Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter PReßlaw schlesier lands ein edle vnd bey dem tevetschen vnd sarmatischen volck ein fast namhaftige statt. ligt an dem flvss der Ader. Dann Schlesia ein provintz tevetscher land ist mit derselben Ader befevechtigtDie fleveßet gein mitternacht zv beden gestadten tevetsch volck habende. doch ist ihenßhalb der adern die polnischzvng in mererm gepravch. Dise statt hat von irem anfang her avß versammlvng der menschen daselbst zvsamenkomende mercklich avffvng vnd zierlichken an svndern vnd gemainen gepewen empfangen. vnd zvmal wolge-zierte gotzhewßer. Vnder denen fverscheint die bischoflich thvmkierchen in sant Johanß ere geweihet. dasselb haben die alten das gvldein bistthvmb gehaißen. aber der hvßen krieg haben das laymig oder irdin gemacht. aber Johann rot diser zeit bischoff daselbst ein doctor des rechtens vnd in allerlay schriftlicher lere vnnd weißheit einhoherfarner man hat diss bistthvmb an ere vnd weyte gar hoh geavffet. In diser loeblichen statt sind scheinpere cloester. Sant Avgvstins orden zv sant Dorothea. Der parfůßer zv sant Jacob vnd zv sant Bernhardin. doch vnderschiedlicher observantz. Der prediger zv sant Albrecht. Der geregelten chorherren zv der gloriwirdigen iunckfrawen Maria. Der premonstrateser zv sant Vincentz vor der statt. Daselbst ist avch ein halber stift zv dem heil- igen krevetz. Aber vnder den fvertreffen die zwů pfarr kirchen zv sant Elizabeth vnd zv sant Maria magdalena So sind svnst allda schoene klayne kirchen Sant Barbare Sant Cristofs vnd sant Lazarvs vnd vil ander. Di-se statt hat von mancherlay fversten verwandlvng der herrschaft empfvnden. Als die statt Eger von Johannekaiser Karls des vierden vater wider erobert wardt do warden avch dise statt die hertzog Heinrich zv Schleie innhielt. avch Lignitz vnd ander vil steet in schlesia ime in dem krieg vnderworffen. In diser statt warden zv Blat CCXXXIIII derwerlt den zeiten koenigs Wentzlaws zv Beheim die des rats in einer avffrůr dvrch die fenster vber das rathaws ab anden marckt von der gemainde gestvertzt vnd erroedt. aber vber wenig iar darnach die vrsacher vnd anfenger der-selben Ding avß befelh kaiser Sigmvnds gefierteilt. Als solchs an die von Prag (die dann der geleichen mißhanndlvng an iren ratherren davor avch begangen hetten) gelanget do fieln sie in forcht vnd verzweiflvng gnad vnndvergebvnng irer mißtat von kaiser Sigmvnden zeerlanngen svnder besorgten sich der gleichen straff gein den zvPreßlaw geevbt. Dise statt ist erstlich vnder der Beheim gewalt vnd herrschvng gewesen. vnd nachfolgend nachmancherlay kriegen avß trewlosigkeit der beheim Mathie dem koenig zv hvngern vnderworffen worden. vnd nachabsterben desselben koenigs Mathie widervmb an das Bemisch koenigreich (dem yetzo Vladislavs der dvrchlevechtigst koenig zv hvngern vnd beheim vor ist) gelangt. Dise statt ist mit wvnderperlicher mawr vmbfangen. vnd andem ort daran der Ader nit rynnt mit eim tieffen avßgeworffen graben vnd mit einer ziegelstainin mawrn bewaretin solcher dicke das die mit geschoße nicht leichtlich zerprochen werden mag. an den mawrn sind vil thvern vnndan schickerlichen enden ergker vnd vorweer gepawt. Avch in der statt weyt gassen vnd weg crevetzweys gestalt mit schoenen zierlichen hewßern. eben vnnd gleich neben einander gelegen. also das ye ein hawß dem andern seinavßgesyht nicht nymbt. So ist an eim fast weyten marckt ein rathhaws mit einem hohen thvrn avff dem die wach-ter mit horen plasen ire spil zv essens zeiten vben. Preßlaw
Das sechste Zeitalter. Breslau, eine edle und bei dem deutschen und sarmatischen Volk eine sehr namhafte Stadt im schlesischen Land. Sie liegt am Fluss Oder. Denn Schlesien, eine Provinz deutschen Landes, wird von derselben Oder bewässert. Sie fließt nach Norden zu beiden Ufern, die von deutschem Volk bewohnt sind. Doch ist jenseits der Oder die polnische Sprache in größerem Gebrauch. Diese Stadt hat von ihrem Anfang her, durch die dort zusammenkommende Versammlung der Menschen, eine merkliche Aufwertung und Zierlichkeit an einzelnen und allgemeinen Gebäuden erfahren, und zumal wohlverzierte Gotteshäuser. Unter diesen erscheint die bischöfliche Domkirche, dem heiligen Johannes zu Ehren geweiht. Dasselbe haben die Alten das goldene Bistum genannt. Aber die Hussitenkriege haben es lehmig oder irden gemacht. Doch Johann Roth, dieser Zeit Bischof daselbst, ein Doktor des Rechts und in allerlei schriftlicher Lehre und Weisheit ein hoch erfahrener Mann, hat dieses Bistum an Ehre und Weite sehr hoch aufgewertet. In dieser lobenswerten Stadt sind ansehnliche Klöster: Der Augustinerorden zu Sankt Dorothea, die Barfüßer zu Sankt Jakob und zu Sankt Bernhardin, doch unterschiedlicher Observanz. Die Prediger zu Sankt Albrecht, die regulierten Chorherren zu der glorwürdigen Jungfrau Maria, die Prämonstratenser zu Sankt Vinzenz vor der Stadt. Daselbst ist auch ein halbes Stift zum Heiligen Kreuz. Aber unter diesen übertreffen die zwei Pfarrkirchen zu Sankt Elisabeth und zu Sankt Maria Magdalena. So sind sonst allda schöne kleine Kirchen: Sankt Barbara, Sankt Christoph und Sankt Lazarus und viele andere. Diese Stadt hat von mancherlei Fürsten einen Wechsel der Herrschaft erfahren. Als die Stadt Eger von Johann, Kaiser Karls des Vierten Vater, wiedererobert wurde, da wurden auch diese Stadt, die Herzog Heinrich von Schlesien innehatte, auch Liegnitz und viele andere Städte in Schlesien ihm im Krieg unterworfen. In dieser Stadt wurden, auf Blatt 234 der Weltchronik, zu Zeiten König Wenzels von Böhmen, die Ratsherren in einem Aufruhr durch die Fenster über das Rathaus hinab auf den Markt von der Gemeinde gestürzt und ermordet. Aber über wenige Jahre darnach wurden die Urheber und Anführer derselben Dinge auf Befehl Kaiser Sigismunds gevierteilt. Als solches an die von Prag gelangte (die dann eine gleiche Misshandlung an ihren Ratsherren zuvor auch begangen hatten), da fielen sie in Furcht und Verzweiflung, nicht Gnade und Vergebung ihrer Missetat von Kaiser Sigismund zu erlangen, sondern besorgten sich die gleiche Strafe, die gegen die zu Breslau geübt wurde. Diese Stadt ist erstlich unter der Gewalt und Herrschaft der Böhmen gewesen. Und nachfolgend, nach mancherlei Kriegen, aus Treulosigkeit der Böhmen, Matthias, dem König von Ungarn, unterworfen worden. Und nach dem Absterben desselben Königs Matthias ist sie wiederum an das Böhmische Königreich gelangt (dem jetzt Vladislav, der durchlauchtigste König von Ungarn und Böhmen, vorsteht). Diese Stadt ist mit einer wunderbaren Mauer umfangen. Und an dem Ort, wo die Oder nicht rinnt, mit einem tiefen, ausgehobenen Graben und mit einer Ziegelsteinmauer bewehrt, von solcher Dicke, dass sie mit Geschossen nicht leichtlich zerbrochen werden kann. An den Mauern sind viele Türme und an schicklichen Enden Erker und Vorwehre gebaut. Auch in der Stadt weite Gassen und kreuzweise gestaltete Wege mit schönen, zierlichen Häusern, eben und gleich nebeneinander gelegen, sodass je ein Haus dem anderen seine Aussicht nicht nimmt. So ist an einem sehr weiten Markt ein Rathaus mit einem hohen Turm, auf dem die Wächter mit Hörnern blasen, ihre Spiele zu Essenszeiten üben.