Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Eugeinius der vierdt Jar der werlt .vim.vic.xxx.Jar cristi .im.iiic.xxxi. EVgenius der vierd ein venediger eins gemainen aber doch eins alten geschlechts. dauor gabriel genant ward in disem iar am .vii. tag des monats marcii babst erkorn. vnd was babsts Gregorii des .xii. oeheim vnd ein chorherr des celestinischen ordens sant Georgen in aliga zu Venedig versamlung. den fueeret er mit ime gein rom vnd machet ine zu eim schatzmaister vnd darnach zu eim Senensischen bischoff vnd zu eim cardinal. Zu letst wardt er babst des vberhub er sich nicht vnnd verwandelt auch sein vorigs leben in keinen dingen. Aber in anfang seins babstthumbs hat er auß verlaytung boeß rats alle goettliche vnnd menschliche dinng betrueebet. das roemisch volck zu der waffen bewegt vnd das concili zu Basel von dannen vnentliche vbel entstanden sind bestettigt. vnd doch darnach in sichselbs schlahende alle ding gar weyßlich vnd bestendigclich gehandelt. Er was ein man mercklichs angesihts eren wirdig. in reden mer tapffer dann gespreche. nit fast gelert sunder vil erfarunng. gein menigclichem milt. vnnd sunderlich gein den gelerten. die er gern bey ime het. vnnd ließ sich nicht leichtlich zu zorn bewegen. vnd fuerderet gern die hohen schule. vnnd sunderlich die zu rom. Er hat die gaistlichen vber die maß geliebet. vnd sie mit gueetern vnd freyheiten gemeret. aber kriege het er also lieb dz es sich an eim babst zeuerwundern was. vnnd beweget Delphinum koenig Karls zu franckreich sun mit eim großen geraysigen gezeueg wider die von Basel. deßhalb dann die versammlung daselbst zerstrewet wardt. Er was in seinem zusagen bestendig. in speysung seins hofgesinds scheinper. vnd seinselbs karg. vnd des weins gantz gelassen. Er het gar wenig hofgesinds aber gar hohgelert mann. der rete vnnd vnderrichtung er sich in schweren sachen geprauchen moecht. Diser Eugenius hat koenig Sigmunden zu kaiser gekroent vnd nach absterben desselben vnd nach erwelung hertzog Albrechts von oesterreich zu roemischen koenig das concili zu Ferraria angefengt. vnd daselbst bey ime den kriechischen kaiser gehabt. vnd dasselb concili von dannen gein Florentz gewendt. vnnd darnach die kirchen gottes mit gotzhewßern vnd gepewen zezieren angehebt. Diser babst starb im .lxiiii. iar seins alters vnd in dem .xvi. iar seins babstthumbs. als er Nicolaum von Tolentin in die zal der heilligen beichtiger geschriben het vnd wardt begraben in sant Peters kirchen zu Rom in einem marmorstainin grab mit einer schoenen vmbschrift. die handlung der geschihten durch ine in seinem babstthum geuebt meldende vnd anzaigende. Felix der fuenft FElix der fuenft ist nach der gepurt cristi .M.cccc.xxxviii. iar am dem xviii. tag des monats nouembris als babst Eugenius vom concili zu Basel auß verfuegung hertzog Philipsen abgesetzt wardt in dem scisma oder zwayung zu babst erkorn vnd saße newn iar. Nach erkiesung desselben sind alßpald vil aufruor vnd zwilewftigkeit in der kirchen gottes entstanden. also das der cristenlich stannd in drey widerwillen getaylt wardt. dann ettliche hielten Eugenium. die andern Felicem vnd die dritten dero keinen fuer babst. Diser Felix was der erst hertzog zu Sophoy. Das was erstlich ein grafschaft. vnd als er nw nach seins vaters absterben bey .xl. iarn dz land geregirt vnd dasselb allenthalben befridet het do verließ er der werlt eytelkeit vnd geprengk vnd gieng mit sechs betagten edel mannen in ein gaistlichs beschewlichs leben. vnd als er nw also auff erden ein heilligs himlischs wesen gefueert het do wardt er vom concili zu Basel babst erwelt. demnach hat er seinen part abscheren lassen. das hertzogthumb seinem erstgepornen sun gegeben. kirchliche gewonheit vnd sytten gelernet vnd ist mit eim großen zeueg gein Basel gezogen vnnd daselbst als ein roemischer babst zwischen zwayen seinen suenen gekroent worden. Als aber Eugenius starb do tratte diser Felix als ein liebhaber des frids vnd der demueetigkeit auß aigner bewegnus seinem nachkomen Martino des babstthumbs willigclich ab vnd verzige sich des babstlichen namens vnd behielt die cardinelischen ere. left DIss .xxiii. scisma oder zwayung zwischen Eugenio vnd Felice weeret nit on ergernus dess gemainen cristenlichen stands bis auff babst Nicolaum den fuenften von mancherlay disputation vnd fechtens wegen. ob der babst vber das concili oder ein concili vber den babst wer. ES wardt diser zeit ein finsternus der sunnen. nach derselben volgten mangerlay krieg vnd aufruor. So erschine auch ein comet. Darnach beschahe ein große schlacht vnd bluotuergiessung der menschen zu Luettich. der werlt Blat CCXLIII Linea der kaiser // Albrecht ALbrecht hertzog zu oesterreich des vorgenanten kaiser Sigmunds tochterman vnd koenig zu Behem vnnd zu Hungern wardt nach Cristi gepurt .M.cccc. xxxviii. iar am .xx. tag des monats Marcii zu roemischem koenig geschoepft vnd regiret zway iar. Er was mit allen tugenten geziert. ein gaistlicher fuerst. mylt vnnd gerecht in kriegen kuenmueetig vnd beraytter hand. Diser hertzog Albrecht ward mitsambt seiner gemahel Elizabethen zu Stuolweissenburg mit verwilligung vnd frolockung des volcks erstlich zu hungrischem koenig vnnd darnach zu Behmischem koenig gekroent. Dazwischen komen die churfuersten des reichs zu franckfurt zusamen vnd entschlussen sich disem Albrechten auch das roemisch kaiserthumb zebefelhen. aber ime was dasselb anzenemen on verwilligunng der landherren in hungern in keinen weg zymmlich. dann nach dem bey zeiten kaiser Sigmunds der auch ein hungrischer koenig gewesen als er den walhen zu guot von wegen des roemischen reichs in welsche land gezogen wer die tuercken das koenigreich zu hungern vberfallen hetten. so verpunden die hungern disen Albrechten bey aydßpflicht in auffnemung zu irem koenig. das er on ir gehaiße vnd verwilligung das roemisch kaiserthumb nicht annemen solt: yedoch warden die hungern zum koenig gein Wienne gefordert. vnd nach mancherlay handlung durch bitte hertzog Friderichs zu oesterreich. deßmals noch iunglings zuuerwilligung bewegt. Also name er das roemisch reich mit grosser frolockung der teuetschen an vnd zohe mit beystand des reichs gein hungern in willen wider die tuercken zeraysen. in mitler zeit starb bischoff Georg zu Gran. der dann die koenigclich hungrisch kron auff dem schloss behalten het. Do zohe koenig Albrecht daselbsthin vnd dz schloss ward der koenigin gegeben. vnd als man nw die koenigin den schatz des reichs vor den landherren darzu geordnet beschawen ließ do entwenndet sie heimlich die heilligen kron sant Stephans vnd schlaychet die eim alten weib zu. Darnach zohe koenig albrecht vnerharret einicher hilff mit heereßkraft wider die Tuercken vnd legeret sich mit der wagenburg zwischen die Thonaw vnd den fluss Ticiam. Dieweil erobert der tuerckisch kaiser das castel vnd plenndet des Dispoten sun des schwester er zu der ee het. vnd zohe widerhaym. Als das an den koenig gelanget do liess er das heer vnnd kome gein Ofen. vnd nach dem er aber von der hitze des warmen augstmonds geengstigt wardt so suchet er erquickung in den melawnen oder pfeben also vnmassigclich das er leibfluessig wardt. vnd als er nw geferlichkeit bey imeselbs empfunde do setzet er ime fuer gein Wienne zeziehen in willen vnder den seinen zesterben. oder in hoffnung in dem lufft darinn er erneret wer gesuntheit zu erlangen. vnd als er aber auff dem weg fuer Gran hin komen wz vnd sich sein kranckeit meret do liess er seine gemahel schwangere vnd ordnet sein geschefft vnd starb in eim dorff das lang dorff genant. vnd sein leichnam wardt zu Stuolweissenburg begraben. als er nit gar zway iar das roemisch reich geregirt het. Allermenigclicher troestet vnd versahe sich vil guoter kuenftiger dinng zu disem Albrecht. aber die zeit wardt ime zekurtz. Concili zu Basel COncili zu Basel ward nach der gepurt cristi. M. cccc.xxxviii. iar auß babsts martini gescheft doch erstlich langksam. aber darnach in großer anzal gesammelt durch besuchung der bischoff vnd andrer prelaten mit eetlichen cardineln die von Eugenio abgetretten warn. Als aber Eugenius allenthalben mit kriegen geengstigt wardt. vnd mercket das sich das concili teglich meret. vnd auß vil cristenlichen landen vnnd gegenten die fuersten daselbsthin komen. vnnd alle sachen des gemaynen cristenlichen stands zu erkantnus vnnd in die wilkuere des concili setzten. do vnderstund sich Eugenius mit gemainer folge aller bey ime wesender cardinel diss concili gein Panoniam zewenden. Aber der kaiser vnd andere fuersten vnd prelaten deßmalß zu Basel wesende wolten dem babst nicht allain nit wilfaren. sunder sie vermanten ine mermals gein Basel mit seinen cardineln zekomen oder sie woelten gegen ime als eim vngehorsamen handeln. aber nach dem Eugenius nit erschine. sunder allein einen legaten schicket do ward er durch verfuegung hertzog Philipsen von Mayland des babstthumbs entsetzet. vnd Amedeus der hertzog zu sophoy zu babst erkorn vnd Felix genant. Diss concili het einen schoenen anfang aber einen vbeln außgang von nachfolgender zwayung wegen. dann Eugenius beweget den Delphin koenig Karls zu franckreich sun mit eim großen aysigen zeueg wider die von Basel. deßhalb wardt das concili daselbst gar pald zerstoert.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste. Eugenius der Vierte. Im Jahr der Welt 8630, im Jahr Christi 1431. Eugenius der Vierte, ein Venezianer aus einem bürgerlichen, aber doch alten Geschlecht, der zuvor Gabriel genannt wurde, wurde in diesem Jahr am siebten Tag des Monats März zum Papst gewählt. Und er war Papst Gregors des Zwölften Neffe und ein Chorherr des Cölestinerordens der Versammlung des heiligen Georg in Alga zu Venedig. Diesen führte er mit sich nach Rom und machte ihn zum Schatzmeister und danach zum Bischof von Siena und zum Kardinal. Zuletzt wurde er Papst, worüber er sich nicht überhob und auch sein früheres Leben in keiner Weise änderte. Aber zu Beginn seines Pontifikats hat er, durch die Verleitung bösen Rates, alle göttlichen und menschlichen Dinge getrübt, das römische Volk zu den Waffen bewegt und das Konzil zu Basel, von dem unendliche Übel entstanden sind, bestätigt. Und doch handelte er danach, in sich selbst besinnend, alle Dinge sehr weise und beständig. Er war ein Mann von bemerkenswertem Ansehen, ehrenwürdig, in Reden eher mutig als gesprächig, nicht sehr gelehrt, sondern sehr erfahren. Er war jedem gegenüber milde und besonders den Gelehrten gegenüber, die er gerne bei sich hatte, und ließ sich nicht leicht zum Zorn bewegen. Er förderte gerne die hohen Schulen, und besonders die zu Rom. Er hat die Geistlichen über die Maßen geliebt und sie mit Gütern und Freiheiten vermehrt; aber Kriege liebte er so sehr, dass es an einem Papst zu verwundern war. Und er bewegte Dauphin, den Sohn König Karls von Frankreich, mit einem großen, gerüsteten Heer gegen die von Basel, weshalb dann die Versammlung daselbst zerstreut wurde. Er war in seinen Zusagen beständig, in der Bewirtung seines Hofgesindes freigebig, und sich selbst gegenüber karg, und des Weines gänzlich enthaltsam. Er hatte sehr wenig Hofgesinde, aber sehr hochgelehrte Männer, deren Rat und Unterrichtung er sich in schweren Sachen bedienen konnte. Dieser Eugenius hat König Sigismund zum Kaiser gekrönt und nach dessen Ableben und nach der Erwählung Herzog Albrechts von Österreich zum römischen König das Konzil zu Ferrara angefangen. Und daselbst hatte er den griechischen Kaiser bei sich und wandte dasselbe Konzil von dort nach Florenz und begann danach, die Kirchen Gottes mit Gotteshäusern und Bauten zu zieren. Dieser Papst starb im 64. Jahr seines Alters und im 16. Jahr seines Pontifikats. Als er Nikolaus von Tolentino in die Zahl der heiligen Bekenner geschrieben hatte, wurde er in der Peterskirche zu Rom in einem marmornen Grab mit einer schönen Umschrift begraben, welche die Taten und Geschichten, die er in seinem Pontifikat vollbrachte, meldete und anzeigte. Felix der Fünfte. Felix der Fünfte wurde nach der Geburt Christi im Jahr 1438, am 18. Tag des Monats November, als Papst Eugenius vom Konzil zu Basel auf Anordnung Herzog Philipps abgesetzt wurde, im Schisma oder der Spaltung zum Papst gewählt und saß neun Jahre. Nach dessen Wahl entstanden alsbald viele Aufruhre und Zwietracht in der Kirche Gottes, so dass der christliche Stand in drei Parteien geteilt wurde; denn etliche hielten zu Eugenius, die anderen zu Felix, und die dritten hielten keinen von beiden für Papst. Dieser Felix war der erste Herzog von Savoyen. Das war ursprünglich eine Grafschaft. Und als er nun nach dem Ableben seines Vaters etwa 40 Jahre das Land regiert und dasselbe allenthalben befriedet hatte, da verließ er die Eitelkeit und den Prunk der Welt und ging mit sechs betagten Edelmännern in ein geistliches, beschauliches Leben. Und als er nun so auf Erden ein heiliges, himmlisches Wesen geführt hatte, da wurde er vom Konzil zu Basel zum Papst erwählt. Demnach hat er seinen Bart abscheren lassen, das Herzogtum seinem erstgeborenen Sohn gegeben, kirchliche Gewohnheiten und Sitten gelernt und ist mit einem großen Gefolge nach Basel gezogen und daselbst als ein römischer Papst zwischen zwei seiner Söhne gekrönt worden. Als aber Eugenius starb, da trat dieser Felix als ein Liebhaber des Friedens und der Demut aus eigener Bewegung seinem Nachfolger Martinus vom Papsttum willentlich ab und verzichtete auf den päpstlichen Namen und behielt die kardinalische Ehre. Dieses 23. Schisma oder die Spaltung zwischen Eugenius und Felix währte nicht ohne Ärgernis des gemeinen christlichen Standes bis auf Papst Nikolaus den Fünften, wegen mancherlei Disputationen und Kämpfe, ob der Papst über das Konzil oder ein Konzil über den Papst sei. Es ereignete sich dieser Zeit eine Finsternis der Sonne. Nach derselben folgten mancherlei Kriege und Aufruhre. So erschien auch ein Komet. Danach geschah eine große Schlacht und Blutvergießen der Menschen zu Lüttich. Der Welt. Blatt 243. Linie der Kaiser. Albrecht. Albrecht, Herzog zu Österreich, der Schwiegersohn des vorgenannten Kaisers Sigismund und König zu Böhmen und zu Ungarn, wurde nach Christi Geburt im Jahr 1438, am 20. Tag des Monats März, zum römischen König gewählt und regierte zwei Jahre. Er war mit allen Tugenden geziert, ein geistlicher Fürst, milde und gerecht, in Kriegen kühn und kampfbereit. Dieser Herzog Albrecht wurde mitsamt seiner Gemahlin Elisabeth zu Stuhlweißenburg mit Zustimmung und Frohlocken des Volkes erstlich zum ungarischen König und danach zum böhmischen König gekrönt. Dazwischen kamen die Kurfürsten des Reiches zu Frankfurt zusammen und entschlossen sich, diesem Albrecht auch das römische Kaisertum zu befehlen. Aber ihm war es keineswegs angemessen, dasselbe ohne Zustimmung der Landherren in Ungarn anzunehmen; denn nachdem zu Zeiten Kaiser Sigismunds, der auch ein ungarischer König gewesen war, als er den Welschen zuliebe wegen des römischen Reiches in welsche Länder gezogen war, die Türken das Königreich Ungarn überfallen hatten. So verpflichteten die Ungarn diesen Albrecht bei Eidspflicht bei seiner Annahme zu ihrem König, dass er ohne ihren Befehl und ihre Zustimmung das römische Kaisertum nicht annehmen sollte. Jedoch wurden die Ungarn zum König nach Wien gefordert und nach mancherlei Verhandlungen durch die Bitte Herzog Friedrichs von Österreich, der damals noch ein Jüngling war, zur Zustimmung bewegt. So nahm er das römische Reich mit großer Frohlockung der Deutschen an und zog mit Beistand des Reiches nach Ungarn, in der Absicht, gegen die Türken zu ziehen. In der Zwischenzeit starb Bischof Georg zu Gran, der dann die königlich ungarische Krone auf dem Schloss behalten hatte. Da zog König Albrecht dorthin, und das Schloss wurde der Königin gegeben. Und als man nun die Königin den Schatz des Reiches vor den dazu geordneten Landherren beschauen ließ, da entwendete sie heimlich die heilige Krone des heiligen Stephan und schmuggelte sie einer alten Frau zu. Danach zog König Albrecht, ohne auf weitere Hilfe zu warten, mit Heereskraft gegen die Türken und lagerte sich mit der Wagenburg zwischen die Donau und den Fluss Theiß. Derweil eroberte der türkische Kaiser das Kastell und blendete den Sohn des Despoten, dessen Schwester er zur Ehe hatte. Und zog wieder heim. Als das dem König zu Ohren kam, da verließ er das Heer und kam nach Ofen. Und nachdem er aber von der Hitze des warmen Augustmonats...