Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
BAsel ist ein weyte vnd fast namhaftige statt schweyzerlands an eim koenigclichen ende erpawt. dann so diese statt lateinisch genennt wirdt so ist es nach art des kriechischen gezuengs souil als koenigclich gesprochen. Oder aber diese statt hat iren namen von dem mangel der grundfeste auß vrsachen der vilfeltigen erdpiden. vnd auß bedeuetnus des lateinischen namens dieser statt. wiewol man in der gemainde sagt. das ettwen ein Basilisck alda verborgen gelegen sey von dann her diser statt ir namen entstannden vnd bliben sey. Der Rhein fleueßt schier mitten durch dise statt. Doch ist darueber ein prugt von einem teyl zu dem andern. Derselb fluss des rheins entspriengt in dem gepirg vnnd wirdt durch mancherlay anstoeße zwischen gehen scharpffen felsen also eingezwengt das er einen erschrecklichen saws von ime gibt. Sunderlich fleueßt er bey Schafhawsen mit großer ongestuemigkeit vberwaltzende. vnd vnder dem stettlein Lauffenberg wirdt er mit felsen also eingedrenngt das er vor zwancksale vnd gestoeße als ein weisser schaym erscheint. Von dannen rynnet er grawsamlich schaymende in weytem schlund bis gein Basel. diselben statt vnd prugt heymlich beschedigende, dann er floeßet die gestadt hin. sucht newe genng. hoelert das ertreich vnd fuellet es dann mit wind vnd wasser. Daher koembts das dise stat mermals mit erdpidem beschedigt worden ist. Dise statt hat von dem rhein darauff man daselbsthin. vnd vo dannen in schiffen vil gueetere fueeret große nutzperkeit. Sant Ursula die heillige junckfraw hat auch (als die hystorien sagen) mit iren weggeferten von Coelne auff dem Rhein gein Basel auffgeschiffet. vnn wiewol der Rhein den die dabey wonen zuzeiten vil schadens zufueegt so gibt er inen doch einen fruchtpern erdpodem. Diser statt ist in vnszern zeiten mit zygelstaynin mewrn. fast schoenen behawsungen. groszen cloestern vnd kirchen. mit weyte spitalen vnd andern einer statt nottuerftigen dingen mit großem umbkrays vnd zynnen vnd mit tieffen greben geziert vnd befestigt vnd hat zwischen den pergen ein weyte feldung. an getrayd unnd guotem wein fast fruchtper. Aber wiwol in diser loehlichen vnd alten statt vil anzaigung vnd vberbleibung ser alter gepew erscheinen so sind doch dieselben auß pawfelligkeit vnd erdpidem. auch auß alter also entstelt das man nicht erkennen kan was gestaltnus vnd zu welchem geprauch dieselben gepewe gemacht gewesen seyen. Aber dise statt ist wunderperlich geauffet vnd nach dem erdpidem wider erpawt. vnnd zu vnßern zeitten daselbst ein hohe schuol auffgericht. Dise statt ligt im Elßas ettwen Sweitz genant ettwen in galliaz yetzo in teuetsche land gehoerende. Als Lud wig der Viennisch delphin die von Basel schier mit aller Gallischen ritterschaft vberfiele do schickten die schweitzer ire aydenossen iiijM(?) woltuechtiger mann zu hilff. davon hernach weyter meldung beschiht. Dise statt hat zwu seyten. In der groeßeren seyten sind drey berg. auff dem einen ist die bischoflich kirch. der heilligen junckfrauen marie thumstift mit hilff des seligen kaiser heinrichs des anderen gezieret. Auff dem andern wonen die geregelten chor herrn zu sannt Leonhart. Auff dem dritten ligt sant Peters kirch. Das erst closter mit der ebbtey zu sannt alban ligt an der spitz diser stat. In diser seyten haben auch die parfuoßer augustiner vnd prediger brueed ire cloester. vnd die creuetzherrn on teuetschen herrn ire hewßer. auch die closter frawe zu sant Katherinen. zu sant Claren. vnd zu sant Marian magdalenen ire cloester. Aber in der klainen seyten ist ein fast treffenlichs cartheueßer closter vnd sant Theodora vnd sant Niclasen kirch vnd andere gotzheueßer. In diser statt ist auch nicht wenig heyligthumbs. FRiderichen den hertzogen zu oesterreich darnach roemischen kaiser het amedeus der hertzog von sophoy der in dem concili zu Basel babst erkorn vnd felix genant wardt sein tochter (die ein junge wittib vnd schoen war) zu der ee angetragen. vnd ime zu ir zwaymal hunderttrawsent guldein zu heyrat zegeben angepotten. wenn er ine einen nachkomen sant Peters nennet vnd Eugenium verliße. Dess entsetzet sich Friderich. dann er wolt mit seinem sacrament di sacrament der kirchen nicht beflecken vnd keret sich zu seim hofgesind vnd sprach. Die andern pflegen ire bischofliche wirdigkeit zeuerkawffen so wolt diser amedeus gern kawffen wenn er nur einen verkawffer fuende. LEonellus estensis marggraff zu Ferraria der erstgeporn auß Stella der edeln jungenfrawen vneelich geporn hat nach Aicolao(?) seinem vater zu Mayland gestorben das marggraffthumb empfangen vnd. ir(?). iar in frid vnd gerechtigkeit geregirt. vnd di statt Ferrariam mit newen mawren gegen dem flufs Padi eingefahen angefengt vnd vil hoher gepew. vnd ein closter sant Domninicus ordens auffgericht. vnd darinn sein begrebnus erwelt Diser was ein holdselig. gueetig. kluog vnd mylt man. vnd guoter schriften wolgelert. vnnd het Johannis francisci gonzage von Mantua tochter zu der ee.
Basel ist eine weite und sehr namhafte Stadt des Schweizerlandes, an einem königlichen Ort erbaut. Denn wenn diese Stadt lateinisch genannt wird, so bedeutet es nach Art der griechischen Sprache so viel wie „königlich“. Oder aber diese Stadt hat ihren Namen vom Mangel an Grundfesten, aufgrund der vielfältigen Erdbeben und der Bedeutung des lateinischen Namens dieser Stadt. Obwohl man im Allgemeinen sagt, dass einst ein Basilisk dort verborgen gelegen sei, von dem her dieser Stadt ihr Name entstanden und geblieben sei. Der Rhein fließt fast mitten durch diese Stadt. Doch ist darüber eine Brücke von einem Teil zum anderen. Derselbe Fluss, der Rhein, entspringt im Gebirge und wird durch mancherlei Anstöße zwischen steilen, scharfen Felsen so eingeengt, dass er einen erschrecklichen Saus von sich gibt. Besonders fließt er bei Schaffhausen mit großer Ungestümigkeit überwältigend. Und unter dem Städtlein Laufenburg wird er mit Felsen so eingedrängt, dass er vor Zwangsal und Anstößen als ein weißer Schaum erscheint. Von dannen rinnt er grausamlich schäumend in weitem Schlund bis gen Basel, dieselbe Stadt und Brücke heimlich beschädigend, denn er spült das Ufer weg, sucht neue Gänge, höhlt das Erdreich aus und füllt es dann mit Wind und Wasser. Daher kommt es, dass diese Stadt mehrmals mit Erdbeben beschädigt worden ist. Diese Stadt hat vom Rhein, auf dem man dorthin und von dannen in Schiffen viele Güter führt, großen Nutzen. Die heilige Jungfrau Ursula hat auch (wie die Historien sagen) mit ihren Weggefährten von Köln auf dem Rhein gen Basel aufgeschifft. Und wiewohl der Rhein denen, die dabei wohnen, zuzeiten viel Schaden zufügt, so gibt er ihnen doch einen fruchtbaren Erdboden. Diese Stadt ist in unseren Zeiten mit Ziegelsteinmauern, sehr schönen Behausungen, großen Klöstern und Kirchen, mit weiten Spitälern und anderen einer Stadt notwendigen Dingen, mit großem Umkreis und Zinnen und mit tiefen Gräben geziert und befestigt und hat zwischen den Bergen eine weite Feldung, an Getreide und gutem Wein sehr fruchtbar. Aber wiewohl in dieser löblichen und alten Stadt viele Anzeichen und Überbleibsel sehr alter Gebäude erscheinen, so sind doch dieselben aus Baufälligkeit und Erdbeben, auch aus Alter so entstellt, dass man nicht erkennen kann, welche Gestalt und zu welchem Gebrauch dieselben Gebäude gemacht gewesen seien. Aber diese Stadt ist wunderbarlich aufgebaut und nach dem Erdbeben wieder erbaut. Und zu unseren Zeiten daselbst eine hohe Schule aufgerichtet. Diese Stadt liegt im Elsass, manchmal Schweiz genannt, manchmal in Gallien, jetzt zum deutschen Land gehörend. Als Ludwig, der Wiener Dauphin, die von Basel fast mit aller gallischen Ritterschaft überfiel, da schickten die Schweizer, ihre Eidgenossen, 4000 wackere Männer zu Hilfe, davon hernach weitere Meldung geschieht. Diese Stadt hat zwei Seiten. In der größeren Seite sind drei Berge. Auf dem einen ist die bischöfliche Kirche, das Domstift der heiligen Jungfrau Maria, mit Hilfe des seligen Kaisers Heinrich des Zweiten geziert. Auf dem anderen wohnen die geregelten Chorherren zu Sankt Leonhard. Auf dem dritten liegt Sankt Peters Kirche. Das erste Kloster mit der Abtei zu Sankt Alban liegt an der Spitze dieser Stadt. In dieser Seite haben auch die Barfüßer-Augustiner und Predigerbrüder ihre Klöster, und die Kreuzherren ohne deutsche Herren ihre Häuser, auch die Klosterfrauen zu Sankt Katharinen, zu Sankt Klaren und zu Sankt Marien Magdalenen ihre Klöster. Aber in der kleinen Seite ist ein sehr treffliches Kartäuserkloster und Sankt Theodora und Sankt Niklasen Kirche und andere Gotteshäuser. In dieser Stadt ist auch nicht wenig Heiligtum. Friedrich, dem Herzog zu Österreich, danach römischen Kaiser, hat Amadeus, der Herzog von Savoyen, der in dem Konzil zu Basel zum Papst erkoren und Felix genannt wurde, seine Tochter (die eine junge Witwe und schön war) zur Ehe angetragen. Und ihm zu ihr zweihunderttausend Gulden zur Heirat zu geben angeboten, wenn er ihn einen Nachkommen Sankt Peters nennte und Eugenius verließe. Dessen entsetzte sich Friedrich, denn er wollte mit seinem Sakrament die Sakramente der Kirche nicht beflecken und kehrte sich zu seinem Hofgesinde und sprach: „Die anderen pflegen ihre bischöfliche Würdigkeit zu verkaufen, so wollte dieser Amadeus gern kaufen, wenn er nur einen Verkäufer fände.“ Leonello d'Este, Markgraf zu Ferrara, der erstgeborene, unehelich geboren von Stella, der edlen Jungfrau, hat nach Niccolò, seinem Vater, der in Mailand gestorben war, das Markgrafentum empfangen und [unbekannte Zahl] Jahre in Fried und Gerechtigkeit regiert. Und die Stadt Ferrara mit neuen Mauern gegen den Fluss Po einzufassen angefangen und viele hohe Gebäude und ein Kloster des Sankt Dominikus-Ordens aufgerichtet und darin sein Begräbnis erwählt. Dieser war ein holdseliger, gütiger, kluger und milder Mann und in guten Schriften wohlgelehrt. Und hatte die Tochter des Gianfrancesco Gonzaga von Mantua zur Ehe.