Schedelsche Weltchronik · Blatt 205

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 205, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 205, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Linea der bebst // Lucius der dritt LVcius des namens der dritt. ein tuscan auß der statt luca von edelm geschlecht puertig ward nach babst alexander mit gemainer folg babst erkorn. der vnderstund sich die ratherren von den roemern abzesetzen. aber die ratherrlich hand was also mechtig das nach vertreybung Lucii auß der statt sein guenner vnd anhenger grawsamlich verfolgt warden. Also welcher sich als einen anhennger vnd guenner des babsts mercken ließ wo er dann nicht pald an sein gewarsamm kome so warden ime seine awgen außgestochen. Demnach fluhe der babst gein Bern. daselbsthin berueeffet er ein concili vnd beclaget sich alda der getuerstigkeit vnd hohfart der roemer vnd vermanet alle cristenlich fuersten zu rettung iherusalem vnd des gelobten lands aber die weil die poten hin vnd her derselben sach halben gesendt warden do starb diser babst im fuenften iar seins babstthumbs. Vrbanus der dritt VRbanus der dritt von Mayland puertig hat alßpald er babst wardt fleiß an gekeret die cristenlichen fuersten erstlich zeuertragen vnd zeueraynigen. auff dz sie in iren zwittrechtigkeiten von den vnglawbigen nit verdrucket wuerden. vnd nach dem aber ime in anfanng seins babstthumbs die mechtigkeit des koenigs Saladini forchtsam was so vermanet er alle cristenlich fuersten mit gemayner aufforderung lewt in asiam zeschicken. aber nach dem die ding spat vnd versewmlich zugiengen so name er ime auß hitzigem gemueet fuer gein Venedig zeziehen vnd daselbsthin die cristenlichen ritterschaft zu ime zesamen zefordern. als er aber bis gein ferrariam koemen was vnd ime von niderlag der cristen in einem streyt botschaft gebracht wardt do starb er vor layd am fieber im andern iar seins babstthumbs. Gregorius der acht GRegorius der acht auß der beneuentanisichen gegent puertig ward mit gemayner wale aller menigclichs zu babst erkorn. Dem begegnet auß hitzigkeit vnd inpruenstigkeit seins gemueets gleich wie seinem vorfarn. aber doch ein eyllenderer tod. dann er sendet von stundan brieff vnd botten an die cristenlichen fuersten sie vermanende mit sambt ime mit aller macht vnd heereßkraft zu land vnd wasser gein Jherusalem zu zeziehen vnd die helffen widerumb zeerledigen. dieweil er nw mit den anschlegen also vmb gieng do zohe er gein Pisa. die waren mit den Jenuesern zwittrechtig. vnnd nach dem die von Pisa vnd die Jenueser bede an heerschiffungen mechtig waren. vnd zu dem cristenlichen zug auff dem meer fast hilflich vnd fuerderlich sein moechten so vereyniget er sie mit dem gedinng. das yeder tayl ein starcke schiffung zum streyt geschickt wider die feind des cristenlichen glawbens in asiam senden soelte. Dieweil nw diser heilligst man die ding also mit emsigem fleiß hanndlet do starb er zu pisa an dem sibenundfuenftzigisten tag seins babstthumbs. Joachim abbt JOachim der abbt auß Calabria kom zu babst vrbano zu Bern. Diser Joachim ein man großer lere vnd vbertreffenlicher vnd schier goetlicher synnschicklichkeit wz diser zeit bey koenig Gwilhelmo vnd allen Calabriern in grosser achtung. Der dann (als sie sagen) des gaists des warsagens vol. kuenftige ding als wern sie gegenwertig verkuendet. Er het dauor nit von hohgelerten lewten gelernet. sunder er empfieng die gabe der verstentnus goetlicher weiß. vnnd leget die schweren vnd tapffern meynung der schriften verstentlich auß. Im sol auch vil kuenftigs geoffenbart sein von den zwayen koenigen franckreich vnd engelland. die bey der statt Messana bewinterten. Eins mals wardt er gefragt. was zehoffen wer vom zug der sarracen. do antwurtet er. das die zeit noch nit komen wer das iherusalem wider erobert werden moecht. Aber die ding die er von kuenftiger zeit geschriben hat woellen wir dem gericht vnd erkantnus vnserer nachkomen befelhen vnnd es got laßen walten. Balduinus der sibend koenig zu Jherusalem BAlduinus des namens der vierdt des vorigen Almerici sun der sibend koenig zu Jherusalem regiret nach seinem vater sechs iar. vnd wiewol er mit dem seuechen der außmerckigkeit berueert was so regiret er doch dz koenigreich kreftigclich vnd weyßlich. vnd was ein kuenmueetig vnd ritterlicher ding ein geuebter vnd erfarner man. der bracht dem egyptischen koenig Saladino sein heer erstlich in die flucht. darnach schluog er vor der stat Tyberiadis mit einer klainen anzal seins volcks dem Saladino in seiner gegenwertigkeit bey zweintzigtawsent sarracen. tuercken vnd arabier zu tod. vnd wie offt sie bede mit einander zu streyt komen so tet Balduinus dem Saladino alweg manlich widerstand. Vnd nach dem er aber auß grawen seins siechtags kein weib nemen volt vnd kein hoffnung einichs erbens het do gedacht er das koenigreich seiner schwester kindern zelassen. demnach verhayratet er sein zwuo schwestern. vnd die iungern Sibilla genant Gwilhelmo dem marggrafen zu Monteferrato. die gepare im ersten iar einen sun. den nennet man nach seiner muoter bruoder Balduinus. der wardt nach absterben diss vierden Balduini an seiner stat koenig. Orden der gedemueetigen DIser orden der gedemueetigen Humiliatorum genant hat diser zeit (als man sagt) anfanng gehabt. doch schreiben ettlich vnder kaiser Heinrichen. Aber als kayser Friderich barbarossa alle herdißhalb gelegne galliam mit mancherlay vnfuogs bekuemmeret do verschicket er darauß vnzallich man mit weibern vnd kindern in teuetsche land ins ellend. Als er sie nw daselbst ettwielang enthalten het. vnd die verschickten irs ellends verdrießlich worden waren do klaideten sie sich alle mit weyßem giengen zum kayser vnd begerten gnad vnd barmhertzigkeit. Auß dem wardt der kaiser zu gueetigkeit also bewegt das er sie haym ziehen ließ. Als sie nw in ir haymend komen do fiengen sie an vil leicht auß beschehner geluebdnus zesamen zewonen. laster zemeyden. in demueetigem klaid zegeen vnd ye lenger vnd lenger gestrennglicher zeleben. die mann bey einander. vnd die frawen besonder zesein vnd zearbeiten. vnnd nach einem teyl sannt Benedicten regel zeleben. ire oebern proebst nennede. Diser orden name also auff an gueetern vnd personen das er von dem babst bestettigt vnnd mit vil freyheiten begnadet wardt. GWido lusignanus der obgenanten Sibille des außmerckigen koenigs Balduini schwester gemahel hat nach absterben desselben Balduini. vnd Balduini seiner schwester sun als der acht koenig zu Jherusalem zway iar geregirt. dann als nach abgang Balduini das koenigreich an Balduinum das kind seiner schwester sun fiele. do vnderstunden sich Raimundus der tripolitanisch graff vnd der benant Gwido des koenigleins vater des koenigreichs zepflegen. die weil aber die ding in zwittrachtigkeit der cristen zu iherusalem gehandelt warden do vergieng das kind mit todt im achten monat nach seins vettern abganng. Nw besorget sich Sibilla der tripolitanisch graff moecht villeicht vom volck vnd von der ritterschaft zu koenig erkorn werden. aber sie erlanget mit verhaissungen myet vnd gabe vom patriarchen. bischoffen. edeln vnd gewaltigen das Gwido ir man zu koenig erwelet wardt. das verschmahet Raimundo dem tripolitanischen graffen also vbel das er mit koenig Saladino einen auffschuob irs kriegs machet. vnd die tripolitanischen grafschaft mitsambt dem fuerstenthumb Tyberiadis. vnd Gallilee durch hayrat mit einer edeln frawen (der dasselb fuerstenthumb zustund) dem koenigreich Jherusalem entwendet. Nw warn die sachen zwischen den cristen vnd Saladino deßmals in frid angesteltt. do gedacht Saladinus den frid zeprechen vnd sammlet ein groß mechtigs heer fuoß volcks vnd raysigs zeuegs vnd zohe damit fuer Jherusalem vnd belegeret die vnd stuermet erstlich vergebens. x. tag. vnd darnakh. xx. tag. Zu letst ergaben sich die in der statt nicht auß forcht des sturms sunder auß verzweiflung der hilff vnnd rettung. doch mit dem geding das man sie mit irem hawßrat souil yeder des tragen moecht ziehen laßen solt. Also zohen die cristen auß iherusalem vnd eins teyls gein Antiochiam. eins teyls gein Tyrum. eins teyls gein Alexandriam. Do Saladinus in die statt kome do wurffe er erstlich die glocken ab den thuernen vnnd machet die kirchen zu stallungen.

Moderne Übersetzung

Die Linie der Päpste. Lucius der Dritte, Lucius des Namens der Dritte, ein Toskaner aus der Stadt Lucca, von edlem Geschlecht geboren, wurde nach Papst Alexander mit allgemeiner Zustimmung zum Papst gewählt. Er unternahm es, die Senatoren von den Römern abzusetzen. Aber die Macht der Senatoren war so groß, dass nach der Vertreibung Lucius' aus der Stadt seine Gönner und Anhänger grausam verfolgt wurden. Wer sich als Anhänger und Gönner des Papstes zu erkennen gab, dem wurden, wenn er nicht bald in Sicherheit kam, die Augen ausgestochen. Daraufhin floh der Papst nach Bern. Dort berief er ein Konzil ein und beklagte sich über die Dreistigkeit und den Hochmut der Römer und ermahnte alle christlichen Fürsten zur Rettung Jerusalems und des Gelobten Landes. Doch während die Boten wegen dieser Sache hin und her gesandt wurden, starb dieser Papst im fünften Jahr seines Pontifikats. Urbanus der Dritte, Urbanus der Dritte, aus Mailand gebürtig, bemühte sich sogleich nach seiner Papstwahl, die christlichen Fürsten zuerst zu versöhnen und zu einigen, damit sie in ihren Zwistigkeiten nicht von den Ungläubigen unterdrückt würden. Und nachdem ihm aber zu Beginn seines Pontifikats die Macht des Königs Saladin furchtsam war, ermahnte er alle christlichen Fürsten mit allgemeiner Aufforderung, Leute nach Asien zu schicken. Doch nachdem die Dinge schleppend und säumig vorangingen, nahm er sich aus hitzigem Gemüt vor, nach Venedig zu ziehen und dort die christliche Ritterschaft zu sich zu versammeln. Als er aber bis nach Ferrara gekommen war und ihm die Nachricht von der Niederlage der Christen in einem Kampf überbracht wurde, starb er vor Leid am Fieber im zweiten Jahr seines Pontifikats. Gregor der Achte, Gregor der Achte, aus der beneventanischen Gegend gebürtig, wurde mit allgemeiner Wahl aller Leute zum Papst gewählt. Ihm begegnete aus Hitzigkeit und Inbrunst seines Gemüts, gleich wie seinem Vorfahren, aber doch ein eilenderer Tod. Denn er sandte sogleich Briefe und Boten an die christlichen Fürsten, sie ermahnend, samt ihm mit aller Macht und Heereskraft zu Land und Wasser nach Jerusalem zu ziehen und die Heilige Stadt wieder zu befreien. Während er nun mit diesen Plänen umging, zog er nach Pisa. Diese waren mit den Genuesen zerstritten. Und nachdem die von Pisa und die Genuesen beide an Heerschiffungen mächtig waren und zu dem christlichen Zug auf dem Meer sehr hilfreich und förderlich sein konnten, so einigte er sie mit der Bedingung, dass jeder Teil eine starke Flotte zum Kampf gegen die Feinde des christlichen Glaubens nach Asien senden sollte. Während nun dieser heiligste Mann die Dinge so mit emsigem Fleiß handhabte, starb er zu Pisa am siebenundfünfzigsten Tag seines Pontifikats. Abt Joachim. Joachim der Abt aus Kalabrien kam zu Papst Urban in Bern. Dieser Joachim, ein Mann großer Lehre und übertrefflicher und schier göttlicher Geistesgabe, stand zu dieser Zeit bei König Wilhelm und allen Kalabriern in großer Achtung. Er war dann (wie sie sagen) voll des Geistes der Weissagung und verkündete zukünftige Dinge, als wären sie gegenwärtig. Er hatte zuvor nicht von hochgelehrten Leuten gelernt, sondern er empfing die Gabe des Verständnisses auf göttliche Weise und legte die schweren und tiefgründigen Bedeutungen der Schriften verständlich aus. Ihm soll auch viel Zukünftiges offenbart worden sein von den zwei Königen Frankreichs und Englands, die bei der Stadt Messina überwinterten. Einmal wurde er gefragt, was vom Zug der Sarazenen zu hoffen sei. Da antwortete er, dass die Zeit noch nicht gekommen sei, dass Jerusalem wiedererobert werden könnte. Aber die Dinge, die er von zukünftiger Zeit geschrieben hat, wollen wir dem Gericht und der Erkenntnis unserer Nachkommen befehlen und es Gott walten lassen. Balduin der siebte König zu Jerusalem. Balduin, der vierte dieses Namens, Sohn des vorherigen Amalrich, der siebte König zu Jerusalem, regierte nach seinem Vater sechs Jahre. Und obwohl er mit der Krankheit der Aussätzigen behaftet war, regierte er doch das Königreich kräftiglich und weislich. Und er war ein kühnmutiger und ritterlicher Mann, ein geübter und erfahrener Krieger. Er schlug das Heer des ägyptischen Königs Saladin zuerst in die Flucht. Danach erschlug er vor der Stadt Tiberias mit einer kleinen Anzahl seines Volkes dem Saladin in dessen Gegenwart bei zwanzigtausend Sarazenen, Türken und Araber. Und wie oft sie beide miteinander in Streit gerieten, so leistete Balduin dem Saladin stets männlichen Widerstand. Und nachdem er aber aus Grauen seines Siechtums keine Frau nehmen wollte und keine Hoffnung auf Erben hatte, gedachte er, das Königreich den Kindern seiner Schwester zu hinterlassen. Daraufhin verheiratete er seine zwei Schwestern, und die jüngere, Sibylla genannt, mit Wilhelm, dem Markgrafen von Montferrat. Diese gebar im ersten Jahr einen Sohn, den man nach dem Bruder seiner Mutter Balduin nannte. Dieser wurde nach dem Ableben dieses vierten Balduin an seiner Statt König. Orden der Gedemütigten. Dieser Orden, Humiliaten genannt, soll zu dieser Zeit (wie man sagt) seinen Anfang genommen haben. Doch schreiben einige, er sei unter Kaiser Heinrich entstanden. Als aber Kaiser Friedrich Barbarossa ganz Gallien diesseits der Alpen mit mancherlei Unruhen beunruhigte, verschickte er von dort unzählige Männer mit Weibern und Kindern in deutsche Lande ins Exil. Als er sie nun dort eine Weile festgehalten hatte und die Verbannten ihres Exils überdrüssig geworden waren, kleideten sie sich alle in Weiß, gingen zum Kaiser und baten um Gnade und Barmherzigkeit. Daraufhin wurde der Kaiser zu solcher Güte bewegt, dass er sie heimziehen ließ. Als sie nun in ihre Heimat zurückgekehrt waren, begannen sie, wohl aufgrund eines abgelegten Gelübdes, zusammenzuleben, Laster zu meiden, in demütiger Kleidung zu gehen und immer strenger zu leben: die Männer beieinander und die Frauen gesondert zu sein und zu arbeiten, und nach einem Teil der Regel des heiligen Benedikt zu leben, ihre Oberen Pröpste nennend. Dieser Orden nahm so an Gütern und Personen zu, dass er vom Papst bestätigt und mit vielen Freiheiten begnadet wurde. Guido von Lusignan, der Gemahl der oben genannten Sibylla, der Schwester des aussätzigen Königs Balduin, hat nach dem Ableben desselben Balduin und Balduins, des Sohnes seiner Schwester, als der achte König zu Jerusalem zwei Jahre regiert. Denn als nach dem Tod Balduins das Königreich an Balduin, das Kind, den Sohn seiner Schwester, fiel, unternahmen es Raimund, der Graf von Tripolis, und der genannte Guido, der Vater des kleinen Königs, das Königreich zu verwalten. Weil aber die Dinge in Zwietracht unter den Christen zu Jerusalem gehandhabt wurden, starb das Kind im achten Monat nach dem Tod seines Onkels. Nun befürchtete Sibylla, der Graf von Tripolis könnte vielleicht vom Volk und von der Ritterschaft zum König gewählt werden. Aber sie erreichte mit Versprechungen, Bestechungen und Geschenken vom Patriarchen, Bischöfen, Edlen und Mächtigen, dass Guido, ihr Mann, zum König erwählt wurde. Das missfiel Raimund, dem Grafen von Tripolis, so sehr, dass er...

Anmerkungen

LVcius
Stilisierte Initiale für Lucius, nicht als römische Zahl gemeint.
tuscan
Toskaner
luca
Lucca, Stadt in Italien
babst alexander
Papst Alexander III.
ratherren
Ratsherren, hier im Sinne von Senatoren
ratherrlich hand
Macht der Ratsherren/Senatoren
gewarsamm
Sicherheit, Gewahrsam
gein Bern
nach Bern. Historisch ungenau, Lucius III. floh nach Verona.
concili
Konzil
getuerstigkeit
Dreistigkeit
hohfart
Hochmut
iherusalem
Jerusalem
gelobten lands
Gelobtes Land
fuenften iar
fünftes Jahr
VRbanus
Stilisierte Initiale für Urbanus.
Mayland
Mailand, Stadt in Italien
fleiß an gekeret
sich bemüht
zeuertragen vnd zeueraynigen
zu versöhnen und zu einigen
zwittrechtigkeiten
Zwistigkeiten, Uneinigkeiten
vnglawbigen
Ungläubigen
koenigs Saladini
König Saladin (Salah ad-Din Yusuf ibn Ayyub), Sultan von Ägypten und Syrien
asiam
Asien
versewmlich
säumig, zögerlich
hitzigem gemueet
hitzigem Gemüt, leidenschaftlich
gein Venedig
nach Venedig
cristenlichen ritterschaft
christliche Ritterschaft
gein ferrariam
nach Ferrara, Stadt in Italien
niderlag der cristen
Niederlage der Christen
vor layd am fieber
vor Leid am Fieber
andern iar
zweites Jahr
GRegorius
Stilisierte Initiale für Gregorius.
beneuentanisichen gegent
beneventanische Gegend, Region um Benevent in Italien
gemayner wale aller menigclichs
allgemeiner Wahl aller Leute
inpruenstigkeit
Inbrunst, Leidenschaft
eyllenderer tod
eilenderer, schnellerer Tod
von stundan
sogleich
heereßkraft
Heereskraft
helffen widerumb zeerledigen
die Heilige Stadt (Jerusalem) wieder zu befreien
gein Pisa
nach Pisa, Stadt in Italien
Jenuesern
Genuesen, Einwohner Genuas
heerschiffungen
Heerschiffungen, Flotten
gedinng
Bedingung
sibenundfuenftzigisten tag
siebenundfünfzigsten Tag
JOachim
Stilisierte Initiale für Joachim.
Calabria
Kalabrien, Region in Italien
babst vrbano zu Bern
Papst Urban in Bern. Historisch ungenau, Urban III. war in Verona.
synnschicklichkeit
Geistesgabe, Verstandesgabe
koenig Gwilhelmo
König Wilhelm II. von Sizilien, genannt Wilhelm der Gute
gaists des warsagens
Geist der Weissagung
hohgelerten lewten
hochgelehrten Leuten
tapffern meynung
tiefgründigen, gewichtigen Bedeutung
franckreich vnd engelland
Frankreich und England
Messana
Messina, Stadt auf Sizilien
sarracen
Sarazenen, muslimische Völker
gericht vnd erkantnus vnserer nachkomen befelhen
dem Urteil und der Erkenntnis unserer Nachkommen überlassen
BAlduinus
Stilisierte Initiale für Balduinus.
sibend koenig
siebter König (in der Zählung der Chronik)
Almerici
Amalrich I. von Jerusalem, Vater von Balduin IV.
sechs iar
sechs Jahre
seuechen der außmerckigkeit
Krankheit der Aussätzigen (Lepra)
kuenmueetig
kühnmutig, mutig
ritterlicher ding
ritterlicher Mann/Krieger (Ding hier im Sinne von 'Person' oder 'Wesen')
geuebter vnd erfarner man
geübter und erfahrener Mann/Krieger
egyptischen koenig Saladino
ägyptischen König Saladin
Tyberiadis
Tiberias, Stadt in Galiläa
zweintzigtawsent
zwanzigtausend
tuercken vnd arabier
Türken und Araber
grawen seins siechtags
Grauen seines Siechtums
einichs erbens
eines Erben
Sibilla
Sibylla von Jerusalem, Schwester Balduins IV.
Gwilhelmo dem marggrafen zu Monteferrato
Wilhelm von Montferrat, genannt Wilhelm Langschwert, erster Ehemann Sibyllas
ersten iar
ersten Jahr
DIser
Stilisierte Initiale für Dieser.
Humiliatorum
lat. Humiliati – die Gedemütigten, Name des Ordens
ettlich vnder kaiser Heinrichen
einige unter Kaiser Heinrich (vermutlich Heinrich IV. oder V.)
kayser Friderich barbarossa
Kaiser Friedrich I. Barbarossa
herdißhalb gelegne galliam
Gallien diesseits der Alpen, Oberitalien
vnfuogs
Unfug, Unruhen, Missstände
unzallich man
unzählige Männer
teuetsche land ins ellend
deutsche Lande ins Exil
ettwielang
eine Weile lang
irs ellends verdrießlich
ihres Exils überdrüssig
weyßem
Weiß (Kleidung)
gueetigkeit
Güte
haym ziehen ließ
heimziehen ließ
beschehner geluebdnus
abgelegten Gelübdes
laster zemeyden
Laster zu meiden
demueetigem klaid
demütiger Kleidung
gestrennglicher zeleben
strenger zu leben
sannt Benedicten regel
Regel des heiligen Benedikt
proebst
Pröpste, Obere eines Klosters oder Ordens
an gueetern vnd personen
an Gütern und Personen (an Besitz und Mitgliedern)
GWido lusignanus
Guido von Lusignan, König von Jerusalem und Zypern
obgenanten Sibille
oben genannten Sibylla von Jerusalem
außmerckigen koenigs Balduini
aussätzigen Königs Balduin IV.
Balduini seiner schwester sun
Balduin V., Sohn von Sibylla und Wilhelm von Montferrat
acht koenig
achter König (Guido von Lusignan)
zway iar
zwei Jahre
abgang Balduini
Tod Balduins IV.
koenigreich an Balduinum das kind seiner schwester sun fiele
Königreich an Balduin V. fiel
Raimundus der tripolitanisch graff
Raimund III. von Tripolis
koenigleins vater
Vater des kleinen Königs. Historisch ungenau, Guido war der Stiefvater von Balduin V., dessen leiblicher Vater Wilhelm von Montferrat war.
zwittrachtigkeit der cristen
Zwietracht der Christen
achten monat
achten Monat
seins vettern abganng
Tod seines Onkels (Balduin IV. war der Onkel von Balduin V.)
verhaissungen myet vnd gabe
Versprechungen, Bestechungen und Geschenke
patriarchen. bischoffen. edeln vnd gewaltigen
Patriarchen, Bischöfen, Edlen und Mächtigen
verschmahet Raimundo dem tripolitanischen graffen also vbel das er
missfiel Raimund, dem Grafen von Tripolis, so sehr, dass er...