Schedelsche Weltchronik · Blatt 204

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 204, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 204, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Orden der aynsidler sant Augustins left GWilielmus der heillig man ettwen hertzog zu aquitania vnd graff zu pictauia ist im iar des herren tawsent hundert lvii. in gallia an tugenten vnd wunderzaichen scheinper gewest. der von iugent auff von sant bernhart geleret wardt vnd ime den todt fuer awgen setzet. der werlt geprengk verachtet vnd in ein große wueestnus gienge. vnd daselbst vnder sant augustins regel als ein volkomner diener cristi lebet. vnd do er nw in den gaistlichen stand kome ye hoeher er denn in den eren was gewesen ye tieffer er sich demueetiget. vnd gleicher weiß als er dauor gepantzert wider die feind gefochten het. also wolt er in gott gekeret in eim pantzer an ploßen leib gelegt mit stettigem beten. wachen vnd fasten seinen leichnam peynnigen. darumb nicht allain vil werltlich person. sunder auch etliche brueedere diss ordens vnd andere komen zu ime als zu eim vater vnd aufrichter diss ordens Als aber diser heillig man sahe das der orden der cistercienser in klainer zeit also fast zugenomen het vnd sein orden so gar in abfall vnd wueestnus komen was das schier kein anzaigung enicher gaistlichkeit darinn mer erschyne. do richtet er sein gemueet solchen seinen orden widerzeerquicken vnd brachte den mit mercklicher menig gaistlicher person in kurtzer zeit zu auffung also dz man ine einen pawere des ordens. vnd die personen desselben nach ime gwilielmitas nennet bis an die zeit babst innocentii des vierden do warden sie auß den wueestnussen in die stett gefordert. vnd nach hinlegung diss namens von demselben babst vnd seinen nachkomen sant augustins ainsidler genant. Diser Gwilielmus hat auß zugabe anastasii vnnd adriani der bebst nach der aynsidelschaft erstlich in den stetten zewonen angefangen vnd das erst closter zu Parys vnder dem tittel des petelns erpawt. right right Johannes mesue ein artzt Johannes ein bischoff DRey sunnen sind diser zeit in dem monat septembris in dem nidergang beyeinander gesehen worden. vnd vber zwuo stund gienge die mittler sunn nach verschwindung der andern zu rast. Deßgleichen sinnd auch in den nechsten iarn darnach drey monde erschynen. vnd in dem mittlern ein creuetz zaichen. Dise gesihte warden von ettlichen außgelegt das sie zwitrachtigkeyt der cardinel in erwelung des babsts. vnd der churfuersten in wale eins roemischen koenigs bedeueteten als dann wider babst alexandrum (als hieuor gemeldt ist) vier bebst erkorn waren. deßhalben wz ein schwere zwayung. die weeret. xvii. iar. So waren diser zeit solche erdpidem. vnd sunderlich in syria vnd sicilia das sich land lewt vnnd stett erschuetteren vnd verfielen. JOhannes mesue ein artzt auß koenigclichem geschlecht damascenorum puertig ist zu disen zeiten in hailung vnd ertzneyung der seuechen vnd kranckheit hohberuembt gewest. vnnd hat auß wissen der kunst der ertzney ettliche nuetzliche buecher von allerlay ertzneyen vnd von irer natur. art. aigenschaft vnd vbung geschriben. vnd wiewol er auch ein buch von haylung vnd ertzneyung der seuechen zebeschreiben vnd am hawbt angefangen het. yedoch als er bis an das hertz komen was do starb er. JOhannes der carnotensisch bischoff. vnd sant Thoman dem cantuariensischen bischoff gar gehaym an schriftlicher wissenheit. lere vnd außsprechlichkeit hohberuembt hat diser zeit in achtung vnd wirden wesende ettliche schoen schriften gemacht vnd vnder andern des benanten sant Thomas leben emssigclich beschriben. Hartman ein bischoff HArtmannus bischoff zu Brixen in dem Passawischen land geporn entzohe sich in anbegynn seiner iugent von der werlt vnd kome zu den geregelten chorherren sant Niclaßen zu Passaw. allda wuchße er auff in heilligem leben an guoten sytten vnnd lernung. Bischoff Cunrat zu Saltzburg setzet ine zu verwesung des closters daselbst. darnach empfienge er auff begerung margraff Leuepolds zu oesterreich an der Thonaw ein newe pflantzung zeregieren. Als er aber pald probst ward do peyniget er sein leichnamlein mit vil fasten. wachen vnd andern quelungen herttigclich vnd vbet sich gern in wercken der demueetigkeit. also nach absterben Reinberti des bischoffs zu Brixen wardt er mit gemayner wale der pfafheit zu bischoff daselbst erwelt. alda volbracht er sein leben in aller heilligkeit vnd wunderzaichen vnd enteueßert sich aller werltlicher vnd flaischlicher wollustperkeit vnd ergabe sich gantzen in gebette vnnd beschewlichkeit. vnd lebet also in hoehster massigkeit vnd wundergestrengem wesen. vnnd het vnder seinem klaid ein hareins hembd an. Er wardt von kaiser Friderichen fast geliebt vnd als ein vater vnd beichtiger alweg von ime geeret. vnd darumb des kaisers zorn gein babst alexandro durch ine gesenftigt. Zu derselben zeit leuechteten zway oelzweydlein in der kirchen gottes. Eberhart der ertzbischoff zu Saltzburg. vnd diser sant hartman bischoff zu Brixen. der alle sein zeit mit wachen vnd betten. mit beschewligkeit oder mit lesen verzeret. vnd gepott des hails gabe. vnd krieg richtet. vnnd starb zu letst vol tag in einem wasser bade zu wintter zeit. vnd was nach seinem seligen abschaid auß der werlt an vil wunderzaichen scheinper. vnd suenderlich ist er ein getrewer nothelffer den schwangern frawen die in irer geperung sein hilff auß verdienst bey got anrueeffen. Almericus der sechst koenig zu Iherusalem ALmericus der sechst koenig zu Iherusalem hat nach absterben Balduini des dritten seins bruders. xii. iar geregirt. vnd was ein gestrenng vnd vil gedechtnus wirdiger man. der dann mit den hayden vil vnd offt gefochten vnd derselben vil erschlagen hat. vnd hat Alexandriam die hawbtstatt in egypten (die Tiracumus Saladini des tuerckischen koenigs verweser dem egyptischen Soldano mit betriegerey entzogen het) mit hartter belegerung bedrangt. also das die von Alexandria (die sich den cristen in keinen weg vnderwerffen wolten) sich an disen koenig Almerico ließen mit geding das sie durch ine widerumb in des Soldans gewalt gelangen solten. Dem nach empfienge diser Almericus ein mercklich groß gelt von dem Soldan vnd ließe ime alexandriam folgen. Als aber almericus verstund das der Soldan in denselben dingen betrieglichkeit suchet do belegeret er als ein großmueetig man die mechtigen statt Alkeyro. vnd empfieng doch darnach auß verlaytung eins falschen ratgeben von dem Soldan abermals gelt vnd zohe ab. Anßhelmus bischoff Sant Albertus ALbertus ein beruembter ritter wardt nach erlichem fechten mit marter bekroenet. ANßhelmus der Beluacenssch bischoff ist diser zeyt nach heilligem leben vnd guotten sytten gestorben. bey des grabe warden ettliche lampen wunderperlich angezuendt außgenomen eine darein ein wuochrer oele getan het Elisabeth ein closterfraw in sachßen Philips koenig zu franckreich PHilippus koenig zu franckreich des vorigen koenig ludwigs sun regiret. xliiii. iar. der zohe (als er hoeret das Jherusalem widerumb verlorn wer) mit vil cristenlichen fuersten in syriam. als er nu mitsambt Richardo dem Englischen koenig fuer Ptolomaidam komen. vnd darnach her widerumb gein Jherusalem ziehen wolten do begunden sie bede vmb das koenigreich Jherusalem miteinander zezancken. doch name sich Philippus einer kranckheit an vnd zohe haym vnd ließ Richardum hinder ime vnd verzeret sein vbrigs leben in heilliger vbung. ELizabeth ein heillige closterfraw leuechtet in sachßen land an wunderzaichen vnd hat auß englischer offenbarung wunderperliche gesiht beschriben. sunderlich ein buch der weg des herren genant.

Moderne Übersetzung

Der Orden der Einsiedler des heiligen Augustinus. Wilhelm, der heilige Mann, einst Herzog von Aquitanien und Graf von Poitiers, war im Jahr des Herrn 1157 in Gallien durch Tugenden und Wunderzeichen berühmt. Er wurde von Jugend auf vom heiligen Bernhard gelehrt und setzte sich den Tod vor Augen. Er verachtete das Treiben der Welt und zog sich in eine große Wüste zurück. Dort lebte er unter der Regel des heiligen Augustinus als ein vollkommener Diener Christi. Und als er nun in den geistlichen Stand kam, je höher er in Ehren gestanden hatte, desto tiefer demütigte er sich. Und gleichermaßen, wie er zuvor gepanzert gegen die Feinde gekämpft hatte, so wollte er, Gott zugewandt, in einem Panzer auf bloßem Leib liegend, mit ständigem Beten, Wachen und Fasten seinen Leib peinigen. Darum kamen nicht nur viele weltliche Personen, sondern auch etliche Brüder dieses Ordens und andere zu ihm wie zu einem Vater und Erneuerer dieses Ordens. Als aber dieser heilige Mann sah, dass der Orden der Zisterzienser in kurzer Zeit so stark zugenommen hatte und sein Orden so sehr in Verfall und Einsamkeit geraten war, dass kaum noch ein Anzeichen irgendeiner Geistlichkeit darin erschien, da richtete er seinen Sinn darauf, seinen Orden wiederzubeleben, und brachte ihn mit einer bemerkenswerten Menge geistlicher Personen in kurzer Zeit zu neuem Aufschwung, sodass man ihn einen Erbauer des Ordens nannte und die Personen desselben nach ihm Guilielmitas nannte, bis zur Zeit Papst Innozenz' des Vierten, da wurden sie aus den Wüsten in die Städte gerufen. Und nach Ablegung dieses Namens wurden sie von demselben Papst und seinen Nachfolgern Einsiedler des heiligen Augustinus genannt. Dieser Wilhelm hat auf Anordnung der Päpste Anastasius und Hadrian nach der Einsiedelei zuerst in den Städten zu wohnen begonnen und das erste Kloster in Paris unter dem Titel des Bettelns erbaut. Johannes Mesue, ein Arzt. Johannes, ein Bischof. Drei Sonnen sind zu dieser Zeit im Monat September im Westen beieinander gesehen worden. Und über zwei Stunden ging die mittlere Sonne nach Verschwinden der anderen zur Ruhe. Desgleichen sind auch in den nächsten Jahren danach drei Monde erschienen, und im mittleren ein Kreuzzeichen. Diese Gesichte wurden von etlichen so ausgelegt, dass sie Zwietracht der Kardinäle bei der Wahl des Papstes und der Kurfürsten bei der Wahl eines römischen Königs bedeuteten, da dann gegen Papst Alexander (wie zuvor gemeldet ist) vier Päpste gewählt waren. Deshalb war eine schwere Spaltung, die 17 Jahre währte. So waren zu dieser Zeit solche Erdbeben, und besonders in Syrien und Sizilien, dass sich Land, Leute und Städte erschütterten und verfielen. Johannes Mesue, ein Arzt königlichen Geschlechts, gebürtig aus Damaskus, war zu diesen Zeiten in der Heilung und Behandlung von Seuchen und Krankheiten hochberühmt. Und hat aus Wissen der Kunst der Arznei etliche nützliche Bücher über allerlei Arzneien und über ihre Natur, Art, Eigenschaft und Anwendung geschrieben. Und obwohl er auch ein Buch über Heilung und Behandlung der Seuchen zu beschreiben und am Anfang begonnen hatte, starb er doch, als er bis zum Herzen gekommen war. Johannes, der Bischof von Chartres, und dem heiligen Thomas, dem Erzbischof von Canterbury, sehr vertraut, hochberühmt an schriftlicher Gelehrsamkeit, Lehre und Ausdrucksfähigkeit, hat zu dieser Zeit, in Achtung und Würden stehend, etliche schöne Schriften verfasst und unter anderem das Leben des genannten heiligen Thomas eifrig beschrieben. Hartmann, ein Bischof. Hartmann, Bischof zu Brixen, im Passauer Land geboren, entzog sich im Anbeginn seiner Jugend der Welt und kam zu den regulierten Chorherren des heiligen Nikolaus zu Passau. Dort wuchs er auf in heiligem Leben, an guten Sitten und Gelehrsamkeit. Bischof Konrad zu Salzburg setzte ihn zur Verwaltung des Klosters daselbst ein. Danach empfing er auf Begehren Markgraf Leopolds von Österreich an der Donau eine neue Gründung zu regieren. Als er aber bald Propst wurde, da peinigte er seinen kleinen Leib mit viel Fasten, Wachen und anderen Qualen hartnäckig und übte sich gern in Werken der Demut. So wurde er nach dem Absterben Reinberts, des Bischofs zu Brixen, mit allgemeiner Wahl der Priesterschaft zum Bischof daselbst erwählt. Dort vollbrachte er sein Leben in aller Heiligkeit und Wunderzeichen und entäußerte sich aller weltlicher und fleischlicher Wollust und ergab sich ganz dem Gebet und der Beschaulichkeit. Und lebte so in höchster Mäßigkeit und wunderbar strengem Wesen, und hatte unter seinem Kleid ein härenes Hemd an. Er wurde von Kaiser Friedrich sehr geliebt und als ein Vater und Beichtvater stets von ihm geehrt. Und darum wurde der Zorn des Kaisers gegen Papst Alexander durch ihn besänftigt. Zu derselben Zeit leuchteten zwei Ölzweige in der Kirche Gottes: Eberhard, der Erzbischof zu Salzburg, und dieser heilige Hartmann, Bischof zu Brixen. Er verbrachte all seine Zeit mit Wachen und Beten, mit Beschaulichkeit oder mit Lesen, und gab die Gabe des Heils und schlichtete Kriege. Und starb zuletzt, voll an Tagen, in einem Wasserbad zur Winterzeit, und war nach seinem seligen Abschied aus der Welt durch viele Wunderzeichen offenbar. Und besonders ist er ein getreuer Nothelfer den schwangeren Frauen, die in ihrer Geburt seine Hilfe aus Verdienst bei Gott anrufen. Amalrich, der sechste König zu Jerusalem. Amalrich, der sechste König zu Jerusalem, hat nach dem Absterben Balduins des Dritten, seines Bruders, zwölf Jahre regiert. Und war ein strenger und vieler Erinnerung würdiger Mann. Der dann mit den Heiden viel und oft gefochten und derselben viele erschlagen hat. Und hat Alexandria, die Hauptstadt in Ägypten (die Tiracumus, der Verwalter Saladins, des türkischen Königs, dem ägyptischen Sultan mit Betrügerei entzogen hatte), mit harter Belagerung bedrängt. So dass die von Alexandria (die sich den Christen in keiner Weise unterwerfen wollten) sich diesem König Amalrich ergaben mit der Bedingung, dass sie durch ihn wieder in die Gewalt des Sultans gelangen sollten. Danach empfing dieser Amalrich ein merklich großes Geld vom Sultan und überließ ihm Alexandria. Als aber Amalrich verstand, dass der Sultan in denselben Dingen Betrügerei suchte, da belagerte er als ein großmütiger Mann die mächtige Stadt Kairo. Und empfing doch danach auf Verleitung eines falschen Ratgebers vom Sultan abermals Geld und zog ab. Anselm, Bischof. Der heilige Albert. Albert, ein berühmter Ritter, wurde nach ehrenhaftem Fechten mit dem Martyrium gekrönt. Anselm, der Bischof von Beauvais, ist zu dieser Zeit nach heiligem Leben und guten Sitten gestorben. Bei seinem Grab wurden etliche Lampen wunderbarerweise angezündet, ausgenommen eine, in die ein Wucherer Öl getan hatte. Elisabeth, eine Klosterfrau in Sachsen. Philipp, König von Frankreich. Philipp, König von Frankreich, der Sohn des vorherigen Königs Ludwig, regierte 44 Jahre. Er zog (als er hörte, dass Jerusalem wiederum verloren sei) mit vielen christlichen Fürsten nach Syrien. Als er nun mitsamt Richard, dem englischen König, vor Ptolemais gekommen war und danach wieder nach Jerusalem ziehen wollten, da begannen sie beide um da...

Anmerkungen

aynwidler
historisches dt. für 'Einsiedler'
GWilielmus
historische Schreibweise für 'Wilhelm', hier Wilhelm von Malavalle (Guilielmus Magnus)
ettwen
historisches dt. für 'einst'
aquitania
Aquitanien, historische Region in Frankreich
pictauia
Poitiers, Stadt in Frankreich
tawsent hundert lvii.
römisch für 1157
gallia
Gallien, historische Bezeichnung für Frankreich
scheinper
historisches dt. für 'berühmt, offenbar'
sant bernhart
Heiliger Bernhard von Clairvaux (1090–1153), französischer Abt und Mystiker
fuer awgen setzet
historisches dt. für 'sich vor Augen führte'
werlt geprengk
historisches dt. für 'weltliches Treiben, weltliche Pracht'
wueestnus
historisches dt. für 'Wüste, Einsiedelei'
sant augustins regel
Regel des Heiligen Augustinus, eine der ältesten Ordensregeln
cristi
lat. 'Christi'
gaistlichen stand
historisches dt. für 'geistlicher Stand'
eren
historisches dt. für 'Ehren'
demueetiget
historisches dt. für 'demütigte'
gepanzert
historisches dt. für 'gepanzert'
ploßen leib
historisches dt. für 'bloßem Leib'
peynnigen
historisches dt. für 'peinigen, quälen'
allain
historisches dt. für 'allein'
werltlich person
historisches dt. für 'weltliche Personen'
aufrichter
historisches dt. für 'Erneuerer, Gründer'
cistercienser
Zisterzienser, ein katholischer Mönchsorden
klainer zeit
historisches dt. für 'kurzer Zeit'
abfall vnd wueestnus
historisches dt. für 'Verfall und Einsamkeit'
schier
historisches dt. für 'fast, kaum'
anzaigung enicher gaistlichkeit
historisches dt. für 'Anzeichen irgendeiner Geistlichkeit'
gemueet
historisches dt. für 'Gemüt, Sinn'
widerzeerquicken
historisches dt. für 'wiederbeleben'
mercklicher menig
historisches dt. für 'bemerkenswerte Menge'
auffung
historisches dt. für 'Aufschwung, Gründung'
pawere
historisches dt. für 'Erbauer'
gwilielmitas
Guilielmitas, Name der Ordensmitglieder nach Wilhelm
babst innocentii des vierden
Papst Innozenz IV. (ca. 1195–1254), Papst von 1243 bis 1254
hinlegung
historisches dt. für 'Ablegung'
nachkomen
historisches dt. für 'Nachfolger'
zugabe
historisches dt. für 'Anordnung, Erlaubnis'
anastasii vnnd adriani der bebst
Päpste Anastasius IV. (Papst 1153–1154) und Hadrian IV. (Papst 1154–1159)
Parys
Paris, Hauptstadt Frankreichs
tittel des petelns
historisches dt. für 'Titel des Bettelns', bezieht sich auf Bettelorden
Johannes mesue
Johannes Mesue (Mesue der Jüngere, gest. 1015), arabischer Arzt
septembris
lat. 'September'
nidergang
historisches dt. für 'Westen, Sonnenuntergang'
zwuo stund
historisches dt. für 'zwei Stunden'
zu rast
historisches dt. für 'zur Ruhe, untergehen'
drey monde
astronomisches Phänomen, hier 'drei Monde'
creuetz zaichen
historisches dt. für 'Kreuzzeichen'
gesihte
historisches dt. für 'Gesichte, Erscheinungen'
zwitrachtigkeyt
historisches dt. für 'Zwietracht'
erwelung des babsts
historisches dt. für 'Wahl des Papstes'
churfuersten
Kurfürsten, die zur Wahl des römisch-deutschen Königs berechtigten Fürsten
wale eins roemischen koenigs
historisches dt. für 'Wahl eines römischen Königs'
babst alexandrum
Papst Alexander III. (ca. 1105–1181), Papst von 1159 bis 1181
hieuor gemeldt ist
historisches dt. für 'wie zuvor gemeldet ist'
zwayung
historisches dt. für 'Spaltung, Schisma'
weeret
historisches dt. für 'währte'
xvii. iar
römisch für 17 Jahre
erdpidem
historisches dt. für 'Erdbeben'
syria
Syrien, historische Region
sicilia
Sizilien, Insel und Region in Italien
land lewt vnnd stett
historisches dt. für 'Land, Leute und Städte'
damascenorum puertig
lat. 'gebürtig aus Damaskus', Damaskus ist eine Stadt in Syrien
hailung vnd ertzneyung
historisches dt. für 'Heilung und Behandlung'
seuechen vnd kranckheit
historisches dt. für 'Seuchen und Krankheiten'
hohberuembt
historisches dt. für 'hochberühmt'
ertzney
historisches dt. für 'Arznei, Medizin'
allerlay
historisches dt. für 'allerlei'
aigenschaft vnd vbung
historisches dt. für 'Eigenschaft und Anwendung'
am hawbt angefangen het
historisches dt. für 'am Anfang begonnen hatte'
bis an das hertz komen was
historisches dt. für 'bis zum Kern/wichtigen Teil gekommen war' (metaphorisch)
JOhannes der carnotensisch bischoff
Johannes von Salisbury (ca. 1115/20–1180), Bischof von Chartres (lat. Carnotensis)
sant Thoman dem cantuariensischen bischoff
Heiliger Thomas Becket (ca. 1118–1170), Erzbischof von Canterbury
gar gehaym
historisches dt. für 'sehr vertraut, eng verbunden'
schriftlicher wissenheit
historisches dt. für 'schriftlicher Gelehrsamkeit'
außsprechlichkeit
historisches dt. für 'Ausdrucksfähigkeit, Eloquenz'
achtung vnd wirden wesende
historisches dt. für 'in Achtung und Würden stehend'
emssigclich
historisches dt. für 'eifrig'
Hartman
Hartmann von Brixen (ca. 1090–1164), Bischof von Brixen
Brixen
Stadt in Südtirol, Italien
Passawischen land
historische Bezeichnung für die Region um Passau, Deutschland
anbegynn
historisches dt. für 'Anbeginn'
geregelten chorherren sant Niclaßen zu Passaw
regulierte Chorherren des heiligen Nikolaus zu Passau, eine religiöse Gemeinschaft
wuchße er auff
historisches dt. für 'wuchs er auf'
guoten sytten
historisches dt. für 'guten Sitten'
lernung
historisches dt. für 'Gelehrsamkeit'
Bischoff Cunrat zu Saltzburg
Konrad I. von Abenberg (ca. 1075–1147), Erzbischof von Salzburg
Saltzburg
Salzburg, Stadt in Österreich
verwesung
historisches dt. für 'Verwaltung'
begerung
historisches dt. für 'Begehren'
margraff Leuepolds zu oesterreich an der Thonaw
Markgraf Leopold III. oder IV. von Österreich (z.B. Leopold III. der Heilige, 1073–1136)
Thonaw
Donau, Fluss
newe pflantzung
historisches dt. für 'neue Gründung, neues Kloster'
zeregieren
historisches dt. für 'zu regieren'
pald
historisches dt. für 'bald'
probst
Propst, kirchlicher Titel
leichnamlein
historisches dt. für 'kleiner Leib' (Diminutiv, betont Demut)
quelungen herttigclich
historisches dt. für 'Qualen hartnäckig'
vbet sich gern
historisches dt. für 'übte sich gern'
wercken der demueetigkeit
historisches dt. für 'Werken der Demut'
absterben
historisches dt. für 'Absterben'
Reinberti des bischoffs zu Brixen
Reinbert, Bischof von Brixen (Amtszeit 1139–1140)
gemayner wale der pfafheit
historisches dt. für 'allgemeiner Wahl der Priesterschaft'
enteueßert sich
historisches dt. für 'entäußerte sich, entsagte'
flaischlicher wollustperkeit
historisches dt. für 'fleischlicher Wollust'
beschewlichkeit
historisches dt. für 'Beschaulichkeit'
hoehster massigkeit
historisches dt. für 'höchster Mäßigkeit'
wundergestrengem wesen
historisches dt. für 'wunderbar strengem Wesen'
hareins hembd
historisches dt. für 'härenes Hemd' (Büßerhemd)
kaiser Friderichen
Kaiser Friedrich I. Barbarossa (ca. 1122–1190), römisch-deutscher Kaiser
beichtiger
historisches dt. für 'Beichtvater'
alweg
historisches dt. für 'stets'
gein babst alexandro
historisches dt. für 'gegen Papst Alexander III.'
gesenftigt
historisches dt. für 'besänftigt'
leuechteten zway oelzweydlein
historisches dt. für 'leuchteten zwei Ölzweige' (metaphorisch für heilige Männer)
Eberhart der ertzbischoff zu Saltzburg
Eberhard I. von Biburg (gest. 1164), Erzbischof von Salzburg
verzeret
historisches dt. für 'verbrachte'
gepott des hails gabe
historisches dt. für 'gab die Gabe des Heils'
krieg richtet
historisches dt. für 'Kriege schlichtete'
vol tag
historisches dt. für 'voll an Tagen, hochbetagt'
wasser bade
historisches dt. für 'Wasserbad'
wintter zeit
historisches dt. für 'Winterzeit'
seligen abschaid auß der werlt
historisches dt. für 'seligen Abschied aus der Welt'
suenderlich
historisches dt. für 'besonders'
nothelffer
historisches dt. für 'Nothelfer'
geperung
historisches dt. für 'Geburt'
aus verdienst bey got anrueeffen
historisches dt. für 'seine Hilfe aufgrund seiner Verdienste bei Gott anrufen'
Almericus
Amalrich I. (1136–1174), König von Jerusalem
sechst
historisches dt. für 'sechste'
Iherusalem
Jerusalem, Stadt
Balduini des dritten
Balduin III. (1130–1162), König von Jerusalem
xii. iar
römisch für 12 Jahre
gestrenng
historisches dt. für 'streng'
vil gedechtnus wirdiger man
historisches dt. für 'vieler Erinnerung würdiger Mann'
hayden
historisches dt. für 'Heiden' (hier meist Muslime gemeint)
Alexandriam
Alexandria, Stadt in Ägypten
hawbtstatt
historisches dt. für 'Hauptstadt'
egypten
Ägypten, Land
Tiracumus
Wahrscheinlich eine Verballhornung von Schirkuh (gest. 1169), Onkel Saladins und Wesir Ägyptens
Saladini des tuerckischen koenigs
Saladin (1137–1193), Sultan von Ägypten und Syrien (obwohl kurdischer Herkunft, von Europäern oft als 'türkisch' bezeichnet)
verweser
historisches dt. für 'Verwalter, Stellvertreter'
egyptischen Soldano
historisches dt. für 'ägyptischen Sultan'
betriegerey entzogen het
historisches dt. für 'mit Betrügerei entzogen hatte'
bedrangt
historisches dt. für 'bedrängt'
mit geding
historisches dt. für 'mit der Bedingung'
mercklich groß gelt
historisches dt. für 'merklich großes Geld'
ließe ime alexandriam folgen
historisches dt. für 'überließ ihm Alexandria'
betrieglichkeit suchet
historisches dt. für 'Betrügerei suchte'
großmueetig man
historisches dt. für 'großmütiger Mann'
Alkeyro
Kairo, Stadt in Ägypten
verlaytung eins falschen ratgeben
historisches dt. für 'Verleitung eines falschen Ratgebers'
zohe ab
historisches dt. für 'zog ab'
Anßhelmus
Anselm, hier unklar welcher, da zwei Anselm erwähnt werden
Sant Albertus
Heiliger Albert, hier unklar welcher
ALbertus
Albert, hier unklar welcher
erlichem fechten
historisches dt. für 'ehrenhaftem Fechten'
marter bekroenet
historisches dt. für 'mit dem Martyrium gekrönt'
ANßhelmus der Beluacenssch bischoff
Anselm von Beauvais (gest. 1180), Bischof von Beauvais (lat. Belvacensis)
wunderperlich angezuendt
historisches dt. für 'wunderbarerweise angezündet'
wuochrer
historisches dt. für 'Wucherer'
Elisabeth ein closterfraw in sachßen
Elisabeth, eine Klosterfrau in Sachsen (Region in Deutschland), hier unklar welche
Philips koenig zu franckreich
Philipp II. August (1165–1223), König von Frankreich
koenig ludwigs sun
Sohn des Königs Ludwig (Ludwig VII., 1120–1180)
xliiii. iar
römisch für 44 Jahre
Jherusalem widerumb verlorn wer
historisches dt. für 'Jerusalem wiederum verloren sei' (bezieht sich auf den Fall Jerusalems 1187)
cristenlichen fuersten
historisches dt. für 'christlichen Fürsten'
syriam
Syrien, historische Region
mitsambt
historisches dt. für 'mitsamt'
Richardo dem Englischen koenig
Richard Löwenherz (1157–1199), König von England
Ptolomaidam
Ptolemais (heute Akkon), Stadt im heutigen Israel
gein Jherusalem ziehen wolten
historisches dt. für 'nach Jerusalem ziehen wollten'
begunden sie bede vmb da
historisches dt. für 'begannen sie beide um da...' (Satz unvollständig)