Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Vrbanus der sechst – Clemens der sibend // Bonifacius der newnd – Benedictus der .xiii. Jar der werlt .vim.vc.lxxvii.Jar Cristi. im.iiic.lxxviii. Rbanus der sechst von Neapolis ertzbischof zu barona ward in disem iar nach babst gregorio babst erkorn. Diss was ein listig vnnd rachselig man. der sich dann mer an Johanna der koenigin vnd den cardineln rechen dann die cristen befriden wolt. darumb absoluiret er die verpannten florentiner in hoffnung das er sie damit nach seinem willen wolt ziehen. vnd nach dem er von natur ein vngeruogsam man was so machet er zu Nuceria newe cardinel vnd leget ettliche auß den alten in kercker. Darnach zohe er gein Genua. vnnd von dannen wider gein rom. daselbst machet er zu empfliehung heimlicher feintschaft. xxix. cardinel an eim tag. der waren der merer teyl neapolitaner vnd drey roemer. Zu letst starb er in dem .xii. iar seins vngluecklich gefueerten babstthumbs. vnd ine bewayneten nicht vil lewt. DIe zwayundzwentzigst scisma oder zwayung vnd die allerergst vnd boesist .xxix. iar weerende hat diss iars anfang genomen. dann nach absterben Gregorii des xi. warden die cardinel von den roemischen buergern freuentlicher weiß gebetten das sie einen walhen oder roemer zu eim babst welen woelten. Nw waren der frantzosen oder gallischen cardinel .xiii. die vnderstunden sich einen auß irer nation zu babst zeerwelen. so begeret vnder vier walhen oder roemern ein Vrsiner des babstthumbs. nw begabe sich der fal das ein neapolitaner zu babst gewelet. vnnd (als vor steet) Vrbanus genant wardt. derselb vrbanus blib drey monat babst. Darnach zohen die gallischen cardinel in schein als ob sie die hitze des summers fliehen woelten auß rom. darunder warn acht die sagten das die wale Vrbani zum babstthumb geprechlich gewesen wer. darumb so erkieseten sie einen andern von Genff den nennten sie Clementem den sibenden. vnd schickten in die werlt brieff auß das derselb Clemens der recht stathalter Cristi wer. Von dannen entstund ein groß scisma in der kirchen. dann die teuetschen. welschen vnd hungerische lannd hiengen Vrbano an. vnd Gallia Hispania Cathelonia vnd Brittannia Clementi. CLemens aber zohe nach vil gethaner vnd erliddner niderlag mit seinem hof in Galliam gein Auion. daselbst hin setzet er seinen stuol vnd ward von den Galliern als ein rechter babst geeret vnd saße .xv. iar. BOnifacius diss namens der newndt ein neapolitaner dauor Petrus thomacellus genant wardt zu rom mit gemayner einhelliger wal der cardinel erwelet. nach der gepurt Cristi. M.ccc.lxxxix. iar. vnnd wiewo diser Bonifacius in eingang seins babstthumbs bey .xxx. iarn alt was so fueeret er doch fueroan sein tag in solchem plueenden alter das ine kein wollustperkeit zu arg fuergeworffen werden mocht. So was er also kluogmueetig vnnd ratweiße das er erster allen gewalt vnd machte des roemischen volcks auf den babst wendet. vnd nach seinem gefallen einen roemischen rat besetzet. vnd die engelpurg vnd prugken befestiget. In dem zehenden iar seins babstthumbs zohe er von Assis alda er dann vil iar gewonet het wider gein Rom vnnd hielt ein gnadenreichs iubel iar. In demselben iar kome er mit ruom vnd gelt zu solcher mechtigkeit das er sein nachkomen roemisch best zu herren des cristenlichs vmbkrays machet. Dann er setzet das nymant gezymen moecht einich briesters pfruend zeerlangen vor vnd ee er das gelt des weerds des ersten iarnutzs derselben pfruend in die babstlichen schatzkamer geanwurt wuerd. vnd des wideret sich nymant dann die engellendischen in den kleinern pfruenden. Diser Vrbanus hat Brigittam in der heilligen zal geschriben. Zu letst starb er im .xv. iar seins babstthumbs. BEnedictus diss namens der .xiii. wardt nach der gepurt cristi tawsent.iiic.xciiii. iar nach Clemente vnordenlich zu Auion in der zwayung zu babst benennt vnd saß .xxi. iar bis auff das concili zu Costnitz. dauor hieß er Petrus hyspanus von Luna vnd was gar ein hohgelert man. der werlt Blat CCXXXIII Linea der kaiser // Wentzlaw WEntzlaw des vorgenanten kaiser karls sun der mit demselben seinem vater .viii. iar regiert hat nach absterben seins vaters allain .xxii. iar geherrschet vnd doch die benedeyung des kaiserthumbs vom babst nye erlangt. Aber doch im .xv. iar seins alters mitsambt Johanna seiner gemahel zu Ach die roemischen koenigclichen kron empfangen. Darnach in dem sechsten iar starb die koenigin also ward ime ein hertzogin von bayern Sophia genant vermehlet. Diser Wentzlaw was seinem vater in allen dingen vngleich. Er suchet wollustperkeit vnd fluhe sorg vnd arbeit. vnd was des weins geflißner vnd giriger dann zu versorgknus des reichs. vnd verzeret alle zeit seiner tag in mueßigkeit vnd flaischgirigkeit. darumb wardt er von den lanndtherren gefangen vnd .xvii. wochen in huot gehalten. doch durch hertzog Hansen zu Lausitz vnd hertzog Procopium zu Merhern wider erledigt. vnd darnach zum andern durch koenig Sigmundum zu hungern zu fangknus genomen vnd hertzog Albrechten von oesterreich zu verwarung gegeben. also wardt er zu Wien in schoenen hewßern vnd gemachen bewaret. aber er kome daselbst durch vnfleißige huot daruon vnd entwiche vnd kome widerumb in das reich. Doch nach dem er sein boeße sytten vnd gewonheit nicht wandeln wolt do wardt er durch die churfuersten des reichs mit verwilligung des babsts von dem roemischen koenigreich abgestossen. vnd Ruprecht der pfaltzgraff bey rhein wider seinen willen an des Wentzlaws stat erkorn. Vnder disem koenig Wentzlaw hat die hussisch ketzerey vrsprung gehabt. Die selben ketzer vberfieln auff ein zeit nach mancherlay irem fuernemen mit Niclasen eynem edeln mann vngestuemigclich den koeniclichen pallast vnd begerten an den koenig inen weyttere kirchen zegeben. do hieß der koenig denselben Niclasen dess morgens darnach wider komen vnd antwurt empfahen. also gieng niclas ab vnd beweget das gemayn volck mer vnd mer zu auffruor. do fluhe der koenig in den vischerat vnd von dannen mit wenig volcks in das new schloß das er gepawt het vnd schicket zu Sigmundem seinem bruder vmb hilff vnd beystand. So lieffen die ketzer tobende in das rathaws vnd ergriffen siben ratherren (dann .xi. waren empflohen) vnd den richter der statt vnd ettliche andere burgere vnd stuertzten die vber dz rathawß zum fenstern auß. Der koenigclich camrer empfluhe auch. Als nw die ding dem koenig verkuendet warden. vnd alle die entgegen waren dess erschrecken vnd mitleyden empfiengen. do sprach des koenigs schennck. Ich hab vorhin wol gewißt das es also geen wuerd. do ergriffe ine der koenig zoernigclich vnd tratte ine vnder sein fueeß vnd zucket einen degen in wille ine zeerstechen aber er wardt von den vmbsteenden daran verhindert. Pald darnach wardt er von dem schlag berueert vnnd starb in dem. lvii. iar seins alters als er. lv. iar zu Beheim geregirt het. Es was gewonheit deßmals bey den Behmen das die leichnam irer koenig vor irer begrebnus mit koestlichen wuertzen acht tag gesalbet vnnd durch die gotzhewßer der statt vmbgetragen vnd bewaynet warden. Aber nach dem die koenigin die ketzer fuerchtende nit in die newen statt getorste so wardt Wentzlaw also nicht begangen. sunder in sannt Veits kirchen in dz schloss getragen vnd daselbst in dem koenigclichen sale bestattet. Als aber darnach das closter vonn ketzern zerstoert ward do bracht ein handwerckßman diss Wentzlaws leichnam haymlich dauon vnd behielt den in sein hawß. Als nw die sachen zu besserm wesen gelanget vnd der leichnam Wentzlaws gesucht wardt do nam der man .xx. guldein vnd gab den wider. Jobst marggraf zu merhern JObst marggraff zu merhern ward noch in leben Wentzlaws von den ertzbischoffen Maintz vnd Coelne zu koenig erwelt. so hetten ettlich Sigmunden gekorn. aber er starb in kurtzer zeit on erben vnnd wardt zu Bruenn in merhern vnder eim koenigclichen scepter begraben. Als diser Jobst einßmals zu koenig Wentzlaw obgenant nach seiner entsetzung kome do wardt er von ime on ein heymlichs ort gefordert vnd sprach. wie wol ich wais das es auß meiner wirdigkeit nit ist das mich die churfuersten des roemischen reichs entsetzt haben so ist es mir doch ein ergetzlichkeit dz solch wirdikeit als an meinen vettern gelangen sol. do erschrack Jobst diser wort vnd fiel auß forchten auf seine knye fuer den koenig vnd bate ine ime nichtz zeuerargen; also sprach koenig Wentzlaw. Leg hin dein forcht dann ich stee nicht allain des reichs gern ab sunder mir auch layd das ich geporn pluot verletzen solt. aber Jobst lebet allain sechs monat darnach vnd liß pfaltzhraff Ruprechten herrschen.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Urban VI. – Clemens VII. – Bonifatius IX. – Benedikt XIII. Im Jahr der Welt 5577, im Jahr Christi 1378. Urban VI. von Neapel, Erzbischof von Bari, wurde in diesem Jahr nach Papst Gregor zum Papst gewählt. Dies war ein listiger und rachsüchtiger Mann, der sich mehr an Königin Johanna und den Kardinälen rächen wollte, als die Christen zu befrieden. Darum sprach er die verbannten Florentiner frei, in der Hoffnung, sie damit nach seinem Willen lenken zu können. Und da er von Natur aus ein unruhiger Mann war, ernannte er in Nocera neue Kardinäle und warf einige der alten ins Gefängnis. Danach zog er nach Genua und von dort wieder nach Rom. Dort ernannte er zur Vermeidung heimlicher Feindschaft 29 Kardinäle an einem Tag, von denen der größere Teil Neapolitaner und drei Römer waren. Zuletzt starb er im zwölften Jahr seines unglücklich geführten Papsttums, und nicht viele Leute beweinten ihn. Die zweiundzwanzigste Schisma oder Spaltung, und die allerschlimmste und böseste, die 29 Jahre währte, nahm in diesem Jahr ihren Anfang. Denn nach dem Tod Gregors XI. wurden die Kardinäle von den römischen Bürgern freventlich gebeten, einen Walen oder Römer zum Papst zu wählen. Nun waren der Franzosen oder gallischen Kardinäle 13, die sich unterfingen, einen aus ihrer Nation zum Papst zu wählen. So begehrte unter vier Walen oder Römern ein Orsiner das Papsttum. Nun begab sich der Fall, dass ein Neapolitaner zum Papst gewählt und (wie oben steht) Urban genannt wurde. Derselbe Urban blieb drei Monate Papst. Danach zogen die gallischen Kardinäle unter dem Vorwand, die Hitze des Sommers fliehen zu wollen, aus Rom. Darunter waren acht, die sagten, die Wahl Urbans zum Papsttum sei fehlerhaft gewesen. Darum erwählten sie einen anderen aus Genf, den nannten sie Clemens VII., und schickten Briefe in die Welt, dass derselbe Clemens der rechte Stellvertreter Christi sei. Von da entstand ein großes Schisma in der Kirche, denn die deutschen, welschen und ungarischen Länder hingen Urban an, und Gallien, Hispanien, Katalonien und Britannien Clemens. Clemens aber zog nach vielen erlittenen Niederlagen mit seinem Hof nach Gallien, nach Avignon. Dort setzte er seinen Stuhl und wurde von den Galliern als ein rechter Papst geehrt und saß 15 Jahre. Bonifatius dieses Namens, der Neunte, ein Neapolitaner, zuvor Petrus Tomacelli genannt, wurde in Rom mit allgemeiner, einhelliger Wahl der Kardinäle erwählt, im Jahr nach Christi Geburt 1389. Und obwohl dieser Bonifatius zu Beginn seines Papsttums etwa 30 Jahre alt war, führte er doch fortan sein Leben in solchem blühenden Alter, dass ihm keine Wollust vorgeworfen werden konnte. So war er auch klugmütig und ratweise, dass er zuerst alle Gewalt und Macht des römischen Volkes auf den Papst wendete und nach seinem Gefallen einen römischen Rat besetzte und die Engelsburg und Brücken befestigte. Im zehnten Jahr seines Papsttums zog er von Assisi, wo er dann viele Jahre gewohnt hatte, wieder nach Rom und hielt ein gnadenreiches Jubeljahr. In demselben Jahr kam er mit Ruhm und Geld zu solcher Mächtigkeit, dass er seine Nachkommen zu den besten Herren des christlichen Erdkreises machte. Denn er setzte, dass niemand eine Priesterpfründe erlangen durfte, bevor und ehe das Geld des Wertes des ersten Jahresnutzens derselben Pfründe in die päpstliche Schatzkammer abgeführt wurde. Und dem widersetzte sich niemand, außer die Engländer in den kleineren Pfründen. Dieser Urban hat Brigitta in die Heiligenzahl geschrieben. Zuletzt starb er im 15. Jahr seines Papsttums. Benedikt dieses Namens, der Dreizehnte, wurde nach Christi Geburt 1394, nach Clemens, unordentlich in Avignon in der Spaltung zum Papst benannt und saß 21 Jahre bis zum Konzil von Konstanz. Zuvor hieß er Petrus Hispanus von Luna und war ein sehr hochgelehrter Mann. Blatt 233 der Weltchronik. Linie der Kaiser: Wenzel. Wenzel, der Sohn des vorgenannten Kaisers Karl, der mit demselben seinem Vater acht Jahre regiert hatte, herrschte nach dem Tod seines Vaters allein 22 Jahre und erlangte doch die Benedeiung des Kaisertums vom Papst nie. Aber doch im 15. Jahr seines Alters mitsamt Johanna seiner Gemahlin zu Aachen die römische königliche Krone empfangen. Danach, im sechsten Jahr, starb die Königin, so wurde ihm eine Herzogin von Bayern, Sophia genannt, vermählt. Dieser Wenzel war seinem Vater in allen Dingen ungleich. Er suchte Wollust und floh Sorge und Arbeit, und war dem Wein geflissener und gieriger als der Versorgung des Reiches. Und verzehrte alle Zeit seiner Tage in Müßigkeit und Fleischeslust. Darum wurde er von den Landherren gefangen und 17 Wochen in Haft gehalten. Doch durch Herzog Hans von Lausitz und Herzog Prokop von Mähren wieder befreit. Und danach zum zweiten Mal durch König Sigismund von Ungarn gefangen genommen und Herzog Albrecht von Österreich zur Verwahrung gegeben. So wurde er in Wien in schönen Häusern und Gemächern bewahrt. Aber er kam daselbst durch unachtsame Hut davon und entwich und kam wieder ins Reich. Doch nachdem er seine bösen Sitten und Gewohnheiten nicht ändern wollte, da wurde er durch die Kurfürsten des Reiches mit Einwilligung des Papstes vom römischen Königreich abgestoßen. Und Ruprecht, der Pfalzgraf bei Rhein, wider seinen Willen an Wenzels Statt erkoren. Unter diesem König Wenzel hat die hussitische Ketzerei ihren Ursprung gehabt. Dieselben Ketzer überfielen einst nach mancherlei ihren Vorhaben mit Niklas, einem edlen Mann, ungestüm den königlichen Palast und begehrten vom König, ihnen weitere Kirchen zu geben. Da hieß der König denselben Niklas am nächsten Morgen wiederkommen und Antwort empfangen. Also ging Niklas ab und bewegte das gemeine Volk mehr und mehr zu Aufruhr. Da floh der König in den Fischerat und von dannen mit wenig Volk in das neue Schloss, das er gebaut hatte, und schickte zu Sigismund, seinem Bruder, um Hilfe und Beistand. So liefen die Ketzer tobend in das Rathaus und ergriffen sieben Ratsherren (denn elf waren entflohen) und den Richter der Stadt und etliche andere Bürger und stürzten die über das Rathaus zum Fenster hinaus. Der königliche Kämmerer entfloh auch. Als nun die Dinge dem König verkündet wurden und alle, die dagegen waren, Schrecken und Mitleid empfingen, da sprach des Königs Schenk: „Ich habe vorhin wohl gewusst, dass es so gehen würde.“ Da ergriff ihn der König zorniglich und trat ihn unter seine Füße und zückte einen Degen in der Absicht, ihn zu erstechen, aber er wurde von den Umstehenden daran gehindert. Bald danach wurde er vom Schlag gerührt und starb im 57. Jahr seines Alters, als er 35 Jahre in Böhmen regiert hatte. Es war damals bei den Böhmen Gewohnheit, dass die Leichname ihrer Könige vor ihrer Begräbnis mit köstlichen Gewürzen acht Tage gesalbt und durch die Gotteshäuser der Stadt umgetragen und beweint wurden. Aber