkeit und wunderbar strengem Wesen, und hatte unter seinem Kleid ein härenes Hemd an. Er wurde von Kaiser Friedrich sehr geliebt und als ein Vater und Beichtvater stets von ihm geehrt. Und darum wurde der Zorn des Kaisers gegen Papst Alexander durch ihn besänftigt. Zu derselben Zeit leuchteten zwei Ölzweige in der Kirche Gottes: Eberhard, der Erzbischof zu Salzburg, und dieser heilige Hartmann, Bischof zu Brixen. Er verbrachte all seine Zeit mit Wachen und Beten, mit Beschaulichkeit oder mit Lesen, und gab die Gabe des Heils und schlichtete Kriege. Und starb zuletzt, voll an Tagen, in einem Wasserbad zur Winterzeit, und war nach seinem seligen Abschied aus der Welt durch viele Wunderzeichen offenbar. Und besonders ist er ein getreuer Nothelfer den schwangeren Frauen, die in ihrer Geburt seine Hilfe aus Verdienst bei Gott anrufen. Amalrich, der sechste König zu Jerusalem. Amalrich, der sechste König zu Jerusalem, hat nach dem Absterben Balduins des Dritten, seines Bruders, zwölf Jahre regiert. Und war ein strenger und vieler Erinnerung würdiger Mann. Der dann mit den Heiden viel und oft gefochten und derselben viele erschlagen hat. Und hat Alexandria, die Hauptstadt in Ägypten (die Tiracumus, der Verwalter Saladins, des türkischen Königs, dem ägyptischen Sultan mit Betrügerei entzogen hatte), mit harter Belagerung bedrängt. So dass die von Alexandria (die sich den Christen in keiner Weise unterwerfen wollten) sich diesem König Amalrich ergaben mit der Bedingung, dass sie durch ihn wieder in die Gewalt des Sultans gelangen sollten. Danach empfing dieser Amalrich ein merklich großes Geld vom Sultan und überließ ihm Alexandria. Als aber Amalrich verstand, dass der Sultan in denselben Dingen Betrügerei suchte, da belagerte er als ein großmütiger Mann die mächtige Stadt Kairo. Und empfing doch danach auf Verleitung eines falschen Ratgebers vom Sultan abermals Geld und zog ab. Anselm, Bischof. Der heilige Albert. Albert, ein berühmter Ritter, wurde nach ehrenhaftem Fechten mit dem Martyrium gekrönt. Anselm, der Bischof von Beauvais, ist zu dieser Zeit nach heiligem Leben und guten Sitten gestorben. Bei seinem Grab wurden etliche Lampen wunderbarerweise angezündet, ausgenommen eine, in die ein Wucherer Öl getan hatte. Elisabeth, eine Klosterfrau in Sachsen. Philipp, König von Frankreich. Philipp, König von Frankreich, der Sohn des vorherigen Königs Ludwig, regierte 44 Jahre. Er zog (als er hörte, dass Jerusalem wiederum verloren sei) mit vielen christlichen Fürsten nach Syrien. Als er nun mitsamt Richard, dem englischen König, vor Ptolemais gekommen war und danach wieder nach Jerusalem ziehen wollten, da begannen sie beide um da...