Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Vrbanus der fuenft // Gregorius der .xi. Jar der werlt .vie.ve.lxii.Jar christi .ie.iiie.lxiii. Rbanus des namens der fuenft dauor Wilhelmus grisant genant sant Victors zu Massilia abt wardt (dieweil er als ein legat in welschen landen außen wz) zu Auion mit gemayner wale zu babst erkorn. Er was gar ein tugenthaftig starckmueetig man vnd auffrichtigs vnschuldigs lebens. vnd schicket Egidium den hyspanischen cardinal als einen babstlichen legaten von den seyten in welsche lannd gein Bern zu Canem dem herren zu der laytern. Daselbsthin forderet er zu ime die welschen herren vnd statthaltere. mit den machet er puentnus wider Bernabonem den Mailendischen statthalter. der wardt darnach mit streyt vberwunden. zu der flucht gebracht vnd Welschs lannd befridet. Darnach kome babst Vrbanus im vierden iar seins babstthumbs in welsche land gein rom in fuersatz vnd willen die sachen welscher land in ordnung zebringen. Als aber kaiser Karl verstund das Vrbanus gein rom gezogen wer do zohe er (als vor steet) auch hynein. Deßmals warden (als hieuor gemeldt ist) sant Peters vnnd Pauls hawbter gefunden. Dieweil Vrbanus zu rom was do ließe er von der teuetschen vnd andrer außlender wegen schoene pallast gemache vnd wonung fuer beschwernus des roemischen lusts zu summer zeit in der alten statt vnd auff dem falisconischen berg pawen. Er ließ auch Johannem haucut gar einen treffenlichen kriegßman auß fangknus vnnd machet ine vber das kriegsvolck das vormals vnder Egidio gewesen was zu eim hawbt man vnd zohe widerumb in galliam vnd starb zu Massilia in dem newnden iar seins babstthumbs. GRegorius der ailft vormals belfortis genant ein cardinal wardt zu Auion mit gemayner wale babst erkorn. Diser wardt in dem .xvii. iar seins alters von babst Clemente dem sechsten seinem vettern zu cardinal gemacht. vnd zu vermeydung der nachred (als ob er mer dem pluot dann der kirchen genaigt wer) zu den allergelertisten lewten. vnd zuuoran zu Baldum gein Perus von zucht vnd lernung wegen geschickt vnd in allen kuensten schriftlicher weißheit hohgelert. vnnd was also vnschuldigs vnbefleckts lebens vnd also ein holdselig vnnd gueetig mensch das ine menigclicher sunderlich liebet. Als er nw in den babstlichen stand kome do schicket er von stund an sein legaten in welsch land der kirchen sachen vnd henndel zeerkuendigen vnd mit dem vitzdomgrafen zu Mayland frid zemachen. dann alle ding waren in zerruedunng vnd auffruor. Vnd nach dem aber diser Gregorius dauor langzeit in welschem land zu Perus in der lernung des hohgelerten rechtweisen doctors Baldi gestanden wz vnd guotermaß betrachtet het was nutzperkeit sein eingang in welsche land vnd sein anwesen zu rom der kirchen bringen moecht. vnd aber diser babst einen bischof vermanet zu seiner kirchen anhayms zeziehen do sprach derselb bischoff zu disem babst Heilliger vater warumb zeuehst du selbs nicht zu deiner kirchen gein rom. demnach schicket sich Gregorius mit seinen willigen. doch wider gefallen seiner gesyppten eylends vnd kome gein rom nach der gepurt vnßers haylands .M.ccc.lxxvi. seins babstthumbs in dem sibenden iar. als der babstlich hoff .lxx. iar in Gallia gehalten worden was. Aber als vil dise widerkunft des babstlichen hofs gein rom dem volck da selbst froelich vnd freuedsam was so vil was die den florentinern erschrockenlicher vnd widerzam. dann menigclich hoffet das dardurch der kirchlich stand geauffet vnd der tirannen gewaltsam verdrucket werden solt. Die roemisch statt bedorfft gar wol der babstlichen zukunft. dann die gotzhewßer thuern vnd mawrn. auch die sundern gepew daselbst erschynnen allenthalben pawfellig. so was derselben statt burgerliche sytlichkeit also entganngen das schier nichtzit burgerlichs wesens daselbst gespueret ward Als aber der babstlich stuol widerumb daselbst nidergesetzt wardt do gelanget dieselb statt von tag zu tag widerumb zu auffnemung an gemaynen vnd sunderlichen gepewen. vnd auch an huebschheit burgerlichs stands vnd regiments. Vnnd wiewol diser babst die florentiner zu vertrag vermanet yedoch widerten sie sich dess. darumb wurden sie verpannt. aber sie zwungen die briester bey inen mess zehalten. dem nach bewegten sie den babst zum krieg. aber in sollichen lewfften ward er mit eim vntraglichen schmertzen der plasen beladen vnd starb im newnden iar seins babstthumbs. der werlt Blat CCXXXII Brigitta ein wittib BRigida oder Brigitta die andechtig cristenlich fraw teuetscher nation. ein fuerstin vnd herrin des lands schweden was auß durchleuechtigen. edeln. vnd andechtigen eltern geporn. Ir vater auß sundrer lieb gein sant Jacob wallende beichtet in gedechtnus des leydenns cristi alle freytag. Dieweil sie in muoter leib getragen wardt do fiel ir muoter in geferlichkeit eins schifbruchs. aber sie ward behalten von irer frucht wegen. Als nw Brigitta geporn wardt do blibe sie drey iar vnredende. darnach redet sie volkomenlich. Nach absterben irer muoter wardt sie irer muoter schwester befolhen. Sie wuochße in aller tugent vnd andacht. der vater vermehlet sie eim edeln vnd weysen iungling zu der ee. bey demseben wonet sie vil iar in aller ersamkeit vnd in vnglewplicher messigkeit. demueetigkeit. senftmueetigkeit vnd arbait. Nach irs mans tod taylet sie alle ire gueeter vnder ire kinder vnd armen vnd verwandlet ir klaydung vnd leben. sie geprauchet sich keins leynins klaids dann auff irem hawbt. sunder truog ein scharpffs herins klaid an zu kestigung irs leibs. Sie zohe auß gepote Cristi gein rom mit eim andechtigen mitgeferten von andacht wegen vnd vberantwurtet babst Vrbano ir offenbarung das er nit gein Auion ziehen solt. So sendet sie schriften an babst Gregorio das er den hoff wider gein Rom wenden solt. Von dannen wallet sie gein Jherusalem. vnd von Jherusalem wider gein rom. Darnach siechet sie schwerlich ein ganntz iar. der herr eroeffnet ir die zeit irs sterbens. auff das starb sie seligclich. Diser Brigitta hat got in irem leben vil offenbarung kuenftiger ding gezaiget. Orden sant Brigitte SAnt Brigitten orden hat von derselben sant brigitten der hohberuembten frawen anfang genomen. der dann auch sant saluators orden genannt wardt. also das die selb heillig fraw durch antreibung des heilligen geists ein newe gaistlichkeit zwifacher cloester als mann vnnd frawen erweckt vnd auffgericht hat. vnd diser gaistlichkeit sol sant Basilius in kriechischem lannd ein stifter gewesen sein. aber nachfolgend von weil zu weil hat die kirch zuuermeydung vbels. vnd zu geschwaygung boeß redender muender solch cloester entloeset also das sie von einander bleiben solten. aber die heillig brigitta sol auß anlaytung des helligen geists den orden also wideraufgerichtet vnd vernewet haben das ir beder. als der mann vnd frawen wonung aneinander. vnd doch also vnderschieden sein solten das man von einer zu der andern nicht leichtlich denn auß erheischung der notturft das heillig sacrament den krancken zebringen komen moecht doch das sie ein gemayne kirchen haben solten. also dz die brueeder hernyden vnd die schwestern oben ire ambt halten solten. also auch dz die ebbtissin die foerdern sorg tragen vnd die brueeder allain goetlichs diensts solten gewarten. So solt einer vnder inen der prior oder beichtiger genent werden vnd den andern vor sein. Sie hat auch geordnet das solche cloester ligende gueeter vnnd zinss haben. vnd aller brueeder vnd schwester klaidung vnd speysung der ebbtissin zugehoeren solten. Item sie solten an mercklich vnd offenbar vrsachen vnd on lawb der ebbtissin nit auß dem closter geen. sunder durch bischoff eyngelaytet vnd consecriret werden. Ir klaidung ist ein rock mit eim groen mantel mit eim roten creuetz darauff vnd mit eim weißen ringlein darinn. vnd tragen nicht leyneins am leib. Eßen drey tag in der wochen flaisch ausserhalb der fasten. Sie halten sant Augustins regel mit beylegung sant Brigitte satzung ir von got (als sie gesagt hat) geoffenbaret. die dann die heilligen veter die bebst mir sunderlicher freyheit bestettigt haben. Diser cloester sind wenig in welschem land aber vil in schweden vnd teuetschen landen. Die brueeder diss ordens hoeren beicht vnd predigen zu heilligen tagen vnnd haben layen brueeder zu geprauch eueßrer vnd werltlicher hendel. Johannes boccacius JOhannes boccacius ein florentiner ein hohberuembter poet philozophus vnd astronomus oder sternseher diser zeit ist im .xlii. iar seins alters gestorben. aber nach dem er in lateinischer vnd welscher zungen fast wol berichtet vnd ein man wunsamer synnschicklichkeit was so machet er in lateinischem gezueng gar vil schoens synnreichs dings. vnd auch sunst in welschen gezueng mancherlay lieplichs getihts. als Centonouella vnd anders.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Urban V., Gregor XI. Jahr der Welt 6562, Jahr Christi 1363. Urban, der fünfte dieses Namens, zuvor Guillaume Grimoard genannt, Abt von Saint Victor in Marseille, wurde (während er als Legat in italienischen Landen unterwegs war) in Avignon durch allgemeine Wahl zum Papst erwählt. Er war ein sehr tugendhafter, standhafter Mann von aufrichtigem, unschuldigem Leben und entsandte Egidio, den spanischen Kardinal, als päpstlichen Legaten a latere in die italienischen Länder nach Bern zu Cane, dem Herrn della Scala. Dorthin forderte er die italienischen Herren und Statthalter zu sich. Mit ihnen schloss er ein Bündnis gegen Bernabò, den Mailänder Statthalter, der danach im Kampf überwunden, in die Flucht geschlagen und das italienische Land befriedet wurde. Danach kam Papst Urban im vierten Jahr seines Pontifikats in die italienischen Länder nach Rom, mit dem Vorsatz und Willen, die Angelegenheiten der italienischen Länder in Ordnung zu bringen. Als aber Kaiser Karl verstand, dass Urban nach Rom gezogen war, zog er (wie zuvor erwähnt) auch dorthin. Damals wurden (wie hier zuvor gemeldet) die Häupter der Heiligen Petrus und Paulus gefunden. Während Urban in Rom war, ließ er für die Deutschen und andere Ausländer schöne Paläste, Gemächer und Wohnungen erbauen, um die Beschwernis der römischen Sommerhitze zu mildern, in der alten Stadt und auf dem Faliscanischen Berg. Er ließ auch John Hawkwood, einen sehr ausgezeichneten Kriegsmann, aus der Gefangenschaft frei und machte ihn zum Hauptmann über das Kriegsvolk, das vormals unter Egidio gewesen war, und zog wiederum nach Gallien und starb in Marseille im neunten Jahr seines Pontifikats. Gregor der Elfte, vormals Pierre Roger de Beaufort genannt, ein Kardinal, wurde in Avignon durch allgemeine Wahl zum Papst erwählt. Dieser wurde im 17. Jahr seines Alters von Papst Clemens VI., seinem Onkel, zum Kardinal gemacht. Und zur Vermeidung des Geredes (als ob er mehr dem Blut als der Kirche geneigt wäre) wurde er zu den allergelehrtesten Leuten, und zuvor zu Baldus nach Perugia, zur Erziehung und Lehre geschickt und in allen Künsten schriftlicher Weisheit hochgelehrt. Und er war von so unschuldigem, unbeflecktem Leben und ein so holdseliger und gütiger Mensch, dass ihn jedermann besonders liebte. Als er nun in den päpstlichen Stand kam, sandte er sogleich seine Legaten in die italienischen Länder, um die Angelegenheiten und Geschäfte der Kirche zu verkünden und mit dem Vizegrafen von Mailand Frieden zu schließen, denn alle Dinge waren in Zerrüttung und Aufruhr. Und nachdem dieser Gregor zuvor lange Zeit im italienischen Land zu Perugia in der Lehre des hochgelehrten, rechtsweisen Doktors Baldus gestanden war und wohl bedacht hatte, welche Nützlichkeit sein Einzug in die italienischen Länder und seine Anwesenheit in Rom der Kirche bringen könnte; und als dieser Papst einen Bischof ermahnte, zu seiner Kirche heimzukehren, da sprach derselbe Bischof zu diesem Papst: „Heiliger Vater, warum ziehst du selbst nicht zu deiner Kirche nach Rom?“ Demnach machte sich Gregor mit seinen Willigen, doch wider den Willen seiner Verwandten, eilends auf und kam nach der Geburt unseres Heilands im Jahre 1376, im siebten Jahr seines Pontifikats, nach Rom, nachdem der päpstliche Hof 70 Jahre in Gallien gehalten worden war. Aber so sehr diese Rückkehr des päpstlichen Hofes nach Rom dem Volk dort freudig und erfreulich war, so viel erschreckender und widerwärtiger war sie den Florentinern. Denn jedermann hoffte, dass dadurch der kirchliche Stand erhoben und die Gewaltherrschaft der Tyrannen unterdrückt werden sollte. Die römische Stadt bedurfte sehr wohl der päpstlichen Ankunft, denn die Gotteshäuser, Türme und Mauern, auch die einzelnen Gebäude daselbst, erschienen allenthalben baufällig. So war die bürgerliche Sittlichkeit derselben Stadt so entgangen, dass kaum etwas bürgerlichen Wesens daselbst gespürt wurde. Als aber der päpstliche Stuhl wiederum daselbst niedergelassen wurde, da gelangte dieselbe Stadt von Tag zu Tag wiederum zu Aufschwung an allgemeinen und einzelnen Gebäuden, und auch an Schönheit bürgerlichen Standes und Regiments. Und obwohl dieser Papst die Florentiner zu einem Vertrag ermahnte, widersetzten sie sich dessen doch. Darum wurden sie gebannt. Aber sie zwangen die Priester bei ihnen, Messen zu halten. Danach bewegten sie den Papst zum Krieg. Aber in solchen Läufen wurde er mit einem unerträglichen Schmerz der Blase beladen und starb im neunten Jahr seines Pontifikats. Der Welt, Blatt 232. Brigitta, eine Witwe. Brigida oder Brigitta, die andächtige christliche Frau deutscher Nation, eine Fürstin und Herrin des Landes Schweden, war aus durchlauchtigen, edlen und andächtigen Eltern geboren. Ihr Vater, aus besonderer Liebe zu Sankt Jakob pilgernd, beichtete in Gedächtnis des Leidens Christi alle Freitage. Während sie im Mutterleib getragen wurde, geriet ihre Mutter in die Gefahr eines Schiffbruchs, aber sie wurde wegen ihrer Frucht bewahrt. Als nun Brigitta geboren wurde, blieb sie drei Jahre sprachlos. Danach sprach sie vollkommen. Nach dem Absterben ihrer Mutter wurde sie ihrer Mutter Schwester anvertraut. Sie wuchs in aller Tugend und Andacht. Der Vater vermählte sie einem edlen und weisen Jüngling zur Ehe. Bei demselben wohnte sie viele Jahre in aller Ehrsamkeit und in unglaublicher Mäßigkeit, Demut, Sanftmut und Arbeit. Nach ihres Mannes Tod teilte sie alle ihre Güter unter ihre Kinder und die Armen und verwandelte ihre Kleidung und ihr Leben. Sie gebrauchte kein leinenes Kleid, außer auf ihrem Haupt, sondern trug ein scharfes härenes Kleid zur Kasteiung ihres Leibes. Sie zog auf Gebot Christi nach Rom mit einem andächtigen Mitgefährten um der Andacht willen und überantwortete Papst Urban ihre Offenbarung, dass er nicht nach Avignon ziehen sollte. So sandte sie Schriften an Papst Gregor, dass er den Hof wieder nach Rom wenden sollte. Von dannen pilgerte sie nach Jerusalem, und von Jerusalem wieder nach Rom. Danach siechte sie schwerlich ein ganzes Jahr. Der Herr eröffnete ihr die Zeit ihres Sterbens. Daraufhin starb sie selig. Dieser Brigitta hat Gott in ihrem Leben viele Offenbarungen künftiger Dinge gezeigt. Orden der Heiligen Brigitta. Der Orden der Heiligen Brigitta hat von derselben Heiligen Brigitta, der hochberühmten Frau, seinen Anfang genommen, der dann auch Orden des Heiligen Salvator genannt wurde. So dass dieselbe heilige Frau durch Antrieb des Heiligen Geistes eine neue Geistlichkeit zwiefacher Klöster, als Männer und Frauen, erweckt und aufgerichtet hat. Und dieser Geistlichkeit soll Sankt Basilius im griechischen Land ein Stifter gewesen sein. Aber nachfolgend, von Zeit zu Zeit, hat die Kirche zur Vermeidung von Übel und zur Beschwichtigung böse redender Münder solche Klöster aufgelöst, sodass sie voneinander bleiben sollten. Aber die heilige Brigitta soll aus Anleitung des Heiligen Geistes den Orden so wiederaufgerichtet und erneuert haben, dass die Wohnungen beider, als der Männer und Frauen, aneinander, und doch so unterschieden sein sollten, dass man von einer zur anderen nicht leichtlich, denn aus Erheischung der Notdurft, das Heilige Sakrament den Kranken zu bringen, kommen mochte, doch dass sie eine gemeinsame Kirche haben sollten, so dass die Brüder unten...