Schedelsche Weltchronik · Blatt 240

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 240, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 240, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Ein heerzug wider die behmischen ketzer zu kaiser Sigmunds zeiten ALs babst Martinus vernomen het wie die behmisch ketzerey nit allain an menig der person. sunder auch mit gewappenter mechtigkeit teglich auffwueechße do schicket er den Vitoniensischen cardinal von engelland auß koenigclichem stammen geporn in teuetsche land wider die behmischen befleckung ein heerfart zesammeln Dem nach warden mit hilff vnd beystand kaiser Sigmunds drey heer fuergenomen. Die hertzogen von sachßen vnd die seestett hetten das erst heer. Der marggraff zu brandemburg mit den francken das ander. vnd Ott der ertzbischoff zu Tryer. die rheinischen herren vnd die bayern mitsambt den schwebischen reichstetten das dritt heer vnd zohen an dreyen enden in behem hinein durch den wald vnnd komen zusamen in ein wagenburg. aber die behem sammelten sich eylends zu der gegenweer vnd zuhen auff die vnßern zu. als solchs den vnßern verkuendet wardt das die Behem mit gewappenter hand koemen do fluhen die vnßern ee sie einiches feinds ansyhtig warden. der cardinal kome vnßern fluechtigen entgegen mit vermanung von der flucht widerzekeren. aber es was vmb sunst. yederman fluhe vnd die Behem eroberten der vnßern kriegs zeueg. Darnach zohen sie in Meichsen land dz verheereten sie. vnd als sie sich fueroan auf dz marggrafisch land vnd gein der Nuermbergischen gegent kereten do warden sie mit gelt gestilt vnd komen rawbreich haym. Als solchs an kaiser Sigmunden gelanget do zohe er gein Nuermberg vnd sammlet von newem ein heer wider die Beheim. Darzu sendet auch babst Martinus einen cardinal. legaten in teuetsche land einen krieg vnd streyt wider die Behem anzerichten. also kome der cardinal gein Nuermberg zu kaiser Sigmunden. daselbst was ein große versammlung der fuersten vnd wardt ein newe heerfart wider die Behem beschlossen. Dem nach schickten Johannes vnd Albrecht die Brandemburgischen marggrafen mit irem vater. Auch die bischofe Wuertzburg Bamberg Eystet. vnd die kaiserlichen reichstett. vnd auch die ertzbischofe Trier vnnd Coelne ire hilff. also das mit disen die foerdersten irer land bey .xlm. geraysiger gewesen sollen sein. also zohen sie in Behmer land vnd verwueesteten vil ketzerischer doerffer vnnd stett. Nw waren die Behem gewarnet das die feind komen wuerden darumb berayteten sie sich zu der gegenweere. In mitler zeit kome entweders auß verretterey (als vil maynten) oder auß schrecken ein solche auffruor vnder die vnßern das sie sich vor zu der flucht wendeten ee sie einichen feind ersahen. Als hertzog Albrecht von oesterreich vernomen het dz der bebstlich legat mit heereßkraft in Behem gezogen was do zohe er auch mit volck auff die ketzer zu. aber nach verkuendung der flucht schwayffet er durch Merhern die ime nochmaln nicht gehorsam waren vnd verprennet bey fuenffhundert doerffern vnd gewunne die stett mit gewalt. vnd schluog vil lewt zu tod. vnnd engstet dasselb Merherrisch volck also sere das sie sich an denselben hertzog Albrechten ergaben. mit dem geding das er sie des glawbenßhalb bleiben lassen solt wie das concili zu basel erkennet. Darnach zohe der bebstlich legat auß Beheim gein Basel. daselbst hielt er ein concili. Newer orden der geregelten chorherren vnd versammlung sant Justine vnd sancti Jheronimi EIn newer orden der geregelten chorherren hat in Ethruria in dem Lucensischen feld in dem closter Frisonarie anfang genomen. vnd von babst Eugenio mit sundrer freyheit begabt. vnnd vnder den geregelten chorherren sant Augustins gezelt worden. Die brueeder diss ordens haben von irem erster einstifter einen schwartzen mantel mit einem schwartzem schepprer vnd eim schwartzen pyret empfangen. vnd darnach den weyssen schepprer hingelegt. vnd an sein stat ein leynins hembd angethan In disem orden sind vil mann in aller schriftlichen weyßheit. wolgesprechheit vnd heilligkeit beruembt gewesen. AVch hat sant Benedicten versamlung die man sant Justinen nennt diser zeit in der Teruisischen gegent bey der statt Padua in sant Justinen closter durch Ludwigen barbum den venedigischen ratßherren anfang oder vernewung gehabt. vnd von babst Eugenio dem vierden mit großen freyhaiten bestettigung empfangen vnd vil treffenlicher hohgelerter mann erzogen. DAnnoch ist auch sant Jheronimus orden (der schier zu abfall vnd zu egarten komen was) von dem erwirdigen mann Lupo hispalensi desselben ordens general mit newen ordnungen vnd satzungen auß sant Jheronimus spruechen wider auffgerichtet vnd durch den bebstlichen stuol bestettigt vnder sant Benedicten regel in allen dingen außgenomen das sie groe farb tragen vnnd ire ambt nach des roemischen stuols sytten halten. der werlt Blat CCXL KAiser Sigmunden warden auff ein zeit .xlm. guldein zugebracht vnd gleich spat in die kaiserlichen kamer gelegt. Als nw der kaiser sich zeschlaffen genaigt het vnd bey imeselbs betrachtet war zu er soelch gelt geprauchen woelt do kome er zu vrwach vnd der schlaff verließ ine. also wecket er sein kamrer auff mit befelhe seine rete vnd die hawbtlewt vnnd rotmaister seiner ritterschaft pald zu ime zeforderen. Die rete zu mitternacht also gefordert erschracken vbel besorgende dem kaiser vnfal zugestanden sein vnd komen eylends zum kaiser. den fragten sie die vrsach solcher schnellen fordrung. do oeffnet der kaiser alßpald den schrein vnnd taylet das gelt auß vnder sie. vnd sprach. Nw geet hyn yetzo muegen wir sicherlich vnd gerueelich schlaffen dann dz mir den schlaff hindert das geet mit euch hinauß. Concili zu Costnitz ZV Costnitz in schwaben land ward ein gemains concili zu hinlegung der scisma vnnd zwayunng (so .xxxix. iar geweret het) nach der gepurt Cristi. M. cccc.xiiii. iar auß verfuegung vnd fleiß kaiser Sigmunds versammlet. In disem concili erschynen fuenff nation. nemlich die Welsch Gallisch Teuetsch Hispanisch vnd Engellendisch. vnd was durch erkantnus diser nation gesetzt oder geordnet wardt das was also kreftig vnd bestendig als ob solchs mit allermenigclichs verwilligung darnach bestettigt gewesen wer. Daselbsthyn kome babst Johannes. wiewol ime soelchs von ettlichen widerraten wardt. Aber wiewol derselb Johannes durch scharpffe disputation seiner verwandten die teuetschen lang zweifellich hielt. yedoch als kayer sigmund darnach in das concili kome vnd allermenigclich ein gewalt gegeben ward freylich zereden wz ine guot bedauchte do tratte iohannes wiewol vnwillig vom babstthumb ab. So entschluoge sich Gregorius seiner babstlichen machte willigclich. vnd Benedictus ward abgesetzt. vnd die Wicklefisch ketzerey verdambt. vnd Johannes huss vnd Jheronimus als irrer derselben ketzerey verprennt. Vnd als nw vil prelaten vnd fuersten zu handlung cristenlicher sachen vnd abstellung der scismaticischen bebst schier vier iar daselbst verharret hetten do wardt fuergenomen einen newen babst zeerkiesen. dem nach warden auß einer igclichen nation sechs frumm mann geordnet die mitsambt den cardineln einen roemischen babst erwelen moechten. Also nach der gepurt Cristi .M.cccc.xvii. iar. wardt mit willen .xxxii. cardinel vnnd aller nation (als die kierch vier iar an babst gewesen was) Otto der roemisch columneser vnnd cardinal zu babst erkorn mit frolockung kaiser Sigmunds. der inen allen dancksaget. vnd fuer den babst nyderfiele vnd ime mit gepuerlicher ere erbietung die fueeß kuesset. So vmbfieng der babst den kaiser vnnd hielt ine als einen bruder ime dancksagende das die kierch durch seinen fleiß zu frid gebracht worden wer. also endet sich diss concili im .M. cccc.xviii. iar Cristi. Johannes gerson JOhannes gerson cantzler zu Parys hat diser zeit in dem concili zu Costnitz ettliche sachen von des koenigs zu franckreich vnd andrer wegen gehanndelt zumal ein gelert man vnd hoher doctor der heilligen schrift. vnd hat vil schriften von ime gemacht vnd der kirchen ersprießlich hinder ime gelassen. vnd starb nach der gepurt cristi. M.cccc.xxix. iar. Caspar schlick dreyer keiser cantzler CAspar schlick ein herr vnder den fuersten genant auß einer welhin grafen geschlechts vnnd auß einem teuetschen des geschlechts von Lazan in Francken geporn wz ein synnschicklich mann. sueeßes gesprechs. ein liebhaber schriftlicher weyßheit. vnd zu allem dem das er hanndlet wolgeschickt. den das glueck vnd auch sein geschicklichkeyt also erhebt hat das er (das vormals vnerhoert was) dreyer nach einander regirender roemischer koenig cantzley verweser gewest ist. So hat er eins hertzogen auß der Schlesien tochter zu der ee gehabt. Ime hat kaiser Sigmund Eger vnd Elnbogen vnd andere stett in Francken. Vnd koenig Albrecht in Hungern Calesum vnd Weyßkirchen gegeben. Diser man muoß ein herrliche vnd wolgepreuechliche synnschicklichkeit vnd sundere guote natur gehabt haben. der vnder souil in sytten einander vngleichen kaisern in gleicher gnad vnd gunst hat muogen leben. Durch diss manns freuentschaft wardt Eneas pius zu bischoflicher wirdigkeit gefuerdert. von dannen ime die nachfolgende wirdigkeiten entsprungen sind.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Ein Feldzug gegen die böhmischen Ketzer zu Kaiser Sigmunds Zeiten. Als Papst Martinus vernommen hatte, wie die böhmische Ketzerei nicht allein an der Menge der Personen, sondern auch mit bewaffneter Macht täglich aufwuchs, da schickte er den Kardinal von Vitonien, aus königlichem Stamm in England geboren, in deutsche Lande, um gegen die böhmische Befleckung eine Heerfahrt zu sammeln. Demnach wurden mit Hilfe und Beistand Kaiser Sigmunds drei Heere unternommen. Die Herzöge von Sachsen und die Seestädte hatten das erste Heer. Der Markgraf zu Brandenburg mit den Franken das zweite. Und Ott, der Erzbischof zu Trier, die rheinischen Herren und die Bayern mitsamt den schwäbischen Reichsstädten das dritte Heer. Und sie zogen an drei Enden in Böhmen hinein durch den Wald und kamen zusammen in eine Wagenburg. Aber die Böhmen sammelten sich eilends zur Gegenwehr und zogen auf die Unseren zu. Als solches den Unseren verkündet wurde, dass die Böhmen mit bewaffneter Hand kämen, da flohen die Unseren, ehe sie eines Feindes ansichtig wurden. Der Kardinal kam unseren Flüchtlingen entgegen mit der Ermahnung, von der Flucht zurückzukehren, aber es war umsonst. Jedermann floh, und die Böhmen eroberten das Kriegsmaterial der Unseren. Darnach zogen sie in das Meißner Land, das verheerten sie. Und als sie sich fortan auf das markgräfliche Land und gegen die Nürnberger Gegend kehrten, da wurden sie mit Geld gestillt und kamen raubreich heim. Als solches an Kaiser Sigismund gelangte, da zog er gen Nürnberg und sammelte von Neuem ein Heer wider die Böhmen. Dazu sendete auch Papst Martinus einen Kardinal, einen Legaten in deutsche Lande, um einen Krieg und Streit wider die Böhmen anzurichten. Also kam der Kardinal gen Nürnberg zu Kaiser Sigismund. Daselbst war eine große Versammlung der Fürsten, und es wurde eine neue Heerfahrt wider die Böhmen beschlossen. Demnach schickten Johannes und Albrecht, die brandenburgischen Markgrafen, mit ihrem Vater, auch die Bischöfe von Würzburg, Bamberg, Eichstätt und die kaiserlichen Reichsstädte, und auch die Erzbischöfe von Trier und Köln ihre Hilfe, sodass mit diesen die Vordersten ihrer Länder bei 40.000 Berittenen gewesen sein sollen. Also zogen sie in das Böhmische Land und verwüsteten viele ketzerische Dörfer und Städte. Nun waren die Böhmen gewarnt, dass die Feinde kommen würden, darum bereiteten sie sich zur Gegenwehr. In mittlerer Zeit kam entweder aus Verräterei (wie viele meinten) oder aus Schrecken ein solcher Aufruhr unter die Unseren, dass sie sich zuvor zur Flucht wendeten, ehe sie irgendeinen Feind ersahen. Als Herzog Albrecht von Österreich vernommen hatte, dass der päpstliche Legat mit Heereskraft in Böhmen gezogen war, da zog er auch mit Volk auf die Ketzer zu. Aber nach Verkündung der Flucht schweifte er durch Mähren, die ihm nochmals nicht gehorsam waren, und verbrannte bei fünfhundert Dörfer und gewann die Städte mit Gewalt. Und schlug viele Leute zu Tod und ängstigte dasselbe mährische Volk also sehr, dass sie sich an denselben Herzog Albrecht ergaben, mit dem Geding, dass er sie des Glaubens halber bleiben lassen sollte, wie das Konzil zu Basel erkenne. Darnach zog der päpstliche Legat aus Böhmen gen Basel. Daselbst hielt er ein Konzil. Neuer Orden der geregelten Chorherren und Versammlung der heiligen Justina und des heiligen Hieronymus. Ein neuer Orden der geregelten Chorherren hat in Etrurien, in dem lucensischen Feld, in dem Kloster Frisonaria seinen Anfang genommen und von Papst Eugenius mit besonderer Freiheit begabt und unter den geregelten Chorherren des heiligen Augustinus gezählt worden. Die Brüder dieses Ordens haben von ihrem ersten Stifter einen schwarzen Mantel mit einem schwarzen Skapulier und einem schwarzen Birett empfangen und darnach den weißen Skapulier abgelegt und an seine Statt ein leinenes Hemd angetan. In diesem Orden sind viele Männer in aller schriftlichen Weisheit, Wohlgesprochenheit und Heiligkeit berühmt gewesen. Auch hat die Versammlung des heiligen Benedikt, die man die heilige Justina nennt, dieser Zeit in der Gegend von Treviso bei der Stadt Padua im Kloster der heiligen Justina durch Ludwig Barbus, den venezianischen Ratsherren, Anfang oder Erneuerung gehabt und von Papst Eugenius dem Vierten mit großen Freiheiten Bestätigung empfangen und viele treffliche hochgelehrte Männer erzogen. Dennoch ist auch der Orden des heiligen Hieronymus (der schier zu Abfall und zu Egarten gekommen war) von dem ehrwürdigen Mann Lupo Hispalensi, desselben Ordens General, mit neuen Ordnungen und Satzungen aus den Sprüchen des heiligen Hieronymus wieder aufgerichtet und durch den päpstlichen Stuhl bestätigt, unter der Regel des heiligen Benedikt in allen Dingen, ausgenommen, dass sie graue Farbe tragen und ihr Amt nach den Sitten des römischen Stuhls halten. Blatt 240 der Weltchronik. Kaiser Sigismund wurden auf eine Zeit 40.000 Gulden zugebracht und gleich spät in die kaiserliche Kammer gelegt. Als nun der Kaiser sich schlafen zu legen neigte und bei sich selbst betrachtete, wozu er solches Geld gebrauchen wollte, da kam er zu Erwachen und der Schlaf verließ ihn. Also weckte er seinen Kämmerer auf mit dem Befehl, seine Räte und die Hauptleute und Rotmeister seiner Ritterschaft bald zu ihm zu fordern. Die Räte, zu Mitternacht also gefordert, erschraken übel, besorgend, dem Kaiser sei ein Unglück zugestoßen, und kamen eilends zum Kaiser. Den fragten sie die Ursache solcher schnellen Forderung. Da öffnete der Kaiser alsbald den Schrein und teilte das Geld aus unter sie und sprach: „Nun geht hin, jetzt mögen wir sicherlich und geruhlich schlafen, denn das, was mir den Schlaf hindert, das geht mit euch hinaus.“ Konzil zu Konstanz. Zu Konstanz im Schwabenland wurde ein allgemeines Konzil zur Beilegung des Schismas und der Zwietracht (so 39 Jahre gewährt hatte) nach der Geburt Christi im Jahre 1414 auf Verfügung und Fleiß Kaiser Sigmunds versammelt. In diesem Konzil erschienen fünf Nationen, nämlich die Welsche, Gallische, Deutsche, Hispanische und Englische. Und was durch Erkenntnis dieser Nationen gesetzt oder geordnet wurde, das war also kräftig und beständig, als ob solches mit jedermanns Einwilligung darnach bestätigt gewesen wäre. Dorthin kam Papst Johannes, wiewohl ihm solches von etlichen widerraten wurde. Aber wiewohl derselbe Johannes durch scharfe Disputation seiner Verwandten die Deutschen lang zweifelhaft hielt, jedoch als Kaiser Sigismund darnach in das Konzil kam und jedermann eine Gewalt gegeben wurde, freilich zu reden, was ihm gut bedünkte, da trat Johannes, wiewohl unwillig, vom Papsttum ab. So entschlug sich Gregorius seiner päpstlichen Macht williglich. Und Benedictus wurde abgesetzt. Und die wiclifitische Ketzerei verdammt. Und Johannes Huss und Hieronymus als Irrende derselben Ketzerei verbrannt. Und als nun viele Prälaten und Fürsten zur Handlung christlicher Sachen und Abstellung der schismatischen Päpste schier vier Jahre daselbst verharrt hatten, da wurde unternommen, einen neuen Papst zu erwählen. Demnach wurden aus einer jeglichen Nation sechs fromme Männer geordnet, die mitsamt den Kardinälen einen römischen Papst erwählen mochten. Also nach der Geburt Christi im Jahre 1417 wurde mit dem Willen 32 Kardinäle

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter (der Weltgeschichte nach der Schedelschen Chronik)
babst Martinus
Papst Martin V. (reg. 1417–1431)
Vitonensischen cardinal
Kardinal Henry Beaufort, Bischof von Winchester, der vom Papst zum Legaten ernannt wurde. 'Vitonien' könnte eine Verballhornung von 'Winchester' sein oder sich auf eine andere, heute unbekannte, Bezeichnung beziehen.
teuetsche land
Deutsche Lande, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation
heerfart
Heerfahrt, Feldzug
zesammeln
zu sammeln
kaiser Sigmunds
Kaiser Sigismund (reg. 1433–1437, als römisch-deutscher König ab 1411)
seestett
Seestädte, hier wohl die Hansestädte gemeint
marggraff zu brandemburg
Markgraf von Brandenburg, hier wohl Friedrich I. von Brandenburg
francken
Franken, Bewohner der Region Franken
Ott der ertzbischoff zu Tryer
Otto von Ziegenhain, Erzbischof von Trier (reg. 1418–1430)
rheinischen herren
Rheinische Herren, Adlige und Fürsten aus dem Rheinland
schwebischen reichstetten
Schwäbische Reichsstädte, freie Reichsstädte in Schwaben
wagenburg
Taktische Formation der Hussiten, bei der Wagen zu einer befestigten Stellung zusammengestellt wurden
gegenweer
Gegenwehr
ansyhtig warden
ansichtig werden, zu Gesicht bekommen
umb sunst
umsonst
kriegs zeueg
Kriegszeug, Kriegsmaterial, Ausrüstung
Meichsen land
Meißen, Markgrafschaft Meißen
fueroan
fortan
marggrafisch land
Markgräfliches Land, hier wohl die Mark Brandenburg
gein der Nuermbergischen gegent
gegen die Nürnberger Gegend
gestilt
gestillt, hier: besänftigt, zum Aufhören gebracht
rawbreich haym
raubreich heim, mit reicher Beute heim
gelanget
gelangte, bekannt wurde
legaten
Legat, päpstlicher Gesandter
anzerichten
anzurichten, zu veranstalten
Johannes vnd Albrecht die Brandemburgischen marggrafen mit irem vater
Johannes (der Alchemist) und Albrecht (Achilles), Söhne von Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg
Wuertzburg Bamberg Eystet
Würzburg, Bamberg, Eichstätt (Bistümer)
ertzbischofe Trier vnnd Coelne
Erzbischöfe von Trier und Köln
.xlm.
römisch für 40.000 (m = mille = tausend)
geraysiger
Gerittene, Berittene, Reiter
Behmer land
Böhmen, das Land Böhmen
In mitler zeit
In der Zwischenzeit
hertzog Albrecht von oesterreich
Herzog Albrecht V. von Österreich (später König Albrecht II.)
schwayffet er durch Merhern
er schweifte durch Mähren
Merhern
Mähren, das Land Mähren
gewunne die stett mit gewalt
gewann die Städte mit Gewalt
schluog vil lewt zu tod
schlug viele Leute zu Tode
engstet
ängstigte
Merherrisch volck
Mährisches Volk
geding
Bedingung
des glawbenßhalb bleiben lassen solt wie das concili zu basel erkennet
sie des Glaubens halber bleiben lassen sollte, wie das Konzil zu Basel es anerkennt (Bezug auf die Kompaktaten von Basel, die den Hussiten bestimmte Zugeständnisse machten)
concili
Konzil, Kirchenversammlung
geregelten chorherren
Regulierte Chorherren, Kanoniker, die nach einer Ordensregel leben
versammlung sant Justine vnd sancti Jheronimi
Kongregation des heiligen Hieronymus und des heiligen Justina
Ethruria
Etrurien, historische Region in Mittelitalien (heutige Toskana)
Lucensischen feld
Feld von Lucca, Gegend um die Stadt Lucca
closter Frisonarie
Kloster Frisonaria, heute nicht mehr unter diesem Namen bekannt, vermutlich ein Kloster in der Nähe von Lucca
babst Eugenio
Papst Eugen IV. (reg. 1431–1447)
sant Augustins
des heiligen Augustinus (Regel des heiligen Augustinus)
schepprer
Skapulier, Teil der Ordenstracht
pyret
Birett, Kopfbedeckung von Geistlichen
hingelegt
abgelegt
leyinins hembd angethan
leinenes Hemd angezogen
wolgesprechheit
Wohlgesprochenheit, Beredsamkeit
sant Benedicten versamlung die man sant Justinen nennt
Die Benediktinerkongregation von Santa Giustina (Heilige Justina) in Padua, später als Cassinensische Kongregation bekannt
Teruisischen gegent bey der statt Padua
Gegend von Treviso bei der Stadt Padua
Ludwigen barbum den venedigischen ratßherren
Ludovico Barbo, venezianischer Ratsherr und Reformer des Benediktinerordens
babst Eugenio dem vierden
Papst Eugen IV.
treffenlicher hohgelerter mann
treffliche, hochgelehrte Männer
schier zu abfall vnd zu egarten komen was
schon fast zu Verfall und zum Erliegen gekommen war ('Egarten' hier im Sinne von 'verödet', 'brachliegend')
Lupo hispalensi desselben ordens general
Lupo Hispalensis, General des Hieronymitenordens (Hispalensis = aus Sevilla)
sant Jheronimus spruechen
Sprüchen des heiligen Hieronymus
roemischen stuols
Römischen Stuhls, des Papsttums
der werlt Blat CCXL
Blatt 240 der Weltchronik (Schedelsche Weltchronik)
.xlm. guldein
40.000 Gulden
zugeracht
zugebracht, übergeben
gleich spat
gleich darauf, kurz danach
genaigt het
geneigt hatte, sich anschickte
bey imeselbs betrachtet
bei sich selbst überlegte
vrwach
Erwachen
kamrer
Kämmerer
hawbtlewt
Hauptleute
rotmaister
Rotmeister, Anführer einer Rotte (militärische Einheit)
pald
bald
vbel besorgende
übel besorgend, in großer Sorge
vnfal zugestanden sein
ein Unglück zugestoßen sei
alsbald
sogleich
schrein
Schrein, hier: Truhe, Kasse
gerueelich
geruhlich, ruhig
dz mir den schlaff hindert
das, was mir den Schlaf hindert
Concili zu Costnitz
Konzil von Konstanz (1414–1418)
schwaben land
Schwabenland
gemains concili
allgemeines Konzil
hinlegung der scisma vnnd zwayunng
Beilegung des Schismas und der Zwietracht (gemeint ist das Abendländische Schisma)
.xxxix. iar
römisch für 39 Jahre
M. cccc.xiiii. iar
römisch für 1414 Jahre
verfuegung vnd fleiß
Verfügung und Bemühung
Welsch Gallisch Teuetsch Hispanisch vnd Engellendisch
Italienisch, Gallisch (Französisch), Deutsch, Hispanisch (Spanisch) und Englisch (die fünf Konzilsnationen)
erkantnus
Erkenntnis, Beschluss
allermenigclichs verwilligung
jedermanns Einwilligung
babst Johannes
Papst Johannes XXIII. (Gegenpapst, reg. 1410–1415)
widerraten
abgeraten
scharpffe disputation seiner verwandten
scharfe Disputation (Streitgespräch) seiner Verwandten (Anhänger)
zweifellich hielt
zweifelhaft hielt, in der Schwebe hielt
wz ine guot bedauchte
was ihm gut dünkte
wiewol vnwillig vom babstthumb ab
obwohl unwillig, vom Papsttum abtrat
entschluoge sich Gregorius seiner babstlichen machte willigclich
Gregor XII. entsagte seiner päpstlichen Macht willentlich
Benedictus ward abgesetzt
Benedikt XIII. wurde abgesetzt (Gegenpapst)
Wicklefisch ketzerey
Wiclifitische Ketzerei (Lehren von John Wyclif)
Johannes huss vnd Jheronimus
Jan Hus und Hieronymus von Prag
als irrer derselben ketzerey verprennt
als Irrende derselben Ketzerei verbrannt
prelaten vnd fuersten
Prälaten und Fürsten
handlung cristenlicher sachen
Verhandlung christlicher Angelegenheiten
abstellung der scismaticischen bebst
Abstellung der schismatischen Päpste
schier vier iar
fast vier Jahre
verharret hetten
verharrt hatten, geblieben waren
einen newen babst zeerkiesen
einen neuen Papst zu erwählen
einer igclichen nation
einer jeglichen Nation
M.cccc.xvii. iar
römisch für 1417 Jahre
.xxxii. cardinel
römisch für 32 Kardinäle